Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 12. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1871
letzte Woche, 1736 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1871
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 5.6., letzte Aktualisierung: 10.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1182
200
145
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
537
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 5.6., letzte Aktualisierung: 10.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Putin: Mehr als 700.000 Soldaten im Kriegseinsatz

Die russische Armee hat nach Angaben von Kremlchef Wladimir Putin mehr als 700.000 Soldaten im Einsatz im Gebiet des Ukraine-Kriegs. Das sagte er bei einem Gespräch mit Soldaten im Kreml anlässlich des Nationalfeiertags, bei dem auch Verteidigungsminister Andrej Beloussow dabei war.

Vor den Soldaten gab sich der russische Staatschef weiter siegesgewiss in dem vor mehr als vier Jahren von ihm befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Schritt für Schritt, nicht so schnell wie wir gern würden, aber wir schreiten trotzdem voran, wir schreiten jeden Tag voran“, sagte Putin.

Schon im Dezember hatte er bei seiner Jahrespressekonferenz und Bürgersprechstunde von rund 700.000 Soldaten im Gebiet des Ukraine-Kriegs gesprochen. Damals sagte er, es handele sich überwiegend um junge Leute, darunter die Generationen der 1990er Jahre. (dpa)

Ukrainische Luftwaffe warnt vor russischem Oreschnik-Einsatz

Die ukrainische Luftwaffe hat die Bevölkerung vor einem erneuten Einsatz der russischen ballistischen Mittelstreckenrakete Oreschnik gewarnt. Innerhalb von 24 Stunden gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit für den Start einer solchen Rakete vom Testgelände Kapustin Jar im russischen Gebiet Astrachan, teilte die Luftwaffe in sozialen Netzwerken mit. Luftalarme sollten ernst genommen werden, hieß es.

Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte vor neuen russischen Luftangriffen. „Anstelle von Frieden wählen sie Raketen“, sagte er in einer Videoansprache. Moskau habe keine anderen Karten.

Russland hat die experimentelle Rakete nach übereinstimmenden russischen und ukrainischen Berichten seit 2024 bereits dreimal gegen die Ukraine eingesetzt. Bei den demonstrativen Einsätzen auf Ziele in Dnipro, im westukrainischen Gebiet Lwiw und auf Bila Zerkwa bei Kiew habe die Rakete aber keine realen Gefechtsköpfe getragen. Mit einer geschätzten Reichweite bis zu 6000 Kilometern kann die atomwaffenfähige Oreschnik mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit selbst Ziele in Westeuropa innerhalb von Minuten erreichen. Kyjiw verfügt über kein Mittel zur Abwehr dieser Waffe. (dpa)

Berlin sieht im Ukraine-Krieg mögliches „Fenster für Diplomatie“

Vor dem Gipfel sieben großer Industriestaaten (G7) hat die Bundesregierung die Hoffnung geäußert, dass der Verhandlungsprozess für eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg wieder in Gang kommen könnte. „Hier kann sich erstmals langsam ein Fenster für Diplomatie öffnen“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter am Freitag in Berlin. Er äußere diese Einschätzung allerdings „mit gebotener Vorsicht“, weil sie von einer Reihe von Faktoren abhänge.

An dem G7-Gipfeltreffen ab Montag im französischen Evian sollen auch US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilnehmen. Die USA hatten vor dem Hintergrund des Iran-Konflikts zuletzt de facto keine aktive Rolle mehr bei Gesprächen zu einer Beilegung des Ukraine-Konflikts übernommen.

Der deutsche Regierungsvertreter verwies am Freitag darauf, dass sich die Dynamik des Konflikts „in den letzten Wochen verändert“ habe. „Die Ukraine ist heute in einer neuen Position der Stärke“, sagte er und sah dies auch als Folge der deutschen und europäischen Unterstützung. „Russland kann militärisch nicht siegen. Seine Wirtschaft ist angeschlagen.“ Daraus könnten sich neue Möglichkeiten für Verhandlungen ergeben.

