Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 26. Juni, 14:35 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1817
letzte Woche, 1938 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1817
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 19.6., letzte Aktualisierung: 24.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1101
200
195
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
510
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 19.6., letzte Aktualisierung: 24.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Lawrow fordert Klärung von US-Rolle bei Friedensbemühungen

Der russische Außenminister Sergej Lawrow fordert eine Klärung der Rolle der USA bei den Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs. Lawrow wies Darstellungen von US-Außenminister Marco Rubio am Freitag zurück, wonach es bei dem Treffen von Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr in Alaska keine Einigung über die Grundzüge eines Friedensabkommens gegeben habe.

Rubio hatte am Donnerstag erklärt, es habe in Alaska zwar Vorschläge, aber keine Vereinbarung gegeben. Lawrow entgegnete in schriftlichen Antworten auf Fragen von Journalisten, die US-Seite habe Vorschläge vorgelegt, denen Putin zugestimmt habe. Zu behaupten, es habe keine Einigung gegeben, sei „ziemlich unelegant“. In Russland wird die mutmaßliche Verständigung oft als „Geist von Anchorage“ bezeichnet.

Die Vermittlungsversuche Washingtons sind ins Stocken geraten, nachdem die USA und Israel im Februar den Krieg gegen den Iran begonnen haben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte westlichen Verbündeten jüngst erklärt, die Ukraine wende das Blatt durch Angriffe tief im russischen Hinterland. Russland weist dies zurück und setzt im Falle eines Scheiterns der Diplomatie auf einen Sieg auf dem Schlachtfeld. (Reuters)

Gazprom erwartet steigenden Gewinn – auch dank China

Der russische Energieriese Gazprom erwartet im laufenden Jahr einen Anstieg des operativen Gewinns um sechs bis sieben Prozent. Grund dafür seien steigende Lieferungen auf dem heimischen Markt sowie höhere Exporte nach China, sagte Vize-Chef Famil Sadygow am Freitag auf der Hauptversammlung. Im Jahr 2025 hatte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2,9 Billionen Rubel (rund 37,7 Milliarden Dollar) betragen. Die Lieferungen im Inland sollen Sadygow zufolge um zwei bis vier Prozent zulegen. Zudem dürften die Ausfuhren nach China steigen.

Gazprom ist gezwungen, seine Gasexporte neu auszurichten. Durch den russischen Überfall auf die Ukraine hat der Konzern den Großteil seines Geschäfts auf dem lukrativen europäischen Markt verloren. (Reuters)

Russischer Gouverneur erklärt Ausnahmezustand auf der Krim

Als Folge der massiven ukrainischen Drohnenangriffe haben die von Russland eingesetzten Behörden auf der ukrainischen Halbinsel Krim und in der Stadt Sewastopol am Freitag den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Maßnahme solle bei der Bewältigung wirtschaftlicher Probleme helfen. Der Tourismus und die Ferienlager für Kinder wurden bis September ausgesetzt. Die Behörden begründeten dies mit Treibstoffmangel und Sicherheitsbedenken. Zudem verkaufen Tankstellen seit dem 21. Juni keinen Kraftstoff mehr an Privatpersonen und Unternehmen.

Der von Russland ernannte Chef der Krim, Sergej Aksjonow, erklärte auf Telegram, der Ausnahmezustand solle schnellere Entscheidungen ermöglichen. Damit solle die Versorgung in allen lebenswichtigen Bereichen gesichert werden. Weitere Einzelheiten nannten die Behörden nicht. Ukrainische Drohnen haben in den vergangenen Wochen verstärkt die Treibstoffversorgung der Halbinsel ins Visier genommen. Russland hat die Halbinsel 2014 völkerrechtswidrig annektiert.

