Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 02. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1803
letzte Woche, 1497 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1803
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 2.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1183
200
170
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
439
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 2.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland erobert im Mai offenbar so wenig Gebiet wie seit 2023 nicht mehr

Die russischen Streitkräfte haben im Mai nur 14 Quadratkilometer ukrainisches Territorium besetzt – so wenig wie seit Oktober 2023 nicht mehr. Das teilten die Analysten des ukrainischen Osint-Projekts DeepState mit.

Im Vergleich zum April verringerte sich der russische Gebietsgewinn demnach um 127 Quadratkilometer. Nach Angaben von DeepState ist dies der erste Monat seit der ukrainischen Gegenoffensive 2023, in dem die Bilanz der russischen Geländegewinne negativ ausfiel.

Gleichzeitig nahm die Intensität der Kämpfe weiter zu. Die Zahl der russischen Angriffe stieg im Mai um 37,5 Prozent auf mehr als 7000 Sturmangriffe. Trotz des hohen Angriffstempos sehen die Analysten Anzeichen für eine taktische Schwächung der russischen Truppen. Russland setze weiterhin auf Infiltrationstaktiken, habe jedoch zunehmend Schwierigkeiten, ausreichend Kräfte für neue Offensiven zu konzentrieren. (Valeriia Semeniuk)

Russland prüft offenbar Import von Flugzeugtreibstoff

Die russischen Behörden erwägen einem Medienbericht zufolge den Import von Flugzeugtreibstoff. Das Nachrichtenportal RBC beruft sich auf zwei Insider. Demnach weist Vizeministerpräsident Alexander Nowak das Energie- und das Verkehrsministerium sowie die Luftfahrtbehörde Rosawiazija an, zu prüfen, ob die Betankungsanlagen Kerosin der Sorte JET A-1 aus dem In- und Ausland aufnehmen können. Zuvor verhängte Russland ein Exportverbot für Kerosin bis zum 30. November 2026. Die Ukraine hat den russischen Energiesektor ins Visier genommen und greift etwa Raffinerien im Landesinneren an. (Reuters)

Nach Drohneneinschlag in Rumänien verurteilen Dutzende UN‑Mitglieder Russland

Vor einer UN-Dringlichkeitssitzung zum Einschlag einer Drohne in Rumänien in der vergangenen Woche haben Dutzende Mitgliedsländer „das inakzeptable Verhalten Russlands“ verurteilt. Die Drohne sei „Teil eines Angriffs auf die Ukraine“ gewesen, erklärte die rumänische Außenministerin Oana-Silvia Toiu am Montag (Ortszeit) vor Pressevertretern in New York. Der Erklärung schlossen sich 56 Länder an, darunter Mitglieder der EU und der Nato.

„Verletzungen des rumänischen Luftraums und anderer mittel- und osteuropäischer Partner durch russische Drohnen haben sich seit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine wiederholt ereignet und sind eine direkte Folge der russischen Eskalation“, fügte die Ministerin hinzu. Sie wurde von zahlreichen UN-Botschaftern flankiert, darunter denen der USA, Frankreichs und der Ukraine.

Durch den Drohneneinschlag in der Nacht zum vergangenen Freitag waren in der rumänischen Stadt Galati nahe der Grenze zur Ukraine ein 14-Jähriger und eine 53 Jahre alte Frau verletzt und ein Feuer ausgelöst worden. Es war der erste Drohneneinschlag in einem Wohnhaus außerhalb der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022. (AFP)

Ukrainische Drohnen setzen südrussische Raffinerie in Brand

Attacken der Armee der Ukraine haben in der Nacht die Raffinerie Ilski im Süden Russlands beschädigt. In der Raffinerie, rund 50 Kilometer von der Millionenstadt Krasnodar entfernt, sei ein Feuer nach dem Drohnenangriff ausgebrochen, teilte der Krisenstab der Region auf Telegram mit. Verletzte gebe es nicht, hieß es.

Die Raffinerie ist eine der größten Ölverarbeitungsanlagen im Süden Russlands. Noch 2022, im ersten Jahr des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die benachbarte Ukraine, hatte die Raffinerie in Ilski laut Medienberichten eine Verarbeitungskapazität von 6,6 Millionen Tonnen Öl im Jahr. Seither wurde die Anlage mehrfach von ukrainischen Drohnen angegriffen und beschädigt. Kyjiw attackiert systematisch die russische Ölindustrie, um den angreifenden Truppen die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung insgesamt zu erschweren.

Die Schäden sind empfindlich für Russland. Allerdings stehen deren Ausmaß und die Zahl der Opfer in keinem Verhältnis zu den von Russland in der Ukraine angerichteten Zerstörungen. So hat das russische Militär erst in der Nacht massiv die ukrainischen Millionenstädte Kiew und Dnipro attackiert – und dabei viele Zivilisten getötet oder verletzt. (dpa)

Menschen betrachten in einer Garage in Kyjiw am 2. Juni 2026 Autos, die bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen beschädigt wurden. 
Tote und Verletzte bei schweren russischen Luftangriffen auf die Ukraine

Bei schweren russischen Luftangriffen auf die Ukraine sind nach Angaben örtlicher Behörden in der Nacht zum Dienstag mehrere Menschen getötet und verletzt worden. In der Hauptstadt Kyjiw wurden mindestens vierzehn Menschen verletzt, in der Stadt Dnipro kamen nach Behördenangaben vier Menschen ums Leben.

