Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 06. April, 10:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1816
letzte Woche, 1739 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1816
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 27.3., letzte Aktualisierung: 1.4. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1113
200
125
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
564
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 27.3., letzte Aktualisierung: 1.4. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Ukraine setzt russische Ölanlagen in Brand

Die Ukraine hat bei neuen Drohnenangriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie über das Wochenende mehrere Objekte in Brand gesetzt. Im Gebiet Nischni Nowgorod berichtete Gouverneur Gleb Nikitin bei Telegram, es seien 30 ukrainische Drohnenschläge abgewehrt worden. Herabfallende Trümmer hätten Feuer in zwei Objekten des Ölkonzerns Lukoil ausgelöst. Es seien auch Wohnhäuser und ein Heizkraftwerk beschädigt worden. Demnach kam es auch zu Stromausfällen. Verletzte gebe es nach vorläufigen Angaben nicht.

In Gebiet Leningrad, das an St. Petersburg (früher Leningrad) grenzt, war wie zuletzt schon mehrfach der Hafen Primorsk Ziel ukrainischer Angriffe, wie Gouverneur Alexander Drosdenko bei Telegram mitteilte. Dort sei es an einer Ölleitung zu einem „ungefährlichen Brand“ gekommen. Insgesamt seien 19 ukrainische Drohnenangriffe abgewehrt worden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete, dass die Flugabwehr in der Nacht insgesamt 87 ukrainische Drohnen über russischen Zielen zerstört habe.

Ukrainische Drohnentruppen bestätigen Angriff

Der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, bestätigte die Angriffe. „Öl ist eine sündhafte Substanz“, schrieb er in seinem Telegram-Kanal. Mit den Drohnenschlägen treffe die Ukraine direkt die Börse von Kremlchef Wladimir Putin – den Browdi als „Opa in einem Bunker“ bezeichnet.

Die Ukraine nimmt immer wieder russische Energieanlagen in ihrem Abwehrkampf gegen den seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskrieg ins Visier. Ziel Kiews ist es, auf diese Weise Moskaus Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas zu minimieren. Mit den Erlösen aus dem Energieexport finanziert Russland seine Kriegswirtschaft. Moskau hat Anfang des Monats ein neues Benzin-Exportverbot bis Ende Juli verhängt, um so die Preise angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten stabil zu halten. (dpa)

Ukraine greift russisches Kriegsschiff im Hafen von Noworossijsk an

Das ukrainische Militär hat nach Angaben des Kommandeurs der Drohnenstreitkräfte in der Nacht ein russisches Kriegsschiff im Hafen von Noworossijsk sowie eine Bohrinsel im Schwarzen Meer nahe der besetzten Halbinsel Krim angegriffen. Ziel sei der Raketenträger „Admiral Makarow“ gewesen, erklärt Robert Browdi über den Kurznachrichtendienst Telegram.

Russischen Angaben zufolge wurden bei den Angriffen in Noworossijsk ein Liegeplatz des Kaspischen Pipeline-Konsortiums beschädigt und vier Öltanks in Brand gesetzt. Dies teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Das Konsortium transportiert den Großteil der kasachischen Ölexporte. Diese sind nach Angaben Kasachstans jedoch nicht beeinträchtigt. (Reuters)

Ukraine: Haben Gebiete im Osten zurückerobert

Ukraine: Haben Gebiete im Osten zurückerobert

Die Ukraine hat nach Angaben ihres Armeechefs Olexandr Syrskyj seit Ende Januar 480 Quadratkilometer Gebiet im Südosten und Osten des Landes zurück. Trotz dieser Erfolge setze Russland seine Frühjahrsoffensive fort, teilt Syrskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Ziel der russischen Truppen sei es weiterhin, mehr ukrainisches Territorium einzunehmen und eine Pufferzone in der Region Dnipropetrowsk einzurichten. US-Militäranalysten zufolge schwächen die ukrainischen Gegenangriffe die russischen Vorstöße zur Einnahme des wichtigen Logistikknotenpunktes Pokrowsk. (Reuters)

Ukraine entdeckt neues Satellitenkommunikationssystem der Russen an der Front

Russische Truppen setzen an der Front offenbar neue Satellitenkommunikationssysteme ein, nachdem ihr Zugang zu Starlink eingeschränkt wurde. Das erklärte der Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums und Funktechnologie-Experte Serhij Beskrestnow („Flash“).

