Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 16. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1978
letzte Woche, 1982 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1978
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 7.8., letzte Aktualisierung: 12.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1292
200
132
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 7.8., letzte Aktualisierung: 12.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland greift Kyjiw wieder mit ballistischen Raketen an

Die Armee von Machthaber Wladimir Putin hat die ukrainische Hauptstadt Kyjiw erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Es gebe Explosionen in der Stadt, schrieb Bürgermeister Vitali Klitschko in der Nacht auf der Plattform Telegram. Er forderte die Einwohner der Millionenstadt auf, in ihren Schutzräumen zu bleiben. In zwei Stadtbezirken gebe es Brände, die Feuerwehr sei vor Ort. 

Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram zudem von Angriffen mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen auf andere Landesteile, unter anderem auf die Industriestädte Krementschuk und Krywyj Rih. Insgesamt soll es mindestens eine Tote und mehrere Verletzte geben. (Reuters, dpa)

Moskau meldet ukrainischen Angriff mit 600 Drohnen

Die Ukraine hat die Region der russischen Hauptstadt nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin in der Nacht mit rund 600 Drohnen angegriffen. Davon seien 201 in der Region Moskau von der Luftabwehr zerstört worden, schrieb er auf Telegram. Die meisten Drohnen seien bereits vorher beim Anflug abgewehrt worden.

Von einem der größten Angriffe der letzten Zeit sprach der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow. Ein 83 Jahre alter Mann sei getötet worden, als eine Drohne auf sein Grundstück gefallen sei. Es habe im Gebiet Moskau auch mehrere Verletzte gegeben.

Im Gebiet Rostow am Don im Süden Russlands starben bei einem ukrainischen Drohnenangriff laut Behörden mindestens drei Menschen. Ein Mensch sei verletzt worden, hieß es.

In der Stadt Podolsk, rund 40 Kilometer von Moskau, seien drei Menschen verletzt worden. Zudem sei ein Feuer in einem Lager des größten russischen Online-Versandhandels Wildberries ausgebrochen, teilte Worobjow bei Telegram mit. Die Mitarbeiter hätten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. In Domodedowo, wo auch einer der Moskauer Flughäfen liegt, sei zudem ein Lager mit Medikamenten in Brand geraten. In der Stadt seien auch mehrere Wohnhäuser beschädigt worden. Auch in anderen Ortschaften gebe es Schäden an ziviler Infrastruktur, darunter auch eine Schule. (dpa)

Ukraine meldet Angriff auf russisches Raketen- und Raumfahrtzentrum

Das ukrainische Militär hat das Raketen- und Raumfahrtzentrum im russischen Samara angegriffen. Die Streitkräfte hätten auch den Militärflugplatz Sawasleika, einen Stützpunkt für russische Kampfflugzeuge, beschossen, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstag auf Telegram mit. Flamingo-Marschflugkörper hätten die rund 900 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Raketenfabrik in Samara getroffen. Ziel sei es, den Druck auf die Regierung in Moskau zur Beendigung des mehr als vierjährigen Krieges zu erhöhen. „Es ist wichtig, dass das russische Kriegspotenzial verringert wird“, schrieb Selenskyj auf der Kurznachrichtenplattform X. „Frieden ist nötig, und das muss in Russland spürbar sein – durch konkreten Schaden an bestimmten Einrichtungen.“ Auf dem angegriffenen Flugplatz seien Flugzeuge stationiert, die für Angriffe auf die Ukraine eingesetzt würden.

Dem ukrainischen Generalstab zufolge gab es direkte Treffer und Brände auf dem Flugplatz in der Region Nischni Nowgorod sowie im Raumfahrtzentrum Progress in der Region Samara. Samara gilt als eines der wichtigsten Zentren der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie. Die Stadt entwickelte sich vor allem in der Sowjetzeit zu einem Kernstandort für die Produktion von Trägerraketen, Satelliten und Raumfahrttechnik.

In dem Werk in Samara werden den ukrainischen Angaben nach Raketen für das Breitbandnetzwerk Rasswet hergestellt. Russland entwickelt dieses als Alternative zum Starlink-System des US-Unternehmens SpaceX, das der Ukraine erhebliche Vorteile bei der Drohnensteuerung und der Kommunikation auf dem Schlachtfeld verschafft. Von den Behörden in Nischni Nowgorod gab es zunächst keine Bestätigung für den Angriff auf den Flugplatz. In der Region Samara teilten örtliche Vertreter mit, die Luftverteidigung habe einen massiven Raketenangriff abgewehrt. Die industrielle Infrastruktur habe örtlich begrenzte Schäden erlitten, erklärte der Verwaltungschef der regionalen Hauptstadt, Iwan Noskow. Rettungskräfte seien im Einsatz.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Samstag mit, in den vergangenen 24 Stunden ukrainische Logistikzentren sowie Treibstoff-, Energie- und Verkehrsinfrastruktur angegriffen zu haben. Zudem seien Montagehallen für Langstreckendrohnen und Drohnenboote getroffen worden. Zu den Zielen habe ein Lager für Langstreckendrohnen in der ukrainischen Region Tschernihiw gehört. Die Berichte beider Seiten ließen sich von der Nachrichtenagentur Reuters nicht unabhängig überprüfen. Russische Truppen waren im Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert. Während sich das Vorrücken an den Fronten in diesem Jahr Analysten zufolge verlangsamt hat, setzen die russischen Streitkräfte ihren Druck auf wichtige Städte in der ostukrainischen Region Donezk fort. Beide Seiten haben ihre weitreichenden Angriffe auf verschiedene Ziele zuletzt verstärkt. (Reuters) 

Moskau kritisiert amerikanisch-türkisches Waffengeschäft für Kyjiw

Mit deutlicher Verärgerung hat Moskau auf ein türkisch-amerikanisches Waffengeschäft für die Ukraine reagiert. Dies werde nur „das Ende des Kiewer Regimes hinauszögern“, sagte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Die Behörden der USA und der Türkei hätten damit „eine weitere Büchse der Pandora geöffnet“, wurde sie von der Staatsagentur Tass zitiert.

