Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 17. Februar, 09:15 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1672
letzte Woche, 1651 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1672
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 13.2., letzte Aktualisierung: 18.2. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
939
200
91
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
631
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 13.2., letzte Aktualisierung: 18.2. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, steht bei seinem Besuch auf einem Truppenübungsplatz vor einem Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot. (Archivbild)
Selenskyj drängt auf europäische Produktion von Flugabwehrraketen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zur Stärkung seines Landes für eine europäische Flugabwehrraketenproduktion, besonders für Patriot-Systeme, ausgesprochen. „Es gab Versprechen zu Produktionslizenzen, aber Amerika hat sich nicht dazu entschlossen, obgleich wir sowohl eine Produktion in der Ukraine als auch gemeinsam mit Nato-Partnern in der Region vorgeschlagen haben“, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Er erwähnte dabei die Nachbarstaaten Rumänien und Polen. Ihm zufolge seien die aktuellen Produktionszahlen selbst mit den geplanten Erweiterungen zu gering.

Selenskyj drängt immer wieder auf eine schnellere Lieferung von vor allem Raketen für die Patriot-Flugabwehrsysteme, da diese ukrainischen Angaben nach besonders effektiv gegen russische ballistische Raketen sind. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. (dpa)

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, steht bei seinem Besuch auf einem Truppenübungsplatz vor einem Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot. (Archivbild)
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, steht bei seinem Besuch auf einem Truppenübungsplatz vor einem Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot. (Archivbild) Credit: dpa/Jens Büttner
Die Abschaltung der vom russischen Militär genutzten Starlink-Terminals hat einem Regierungsvertreter zufolge keine Auswirkungen auf die Drohneneinsätze.

Die Terminals seien seit zwei Wochen außer Betrieb, sagt der stellvertretende russische Verteidigungsminister Alexej Kriworutschko im Staatsfernsehen. Dies habe jedoch weder die Intensität noch die Effektivität der unbemannten Systeme beeinträchtigt. Die Ukraine hatte dagegen erklärt, die Abschaltung habe erhebliche Folgen für die russischen Operationen. Starlink ist ein Internetdienst von SpaceX, dem Raumfahrtunternehmen des Tesla-Chefs Elon Musk. Dieser hat von einer unzulässigen Verwendung des Dienstes durch Russland gesprochen, die unterbunden worden sei. (Reuters)

Insider: Politischer Teil der trilateralen Gespräche in Genf beendet

Der politische Teil der Gespräche zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und Russlands über ein Ende des Krieges ist einem Insider zufolge für diesen Dienstag beendet. Militärvertreter würden aber weiterhin beraten, sagt der Insider. Die trilateralen Gespräche in Genf sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. (Reuters)

Russland verabschiedet Gesetz zur Mobilfunkabschaltung

Russland weitet die Kontrolle über das Internet erheblich aus und erlaubt nun auf Forderung des Inlandsgeheimdienstes FSB die Abschaltung des Mobilfunks. Die Staatsduma in Moskau verabschiedete in einem Eilverfahren in zweiter und dritter Lesung eine Änderung des Kommunikationsgesetzes, das Mobilfunkbetreiber verpflichtet, auf Verlangen des FSB Mobilfunkverbindungen und stationäres Internet zu sperren.

Medien zufolge verschwand im letztlich verabschiedeten Text unter anderem eine Formulierung, nach der solche Entscheidungen zum Schutz der Bürger und des Staates vor Sicherheitsbedrohungen getroffen werden. Vielmehr lege die Führung nun selbst die Gründe fest. Damit könnte etwa Präsident Wladimir Putin selbst die Abschaltung des Internets im ganzen Land oder einer Region verfügen, berichteten Medien.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete, dass mit den Änderungen vor allem auch Mobilfunkanbieter aus der Verantwortung genommen werden, wenn etwa Kunden sich über die Sperren beklagen. Schon bisher wird der Mobilfunk zum Beispiel bei Drohnengefahr durch ukrainische Gegenangriffe im russischen Angriffskrieg etwa in der Nähe von Flughäfen immer wieder abgeschaltet.

