Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 28. Juli, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1957
letzte Woche, 1947 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1957
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 17.7., letzte Aktualisierung: 28.7. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1209
200
161
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
578
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 17.7., letzte Aktualisierung: 28.7. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

US-Senatoren einig bei Gesetz zu mehr Russland-Sanktionen

US-Senatoren der Republikaner und Demokraten haben sich auf ein Gesetz geeinigt, das Russland durch neue Sanktionen stärker unter Druck setzen soll. Das Gesetz soll laut neu veröffentlichten Ergänzungen den Namen des jüngst verstorbenen Senators Lindsey Graham tragen, der es seit Monaten vorangetrieben hatte. Medienberichten zufolge könnte das Gesetz noch diese Woche im Senat verabschiedet werden. Allerdings ist die zweite Kongresskammer, das Repräsentantenhaus, bereits in den Ferien, sodass es nicht vor September in Kraft treten dürfte.

Das Gesetz setzt vor allem bei Erdgas- und Ölexporten an – einer zentralen Geldquelle für den russischen Staat auch zur Finanzierung des Angriffskrieges in der Ukraine. Es berechtigt den US-Präsidenten, die fünf größten Käufer russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen – sowie die fünf Länder, die Russland am stärksten helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die US-Handelsbeziehungen zu China und Indien weiter strapazieren, die wichtige Käufer von russischem Erdöl sind.

Die Einigung auf den Text fiel zusammen mit den Trauerfeierlichkeiten für Graham. Grahams Senatssitz wurde inzwischen mit seiner Schwester Darline Graham besetzt, die sich zusammen mit den demokratischen Senatoren Richard Blumenthal und Sheldon Whitehouse weiter für das Gesetz starkmachte. Trump hatte bereits angekündigt, es unterzeichnen zu wollen. Die US-Regierung hatte in den vergangenen Monaten Sanktionen gegen russische Öllieferungen zeitweise ausgesetzt, um Preissteigerungen auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken. (dpa)

Russland rückt an neuem Abschnitt der Grenze zur Region Charkiw vor

Russische Truppen haben sich nach Angaben des OSINT-Projekts DeepState an einem weiteren Abschnitt der Grenze zur Region Charkiw vorgeschoben. Betroffen ist demnach der Norden des Bezirks Kupjansk nahe dem Dorf Artilne.

Auf der Karte von DeepState ist zu sehen, dass russische Einheiten zwischen Artilne und Schewjakivka rund 4,7 Quadratkilometer besetzt haben. Bereits zuvor hatte der ukrainische Grenzschutz gemeldet, dass Russland an einem neuen Abschnitt der Grenze aktiver geworden sei und versuche, Schwachstellen in der ukrainischen Verteidigung zu finden. (Valeriia Semeniuk)

Selenskyj spricht von gutem Treffen mit Trump

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet seine Begegnung mit seinem US-Kollegen Donald Trump in Washington als gut. Im Mittelpunkt der Gespräche im Oval Office standen nach Angaben Selenskyjs Lizenzen für die ukrainische Produktion von US-Abfangraketen für das Patriot-System sowie die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen mit Russland. „Wir haben auch über Diplomatie gesprochen – es ist wichtig, den diplomatischen Prozess zu intensivieren“, schreibt Selenskyj auf Telegram. (Reuters)

Treffen von Selenskyj und Trump im Weißen Haus hat begonnen

Das Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus hat begonnen. Es sei um 9.47 Uhr Ortszeit (15.47 Uhr MESZ) losgegangen, teilte das Weiße Haus mit. Bei dem Gespräch soll es laut Selenskyj vor allem um weitere US-amerikanische Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gehen. Auch eine Stärkung der Flugabwehr habe Priorität, sagte er im Vorfeld. Die USA sehen sich in dem Krieg als Vermittler – ihre Bemühungen für ein Kriegsende sind zuletzt aber auch infolge des eigenen Kriegs gegen den Iran in den Hintergrund geraten. (dpa)

Im rumänischen Außenministerium in Bukarest sind Trümmerteile von Drohnen zu sehen, die auf rumänischem Staatsgebiet abgeschossen wurden.
EU bestellt nach Luftraumverletzung Vertreter Russlands ein
Im rumänischen Außenministerium in Bukarest sind Trümmerteile von Drohnen zu sehen, die auf rumänischem Staatsgebiet abgeschossen wurden.
Foto: Romanian Foreign Ministry/Handout via REUTERS

Die EU hat in Reaktion auf neue Drohnenvorfälle und die Zerstörung des lettischen Honorarkonsulats in der Ostukraine den Geschäftsträger Russlands in Brüssel einbestellt. „Wir haben unsere scharfe Verurteilung der vorsätzlichen Verletzung des rumänischen Luftraums durch russische Drohnen zum Ausdruck gebracht“, erklärte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas. Dieser rücksichtslose Akt stelle eine ernste Eskalation dar und bedrohe die Sicherheit der Menschen in der EU, die regionale Stabilität und den internationalen Frieden.

