Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 27. Juli, 10:45 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1957
letzte Woche, 1947 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1957
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 17.7., letzte Aktualisierung: 22.7. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1209
200
161
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
578
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 17.7., letzte Aktualisierung: 22.7. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland beschießt Schiffe in Mykolajiw

Die russische Armee hat Schiffe im ukrainischen Schwarzmeerhafen Mykolajiw mit Drohnen angegriffen. Dabei sei ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden, teilte die ukrainische Seehafenverwaltung mit. Es handele sich um Schiffe, die seit Beginn der russischen Invasion 2022 in Mykolajiw festgesteckt hätten.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau sprach dagegen von zwei Schiffen, die für Lieferungen an die ukrainische Armee eingesetzt worden seien. Sie seien „im Moment des Entladens von Militärgütern“ getroffen worden, hieß es in einer Mitteilung. Für diese Angaben gab es keine Belege.

Die ukrainischen Schwarzmeerhäfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj waren in den bald viereinhalb Jahren Krieg fast immer für den internationalen Schiffsverkehr erreichbar. Erst galt ein mit Russland vereinbarter Stopp von Angriffen auf Getreideexporte, später verteidigte die Ukraine aus eigener Kraft die Schifffahrtsroute. Sie kam erst in den vergangenen Tagen wegen verstärkter russischer Angriffe wieder zum Erliegen.

Die Seehäfen Otschakiw und Mykolajiw in der Mündung des Stromes Dnipro liegen dagegen dichter an russischen Stellungen. Es gelang der Ukraine bislang nicht, diese Häfen zu öffnen. Die Ukraine hat ihrerseits seit Anfang Juli Dutzende russische Fracht- und Tankschiffe im Asowschen Meer und vor der russischen Schwarzmeerküste beschossen. (dpa)

Ukraine treibt europäische „Patriot“-Alternative zur Raketenabwehr voran

Das europäische Raketenabwehrsystem „Freyja“ zur Ergänzung des US-Systems „Patriot“ soll nach dem Willen der Ukraine im kommenden Jahr vorläufig einsatzbereit sein. „Wir wollen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres eine erste funktionsfähige Version fertig haben“, sagte der Vizesekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Dawyd Alojan, der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist ein Prototyp, der bereits erste praktische Ergebnisse zeigen kann.“ Ein internationaler Lenkungsausschuss zur Abschätzung der Forschungs- und Entwicklungskosten solle in Kürze erstmals zusammentreffen.

Zehn europäische Staaten und rund ein Dutzend Rüstungsunternehmen hatten am 13. Juli in Paris eine Allianz zum Ausbau der Luftverteidigung geschlossen. Kernprojekt ist das System „Freyja“, mit dem die Partner ihre Abhängigkeit von den knappen „Patriot“-Systemen aus den USA verringern wollen. Die Ukraine ist zur Abwehr russischer ballistischer Raketen bisher vollständig auf „Patriot“-Raketen angewiesen, deren Nachschub jedoch stockt. Russland hatte dies zuletzt bei wiederholten Luftangriffen auf Kyjiw und die wichtige Hafenstadt Odessa ausgenutzt, die die Ukraine größtenteils nicht abwehren konnte. (Reuters)

EU erwägt Abkehr von großen Sanktionspaketen gegen Russland

Die Europäische Union könnte ihr Verfahren zur Verhängung von Sanktionen gegen Russland ändern und künftig statt großer Gesamtpakete einzelne Maßnahmen oder kleinere thematische Pakete beschließen. Wie die Financial Times berichtet, wird dieser Ansatz in der EU-Kommission und von besonders ukrainefreundlichen Mitgliedstaaten diskutiert. Damit soll verhindert werden, dass einzelne Länder wegen einer umstrittenen Maßnahme sämtliche Sanktionen verzögern.

Auslöser der Debatte war die mehrwöchige Blockade des 21. Sanktionspakets durch Griechenland. Athen verlangte eine Ausnahme für die Reederei Dynagas, die russisches Flüssigerdgas transportiert. Griechenland stimmte dem Paket erst zu, nachdem dem Unternehmen erlaubt worden war, auf Grundlage von Verträgen aus der Zeit vor Beginn der russischen Großinvasion weiterhin russisches LNG in Drittstaaten zu befördern.