Kremlchef Putin muss das Gesetz noch unterzeichnen, was als Formalie gilt – dann tritt es laut Tass zehn Tage nach Veröffentlichung in Kraft. Unter Putin, der selbst einmal Geheimdienstchef war, sind die Vollmachten des FSB stark ausgeweitet worden. Besonders gefürchtet bei Bürgern ist die Überwachung durch den Geheimdienst im Internet – etwa bei kriegskritischen Posts in sozialen Netzwerken. Die russischen Behörden haben Tausende Internetseiten gesperrt. (dpa)

Antiukrainische Provokationen als Wahlkampfinstrument Orbáns in Ungarn

Zwei Monate vor den Parlamentswahlen in Ungarn hat Ministerpräsident Viktor Orbán seine antiukrainische Rhetorik deutlich verschärft und dabei Elemente von Informationsprovokationen und Desinformation genutzt, berichtet die „Financial Times“. Mehrere staatliche Einrichtungen und Schulen, die regierungsnahe Medien als „ukrainisch“ dargestellt hätten, sollen Bombendrohungen erhalten haben.

Antiukrainische Narrative bilden dem Bericht zufolge inzwischen das Zentrum von Orbáns Wahlkampf. Er greife Argumentationslinien des Kremls auf, wonach EU-Finanzhilfen für die Ukraine den Krieg verlängerten und europäische Steuerzahler belasteten. Zugleich attackiere Orbán die Oppositionspartei Tisza-Partei und deren Vorsitzenden Péter Magyar, denen er eine zu große Nähe zu Brüssel und eine pro-ukrainische Linie vorwirft.

Sicherheitsexperten betonen der „FT“ gegenüber, dass die politische Unterstützung Moskaus für Orbán in ein breiteres Muster russischer Einflussnahme in Mittel- und Osteuropa passe. Ungarn, das wiederholt EU-Sanktionspakete abschwächte und seine Energiebeziehungen zu Russland aufrechterhielt, gilt vielen Beobachtern als wichtigster prorussischer Akteur innerhalb der EU. Vor dem Hintergrund sinkender Zustimmungswerte in traditionellen Hochburgen der Regierungspartei könnte die Eskalation der Informationskampagne zu einem entscheidenden Faktor im ungarischen Wahlkampf werden, analysiert die Zeitung. (Yulia Valova)

Update (19.15 Uhr): Tote nach Explosion in russischem Armeegebäude

Bei einer Explosion in einem Militärpolizeigebäude im Norden Russlands sind drei Menschen getötet worden. Die Leichen wurden unter den Trümmern des teilweise zerstörten Gebäudes in Sertolowo nahe St. Petersburg gefunden, wie Gouverneur Alexander Drosdenko bei Telegram mitteilte. Nach Medienberichten gibt es zudem weitere Verletzte. Die Explosion ist Zeugen zufolge kilometerweit zu hören gewesen.

Zu der Ursache wurde zunächst nichts bekannt. Es seien Ermittlungen wegen Fahrlässigkeit und eines Verstoßes gegen Brandschutzvorschriften aufgenommen worden, teilte das Ermittlungskomitee mit. In Russland kommt es regelmäßig zu Einstürzen von Gebäuden, insbesondere durch Gaslecks.

Seit dem russischen Überfall auf die benachbarte Ukraine vor knapp vier Jahren verüben ukrainische Geheimdienste regelmäßig Anschläge in Russland, vor allem auf militärische Objekte. (dpa/AFP)

Extreme Kälte erschwert Drohnenabwehr der Ukraine

So kalt war es noch nie in den vier Jahren Krieg: Temperaturen von bis zu minus 20 Grad machen nicht nur den Soldaten in der Ukraine zu schaffen, sondern auch ihren Drohnen. „Die Batterien entladen sich viel schneller, die Kameras und Kabel frieren ein“, sagt ein ukrainischer Drohnenpilot mit dem Kampfnamen Ali. Die Folgen können fatal sein. Vor Kurzem sei die Kamera einer Abfangdrohne im Flug vereist und habe deshalb einen russischen Angriff nicht vereiteln können, erzählt er.

Drohnen spielen im Ukraine-Krieg eine entscheidende Rolle. Beide Seiten setzen täglich Hunderte der günstigen, batteriebetriebenen Fluggeräte ein. Sie helfen, feindliche Stellungen zu erkunden, können aber auch gezielt mit Sprengsätzen angreifen. Die Abfangdrohnen aus dem Kunststoff Polystyrol, die die Piloten der 18. Brigade der ukrainischen Armee nahe der südlichen Front gerade starten, sehen aus wie Spielzeuge. Um elektronischen Störsignalen zu entgehen, sind einige Drohnen inzwischen durch sehr dünne Glasfaserkabel mit der Steuerung verbunden.

„Frost, tiefe Wolken, Nebel. Bei solchem Wetter ist es für eine Drohne schwierig zu fliegen. Es kann Kurzschlüsse geben, sie kann in der Luft auseinanderbrechen,“ sagte Nasarij, einer der Truppführer der Brigade. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
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Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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