Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 09. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1736
letzte Woche, 1805 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1736
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 29.5., letzte Aktualisierung: 9.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1066
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
503
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 29.5., letzte Aktualisierung: 9.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Wie Nordkorea durch den Ukraine-Krieg profitiert haben könnte

Nordkorea könnte durch seine militärische Zusammenarbeit mit Russland im Krieg gegen die Ukraine Einnahmen von bis zu 12,6 Milliarden Euro erzielt haben. Zu dieser Einschätzung kommt das südkoreanische Institute for National Security Strategy (INSS), das mit dem nationalen Geheimdienst des Landes verbunden ist, berichtet das US-amerikanische Portal „NK News“.

Dem Bericht zufolge profitiert Pjöngjang von Lieferungen von Artilleriemunition, ballistischen Raketen und der Entsendung nordkoreanischer Soldaten. Ein erheblicher Teil der Gegenleistungen erfolge nicht nur in Form von Geldzahlungen, sondern auch durch den Transfer militärischer Technologien, Energieressourcen und weiterer technischer Unterstützung.

Analysten zufolge haben diese Ressourcen zum Wirtschaftswachstum Nordkoreas sowie zu umfangreichen Bauprojekten in der Hauptstadt Pjöngjang beigetragen. Außerhalb der Hauptstadt lebt jedoch weiterhin ein Großteil der Bevölkerung in Armut und hat nur begrenzten Zugang zu grundlegenden Gütern. (Yulia Valova)

Institut schlägt Strafzoll auf Russland-Handel vor

Wirtschaftsforscher schlagen einen Strafzoll auf den verbliebenen Handel zwischen der EU und Russland vor. Mit den Einnahmen daraus solle die Ukraine unterstützt und der Druck auf die Regierung in Moskau erhöht werden, wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Dienstag mitteilte. Ein solcher „Ukraine-Unterstützungszoll“ könne jährlich zwischen elf und 16 Milliarden Euro einbringen.

„Die zentrale Idee ist ganz einfach: Solange Handel mit Russland stattfindet, sollte Europa ihn zur Unterstützung der Ukraine nutzen“, sagte der Leiter der Forschungsgruppe Handelspolitik am IfW, Julian Hinz. Vorgeschlagen wird, diesen Handel mit Zollsätzen von 30 bis 50 Prozent zu belasten. Ein Importzoll auf EU-Einfuhren aus Russland könne mit einer Abgabe auf EU-Exporte nach Russland ergänzt werden. Im vergangenen Jahr belief sich der Handel zwischen der EU und Russland auf 57,2 Milliarden Euro – trotz vieler westlicher Sanktionen seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022.

Die Einnahmen könnten zur Finanzierung der militärischen Verteidigung, des Wiederaufbaus und für humanitäre Hilfe in der Ukraine beitragen, schlägt das IfW vor. Selbst die niedrigeren Schätzungen würden die erwarteten rund drei Milliarden Euro jährlich aus Zinserträgen eingefrorener russischer Staatsvermögen deutlich übertreffen. Die EU könnte damit ihre bisherigen Hilfszusagen von durchschnittlich rund 70 Milliarden Euro pro Jahr spürbar ausweiten.

„Die Politik bekäme damit ein flexibles Instrument an die Hand“, sagte IfW-Präsident Moritz Schularick. „Die Zollsätze könnten beispielsweise im Rahmen einer Verhandlungslösung wieder sinken.“ Die Sorge, der Zoll könnte vor allem Verbraucher oder Unternehmen in der EU treffen, hält das IfW für unbegründet. Unternehmen hätten seit Kriegsausbruch im Februar 2022 ausreichend Zeit gehabt, ihre Lieferketten neu auszurichten.

Aus politischer Sicht sei insbesondere der Importzoll rechtlich leichter umsetzbar, da er auf bestehenden EU-Handelsregeln fußen könne. Die verbleibenden Handelsströme zeigten, dass Europa noch immer einen wichtigen Hebel ungenutzt lasse. „Dies ist eine verpasste strategische Chance“, sagte Schularick. (Reuters)

Kampfdrohne, vermutlich vom Typ Shahed 136 iranischer Bauart (Symbolbild)
Ukraine will Kampf gegen „Shahed“-Drohnen automatisieren

Die Ukraine will Abfangdrohnen weitestgehend autonom gegen russische Kampfdrohnen des Typs Shahed einsetzen, teilte der ukrainische Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, mit.

Ein neu entwickeltes System soll etwa 95 Prozent des gesamten Abfangprozesses autonom ausführen. Nachdem ein Operator ein Ziel ausgewählt und den Angriff freigegeben habe, verfolge, identifiziere und bekämpfe die Drohne das Ziel selbstständig, hieß es. Laut Fedorow wurde die Technologie bereits erfolgreich unter Gefechtsbedingungen in der Region Charkiw getestet. Die Ukraine betrachtet autonome Systeme als einen der wichtigsten Entwicklungsbereiche der Luftverteidigung angesichts der zunehmenden russischen Drohnenangriffe. (Yulia Valova)

Kampfdrohne, vermutlich vom Typ Shahed 136 iranischer Bauart (Symbolbild)
Kampfdrohne, vermutlich vom Typ Shahed 136 iranischer Bauart (Symbolbild) Credit: dpa/AP/Efrem Lukatsky
Ukrainische Grenzschützer greifen offenbar Kämpfer aus Burundi auf

Ukrainische Grenzschützer haben eigenen Angaben zufolge einen Staatsbürger aus Burundi gefangen genommen, der auf russischer Seite in Donezk gekämpft haben soll. Der ausländische Söldner sei aufgegriffen worden, nachdem seine Einheit im Gefecht auseinandergerissen worden war, teilte der Staatliche Grenzschutzdienst der Ukraine mit. Der Gefangene habe mehrere Tage ohne Nahrung und Wasser verbracht und seine Teilnahme am Krieg mit schwierigen Lebensumständen begründet.