Seinen Angaben zufolge handelt es sich um Terminals vom Typ „Spirit-030“, die über geostationäre Satelliten arbeiten. Sie sind kompakter als frühere Systeme und nutzen Antennen mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern, was ihre Entdeckung erschwert. Diese Systeme sollen inzwischen in größerem Umfang an die Front geliefert werden. (Yulia Valova)

Ukrainischer Militärgeheimdienst: Russland lässt eigene Soldaten hinrichten

Der ukrainische Militärgeheimdienst hat eigenen Angaben zufolge Fälle dokumentiert, in denen russische Kommandeure die Hinrichtung eigener Soldaten anordnen. Dies teilte die Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine (HUR) unter Berufung auf abgefangene Gespräche russischer Truppen mit.

Aus dem veröffentlichten Audiomaterial gehe hervor, dass ein russischer Soldat des „Verrats“ beschuldigt und seine Liquidierung befohlen wird. In der Aufnahme sei zu hören, wie ein Kommandeur andere Soldaten auffordere, den Kameraden zu töten. Demnach drohte er bei Nichtbefolgung des Befehls mit Angriffen auf die eigenen Stellungen.

Nach Angaben der HUR deuten solche Vorfälle auf harte Disziplinarmaßnahmen innerhalb der russischen Armee hin, bei denen außergerichtliche Hinrichtungen als Mittel zur Kontrolle der Truppen eingesetzt werden. (Yulia Valova)

Russische Offensive verliert offenbar an Tempo – Front kaum verändert

Die russischen Streitkräfte erzielen weiterhin nur begrenzte Geländegewinne in der Ukraine, während die Frontlinie insgesamt stabil bleibt. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Institute for the Study of War (ISW) vom 5. April hervor. Den Analysten zufolge setzen russische Truppen ihre Angriffe auf mehreren Frontabschnitten fort, erzielen dabei jedoch keinen operativen Durchbruch. Fortschritte erfolgten nur langsam und unter hohen Verlusten. Gleichzeitig gelinge es den ukrainischen Streitkräften, ihre Verteidigungsstellungen zu halten und die Angriffe weitgehend abzuwehren.

Das ISW betont zudem, dass öffentliche Aussagen des Kremls über angeblich große Erfolge auf dem Schlachtfeld die tatsächliche Lage verzerrten. Diese Darstellung diene dazu, den Eindruck eines dynamischen Vormarsches zu erzeugen und politischen Druck auf die Ukraine sowie ihre internationalen Partner auszuüben. (Yulia Valova)

Großes Stahlwerk in Luhansk produziert wegen Zerstörungen nicht mehr

Das Stahlwerk in Altschewsk im vorübergehend besetzten Teil der Region Luhansk hat nach einer Serie von ukrainischen Drohnenangriffen den Betrieb eingestellt. Dies teilte der Sicherheitsdienst der Ukraine mit und verwies auf Operationen im Verlauf des vergangenen Monats. Nach Angaben der Behörde wurden zentrale Infrastrukturelemente beschädigt, darunter Hochöfen, Produktionshallen, Gasleitungen und Umspannwerke. Infolgedessen musste das Werk seine Produktion vollständig einstellen.

Die ukrainische Seite betont, dass der Betrieb zur Versorgung des russischen militärisch-industriellen Komplexes genutzt worden sei, unter anderem für die Herstellung von gepanzerten Fahrzeugen und Artilleriesystemen. Das Stahlwerk Altschewsk, eines der größten Industrieunternehmen im Donbas, steht seit 2014 unter Kontrolle prorussischer Akteure. (Yulia Valova)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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