Darüber sei bereits bei dem Treffen von Kanzler Friedrich Merz (CDU), dem britischen Premier Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Selenskyj am vergangenen Sonntag in London beraten worden, sagte der Regierungsvertreter weiter. Die sogenannte E3-Gruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatte sich dabei hinter einen Vorschlag Selenskyjs für direkte Waffenruhe-Gespräche zwischen Moskau und Kiew gestellt.

Diese sollen unter aktiver Beteiligung der USA und Europas stattfinden, wie es in einer gemeinsamen Erklärung am Montag hieß. Die derzeitige Kontaktlinie müsse dabei „der Ausgangspunkt für Verhandlungen sein“. Moskau hat bisher kein Interesse an Gesprächen gezeigt und fordert, dass die Ukraine die gesamte Donbass-Region abtreten soll. (AFP)

Schwedische Abgeordnete warnen vor möglichem russischen Angriff auf ihr Land

Verteidigungspolitiker in Schweden warnen vor russischen Militärangriffen auf das skandinavische Land oder andere Nato-Staaten schon in der näheren Zukunft. „Ein bewaffneter Angriff auf Schweden oder andere Verbündete kann nicht ausgeschlossen werden“, konstatiert der Verteidigungsausschuss des schwedischen Parlaments in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Solche „militärischen Vorstöße“ könne Moskau etwa ausführen, um den Zusammenhalt der Nato und die „Glaubwürdigkeit“ der gegenseitigen Beistandsverpflichtung gemäß Artikel 5 auf die Probe zu stellen. Die Verteidigungspolitiker warnen, dass russische Militärangriffe bereits „in der relativ nahen Zukunft stattfinden könnten, wenn die politische Lage vom Kreml als günstig eingeschätzt wird“.

In Artikel 5 des Nato-Vertrags wird der sogenannte Bündnisfall definiert: Demnach ist ein Angriff auf eines der Mitgliedsländer als Angriff auf die gesamte Allianz zu betrachten. US-Präsident Donald Trump hat jedoch mit wütender Kritik an der Nato und einzelnen Mitgliedstaaten die Zweifel daran geschürt, dass die USA einem angegriffenen Nato-Partner zur Hilfe kommen würden.

In dem Bericht des schwedischen Ausschusses heißt es auch, dass Russland einen Angriff selbst dann ausführen könnte, wenn es dazu militärisch nicht in der Lage zu sein scheine. In seinem seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine ist Moskau in den vergangenen Monaten durch ukrainische Gegenangriffe hinter den Frontlinien und bis tief in das russische Staatsgebiet hinein unter Druck geraten.

Schweden hatte – ebenso wie das benachbarte Finnland – als Konsequenz aus dem russischen Überfall auf die Ukraine mit seiner jahrzehntelangen Tradition der militärischen Bündnisneutralität gebrochen und war 2024 der Nato beigetreten. (AFP)

Ukraine und Russland mit gegenseitigen Drohnenangriffen - Tote und Verletzte

Die Ukraine und Russland haben sich in der Nacht zum Freitag erneut gegenseitig mit Drohnenangriffen überzogen. Dabei gab es Behördenangaben zufolge Tote und Verletzte auf beiden Seiten.

Die Ukraine nahm auch wieder Industrieanlagen tief in Russland ins Visier. So wurden in der für Russlands ölverarbeitende Industrie wichtigen Region Tatarstan weit von der Ukraine entfernt drei Menschen verletzt, als eine Drohne ein Wohnhaus traf, wie die örtlichen Behörden mitteilten. In der dort gelegenen Stadt Nischnekamsk seien wegen der Drohnengefahr öffentliche Feiertagsveranstaltungen für Freitag abgesagt worden. Auch wurde demnach die Stadt Togliatti an der Wolga, Sitz des größten russischen Autobauers Awtowas, mit Drohnen attackiert. In der russischen Grenzregion Brjansk kamen den Angaben zufolge bei ukrainischen Drohnenangriffen zwei Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt.

