Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnt heute der Prozess gegen einen ehemaligen ukrainischen Armeeoffizier wegen der Sabotage an den Nord-Stream-Gaspipelines im September 2022. Dem Angeklagten Serhii K. werden unter anderem das Herbeiführen einer Explosion, Sachbeschädigung und die Störung öffentlicher Versorgungsdienste vorgeworfen. Zudem wirft die Staatsanwaltschaft ihm eine Beihilfe zu Kriegsverbrechen durch den Angriff auf zivile Infrastruktur vor. Der Beschuldigte soll die Sprengstoffanschläge auf die Pipelines in der Ostsee mitorganisiert und ausgeführt haben. Die Ukraine hat jede Beteiligung an den Anschlägen zurückgewiesen. Bis Mitte Dezember sind zunächst 16 Verhandlungstage angesetzt.
Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion
Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.
Die Entwicklung der Kämpfe
Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:
Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.
Live-Newsblog
Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:


Der Generalsekretär der Nato, Mark Rutte, hat die Bündnisstaaten aufgefordert, der Ukraine mehr bei der Verteidigung gegen russische Angriffe zu helfen. „Mit dem herannahenden Winter und der unablässigen Aggression Russlands müssen die Verbündeten mehr tun, insbesondere zur Unterstützung der Luftverteidigung“, sagte Rutte am Mittwoch in der estnischen Hauptstadt Tallinn.
Russland setze seine Angriffe auf ukrainische Zivilisten ebenso fort, wie seine „hybride Kampagne gegen die Nato-Verbündeten“, betonte der Nato-Generalsekretär. Der russische Präsident Wladimir Putin versuche, „unsere Entschlossenheit zu schwächen und unsere Unterstützung für die Ukraine zu stoppen“, fuhr er fort. „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“
Die Nato sei auf die russischen Aktionen vorbereitet, sagte Rutte. Die Antwort des Bündnisses sei „nicht immer sichtbar“, fügte er hinzu. „Aber das Entscheidende ist: Wir sind stärker. Russland ist nicht in einer guten Lage. Diese hybriden Angriffe und all das sind ein Zeichen von Schwäche.“ (AFP)
Die Truppen der Ukraine haben nach eigenen Angaben die Dörfer Selena Dolyna, Lypowe und Kolodjasi nahe Lyman im Gebiet Donezk zurückerobert und weitere 101 Quadratkilometer unter ihre Kontrolle gebracht. Das erklärte der Kommandeur des Dritten Armeekorps, Andrij Bilezkyj, in einer Videoansprache auf Telegram zur vierten Phase der Operation „Vivaldi“. Insgesamt hätten ukrainische Kräfte während der vier Phasen die vollständige Kontrolle über 16 Ortschaften und 277 Quadratkilometer wiederhergestellt.
Die Offensive im Norden des Gebiets Donezk habe russische Versuche vereitelt, Slowjansk und Kramatorsk von den Flanken her einzukesseln, sagte Bilezkyj. Beide Städte sind wichtige Zentren im ukrainisch kontrollierten Teil der Region. Zudem sei die Straße Charkiw–Slowjansk als wichtige Versorgungsroute für die ukrainischen Truppen im Donbas gesichert worden.
Die russischen Personalverluste bezifferte Bilezkyj auf etwa 3000 Soldaten während der jüngsten Phase und 8000 im gesamten Verlauf der Operation. Wie viele davon getötet, verwundet oder gefangen genommen wurden, erläuterte er nicht. Unabhängig überprüfbar sind alle Angaben nicht.
Die russische Hauptstadt und die umliegende Region sind in der Nacht Ziel eines massiven Drohnenangriffs geworden. Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte im Messenger MAX mit, zwischen 20.30 Uhr am 13. Oktober und 7 Uhr am 14. Oktober Moskauer Zeit seien 493 Drohnen auf die Region zugeflogen. Die meisten seien in größerer Entfernung abgefangen worden, 180 beim Anflug auf Moskau. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen und die Angaben zur Wirksamkeit der russischen Luftabwehr nicht.
