Ein Jahr Donald Trump: So hat der Präsident die USA verändert – in zwölf Grafiken
Es gibt Versprechen, die schwer zu halten sind. Auch Donald Trump hat sie in seiner Amtsantrittsrede vor einem Jahr gegeben. Er wollte die Inflation rasch senken, Millionen neue Jobs schaffen, die Migration sofort stoppen und den „American Dream“ zurückbringen.
Waren das leere Worte – oder hat er seine Vorhaben umgesetzt? Daten geben Aufschluss darüber, inwieweit er seine Ankündigungen eingelöst hat – und wo der Präsident die USA bereits nach einem Jahr im Amt verändert hat. Die Bilanz: gemischt – außer für den Präsidenten persönlich.
„Alle illegalen Einreisen werden sofort gestoppt“, versprach Trump beim Amtsantritt. Zudem wolle er Millionen „kriminelle Ausländer“ abschieben. Bei seiner Wählerschaft ist Migration ein zentrales Thema – und hier hat er für sie geliefert: Die Grenzpolizei registriert so wenige Vorfälle wie seit Jahrzehnten nicht.
Weil so wenige Menschen in die USA einreisten, überstieg 2025 die Zahl der Auswanderer erstmals seit rund 50 Jahren die der Einwanderer. Derweil verhaftet die Grenzpolizei ICE immer mehr Menschen.
Große Zustimmung erfährt der Präsident dafür derzeit jedoch nicht. Nach dem tödlichen Schuss eines ICE-Beamten auf eine Frau Anfang Januar in Minneapolis sank die Unterstützung für Trumps Einwanderungspolitik laut Umfragen auf den tiefsten Stand seiner Amtszeit. Der Vorfall löste landesweite Proteste und Kritik an der harten Durchsetzungspraxis der Bundespolizei aus.
Wirtschaftlich greift Trump hart durch. Riesige Summen sollten dank seiner Zollpolitik in die Staatskasse fließen – und das gelang: Die Administration nahm mit Steuern und Zöllen 2025 insgesamt fast 300 Milliarden Dollar ein. Doch der Arbeitsmarkt schwächelt.
Eigentlich sollten Zölle amerikanische Jobs schützen, sagte der Präsident bei Amtsantritt. Im Wahlkampf hatte er Millionen neue Jobs versprochen. Doch 2025 war mit nur 584.000 neuen Arbeitsplätzen das schwächste Jahr seit 2009 (abgesehen von der Corona-Pandemie) – deutlich weniger als die rund zwei Millionen unter Präsident Joe Biden im Jahr 2024.
So erfolgreich die Zollpolitik mit Blick auf die Einnahmen derzeit ist, ob der Erfolg nachhaltig ist, ist nicht entschieden. Die Zölle stehen rechtlich unter Druck: Das Verfassungsgericht prüft, ob Trump die Befugnis hatte, sie zu erlassen. Zudem könnten Handelspartner mit Gegenzöllen reagieren oder langfristig auf andere Partner ausweichen.
Die hohen Zölle sollten die vor einem Jahr versprochenen Industriearbeitsplätze „zurückbringen“ – doch seit April sinkt die Zahl. Ökonomen machen die Zölle mitverantwortlich. Sie erhöhen die Produktionskosten für viele Unternehmen und bremsen Investitionen.
Dabei waren die Zölle selbst eines von Trumps Antritts-Versprechen: „Statt unsere Bürger zu besteuern, um andere Länder zu bereichern, werden wir ausländische Länder mit Zöllen belegen“, sagte er am 20. Januar 2025. Ziel war es, die aus seiner Sicht unfairen Handelsbeziehungen zu korrigieren und das Defizit zu senken. Tatsächlich meldeten die USA im Oktober das niedrigste Handelsdefizit seit 2009.