Vor knapp einer Woche war aus einer Mitteilung des US-Außenministeriums an den Kongress ein größerer Waffenkauf der Ukraine in der Türkei bekannt geworden. Kyjiw kauft demnach ein größeres Paket mit US-produzierten Artilleriewaffen, das auch 70 Raketen des Typs ATACMS umfasst. Zu dem Geschäft – das ausschließlich Waffen älterer Bauart umfasst – gehören weiter 12 Mehrfachraketenwerfer M270, mehr als 2500 Artillerieraketen vom Kaliber 227 Millimeter mit Streumunition sowie 47.000 Artilleriegranaten 203 Millimeter mit Streumunition.

Demnach befürwortet die US-Regierung das Geschäft im Umfang von 283 Millionen US-Dollar (245 Millionen Euro). Es gilt als genehmigt, wenn US-Senat und Repräsentantenhaus nicht binnen 30 Tagen widersprechen. (dpa)

Kyjiws Armee will bald in der Ukraine entwickelte Gleitbomben einsetzen

Die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin setzen der Ukraine immer wieder mit Angriffen mit Gleitbomben zu, die sich schwerer abwehren lassen. Die Armee Kyjiws unter dem neuen Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj plant, jetzt selbst selbstentwickelte Gleitbomben einzusetzen. Wie der Leiter der Abteilung Innovation der ukrainischen Streitkräfte, Oberst Wladyslaw Woloschyn, mitteilte, wird die Armee das Modell „Vyrivniuvach“ (Equalizer) beschaffen. Alle Tests seien abgeschlossen. Dies berichtet das Portal Ukrinform.

Gleit- oder auch Lenkgleitbomben werden aus großer Höhe von Flugzeugen abgeworfen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sprengbomben haben sie ausklappbare Tragflächen und ein satellitengestütztes Lenksystem. Auf Flügeln gleiten die Sprengsätze mit großer Präzision ins Ziel.

Woloschyn zufolge werden mehrere Varianten dieser Präzisionswaffe entwickelt, damit die Ukraine auf den massenhaften Einsatz russischer Gleitbomben entsprechend antworten könne. Nach seinen Worten feuerte Russland im vergangenen Jahr täglich etwa 180 Gleitbomben auf die Ukraine ab, aktuell seien es sogar mehr als 300 am Tag.

Die  „Vyrivniuvach“ verfügt demnach über einen 250 kg schweren Sprengkopf und ist für Angriffe hinter den feindlichen Linien konzipiert. Sie habe eine Reichweite bis 130 Kilometer und könne von F-16 und Mirage-Jets abgeworfen werden. Das ukrainische Modell kostet demnach nur etwa ein Drittel der derzeit von der Ukraine genutzten Gleitbomben des US-Herstellers Boeing.

Ukraine greift offenbar Stützpunkt für russische Kampfjets an

Ukrainische Streitkräfte haben offenbar in der Nacht den russischen Militärflughafen Savasleyka angegriffen, auf dem MiG-31-Kampfjets stationiert sind. Das berichten ukrainische Telegram-Kanäle, schreibt „Kyiv Independent“. Nach Angaben von „Exilenova Plus“ waren im Bereich des Militärflughafens im russischen Gebiet Nischni Nowgorod nach Explosionen Brände zu sehen.

Ukraine: Baby bei russischem Angriff getötet

Durch einen russischen Drohnenangriff ist in der südostukrainischen Region Dnipropetrowsk ein Baby getötet worden. Der drei Monate alte Junge kam nach Angaben von Militärgouverneur Olexander Hanscha in der frontnahen Stadt Marhanez bei einem Einschlag in ein Wohnhaus ums Leben. Elf weitere Menschen wurden demnach verletzt, darunter ein fünfjähriger Junge und ein zwölfjähriges Mädchen. Mehrstöckige Wohnhäuser, ein Ladengeschäft und ein Kino seien beschädigt worden. Russland habe bei mehreren Angriffen auf die Region Drohnen, Artillerie und Gleitbomben eingesetzt. Drei Menschen wurden Militärgouverneur Iwan Fedorow zufolge im Kreis Saporischschja bei Drohnenangriffen auf Autos verletzt. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
Trump in der Iran-Falle: Mit Europas Ideen nicht zu lösen
Viele Deutsche warten auf einen haltbaren Frieden am Golf und Energiepreise wie vor dem Krieg. Beide Ziele sind jedoch nur durch anhaltenden militärischen Druck zu erreichen.
Bilanz des Nato-Gipfels mit Trump: Love is in the air – das müssen die Europäer nutzen
Die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kommt beim Treffen in Ankara ausnahmsweise der Allianz und der Ukraine zugute. Offen bleibt aber, wie lange auf Trumps neue Zuneigung Verlass ist.
Droht die Nato zu zerbrechen?: Diskutieren Sie mit beim „High Noon“-Expertentalk um 12 Uhr
Die USA wollen sich aus Europa zurückziehen. Droht das transatlantische Verteidigungsbündnis unter Trump zu zerbrechen? Die Tagesspiegel-Experten ordnen ein.
mehr Artikel anzeigen