Das russische Militär beschoss unter anderem Bahnhöfe, Signalanlagen und Umspannwerke in der Ukraine. Dabei wurde in der nördlichen Region Sumy den Angaben zufolge wurde ein Bahnmitarbeiter getötet und ein weiterer verletzt. In der südlichen Stadt Mykolajiw seien vier Menschen verletzt und 14 Gebäude beschädigt worden.

Das ukrainische Militär teilte mit, Russland habe seit Donnerstagabend mit 117 Drohnen angegriffen, von denen die Luftabwehr 102 abgefangen habe. Russland schoss nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht 231 ukrainische Drohnen ab. Die Ukraine hat zuletzt ihre weitreichenden Drohnenangriffe auf russische Ölanlagen intensiviert, was unter anderem auf der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu Treibstoffengpässen führte.

Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Angaben beider Seiten zunächst nicht unabhängig überprüfen. Beide Länder weisen den Vorwurf zurück, gezielt Zivilisten ins Visier zu nehmen. (Reuters)

Ukraine bittet EU um weitere 20 Milliarden Dollar für Verteidigung und Drohnen

Die Ukraine will von ihren europäischen Partnern zusätzliche 20 Milliarden US-Dollar erhalten, um ihre Position auf dem Schlachtfeld gegenüber Russland zu stärken. Das berichtet Politico unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter des ukrainischen Verteidigungsministeriums.

Dem Bericht zufolge soll die Forderung am 18. Juni bei der nächsten Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe vorgestellt werden. Auch bei Gesprächen mit Vertretern aus Norwegen, Schweden, Deutschland und Kanada sei das Thema bereits angesprochen worden.

Nach Angaben des Politico-Gesprächspartners sollen die Partnerländer jeweils zwischen zwei und sechs Milliarden Dollar bereitstellen. Dabei könne es sich sowohl um Zuschüsse als auch um Kredite handeln.

Die zusätzlichen Mittel sollen unter anderem in die Luftverteidigung, Drohnen, Munition, elektronische Kampfführung, weitreichende Waffensysteme sowie direkte Aufträge für ukrainische Rüstungsunternehmen fließen.

„Alle sehen, dass Russland brennt. Und wir wollen, dass es noch stärker brennt. Dafür brauchen wir Finanzierung“, zitierte Politico den ukrainischen Regierungsvertreter. (Valeriia Semeniuk)

Kellogg: Verhandlungen zwischen der Ukraine, den USA und Russland liegen auf Eis

Die Verhandlungen zwischen der Ukraine, den USA und Russland sind laut dem ehemaligen US-Sondergesandten Keith Kellogg faktisch ausgesetzt. Grund dafür sei die Eskalation im Konflikt mit dem Iran. Im Interview mit dem ukrainischen Sender “Suspilne” erklärte Kellogg, dass Steve Witkoff und Jared Kushner derzeit nicht nur mit dem Ukraine-Dossier befasst seien, sondern auch an Verhandlungen im Nahen Osten arbeiteten.

„Man kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Deshalb sind die Gespräche faktisch auf Eis gelegt. Das ist nicht unbedingt schlecht – im Gegenteil“, sagte Kellogg.

Nach seiner Einschätzung gibt die Pause der Ukraine die Möglichkeit, ihre Position eigenständig zu stärken. „Die Ukraine muss ihre Arbeit selbst erledigen, während die USA auf den Iran fokussiert sind. Und die Ukraine macht ihre Sache gegen Russland gut“, erklärte er.

Kellogg bezeichnete zudem Wolodymir Selenskyjs jüngsten Brief an Russlands Präsident Wladimir Putin als positiven Schritt für einen möglichen Dialog. (Valeriia Semeniuk)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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