Die Ukraine greift seit Monaten auch Energieanlagen tief im russischen Hinterland an, um die militärischen Fähigkeiten und die Finanzen Moskaus zu schwächen. Die Drohnenangriffe verschärfen die Versorgungsengpässe in ganz Russland. Verbraucher berichten von steigenden Preisen und langen Schlangen an Tankstellen. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, die Angriffe sollten Zwietracht in der russischen Bevölkerung säen. (Reuters)

EU will wehrfähigen Männern aus der Ukraine Flucht vor Krieg erschweren

Ukrainische Männer sollen sich einem Einsatz im Krieg gegen Russland künftig schwerer entziehen können und nicht mehr so einfach Zuflucht in Deutschland oder anderen EU-Staaten finden. 23- bis 60-Jährige, die von der Ukraine keine Ausreiseerlaubnis bekommen, sollen nach einem Vorschlag der Europäischen Kommission von den vereinfachten Aufnahmeregeln für Flüchtlinge ausgenommen werden.

Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine finden in der Europäischen Union nach der sogenannten Massenzustromrichtlinie Aufnahme, ihre Schutzersuchen werden also nicht individuell geprüft. Das macht es Ukrainern bisher wesentlich leichter, in der EU Schutz zu erhalten, als flüchtenden Menschen aus anderen Gruppen.

Diese Regelung will die EU-Kommission um ein weiteres Jahr bis März 2028 verlängern. Das soll allerdings nicht mehr für die betroffenen Männer gelten: Nach Willen der Behörde müssten sie künftig einen Asylantrag stellen, hätten also deutlich geringere Aussichten auf Schutz und eine Aufenthaltserlaubnis. Deutschland und andere Mitgliedsländer hatten sich auf EU-Ebene in den vergangenen Wochen für eine solche Einschränkung ausgesprochen.

Die EU-Kommission folgt nach eigenen Aussagen aber auch einer Bitte der Ukraine. Das von Russland angegriffene Land braucht weiter viele Soldaten. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mobilisiert die Ukraine monatlich bis zu 34.000 Mann. Aufgrund der hohen Zahl an Fahnenflüchtigen kann die Armee ihre Verluste damit jedoch kaum ausgleichen. Nach Auskunft von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow wird nach mehr als zwei Millionen Wehrpflichtigen gefahndet. (dpa)

Ukraine greift auch wichtiges Chemiewerk an

Bei dem Großangriff in der Nacht haben ukrainische Drohnen auch das Chemiewerk Asot in Nowomoskowsk in der russischen Region Tula angegriffen. Der Gouverneur der Region, Dmitri Minjajew, erklärte auf Telegram, durch den Angriff seien eine Stromleitung sowie ein Industriebetrieb in Nowomoskowsk beschädigt worden. Nach Angaben von Kriegsbeobachtern brach auf dem Werksgelände ein Großbrand aus.

Das Werk zählt zu den größten Chemieunternehmen Russlands. Es produziert unter anderem Mineraldünger, Ammoniak, Salpetersäure und Methanol. Nach ukrainischen Angaben liefert das Werk zudem chemische Vorprodukte an Rüstungsunternehmen, die für die Herstellung von Sprengstoffen und Munition verwendet werden. (Valeriia Semeniuk)

Ukraine greift große Raffinerie 1400 Kilometer von Grenze entfernt an

Drohnen der Armee Kyjiws haben in der Nacht zum Donnerstag auch Anlagen der Treibstoffinfrastruktur in der russischen Stadt Ufa, der Hauptstadt der Republik Baschkortostan, attackiert. Nach Angaben russischer Telegram-Kanäle und Berichten von Anwohnern waren Explosionen im Bereich des Ölraffineriekomplexes zu hören. Die russischen Behörden bestätigten einen Drohnenangriff auf das Gebiet der Republik.

Ufa liegt mehr als 1400 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Damit gehört der Angriff zu den weitreichendsten ukrainischen Operationen gegen die russische Energieinfrastruktur seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine. In der Stadt befindet sich ein Raffineriekomplex des Konzerns Bashneft, der Benzin, Dieselkraftstoff, Kerosin und weitere petrochemische Produkte herstellt.

