Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 28. Mai, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1803
letzte Woche, 1497 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1803
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1183
200
170
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
439
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Zwei Tote durch russischen Drohnenangriff im Gebiet Sumy

Im nordukrainischen Gebiet Sumy sind zwei Menschen bei einem russischen Drohnenangriff getötet worden.

Der Mann und die Frau seien am Morgen auf einem Feldweg in der Gemeinde Welyka Pyssariwka nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt unterwegs gewesen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit.

Das an Russland grenzende Gebiet Sumy ist dabei immer wieder Ziel russischer Angriffe. Wiederholt kamen dort Zivilisten ums Leben. (dpa)

Nato stärkt Ostflanke mit zweitem Hauptquartier

Das I. Deutsch-Niederländische Korps übernimmt ab Mitte des Jahres die Führung von Nato-Truppen in Estland und Lettland.

Damit wird neben dem Hauptquartier im polnischen Stettin ein zweites taktisches Hauptquartier für die Nordostflanke der Allianz geschaffen, wie Deutschland und die Niederlande mitteilen. Das Korps kann im Spannungsfall bis zu 50.000 Soldaten führen.

Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärt, beide Nationen übernähmen damit „weitere Verantwortung für die Sicherheit Europas“. Der Schritt soll die Abschreckung gegenüber Russland stärken. (Reuters)

US-General: Die Isolierung der Krim bleibt entscheidend für ein Kriegsende

Der ehemalige Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa, Ben Hodges, sieht die Rückeroberung der Krim als zentrale Voraussetzung für ein Ende des Krieges und einen langfristigen Frieden zwischen der Ukraine und Russland.

In einem Interview mit Ukrinform erklärte er, dass die Ukraine inzwischen in der Lage sei, nahezu jedes Ziel auf der Halbinsel anzugreifen und schrittweise die Voraussetzungen für deren Isolierung schaffe.

Nach Einschätzung von Hodges besteht der erste Schritt zur Befreiung der Krim in der Zerstörung russischer Logistik – insbesondere der Verkehrswege nach Dschankoj sowie der Kertsch-Brücke. Die Brücke sei bereits beschädigt und zugleich ein strategisch wie psychologisch bedeutendes Symbol russischer Kontrolle. „Die Kertsch-Brücke wird früher oder später fallen“, sagte Hodges.

Der Ex-General betonte zudem, dass Russland die Krim langfristig nicht halten könne, wenn ukrainische Streitkräfte weiterhin russische Flugplätze, Lager, Logistikzentren und militärische Infrastruktur angreifen.

Die Kontrolle über die Krim beeinflusse direkt die Sicherheit im Asowschen Meer sowie die Schifffahrt aus den ukrainischen Häfen Odessa und Mykolajiw. (Yulia Valova)

Ein schwedischer Kampfjet vom Typ Gripen
Schweden und die Ukraine wollen Abkommen zur Luftverteidigung bekannt geben
Ein schwedischer Kampfjet vom Typ Gripen
Ein schwedischer Kampfjet vom Typ Gripen Credit: REUTERS/Piroschka van de Wouw

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird nach Angaben der Regierung in Stockholm am Donnerstag in Schweden erwartet, um gemeinsam mit Ministerpräsident Ulf Kristersson ein Abkommen zur Luftverteidigung bekanntzugeben. Für 13 Uhr sei eine gemeinsame Pressekonferenz auf einem Luftwaffenstützpunkt im 70 Kilometer nördlich von Stockholm gelegenen Uppsala geplant, hieß es in der schwedischen Hauptstadt.

Nach Informationen der Zeitung „Aftonbladet“ will Schweden der Ukraine JAS-39-Gripen-Kampfflugzeuge der älteren Modelle C und D überlassen und die Verhandlungen über den Verkauf des neueren Modells E an die Ukraine vorantreiben.

Beide Länder hatten im Oktober 2025 ein Grundsatzabkommen geschlossen, wonach die Ukraine 100 bis 150 schwedische Gripen-Jagdbomber des Modells E kaufen könnte.

Schweden hatte bereits 2024 Gripen-Jets an Kyjiw liefern wollen. Diese Pläne gerieten aber ins Stocken, weil die westlichen Alliierten F-16-Kampfjets aus den USA für wichtiger hielten. (AFP)

Bericht: FSB rekrutiert zunehmend ukrainische Jugendliche über soziale Netzwerke für Sabotageakte

Russische Geheimdienste nutzen offenbar zunehmend soziale Netzwerke und Messenger-Dienste, um ukrainische Jugendliche für Sabotageakte zu rekrutieren. Darüber berichtet der ukrainische Fernsehsender 24 Kanal.

Als wichtigste Plattformen für die Rekrutierung gelten demnach Telegram, Instagram und Discord.

Nach Angaben des Senders beginnt die Anwerbung meist mit Angeboten für „leichtes Geld“ in anonymen Chats oder Kanälen. Zunächst erhalten Jugendliche kleinere Aufgaben – etwa Graffiti zu sprühen, bestimmte Objekte zu fotografieren oder Pakete zu transportieren.

Später folgen gefährlichere Aufträge wie Brandanschläge auf Fahrzeuge von Militärangehörigen, Bahninfrastruktur oder andere strategische Objekte. In einigen Fällen sollen die Anwerber mehrere hundert oder sogar mehrere tausend Dollar für solche Aktionen versprochen haben.

