Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 05. Mai, 10:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1639
letzte Woche, 1643 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1639
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 24.4., letzte Aktualisierung: 5.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1037
200
98
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
494
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 24.4., letzte Aktualisierung: 5.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Brüssel ruft Unternehmen zu Beteiligung an neuer EU-Ukraine-Drohnenallianz auf

Die EU hat einen Aufruf an Unternehmen gestartet, sich an der Gründung einer Drohnenallianz mit der Ukraine zu beteiligen. Das neue Format solle „als industriegeführtes Ökosystem“ zu den europäischen Bemühungen beitragen, „eine umfassende Drohnen- und Anti-Drohnen-Fähigkeit aufzubauen“, erklärte die EU-Kommission am Dienstag. Demnach soll die Initiative Hersteller, Start-ups und Endnutzer aus dem EU-Binnenmarkt und der Ukraine zusammenbringen, um in Zusammenarbeit mit dem Mitgliedstaaten zur „Bereitstellung konkreter Fähigkeiten“ beizutragen.

Die EU-Länder streben angesichts der Bedrohung aus Russland und der unberechenbaren Politik der US-Regierung die Stärkung ihrer eigenen Verteidigungsfähigkeit an. Dabei spielt die Drohnenabwehr eine besondere Rolle.

Im vergangenen Jahr waren russische Drohnen in die Lufträume mehrerer EU-Mitglieder an der Nato-Ostflanke eingedrungen. Zudem kam es unter anderem in Dänemark, Deutschland und Belgien vermehrt zu Drohnensichtungen über kritischer ziviler und militärischer Infrastruktur. Der Einsatz herkömmlicher Luftabwehr gegen Drohnen ist kostspielig und ineffizient. Die Ukraine hat in mehr als vier Jahren Krieg gegen Russland viel Erfahrung in der Drohnenabwehr gesammelt und gilt inzwischen als Experte in diesem Gebiet.

Mit der EU-Ukraine-Drohnenallianz will die Kommission nach eigenen Angaben den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten und der Industrie erleichtern, die Zusammenarbeit mit der Ukraine intensivieren und somit die Entwicklung fortgeschrittener Drohnen- und Anti-Drohnen-Technologien unterstützen.

Interessenten können sich bis zum 25. Mai online anmelden, wie die Kommission mitteilte. Im Anschluss sollen die Gründungsmitglieder der Drohnenallianz ausgewählt werden. (AFP)

Das mobile Internet funktionierte am Dienstag in verschiedenen Teilen der russischen Hauptstadt nicht.
Russland schränkt mobiles Internet vor Weltkrieg-Siegesparade ein
Das mobile Internet funktionierte am Dienstag in verschiedenen Teilen der russischen Hauptstadt nicht.
Das mobile Internet funktionierte am Dienstag in verschiedenen Teilen der russischen Hauptstadt nicht. Credit: Reuters

ussland hat vor der jährlichen Militärparade zu den Feiern des Sieges über Nazi-Deutschland am 9. Mai in Moskau den Zugang zum mobilen Internet für viele Nutzer gekappt. Die Einschränkungen dienten der Sicherheit angesichts eines erhöhten Risikos ukrainischer Drohnenangriffe, teilt der Kreml am Dienstag mit.

Reporter der Nachrichtenagentur Reuters in Moskau berichteten, dass das mobile Internet in verschiedenen Teilen der Hauptstadt nicht funktionierte. Telefongespräche waren demnach jedoch weiterhin möglich. Russische Mobilfunkbetreiber, die Großbank Sberbank sowie die Taxi-Sparte des Internetkonzerns Yandex hatten zuvor angekündigt, dass es zu Interneteinschränkungen und Störungen bei der Nutzung ihrer Dienste kommen könnte.

Die Parade zum Gedenken an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurde in diesem Jahr wegen der Bedrohungslage bereits verkleinert. Seit der Invasion in der Ukraine vor vier Jahren hat Russland die Kontrolle über das Internet bereits massiv verschärft. (Reuters)

Selenskyj wirft Russland „blanken Zynismus“ vor

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisiert Russland scharf, weil es erst eine Feuerpause vorgeschlagen und dann die Ukraine erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen habe.

Damit habe Russland „blanken Zynismus“ an den Tag gelegt. „Russland könnte den Beschuss jederzeit einstellen und würde damit den Krieg und unsere Reaktionen beenden“, erklärt Selenskyj auf der Kurznachrichtenplattform X.

Um Frieden zu erreichen, seien konkrete Schritte nötig. „Die Ukraine wird entsprechend handeln.“ Der russische Präsident Wladimir Putin hatte eine Waffenruhe am 8. und 9. Mai anlässlich der Feierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland ausgerufen.

Selenskyj schlug daraufhin eine Kampfpause vor, die bereits früher beginnen solle, und zwar in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Zur Dauer machte er keine Angaben.

