Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 01. März, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1682
letzte Woche, 1603 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1682
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 27.2., letzte Aktualisierung: 4.3. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
947
200
92
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
630
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 27.2., letzte Aktualisierung: 4.3. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Insider: Russischer LNG-Tanker brennt im Mittelmeer

Ein mit Sanktionen belegter russischer Tanker für Flüssigerdgas (LNG) ist Sicherheitskreisen zufolge im Mittelmeer in Brand geraten. Das Schicksal der Besatzung der „Arctic Metagaz“ sei unklar, hieß es in Schifffahrtskreisen. Ein Insider vermutet, das Schiff sei von einer Seedrohne angegriffen worden. Die Person verdächtigt die Ukraine, ohne jedoch Belege zu präsentieren. Die letzte Position des Schiffes wurde am Montag vor Malta gemeldet. Russische und ukrainische Stellungnahmen liegen zunächst nicht vor. (Reuters)

„Fairer Tausch“: Selenskyj bietet Golfstaaten Drohnenabwehr gegen Luftabwehrraketen an

Drohnenabwehr gegen mehr Raketenabwehr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den US-Verbündeten im Nahen Osten im Zuge der massiven iranischen Angriffe ein Geschäft vorgeschlagen. „Sprechen wir über die Waffen, die uns fehlen: PAC-3-Raketen“, sagte Selenskyj am Dienstag Journalisten in Kiew. „Wenn sie uns diese liefern, liefern wir ihnen Abfangraketen.“ Selenskyj nannte das Angebot einen „fairen Tausch“.

„Wir werden das auf jeden Fall tun“, sagte der ukrainische Staatschef, der am Dienstag mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Sajed, telefoniert hatte. „Und wenn die Teams jetzt mit der Arbeit beginnen, werden wir sehen, was dabei herauskommt.“

Die wichtigste Frage sei, „wie wir ihren Luftraum schützen können“, sagte Selenskyj unter Bezugnahme auf die Golfstaaten, die seit vier Tagen von anhaltenden iranischen Angriffen erschüttert werden. „Auch wir beschäftigen uns mit dieser Frage“, ergänzte der ukrainische Staatschef in Anspielung auf die von Moskau seit Beginn seines Angriffskrieges gegen die Ukraine eingesetzten Schahed-Drohnen aus iranischer Produktion.

Über die von der Ukraine zur Verteidigung gegen russische Angriffe dringend benötigten PAC-3-Raketen sagte Selenskyj, diese seien gegen einen Angriff hunderter Schahed-Drohnen wirkungslos.

Das Patriot-Luftabwehrsystem, mit dem die teuren PAC-3-Raketen abgefeuert werden, kann eine Großstadt vor heranfliegenden Raketen schützen. Es ist darauf ausgelegt, Kurzstreckenraketen zu zerstören – weniger wirkungsvoll ist es bei tieffliegenden Raketen und Drohnen. (AFP)

Ukraine: Druschba-Pipeline bei russischem Angriff beschädigt

Der ukrainische Zweig der Öl-Pipeline Druschba ist nach Angaben der Regierung in Kiew bei einem russischen Angriff durch ein Feuer schwer beschädigt worden. „Der größte Teil der internen Ausrüstung der Pipeline, verschiedene Sensoren und andere Geräte im Inneren wurden durch die hohen Temperaturen beschädigt“, sagt Energieminister Denys Schmyhal der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine.

Die Druschba-Pipeline, über die Ungarn und die Slowakei seit den 1960er Jahren von Russland mit Öl versorgt werden, ist seit dem 27. Januar unterbrochen. Die Ukraine macht dafür einen russischen Drohnenangriff verantwortlich. An dem Lieferstopp hat sich ein Streit entzündet, der zur Blockade von EU-Hilfen für die Ukraine im Krieg gegen Russland durch Ungarn führte. Die Slowakei und Ungarn, die vergleichsweise gute Beziehungen zu Russland unterhalten, werfen der Ukraine vor, die Reparatur der Pipeline aus politischen Gründen zu verzögern. (Reuters)

Stromimporte der Ukraine wegen russischer Angriffe auf Rekordhöhe

Die Ukraine hat infolge der massiven russischen Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur die Stromimporte auf ein Rekordniveau erhöht. Im Februar seien sie gegenüber Januar um 41 Prozent auf 1,26 Millionen Megawattstunden gestiegen, teilt das in Kiew ansässige Analyseunternehmen ExPro mit. Ein Großteil des importierten Stroms stammt ExPro zufolge aus Ungarn, dessen Lieferungen im Februar gegenüber Januar um 54 Prozent gestiegen seien.

Die Ukraine importiert außerdem Strom aus der Slowakei, Rumänien, Polen und der Republik Moldau. Russland hat die Zahl und Intensität seiner Angriffe auf den ukrainischen Energiesektor deutlich erhöht und zielt sowohl auf Kraftwerke als auch auf Umspannwerke. Dadurch ist die ukrainische Regierung gezwungen, die Stromversorgung von Unternehmen zu drosseln und die Importe aus den europäischen Nachbarländern zu erhöhen. (Reuters)

Team-Outfit der Ukrainer bei den Paralympics verboten

Die ukrainischen Athleten dürfen bei den Paralympischen Winterspielen in Italien nicht in ihrer Teamkleidung antreten. Der Grund: Auf den Anzügen ist eine Landkarte der Ukraine zu sehen. Die ursprünglich geplante Kleidung zeigte das Land in den Grenzen von 1991, also einschließlich der Krim und der aktuell von Russland besetzten Gebiete.

