Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 03. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1820
letzte Woche, 1923 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1820
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 2.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1157
200
197
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
453
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 2.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Ingenieurmangel wird wohl zum Problem für die ukrainische Rüstungsindustrie

Der Mangel an qualifizierten Ingenieuren entwickelt sich zu einem der größten Hindernisse für das weitere Wachstum der ukrainischen Rüstungsindustrie. Wie Bloomberg berichtet, fehlen den Unternehmen vor allem Hardwareentwickler, Spezialisten für Funkfrequenzen und Antennen sowie Chemiker, Technologen und Produktionsingenieure.

Der Wettbewerb um diese Fachkräfte ist inzwischen so groß, dass Rüstungsunternehmen Mitarbeiter gegenseitig abwerben und ihnen deutlich höhere Gehälter sowie teilweise die Übernahme der Wohnkosten anbieten. Manche Firmen versuchen sogar, bereits pensionierte Spezialisten zurückzuholen. Im Juli erhielten Stellenangebote im ukrainischen Defense-Tech-Sektor auf der Plattform DOU im Durchschnitt nur 1,5 bis 3,8 Bewerbungen – deutlich weniger als viele zivile IT-Stellen.

Besonders problematisch wird der Personalmangel, weil die ukrainische Rüstungsindustrie zunehmend komplexere Systeme entwickelt – darunter KI-gestützte Drohnen, autonome Plattformen und neue Abwehrsysteme. Gleichzeitig wächst der Nachwuchs nur langsam: 2025 begannen lediglich 671 Studierende in der Ukraine ein Bachelorstudium im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik, weitere 464 entschieden sich für Chemieingenieurwesen. Der Fachkräftemangel könnte damit zu einem entscheidenden Engpass für das Tempo ukrainischer Militärinnovationen werden.

Bundesregierung stellt 250 Millionen für ukrainische Energieinfrastruktur bereit

Die Bundesregierung stellt über die staatliche Förderbank KfW weitere 250 Millionen Euro für die Ukraine bereit. Die Gelder seien für Reparaturen an der Energieinfrastruktur vor dem kommenden Winter gedacht, teilt das Wirtschaftsministerium in Berlin mit. „Dies trägt zur Sicherung der Energie- und Wärmeversorgung der Bevölkerung trotz anhaltender russischer Angriffe bei.“ Die Energieversorgung bleibe eine Frontlinie dieses Krieges, sagt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Sie appelliert an andere Staaten, ebenfalls Gelder bereitzustellen. Seit 2022 hat die Bundesregierung 560 Millionen Euro in den Energieunterstützungsfonds eingezahlt. Mit der jetzigen Aufstockung steigt diese Summe auf 810 Millionen Euro. (Reuters)

Russland meldet Folgen massiver Drohnenangriffe auf Moskau und Sotschi

In der Nacht zum 3. September sind Moskau, das Moskauer Gebiet und die Region Krasnodar massiv mit Drohnen angegriffen worden. Der russische Telegram-Kanal „Astra“ berichtet über Explosionen, Brände und Schäden im Moskauer Umland. Der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, erklärte, über der Region seien 56 Drohnen abgeschossen worden. Nach seinen Angaben wurden Gebäude in Kubinka, Pawlowski Possad und im Bezirk Bogorodski beschädigt. „Astra“ zufolge liegt das beschädigte Gebäude in Kubinka etwa fünf Kilometer vom gleichnamigen russischen Militärflugplatz entfernt.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete im Laufe des Morgens von Dutzenden Drohnen, die angeblich im Anflug auf die Hauptstadt abgeschossen worden seien. Wegen des Angriffs wurde der Betrieb an Moskauer Flughäfen zeitweise eingeschränkt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht seien insgesamt 416 Drohnen abgefangen oder zerstört worden. Wie viele Drohnen ihre Ziele erreichten, teilte das Ministerium nicht mit.

Am Morgen wurden auch aus Sotschi Explosionen gemeldet. Russische Telegram-Kanäle berichteten über einen Angriff mit Seedrohnen, während im Bereich des Hafens Rauch zu sehen war. „Astra“ verweist auf Satellitenaufnahmen, denen zufolge in diesem Teil des Hafens zuvor ein russisches Kriegsschiff gelegen hatte. Russische Behörden machten zunächst keine Angaben zu möglichen Schäden im Hafen.

Putin übertreibt offenbar russische Geländegewinne in der Ukraine

Russlands Präsident Wladimir Putin übertreibt nach Einschätzung des US-amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) die Erfolge der russischen Armee an der Front. Damit versuche der Kreml, einen russischen Sieg als unausweichlich darzustellen. Putin behauptete, russische Truppen hätten im August allein in der Region Donezk 15 Ortschaften und rund 270 Quadratkilometer erobert. Nach den vom ISW ausgewerteten Daten waren es jedoch lediglich 73,14 Quadratkilometer. An der gesamten Front konnten russische Truppen im August demnach rund 90,35 Quadratkilometer einnehmen oder ihre Kontrolle dort festigen – gegenüber 505,55 Quadratkilometern im August 2025.

