Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 06. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1980
letzte Woche, 1915 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1980
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1237
200
195
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland weist Verantwortung für Drohnenvorfall an Leipziger Flughafen zurück

Russland hat jegliche Verantwortung für den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen in scharfem Ton zurückgewiesen. Die russische Botschaft in Berlin zeigte sich in einer am Freitag verbreiteten Erklärung „besorgt über eine neue Welle antirussischer Hysterie in Deutschland“. Bei den Mutmaßungen über einen russischen Anschlagsversuch handle es sich um eine „fingierte Provokation, die nur den Interessen des Kiewer Regimes und des militaristischen Flügels des europäischen Polit-Establishments dient“, hieß es in der auf Russisch veröffentlichten Erklärung.

„Die größte Gefahr, der sich Deutschland heute ausgesetzt sieht, besteht nicht in angeblichen ‚hybriden Attacken‘ aus Moskau, die es nicht gibt“, schreibt die Botschaft weiter. Die Gefahr bestehe vielmehr „in Politikern, die mit Begeisterung Szenarien für einen baldigen Krieg mit Russland entwickeln und die wollen, dass deutsche Bürger sich daran beteiligen“. Mit solchen Berichten wollten europäische Politiker lediglich ihre Unterstützung für die Ukraine rechtfertigen.

Die Drohne war in der Nacht zum Mittwoch durch einen Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs entdeckt worden. Der an ihr befestigte Sprengsatz wurde von Experten der Bundespolizei entschärft. In ihrer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich am Mittwoch mit Vertretern von Polizei und Sicherheitsbehörden am Flughafen Leipzig über die Lage informiert. Er sprach danach von einem „neuen Bedrohungsszenario“. Ohne einen möglichen Urheber zu nennen, sah der Innenminister ein Ereignis, das „möglicherweise auch fremde Mächte mit einschließt“. Vermutungen richten sich gegen Russland, Belege dafür gibt es aber bisher nicht. (AFP)

US-Senat stimmt für Gesetz zu Russland-Sanktionen

Der US-Senat hat nach langem Tauziehen für ein Sanktionsgesetz gestimmt, mit dem Russland wegen des Ukraine-Kriegs stärker unter Druck gesetzt werden soll. Die Senatoren votierten mit einer deutlichen Mehrheit von 86 zu 11 Stimmen für das Gesetz, das noch das Repräsentantenhaus als zweite Kongresskammer passieren muss. (dpa)

Selenskyj erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs nach Serbien gereist

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen sein Land in das traditionell mit Moskau verbündete Serbien gereist. „Ich bin mit meinem Team in Serbien angekommen“, schrieb Selenskyj am Freitag im Kurzbotschaftendienst X und veröffentlichte dazu ein Video seiner Ankunft in Belgrad. Über zwei Tage seien „wichtige Gespräche“ mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und Regierungschef Đuro Macut geplant.

Themen seien unter anderem eine „Ausweitung der wirtschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Ländern“, die Beziehungen zur EU sowie „Sicherheitsfragen“, schrieb Selenskyj weiter. Die Gespräche waren demnach für Freitag und Samstag geplant. Empfangen wurde der ukrainische Präsident laut den veröffentlichten Aufnahmen von der serbischen Energieministerin Dubravka Đedović Handanović.

Selenskyjs Serbien-Reise war am Donnerstag angekündigt worden. „Wir müssen die Serben von der Seite Russlands wegziehen“, sagte ein hochrangiger ukrainischer Regierungsvertreter in diesem Zusammenhang der Nachrichtenagentur AFP. Selenskyjs Besuch in Serbien sei für die Russen „ein Schlag ins Gesicht“.

Selenskyj, der bei Reisen in zahlreiche Länder für Unterstützung für die Ukraine wirbt, hat Serbien seit seinem Amtsantritt 2019 noch nicht besucht. Serbien gilt als eines der Moskau am nächsten stehenden Länder in Europa. Es hat Russland keine Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine auferlegt und unterhält weiterhin enge Beziehungen mit dem Land im Energiebereich. Serbiens Präsident Vučić hatte inmitten des Kriegs in Moskau Gespräche mit Präsident Wladimir Putin geführt, um die Zusammenarbeit und den Handel zwischen beiden Ländern auszubauen.  

Serbien strebt offiziell einen EU-Beitritt an. Brüssel hat angesichts der weiterhin engen Beziehungen Belgrads zu Moskau jedoch Bedenken geäußert. (AFP) 

Ukraine meldet schweren russischen Angriff auf Öl- und Erdgasanlagen

Russland hat in der Nacht nach Angaben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz sieben Öl- und Erdgasförderanlagen im Osten des Landes attackiert. Moskau greife den Sektor systematisch an, um der Infrastruktur vor dem Winter größtmöglichen Schaden zuzufügen, erklärt Interims-Firmenchef Serhij Fedorenko. Es handele sich um einen der schwersten Schläge der vergangenen Monate gegen Standorte der Naftogaz-Tochter Ukrnafta. Dabei sei wichtige Ausrüstung beschädigt worden. (Reuters)

Russischer Anti-Kriegs-Partei Jabloko droht Wahl-Ausschluss

Russlands Oberstes Gericht prüft den Ausschluss der einzigen Partei im Land, die sich offen gegen den Krieg in der Ukraine stellt, von der Parlamentswahl im September. Eine entsprechende Klage der kremltreuen nationalistischen Partei Rodina (Heimatland) gegen die Partei Jabloko werde am Montag vor Gericht verhandelt, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Tass.

