Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 22. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1936
letzte Woche, 1874 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1936
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 12.6., letzte Aktualisierung: 20.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1233
200
149
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
535
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 12.6., letzte Aktualisierung: 20.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Die russische Regierung wirft der Ukraine vor, die Souveränität ihres engen Verbündeten Belarus zu bedrohen.

Es gebe jedoch keinen Zweifel daran, dass die Führung in Minsk in der Lage sei, sich selbst zu verteidigen, erklärt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj droht Belarus mit Maßnahmen, sollte das Land nicht umgehend militärisches Gerät abziehen, das Russland nach seinen Worten zur Koordinierung von Angriffen auf die Ukraine nutzt. Der russische Staatschef Wladimir Putin und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko würden die Äußerungen Selenskyjs besprechen, kündigt Peskow an. (Reuters)

Rauch steigt aus einer Fabrik in Woronesch auf.
Update (13.40 Uhr): Fabrik in Russland brennt nach Raketenangriff

In der westrussischen Millionenstadt Woronesch ist offiziellen Angaben nach eine Fabrik bei einem Angriff mit Marschflugkörpern beschädigt worden. „Zum derzeitigen Moment ist bekannt, dass es drei Verletzte gibt, davon ist einer schwer verletzt“, schrieb Woroneschs Gouverneur Alexander Gussew bei Telegram. Seiner Darstellung nach hat die Flugabwehr mehrere „fliegende Hochgeschwindigkeitsziele“ über der Stadt entdeckt und vernichtet, zugleich räumte er aber auch Schäden in den Produktionshallen eines Unternehmens ein. Darüber hinaus seien die Fassaden mehrerer Wohnblocks und eine Reihe von Autos zu Schaden gekommen, schrieb er.

Gussew gab keine Details zu dem Unternehmen bekannt. Medienberichten zufolge handelt es sich um eine Fabrik, in der Transistoren und andere Elektronikbauteile hergestellt werden. Diese sollen auch für den Bau von Marschflugkörpern genutzt worden sein, die Russland bei seinen Angriffen auf ukrainische Städte einsetzt. Die in sozialen Netzwerken kursierenden Bilder und Videos deuten auf schwere Schäden am Werk hin.

Bei dem Angriff – etwas mehr als 180 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt – seien luftgestützte Marschflugkörper zum Einsatz gekommen, teilt der Generalstab in Kyjiw mit. Das Werk sei wichtig für die russische Rüstungsproduktion. (dpa/Reuters)

Rauch steigt aus einer Fabrik in Woronesch auf.
Rauch steigt aus einer Fabrik in Woronesch auf. Credit: Reuters/soziale Medien
Polen wirft der Ukraine Undankbarkeit vor

Der Chef der Kanzlei des polnischen Präsidenten, Zbigniew Bogucki, hat ukrainische Politiker scharf kritisiert, die polnische Staatsauszeichnungen zurückgeben. „Vertreter der ukrainischen Führung geben polnische Auszeichnungen leichtfertig zurück und vergessen dabei, dass genau diese Hände einst um Hilfe baten – und diese Hilfe aus Polen kam: von der polnischen Regierung, den Kommunen, Nichtregierungsorganisationen und Millionen von Polen“, schrieb Bogucki auf X.

Hintergrund ist ein diplomatischer Streit um die Entscheidung Kyjiws, einer Eliteeinheit der ukrainischen Spezialkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“ zu verleihen. Die Ukrainische Aufstandsarmee UPA wird in der Ukraine von Teilen der Gesellschaft als antisowjetische Unabhängigkeitsbewegung verehrt. In Polen ist sie jedoch wegen der Massaker an polnischen Zivilisten in Wolhynien und Ostgalizien während des Zweiten Weltkriegs hochumstritten.

Polens Präsident Karol Nawrocki hatte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj daraufhin den Orden des Weißen Adlers aberkannt – die höchste staatliche Auszeichnung Polens. Am 20. Juni schickte Selenskyj den Orden an Nawrocki zurück. (Valeriia Semeniuk)

Die Ukraine entscheidet nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj, wer Europa bei möglichen Verhandlungen mit Russland vertritt.

Die europäische Seite werde das Format prüfen und mehrere Optionen vorschlagen, sagte Selenskyj in einem am Sonntagabend veröffentlichten Interview mit ukrainischen Medien. Kiew werde dann die Wahl treffen. „Das ist fair.“ (Reuters)

Ein Feuerwehrmann ist am 22. Juni 2026 in der Region Sumy in der Ukraine am Ort eines russischen Drohnenangriffs im Einsatz.
Tote nach russischen Angriffen an mehreren Orten der Ukraine

Durch russische Angriffe sind in der Ukraine mindestens fünf Menschen getötet worden. In der Gemeinde Snob-Nowhorodske im nordostukrainischen Gebiet Sumy habe ein Drohnenangriff das Haus einer kinderreichen Familie getroffen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit.

