Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 21. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1933
letzte Woche, 1980 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1933
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 14.8., letzte Aktualisierung: 20.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1240
200
178
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
480
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 14.8., letzte Aktualisierung: 20.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

ISW-Analysten: Russische Truppen häufen ballistische Raketen für große Angriffswellen an

Die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin treffen mit anhaltenden Luftangriffen die Zivilbevölkerung. Es gibt viele Tote wie bei den jüngsten Attacken auf Kyjiw und enorme Schäden – vor allem durch ballistische Raketen. Diese sind von der ukrainischen Armee schwer abzufangen, auch weil Raketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme fehlen.

Die Analysten des Instituts Study of War (ISW) sehen in ihrem jüngsten Lagebericht zum Krieg in der Ukraine hierbei aktuell ein Muster: „Die russischen Streitkräfte starten weiterhin lang anhaltende Angriffswellen mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen großer Reichweite, um die ukrainische Verteidigung zu überlasten und die Luftabwehrkräfte sowie die Zivilbevölkerung zu erschöpfen.“ Das ISW gehe davon aus, dass die Kreml-Armee die Taktik fortsetzen werde, „Marschflugkörper und ballistische Raketen für periodische große kombinierte Angriffspakete anzuhäufen“.

Eine wichtige Rolle spielten dabei demnach auch Waffen aus Nordkorea. Der ukrainische Militärgeheimdienst (GUR) habe am 20. August berichtet, dass Machthaber Kim Jong Un bis Juli 2026 rund 50 ballistische Raketen nach Russland geschickt habe. Bisher gebe es keine Hinweise, dass die hochmodernen Systeme mit großen Sprengköpfen von bis zu 2500 Kilogramm eingesetzt worden seien.

Nach Angaben des GUR habe Russland aber damit begonnen, sechs Abschussvorrichtungen für nordkoreanische Raketen im Gebiet von Woronesch zu stationieren. Von dort aus könnten die Geschosse die Regionen Sumy, Charkiw, Tschernihiw, Poltawa, Kyjiw, Dnipropetrowsk und Saporischschja erreichen. 

Ukraine: Russische Drohnen beschädigen Grenzübergang zu Moldau

Bei einem russischen Drohnenangriff in der südukrainischen Region Odessa ist in der Nacht ein Grenzübergang zu Moldau beschädigt worden. Der Passagier- und Fahrzeugverkehr am Kontrollpunkt Tabaky ist eingestellt und wird auf andere Übergänge umgeleitet, wie der ukrainische Grenzschutz auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilt. Die moldauischen Behörden seien über die Situation informiert. (Reuters)

Russland fordert von USA mehr Einflussnahme auf Kyjiw

Der Kreml sieht bei einer möglichen Beilegung des Ukraine-Konflikts vor allem die USA in der Pflicht. Es sei entscheidend, inwieweit Washington seinen Einfluss auf die Regierung in Kyjiw und deren europäische Unterstützer geltend mache, erklärt der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow in einem Interview mit dem Medienportal News.ru. Zwar zeigten die USA Bereitschaft zu einem „konstruktiven Dialog“, neue Vorschläge zur Konfliktlösung müssten jedoch die „Realitäten vor Ort“ widerspiegeln. (Reuters)

Selenskyj appelliert an Partner: Wir brauchen Raketen für die Patriots

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach massiven russischen Luftangriffen erneut auf den Mangel an Flugabwehrraketen hingewiesen und an die Partner seines Landes appelliert. „Es sind Raketen für Patriots nötig, das können nur unsere Partner bereitstellen“, sagte er in einer abendlichen Videoansprache. Es gehe nicht um Geschenke, sondern um die Bereitschaft der Ukraine, Waffen zu kaufen.

Russland hatte vor allem Kyjiw und das Umland der Hauptstadt in der Nacht erneut massiv angegriffen. Selenskyj sprach von 16 Toten und fast 50 Verletzten. Mehr als 200 Objekte, davon 86 Gebäude, seien beschädigt worden. 

Moskau setzte ihm zufolge dabei viele ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen ein. Er sprach von einer deutlich schlechteren Abfangquote bei ballistischen Raketen als bei Marschflugkörpern. Ballistische Raketen sind aufgrund ihrer Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren. Als wirksames Mittel dagegen gelten moderne Patriot-Flugabwehrsysteme – der Ukraine mangelt es jedoch an Raketen dafür. Auf die russischen Angriffe werde die Ukraine „absolut gerecht und weitreichend“ reagieren, kündigte Selenskyj an. (dpa)

Russland meldet nach Angriff zwei Tote auf der Krim

Bei einem ukrainischen Angriff sind auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim nach Angaben der Besatzungsbehörden zwei Menschen getötet worden. Weitere drei seien bei der Attacke im Umland der Stadt Simferopol verletzt worden, teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter Sergej Aksjonow bei Telegram mit. Andernorts gebe es einen weiteren Verletzten. Details nannte Aksjonow nicht. (dpa)

Nato-Mitglied Finnland vermutet Verletzung seines Luftraums durch russisches Flugzeug

Die Regierung in Helsinki geht davon aus, dass ein russisches Flugzeug am Donnerstagnachmittag den finnischen Luftraum über dem westlichen Teil des Finnischen Meerbusens verletzt hat. „Jedes mutmaßliche Eindringen“ in den eigenen Luftraum werde ernst genommen, weshalb eine Untersuchung eingeleitet wurde, erklärte das finnische Verteidigungsministerium. Demnach ermittelt die finnische Grenzschutzbehörde.

In Finnland hat es bereits mehrfach ähnliche Vorfälle gegeben. Im Mai und Juni sollen mutmaßliche russische Militärflugzeuge in den finnischen Luftraum eingedrungen sein, einmal vor der Halbinsel Porkkala und einmal östlich der Hauptstadt Helsinki. In der Folge hatte Helsinki den russischen Geschäftsträger einbestellt.

Als Reaktion auf den russischen Einmarsch in der Ukraine hatte Finnland seine jahrzehntelange Neutralität aufgegeben und trat im April 2023 der Nato bei. (dpa)

Russische Behörden erlassen Haftbefehl gegen „FAZ“-Journalisten Martens

In Russland ist ein Haftbefehl gegen den Balkankorrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Michael Martens, erlassen worden. Der Journalist werde „gemäß einem Artikel des Strafgesetzbuchs gesucht“, hieß es am Donnerstag auf der Website des russischen Innenministeriums. Laut einer von der russischen Nachrichtenagentur Tass befragten Quelle wird Martens „Anstiftung zum Hass“ vorgeworfen.

Martens hatte am 8. August bei einer Pressekonferenz des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und des serbischen Staatschefs Alexander Vucic in Belgrad gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine zu helfen, „mehr Russen zu töten“, bevor er hinzufügte: „russische Soldaten, natürlich“. 

Die Frage löste eine Kontroverse insbesondere in Russland und Serbien aus. Die „FAZ“ teilte später mit, die Frage sei „missverständlich formuliert“ gewesen. Es sei nicht die redaktionelle Linie der Zeitung, „dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollen“. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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