Rodina-Chef Alexej Schurawljow erklärte Tass zufolge, Jabloko sei eine vom Westen unterstützte Bewegung, die darauf abziele, die Wahlen und Russland selbst zu diskreditieren. Jabloko wies die Vorwürfe als verleumderisch zurück und kündigte eine Gegenklage an, um den eigenen Ruf zu schützen. Es wird erwartet, dass die dominierende und Präsident Wladimir Putin unterstützende Partei Einiges Russland die Wahlen klar gewinnen wird. Im Juli war der kriegskritische Politiker Boris Nadeschdin, der ebenfalls für das Parlament kandidieren wollte, als „ausländischer Agent“ eingestuft worden. Er hat das Land inzwischen verlassen. (Reuters)

Kolumbianische Kartelle sichern sich offenbar Drohnenexpertise

In Kolumbien wächst die Sorge vor Heimkehrern aus dem Ukraine-Krieg, die ihr Wissen in der Kriegsführung mit Drohnen an Kartelle und Rebellengruppen weitergeben. Ein Soldat aus dem südamerikanischen Land habe bereits mehrere seiner Landleute an der Front identifiziert, die Verbindungen zur organisierten Kriminalität in Kolumbien hätten, berichtet die „Financial Times“.

Einige von ihnen seien wieder nach Kolumbien geschickt worden, zitiert die Zeitung einen Rekrutierungsoffizier der ukrainischen Armee. Doch die Sorge in Kolumbien sei real. Im vergangenen Jahr hätten illegale bewaffnete Gruppen mehrfach versucht, Soldaten in die Ukraine zu entsenden, um die erlernte Drohnenexpertise im Anschluss gegen die kolumbianische Armee einzusetzen, beruft sich die „FT“ auf mehrere Medienberichte.

„Ehemalige Paramilitärs, ehemalige Guerillakämpfer und ehemalige Soldaten kämpfen und lernen hier gemeinsam den Umgang mit Drohnen“, zitiert die Zeitung einen kolumbianischen Entwicklungshelfer in der Ukraine, der anonym bleiben will.

Lange hätte die kolumbianische Armee im Kampf gegen die illegalen bewaffneten Gruppen im Dschungel die Lufthoheit gehabt, heißt es in dem Bericht. Das würde sich derzeit verschieben. Die „FT“ zählt mehrere Fälle auf, in denen diese Gruppen mit Sprengstoff präparierte Drohnen eingesetzt hätten. Mehrere Soldaten seien gestorben. Zwischen 2024 und 2025 soll es 264 solcher Drohnenangriffe gegeben haben, schätzt das kolumbianische Verteidigungsministerium.

Im vergangenen Jahr habe die Armee 96 Prozent der Drohnenangriffe vereitelt, sagte der scheidende kolumbianische Verteidigungsminister der „FT“. Das Militär störe etwa die Funkfrequenzen oder zerstöre die Flugobjekte. Um es der Armee schwerer zu machen, würden die Kartelle und Rebellengruppen nun nach Personen suchen, die sie im Umgang mit FPV-Drohnen (First-Person-View) schulen, sagte ein kolumbianischer Drohnenpilot in der Ukraine der Zeitung. Der Drohnentyp ist aufgrund seiner Wendigkeit schwerer abzuschießen. Eine Verbindung zwischen dem Drohnenpiloten und dem Flugobjekt durch ein Glasfaserkabel macht es der Armee zudem schwerer, Signale zu stören. Als weiteres Mittel gegen die Drohnen, habe die Regierung in Kolumbien die Einfuhrbeschränkungen verstärkt. (Tsp)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beobachtet ein Manöver.
Nordkoreas Diktator Kim verdient in vier Jahren Krieg in der Ukraine offenbar 22 Milliarden Dollar
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beobachtet ein Manöver.
Foto: Imago/Xinhua

Das Regime in Pjöngjang hat in den ersten vier Jahren des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine rund 22 Milliarden Dollar an Auslandseinnahmen erzielt – fast viermal so viel wie im vergleichbaren Zeitraum zuvor. Das berichtet die Agentur Bloomberg. Zu den wichtigsten Einnahmequellen des Regimes von Diktator Kim Jong Un gehören demnach die militärische Zusammenarbeit mit Russland, darunter die Lieferung von Munition und die Entsendung von Soldaten, sowie Kryptowährungsdiebstähle und die Wiederaufnahme des Handels mit China.

Nach Angaben von Analysten und des ukrainischen Geheimdienstes deckte Pjöngjang bis Ende 2025 bis zu 50 Prozent des russischen Bedarfs an Artilleriemunition der Kaliber 122 und 152 Millimeter. Zudem entsandte Nordkorea zwischen 16.000 und 22.000 Soldaten nach Russland. Insgesamt brachte die militärische Zusammenarbeit mit Moskau dem nordkoreanischen Regime dem Bericht zufolge mehr als 14 Milliarden Dollar ein. Vor dem Hintergrund dieser Einnahmen wuchs die nordkoreanische Wirtschaft 2025 um 3,5 Prozent und verzeichnete damit das dritte Wachstumsjahr in Folge.

Die Einnahmen und russische Militärtechnologien ermöglichten es Pjöngjang dem Bericht zufolge, die Modernisierung seiner Streitkräfte und die Entwicklung seines Atomprogramms zu beschleunigen. Nordkorea baut zudem die Produktion von Kampfdrohnen aus, modernisiert seine ballistischen Raketen und entwickelt seine militärischen Seestreitkräfte weiter. Gleichzeitig steigern nordkoreanische Hacker ihre Einnahmen durch Kryptowährungsdiebstähle. 

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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