Befürworter des neuen Ansatzes argumentieren, gezielte Einzelmaßnahmen könnten schneller beschlossen werden, ohne dass ein nationales Veto sachlich voneinander unabhängige Sanktionen aufhalte. Das Einstimmigkeitsprinzip unter den 27 EU-Staaten bleibt jedoch bestehen, sodass ein neues Format das Vetorecht nicht vollständig beseitigen würde. (Yulia Valova) 

Russland meldet fünf Tote durch ukrainische Drohnen

Bei einem ukrainischen Angriff mit hunderten Drohnen auf Rostow am Don im Südwesten Russlands sind russischen Behörden zufolge in der Nacht zum Montag fünf Menschen getötet und weitere verletzt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die ukrainischen Streitkräfte hätten ein Exportterminal in der Region Rostow angegriffen. Zudem habe die ukrainische Armee Ölanlagen in den Regionen Jaroslawl und Udmurtien tief im Landesinneren attackiert.

Die Einsatzkräfte hätten nach dem Angriff in Rostow am Don „drei weitere Todesopfer, darunter ein Kind“ in den Trümmern eines Wohngebäudes gefunden, schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sliussar, im Onlinedienst Telegram. Zuvor hatte er die Zahl der Toten noch mit zwei angegeben und erklärt, dass bei dem nächtlichen Luftangriff „ein Ehepaar“ getötet worden sei. 

Zudem teilte Sliussar mit, dass fünf Menschen verletzt worden seien, darunter ein Jugendlicher. Der Angriff habe Warenlager in Brand gesetzt und mehrere Gebäude beschädigt, darunter ein Obdachlosenheim.

Selenskyj erklärte auf der Onlineplattform Facebook: „In der vergangenen Nacht waren unsere Langstrecken-Sanktionen in der Region Rostow wirksam. Ein etwa 250 Kilometer von der Frontlinie entfernter Exportterminal wurde getroffen.“ (AFP)

Russische Marine stellt eigene Regimenter für unbemannte Systeme auf

Die russische Marine hat mit der Aufstellung eigener Regimenter für unbemannte Systeme begonnen. Nach Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW) in seinem Bericht vom 26. Juli reagiert Moskau damit vermutlich auf die zunehmenden ukrainischen Angriffe gegen russische Schiffe, Häfen und andere Marineeinrichtungen im Schwarzen und Asowschen Meer.

Nach Angaben des russischen Marineoberbefehlshabers Alexander Moissejew wurde das erste dieser Regimenter am 1. Juli innerhalb der Nordflotte aufgestellt. Bis Ende 2026 sollen dort weitere Einheiten entstehen; für 2027 ist eine vergleichbare Struktur in der Pazifikflotte vorgesehen. Die Regimenter sollen unmittelbar der Marine unterstellt sein und offenbar unabhängig von den russischen Truppen für unbemannte Systeme operieren, die vor allem die Landstreitkräfte in der Ukraine unterstützen.

Nach Einschätzung des ISW sollen die neuen Verbände sowohl Schiffe und Marinestützpunkte schützen als auch Drohnentechnik stärker in die Operationen der russischen Flotte integrieren. Russland hat bereits Schiffe verlegt und verteilt, Drohnenschutznetze installiert sowie mobile Einsatzgruppen und Luftpatrouillen eingeführt. Diese Maßnahmen hätten es der russischen Marine bislang jedoch nicht ermöglicht, sich wirksam an die ukrainischen Angriffe anzupassen, schreiben die Analysten. (Yulia Valova)

Frachtschiff Golden Leo nach russischem Angriff vor Odessa gesunken

Vor Odessa ist das Handelsschiff Golden Leo gesunken, das am 19. Juli beim Verlassen des Hafens Tschornomorsk über den ukrainischen Seekorridor von Russland angegriffen worden war. Wie die ukrainische Schifffahrtsbehörde mitteilte, wurden der Rumpf und die Aufbauten schwer beschädigt. Das Schiff verlor dadurch seine Seetüchtigkeit. Zum Zeitpunkt des Untergangs befanden sich keine Menschen mehr an Bord.

