Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 04. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1820
letzte Woche, 1923 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1820
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 4.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1157
200
197
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
453
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 4.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj erwartet Trumps Gesandte in Kyjiw

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft auf einen baldigen Besuch der Gesandten von US-Präsident Donald Trump in Kyjiw. „Wir setzen auf ein Treffen in den kommenden Tagen“, sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner abendlichen Ansprache. Laut Selenskyj schickt Trump seine Gesandten nach Moskau und Kyjiw. Sollten Trumps Golfpartner Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner kommen, wäre es ihr erster Besuch in Kyjiw seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit.

Selenskyj sagte, es seien „vorläufige Termine“ festgelegt worden für den ersten Besuch der Gesandten in der ukrainischen Hauptstadt. Es sei wichtig, dass die USA in der Diplomatie „aktiv bleiben“. Im Juli hatte Selenskyj gesagt, er habe mit Witkoff und Kushner gesprochen, „um die Diplomatie neu zu beleben und den Frieden näherzubringen“. Die beiden waren bereits mehrfach in Moskau, um über ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu sprechen. (AFP)

Offenbar vier Tote im russischen Grenzgebiet Belgorod

Durch ukrainischen Beschuss sind im russischen Grenzgebiet Belgorod nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet worden. Drei weitere seien verletzt worden, teilte der kommissarische Gouverneur der westrussischen Region, Alexander Schuwajew, bei Telegram mit. Die Opfer waren demnach in einem Krankenwagen in der Stadt Schebekino unterwegs.

Schebekino ist nur rund fünf Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt. Russische Truppen sind an diesem Grenzabschnitt bis zu zehn Kilometer weit in die benachbarte ukrainische Region Charkiw vorgedrungen. (dpa)

Russland meldet nach Angriff Brand in Öldepot in Sotschi

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff brennt ein Öldepot in der russischen Schwarzmeer-Hafenstadt Sotschi. Dies teilen die russischen Behörden der Region Krasnodar über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. (Reuters)

Der Chef von Siemens-Energy: Christian Bruch.
Siemens-Chef: Deutschland wird besonders stark attackiert
Der Chef von Siemens-Energy: Christian Bruch.
Foto: dpa/Daniel Karmann

Die Energie-Infrastruktur in Deutschland wird nach Ansicht von Siemens-Energy-Chef Christian Bruch stärker angegriffen als in anderen europäischen Ländern. „Wir müssen anerkennen, dass kritische Infrastruktur nicht vollumfänglich geschützt werden kann. Aus meiner Sicht hat die Bedrohungslage über die letzten 12 bis 18 Monate deutlich zugenommen“, sagte der Manager der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir sind als großes Land, das in einem Konfliktfall ein Transitland wäre und eine Schlüsselrolle spielt, besonders exponiert“, sagte Bruch. „Das müssen wir uns bewusst machen. Und das sollte auch der Bevölkerung bewusst sein.“

Zuletzt hatten Angriffe auf das Stromnetz in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen für Aufsehen gesorgt. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Vorfälle auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sind.

Bruch sieht die schnelle Ausarbeitung des zivilen Operationsplans als dringend erforderlich an, um auf Krisenfälle reagieren zu können. Es gehe um den Schutz der Strom- oder der Wasserinfrastruktur sowie der Versorgung mit Lebensmitteln im Falle einer Krise. „Da müssen wir uns vorbereiten. Denn man muss akzeptieren, dass dies alles Anzeichen von hybriden Angriffen sein können“, sagte der Manager. „Die Vorfälle nehmen zu und auch auf der Cyberseite steigt die Frequenz der Angriffe auf Infrastruktur deutlich.“

Die neue Bedrohungslage erfordere ein strukturiertes Vorgehen. „Es gilt sicherzustellen, dass wir Schäden schnell reparieren können. Dafür wären wir heute nicht ausreichend aufgestellt. Die rechtlichen Voraussetzungen liegen vor, jetzt geht es darum, schnell handlungsfähig zu werden.“

Der Energietechnikkonzern entwickelt, produziert und liefert Technologien und Lösungen für die Stromerzeugung und -übertragung, für erneuerbare Energien - darunter Windkraftanlagen - sowie für industrielle Energieanwendungen. Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Energietechnikunternehmen. (dpa)

Russisches Konsulat in Bonn offenbar Schaltstelle für geheimdienstliche Aktivitäten

Die Schließung des russischen Konsulats in Bonn ist nach Informationen von „Bild“ nicht nur eine symbolische Reaktion auf den Drohnenangriff von Leipzig. Demnach gilt das Konsulat in EU-Kreisen als Unterstützungsort für hybride Operationen gegen die Benelux-Länder, EU-Institutionen und das Nato-Hauptquartier in Belgien.

Demnach arbeiteten rund 15 bis 20 russische Geheimdienstagenten getarnt als Diplomaten im Konsulat. Sämtliche Mitarbeiter des Generalkonsulats sowie ihre Familienangehörigen wurden nun aufgefordert, das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland in kürzester Zeit zu verlassen. Das Gelände des Konsulats bleibt allerdings in russischem Besitz. (Tsp) 

Mehrheit der Ostdeutschen hält Waffenhilfe für Ukraine für übertrieben

Die Mehrheit der Ostdeutschen (54 Prozent) ist laut ARD-Deutschlandtrend der Ansicht, dass die deutsche Militärhilfe für die Ukraine zu weit geht. In Westdeutschland sind dies 39 Prozent. Umgekehrt äußern in der Infratest dimap-Umfrage 59 Prozent der Westdeutschen, dass sie sich durch Russland bedroht oder sehr stark bedroht fühlen. In Ostdeutschland sind dies 42 Prozent. 21 Prozent der Befragten im Osten sehen überhaupt keine Bedrohung. (Reuters)

Ingenieurmangel wird wohl zum Problem für die ukrainische Rüstungsindustrie

Der Mangel an qualifizierten Ingenieuren entwickelt sich zu einem der größten Hindernisse für das weitere Wachstum der ukrainischen Rüstungsindustrie. Wie Bloomberg berichtet, fehlen den Unternehmen vor allem Hardwareentwickler, Spezialisten für Funkfrequenzen und Antennen sowie Chemiker, Technologen und Produktionsingenieure.

Der Wettbewerb um diese Fachkräfte ist inzwischen so groß, dass Rüstungsunternehmen Mitarbeiter gegenseitig abwerben und ihnen deutlich höhere Gehälter sowie teilweise die Übernahme der Wohnkosten anbieten. Manche Firmen versuchen sogar, bereits pensionierte Spezialisten zurückzuholen. Im Juli erhielten Stellenangebote im ukrainischen Defense-Tech-Sektor auf der Plattform DOU im Durchschnitt nur 1,5 bis 3,8 Bewerbungen – deutlich weniger als viele zivile IT-Stellen.

Besonders problematisch wird der Personalmangel, weil die ukrainische Rüstungsindustrie zunehmend komplexere Systeme entwickelt – darunter KI-gestützte Drohnen, autonome Plattformen und neue Abwehrsysteme. Gleichzeitig wächst der Nachwuchs nur langsam: 2025 begannen lediglich 671 Studierende in der Ukraine ein Bachelorstudium im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik, weitere 464 entschieden sich für Chemieingenieurwesen. Der Fachkräftemangel könnte damit zu einem entscheidenden Engpass für das Tempo ukrainischer Militärinnovationen werden.

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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