Den Angaben zufolge wurde bei dem Treffen auch die Zerstörung des lettischen Honorarkonsulats in der frontnahen ukrainischen Stadt Slowjansk in der Region Donezk thematisiert. Nach Angaben Lettlands handelt es sich bei dem Konsulat um die einzige dauerhaft besetzte europäische Vertretung in der Frontregion. Kallas hatte nach dem Angriff am vergangenen Freitag auch Vorschläge für weitere Sanktionen gegen den russischen militärisch-industriellen Komplex angekündigt.

Zu den jüngsten Luftraumverletzungen in Rumänien war es am Wochenende gekommen. Die rumänische Luftwaffe schoss dabei mehrere der Flugobjekte im eigenen Luftraum ab. (dpa)

Kreml: Ukraine weitet geografischen Radius ihrer Angriffe aus

Russland macht die Ukraine für einen Angriff auf ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer verantwortlich und erklärt, dass dies als Angriff auf den Iran selbst gewertet werden müsste. Die Ukraine weite den geografischen Radius ihrer „terroristischen Angriffe“ aus, sagt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. So habe sie auch die Nord-Stream-Pipelines gesprengt. „Diese Bedrohung muss neutralisiert und definitiv zerstört werden.“

Das iranische Außenministerium hatte den ukrainischen Angriff auf das Schiff am Samstag verurteilt. Ein Besatzungsmitglied sei getötet und ein weiteres verletzt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, sein Land habe Schiffe beschossen, die für militärische Frachttransporte mit iranischer Beteiligung genutzt worden seien. Kyjiw bestreitet zudem, für die Nord-Stream-Explosionen verantwortlich zu sein. Russland und der Iran sind enge Verbündete. (Reuters) 

Insider: Raffinerie in Westsibirien steht nach Angriff still

Die russische Raffinerie Tjumen im Westen Sibiriens hat Insidern zufolge die Ölverarbeitung am vergangenen Samstag nach einem ukrainischen Drohnenangriff eingestellt. Eine Anlage zur Diesel-Entschwefelung und eine zur Benzinproduktion hätten Feuer gefangen. Die Insider lehnen es ab, sich dazu zu äußern, wann die Raffinerie den Betrieb wieder aufnehmen könnte. Der Betreiber ist für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Lokalbehörden hatten am Samstag lediglich mitgeteilt, dass ein ukrainischer Drohnenangriff ein Feuer in der Raffinerie ausgelöst habe. Die Anlage liegt mehr als 2000 Kilometer von der Ukraine entfernt. In ihr werden Branchenschätzungen zufolge jährlich rund sechs Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet und etwa eine halbe Million Tonnen Benzin und 2,8 Millionen Tonnen Diesel hergestellt. Die Ukraine nimmt seit geraumer Zeit verstärkt die russische Ölinfrastruktur ins Visier, was in einigen Gebieten zu akuten Treibstoffengpässen geführt hat. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Trump in der Iran-Falle: Mit Europas Ideen nicht zu lösen
Viele Deutsche warten auf einen haltbaren Frieden am Golf und Energiepreise wie vor dem Krieg. Beide Ziele sind jedoch nur durch anhaltenden militärischen Druck zu erreichen.
Bilanz des Nato-Gipfels mit Trump: Love is in the air – das müssen die Europäer nutzen
Die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kommt beim Treffen in Ankara ausnahmsweise der Allianz und der Ukraine zugute. Offen bleibt aber, wie lange auf Trumps neue Zuneigung Verlass ist.
Droht die Nato zu zerbrechen?: Diskutieren Sie mit beim „High Noon“-Expertentalk um 12 Uhr
Die USA wollen sich aus Europa zurückziehen. Droht das transatlantische Verteidigungsbündnis unter Trump zu zerbrechen? Die Tagesspiegel-Experten ordnen ein.
Bisheriger Bosnien-Verwalter Schmidt: „Der Rückhalt der USA für das Amt ist in Zukunft nicht mehr sicher“
Der Hohe Repräsentant erklärt, welche Rolle Trumps USA, der serbische Separatist Dodik und eine Gaspipeline bei seinem Rückzug spielten – und was er seinem Nachfolger rät.
Kein EU-Schutz für wehrpflichtige Ukrainer: Die Entscheidung ist menschlich hart und doch notwendig
Nach mehr als vier Jahren Krieg stellt sich die EU einem Kernwiderspruch: Wer den militärischen Erfolg der Ukraine möchte, darf ihr nicht die kämpfenden Männer entziehen.
Ukrainer geben massenhaft polnische Orden zurück: Wie ein Weltkriegsstreit wichtige Verbündete spaltet
Polen und die Ukraine stehen im Krieg gegen Russland Seite an Seite. Doch ein Streit über die Rolle der UPA im Zweiten Weltkrieg sorgt für eine diplomatische Eskalation. Warum die Erinnerung die Nachbarn entzweit.
mehr Artikel anzeigen