Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 12. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1978
letzte Woche, 1982 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1978
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 7.8., letzte Aktualisierung: 12.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1292
200
132
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 7.8., letzte Aktualisierung: 12.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Die von Schweden geenterten Schiffe «Caffa» (l) und «Sea Owl I» ankern nebeneinander vor der Küste Schwedens – beide sollen zur sogenannten Schattenflotte gehören.
Putin droht mit Beschlagnahmung europäischer Schiffe
Die von Schweden geenterten Schiffe «Caffa» (l) und «Sea Owl I» ankern nebeneinander vor der Küste Schwedens – beide sollen zur sogenannten Schattenflotte gehören.
Foto: Johan Nilsson/TT News Agency via AP/dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin hat mit der Beschlagnahmung europäischer Schiffe gedroht als Vergeltung für Pläne, Fracht von Schiffen der russischen „Schattenflotte“ zu verkaufen. „Wir werden gezwungen sein, in gleicher Weise zu reagieren“, sagte der Kreml-Chef am Mittwoch bei der Beaufsichtigung eines Marinemanövers im Fernen Osten Russlands. Moskau werde „überall dort handeln, wo wir es selbst für notwendig und angemessen halten – überall“.

Mehrere europäische Staaten haben Schiffe abgefangen, die russisches Öl transportierten und damit gegen westliche Sanktionen verstießen. Im vergangenen Monat verabschiedete Sanktionen erlauben es den EU-Mitgliedstaaten, das Öl oder sonstige von den Schiffen beschlagnahmte Ladungen zu verkaufen. Moskau reagierte mit Empörung auf das Vorhaben, das Putin als „Piraterie und Banditentum“ bezeichnete. (AFP)

Ukrainische Soldaten der K-2-Brigade der Streitkräfte für unbemannte Systeme bereiten eine Mittelstrecken-Drohne an der Startposition vor.
AP: Ukraine überlastet russische Luftabwehr mit Massenstarts günstiger Drohnen
Ukrainische Soldaten der K-2-Brigade der Streitkräfte für unbemannte Systeme bereiten eine Mittelstrecken-Drohne an der Startposition vor.
Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Nur fünf bis neun Prozent ukrainischer Langstreckenwaffen erreichen ihre Ziele hinter der russischen Luftabwehr. Das berichtet Associated Press unter Berufung auf den britischen Militärexperten Jack Watling. Trotzdem gelinge es der Ukraine zunehmend, Ziele tief in Russland zu treffen – durch Massenstarts günstiger Drohnen.

Die Ukraine setzt dabei auf eine Taktik der Überlastung. Zunächst werden große Mengen günstiger Drohnen gestartet, um russische Radare zu aktivieren und die Flugabwehr zum Verbrauch von Munition zu zwingen. Erst danach sollen Raketen und schwere Drohnen durch entstehende Lücken geführt werden.

AP verweist dabei auch auf ukrainische Raketen vom Typ „Flamingo“. Sie seien westlichen Systemen bei Tarnung und Präzision noch unterlegen, ermöglichten aber bereits spürbare Angriffe auf russische Logistik.

Nach Daten der Monitoringorganisation ACLED führte die Ukraine im Juli dreimal so viele Langstreckenangriffe gegen Ziele in Russland und in besetzten Gebieten aus wie noch im Januar. Die meisten ukrainischen Schläge haben demnach weiterhin eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern; am schnellsten wachsen jedoch Angriffe auf weiter entfernte Ziele – teils bis nach Sibirien und in den Ural.

Mehr als 114.000 Menschen gelten in der Ukraine als vermisst

In der Ukraine gelten offiziell mehr als 114.000 Zivilisten und Militärangehörige als vermisst. Zudem sind Tausende Leichen bislang nicht identifiziert. Das erklärte Innenminister Iwan Wyhiwskyj bei einem Treffen mit Vertretern der britischen National Crime Agency (NCA).

Nach Angaben Wyhiwskyjs nutzen ukrainische Strafverfolgungsbehörden von Großbritannien bereitgestellte Materialien zur Entnahme biologischer Proben, die für die Suche nach Vermissten und deren Identifizierung benötigt werden. Polizeikräfte sind zudem an den Schauplätzen russischer Raketen- und Drohnenangriffe im Einsatz, beteiligen sich an Rettungsarbeiten und helfen dabei, Verschüttete aus den Trümmern zu bergen.

Das Innenministerium dokumentiert weiterhin Kriegsverbrechen russischer Streitkräfte in der Ukraine. Nach Angaben Wyhiwskyjs haben die Ermittlungsbehörden bereits mehr als 220.000 Strafverfahren im Zusammenhang mit solchen Verbrechen registriert.

Selenskyj legt USA neuen Friedensplan für die Ukraine vor

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben vom Dienstag den USA Vorschläge für einen Plan zur Beendigung des Krieges mit Moskau übergeben. Zudem warf er Russland vor, die Parlamentswahl im kommenden Monat als Vorwand für eine neue Mobilmachung nutzen zu wollen. Die Ankündigung neuer Vorschläge für die weitgehend ins Stocken geratenen Friedensgespräche erfolgt vor dem Hintergrund von Andeutungen beider Seiten über einen baldigen Besuch von US-Unterhändlern in beiden Ländern.

