Artikel teilen
teilen
Krieg in der Ukraine

Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 16. Mai, 19:12 Uhr

Auf dieser Karte versuchen wir, einen sachlichen Überblick der aktuellen Situation in der Ukraine zu geben. Sie zeigt an, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann.

Europa und die Welt reagieren auf die militärische Invasion mit Entsetzen, viele verhängen Sanktionen gegen Russland. Alle aktuellen Entwicklungen lesen sie hier:

Der Live-Newsblog

Liz Truss, Außenministerin von Großbritannien, kommt zur ersten Sitzung beim Treffen der Nato-Außenminister im Auswärtigen Amt in Berlin. Hauptthema der informellen Beratungen der Nato-Außenminister ist der Krieg in der Ukraine.
Großbritannien fordert Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands "sobald wie möglich" - Frankreich sichert nordischen Ländern Beistand im Angriffsfall zu
Liz Truss, Außenministerin von Großbritannien, kommt zur ersten Sitzung beim Treffen der Nato-Außenminister im Auswärtigen Amt in Berlin. Hauptthema der informellen Beratungen der Nato-Außenminister ist der Krieg in der Ukraine.
Liz Truss, Außenministerin von Großbritannien, kommt zur ersten Sitzung beim Treffen der Nato-Außenminister im Auswärtigen Amt in Berlin. Hauptthema der informellen Beratungen der Nato-Außenminister ist der Krieg in der Ukraine. Credit: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

Großbritannien hat sich für einen möglichst schnellen Beitritt Finnlands und Schwedens zur Nato ausgesprochen. Die beiden Länder sollten "sobald wie möglich" Mitglieder des westlichen Verteidigungsbündnisses werden, erklärte Außenministerin Liz Truss am Montag. Frankreich sicherte Helsinki und Stockholm auch außerhalb der Nato Unterstützung im Fall eines Angriffs zu.

Schweden und Finnland hatten am Montag offiziell ihre Anträge auf Mitgliedschaft in der Nato angekündigt. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine hatten die beiden Länder mit ihrer Jahrzehnte alten Tradition der militärischen Bündnisneutralität gebrochen.

"Das Vereinigte Königreich unterstützt nachdrücklich die Anträge Finnlands und Schwedens auf Mitgliedschaft in der Nato", erklärte Truss dazu. Dieser Schritt werde "die kollektive Sicherheit Europas stärken". Während des Beitrittsprozesses werde London "jede Unterstützung anbieten".

Das französische Präsidialamt verwies auf in den EU-Verträgen vorgesehene Beistandsklausel und sicherte den beiden EU-Ländern auch militärischen Beistand zu. Frankreich "ist bereit, die Verteidigungs- und Sicherheitskooperation mit beiden Partnern durch strategische Konsultationen auf hoher Ebene und verstärkte militärische Interaktion zu stärken", hieß es weiter.

Russland hatte auf die Nato-Ambitionen der beiden nordischen Länder mit Kritik und Drohungen reagiert. "Wir sind davon überzeugt, dass der Beitritt Finnlands und Schwedens zur Nato die Sicherheitsarchitektur unseres Kontinents weder stärken noch verbessern wird", bekräftigte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag. Am Morgen hatte der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow von einem "schweren Fehler" der Regierungen in Stockholm und Helsinki gesprochen. (AFP)

Ukraine meldet 19 getötete Zivilisten in Gebieten Donezk und Luhansk

In den umkämpften ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk sind nach Behördenangaben mindestens 19 Zivilisten getötet worden. „Infolge des Beschusses von Sjewjerodonezk gab es mindestens zehn Tote“, teilte der Militärgouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, am Montag im Nachrichtendienst Telegram mit. Es sei aufgrund der Angriffe jedoch äußerst schwer, die Örtlichkeit zu überprüfen. Im benachbarten Donezker Gebiet wurden nach Angaben des örtlichen Militärgouverneurs Pawlo Kyrylenko weitere neun Zivilisten getötet. Sechs weitere Menschen wurden verletzt.

