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SARS-CoV-2 in Deutschland
Alle bestätigten Coronavirus-Infektionen nach Landkreisen und Bundesländern

 
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Es verbreitet sich entlang der Straßen und Bahngleise, über Theken und Tische, über Verpackungen und Oberflächen. Es verbreitet sich über das, was uns zu Menschen macht: Nähe. Gespräche am Tisch, Sport im Team, zärtliche Berührungen. Weltweit konnte es sich so ausbreiten [Zur Weltkarte geht’s hier]. Das Coronavirus legt ein globales Netzwerk der Verbundenheit offen. Und es zeigt, wie verwundbar unsere Nähe uns macht. Auf der Karte lässt sich nachvollziehen, wie weit das Coronavirus hierzulande schon gekommen ist. Sie wird 24 Stunden am Tag gepflegt – mithilfe automatischer Prozesse, manueller Verifizierung und Dutzender Freiwilliger (DANKE!).

Wenn Sie in der interaktiven Grafik zwischen den absoluten Zahlen und der Fallzahl pro Kopf umschalten, kann man noch besser auseinanderhalten, wo die Corona-Kurven einen besonders bedrohlichen Verlauf nehmen. Und es wird klar: Inzwischen ist Deutschland eines der Länder, die weltweit am stärksten betroffen sind.

Neben Großstädten wie Berlin, Hamburg und München liegt ein auffälliger regionaler Schwerpunkt der Fallzahlen in Heinsberg, einem Landkreis in Nordrhein-Westfalen, in dem traditionell gerne Karneval gefeiert wird. Am 25. Februar wird dort ein Mann positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Genau zehn Tage zuvor, noch völlig ohne Symptome, hatte er auf einer Kappensitzung stundenlang gefeiert. Zusammen mit seiner Frau – und cirka 300 weiteren Menschen.

In Deutschland markiert das den Wendepunkt der Epidemie. Zuvor hatte es nur vereinzelte Fälle in Bayern gegeben. Ab dem 27. Februar wächst die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Deutschland immer schneller an. Kurz darauf kommen weitere Infektionscluster in anderen Orten hinzu. Am 1. März wird der erste Infizierte in Berlin gemeldet. Die folgenden Kurven zeigen die Fallzahlen seit dem ersten Fall in Deutschland im Vergleich.

Dabei wird deutlich, dass der weitere Verlauf der Kurven in Deutschland und den einzelnen Bundesländern noch relativ lange unklar bleiben wird. Denn auch bei den weltweiten Fallzahlen sah es eine Zeit lang so aus, als würde sich die Kurve abflachen. Doch dann entstanden neue Infektionsketten – weltweit verteilt. Jede dieser Ketten kann wieder der Ausgangspunkt eines schnelleren Wachstums an einem Ort sein – und dieser Ort wieder ein neuer Ausgangspunkt für eine neue Welle.

In diesen Bundesländern gibt es die meisten Coronavirus-Fälle

Die Zahlen der Infizierten kommen oft erst mit Verzögerung bei der Bevölkerung an: Erst kommt die Ansteckung, dann Symptome bei den Betroffenen. Manche werden schließlich getestet. Dann wird auf die Ergebnisse gewartet. Und erst dann beginnt das langsame deutsche Meldewesen: von Landkreisen über Bundesländer bis zur Gesamtzahl der Infizierten im Land.

Damit das schneller geht, nutzt das Tagesspiegel Innovation Lab die Schwarmintelligenz Dutzender Freiwilliger. Unter der Leitung der Firma Risklayer und dem Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology am Karlsruher Institut für Technology (KIT) werden die Meldungen direkt von den knapp 400 einzelnen Websites der Kreisämter gesammelt und mehrfach verifiziert. Zusätzlich werden Daten des Robert-Koch-Instituts und der Bundesländer herangezogen, sollten sie aktueller sein. Dadurch zeigt sich: Die Zahlen der Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus sind meist weitaus höher als sie auf nationaler Ebene von den offiziellen Stellen gemeldet werden.

