Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 11. September, 14:30 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1869
letzte Woche, 1821 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1869
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 4.9., letzte Aktualisierung: 9.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
111
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
488
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 4.9., letzte Aktualisierung: 9.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland droht Litauen wegen möglicher Stationierung von Atomwaffen in EU-Land

Russland hat Litauen mit scharfen Worten vor der möglichen Stationierung von Atomwaffen auf dem Gebiet des EU-Landes gewarnt. Ein solcher Schritt „wäre ein sehr ernster Wendepunkt im Hinblick auf die Eskalation der Spannungen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag im russischen Staatsfernsehen. „Wenn sich auf dem Territorium (Litauens) Atomwaffen befinden, die auf uns gerichtet sind, gerät das Territorium dieses Landes entsprechend ins Fadenkreuz unserer eigenen Atomwaffen“, sagte er.

Litauens Präsident Gitanas Nauseda hatte im Juli eine Beteiligung seines Landes an der atomaren Abschreckung der Nato gegenüber Russland in Aussicht gestellt. Das in der Verfassung verankerte Verbot einer Stationierung von Atomwaffen in dem Nato-Mitgliedstaat muss vom Parlament mit einer Zweidrittel-Mehrheit aufgehoben werden. Das Vorhaben wird über die Parteigrenzen hinweg unterstützt. (AFP)

EU-Verteidigungskommissar will Russland bei Drohnen einholen

EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius wirbt für einen massiven Ausbau der europäischen Fähigkeiten zur Produktion von Drohnen und ballistischen Raketen. Die Industrie in der EU produziere derzeit rund 1,5 Millionen Drohnen pro Jahr, sagte Kubilius in Brüssel. Man müsse allerdings mit den russischen Produktionskapazitäten mithalten können.

Dies bedeute, dass bis zu zehn Millionen sogenannter FPV-Drohnen, 130.000 Drohnen mit Düsenantrieb und 1700 ballistische Raketen pro Jahr produziert werden müssten. Sogenannte First-Person-View-Drohnen sind dabei Drohnen, die der Pilot in Echtzeit über eine spezielle Videobrille aus der Ich-Perspektive steuern kann.

Kubilius äußerte sich am Rande des ersten Treffens einer neuen Drohnenallianz zwischen der EU und der Ukraine. Die von der Industrie geführte Initiative soll die Entwicklung und Produktion von Drohnen- und Drohnenabwehrsystemen der nächsten Generation beschleunigen und Partnerschaften fördern.

Kubilius kündigte zudem an, dass die EU-Kommission offiziell die Auszahlung von 6,1 Milliarden Euro zur Beschaffung von Rüstungsgütern für die von Russland angegriffene Ukraine genehmigt habe. Das Geld soll unter anderem für den Kauf von Ausrüstung für die Luftverteidigung sowie für Munition, Drohnen und elektronische Kriegsführung ausgegeben werden. (dpa)

Jürgen-Joachim von Sandrart, damals Kommandierender General des Multinationalen Korps Nord-Ost, nimmt im September 2024 am 25‑jährigen Jubiläum des Nato-Kommandos für Nordosteuropa in Stettin teil.
Deutscher Ex-General berät Litauens Regierungschef
Jürgen-Joachim von Sandrart, damals Kommandierender General des Multinationalen Korps Nord-Ost, nimmt im September 2024 am 25‑jährigen Jubiläum des Nato-Kommandos für Nordosteuropa in Stettin teil.
Kay Nietfeld/dpa

Generalleutnant a.D. Jürgen-Joachim von Sandrart wird künftig den Regierungschef des Nato-Partners Litauen beraten. Ministerpräsident Mindaugas Sinkevicius ernannte den 64 Jahre alten Ex-Offizier der Bundeswehr zum Berater für strategische Verteidigungsfragen und die militärische Transformation, wie die Staatskanzlei in Vilnius mitteilte.

