Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 11. Mai, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1749
letzte Woche, 1642 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1749
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 1.5., letzte Aktualisierung: 6.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1139
200
117
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
481
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 1.5., letzte Aktualisierung: 6.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Finnlands Präsident: „Zeit, Gespräche mit Russland aufzunehmen"

Finnlands Präsident Alexander Stubb hat direkte Gespräche Europas mit Russland ins Spiel gebracht. „Es ist Zeit, Gespräche mit Russland aufzunehmen. Wann es dazu kommen wird, weiß ich nicht“, sagte er der italienischen Zeitung Corriere della Sera.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs hätten bereits darüber gesprochen, wer einen möglichen Kontakt zu Moskau herstellen könnte. „Wir wissen es noch nicht.“ Das Format sei noch offen. Entscheidend sei zunächst die Abstimmung zwischen den europäischen Partnern, insbesondere Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Polen sowie den nordischen und baltischen Staaten mit Grenze zu Russland. „Ob es dann ein Sonderbeauftragter oder eine Gruppe von Staats- und Regierungschefs sein wird, werden wir sehen“, sagte Stubb.

Für den weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs sieht der finnische Präsident drei mögliche Szenarien: Der Krieg gehe weiter, es komme zunächst zu einer Waffenruhe und später zu einer Friedensvereinbarung – oder eine der beiden Seiten kollabiere, „wahrscheinlich Russland“. Einen Frieden noch in diesem Jahr hält Stubb allerdings für unwahrscheinlich: „Ich glaube, dass die Möglichkeit eines Friedens zumindest für dieses Jahr nicht auf dem Tisch liegt.“ (dpa)

Verteidigungsminister Pistoriu (r.) und der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Federow am montag in Kiew.
Pistorius: Putins Reden von Kriegsende vermutlich Täuschungsmanöver
Verteidigungsminister Pistoriu (r.) und der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Federow am montag in Kiew.
Verteidigungsminister Pistoriu (r.) und der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Federow am montag in Kiew. Credit: AFP

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat die jüngsten Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin über ein angeblich nahendes Ende des Ukraine-Krieges als mögliches Täuschungsmanöver bezeichnet.

„Wenn er denn das Ende dieses Krieges aufziehen sieht, dann könnte er diesen Krieg ja auch einfach beenden“, sagte der SPD-Politiker am Montag bei einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Putin könne dies tun, indem er seine Truppen abziehe oder zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen einlade. Stattdessen stelle er jedoch wie immer Bedingungen. „Ich hoffe, dass ich mich irre, dass es wieder mal ein weiteres Täuschungsmanöver ist, aber ausgeschlossen ist das eben nicht“, erklärte Pistorius. Er vermute, dass Putin mit seinem Vorgehen von eigener Schwäche ablenken wolle, da seine Armee derzeit kaum Geländegewinne vorweisen könne.

Putin hatte am Samstag nach der Militärparade in Moskau zum „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder als bevorzugten Vermittler für Gespräche mit der Europäischen Union ins Spiel gebracht.

Gerade weil Putin in der Öffentlichkeit täusche und trickse, müsse die Ukraine weiter militärisch gestärkt werden, betonte Pistorius. Mit der ukrainischen Seite seien daher weitere Kooperationen bei der Entwicklung und Produktion von Drohnen beschlossen worden. Dies sei nötig, um das Land für den Zeitpunkt von Verhandlungen in eine starke Position zu bringen.

Zudem müsse deutlich gemacht werden, dass sich die Ukraine erfolgreich zur Wehr setzen könne, sagte der Minister. Pistorius verwies auf die Vergangenheit, in der Putin bei Verhandlungen „mit gezinkten Karten gespielt“ oder Absprachen gebrochen habe. So sei auch die jüngste, angeblich dreitägige Waffenruhe gebrochen worden. „Dabei liegt es an Putin, diesen Krieg und den Terror zu beenden“, sagte Pistorius. (Reuters)

Ukraine meldet erneut russische Angriffe trotz Waffenruhe

Trotz der von den USA vermittelten Waffenruhe hat die Ukraine erneut russischen Drohnenangriffen und Gefechte an der Front gemeldet. In der südöstlichen Region Saporischschja sei ein Mensch getötet und zwei weitere seien verletzt worden, teilt der dortige Gouverneur mit.

In Cherson habe es zwei Tote und zwei Verletzte gegeben. Drei Menschen seien in der Region Mykolajiw verletzt worden, fünf in Charkiw und vier in Donezk, heißt es von den örtlichen Behörden weiter. Der ukrainische Generalstab registrierte nach eigenen Angaben in den vergangenen 24 Stunden 180 Gefechte entlang der Frontlinie.

Zudem hätten russische Truppen am Sonntag 8037 sogenannte Kamikaze-Drohnen gegen Siedlungen und militärische Stellungen eingesetzt. Eine Stellungnahme Moskaus lag zunächst nicht vor.