Der Raffineriekomplex von Ufa zählt zu den größten in Russland und verfügt über eine Verarbeitungskapazität von rund 20 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Die Anlagen versorgen einen erheblichen Teil der Wolga- und Uralregion mit Treibstoff und gelten als strategisch wichtige Objekte der russischen Ölindustrie.

Auch das Chemiewerk Asot in Nowomoskowsk in der russischen Region Tula wurde angegriffen. Der Gouverneur der Region, Dmitri Minjajew, erklärte auf Telegram, durch den Angriff seien eine Stromleitung sowie ein Industriebetrieb in Nowomoskowsk beschädigt worden. Auf dem Werksgelände soll Kriegsbeoachtern zufolge ein Großbrand ausgebrochen sein.

Das Werk zählt zu den größten Chemieunternehmen Russlands. Es produziert unter anderem Mineraldünger, Ammoniak, Salpetersäure und Methanol. Nach ukrainischen Angaben liefert das Werk zudem chemische Vorprodukte an Rüstungsunternehmen, die für die Herstellung von Sprengstoffen und Munition verwendet werden. (Valeriia Semeniuk)

IAEA: Wichtige Stromleitung am AKW Saporischschja repariert

Am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja sind nach Angaben der UN-Atomaufsicht IAEA wichtige Reparaturen abgeschlossen worden, die aber noch durch weitere Arbeiten ergänzt werden müssen. Die Reparatur einer zentralen Stromleitung und weiterer für die nukleare Sicherheit entscheidender Infrastruktur sei während einer vorübergehenden lokalen Feuerpause erfolgt, teilt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Die Stromleitung sei jedoch noch nicht wieder in Betrieb genommen worden, da das angeschlossene Umspannwerk schwer beschädigt sei. Die Reparaturarbeiten dort dauerten an. Mit einem baldigen Abschluss sei nicht zu rechnen, so die IAEA weiter. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Kein EU-Schutz für wehrpflichtige Ukrainer: Menschlich hart und doch notwendig
Nach mehr als vier Jahren Krieg stellt sich die EU einem Kernwiderspruch: Wer den militärischen Erfolg der Ukraine möchte, darf ihr nicht die kämpfenden Männer entziehen.
Ukrainer geben massenhaft polnische Orden zurück: Wie ein Weltkriegsstreit wichtige Verbündete spaltet
Polen und die Ukraine stehen im Krieg gegen Russland Seite an Seite. Doch ein Streit über die Rolle der UPA im Zweiten Weltkrieg sorgt für eine diplomatische Eskalation. Warum die Erinnerung die Nachbarn entzweit.
Peinlicher Streit beim EU-Gipfel: Wer soll für Europa mit Putin reden? Derzeit niemand!
Zu viele würden gerne einen Frieden in der Ukraine vermitteln. Nur: Worüber wollen sie eigentlich verhandeln mit einem Kremlchef, der gar keine Kompromisse will und jedes Abkommen bricht?
Trump ist nicht das größte Problem : Diese drei Dinge muss Europa lernen
Die Europäer müssen dreierlei lernen: Welche internationalen Themen haben für sie Priorität? Welche Ziele sind realistisch? Und was davon können sie selbst durchsetzen?
„Friedensverhandlungen werden romantisiert“: Verhandlungsprofi entzaubert fünf Mythen über diplomatische Gespräche
Hans-Joachim Gießmann war Senior Advisor bei den Verhandlungen um das Kriegsende in Afghanistan. Hier erklärt er, was im Nahen Osten und in der Ukraine wirklich nötig wäre.
Wahl in Armenien: EU-Fans, schaut auf die Landkarte
In Armenien verschiebt sich die Macht zugunsten der EU. Aber Etiketten wie „proeuropäisch“ und „prorussisch“ für politische Kräfte helfen wenig in einer Region, die so abhängig von Moskau ist wie der Kaukasus.
mehr Artikel anzeigen