Von Sandrart soll demnach bei der Zusammenarbeit mit den Nato-Verbündeten, insbesondere mit Deutschland, unterstützend zur Seite stehen. „Ich bin überzeugt, dass seine Erfahrung uns helfen wird, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um die litauische Verteidigung schneller zu stärken“, wurde Sinkevicius in der Mitteilung zitiert.

Vor seinem Ausscheiden in den Ruhestand im Frühjahr 2025 war von Sandrart zuletzt Kommandeur des Multinationalen Korps Nordost der Nato in Stettin in Polen. Seine neue Position übt er ehrenamtlich aus.

Er werde seine Erfahrung für Litauen, für die Vertiefung der Partnerschaft, für Europa und die westliche Allianz einbringen, „um unsere Verteidigungsfähigkeit und unsere nachhaltige Geschlossenheit gegenüber der russischen wie auch gegenüber jeder Bedrohung zu stärken“, sagte von Sandrart der Nachrichtenagentur dpa.

Die Bundeswehr baut in Litauen die Panzerbrigade 45 auf. Sie wurde von der Bundesregierung als Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch Russland zugesagt und im Frühjahr 2025 formal in Dienst gestellt. Die Brigade soll bis 2027 einsatzfähig sein. Bislang sind rund 2.000 Angehörige der Truppe in dem Baltenstaat stationiert. (dpa)

Russische Zentralbank hält an hohem Leitzins fest

Wegen des zunehmenden Preisdrucks hält die russische Notenbank an ihrem hohen Leitzins fest. Dieser verharrt bei 14 Prozent, wie die Zentralbank am Freitag in Moskau mitteilte. Die Entscheidung, die von Analysten erwartet worden war, fällt gut eine Woche vor der Parlamentswahl.

Deren Ausgang gilt im Kreml als wichtiger Stimmungsindikator nach viereinhalb Jahren Krieg in der Ukraine. „Der Preisdruck hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen“, hieß es in der Erklärung der Notenbank. Für das laufende Jahr wird eine Inflationsrate von sechs bis sieben Prozent erwartet. Die Wirtschaft wachse im dritten Quartal insgesamt in moderatem Tempo.

Als Grund für den Inflationsanstieg gelten ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien, die zu Engpässen und Preissteigerungen bei Treibstoff führten. Die Notenbank verwies in ihrer Mitteilung auf die „vorübergehende Verringerung der Produktionskapazitäten in bestimmten Sektoren“ als Ursache für den Preisauftrieb. Die russische Konjunktur hatte sich im vergangenen Jahr stark verlangsamt. (Reuters)

Rauch steigt nch einem Drohnentreffer über einem Lagerhaus des Onlinehändlers Ozon in Sararatow auf.
Kyjiw meldet Treffer auf Ziele im russischen Hinterland
Rauch steigt nch einem Drohnentreffer über einem Lagerhaus des Onlinehändlers Ozon in Sararatow auf.
SOCIAL MEDIA/via REUTERS

Die Ukraine hat erneut Ziele weit im russischen Landesinneren angegriffen. In Saratow an der Wolga sei eine Ölraffinerie getroffen worden, teilte der ukrainische Generalstab mit. In der Anlage sei ein Feuer ausgebrochen. Zudem löste ein Drohnenangriff dort einen Brand in einem Logistikzentrum des Onlinehändlers Ozon aus.

In den vergangenen Wochen hatte das ukrainische Militär verstärkt Lagerhäuser der Onlinehändler Ozon und Wildberries attackiert. Die Regierung in Kyjiw bezeichnet die Unternehmen als legitimes Ziel, weil sie auch militärische Ausrüstung für russische Soldaten verkaufen.