Diese absoluten Zahlen können aber täuschen, wie das Liniendiagramm oben zeigt, wenn man sich die Fälle der Infizierten pro 100.000 Einwohner anzeigen lässt. Denn nicht ein Bundesland infiziert sich nicht mit einem Virus – Menschen tun es. Und davon wohnen beispielsweise in NRW mit Abstand am meisten in Deutschland. So wirkte die Zahl der Fälle dort, gerade zu Beginn, besonders hoch. Rechnet man die Zahl der Fälle allerdings auf 100.000 Einwohner hoch, fällt auf: Am stärksten betroffen waren schon recht bald andere Bundesländer.

Dabei fällt auf, dass inzwischen nicht mehr nur große Städte betroffen sind oder Orte, die besonders früh eigene Ansteckungsketten hatten. Je länger die Epidemie andauert, desto stärker können Faktoren wie die Bevölkerungsdichte ausschlaggebend werden. Je mehr gemeinsam genutzter Raum, je mehr Nähe, je mehr Gesellschaft, desto einfacher hat es das Coronavirus.

Wo die Coronavirus-Fallzahlen am schnellsten steigen

Zur räumlichen Nähe kommt die zeitliche Nähe – also das Bewegungsverhalten. Denn die eine Sache ist, wie viele Menschen sich auf engem Raum begegnen. Die andere Frage ist, wie oft sie es tun. Und wie oft sie danach wiederum mit anderen Kontakt haben. Spätestens da hört die Vorstellungskraft auf. Aber wie sich unsere Kontakte entwickeln, wird über den weiteren Verlauf der Epidemie entscheiden und zeigen, welche politischen Maßnahmen wirksam sind und wie ernst die Menschen sie nehmen.

Die wichtigste Kennzahl, wie gut das Coronavirus eingedämmt wurde, ist die Zeit, die es dauert, bis sich die Zahl der Infizierten verdoppelt. Sie ist in den verschiedenen Regionen teils sehr unterschiedlich.

Wie man sich richtig die Hände wäscht

Große Teile der europäischen Bevölkerung haben sich inzwischen ins Homeoffice begeben, in vielen Städten gelten inzwischen laxe bis strenge Ausgangssperren. Trotzdem lässt es sich für viele Menschen nicht vermeiden, das Haus zu verlassen. Sei es, weil sie einkaufen müssen, sei es, weil sie es nicht unbeschränkt in den eigenen vier Wänden aushalten. Oder, weil sie Jobs haben, auf die keiner verzichten kann, von medizinischem Personal, über Lieferanten bis hin zur Müllabfuhr.

Wer Dinge außerhalb seines Hauses angefasst hat, hilft sich und allen anderen am meisten durch viel Abstand – und richtiges Händewaschen. Ein Kinderspiel? Denkste! Welche Stellen viele Menschen gerne vergessen, zeigt die folgende Grafik:

Quelle: South ChinasMorning Post, Infografik: Katrin Cremer, Felix Möller

Bleibt doch Zuhause!

Inzwischen sollte es bei den meisten angekommen sein, was gerade am meisten hilft: Möglichst wenig tun. Bleiben Sie einfach Zuhause, wenn Sie können. Das Virus führt uns vor, dass die Trennung zwischen einzelnen Menschen genauso fiktiv ist wie die Trennung zwischen Körper und Welt. Wir “betreten” die Welt mit unseren Füßen, “begreifen” sie mit unseren Händen, “besprechen” sie mit unseren Mündern. Deswegen ist der richtige Umgang mit dem Virus zwangsläufig unnatürlich. Aber ab einer bestimmten Fallzahl kann kaum mehr jemand vermeiden, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Und selbst, wenn einen selbst die Krankheit nicht schlimm trifft. Wer will schon dafür verantwortlich sein, dass später der Opa, die Kollegin oder der befreundete Asthmatiker stirbt?

Hände, Nase, Augen, Mund: Für SARS-COV-2 sind Menschen offene Wunden, die darauf warten, infiziert zu werden. Manche Menschen können sich das schlicht nicht leisten.

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Daten und Quellen
Woher kommen die Zahlen?