„Wir haben unsere Vorschläge der amerikanischen Seite übermittelt“, sagte Selenskyj in seiner nächtlichen Videoansprache. Die USA könnten helfen, die Verteidigung der Ukraine zu stärken, vor allem bei der Flugabwehr. Zudem könnten sie Druck auf Russland ausüben, damit dessen Pläne auf ein Ende des Krieges anstatt auf eine Verlängerung abzielten. Details nannte Selenskyj nicht.

Selenskyj sagte, der ukrainische Geheimdienst habe Beweise dafür, dass Russland seine „Pseudo-Wahl“ im September ausnutzen werde, um eine neue Mobilmachung auszurufen. „Sie bereiten sich auf eine Mobilisierung im Herbst vor, unmittelbar nach der Imitation von Parlamentswahlen“, sagte Selenskyj. (Reuters)

Selenskyj: Putin schmiedet Pläne für große Mobilisierung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Kremlchef Wladimir Putin erneut vorgeworfen, eine groß angelegte Mobilisierung zu planen. Die massenhafte Rekrutierung von Soldaten werde für den Herbst vorbereitet, gleich nach der Parlamentswahl im September, sagte Selenskyj in einer abendlichen Videobotschaft und berief sich auf Geheimdienstinformationen und russische Dokumente.

Bis zum Jahresende gehe es um mehrere Hunderttausend Russen und noch einmal ungefähr so viele für das nächste Jahr, behauptete er. Putin wolle den Anschein erwecken, dass die Russen den Krieg gegen sein Land angeblich unterstützen. Russland war vor mehr als vier Jahren in die Ukraine einmarschiert.

Die landesweite Parlamentswahl ist in Russland vom 18. bis 20. September angesetzt. Erst am Vortag war mit der liberalen Oppositionspartei Jabloko die einzige Partei ausgeschlossen worden, die den russischen Angriffskrieg offen ablehnt.

Selenskyjs Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Auch in der Vergangenheit hatte Kiew Moskau mehrfach vorgehalten, eine weitere Mobilisierung vorzubereiten, ohne dass es dazu kam. Die Frage, ob es in diesem Herbst zu einer neuen Mobilisierungswelle kommt, wird aber auch von Beobachtern viel diskutiert. Bei der großen Mobilisierungswelle im Herbst 2022 waren rund 300.000 Männer eingezogen worden. (dpa)

Der ehemalige US-Soldat Robert Gilman bei einer Gerichtsverhandlung im April 2026.
Russland lässt inhaftierten US-Bürger Gilman frei

Nach mehr als vier Jahren in russischer Haft ist der US-Amerikaner Robert Gilman nach Angaben von Präsident Donald Trump freigelassen worden. „Nach meinen Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin hat Russland seiner Freilassung aus humanitären Gründen zugestimmt“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Er betonte, dass es keinen Gefangenenaustausch gebe und Moskau keine Gegenleistung verlangt habe.

Der frühere US-Soldat Gilman saß seit 2022 in russischer Haft; das US-Außenministerium sprach von „mehr als vier Jahren“.

Trump telefonierte nach eigenen Angaben mit Gilman, der sich für seine Rückkehr in die Vereinigten Staaten „einen guten Cheeseburger“ gewünscht habe. Gilman soll demnach noch am Dienstagabend (Ortszeit) auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews nahe Washington landen.  Ein US-Vertreter erklärte, er sei den Umständen entsprechend in guter Verfassung.

Gilman hat nach Angaben der gemeinnützigen Foley Foundation beim Marinekorps der Vereinigten Staaten (US Marine Corps) gedient und erkrankte während einer Zugreise durch Russland. Statt medizinische Hilfe zu bekommen, sei er auf eine Polizeiwache gebracht worden. Dort sei er dann mit mehreren Anklagen konfrontiert worden.

Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass war er damals wegen Trunkenheit und aggressiven Verhaltens am Bahnhof Woronesch festgenommen worden und habe auf der Wache einen Mitarbeiter geschlagen. Er wurde demnach erst zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt, die später um ein Jahr verkürzt wurde. Wegen weiterer Vorwürfe von Angriffen gegen Beamte während der Haftzeit wurde die Haftdauer demnach allerdings um mehrere Jahre verlängert. 

Gilmans Familie und US-Vertreter hatten sich besorgt über seinen Gesundheitszustand geäußert. Demnach war er zuletzt aus einem Gefängniskrankenhaus in die Psychiatrie einer zivilen Klinik verlegt worden. Nach seiner Landung nahe Washington soll Gilman zur medizinischen Behandlung in ein Rehabilitationszentrum im Bundesstaat Texas gebracht werden. Er war einer von mindestens zehn US-Bürgern, von denen bekannt ist, dass sie in Russland inhaftiert sind. (dpa/Reuters)

Der ehemalige US-Soldat Robert Gilman bei einer Gerichtsverhandlung im April 2026.
Vladimir Lavrov (Reuters)
Ukraine meldet Angriff auf Ölraffinerie im russischen Orsk

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie in der russischen Stadt Orsk angegriffen. Ziel sei die Raffinerie Orsknefteorgsintez gewesen, teilt das Militär auf Telegram mit. „Es wurde ein Brand festgestellt, das Ausmaß der Schäden wird ermittelt.“

Die Raffinerie hat eine Verarbeitungskapazität von sechs Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Sie produziert Benzin, Diesel und Flugbenzin, Heizöl, Bitumen und andere Erdölprodukte. Orsk ist die zweitgrößte Stadt in Orenburg und ein wichtiges Industriezentrum. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
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Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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