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Analyse in Karten

So hat sich Deutschlands politische Landkarte verschoben

Blau und schwarz mit überraschenden Ausreißern: Ein detaillierter Blick auf die Wahlkarte der Bundestagswahl 2025 erklärt, wie sich Deutschlands politische Landschaft mit der Wahl verändert hat.
Blau und schwarz mit überraschenden Ausreißern: Ein detaillierter Blick auf die Wahlkarte der Bundestagswahl 2025 erklärt, wie sich Deutschlands politische Landschaft mit der Wahl verändert hat.
Schleswig-Holstein
Hamburg
Niedersachsen
Bremen
Nordrhein-Westfalen
Hessen
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg
Bayern
Saarland
Berlin
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Deutschland rückt nach rechts
Das ist die neue politische Landkarte nach der Bundestagswahl 2025. In großen Teilen Deutschlands haben CDU und CSU die meisten Zweitstimmen bekommen. Zumindest im Westen der Bundesrepublik. In den neuen Bundesländern hat in den allermeisten Wahlkreisen die AfD die meisten Stimmen erreicht.
Linke Insel
In Berlin fiel die Wahl anders aus als in großen Teilen Deutschlands. Auch hier legte die CDU zu. Aber die meisten Wahlkreise gingen an die Linke: Lichtenberg, Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg. In Treptow-Köpenick gelang ihr ein knapper Erfolg: Mit 21,7 Prozent der Zweitsimmen landete sie ganz knapp vor der AfD mit 21,6 Prozent. Das könnte an dem Direktkandidaten dort liegen: Gregor Gysi. Er erhielt 41,8 Prozent der Erststimmen – ein Rekord.
Ergebnis für Treptow-Köpenick:
Linke
21,7%
AfD
21,6%
Union
15,3%
SPD
12,7%
Grüne
12,0%
BSW
9,2%
FDP
2,9%
4,6%
Linkes Kreuzberg
Nebenan, in Friedrichshain-Kreuzberg, hat die Linke das höchste Zweitstimmen-Ergebnis Deutschlands erreicht: 31,7 Prozent.
Ergebnis für Friedrichshain-Kreuzberg:
Linke
31,7%
Grüne
25,9%
SPD
13,4%
Union
9,3%
AfD
7,2%
BSW
5,9%
FDP
2,8%
3,8%
Linke Karte
Die Linke konnte aber in vielen deutschen Wahlkreisen überraschend starke Ergebnisse erzielen.
Linke Gewinne
Schaut man sich die Zugewinne der Linken in ganz Deutschland an, fällt auf, dass die Partei nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen westdeutschen Wahlkreisen Stimmen hinzugewonnen hat.
Blaue Spitzen
Die größten Zugewinne unter allen Parteien hat jedoch die AfD verzeichnet. Sie hat fast in allen Wahlkreisen stark hinzugewonnen, besonders eindeutig im Osten des Landes, aber auch in vielen westlichen Wahlkreisen.
Blauer Osten
Analysiert man, wo genau die AfD die stärksten Gesamtergebnisse erzielen konnte, ergibt sich ein drastisches Bild. In zahlreichen Wahlkreisen im Osten des Landes konnte die extrem rechte Partei Ergebnisse zwischen 30 bis zu 46 Prozent erreichen.
Blaues Sachsen
Die höchsten Zweitstimmenanteile gewann die AfD in sächsischen Wahlkreisen. Im Wahlkreis Görlitz etwa erreichte sie mit 46,7 Prozent das deutschlandweit beste Ergebnis. Die CDU kam hier auf 19,8 Prozent, gefolgt vom BSW mit neun Prozent.
Zweitstimmen-Ergebnis in Görlitz:
AfD
46,7%
Union
19,8%
BSW
9,0%
Linke
7,7%
SPD
6,4%
Grüne
3,4%
FDP
2,9%
4,1%
Bautzen und Sächsische Schweiz fest in den Händen der AfD
Auch in den benachbarten Wahlkreisen Bautzen I und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge bekam die AfD mehr als 46 Prozent der Zweitstimmen.
Viel Fläche, wenig Menschen
Doch die großen blauen Flächen vermitteln nur einen Teil des Bildes. Betrachtet man die Wahlergebnisse nicht nach Stimmenanteil, sondern nach absoluten Stimmen, wird eine etwas andere Landkarte sichtbar. Denn die AfD gewann oft in eher bevölkerungsarmen Gebieten die höchsten Ergebnisse, in den Städten schnitt sie weitaus schlechter ab.
CDU gewinnt mehr Stimmen in der Breite
So erklärt sich auch das Wahlergebnis der CDU, das in den bevölkerungsreichen Ballungszentren in NRW und in vielen Großstädten besser ausfiel als das der AfD.
Wo die Union besonders stark ist
Die Unionsparteien konnten besonders in Nordrhein-Westfalen, in Rheinland-Pfalz und einigen Wahlkreisen in Baden-Württemberg starke Ergebnisse bei den Zweitstimmen einfahren.
Schwarzer Rekord
Das höchste Ergebnis erreichte die CDU im Hochsauerlandkreis, dem Wahlkreis von Friedrich Merz.
Union
43,6%
AfD
16,7%
SPD
16,4%
Grüne
7,3%
Linke
5,3%
FDP
3,8%
BSW
3,2%
3,7%
Söders Triumph
Die durchgängig höchsten Werte erreichte allerdings die CSU in Bayern unter Markus Söder.
Die Zugewinne von CSU und CDU
In Bayern gelangen der Union auch die stärksten Zugewinne.
SPD stürzt deutschlandweit ab
Die SPD erlitt fast deutschlandweit starke Verluste. Nur in wenigen Wahlkreisen kam sie über 20 Prozent.
Rotes Friesland
Das stärkste Ergebnis erreichte die ehemalige Kanzler-Partei in Aurich-Emden in Niedersachsen mit 28,6 Prozent. Bei der letzten Bundestagswahl 2021 hatten die Sozialdemokraten hier noch 43,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Das war damals ebenfalls mit Abstand das erfolgreichste Ergebnis in Deutschland.
Wahlergebnis in Aurich-Emden:
SPD
28,6%
Union
23,3%
AfD
21,0%
Grüne
8,2%
Linke
7,6%
BSW
4,2%
FDP
3,3%
3,8%
Verteilte Grüne
Die Ergebnisse der Grünen fielen unterschiedlich aus. Während die Partei in zahlreichen Wahlkreisen nicht einmal fünf Prozent der Wähler:innen hinter sich versammeln konnte, erreichte sie in anderen Wahlkreisen über 25 Prozent.
Grüner Abstieg
Die herbsten Verluste erlitten Bündnis 90/Die Grünen vor allem in Städten, besonders in Berlin, Hamburg und Großstädten in NRW. Einige in der Partei machten dafür kurz nach der Wahl den Spitzenkandidaten Robert Habeck und seine Forderungen für eine Begrenzung der Migration und zügige Abschiebung von Straftätern verantwortlich.

Die Union als Gewinner, eine geschwächte SPD, die Grünen bei 11,6 Prozent – und eine AfD, die doppelt so stark ist wie bei der vergangenen Bundestagswahl: Die Wahlergebnisse lassen erahnen, dass politisch komplizierte Jahre bevorstehen.

Auch die Koalitionsbildung könnte schwierig werden, wie ein Blick auf die möglichen Regierungs-Bündnisse zeigt.

Welche Regierungs-Bündnisse wären möglich?
Theoretische Koalitions-Optionen, berechnet auf Basis des vorläufigen amtlichen Endergebnisses. Parteien, die demnach an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, werden nicht einbezogen. Gesamtzahl der Sitze: 630.
Union + SPD
328 Sitze
Union + Grüne
293 Sitze
Union + SPD + Grüne
413 Sitze
Union + AfD
360 Sitze
SPD + Grüne + Linke
269 Sitze
SPD + Grüne
205 Sitze
SPD + Linke
184 Sitze
SPD + AfD
272 Sitze
Daten: Bundeswahlleiterin, Stand 24.02.25, 03:19 Uhr

Bis auf eine Große Koalition mit knapper Mehrheit und eine von der Union ausgeschlossene Koalition mit der AfD sind lediglich Dreier-Bündnisse möglich.

In unserer interaktiven Wahlkarte zeigen wir die Ergebnisse der einzelnen Wahlkreise in Deutschland betrachten. Außerdem können Sie dort selbst nachsehen, wie sich Deutschlands politische Landkarte seit 1990 und mit dieser Wahl ein weiteres Mal verändert hat.

Das Team

Nina Breher
Produktion
Malte Kyhos
Datenaufbereitung und -management
Hendrik Lehmann
Text
David Meidinger
Webentwicklung
Sarah Saak
Webentwicklung
Veröffentlicht am 24. Februar 2025.