Hier machen wir transparent, woher die Informationen in diesem Artikel stammen. Sollten Sie Fehler finden oder bessere Echtzeit-Datenquellen kennen, schreiben Sie uns gerne eine Mail an digital@tagesspiegel.de.

Fallzahlen in den Landkreisen und kreisfreien Städten

Die Fallzahlen in den Landkreisen und kreisfreien Städten stammen von den jeweiligen Websites der Landkreise sowie anderen offiziellen Quellen aus der Region, die diese in unregelmäßigen Abständen aktualisieren. Diese sammeln die Firma Risklayer und das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology am Karlsruher Institut für Technology (KIT) in engem Austausch mit dem Tagesspiegel Innovation Lab.

Um die Zahlen noch aktueller und belastbarer zu bekommen, suchen wir noch weitere Freiwillige, die sich noch an der Recherche beteiligen möchten. Wir werden alle Daten in den kommenden Tagen der Allgemeinheit standardisiert zur Verfügung stellen. Falls Sie sich daran beteiligen möchten diese Echtzeitdatenbank zu verbessern schreiben Sie uns eine Mail an digital@tagesspiegel.de.

Fallzahlen in den deutschen Bundesländern

Wir berechnen die Fallzahlen der Bundesländer aus den Angaben der einzelnen Landkreise und kreisfreien Städte. Diese können von den Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) abweichen. Da die Landkreise ihre Zahlen oft zunächst an die Landesbehörden übermitteln, die diese dann an das RKI melden, kann es eine zeitliche Verzögerung von einigen Tagen geben.

Angaben zu Genesenen

Die Angaben zu wieder genesenen Personen sind in Deutschland nicht meldepflichtig. Dennoch veröffentlichen einige Landkreise Zahlen auf ihren Webseiten. Diese werden dann für den entsprechenden Landkreis auch auf unserer Karte angezeigt. Für die Gesamtzahl der Genesenen in Deutschland nutzen wir die Angaben aus dem Situationsbericht des RKIs, der einmal am Tag erscheint. Zwischen beiden Zahlen gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verzögerung. Wir werden dieses Problem erst lösen können, wenn die absolute Mehrheit der Landkreise die Menschen melden, die schon wieder von COVID-19 genesen sind.

Laut der Definition des RKI, die auch die Landkreise nutzen, gilt als genesen, wer 14 Tage nach Beginn der Erkrankung mindestens 48 Stunden symptomfrei ist und weder eine Lungenentzündung noch Atemnot hatte, außerdem nicht im Krankenhaus war oder verstorben ist. Das RKI kann nur Fälle auswerten, bei denen all diese Angaben über das elektronische Meldesystem vorliegen.

Einschränkungen der Daten

Wie zuverlässig diese Zahlen insgesamt sind, hängt von vielen Faktoren ab. Beispielsweise davon, wie schnell die Betroffenen zum Arzt gehen, ob das Virus erkannt wird oder eben, wie und wann es von den offiziellen Stellen weitergemeldet wird.

Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten unbekannt ist, da nach aktuellem Erkenntnisstand Menschen auch nur sehr milde Symptome aufweisen können, obwohl sie mit dem Virus infiziert sind. Alle Angaben sind daher als Näherungswerte anzusehen. Sie vermitteln dennoch einen signifikanten Eindruck davon, wie sich die Lage in verschiedenen Teilen Deutschlands und weltweit entwickelt.

Inspiration

Wir lesen kontinuierlich Datenanalysen zu COVID-19 aus aller Welt und versuchen, die besten Analysen und Darstellungen weiterzudenken. Besonders beachtliche Analysen und Visualisierungen weltweit aus den letzten Wochen haben wir hier, hier und hier gesammelt.

Für die Darstellung der Deutschlandkarte in diesem Artikel haben wir uns von Artikeln von Zeit Online, der New York Times, Funke Interaktiv und zahlreichen anderen Visualisierungen inspirieren lassen.

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Veröffentlicht am 17. März 2020.
Zuletzt aktualisiert am 4. April 2020.