Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 30. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Moskau droht Nato mit Atomwaffeneinsatz

Russland hat der Nato mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte das Militärbündnis versuchen, die an die Ostsee grenzende Exklave Kaliningrad zu isolieren. Dies geht aus einem informellen diplomatischen Dokument hervor, das Moskau an die Nato verschickt hat. Darin wirft Russland der Allianz einen gefährlichen und rücksichtslosen Kurs vor. Dieser berge ein hohes Risiko für den Ausbruch eines direkten bewaffneten Konflikts. Sollte die Nato in irgendeiner Weise versuchen, Kaliningrad zu isolieren, sei Russland bereit, sein gesamtes Arsenal zur Verteidigung einzusetzen. Dies schließe die Möglichkeit von Angriffen auf Entscheidungszentren in den Nato-Mitgliedstaaten gleich von Beginn eines Konflikts an ein.

Der Kreml bestätigte, dass man der Nato eine Warnung übermittelt habe. Damit wolle man „Hitzköpfe in Europa“ an die grundsätzliche Haltung Russlands in dieser Angelegenheit erinnern, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Nato-Sprecherin Allison Hart bestätigte den Erhalt des Schreibens. Das Bündnis habe darauf geantwortet und klargestellt, dass seine Aktivitäten keine Gefahr für russisches Gebiet darstellten. Zugleich verurteilte sie die Androhung von Gewalt sowie jegliche unverantwortliche nukleare Rhetorik scharf und forderte Russland auf, „seinen unprovozierten Krieg in der Ukraine zu beenden“.

Ein hochrangiger europäischer Behördenvertreter aus dem Verteidigungsbereich nannte den Vorgang ernst. Es sei das erste Mal seit dem Kalten Krieg, dass Russland eine derartige Drohung ausspreche. Ein Nato-Diplomat sprach von einem russischen Einschüchterungsversuch. Das Bündnis werde sich dadurch nicht von der Unterstützung der Ukraine abbringen lassen.

Neben der inoffiziellen Warnung an die Nato haben russische Botschaften in mindestens drei europäischen Ländern in den vergangenen Tagen ähnliche Erklärungen veröffentlicht. Darin werfen sie der Allianz vor, die Spannungen durch Militärübungen zu verschärfen und Szenarien zu planen, die Kaliningrad betreffen. Die stark militarisierte russische Exklave liegt an der Ostsee und ist ansonsten von den Nato-Staaten Polen und Litauen umgeben.

Der Vorgang unterstreicht die gewachsenen Spannungen zwischen Russland und den europäischen Staaten. Diese werfen Moskau vor, einen hybriden Krieg durch Sabotage und Brandstiftung zu führen. Russland weist dies zurück und erklärt, keinen militärischen Angriff auf ein Nato-Land zu planen. (Reuters)

Eine russische Jetdrohne im Anflug auf Kyjiw
Russland setzt mehr Jetdrohnen gegen Ukraine ein

Russland hat im laufenden Monat September bereits mehr Drohnen mit Strahlantrieb gegen die Ukraine eingesetzt als im gesamten August. Nach Angaben des Sprechers der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ihnat, wurden bis zum 29. September 3177 dieser sogenannten Jetdrohnen gestartet, verglichen mit 2850 im August – ein Anstieg um rund 11,5 Prozent. Diese Zahlen nannte er in einem Interview mit der ukrainischen Nachrichtensendung TSN.

Eine russische Jetdrohne im Anflug auf Kyjiw
Reuters

Kyjiw und das Umland der Hauptstadt stehen dabei laut Ihnat besonders im Fokus. Auch Charkiw, Odesa, Mykolajiw, Sumy, Cherson und Dnipro würden regelmäßig angegriffen. Drohnen mit Strahlantrieb erreichten zudem weit entfernte Regionen im Westen des Landes. Zur Abwehr setzt die Ukraine Kampfflugzeuge, darunter F-16, bodengestützte Luftverteidigung und tragbare Flugabwehrraketensysteme ein. Deren Wirksamkeit hängt unter anderem von der Verfügbarkeit von Munition ab.

Die zunehmende Intensität der russischen Angriffe erhöht den Bedarf an Raketen für Luftverteidigungssysteme wie Patriot sowie an neuen Mitteln gegen schnelle Drohnen. Ihnat betonte, die Luftstreitkräfte erwarteten von ukrainischen Herstellern wirksame Lösungen, die sich rasch bei den Einheiten einführen und in großen Stückzahlen produzieren ließen. Partnerländer lieferten bereits Munition für einzelne Systeme. Diese Unterstützung reiche jedoch nur für eine begrenzte Zeit, weshalb sie kontinuierlich fortgesetzt werden müsse. (Yulia Valova)

Russland verlängert Exportverbot für Diesel

Die russische Regierung hat das Exportverbot für Diesel, Schiffskraftstoffe und weitere Gasöle für Hersteller bis einschließlich 31. Oktober verlängert. Laut einer Mitteilung soll die Entscheidung den heimischen Kraftstoffmarkt stabilisieren und insbesondere die erhöhte Nachfrage während der Ernte decken. Die Beschränkungen sollten ursprünglich am 30. September auslaufen.

