Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 01. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1922
letzte Woche, 1941 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1922
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 21.8., letzte Aktualisierung: 1.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1242
200
152
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
514
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 21.8., letzte Aktualisierung: 1.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj kritisiert Partner für ihren Sommerurlaub

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Vertreter der internationalen Partnerstaaten dafür kritisiert, dass sie Sommerurlaub machen, während sein Land ums Überleben kämpft. „Die vergangenen zwei Wochen waren Europa und die ganze Welt, die uns hilft, in den Ferien“, klagte Selenskyj vor Journalisten. Russland habe die Zeit für Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur genutzt, auch um damit den am Dienstag landesweit begangenen Beginn des Schuljahres zu stören.

Selenskyj warf den westlichen Partnern vor, „Diplomatie nach Plan“ zu betreiben. Ihre Herangehensweise sei: „Wenn Urlaub ist, dann ist eben Urlaub.“ Für ihn aber sei das eine „sehr unangenehme Tatsache“. Er hatte in den vergangenen Wochen immer wieder die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten.

Wen er konkret meinte, sagte Selenskyj nicht. Erst vor knapp einer Woche waren EU-Ratspräsident António Costa, der britische Premierminister Andy Burnham und andere Staats- und Regierungschefs zum ukrainischen Unabhängigkeitstag nach Kyjiw gereist. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron nahmen per Videoschalte an den Beratungen mit weiteren Hilfszusagen teil. (dpa)

Donald Tusk (l), Ministerpräsident von Polen, Karol Nawrocki (2.v.r, Präsident von Polen, der stellvertretende Sejm-Präsident Piotr Zgorzelski (2.v.l.) und der Leiter der Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen (KPRP) Zbigniew Bogucki (r) nehmen an den Gedenkfeierlichkeiten auf der Westerplatte zum 87. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen teil.
Polens Regierungschef mahnt Solidarität mit Ukraine an

Polens Regierungschef Donald Tusk hat beim alljährlichen Gedenken an den deutschen Überfall auf Polen 1939 die Solidarität des Westens mit der Ukraine angemahnt. „Heute rufen wir laut von Westerplatte aus der gesamten freien Welt zu: Seid solidarisch, wir müssen der Ukraine helfen zu überleben!“, sagte er am Kriegerdenkmal Westerplatte in Danzig. Die kommenden Monate, der bevorstehende Herbst und Winter, könnten entscheidend sein für die Unabhängigkeit der Ukraine, das Schicksal Polens und der freien Welt. 

Tusk warnte auch vor dem Wiederaufleben einer „braunen Welle der Aggression und Verachtung“ in Europa und den USA. Er erinnerte an die 80 Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs, an sechs Millionen Opfer unter den polnischen Bürgern und die Ermordung „fast aller Juden in Europa durch die vom Wahn ergriffenen Nazis“. (dpa)

Donald Tusk (l), Ministerpräsident von Polen, Karol Nawrocki (2.v.r, Präsident von Polen, der stellvertretende Sejm-Präsident Piotr Zgorzelski (2.v.l.) und der Leiter der Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen (KPRP) Zbigniew Bogucki (r) nehmen an den Gedenkfeierlichkeiten auf der Westerplatte zum 87. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen teil.
Foto: dpa/PAP/Adam Warzawa
Während eines russischen Luftangriffs auf Kyjiw am frühen Morgen des 1. September 2026 ist im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine eine Rauchspur eines Geschosses zu sehen.
Zahl der Toten nach russischen Angriffen auf Kyjiw steigt

Bei den jüngsten Angriffen auf Kyjiw und Umgebung sind nach Behördenangaben mindestens neun Menschen getötet worden. Zunächst waren vier Todesopfer gemeldet worden. Wie der Katastrophenschutz auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilt, starben acht Menschen direkt in der ukrainischen Hauptstadt. Dort seien zudem fünf Personen verletzt worden – darunter drei Kinder.

In der Stadt Boryspil in der Region Kyjiw starb den Behörden zufolge ein Mensch. Neun weitere, darunter ein Kind, seien hier verletzt worden, teilt Gouverneur Tymur Tkatschenko ebenfalls auf Telegram mit. Er sprach von einem „massiven“ nächtlichen Angriff „mit russischen Raketen und Kampfdrohnen“. Dabei seien ein Wohnhaus und ein Geschäftsgebäude beschädigt worden.

Die ukrainische Luftwaffe hatte in der Nacht bei Telegram mitgeteilt, dass sich „mehrere Ziele“ auf die Hauptstadt zubewegten. Kurz darauf sahen Journalisten der Nachrichtenagentur AFP in Kyjiw mehrere Lichtblitze und hörten laute Explosionen.

Auch aus anderen Landesteilen gab es in der Nacht Berichte über russische Angriffe, darunter aus dem Raum Odessa am Schwarzen Meer. Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram unter anderem über Angriffe auf Charkiw, Sumy und Saporischschja. Russlands Verteidigungsministerium erklärt, Militär- und Energieanlagen in Kyjiw und Odessa sowie in den umliegenden Regionen angegriffen zu haben. (Reuters/AFP/dpa)

Während eines russischen Luftangriffs auf Kyjiw am frühen Morgen des 1. September 2026 ist im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine eine Rauchspur eines Geschosses zu sehen.
Foto: AFP/Sergei Supinsky
Russland meldet Schäden in wichtigem russischen Hafen

Der wichtige russische Ostseehafen Ust-Luga ist nach Angaben des Regionalgouverneurs Ziel eines Drohnenangriffs geworden. „Im Hafengebiet von Ust-Luga sind infolge des Drohnenangriffs Schäden entstanden, und es brennt“, erklärte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Die Bemühungen zur Abwehr des Angriffs dauerten demnach an.

Der Hafen von Ust-Luga am Finnischen Meerbusen in der Nähe der estnischen Grenze ist ein wichtiger Umschlagplatz für Dünger, Öl und Kohle aus Russland. Nach Angaben der russischen Behörden wurde er bereits mehrfach attackiert.

Die Ukraine hatte zuletzt ihre Gegenangriffe auf die russische Infrastruktur verstärkt, darunter Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kyjiw sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der Ukraine zu reduzieren. (AFP)

Ermittlungen wegen Terrorverdachts nach Brand in polnischer Drohnenfabrik

Nach dem Brand in einer Drohnenfabrik in Polen sind Ermittlungen wegen Terrorverdachts eingeleitet worden. Es werde wegen Beteiligung „an den Aktivitäten eines ausländischen Geheimdienstes gegen die Republik Polen und wegen einer terroristischen Straftat“ ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Der Brand in der Fabrik von WB Electronics in der Stadt Skarzysko-Kamienna sei vorsätzlich gelegt worden. Das Feuer wurde nach zwei Stunden unter Kontrolle gebracht. (AFP)

Litauens Präsident: Moskau-Treffen von CIA-Chef hat Ziele erreicht

Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda ist nach eigenen Angaben von den USA über den Inhalt der Gespräche von CIA-Chef John Ratcliffe in Moskau unterrichtet worden. „Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass das Treffen die gesteckten Ziele erreicht hat, und es zielte darauf ab, die Spannungen in der Region zu reduzieren“, sagte Nauseda litauischen Medienberichten zufolge in Vilnius. „Ich hoffe sehr, dass diese Botschaft das Kreml-Regime rechtzeitig erreicht hat“. Nähere Angaben machte er unter Verweis auf das mit Washington vereinbarte Vorgehen nicht. (dpa)

Behörden in Kyjiw wollen bei Luftalarm nicht mehr alles lahmlegen

Angesicht zunehmender Drohnenangriffe aus Russland wollen die Behörden in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw ihre Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm anpassen. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte am Montag im Onlinedienst Telegram, er habe Behördenvertreter in Kyjiw zusammengebracht, um über Änderungen der Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Dabei habe er etwa vorgeschlagen, die U-Bahn weiter über die Dnipro-Brücken fahren zu lassen. Bei Luftalarm stoppt die Metro derzeit ihren Verkehr über den Fluss. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Greift Putin die Nato an?: Deutschland verdrängt die Gefahr
CIA-Chef Ratcliffe warnt den Kreml nach der Drohnenattacke in Leipzig und den unverblümten Drohungen Russlands gegen Großbritannien. Und Deutschland ist immer noch nicht vorbereitet.
Wahlen in der Ukraine trotz Krieg?: Der Schaden durch Abwarten steigt
Präsident Selenskyj und dem Parlament fehlt die demokratische Legitimation. Doch wegen Putins Krieg ist eine freie Wahl unmöglich. Was tun? Es hilft ein Blick in die deutsche Geschichte.
Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
Trump in der Iran-Falle: Mit Europas Ideen nicht zu lösen
Viele Deutsche warten auf einen haltbaren Frieden am Golf und Energiepreise wie vor dem Krieg. Beide Ziele sind jedoch nur durch anhaltenden militärischen Druck zu erreichen.
mehr Artikel anzeigen