Was für die USA Entlastung bedeutet, trifft die Exportnation Deutschland: Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sanken die Exporte in die USA in den ersten drei Quartalen im Schnitt um 7,8 Prozent, nachdem sie zwischen 2016 und 2024 noch um fast fünf Prozent gewachsen waren.
Die Experten des IW erwarten, dass die Ausfuhren in die USA niedrig bleiben werden. Ökonomen betonen zudem, dass Zölle allein das Handelsdefizit nicht nachhaltig senken können, solange die strukturellen Ursachen weiter bestehen.
Immerhin: Zölle auf Produkte wie Kaffee, Rindfleisch und Bananen nahm Trump kürzlich wieder zurück – denn seine Zollpolitik hatte zuletzt die Preise in den USA in die Höhe getrieben. Dabei lautete ein weiteres seiner Versprechen an die amerikanische Bevölkerung: Rekordinflation besiegen und die Kosten und Preise rasch senken – mit durchmischter Bilanz.
Die Inflation ist im Vergleich zu Januar 2025 leicht gesunken, war aber schon seit dem Sommer davor auf einem ähnlich niedrigen Niveau. Hinzu kommt: Viele Lebensmittel sind weiterhin teuer.
Eines von Trumps Versprechen hat sich erfüllt: Der Eierpreis ist niedriger. Das ist aber weniger Trumps Politik zu verdanken als der Lage in der Geflügelbranche. 2025 führten Vogelgrippe-Ausbrüche zu Knappheit, mit der Entspannung der Situation sanken auch die Preise. Die Lebensmittelinflation ist zwar niedriger als während der Pandemie, aber weiterhin spürbar.
„America First“ – die USA zuerst. Das betont der Präsident immer wieder. Für manche Reisende ist das Land deshalb als Reiseziel unpopulärer, zeigen Einreisedaten aus dem vergangenen Jahr. Seit dem Sommer hat die Regierung Einreiseverbote für Staatsangehörige Dutzender Länder verhängt.
Die Folge: Immer weniger Menschen kommen in die USA – besonders aus Myanmar und Laos, wo der Einreisebann gilt. Auch aus Deutschland kamen zwölf Prozent weniger Menschen.
Die Tourismusbranche fürchtet den Rückgang internationaler Gäste. Zum Amtsantritt hieß es noch: „Von diesem Tag an wird unser Land wieder aufblühen und überall auf der Welt respektiert werden.“ Davon ist ein Jahr später wenig zu spüren. Und auch der Präsident selbst ist im Ausland denkbar unpopulär.
Besonders bei den Dänen ist Donald Trump unbeliebt – immerhin möchte er Grönland, das zum Königreich Dänemark gehört, übernehmen.
Auch im eigenen Land verliert er an Rückhalt. Nach einem Jahr im Amt sind seine Umfragewerte gefallen. Deutlich besser läuft es beim eigenen Geschäft: Donald Trumps Vermögen hat sich im ersten Jahr seiner Präsidentschaft fast verdoppelt.
„Wir werden wieder eine reiche Nation sein“, versprach Trump bei seiner Amtseinführung. Für ihn persönlich hat sich dieses Versprechen nach diesem Jahr eindeutig erfüllt. Für den Rest der US-Bevölkerung fällt die Bilanz gemischter aus.
Trumps Politik hat die USA in einem Jahr spürbar verändert. Doch viele Amerikaner warten weiter auf das groß versprochene „goldene Zeitalter“: Die Lebenshaltungskosten sind hoch, der Arbeitsmarkt tritt auf der Stelle, die Gesundheitskosten steigen.
Zugleich sorgt die harte Migrationspolitik für Verunsicherung. Baugewerbe und Landwirtschaft fürchten fehlende Arbeitskräfte, weil Migranten nicht mehr einreisen oder aus Angst vor Abschiebung der Arbeit fernbleiben. Die wirtschaftlichen Folgen davon sind schwer abzuschätzen. Sicher ist: Trump wird diese Risiken wohl kleinreden – und sich weiter auf seine Erfolge konzentrieren.