Ein 13-Jähriger, sein Vater und seine Großmutter seien ums Leben gekommen. Die Mutter und zwei Geschwister im Alter von 10 und 13 Jahren wurden demnach verletzt. Die Ortschaft liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt.

Ein Feuerwehrmann ist am 22. Juni 2026 in der Region Sumy in der Ukraine am Ort eines russischen Drohnenangriffs im Einsatz.
Ein Feuerwehrmann ist am 22. Juni 2026 in der Region Sumy in der Ukraine am Ort eines russischen Drohnenangriffs im Einsatz. Credit: Reuters/Pressedienst des staatlichen Katastrophenschutzdienstes der Ukraine in der Region Sumy

In Saporischschja im Südosten der Ukraine wurde eine Frau bei einem russischen Drohnenangriff getötet, wie Militärgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Drei weitere seien verletzt worden. Der Flugkörper schlug demnach in ein Haus in einem Wohngebiet ein und löste einen Brand aus.

Angriffe auf HandelsschiffeRussland attackierte nach ukrainischen Behördenangaben in der Nacht auch mehrere zivile Handelsschiffe im Schwarzen Meer mit Drohnen. Auf einem Schiff unter der Flagge Panamas brach Vizeregierungschef Olexij Kuleba zufolge ein Feuer aus und ein Koch mit ägyptischer Staatsbürgerschaft kam ums Leben. Acht Besatzungsmitglieder mussten demnach evakuiert werden. Das Schiff sei nicht mehr seetüchtig gewesen, schrieb er.

„Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, dass Russland weiterhin gegen die Normen des internationalen Seerechts verstößt und eine Bedrohung für die zivile Schifffahrt darstellt“, erklärte die ukrainische Marine im Onlinedienst Telegram. (dpa/AFP)

Update (12.50 Uhr): Teile der Krim nach Drohnenangriffen ohne Strom

Nach den jüngsten Drohnenangriffen kommt es auf der von Russland besetzten Krim zu Problemen bei der Stromversorgung. Die Behörden der Halbinsel haben deshalb Einschränkungen beim Stromverbrauch eingeführt,

teilte der Energieversorger „Krymenerhoinform“ bei Telegram mit.

„Aufgrund von Störungen an Anlagen des Stromnetzes der Republik Krim werden in den Regionen der Halbinsel Verbrauchsbeschränkungen für elektrische Energie eingeführt. Informationen zu den entsprechenden Abschaltplänen werden auf den offiziellen Seiten der Verwaltungen und Kommunen sowie auf der offiziellen Website des Unternehmens veröffentlicht“, heißt es in der Mitteilung.

Wie „Moscow News“ berichtet, kam es nach den Drohnenangriffen vom 21. Juni in mehreren Teilen der Krim zu Stromausfällen. Die Einwohner seien dazu aufgefordert worden, ihren Stromverbrauch zu reduzieren und möglichst auf Klimaanlagen sowie andere energieintensive Geräte zu verzichten.

Verbot von Kinderreisen
Die von Moskau eingesetzten Behörden auf der seit 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim haben zudem die Unterbringung von Kindern zu Erholungs- und Tourismuszwecken verboten. Das gelte bis zum 1. September, hieß es in einem entsprechenden Dekret.

In der Hafenstadt Sewastopol seien für Montag alle öffentlichen Open-Air-Veranstaltungen abgesagt worden, teilte Stadtgouverneur Michail Raswoschajew auf Telegram mit. Es werde auch keine Straßenbeleuchtung geben. Auch Raswoschajew rief die Bevölkerung zum Stromsparen auf. Zuvor hatten ukrainische Drohnenangriffe auf Versorgungswege und Energieanlagen zu einem Treibstoffmangel in der bei russischen Touristen beliebten Urlaubsregion geführt. (Valeriia Semeniuk mit Reuters, dpa)

Update (12.10 Uhr): Ukraine meldet Angriff auf russisches Satelliten-Zentrum bei Moskau

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben das russische Satellitenkommunikationszentrum in Dubna angegriffen. Bei dem Angriff auf die Anlage in der Region Moskau sei starke Rauchentwicklung beobachtet worden, teilt der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte am Montag mit. Das genaue Ausmaß der Schäden werde derzeit noch ermittelt. Laut der Website der russischen Satellitenkommunikationsgesellschaft (RSCC) ist die Anlage in Dubna die größte Satelliten-Bodenstation in Russland und eine der größten in Europa.

Wegen des Anflugs zahlreicher Drohnen waren am frühen Morgen vier Flughäfen der russischen Hauptstadt Moskau kurzzeitig geschlossen worden. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte am Montag im Onlinedienst Telegram, es seien 59 Drohnen abgefangen worden. Rettungskräfte seien zu den Absturzstellen entsandt worden.

Er machte zwar keine Angaben darüber, woher die Drohnen kamen. Die Ukraine richtet aber immer wieder Drohnen gegen Russland als Vergeltung für russische Luftangriffe auf ukrainische Städte. Später erklärten die russischen Behörden dann, die Moskauer Flughäfen seien wieder geöffnet. (AFP/Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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