Die Golden Leo fuhr unter der Flagge von Guinea-Bissau und hatte ukrainischen Mais geladen. Nach Angaben der ukrainischen Seite wurde das Schiff von drei russischen Raketen getroffen. Neun Besatzungsmitglieder und ein ukrainischer Lotse kamen ums Leben, acht weitere Seeleute wurden evakuiert. Die Ukraine informierte die Internationale Seeschifffahrtsorganisation und den Reeder über den Angriff.

Der Untergang ereignete sich vor dem Hintergrund einer deutlichen Zunahme russischer Angriffe auf die zivile Schifffahrt und die Häfen im Gebiet Odessa.

Der UN-Sicherheitsrat kommt diese Woche auf Antrag der Ukraine zu einer öffentlichen Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit in der Ukraine“ zusammen. Eine der zentralen Fragen dürfte die Gefährdung des Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer sein: Nach ukrainischen Angaben wurden im vergangenen Monat 28 Schiffe angegriffen, die Häfen im Gebiet Odessa anliefen oder verließen. (Yulia Valova)

Ukraine attackiert wieder russische Öl-Anlagen – Russland beschießt Hafen

Die Ukraine und Russland melden wieder gegenseitige Angriffe. Das ukrainische Militär attackierte in der Nacht auf Montag nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj ein russisches Öl-Exportterminal in der südlichen Grenzregion Rostow sowie Ölanlagen in den zentralrussischen Regionen Jaroslawl und Udmurtien. „Wir setzen unseren Plan für weitreichende Sanktionen um und verringern Russlands Fähigkeit, den Krieg zu finanzieren“, erklärte Selenskyj auf der Online-Plattform X mit Blick auf die Angriffe teils tief im russischen Landesinneren. Die Ukraine nimmt seit Wochen verstärkt russische Öl-Anlagen ins Visier, um eine wichtige Einnahmequelle der Führung in Moskau zur Finanzierung ihres Angriffskriegs zu schwächen. Dies führt auch zu Treibstoffengpässen in Russland.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, das russische Militär habe zwei Schiffe in der südukrainischen Hafenstadt Mykolajiw beschossen. Die Schiffe hätten Militärgüter an Bord gehabt. Die Angaben beider Seiten ließen sich von der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht unabhängig überprüfen. Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe im und um das Schwarze Meer sowie das Asowsche Meer in den vergangenen Wochen verstärkt. Beide Seiten griffen dabei zahlreiche Schiffe an, darunter Öltanker und Frachter. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Trump in der Iran-Falle: Mit Europas Ideen nicht zu lösen
Viele Deutsche warten auf einen haltbaren Frieden am Golf und Energiepreise wie vor dem Krieg. Beide Ziele sind jedoch nur durch anhaltenden militärischen Druck zu erreichen.
Bilanz des Nato-Gipfels mit Trump: Love is in the air – das müssen die Europäer nutzen
Die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kommt beim Treffen in Ankara ausnahmsweise der Allianz und der Ukraine zugute. Offen bleibt aber, wie lange auf Trumps neue Zuneigung Verlass ist.
Droht die Nato zu zerbrechen?: Diskutieren Sie mit beim „High Noon“-Expertentalk um 12 Uhr
Die USA wollen sich aus Europa zurückziehen. Droht das transatlantische Verteidigungsbündnis unter Trump zu zerbrechen? Die Tagesspiegel-Experten ordnen ein.
Bisheriger Bosnien-Verwalter Schmidt: „Der Rückhalt der USA für das Amt ist in Zukunft nicht mehr sicher“
Der Hohe Repräsentant erklärt, welche Rolle Trumps USA, der serbische Separatist Dodik und eine Gaspipeline bei seinem Rückzug spielten – und was er seinem Nachfolger rät.
Kein EU-Schutz für wehrpflichtige Ukrainer: Die Entscheidung ist menschlich hart und doch notwendig
Nach mehr als vier Jahren Krieg stellt sich die EU einem Kernwiderspruch: Wer den militärischen Erfolg der Ukraine möchte, darf ihr nicht die kämpfenden Männer entziehen.
Ukrainer geben massenhaft polnische Orden zurück: Wie ein Weltkriegsstreit wichtige Verbündete spaltet
Polen und die Ukraine stehen im Krieg gegen Russland Seite an Seite. Doch ein Streit über die Rolle der UPA im Zweiten Weltkrieg sorgt für eine diplomatische Eskalation. Warum die Erinnerung die Nachbarn entzweit.
mehr Artikel anzeigen