Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 04. November, 12:27 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Trump: „Es wird ein großes Abkommen sein“

US-Präsident Donald Trump hat sich nach eigenen Angaben mit Kremlunterhändler Kirill Dmitrijew in Washington getroffen. Das sagte er auf eine entsprechende Frage einer Reporterin im Weißen Haus. Details zu den Gesprächsinhalten nannte er nicht, legte aber nahe, dass es ein Abkommen zum Ukraine-Krieg geben werde. „Es wird ein großes Abkommen sein“, betonte er. „Es wird mehr als nur die Ukraine betreffen, und ich könnte sogar sagen, dass es ganz Europa betreffen könnte.“ Alle würden begeistert sein, behauptete er. Mit Vertretern der Ukraine, die ebenfalls nach Washington gereist waren, traf sich Trump nach eigenen Angaben nicht. 

Im Ringen um ein Ende des russischen Kriegs sind kommende Woche dreiseitige Gespräche zwischen Vertretern aus Kiew, Moskau und Washington in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, geplant. (dpa)

Kremlunterhändler Dmitrijew spricht im Weißen Haus – und bringt Melania ein Bild mit

Kremlunterhändler Kirill Dmitrijew hat auf Einladung von First Lady Melania Trump im Weißen Haus gesprochen. Im Namen von Russlands Präsident Wladimir Putin bedankte er sich bei ihr für ihre „herausragende humanitäre Rolle“ bei der Vermittlung einer Waffenruhe in der russisch besetzten Frontstadt Oleschky. Die Feuerpause hatte vergangene Woche von Dienstag bis Sonntagabend gegolten.

Als Dank überreichte Dmitrijew Melania ein Bild, das angeblich von einem elfjährigen Mädchen aus Oleschky gemalt worden sei, das nun mit ihrer Familie in Russland lebe. Auf dem Bild standen die Worte „I Love Melania“.

Für Dmitrijew war es ein ungewöhnlicher Auftritt im Weißen Haus. Der Putin-Vertraute hatte dort bereits im April 2025 Gespräche mit US-Vertretern geführt, allerdings abseits der Öffentlichkeit. Dass er nun bei einer offiziell angekündigten Veranstaltung selbst das Wort ergriff, ist US-Medienberichten zufolge eine Premiere. Demnach war es offenbar auch das erste Mal, dass Vertreter Russlands und der Ukraine im Weißen Haus persönlich zusammentrafen.

Neben Dmitrijew waren auch Vertreter der ukrainischen Seite eingeladen: der Fraktionschef der Präsidentenpartei, David Arachamija, und der Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez. Arachamija bedankte sich ebenfalls bei Melanie Trump und bat sie, weitere diplomatische Initiativen anzustoßen.

Melania Trump ruft zu dauerhafter Waffenruhe auf

Die First Lady der USA, Melania Trump, hat sich für eine dauerhafte Waffenruhe in der Ukraine ausgesprochen. Als Vorbild könne die sechstägige Feuerpause in der südukrainischen Stadt Oleschky dienen, sagte die Ehefrau von Präsident Donald Trump am Donnerstag in Washington bei einem Treffen mit Unterhändlern aus Russland und der Ukraine. Die kurze Waffenruhe in Oleschky war am Sonntag ausgelaufen, Melania Trump hatte sich dafür eingesetzt.

„Ich hoffe, Oleschky inspiriert zu größerem Frieden“, sagte die First Lady bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Kremlberater Kirill Dmitrijew und dem ukrainischen Unterhändler David Arachamia. Jede bedeutende Veränderung beginne „mit einem kleinen Funken“, fügte sie hinzu. Sie überreichte Dmitrijew und Arachamia Briefe an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj. (AFP)

Außenminister Wadephul reist zu Treffen des Ostseerates nach Warschau

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) reist am Freitag zu einem Treffen des Ostseerats nach Warschau. Bei den Beratungen mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus den Ostseeanrainer-Staaten stehen nach Angaben des Auswärtigen Amts die weitere Unterstützung der Ukraine sowie die Aktivitäten der sogenannten russischen Schattenflotte im Mittelpunkt. Mit den oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffen umgeht Russland die im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängten Handelssanktionen. (AFP)

Ermittlungen gegen ranghohe Beamte wegen Callcenterbetrug

In großangelegten Ermittlungen wegen Callcenterbetrugs verdächtigen ukrainische Korruptionsermittler ranghohe Polizisten und einen Geheimdienstler der Schmiergeldannahme. „Mitglieder einer kriminellen Vereinigung haben ranghohen Staatsangestellten systematisch unrechtmäßige Vorteile gewährt, um den ungehinderten Betrieb von betrügerischen Callcentern und anderen illegalen Geschäften zu gewährleisten“, hieß es in einer Mitteilung staatlicher Ermittler. 

Das Schmiergeld ging demnach an Geheimdienstler, Staatsanwälte und Polizisten. Dafür sollten sie betrügerische Callcenter, den Verkauf von Drogen und die Produktion von Zigaretten und Falschgeld decken.