In Kyjiw schlug laut Augenzeugen eine Rakete in ein 24-stöckiges Wohnhaus ein, das daraufhin teilweise einstürzte. Der Kyjiwer Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, es könnten Menschen unter den Trümmern eingeschlossen sein. Zudem seien in mehreren Stadtteilen durch herabfallende Trümmerteile Brände in Gebäuden und an Fahrzeugen ausgebrochen. In Kyjiw und fast der ganzen Ukraine heulten in der Nacht die Alarmsirenen. Tausende Einwohner suchten in U-Bahn-Stationen Schutz.

In der Stadt Dnipro wurden den örtlichen Behörden zufolge vier Menschen getötet, mindestens 16 wurden verletzt. Aus der nordöstlichen Region Charkiw meldete der Gouverneur ebenfalls Verletzte, darunter ein elfjähriges Mädchen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in seiner abendlichen Videoansprache am Montag erneut vor einem möglichen massiven russischen Angriff gewarnt. „Geheimdienstwarnungen bezüglich russischer Angriffe bleiben in Kraft. Ein massiver Schlag ist möglich, sie haben dies vorbereitet“, sagte Selenskyj.

Russland hatte vergangene Woche gewarnt, man plane „systematische Schläge“ auf militärische Ziele und Entscheidungszentren in Kyjiw. Dies sei eine Reaktion auf einen Drohnenangriff im vergangenen Monat auf ein Wohnheim in der von Russland besetzten ukrainischen Region Luhansk, bei dem 21 Menschen getötet wurden. Die Ukraine bestritt, den Angriff ausgeführt zu haben. Die Angaben konnten von der Nachrichtenagentur Reuters nicht unabhängig überprüft werden. (Reuters)

Menschen betrachten in einer Garage in Kyjiw am 2. Juni 2026 Autos, die bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen beschädigt wurden. 
Menschen betrachten in einer Garage in Kyjiw am 2. Juni 2026 Autos, die bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen beschädigt wurden.  Credit: REUTERS/Valentyn Ogirenko
Selenskyj: „Operation Spinnennetz“ trifft Russland schwer

Die Ukraine hat Russland mit der vor einem Jahr begonnenen „Operation Pawutina (Spinnennetz)“ nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj schwer in Bedrängnis gebracht. „Diese Operation hat vieles verändert“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Dazu gehörten neben dem Einsatz neuer, weitreichender Drohnen gegen die russische Erdöl- und Militärindustrie auch gezielte und koordinierte Kommandoeinsätze hinter den feindlichen Linien. Weitere Details wollte Selenskyj nicht verraten.

Vor allem werde das russische Militär durch sogenannte asymmetrische Kriegsführung getroffen. „Unsere Soldaten sind nun in der Lage, die russische Militärlogistik praktisch bis in die gesamte Tiefe des vorübergehend besetzten Gebiets zu treffen“, sagte Selenskyj. „Für den Besatzer gibt es im Süden und Osten unseres Landes praktisch keine sicheren Straßen mehr.“ Das Ergebnis seien Versorgungsengpässe in den besetzten Gebieten im Osten der Ukraine sowie auf der Halbinsel Krim.

Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський on Twitter / X
Today, I presented state awards of Ukraine to the people without whom Operation “Spiderweb” would not have happened. We have no right to name them – everything remains absolutely classified and will remain so for a long time. This is already a historic operation by the Security… pic.twitter.com/bYA9AWwGfI— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) June 1, 2026
X
https://x.com/ZelenskyyUa/status/2061459756909228394
Drohnen-Vorfälle: Ukrainische Experten sollen Lettland helfen

In Lettland sollen in Kürze ukrainische Spezialisten eintreffen, um das baltische EU- und Nato-Land bei der Abwehr von Drohnen zu beraten. Die Experten sollen nach Angaben von Regierungschef Andris Kulbergs in den kommenden Wochen nach Riga kommen, um ihre Erfahrungen zu teilen. Dazu solle ein langfristiges Abkommen zum Aufbau eines mehrschichtigen Flugabwehrsystems gegen unterschiedliche Bedrohungen abgeschlossen werden. In dem an Russland und Belarus grenzenden Lettland war es zuletzt wiederholt zu Vorfällen mit einfliegenden Drohnen gekommen.

„Wir müssen besser darauf vorbereitet sein, Drohnen abzuschießen, die in den lettischen Luftraum eindringen, und niemand weiß besser als die Ukrainer, wie man sie abschießt und wie man erkennt“, sagte Kulbergs in Riga nach einem Treffen mit der ukrainischen Regierungschefin Julia Swyrydenko, die ihrerseits Hilfe zusagte. Zuvor hatte bereits der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Entsendung von Experten nach Lettland angekündigt. Die Ukraine gilt im fünften Jahr des Abwehrkampfes gegen Russland als ein weltweit führendes Land im Drohnenkampf.

Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren mehrfach fehlgeleitete unbemannte Flugkörper in den Luftraum des Baltenstaats eingedrungen und abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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