Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 01. Juli, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1890
letzte Woche, 1820 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1890
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 26.6., letzte Aktualisierung: 1.7. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1191
200
192
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
503
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 26.6., letzte Aktualisierung: 1.7. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Olexander Syrskyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, ist bei einer Besprechung zu sehen.
Oberbefehlshaber der Ukraine: Im Mai mehr Territorium befreit als verloren
Olexander Syrskyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, ist bei einer Besprechung zu sehen.
Olexander Syrskyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, ist bei einer Besprechung zu sehen. Credit: dpa/Planet Pix/Zuma Press Wire/Ukrainisches Präsidentialamt 

Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Olexander Syrskyj, erklärte, dass die Ukraine im Mai mehr als 100 Quadratkilometer mehr Territorium zurückerobert habe, als sie verloren habe. In einem Interview mit TSN sagte er, die ukrainischen Streitkräfte würden nicht nur ihre Verteidigung halten, sondern auch auf einzelnen Frontabschnitten offensive Operationen durchführen. (Yulia Valova)

Satellitenbilder zeigen offenbar Schäden nach Angriff ukrainischer „Flamingo“-Raketen auf wichtiges Rüstungswerk

Im Internet sind Satellitenbilder veröffentlicht worden, die die Folgen des Angriffs ukrainischer FP-5-„Flamingo“-Raketen auf das russische Rüstungswerk Titan-Barikady in Wolgograd bestätigen. Der Angriff erfolgte in der Nacht zum 27. Juni. Die am 1. Juli veröffentlichten Aufnahmen zeigen Schäden auf dem Werksgelände.

Titan-Barikady ist der einzige Hersteller von Startvorrichtungen für die operativ-taktischen Raketensysteme Iskander-M in Russland. Der Angriff war sowohl vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als auch vom Generalstab der ukrainischen Streitkräfte bestätigt worden. Die russischen Behörden bestätigten nach dem Angriff lediglich Schäden an einem Industrieunternehmen infolge des Einschlags „hochgeschwindigkeitsfähiger Luftziele“. (Yulia Valova)

Russland stellt zerstörte Verkehrsinfrastruktur zur Krim im Eiltempo wieder her

Russland hat nach den ukrainischen Angriffen auf die Verkehrsinfrastruktur damit begonnen, die logistische Verbindung zur besetzten Krim in aller Eile wiederherzustellen. Nach einer Auswertung von Satellitenbildern, über die Radio Free Europe/Radio Liberty berichtet, haben die Besatzer zwei neue Brücken sowie einen aufgeschütteten Damm und eine Pontonbrücke errichtet, die den besetzten Teil der Region Cherson mit der Halbinsel verbindet.

Mit dem Bau der neuen Übergänge wurde begonnen, nachdem ukrainische Streitkräfte am 8. Juni die Hauptbrücke beschädigt hatten. Auf Satellitenaufnahmen vom 30. Juni ist zu erkennen, dass die wesentlichen Bauarbeiten abgeschlossen sind. Solche Bauwerke sind deutlich weniger widerstandsfähig gegenüber erneuten Angriffen als dauerhaft errichtete Brücken.

Die vollständige Isolierung der Krim durch die Zerstörung russischer Militärinfrastruktur und logistischer Versorgungswege ist das wichtigste Ziel der ukrainischen Streitkräfte auf der besetzten Halbinsel. Dies erklärte der Sprecher der ukrainischen Marine, Dmytro Pletenchuk, im Fernsehsender Freedom. Nach seinen Worten entwickelt sich die Lage an der Südfront zunehmend zugunsten der Ukraine. (Yulia Valova)

Merz plädiert für neue Finanzhilfen Europas für die Ukraine

Deutschland beabsichtigt, sich auf dem Nato-Gipfel in der nächsten Woche für eine neue Finanzhilfe der europäischen Partner für die Ukraine zu starkmachen. „Die Bundesregierung schlägt vor, dass wir Kyjiw, als europäische Nato-Alliierte, eine neue Finanzierungszusage geben“, sagt Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin. Er hoffe, dass die Regierung in Moskau daraus die richtigen Schlüsse ziehe und zu Gesprächen über einen Waffenstillstand bereit sei. „Wir werden in unserer Unterstützung für die Ukraine nicht nachlassen“, betont Merz. Es liege nur an dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, jetzt diese Gespräche zu führen und den Krieg zu beenden. (Reuters)

Russland schließt Grenzübergänge für Bahnverkehr

Die Regierung in Moskau hat einseitig sieben Grenzübergänge im Bahnverkehr mit Finnland, Estland und Lettland geschlossen. Die Anweisung der russischen Regierung in Moskau gilt ab 1. Juli und soll vorübergehend sein, wobei zur Dauer keine Angaben gemacht wurden. Personen, Fahrzeuge, Waren und Güter dürften die Übergänge nicht mehr passieren, wie es hieß.

Ein Grund wurde nicht genannt. Auch die Auswirkungen der Maßnahme waren nicht sofort absehbar. Aufgelistet wurden fünf Grenzübergänge mit Finnland. Allerdings hat Finnland wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und eigener Sicherheitsbedenken die Grenze mit Russland selbst 2023 geschlossen. Ein reduzierter Frachtverkehr läuft über den Übergang Vainikkala, auf russischer Seite Busslowskaja. Dieser steht nicht auf der Moskauer Liste.

Auch nach Estland und Lettland fahren keine russischen Personenzüge mehr, geblieben ist ein eingeschränkter Frachtverkehr. In jedes dieser Länder schloss Moskau einen von zwei Übergängen. (dpa)

Kyjiw meldet Zerstörung von wichtiger Brücke in Region Donezk

Die Ukraine hat eine Brücke auf einer Fernstraße zwischen den Großstädten Donezk und Mariupol im Südosten des Landes zerstört. Damit ist eine wichtige Straßenverbindung in dem von Russland besetzten Gebiet unterbrochen worden. „Unter anderem wurde eine Straßenbrücke über den Fluss Malyj Kaltschyk nahe Hranitne im Gebiet Donezk getroffen“, teilte der Generalstab in Kyjiw mit. In sozialen Netzwerken veröffentlichte Bilder zeigten die Trümmer des Bauwerks im Flusstal gut 20 Kilometer nördlich der Hafenstadt Mariupol.

Es existiert jedoch eine Umgehungsroute für den Straßenverkehr aus Richtung Norden in die Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer. Welche Waffe bei dem Angriff eingesetzt wurde, teilte das Militär nicht mit.

Den Angaben des Generalstabs zufolge wurden zudem eine Eisenbahnbrücke im Luhansker Gebiet und eine weitere für die Logistik wichtige Querung in der Region Donezk getroffen. Das ukrainische Militär greift seit mehreren Wochen systematisch Brücken im russisch besetzten Teil des Landes an, um die Logistik der russischen Armee zu stören. (dpa)

Selenskyj: Wieder Ziele tief in Russland attackiert

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut Ziele tief in Russland angegriffen. So sei zum zweiten Mal eine Ölraffinerie im russischen Ufa attackiert worden, teilt Selenskyj auf der Online-Plattform X mit. Die Anlage liegt mehr als 1300 Kilometer von der Front entfernt. Zudem habe es einen Angriff auf eine strategisch wichtige Anlage in der Region Pensa gegeben. Dort würden Komponenten für Raketenwaffen hergestellt, die Russland bei seinen Angriffen auf die Ukraine einsetze. Die attackierte Anlage liege rund 600 Kilometer von der Front entfernt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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