Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 03. November, 12:48 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Neues SPD-Verfahren gegen Schröder beantragt

Altkanzler Gerhard Schröder droht nach seinem Geburtstagsbesuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin ein neues Parteiordnungsverfahren in der SPD. Es seien zwei Anträge dazu eingegangen, deren Formwirksamkeit noch überprüft werde, sagte der Geschäftsführer des SPD-Bezirks Hannover, Christoph Matterne. 

Anfang Oktober dieses Jahres hatte Schröder mit einem Besuch bei Putin erneut deutliche Kritik aus seiner Partei auf sich gezogen. Dem Kreml zufolge war Schröder bei Putin, als der in Moskau seinen 74. Geburtstag feierte. Kurz zuvor war Schröder in den Aufsichtsrat des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus berufen worden. (dpa)

Vertreter von EU, USA und Ukraine am Mittwoch zu Verhandlungen in Brüssel

Vertreter der Ukraine, der USA und europäischer Staaten treffen sich am Mittwoch in Brüssel zu Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine. Zu dem Treffen würden neben Vertretern der Ukraine und der USA auch Verhandler aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie der Nato und der Weltbank erwartet, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel.

Ihren Angaben zufolge sollen die nationalen Sicherheitsberater an den Verhandlungen teilnehmen. Es sei noch unklar, wer von US-Seite anreisen werde. Das Treffen soll demnach auf den jüngsten US-ukrainischen Verhandlungen in Miami aufbauen. Außerdem soll es um den Wiederaufbau in der Ukraine gehen. (AFP)

Westlich von Kyjiw: Auseinandersetzung zwischen Menschenmenge und Nationalgarde

Montagabend versammelte sich eine Menschenmenge vor einem Haus in dem Ort Petropawliwska Borschtschahiwka westlich von Kyjiw. In dem Gebäude sollen Militärangehörige untergebracht worden sein, berichtet die „Ukrajinska Prawda“⁠. Ein Bus der Nationalgarde wurde demnach beschädigt. Offenbar fielen auch Schüsse.

Die genauen Hintergründe des Vorfalls sind unklar. Der „Kyiv Independent“ zitiert aus einer Stellungnahme der Nationalgarde: Demnach zirkulierten am Montagabend „unbestätigte Informationen“, wonach Soldaten rechtswidrig festgehalten und gefoltert worden seien. Nun folge eine Untersuchung.

Nach Angaben der Nationalgarde diente das Haus als vorübergehender Standort der Militäreinheit 3121. Dort befanden sich demnach mobilisierte Männer sowie Soldaten, die nach unerlaubtem Verlassen ihrer Einheit zurückgebracht worden waren und auf ihre Zuweisung für den weiteren Dienst warteten. Vier Soldaten mit Verletzungen sollen in ein medizinisches Zentrum der Nationalgarde gebracht worden sein. Die Polizei dementierte die Meldung über einen Toten.

Bloomberg: USA wollen von NATO-Partnern mehr Geld für Waffenlieferungen an die Ukraine

Die USA planen, ihre NATO-Verbündeten um zusätzliche Mittel für den Kauf amerikanischer Waffen für die Ukraine zu bitten. Die Anfrage könnte noch im November erfolgen, berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit den vertraulichen Beratungen vertraute Personen. Washington habe einige Partner bereits über den geplanten Vorstoß zur Finanzierung des PURL-Programms informiert.

Wie viel zusätzliches Geld die USA verlangen wollen, ist bislang unklar. Für bereits genehmigte Waffenpakete besteht den Quellen zufolge eine Finanzierungslücke von umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro. Die USA lieferten weiterhin Waffen, auch wenn die Beiträge der Partner hinter dem Tempo der Lieferungen zurückblieben. Sollte das Pentagon die Lieferungen ausweiten, könnte die Lücke weiter wachsen. Die Umrechnung beruht auf dem EZB-Referenzkurs vom 2. November.

Das im Juli 2025 gestartete PURL-Programm dient dem Kauf amerikanischer Rüstungsgüter für den vorrangigen Bedarf der Ukraine. Wie die NATO erläutert, stellt das militärische Oberkommando des Bündnisses Pakete mit benötigter Ausrüstung und Munition zusammen, die die USA bereitstellen können. Partnerstaaten übernehmen die Finanzierung einzeln oder gemeinsam; die NATO koordiniert die Lieferung in die Ukraine. 

