Mal schwarz, mal rot, jetzt blau? Interaktive Karte zur Wahl in Sachsen-Anhalt – alle Ergebnisse seit 1990 im Detail

Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Auf unserer Karte können Sie nachsehen, wie das Bundesland bisher gewählt hat. Die historische Analyse zeigt: Experimentierfreudig waren die Wähler dort immer.
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Auf unserer Karte können Sie nachsehen, wie das Bundesland bisher gewählt hat. Die historische Analyse zeigt: Experimentierfreudig waren die Wähler dort immer.
Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, BKG 26, Landesportal Sachsen-Anhalt 2026. · Karte: © OpenMapTiles, © OpenStreetMap contributors

Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, gab es schon vor zehn Jahren. Aus dem Stand holte die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gut 24 Prozent der Zweitstimmen. Als Newcomer zog die rechtspopulistische Partei 2016 in den Magdeburger Landtag ein – mit der zweitgrößten Fraktion nach der CDU.

Für die kommende Wahl am 6. September sehen jüngste Umfragen die Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei knapp über 40 Prozent. Die CDU, die mit Sven Schulze aktuell den Ministerpräsidenten stellt, liegt abgeschlagen auf Rang 2.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Die neueste Umfrage

So könnte die politische Landkarte des mitteldeutschen Bundeslandes nach dem Wahltag eine neue Farbe bekommen: blau.

In unserer Karte haben wir alle Wahlergebnisse der vergangenen Jahrzehnte aufbereitet – für jede Gemeinde und jeden Wahlkreis. Machen Sie sich selbst ein Bild, wie Sachsen-Anhalt seit 1990 gewählt hat.

DVU-Hochburg und PDS-toleriert

Ganz neu wäre eine solche Erosion der politischen Verhältnisse für die Sachsen-Anhalter nicht. 1998, acht Jahre nach der deutschen Einheit, verlor die CDU krachend, stürzte in der Gunst der Wählerinnen von knapp 35 auf 22 Prozent.

Großer Gewinner damals: die rechtsextreme DVU, die aus dem Stand fast 13 Prozent der Stimmen einsammelte. Es war das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die SPD das Land bereits vier Jahre lang in einer Minderheitsregierung mit den Grünen regiert – toleriert von der SED-Nachfolgepartei PDS, heute Die Linke.

Die bis dato schwarz dominierte politische Landkarte färbte sich rot und Ministerpräsident Reinhard Höppner führte das Land vier weitere Jahre, allerdings ohne die Grünen und mit Tolerierung durch die PDS.

Sachsen-Anhalter wählen oft ungewöhnlich

Man könnte also den Eindruck gewinnen, dass die Sachsen-Anhalter Lust auf politische Experimente haben. Der Begriff „Magdeburger Modell“ jedenfalls schaffte es sogar bis nach Berlin, wo SPD und Grüne sich Anfang des Jahrtausends übergangsweise für ein Jahr von der PDS tolerieren ließen.

Das alles ist lange her, beinahe ein Vierteljahrhundert. Und ebenso lange regiert in Magdeburg die CDU. Eine ziemlich konservative Angelegenheit, wie auch die Karte zeigt.

Seinem Ruf als politisches Versuchslabor wurde das Land jedoch auch in dieser Zeit gerecht. 2016 bildeten CDU, SPD und Grüne unter Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Deutschlands erste sogenannte Kenia-Koalition.

Experten sagten dem Zweckbündnis keine lange Zukunft voraus. Es hielt jedoch über die volle Legislaturperiode. 2021 löste eine „Deutschland“-Koalition aus CDU, SPD und FDP das bisherige Drei-Parteien-Bündnis ab.

Kleine Parteien könnten absolute Mehrheit verhindern

Bei der nun anstehenden Wahl könnte der AfD eine relative Mehrheit von mehr als 40 Prozent reichen, um alleine zu regieren. Das allerdings hängt davon ab, wie viele Parteien in den sachsen-anhalter Landtag einziehen.

In den jüngsten Umfragen liegen vier Parteien – SPD, Grüne, BSW und FDP – in der Nähe der Fünf-Prozent-Hürde. Je mehr es ins Parlament schaffen, desto weniger wahrscheinlich wird dort eine absolute Mehrheit der AfD.

Prominente wie die Schauspielenden Sandra Hüller, Christian Friedel und Anna Schudt sowie Vereine und Unternehmer warnen öffentlich vor der Wahl von der AfD. Der sachsen-anhaltische Verfassungsschutz stuft die Landespartei als gesichert rechtsextremistisch ein.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund unterstützt die Kampagne „Wir sind Sachsen-Anhalt: engagiert und weltoffen!“. Mit einer gezielten Kampagne will außerdem die Organisation Campact eine AfD-Alleinregierung verhindern.