Russland führt seit beinahe drei Monaten einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Vereinten Nationen haben dabei über 3600 getötete Zivilisten erfasst, gehen aber von weitaus höheren Opferzahlen aus. (dpa)

Jean Asselborn (l.), Außenminister von Luxemburg, Josep Borrell (M), Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Gordan Grlic Radman (2.v.r.), Außenminister von Kroatien, und Annalena Baerbock (r, Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin von Deutschland, sprechen zu Beginn des Treffens der EU-Außenminister im Europarat. 
Ungarn blockiert Sanktionen gegen Russland - Einigung Ende Mai erwartet
Jean Asselborn (l.), Außenminister von Luxemburg, Josep Borrell (M), Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Gordan Grlic Radman (2.v.r.), Außenminister von Kroatien, und Annalena Baerbock (r, Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin von Deutschland, sprechen zu Beginn des Treffens der EU-Außenminister im Europarat. 
Jean Asselborn (l.), Außenminister von Luxemburg, Josep Borrell (M), Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Gordan Grlic Radman (2.v.r.), Außenminister von Kroatien, und Annalena Baerbock (r, Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin von Deutschland, sprechen zu Beginn des Treffens der EU-Außenminister im Europarat.  Credit: Olivier Matthy/ap/dpa

In der Europäischen Union ist ein neuer Anlauf für ein sechstes Sanktionspakt gegen Russland am Widerstand Ungarns gescheitert. "Unglücklicherweise war es heute nicht möglich zu einer Einigung zu kommen", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag nach einem Treffen der EU-Außenminister. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass in den kommenden Tagen eine Verständigung gelingen werde. Kern der anvisierten Maßnahmen ist ein Embargo gegen Öl-Importe aus Russland.

Einige Diplomaten gehen davon aus, dass beim EU-Gipfel Ende Mai eine Entscheidung fallen wird. Bis dahin sollen die EU-Botschafter einen Kompromiss aushandeln. Dieser könnte darin bestehen, dass Ungarn, der Slowakei und Tschechien eine längere Übergangsperiode bis zur vollen Umsetzung der Sanktionen eingeräumt werden. Ungarn fordert Millionen-Beträge der EU, um die Folgen eines Öl-Embargos zu kompensieren. Die Sanktionen müssen von allen 27 EU-Mitgliedern einstimmig beschlossen werden. (Reuters)

Busse mit Soldaten verlassen Stahlwerk in Mariupol

Etwa ein Dutzend Busse mit ukrainischen Militärangehörigen verlassen das Asowstal-Stahlwerk in Mariupol. Das berichten Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters von vor Ort. (Reuters)

EU-Außenminister bewilligen Geld für Waffenlieferungen an Ukraine

Die Außenminister der EU-Staaten haben weitere 500 Millionen Euro für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung an die ukrainischen Streitkräfte bewilligt. Das kündigte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montagabend nach einem Treffen mit den Ministern in Brüssel an. Damit erhöhen sich die für die Ukraine zur Verfügung stehenden EU-Mittel für Militärhilfe auf zwei Milliarden Euro.

Ein erstes Paket über 500 Millionen Euro war bereits Ende Februar bewilligt worden, zwei weitere folgten dann im März und April. Mit den Geldern werden laut EU-Angaben etwa persönliche Schutzausrüstung, Treibstoff, aber auch Waffen zur Verteidigung finanziert. Mit den weiteren 500 Millionen Euro solle nach Angaben von Borrell unter anderem Artilleriegeschütze und Panzerfahrzeuge zur Verfügung gestellt werden.

Die Finanzmittel für die Militärhilfe kommen aus der sogenannten Europäischen Friedensfazilität. Sie ist ein neues Finanzierungsinstrument der EU, das auch genutzt werden kann, um die Fähigkeiten von Streitkräften in Partnerländern zu stärken. Für den Zeitraum von 2021 bis 2027 ist die Friedensfazilität mit rund fünf Milliarden Euro ausgestattet. Deutschland finanziert nach Angaben von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) rund ein Viertel der EU-Unterstützung.