Ukraine sieht Ausbau militärischer Infrastruktur in Belarus

Ukrainische Behörden beobachten eine verstärkte Entwicklung von Trainingsgeländen und logistischen Kapazitäten, die künftig auch von russischen Streitkräften genutzt werden könnten.

Das sagte der Sprecher des ukrainischen Grenzschutzes, Andrij Demtschenko, im ukrainischen Fernsehen.

Derzeit gebe es jedoch keine ausreichenden russischen Truppen in Belarus, die eine unmittelbare Bedrohung darstellten. Die vorhandene Infrastruktur könne aber jederzeit dafür genutzt werden, betonte Demtschenko.

Zugleich warnte der Grenzschutz vor möglichen Provokationen nahe der Grenze. Anfang Mai sei ein Objekt aus Belarus in den ukrainischen Luftraum eingedrungen, das später als Ballon mit Signalverstärker identifiziert worden sei. Die Ukraine bereite sich auf verschiedene Szenarien an der Grenze vor, sagte Demtschenko. (Valeriia Semeniuk )

Ukraine: Vier Tote bei russischem Luftangriff in Region Poltawa

Bei einem russischen Drohnen- und Raketenangriff in der zentralukrainischen Region Poltawa sind nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens vier Menschen getötet worden. 31 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Witalij Djakywnitsch, am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.

Direkte Treffer und herabfallende Trümmerteile abgefangener Geschosse seien an zwei Orten gemeldet worden. Ein Industrieunternehmen sei beschädigt worden, wodurch die Gasversorgung von fast 3500 Haushalten unterbrochen worden sei. Auch die Bahninfrastruktur sei bei dem nächtlichen Angriff beschädigt worden. Erst am Montag waren bei einem russischen Raketenangriff in der nordostukrainischen Region Charkiw sieben Menschen getötet worden.

Die Ukraine griff ihrerseits ebenfalls wieder Russland an: Ziel war unter anderem eine große Ölraffinerie in der Stadt Kirischi in der nordrussischen Ostsee-Region Leningrad, die bereits wiederholt attackiert wurde. Dort brach nach Angaben der dortigen Behörden infolge von Drohnenangriffen ein Feuer aus. Es sei rasch eingedämmt worden.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, die Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 289 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten zerstört. Die Ukraine hat zuletzt ihre Angriffe auf die russische Ölindustrie verstärkt, um die Einnahmequellen der Führung in Moskau zur Finanzierung ihres Angriffskriegs zu schwächen. (Reuters)

Nur 28 Prozent der Ukrainer wollen Selenskyj nach dem Krieg weiter als Präsident

Laut einer Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KMIS) wünschen sich nur 28 Prozent der Befragten, dass Wolodymyr Selenskyj seine Präsidentschaft nach dem Krieg fortsetzt. Weitere 16 Prozent können sich vorstellen, dass er in der Politik bleibt – allerdings in einer anderen Rolle, etwa als Abgeordneter oder Parteivorsitzender.

Demgegenüber sprechen sich 30 Prozent dafür aus, dass sich Selenskyj vollständig aus der Politik zurückzieht. Weitere 15 Prozent befürworten sogar eine strafrechtliche Verfolgung.

„Ein Großteil der Ukrainer vertraut Selenskyj jedoch als Staatschef unter den Bedingungen eines existenziellen Krieges. Gleichzeitig erwarten sie eine neue Generation von Führungskräften – nach dem Krieg“, erklärte KMIS-Direktor Anton Hrushetskyj in einem Interview mit RBC-Ukraine.

Laut derselben KMIS-Umfrage sank das Vertrauen in Selenskyj im April auf 58 Prozent von 62 Prozent im März. Der Anteil derjenigen, die dem Präsidenten misstrauen, stieg von 32 Prozent auf 36 Prozent .

Als Gründe für das Misstrauen nannten die Ukrainer am häufigsten den mangelnden Fortschritt bei der Beendigung des Krieges und die nicht eingehaltenen Wahlversprechen. (Valeriia Semeniuk)

Raketenangriff auf russisches Rüstungswerk in Tscheboksary

In der russischen Stadt Tscheboksary ist es Berichten zufolge zu einem Angriff auf ein Rüstungsunternehmen gekommen. Darüber berichten russische Telegram-Kanäle, darunter Astra. Demnach soll in der Nacht zum 5. Mai eine Rakete ein Werk des Rüstungsunternehmens „WNDIR-Progress“ getroffen haben. Anwohner meldeten Explosionen, anschließend sei ein Feuer ausgebrochen.

Das Werk produziert nach früheren Angaben unter anderem Komponenten für das russische Militär, darunter Antennensysteme zum Schutz von Drohnen vor elektronischer Störung. (Valeriia Semeniuk)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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