Burundi ist ein Staat in Ostafrika. Der Gefangene ist einer der wenigen bekannten Bürger dieses Landes, die aufseiten der russischen Streitkräfte in der Ukraine gekämpft haben sollen. (Yulia Valova)

Ukraine zielt auf Straßenverbindung zur Krim

Die ukrainische Armee attackiert weiter eine wichtige Straßenverbindung auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim. Die Brücke von Tschonhar sei die zweite Nacht in Folge durch Drohnenangriffe beschädigt worden, teilte der Chef der russischen Besatzungsverwaltung im Gebiet Cherson, Wladimir Saldo, auf Telegram mit. Die Brücke sei für den Verkehr gesperrt. Saldo riet Autofahrern, auf die längere Straße über Perekop auszuweichen.

Die Angriffe auf die Brücke zählen zu einer seit Mai laufenden Operation der Ukrainer, die für Russland militärisch bedeutende Krim abzuriegeln. Die russische Armee nutzt die Halbinsel für Luftangriffe auf ukrainisches Gebiet und zur Versorgung ihrer Einheiten in der Südukraine. Allerdings ist die Krim nur über drei Straßen erreichbar – die Strecken über Perekop und Tschonhar im Norden sowie über die neu gebaute Brücke von Kertsch im Osten.

Krim von Treibstoffnachschub abgeschnitten
Für Treibstofftransporte per Bahn oder Lastwagen ist die Brücke von Kertsch allerdings zu unsicher. Mehrere Fähren, die von Russland zur Krim kursierten, hat die Ukraine ausgeschaltet. Moskau hat entlang des Asowschen Meeres eine neue Straße zur Versorgung der Krim gebaut. Doch auch dort spüren ukrainische Drohnen mittlerer Reichweite Militär- und Treibstoff-Lkws auf und zerstören sie. Auf der 2014 annektierten Halbinsel, die für Russland zugleich ein wichtiges Feriengebiet ist, musste Treibstoff bereits rationiert worden. (dpa)

Russland: Sind mit Belarus notfalls zu Atomwaffeneinsatz bereit

Russland und Belarus sind zur Gewährleistung ihrer Sicherheit nach russischen Angaben jederzeit bereit, alle verfügbaren Mittel einschließlich Atomwaffen einzusetzen. Dies sagt der russische Vize-Außenminister Michail Galusin der Zeitung „Iswestija“.

Russland unterhalte eine militärische Präsenz in Belarus und beide Länder nähmen regelmäßig gemeinsame Bereitschaftsprüfungen vor, erklärte er weiter. „Wir sind jederzeit bereit, alle Mittel, einschließlich nuklearer, einzusetzen, um die Sicherheit des (aus beiden Ländern bestehenden) Unionsstaates zu gewährleisten.“ (Reuters)

Dieses vom staatlichen Rettungsdienst der Ukraine am 9. Juni 2026 aufgenommene und veröffentlichte Bild zeigt Rauch, der nach russischen Angriffen in der Region Charkiw aufsteigt.
Update (9.20 Uhr): Offenbar vier Tote und 20 Verletzte bei Angriffen auf Region Charkiw

Bei russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die ukrainische Region Charkiw wurden nach Behördenangaben vier Menschen getötet und mehr als 20 weitere verletzt. Zuvor war von drei Toten die Rede gewesen. Alle vier – drei Frauen und ein Mann – kamen nach Angaben des regionalen Gouverneurs Oleh Synjehubow in der Stadt Tschuhujiw ums Leben. Sechs weitere seien dort verletzt worden, teilt die Bürgermeisterin der Stadt über den Kurznachrichtendienst Telegram mit.

„Die Angriffe haben Brände ausgelöst und mindestens 18 Fahrzeuge beschädigt“, fügte er hinzu. Zudem seien mehrere Wohngebäude beschädigt worden. Bei einem nächtlichen Drohnenangriff auf die Regionalhauptstadt Charkiw hätten zudem 15 Menschen medizinische Hilfe benötigt. Die ukrainische Luftwaffe ortete bis zum Morgen 168 russische Drohnen und Raketen, von denen 148 abgewehrt worden seien. Unterdessen meldet die von Russland annektierte Halbinsel Krim die Abwehr von Drohnenangriffen. (Reuters/AFP/dpa)

Dieses vom staatlichen Rettungsdienst der Ukraine am 9. Juni 2026 aufgenommene und veröffentlichte Bild zeigt Rauch, der nach russischen Angriffen in der Region Charkiw aufsteigt.
Dieses vom staatlichen Rettungsdienst der Ukraine am 9. Juni 2026 aufgenommene und veröffentlichte Bild zeigt Rauch, der nach russischen Angriffen in der Region Charkiw aufsteigt. Credit: AFP PHOTO / STAATLICHER RETTUNGSDIENST DER UKRAINE

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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