Der formelle Rechtsakt für die weiteren 500 Millionen Euro wird vermutlich in den nächsten Wochen angenommen. Vorher muss unter anderem noch der Bundestag der Mittelaufstockung zustimmen. Angekündigt hatte Borrell die neuen Gelder bereits am vergangenen Freitag. (dpa)

Olaf Scholz bei der Ankunft der SPD Gremien zu hybriden Sitzungen im Willy-Brandt-Haus.
Scholz will nicht nur für Foto-Termin nach Kiew
Olaf Scholz bei der Ankunft der SPD Gremien zu hybriden Sitzungen im Willy-Brandt-Haus.
Olaf Scholz bei der Ankunft der SPD Gremien zu hybriden Sitzungen im Willy-Brandt-Haus. Credit: IMAGO/future image

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will nur in die ukrainische Hauptstadt Kiew reisen, wenn konkrete Dinge zu regeln sind, sagte er am Montag in einer Fragerunde des Fernsehsenders RTL.

Ich werde nicht mich einreihen in eine Gruppe von Leuten, die für ein kurzes Rein und Raus mit einem Fototermin was machen. Sondern wenn, dann geht es immer um ganz konkrete Dinge

Olaf Scholz

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) war in der vergangenen Woche als erstes Regierungsmitglied seit Kriegsbeginn nach Kiew gereist, kurz vorher war bereits Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) dort. Aus vielen anderen Ländern haben bereits Staats- und Regierungschefs die von Russland angegriffene Ukraine besucht, um ihre Solidarität mit dem Land zu demonstrieren.

Eine geplante Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde kurzfristig von ukrainischer Seite abgesagt. Das galt eine Weile als Hinderungsgrund für eine Kanzler-Reise. Inzwischen sind die Irritationen aber ausgeräumt. (dpa)

Josep Borrell, Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, aufgenommen im Rahmen des G7-Außenministertreffens.  
Noch keine Einigung auf sechstes Sanktionspaket gegen Russland
Josep Borrell, Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, aufgenommen im Rahmen des G7-Außenministertreffens.  
Josep Borrell, Hoher Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, aufgenommen im Rahmen des G7-Außenministertreffens.   Credit: xFelixxZahn/photothek.netx

In der Europäischen Union ist nach Angaben ihres Außenbeauftragten Josep Borrell noch keine Einigung auf das sechste Sanktionspaket gegen Russland gelungen. Kern der anvisierten Maßnahmen ist ein Embargo gegen Öl-Importe aus Russland. Die EU-Außenminister hätten sich aber darauf verständigt, der Ukraine weitere 500 Millionen Euro für Waffenkäufe zu überlassen. (Reuters)

Viele der Angaben von Regierungen und Armeen oder auch Bilder und Videos aus der Region lassen sich kaum endgültig verifizieren. Wir geben sie dennoch mit einem entsprechenden Hinweis wieder, um einen möglichst detaillierten Blick auf die aktuellen Ereignisse zu vermitteln. Mit Analysen und weiteren Recherchen versuchen wir, die Lage einzuordnen.

Neueste Artikel zum Krieg

mehr Artikel anzeigen

Die Folgen des Krieges

Schwer abschätzbar sind die langfristigen Folgen des Konflikts – für die Ukraine, für Russland und für andere Staaten. Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine vor dem Krieg in die Nachbarländer.

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete, die seit dem 24. Februar Grenzen der Nachbarländer übertreten haben. Ein Punkt repräsentiert 3000 Personen.
Daten: UNHCR

Nicht alle bleiben in den Nachbarländern – manche reisen von dort weiter in andere Schengen-Staaten, auch nach Deutschland. Hier wurden laut Bundesinnenministerium bisher 320.231 Geflüchtete aus der Ukraine registriert (Stand 8. April). Da es keine festen Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen gibt, werden aber nicht alle erfasst. Die Zahl dürfte höher liegen.

Auch die wirtschaftlichen Folgen sind schwer bezifferbar. Der Westen hat Sanktionen gegen Russland erlassen. Als Folge stürzte die russische Währung ab.