Die Verlängerung erfolgt vor dem Hintergrund von Versorgungsengpässen, die durch ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien verschärft wurden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat Moskau die Ausfuhr von Benzin und Diesel wiederholt eingeschränkt, um Engpässe und steigende Preise im Inland einzudämmen. Russland, eigentlich der weltweit zweitgrößte Dieselexporteur nach den USA, hatte seine Lieferungen ins Ausland bereits im Sommer reduziert.

Für Unternehmen, die Diesel nicht selbst herstellen, etwa Händler, gelten die Exportbeschränkungen bis zum 31. Januar 2027. Bis zu diesem Datum ist auch die Ausfuhr von Benzin für sämtliche Marktteilnehmer untersagt; das Exportverbot für Flugturbinenkraftstoff gilt bis zum 30. November. Ausnahmen bestehen für Lieferungen im Rahmen zwischenstaatlicher Vereinbarungen und für humanitäre Hilfe. Das Verbot bedeutet daher keinen vollständigen Stopp russischer Kraftstoffexporte. (Yulia Valova)

Ukraine beklagt massive Angriffe auf Energienetz

Russland geht nach Angaben aus Kiew zu massiven Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine über. Nach nächtlichen Attacken auf Energieanlagen in der Hauptstadt Kiew und weiteren Regionen schreibt Ministerpräsidenten Serhij Korezkyj auf Telegram, dies sei der erste derart massive und kombinierte Angriff seit dem Ende der vergangenen Heizperiode. (Reuters)

Löscharbeiten an einem Lagerhaus in der Region Odessa, das von einer russischen Drohne getroffen wurde
Ukraine beziffert Kriegskosten für 2026 auf 155 Milliarden Dollar

Die Kriegskosten der Ukraine belaufen sich nach Regierungsangaben in diesem Jahr auf insgesamt 155 Milliarden Dollar (136,5 Mrd. Euro). Kiew arbeitet zudem daran, eine Finanzierungslücke von 27 Milliarden Dollar (23,8 Mrd. Euro) zu schließen. Dies soll sicherstellen, dass das Land Anfang 2027 den Kampf gegen den russischen Angriffskrieg fortführen kann, wie Ministerpräsident Serhij Korezkyj weiter mitteilt.

Löscharbeiten an einem Lagerhaus in der Region Odessa, das von einer russischen Drohne getroffen wurde
Reuters

Sieben Milliarden Dollar will die Regierung durch strikte Sparmaßnahmen im Haushalt und Mittelumschichtungen decken. Über die verbleibenden 20 Milliarden Dollar verhandelt die Ukraine mit Partnern. Es ist das erste Mal, dass die Ukraine eine Schätzung ihrer jährlichen Kriegskosten veröffentlicht. Vergleichbare Zahlen für 2025 gibt es nicht. (Reuters)

Russische Unternehmen sollen selbst für Drohnenabwehr zahlen – sonst droht Verstaatlichung

Die Ukraine hat zuletzt immer wieder Raffinerien oder Lagerhäuser von Onlinehändlern in Russland mit Drohnen angegriffen. Betroffene Unternehmen sollen nun nach dem Willen des Kreml selbst für Abwehrmaßnahmen aufkommen – oder müssen fürchten, unter staatliche Kontrolle gestellt zu werden. Das geht aus einem Dekret von Präsident Wladimir Putin hervor, über das die „Financial Times“ (FT) berichtet.

Putin soll das Dokument Ende August auf Drängen seiner Geheimdienste unterschrieben haben: „Sie beklagten sich darüber, dass die Unternehmen untätig blieben und keinen Finger rühren wollten, und Putin stimmte dem zu“, sagte ein früherer Kreml-Offizieller der Zeitung. „Die Botschaft lautet: Leute, reißt euch zusammen und fangt an, Geld auszugeben.“

Das Dekret erlaubt demnach die „vorübergehende Verwaltung“ von „kritischen Infrastrukturobjekten“, die sich nicht selbst vor Drohnen schützen können. Es scheint gefruchtet zu haben: Die Anfragen von Unternehmen hätten sich verfünffacht, berichtete der Drohnenabwehrexperte Vyacheslav Plaksin der FT. (tib) 

Wirtschaftsminister: Raketenalarme kosten Ukraine mehr als 39 Millionen Euro pro Stunde

Russlands Raketenangriffe sorgen immer wieder dafür, dass ukrainische Unternehmen vorübergehend die Arbeit einstellen müssen. Diese Unterbrechungen kosten die Wirtschaft des Landes pro Stunde umgerechnet rund 39,7 Millionen Euro (45 Mio. US-Dollar), wie der ukrainische Wirtschaftsminister Oleksandr Kravchenko dem britischen „Guardian“ sagte.

Um die wirtschaftlichen Kosten abzumildern, hat die Ukraine demnach ein zweistufiges Warnsystem eingeführt: Bei Drohnenangriffen gibt es einen „gelben Alarm“ und viele Unternehmen dürfen weiterarbeiten. Sind hingegen russische Raketen im Anflug, schrillt der „rote Alarm“ und es gilt: „Wenn die Menschen im Bunker sind, kommt das Geschäftsleben zum Erliegen“, wie es Kravchenko ausdrückt. (tib) 

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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