Mindestens 29 Tote bei russischem Angriff auf Hilfsausgabestelle in der Ukraine

Bei russischen Luftangriffen auf Komyschuwacha, einen frontnahen Ort in der Region Saporischschja im Südosten der Ukraine, sind am Montag mindestens 29 Menschen getötet worden. Fünf weitere wurden verletzt, 48 gelten als vermisst. Das teilte der amtierende Leiter der regionalen Militärverwaltung, Mychajlo Semikin, am Dienstag auf Telegram mit. Getroffen wurde eine Schule, die als Ausgabestelle für humanitäre Hilfe genutzt wurde. Die Suche nach Menschen unter den Trümmern dauert an.

Mehr als 70 Verletzte bei Angriff auf ukrainisches Krankenhaus

Bei einem russischen Luftangriff auf ein Krankenhaus in Charkiw sind in der Nacht zum 3. November mehr als 70 Menschen verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen kam eine gelenkte Fliegerbombe mit Strahltriebwerk zum Einsatz, deren Reichweite bis zu 200 Kilometer betragen kann. Das sagte die Sprecherin der regionalen Staatsanwaltschaft, Walerija Tschyrina, im Interview mit Suspilne Charkiw.

Russland griff die Stadt in derselben Nacht auch mit ballistischen Raketen an. Neben dem getroffenen Krankenhaus wurden eine weitere medizinische Einrichtung, ein medizinisches Labor, zehn Mehrfamilienhäuser und 13 Autos beschädigt. Nach Angaben des regionalen Verwaltungschefs Oleh Synjehubow mussten 226 Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Bürgermeister Ihor Terechow berichtete von mehr als 1000 zerstörten Fenstern im Krankenhaus und in umliegenden Wohngebäuden.

Die Ermittler vermuten, dass die Fliegerbombe aus dem russisch besetzten Gebiet Luhansk abgeworfen wurde. Hinweise auf die Flugroute stammten laut Tschyrina von Kanälen zur Luftraumbeobachtung. Nach vorläufigen Angaben der Staatsanwaltschaft könnte es sich um eine FAB-250 mit einem Steuerungsmodul des Typs UMPK-5R gehandelt haben. Vergleichbare Bomben seien bereits im vergangenen Jahr gegen Losowa und das Umland von Charkiw eingesetzt worden. 

Elf Staaten üben für möglichen Ukraine-Einsatz nach Ende der Kämpfe

Großbritannien und Frankreich leiten vom 9. bis 22. November die Militärübung „Koalicja“ in Polen. Rund 2800 Soldaten aus elf Ländern, darunter Deutschland, sollen die Verlegung, den Schutz und die Versorgung einer multinationalen Truppe für einen möglichen Einsatz in der Ukraine nach Ende der Kämpfe erproben. Das teilte das britische Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Es ist die erste große Übung der Multinational Force Ukraine (MNF-U), des militärischen Arms der „Koalition der Willigen“.

Großbritannien beteiligt sich mit 300 Soldaten, Typhoon-Kampfjets und einem Voyager-Tankflugzeug. Die Luftstreitkräfte sollen unter anderem die Absicherung des zivilen Flugverkehrs nach einer Wiedereröffnung des ukrainischen Luftraums proben. Parallel dazu testen türkische Kräfte in Istanbul die maritime Komponente der Truppe, darunter die Vorbereitung von Minenräumungen für eine sichere Rückkehr der Handelsschifffahrt zu ukrainischen Häfen.

Die MNF-U soll künftig zur Sicherheit des ukrainischen Luft- und Seeraums sowie zum Wiederaufbau der ukrainischen Streitkräfte beitragen. Ein Einsatz in der Ukraine käme laut Ministerium erst nach Einstellung der Kämpfe und auf Einladung der ukrainischen Regierung infrage. Friedenssicherung und die Überwachung einer Waffenruhe gehören demnach ausdrücklich nicht zu ihren Aufgaben. 

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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