Bereits am Sonntag hatten sich beide Seiten gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vorgeworfen, die auf US-Vermittlung von Samstag bis Montag verkündet worden war. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Russland habe zwar auf großangelegte Luft- und Raketenangriffe verzichtet, die Bodenangriffe an Teilen der Front jedoch fortgesetzt. (Reuters)

Lehren aus dem Ukraine-Krieg: Rheinmetall und Telekom entwickeln Abwehrsystem gegen Drohnen

Der Ukraine-Krieg zeigt, wie wichtig Drohnen für Angriffe auf militärische und zivile Ziele geworden sind. Nun wollen Rheinmetall und die Deutsche Telekom gemeinsam einen Drohnen-Abwehrschirm für kritische Infrastruktur in Deutschland entwickeln.

Das System soll feindliche Drohnen früh erkennen und sie anschließend durch Störsignale, Abfangdrohnen oder möglicherweise Laser stoppen. Flugabwehrkanonen sollen dabei nicht eingesetzt werden. Die Telekom bringt ihre Erfahrung mit Mobilfunknetzen, Cloud und Datenanalyse ein, Rheinmetall Sensorik und Abwehrtechnik.

Hintergrund ist auch, dass Drohnen sich nicht mehr nur per Fernsteuerung in Sichtweite lenken, sondern zunehmend über Mobilfunknetze und das Internet. Die Telekom erforscht deshalb mit der Bundeswehr-Universität Hamburg, wie solche Fluggeräte über Auffälligkeiten im Datenverkehr erkannt werden können. (dpa)

Neue Maßnahmen Anfang Juli: EU bereitet nächstes Sanktionspaket gegen Russland vor

Die Europäische Union arbeitet an einem 21. Sanktionspaket gegen Russland. Die neuen Maßnahmen könnten dem Bericht zufolge Ende Juni oder Anfang Juli beschlossen werden. Darüber berichtet Politico.

Im Mittelpunkt stehen demnach weitere Einschränkungen gegen die sogenannte russische „Schattenflotte“ aus Tankern, die für den Export russischen Öls genutzt werden. Zudem sollen Banken, Militärunternehmen und Firmen betroffen sein, denen der Handel mit aus der Ukraine entwendetem Getreide vorgeworfen wird.

„Das ist wirklich der Moment, den Druck zu erhöhen, weil Russland sich in einer schwierigen Lage befindet“, sagte dem Bericht zufolge ein hochrangiger EU-Beamter.

Nach Angaben von Politico könnten die neuen Sanktionen auch Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche betreffen, darunter Patriarch Kirill. Entsprechende Maßnahmen waren zuvor von Ungarn blockiert worden. Nach dem Regierungswechsel in Budapest sehen EU-Vertreter nun offenbar bessere Chancen für eine Einigung. (Valeriia Semeniuk)

Ukraine wirft Russland gezieltes Umlenken von Drohnen ins Baltikum vor

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha macht Russland für jüngste Drohnenvorfälle in Lettland verantwortlich. Untersuchungen hätten ergeben, dass russische elektronische Kampfführung ukrainische Drohnen gezielt von ihren Zielen in Russland abgelenkt habe, schrieb Sybiha auf X. Die Vorfälle seien „das Ergebnis russischer elektronischer Kampfführung“ gewesen, die ukrainische Drohnen absichtlich umgeleitet habe.

Die Sicherheitslage im baltischen Luftraum hatte sich zuletzt verschärft. In der Nacht zum 7. Mai waren nach ukrainischen Angaben mehrere russische Drohnen nach Lettland eingedrungen; eine traf demnach ein Öllager in der Stadt Rēzekne. Nach dem Vorfall trat Lettlands Verteidigungsminister Andris Spruds zurück. Ministerpräsidentin Evika Silina hatte zuvor erklärt, die lettischen Luftabwehrsysteme seien nicht schnell genug eingesetzt worden.

Nach einem Gespräch mit seiner lettischen Kollegin Baiba Braže erklärte Sybiha, die Ukraine sei bereit, mit den baltischen Staaten und Finnland zusammenzuarbeiten, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern. Dazu könne auch die direkte Beteiligung ukrainischer Spezialisten gehören. (Tsp)

Putin bringt Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel. Was ist von dem Vorstoß zu halten? Die Einschätzung des Militärexperten Nico Lange:

Nico Lange (@nicolange.bsky.social)
Putin spielt mit Deutschland und macht sich gleichzeitig darüber lustig. Dass nach 26 Jahren Putin, 12 Jahren Krieg gegen die Ukraine, endlosen Lügen, Manipulationen und hybriden Angriffen so viele losrennen, wenn er etwas sagt, ist beschämend.
Bluesky Social
https://bsky.app/profile/nicolange.bsky.social/post/3mljfd5xcl22i

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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