„Gemäß den IPC-Regeln für Paralympics-Uniformen sind ‚Texte von Nationalhymnen, motivierende Worte, öffentliche/politische Botschaften oder Slogans, die sich auf die nationale Identität beziehen‘ verboten“, teilte ein Sprecher des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) auf Anfrage mit.

Die Landkarte eines Landes falle unter diese Kategorie. „Im Dialog mit dem Ukrainischen Paralympischen Komitee wurde innerhalb von 24 Stunden eine Alternative vorgelegt, die vom IPC genehmigt wurde“, hieß es weiter.

Der Chef des Ukrainischen Paralympischen Komitees, Walerij Suschkewytsch, kritisierte das Verbot. Die Uniform sei „sehr schön, sehr symbolisch“ gewesen und habe in aller Eile gewechselt werden müssen. „Wir haben es gerade noch geschafft, eine neue Uniform fertigzustellen“, klagte Suschkewytsch. (dpa)

Ukraine will mehr Ausländer für die ukrainischen Streitkräfte rekrutieren

Die ukrainische Regierung hat einen strategischen Plan zur Stabilisierung der Mobilisierung und zur Verringerung von Fällen unerlaubten Verlassens der Truppe vorbereitet. Ein zentraler Bestandteil ist die verstärkte Einbindung ausländischer Staatsbürger in die Streitkräfte, teilte. Dies erklärte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow bei einem gemeinsamen Briefing mit der niederländischen Verteidigungsministerin Dilan Yeşilgöz-Zegerius, wie das ukrainische Verteidigungsministerium mitteilte.

Nach Angaben des Ministers handelt es sich um einen umfassenden Ansatz, der bereits mit Frontkommandeuren und Militärexperten abgestimmt wurde. Ziel sei es, bessere Bedingungen zu schaffen, um mehr ausländische Freiwillige für die Verteidigung der Ukraine zu gewinnen.

Zuvor hatte er erklärt, dass rund zwei Millionen ukrainische Staatsbürger wegen Verstößen gegen Meldepflichten im Zusammenhang mit dem Wehrdienst gesucht würden – ein Umstand, der den Bedarf an zusätzlichen personellen Ressourcen verdeutliche. (Yulia Valova)

Putin und Orbán sprechen über in Ukraine gefangen genommene Ungarn

Kreml-Chef Wladimir Putin hat mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orbán über in der Ukraine gefangen genommene ungarische Staatsbürger gesprochen. Wie der Kreml am Dienstag mitteilte, ging es in einem Telefonat von Putin und Orbán unter anderem um ungarische Staatsbürger, die als Soldaten der ukrainischen Armee „von Russland gefangen genommen wurden“.

In der Ukraine gibt es eine große ungarische Minderheit, die hauptsächlich in der westlichen Region Transkarpatien lebt. Das russische Verteidigungsministerium hatte vergangene Woche ein Video veröffentlicht, das einen Kriegsgefangenen mit ungarischer und ukrainischer Staatsbürgerschaft zeigen soll. Er war nach Angaben der russischen Regierung gezwungen worden, sich bei der ukrainischen Armee zu verpflichten.

Im Juli vergangenen Jahres hatte Ungarn den ukrainischen Gesandten in Budapest einbestellt, nachdem ein Angehöriger der ungarischen Minderheit angeblich nach einem Übergriff durch Rekrutierer der ukrainischen Armee gestorben war. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Der Irankrieg und die Folgen: Europa lernt, mit der Ungewissheit und dem US-Präsidenten umzugehen
Deutschland und Europa erkennen, dass sie im Nahen Osten wichtige Interessen, aber wenig Einfluss haben. Und passen ihr Handeln an, statt hilflos gegenzuhalten, auch im Umgang mit Trump.
Streitpunkt Energiewende: Eine Stadt in der Ukraine ist weiter als Berlin
Während in Deutschland die Lobbyisten fossiler Energie jubeln, will ein ukrainischer Bürgermeister dem kriegsversehrten Mykolajiw beim Wiederaufbau eine „blaue Revolution“ bescheren.
Der Plan mit dem „Flamingo“: Die Ukraine landet einen wichtigen Treffer – war das erst der Anfang?
Der Marschflugkörper „Flamingo“ ist ein Hoffnungsträger für die Ukraine im russischen Angriffskrieg. Jetzt gab es nach langer Zeit das erste Erfolgserlebnis. Der Produzent erklärt, was dahintersteckt.
Unterwegs im verunsicherten Auto-Ländle: „,Schaffa, schaffa, Häusle baua‘ geht ohne Job nicht“
Vom Erfolg verwöhnt, teils sagenhaft reich geworden in Amerika und China, befindet sich die Wiege des Automobils in der Krise. Was macht das kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit seinen Menschen?
Ukraine-Invasion, Tag 1461: Welchen Preis zahlen die Menschen für vier Jahre Krieg?
EU scheitert mit Russland-Sanktionen und Ukraine-Darlehen an Ungarn. Dieser ukrainische Teenager floh aus Putins Fängen. Und warum für die Ukraine auch Durchhalten ein Erfolg ist. Der Überblick am Abend.
Butscha, Mariupol, Charkiw und Cherson: Was der Ukrainekrieg mit diesen Städten macht – und mit ihren Bewohnern
Butscha, Mariupol, Charkiw und Cherson sind zu Symbolen des Krieges geworden. Vier Geschichten von jenen, die geblieben, geflohen oder zurückgekehrt sind.
mehr Artikel anzeigen