Konkrete Angaben zu getroffenen Objekten, Schäden oder Verletzten in Moskau enthalten die überprüften Meldungen nicht. Eine offizielle ukrainische Mitteilung zu Zielen und Ergebnissen des Angriffs ließ sich bislang nicht finden. Während des Angriffs wurde der Flugverkehr an allen vier Flughäfen des Moskauer Luftverkehrsknotens – Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo und Schukowski – zeitweise eingestellt. Mehr als 30 Flugzeuge wurden in andere Städte umgeleitet.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj gedroht, den Austausch von Geheimdienstinformationen einzustellen, sollte sie ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien fortsetzen. Die Warnung sei ukrainischen Generälen auf militärischer Ebene übermittelt worden, nicht ihm persönlich, sagte Selenskyj in einem am 13. Oktober veröffentlichten Interview mit dem US-Radiosender NPR. Bislang sei die Weitergabe der Informationen jedoch nicht eingestellt worden.
Das Weiße Haus äußerte sich gegenüber NPR nicht zu der Drohung und verwies stattdessen auf Trumps Erklärung vom 13. Oktober, wonach die USA der Ukraine weiterhin helfen und Geheimdienstinformationen übermitteln. Selenskyj erklärte zudem, von der durch Trump verkündeten „Energiewaffenruhe“ zwischen Russland und der Ukraine erst über soziale Medien erfahren zu haben.
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau über Nacht sieben ukrainische Energieanlagen sowie ein Rechenzentrum attackiert. Die Ziele hätten dem ukrainischen Militär gedient, teilt das Ministerium mit. Bei den Angriffen mit bodengestützten Raketen und Langstreckendrohnen seien unter anderem zwei Heizkraftwerke in der Hauptstadt Kyjiw sowie ein weiteres in der umliegenden Region getroffen worden. Zudem seien ein Heizkraftwerk und ein Wärmekraftwerk in Charkiw attackiert worden, die das ukrainische Militär im Südosten der Region versorgten. Das getroffene Rechenzentrum in Kyjiw sei genutzt worden, um Geheimdienstinformationen über die russischen Streitkräfte zu sammeln, heißt es in der Mitteilung weiter.
Die russische Äußerung steht vor dem Hintergrund einer von US-Präsident Donald Trump verkündeten „Energie-Waffenruhe“, bei der beide Seiten eigentlich Angriffe auf derartige Anlagen unterlassen sollten. Trump hatte am Dienstag gesagt, er werde sich anschauen, wie beide Seiten mit der Absprache umgingen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte in der Nacht auf der Plattform X auf die neuen Attacken: „Russland hat den Vereinigten Staaten gegenüber noch nie eine derart ostentative Respektlosigkeit gezeigt.“ (Reuters)
In Litauen ist nach Angaben von Staatspräsident Gitanas Nauseda ein neues Kontingent an US-Truppen eingetroffen. „Großartige Neuigkeiten – die ersten zurückkehrenden US-Soldaten sind in Litauen gelandet“, schrieb das Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes auf der Plattform X. Nauseda bedankte sich bei US-Präsident Donald Trump für die Truppenverlegung. Der Baltenstaat liegt an der Ostflanke der Nato und grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus.
Nach Angaben von Verteidigungsminister Robertas Kaunas sind im Zuge der Rückkehrrotation zunächst rund 100 Soldaten angekommen. Weitere Truppenkontingente sollten folgen. Bis Mitte November sollen zwei Bataillone vollständig in Litauen auf dem Truppenübungsplatz in Pabrade stationiert sein, sagte Kaunas im litauischen Rundfunk.
Die USA verlegen seit 2014 im Rotationsverfahren Einheiten für Manöver an die Nato-Ostgrenze. Zuletzt hatten im Sommer mehr als 1000 amerikanische Soldaten ihren Einsatz in Litauen beendet. Weil die USA gegenwärtig überall ihre Truppenpräsenz in Europa überprüfen, gab es Unsicherheit, wie es mit den US-Truppen in Litauen weitergeht. Das Land sieht sich wegen der russischen Invasion in die Ukraine vor mehr als vier Jahren von Russland bedroht. (dpa)
Unterstützungszahlungen
Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.
Folgen des Krieges
Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht: