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An wen die CDU in Sachsen Stimmen verloren hat

Die CDU verliert an die AfD – die SPD an alle. Unsere interaktive Analyse zeigt die Wählerwanderung in Sachsen.
Die CDU verliert an die AfD – die SPD an alle. Unsere interaktive Analyse zeigt die Wählerwanderung in Sachsen.
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Mit der Arbeit von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sind 71 Prozent der vom Institut Infratest dimap Befragten vor dem Urnengang in Sachsen zufrieden gewesen – und doch ist die bisherige Koalition von CDU und SPD seit Sonntag abgewählt.

Der Vorsprung von Kretschmers CDU vor der rechtspopulistischen AfD war am Wahlabend knapp als zuvor vermutet. Doch woher kommen die Stimmen? Vor allem ist die Wahlbeteiligung in Sachsen von gut 49 auf etwa 65 Prozent gestiegen. Das hat sich laut Analyse der vorläufigen Daten von Infratest dimap im Auftrag der ARD auch auf die Wählerwanderung ausgewirkt: Einstige Nicht-Wähler sind zur besonders wichtigen Kraft geworden. Unsere interaktive Analyse zeigt, wer an wen am meisten verloren hat.

In Sachsen entschieden sich 246.000 bisherige Nicht-Wähler für die AfD, 162.000 für die CDU, 58.000 für Kleinstparteien und 41.000 für die SPD. Im Freistaat profitierte die AfD mit 84.000 Wechselwählern am stärksten von der CDU, aber auch mit 38.000 Stimmen von den Kleinstparteien.

Die CDU wiederum konnte mit jeweils rund 30.000 Stimmen sowohl bei der SPD als auch bei der Linken punkten. Letztere verlor am meisten Stimmen an die CDU und den “Zahn der Zeit”. 32.000 Wähler verstarben. Die SPD musste an alle Parteien abgeben und konnte einzig bei den Nichtwählern ein klein wenig Boden gut machen. Grüne und FDP profitierten beide sowohl von den Verlusten der Union als auch von SPD und Linke. Gleichzeitig verloren die Grünen 2000 Wähler, die FDP 8000 an die AfD.

Was die neuen Wahlergebnisse außerdem zeigen: In Gemeinden, in denen die NPD bei den Landtagswahlen 2014 Erfolg hatte, ist nun die AfD besonders stark. Die rechtsextremistische Partei scheiterte bei der Landtagswahl 2014 mit 4,9 Prozent noch knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. In diesem Jahr kamen sie nur auf 0,6 Prozent. Ob nun die NPD-Wähler zur Alternative wechselten, lässt sich so nicht beantworten. Auch in den Berechnungen zur Wählerwanderung wird das nicht untersucht. Sozialwissenschaftler fanden außerdem heraus, dass in Gemeinden, die 1933 verstärkt die NSDAP wählten, heute die AfD besonders viele Stimmen bekommt. Es gibt also eine historische Kontinuität.

Woher kommen die Daten?
Die Methodik

Die dargestellten Werte zeigen die Wanderung der Zweitstimmen zwischen den Parteien. Dabei werden die aktuelle und die vorhergehende Landtagswahl verglichen. Die Werte sind Schätzwerte und werden von infratest dimap berechnet.

Die Grundlage für diese Berechnungen bilden amtliche Statistiken, repräsentative Umfragen sowie das vorläufige Endergebnis der Auszählung der Zweitstimmen am Wahlsonntag. In der Wählerwanderung werden insbesondere auch Nichtwähler berücksichtigt sowie die Fälle in denen sich die Wählerschaft verändert: Zuzüge, Wegzüge, Tod und Erreichen des Wahlalters (18).

Über das Rechercheteam

Lubena Awan
Infografik
Lubena Awan ist derzeit GNI Fellow beim Tagesspiegel und ist Designerin für UX und UI. Sie hat sich überlegt, wie man die Wählerwanderung anschaulich darstellen kann.
Michael Gegg
Webentwicklung
Michael Gegg arbeitet beim Tagesspiegel als Redakteur für Softwareentwicklung. Er hat die Wählerwanderung programmiert und die Daten aufbereitet.
Hendrik Lehmann
Koordination & Konzept
Hendrik Lehmann leitet das Tagesspiegel Innovation Lab. Er arbeitet am liebsten zu urbanen Themen wie Digitalisierung, Verkehrswende, Klima oder der Frage, wie wir zusammenleben wollen.
Fabian Löhe
Text
Fabian Löhe arbeitet als Redakteur im Meinungsressort. Er hat die Wahlen in Brandenburg und Sachsen den gesamten Abend begleitet.
David Meidinger
Webentwicklung
David Meidinger arbeitet beim Tagesspiegel als Redakteur für Softwareentwicklung. Er hat diese Webseite programmiert.
Helena Wittlich
Koordination
Helena Wittlich ist Redakteurin im Tagesspiegel Innovation Lab. Sie hat das Projekt redaktionell betreut.
Veröffentlicht am 2. September 2019.