Die Kursentwicklungen von Rubel und Euro
Die Grafiken zeigen die Umrechnungskurse vom russischen Rubel (RUB) und Euro (EUR), jeweils zu US-Dollar (USD). Der Dollar ist die globale Leitwährung, an dem sich alle anderen Währungen orientieren – auch der Euro.
Daten: Yahoo Finance

Noch nicht sichtbar und teilweise schwer abschätzbar sind die ökonomischen Folgen des Konflikts – für die Ukraine, für Russland und für andere Staaten. Der Westen hat Sanktionen gegen Russland erlassen. Als Folge stürzte die russische Währung ab.

Woher stammen die Daten?

Quelle der Karte zu russischen Angriffen:

Die Vormarsch- und Angriffsgebiete auf der Karte stammen vom Institute for the Study of War, einem unabhängigen amerikanischen Think Tank, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Kriegsbewegungen transparent aufzuzeigen. Dabei werden verschiedene Berichte von Aufklärungsdiensten und Medien miteinander angeglichen und verifiziert.

Die Quellen sind für jeden Tag auf deren Webseite nachvollziehbar. Auf der Karte fassen wir täglich die wichtigsten Orte und Entwicklungen in dem Konfliktgebiet zusammen. Sie zeigt umkämpfte Gebiete, Bewegungen von Truppen und Ereignisse im Kriegsgebiet.

Erklärung der Karten-Legende:

Von einem Vormarschgebiet sprechen wir, wenn russische Streitkräfte ein Gebiet so weit unter Kontrolle haben, dass sie dort militärische Infrastruktur platzieren können, zum Beispiel kleinere Feldkrankenhäuser oder Logistikzentren. Ein weiterer Indikator für ein russisches Vormarschgebiet ist die Abwesenheit von ukrainischem Militär. Die militärische Definition dieses Begriffs lautet: „russisch kontrolliert“. Er bedeutet aber nicht, dass Russland jeden Ort auf der Karte überwacht, etwa abseits der großen Städte und Straßen, oder vor Ort umfassende militärische Kontrolle ausübt. Oft ist die Lage außerdem unklar oder fragil. Deshalb sprechen wir von Vormarsch- statt von kontrollierten Gebieten.

Angriffe markieren in der Karte Bereiche, in die russisches Militär vordringt. Meist finden dort aktive Kämpfe zwischen russischem und ukrainischem Militär statt. Ukrainische Rückgewinne wiederum sind Gebiete, in denen die russische Armee zuvor aktiv war, in der es nun aber keine nennenswerte russische Militärpräsenz mehr gibt. Dann hat die Ukraine das Gebiet wieder zurückerhalten. Ob das durch Kämpfe geschah oder Russland die Truppen eigeninitiativ abgezogen hat, spielt für die Kennzeichnung als Rückgewinn keine Rolle.

Quelle der Pfeile zu den Truppenbewegungen:

Die Pfeile, die die Bewegungen von Truppen symbolisieren, stammen von Rochan Consulting. Das Unternehmen hat sich auf die Analyse von Kriegsgeschehnissen spezialisiert und publiziert einen täglichen Bericht zum aktuellen Geschehen in der Ukraine. Wir fassen täglich die von den Analyst:innen verifizierten Truppenbewegungen zusammen. Die Pfeile zeigen ungefähre Bewegungen, nicht exakte Routen. Außerdem fassen wir manche Truppenbewegungen zu einem Pfeil zusammen, damit die grundsätzlichen Bewegungen in der Karte erkennbar bleiben. Neue Daten gibt es an den meisten, aber nicht an allen Tagen.

Das Team

Johannes Bauer
Recherche
Eric Beltermann
Datenvisualisierung & Webentwicklung
Nina Breher
Recherche und Text
Tamara Flemisch
Datenvisualisierung & Webentwicklung
Farangies Ghafoor
Recherche
Manuel Kostrzynski
Design
Hendrik Lehmann
Recherche und Text
David Meidinger
Webentwicklung
Helena Wittlich
Recherche und Text
Veröffentlicht am 1. März 2022.
Zuletzt aktualisiert am 13. April 2022.