Die US-Geheimdienste sollen zur Einschätzung gekommen sein, dass der russische Machthaber Präsident Wladimir Putin bereits in diesem Herbst die Nato mit einem begrenzten Angriff auf einen Mitgliedsstaat der Militärallianz provozieren könnte. Dies berichtet das „Wall Street Journal“ (WSJ). Der Zeitung zufolge waren die Dienste in Washington zuvor davon ausgegangen, dass ein Angriff auf einen Verbündeten nicht erfolgen würde, solange Russland mit seinem Krieg in der Ukraine beschäftigt ist.
Die neu gewonnene Einschätzung der US-Geheimdienste deckt sich nun mit ähnlichen Warnungen aus europäischen Staaten in den vergangenen Monaten. So hatte der Inspekteur des Heeres der Bundeswehr, Generalleutnant Christian Freuding, im Juni gewarnt, dass Russland innerhalb der nächsten drei Jahre möglicherweise über die Fähigkeiten verfügen könnte, Nato-Staaten anzugreifen.
Dem WSJ zufolge glauben US-Beamte jetzt, dass ein groß angelegter Angriff mit hybrider Kriegsführung oder sogar ein begrenztes Eindringen in Nato-Gebiet zwischen dem Herbst dieses Jahres und 2029 erfolgen könnte. Der jüngste Geheimdienstbericht wird inmitten von Warnungen europäischer Länder publik, dass Russland möglicherweise auch versuchen könnte, Angriffe nach dem Muster von „False Flag“-Operationen durchzuführen, bei denen in der Ukraine hergestellte Drohnen eingesetzt werden, um kritische Infrastruktur im Baltikum anzugreifen.
„Der Kreml, Putin, braucht eine neue Eskalation, irgendeine Art von neuem Sieg, und in diesem Fall sind die baltische Region und Polen die nächstgelegenen Ziele“, hatte Litauens Verteidigungsminister Robert Kaunas am Donnerstag gesagt. Auch er bezog sich auf neue Erkenntnisse von den Geheimdiensten.
Unter Berufung auf nicht namentlich genannte US-Beamte berichtete das WSJ, dass die jüngsten ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur und minimale Geländegewinne auf dem Schlachtfeld Putin dazu bringen könnten, zu versuchen, einen Erfolg gegen die Nato vorzeigen zu können. Der Angriff würde demnach wahrscheinlich die Ostflanke der Allianz zum Ziel haben, um die Verpflichtungen der Nato nach Artikel 5 zu testen – die sogenannte Beistandsklausel.