In einem Video zeigten die Ermittler dabei die Herstellung von Banknoten im Wert von 200 Euro, die Falschgeldtests überstanden. Mindestens ein Dutzend Mitglieder gehörten zu der kriminellen Organisation, der auch die Beteiligung an Angriffen, Entführungen und schweren Körperverletzungen vorgeworfen werde. Unter anderem wurde gezeigt, wie auf die Beine eines Gefesselten mit Hämmern geschlagen wurde. In veröffentlichten Gesprächsmitschnitten war auch die Rede von der Einschüchterung von ukrainischen Journalisten. (dpa)

Putin stellt Tabakunternehmen JTI unter Zwangsverwaltung

Kremlchef Wladimir Putin hat das Russland-Geschäft des Tabakkonzerns Japan Tobacco International (JTI) wie das anderer westlicher Unternehmen unter Moskaus Zwangsverwaltung gestellt. Laut Dekret übertrug er die Vermögenswerte der Aktiengesellschaft Promyschlennye Aktivy (auf Deutsch: Industrieaktiva). JTI hat nach eigenen Angaben vier Werke in Russland und produziert mehrere Zigarettenmarken in dem Land. Das Unternehmen beschäftigt demnach mehr als 4.000 Menschen.

Zuvor hatte Putin das Russland-Geschäft mehrerer westlicher Unternehmen unter Fremdverwaltung gestellt, darunter die Töchter der Handelskonzerne Metro und Auchan sowie des Lebensmittelriesen Nestlé. Die Firmen hatten anders als viele andere ihre Arbeit in dem Land ungeachtet des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine fortgesetzt. (dpa)

Heereschef Freuding tritt an Spitze der Bundeswehr

Heeresinspekteur Christian Freuding wird im Februar neuer Generalinspekteur und damit ranghöchster Soldat der Bundeswehr. Das habe Verteidigungsminister Boris Pistorius entschieden, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Der 55-Jährige folgt damit auf General Carsten Breuer, der im September zum Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses gewählt wurde.

„Die Bundeswehr wächst stark auf. Sie ist in der Gesellschaft fest verankert und sie übernimmt mehr Verantwortung innerhalb des Nato-Bündnisses. Dafür braucht sie eine starke, kluge und überzeugende Führungspersönlichkeit an ihrer Spitze“, erklärte Pistorius dazu. Freuding bringe alle Voraussetzungen mit, um Vorbild zu sein und die Truppe in das neue Zeitalter zu führen, „in dem wir uns besser schützen müssen als in den Jahrzehnten zuvor“.

Freuding war vor seinem Posten als Heeresinspekteur Koordinator der deutschen Militärhilfe für die Ukraine mit tiefen Einblicken in den Kriegsverlauf in dem Land. Er ist enger militärischer Berater des Verteidigungsministers. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Wird die „lahme Ente“ zur „zornigen Ente“?: Für Europa kann es nach Trumps Schlappe noch härter kommen
Die Wahlniederlage bei den Midterms setzt dem US-Präsidenten in der Außenpolitik kaum Grenzen. Dort haben die Demokraten wenig Einfluss. Und: Bis Januar kann Trump die alte Mehrheit für seine Zwecke nutzen.
So sehen Deutsche und Polen einander: Wohnort und Parteipräferenz prägen den Blick auf die Nachbarn
Wachsende Mehrheiten halten die Beziehungen für gut, die jeweilige nationale Rechte nicht. Bewohner der Grenzregionen haben ein positiveres Bild: Das sind die Erkenntnisse aus dem deutsch-polnischen Barometer.
Artem Tschechs Roman aus dem Ukraine-Krieg: „Hier lebte der Schmerz – und da mussten wir durch“
Der gefeierte Schriftsteller Artem Tschech hat mit „Musik für einen Soldaten“ einen eindringlichen, streckenweise erschütternden Roman über den Krieg in der Ukraine geschrieben.
Die Koalition der Knauserigen hat recht: Die EU muss ihren Mitgliedern harte Schritte zumuten
Von der Leyens Forderung, das EU-Budget fast zu verdoppeln, passt nicht in die Zeit knapper Kassen. Das Veto von Kanzler Merz ist berechtigt. Die EU muss lernen, Prioritäten zu setzen.
Ex-BND-Chef in U-Haft: Das Misstrauen der Verbündeten wächst
Ist auf Deutschland Verlass? Der Fall Hanning ist auf den ersten Blick kein Abgrund von Landesverrat. Doch der Schaden ist beträchtlich, weil parallel AfD und Linke den Glauben befreundeter Dienste unterminieren.
Angriffe auf die Infrastruktur: Putin hält die Deutschen für das schwächste Glied in der Ukraine-Koalition
Russland testet, wie weit es Deutschland erpressen kann. Dies endet erst, wenn Putin diesen Weg für erfolglos hält. In letzter Konsequenz mit dem Sieg der Ukraine und nicht mit weniger Hilfe für sie.
mehr Artikel anzeigen