Dem russischen Regionalgouverneur Roman Bussargin zufolge wurde auch zivile Infrastruktur beschädigt. In Wolgograd wurden bei einem Raketenangriff zwei Wohngebäude und eine Industrieanlage beschädigt, zwei Menschen wurden verletzt. In der Region Perm im Ural wurden dem dortigen Gouverneur zufolge zwei Industrieanlagen von Drohnen attackiert. Beide Seiten bestreiten, gezielt Zivilisten ins Visier zu nehmen. (Reuters)

Video zeigt Misshandlungen unter russischen Soldaten

In sozialen Netzwerken kursiert erneut ein Video, das schwere Misshandlungen innerhalb der russischen Armee zeigen soll. Darauf tritt ein Mann in Militäruniform auf einen Kameraden ein, der vor einer Wand kniet und versucht, seinen Kopf mit den Händen zu schützen. Der Angreifer fordert Geld oder Eigentum und beschimpft sein Opfer. Unter anderem ist zu hören: „Was heißt hier Ljokha, verdammt? Idiot. Mit wem glaubst du eigentlich, dass du redest?“ Verbreitet wurde das Video vom ukrainischen Militärjournalisten Jurij Butussow.

Es ist nicht die erste derartige Aufnahme, bei der Soldaten aus Baschkortostan eine Rolle spielen. In einem zuvor veröffentlichten Video wird ein als Baschkire bezeichneter Soldat geschlagen, weil er sich weigert, Geld für die Beschaffung von Drohnen abzugeben. Eine weitere Aufnahme zeigt einen Soldaten aus Baschkortostan in einer Grube, während andere Soldaten ihn mit Steinen bewerfen und in seiner Nähe schießen. Dabei fallen auch ethnische Beleidigungen. Einer der Männer schreit: „Sprich Russisch, du Dreckskerl!“

Baschkortostan ist eine Republik innerhalb der Russischen Föderation, liegt am westlichen Rand des Urals und hat rund vier Millionen Einwohner. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gehört die Region zu den wichtigen Rekrutierungsgebieten der russischen Armee. Wie viele Männer dort im Herbst 2022 mobilisiert wurden, haben die Behörden nicht offiziell bekannt gegeben; unabhängige Schätzungen gingen von rund 20.000 aus. 

Zusätzlich wurden in der Republik eigene Freiwilligenverbände aufgestellt. Auch die Verluste sind hoch: Im Juli 2026 überschritt die Zahl der von unabhängigen Journalisten namentlich bestätigten Kriegstoten aus Baschkortostan die Marke von 10.000.

Nach Angriff auf Wolgograd: Berichte über Brand in großer Lukoil-Raffinerie

Nach einem nächtlichen Angriff auf die südrussische Stadt Wolgograd gibt es Berichte über einen Brand auf dem Gelände der Ölraffinerie „Lukoil-Wolgogradneftepererabotka“. Das russische unabhängige Telegram-Medium ASTRA berichtete unter Berufung auf Aufnahmen und Angaben aus der Region über ein Feuer in der Raffinerie. Auch lokale Telegram-Kanäle meldeten zuvor Drohnenalarm in Wolgograd. Die Behörden bestätigten Schäden an einer Industrieanlage, nannten jedoch nicht, um welchen Betrieb es sich handelt. Damit ist bislang nicht offiziell bestätigt, dass tatsächlich die Lukoil-Raffinerie getroffen wurde.

Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Angriffen auf die Region ein. Bereits in den Tagen zuvor waren dort wiederholt Drohnen gemeldet worden. In der Nacht zum 11. September wurden nach Angaben der örtlichen Behörden zudem Wohngebäude beschädigt und Menschen verletzt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben zu den einzelnen Angriffen und ihren Folgen bislang nur teilweise.

Die Lukoil-Raffinerie am südlichen Stadtrand von Wolgograd zählt gemessen an ihrer Verarbeitungskapazität zu den größten Raffinerien Russlands. Die Anlage war seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe. Ob und in welchem Umfang der Betrieb durch den jüngsten Vorfall beeinträchtigt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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