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hatte bereits zuvor erklärt, dass sich unter den Rekrutierten zahlreiche Minderjährige befinden. Nach Einschätzung der ukrainischen Behörden werden viele Jugendliche von russischen Geheimdiensten faktisch als „Wegwerf-Ausführende“ eingesetzt, ohne dass ihnen die tatsächlichen Konsequenzen oder Risiken bewusst seien. (Yulia Valova)

Britischer Geheimdienst: Seit Beginn der Invasion sind fast eine halbe Million russische Soldaten gefallen

Seit Beginn der großangelegten russischen Invasion in die Ukraine könnten nahezu 500.000 russische Soldaten getötet worden sein. Das erklärte die Leiterin des britischen Geheimdienstes GCHQ, Anne Keast-Butler, während einer Rede im britischen Bletchley Park – dem historischen Zentrum der Codeentschlüsselung aus dem Zweiten Weltkrieg, berichtet The Times.

Nach Angaben der GCHQ-Chefin basiert die Einschätzung auf neuen Geheimdienstinformationen. Keast-Butler erklärte zudem, dass Russland angesichts des langwierigen Krieges gegen die Ukraine zunehmend unter Ressourcenerschöpfung leide.

Der Kreml verzeichne weiterhin erhebliche Verluste an der Front, während die russische Wirtschaft Anzeichen einer sich vertiefenden Krise und eines wachsenden Haushaltsdefizits zeige.

Bereits zuvor hatte das amerikanische Center for Strategic and International Studies (CSIS) die gesamten russischen Verluste im Krieg auf rund 1,2 Millionen Menschen geschätzt – darunter Gefallene, Verwundete und Vermisste.

Die ukrainische Führung erklärt zudem seit Monaten, dass die Wirksamkeit ukrainischer Angriffe auf russische Logistik, Kommandopunkte und militärische Infrastruktur deutlich zugenommen habe. (Yulia Valova)

Ukrainische Soldaten feuern mit Artillerie auf russische Stellungen.
Ukraine übernimmt offenbar schrittweise die Initiative, während Russland die Mobilisierung ausweitet
Ukrainische Soldaten feuern mit Artillerie auf russische Stellungen.
Ukrainische Soldaten feuern mit Artillerie auf russische Stellungen. Credit: REUTERS/Gleb Garanich

Das amerikanische Analyseinstitut Institute for the Study of War (ISW) erklärt in einem neuen Bericht, dass Russland versucht, die Intensität des Krieges durch eine verstärkte Mobilisierung aufrechtzuerhalten – auch in den besetzten Gebieten der Ukraine.

Gleichzeitig weisen die Analysten darauf hin, dass die Ukraine dank systematischer Angriffe auf russische Logistik und Militärinfrastruktur zunehmend die Initiative übernimmt.

Dem Bericht zufolge intensiviert der Kreml die Maßnahmen zur Rekrutierung neuer Soldaten vor dem Hintergrund hoher Verluste und wachsender Ressourcenprobleme.

Nach Einschätzung von ISW versucht Russland gleichzeitig, das Tempo der Offensivoperationen aufrechtzuerhalten und den Mangel an Personal auszugleichen. Der Schwerpunkt der russischen Angriffe liegt weiterhin in der Region Donezk – insbesondere in den Richtungen Pokrowsk, Kostjantyniwka und Kramatorsk.

Die Analysten betonen zudem, dass ukrainische Angriffe auf russische Lagerhäuser, Luftabwehrsysteme, Logistikzentren und militärische Infrastruktur im Hinterland zunehmend Einfluss auf die Lage an der Front haben.

Laut ISW erschwert dies Russlands Fähigkeit, ein stabiles Tempo der Offensivoperationen aufrechtzuerhalten. (Yulia Valova)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Warnung der Wirtschaftsweisen an Schwarz-Rot: Mut machen kann der Blick zurück
Mit Sozialabgaben über 50 Prozent ist Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig. Kann die Regierung den Trend wenden? Warum nicht, früher ging das doch auch – unter den SPD-Kanzlern Schmidt und Schröder.
Ukraine-Invasion, Tag 1549: Wie der Starlink-Ausfall der Ukraine half – und was Russland jetzt plant
Selenskyj wird an Nato-Gipfel in Ankara teilnehmen, Tote und Verletzte bei ukrainischem Angriff in Luhansk, Russland zieht ukrainische Kinder in sein Militärsystem. Der Nachrichtenüberblick.
Lässt Putin wieder von Belarus aus angreifen?: Ukraine will Truppen an der nördlichen Grenze verstärken
Seit Wochen warnt der ukrainische Präsident Belarus davor, sich in Russlands Angriffskrieg hineinziehen zu lassen. Kyjiw bereite Reaktionen vor. Was bisher bekannt ist.
Von Donald Tusk lernen: Warum Ungarns neuer Ministerpräsident erst einmal Polen besucht
Ungarns Premier Magyar möchte nach 16 autoritären Orbán-Jahren zurück zur Demokratie und zum Rechtsstaat. Da überrascht es nicht, dass ihn seine erste Auslandsreise zu Donald Tusk nach Polen führt.
Ukraine-Invasion, Tag 1547: Hohe Verluste, wenig Geländegewinn – Russland schickt selbst verwundete Soldaten wieder an die Front
Russland und China verabschieden Erklärung zu Ukraine-Krieg, Drohnenalarm in Litauen, Russland kündigt Reaktion auf Drohnenflüge über Baltikum an. Der Nachrichtenüberblick.
Ukraine-Invasion, Tag 1545: Wie ein Zwölfjähriger ukrainische Kinder vor einer Glasfaserdrohne rettete
Abgestürzte Drohne in Litauen hatte Sprengsatz, russische Zivilisten leiden unter dem eigenen Angriffskrieg, früherer Selenskyj-Berater kommt gegen Kaution frei. Der Nachrichtenüberblick.
mehr Artikel anzeigen