Auch für Putins Behauptungen über eine Einnahme von Swjatohirsk und Kosatscha Lopan sowie die angebliche Einkesselung von rund 5000 ukrainischen Soldaten am Oskil-Stausee fand das ISW keine Belege. Nach Einschätzung der Analysten sollen solche Aussagen den Eindruck erwecken, die ukrainische Verteidigung stehe vor dem Zusammenbruch – eine Darstellung, die durch die tatsächliche Entwicklung an der Front nicht gestützt werde.

Russische Drohnen sollen Evakuierung ukrainischer Verwundeter erschweren

Russische sogenannte „Wartedrohnen“ und über Glasfaserkabel gesteuerte Drohnen erschweren zunehmend die Evakuierung ukrainischer Soldaten von den vordersten Stellungen. Das sagte Jewhen Schukow mit dem Rufnamen „Disney“, stellvertretender Kommandeur der Kommunikationsabteilung der 3. Separaten Sturmbrigade, im ukrainischen Militärsender Army TV. Einheiten des 3. Armeekorps, zu dem die Brigade gehört, kämpfen derzeit in den Frontabschnitten bei Borowa und Lyman.

Nach Angaben Schukows setzt die russische Armee entlang ukrainischer Versorgungs- und Evakuierungsrouten verstärkt Drohnen ein, die auf mögliche Ziele warten können. Hinzu kommen glasfasergesteuerte Drohnen, die schwerer frühzeitig zu erkennen sind. Besonders gefährlich sei deshalb die Evakuierung direkt von den vordersten Positionen geworden. Die 3. Sturmbrigade setzt deshalb zunehmend unbemannte Bodenfahrzeuge ein, um Verwundete und Gefallene zu bergen. Die Roboter transportieren zudem Munition und Lebensmittel zu den Stellungen und sollen das Risiko für ukrainische Evakuierungsteams verringern.

Dänischer Geheimdienst warnt vor russischen Sabotageakten

Der dänische Geheimdienst hat vor russischen Sabotageakten in dem skandinavischen Land gewarnt. Moskau bereite „aktiv Sabotageakte vor, die auf die Verteidigungsindustrie in Dänemark abzielen“, sagte der Leiter der Spionageabwehr beim dänischen Geheimdienst PET, Emil Graesholm, der Tageszeitung „Berlingske“. Die russischen Dienste versuchen demnach, „ganz normale Dänen“ anzuwerben.

Die Aufträge der russischen Behörden können Graesholm zufolge darin bestehen, Fotos zu machen, die Zugangs- und Sicherheitsbedingungen rund um eine Anlage zu prüfen und darüber zu berichten. „Wir sprechen über diese Methoden, weil sie nicht wie ein Spionagefilm aussehen müssen“, betonte er im Interview mit „Berlingske“. Es sei vor diesem Hintergrund „von grundlegender Bedeutung“, dass die dänische Verteidigungsindustrie „die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergreift, damit sie in der Lage ist, sich zu schützen“, sagte Graesholm dem dänischen Fernsehsender TV2. „Viele Akteure in diesem Bereich arbeiten bereits aktiv daran“, fügte er hinzu.

Der Geheimdienst PET hatte bereits 2024 erklärt, dass die russische Bedrohung gegen Dänemark, einem wichtigen Unterstützer der Ukraine, zugenommen habe. Moskau war zuletzt vorgeworfen worden, seine Sabotageakte gegen europäische Unterstützer der Ukraine verstärkt zu haben. Am Dienstag machte die Bundesregierung Russland für den Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich und verhängte Strafmaßnahmen. (AFP)

Russische Kinderhospiz-Leiterin wegen „Falschinformationen“ festgenommen

In Russland ist die Leiterin eines Kinderhospizes wegen angeblicher Kritik an der russischen Armee festgenommen worden. Seine Mandantin Lida Moniawa werde verdächtigt, „Falschinformationen“ über die russischen Streitkräfte verbreitet zu haben, sagte ihr Anwalt Michail Birjukow am Mittwoch. Die Anklage wirft der 38-Jährigen demnach vor, aus „politischem Hass“ gehandelt zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft.

Moniawa ist Gründerin und Leiterin einer Wohltätigkeitsorganisation mit Sitz in Moskau, die sich für die Sterbebegleitung von Kindern und jungen Erwachsenen einsetzt. Ihre Festnahme geht ihrem Anwalt zufolge auf einen Beitrag im Onlinedienst Telegram von 2023 anlässlich des ersten Jahrestags des Ukraine-Krieges zurück. Darin verwies Moniawa demnach auf UN-Daten zu tausenden zivilen Opfern. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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