Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 27. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Wadephul will von Putin Zeichen der Verhandlungsbereitschaft

Außenminister Johann Wadephul fordert vom russischen Präsidenten Wladimir Putin nach dessen Einladung zum G20-Gipfel in den USA Zeichen der Verhandlungsbereitschaft. Putin müsse „beweisen, ob es eine Friedensbereitschaft, eine Verhandlungsbereitschaft auf russischer Seite gibt“, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem slowakischen Kollegen Juraj Blanar in der Hauptstadt Bratislava. „Das unterstreicht man natürlich am besten dadurch, dass man von vornherein Schritte in diese Richtung macht.“

Der Bundesaußenminister war gefragt worden, ob er dafür sei, die Teilnahme Putins am G20-Treffen in Florida im Dezember davon abhängig zu machen, dass Moskau einer Teilwaffenruhe im Schwarzen Meer zustimmt, um den Weg für Getreideexporte aus der Ukraine freizumachen. Dieser Exportweg ist wegen des andauernden russischen Angriffskriegs auf die Ukraine blockiert.

Die Einladung an Putin zum G20-Gipfel sei ein Lackmustest für Russland, betonte Wadephul. Verhandlungsbereitschaft könne Moskau am besten dadurch unterstreichen, „dass man von vornherein Schritte in diese Richtung macht“ – etwa durch einen Waffenstillstand für das Schwarze Meer, „der die dringend benötigten Getreideexporte ermöglichte“. (dpa)

Tusk warnt vor Dauerangriffen an der Grenze zu Polen

Polens Regierungschef Donald Tusk hält russische Angriffe in der ukrainischen Grenzregion zu seinem Land mittlerweile für einen Dauerzustand. Jede Nacht würden Kampfjets der polnischen Luftwaffe aufsteigen, da die Attacken Russlands in dieser Region einen „permanenten Charakter“ angenommen hätten, sagte Tusk in Warschau vor einer Kabinettssitzung. Seinem Land stehen schwierige Wochen und Monate bevor.

Am Montag hatte es polnischen Regierungsangaben zufolge auf ukrainischem Gebiet erneut eine Drohnenattacke unweit von dem Grenzübergang Dorohusk-Jahodyn gegeben. Bei dem Angriff beschädigte die Drohne mit ihrer Druckwelle nach ukrainischen Informationen ein Gebäude der Grenzkontrollstelle. (dpa)

Der Nato-Generalsekretär Mark Rutte
Nato-Chef will Ukraine noch mehr unterstützen
Der Nato-Generalsekretär Mark Rutte
Omar Havana/AP/dpa

Die Nato wird sich nach Angaben ihres Generalsekretärs Mark Rutte von Russland nicht davon abbringen lassen, die Ukraine weiter zu unterstützen. „Russland setzt seine rücksichtslose Kampagne feindseliger Handlungen gegen die Nato fort“, sagt Rutte vor Journalisten in Brüssel.

„Es versucht, unsere Entschlossenheit zu schwächen und unsere Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Aber das wird nicht gelingen … Unsere Botschaft an Moskau ist klar: Wir werden noch mehr für die Ukraine tun, nicht weniger.“ (Reuters)

Russischer Geheimdienst soll Anschlag estnische Rüstungsschmiede beauftragt haben

Der Brand in einem Gebäude des estnischen Rüstungsunternehmens Milrem Robotics in Tallinn war nach Erkenntnissen des estnischen Inlandsgeheimdienstes ISS ein gezielter Sabotageakt im Auftrag russischer Geheimdienste. Das berichtet der estnische öffentlich-rechtliche Sender ERR unter Berufung auf die Regierung in Tallinn.

„Heute können wir mit voller Gewissheit sagen, dass der Brandanschlag auf Milrem in Estland in der Nacht zum 15. August ein Sabotageakt war, der von den Geheimdiensten der Russischen Föderation in Auftrag gegeben wurde“, erklärte Ministerpräsident Kristen Michal.

Nach Angaben der estnischen Behörden ist der Vorfall Teil einer breiteren russischen Sabotagekampagne in Europa. Diese ziele darauf ab, europäische Staaten einzuschüchtern und ihre Unterstützung für die Ukraine zu verringern. Milrem Robotics entwickelt unbemannte militärische Bodenfahrzeuge. Das Unternehmen liefert unter anderem Systeme vom Typ THeMIS an die Ukraine.

Drei mutmaßliche Täter wurden bereits im August in Lettland festgenommen und später nach Estland ausgeliefert. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen des Anschlags dauern an.

Militärblogger machen falsche Lageberichte für ukrainische Erfolge verantwortlich

Russische Militärblogger führen die Erfolge der ukrainischen Operation „Vivaldi“ auch auf falsche Meldungen innerhalb der eigenen Armee zurück. Wie das Institute for the Study of War (ISW) in seinem Bericht vom 28. September schreibt, beklagte der Blogger „Starsche Eddy“, dass Berichte über ukrainische Geländegewinne nicht an die russische Führung weitergegeben worden seien. Dies habe die Planung und die Entsendung von Verstärkung erschwert. Die ukrainischen Streitkräfte hätten diese Informationslücke ausgenutzt.

Der Militärblog „Dwa Majora“ sieht zudem ein Problem für die russische Propaganda: Während Staatsmedien die ukrainische Verteidigung als kurz vor dem Zusammenbruch darstellen, muss die Führung nun ukrainische Erfolge erklären. Nach Einschätzung des ISW verschlechtern geschönte Frontberichte das Lagebild der russischen Kommandeure und erschweren ihnen die Abwehr ukrainischer Angriffe.

Der ISW-Bericht nennt auch Einzelheiten zur ukrainischen Taktik. Nach Angaben des Kommandeurs des Dritten Armeekorps, Andrij Bilezkyj, täuschten ukrainische Einheiten einen Vorstoß von Schandryholowe in Richtung Selena Dolyna vor. Damit lenkten sie russische Kräfte vom eigentlichen Angriffsziel, dem Ort Nowe, ab.

Zum Durchbrechen befestigter Stellungen setzten sie zudem mit Sprengstoff beladene, umgebaute Schützenpanzer vom Typ BTR-80 ein. Dass diese sich den Stellungen ohne russische Drohnenangriffe nähern konnten, deutet laut ISW darauf hin, dass die russische Drohnenabwehr in diesem Abschnitt neutralisiert oder anderweitig ausgeschaltet worden war.

Ukraine fängt alle Raketen mit ballistischer Flugbahn ab

Die ukrainische Luftabwehr hat in der Nacht zum 29. September alle drei von Russland eingesetzten Raketen abgefangen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe handelte es sich um zwei ballistische Raketen vom Typ „Iskander-M“/S-400 sowie um eine hyperschallschnelle Anti-Schiffs-Marschflugrakete vom Typ „Zirkon“/„Oniks“.

Der Leiter der Kommunikationsabteilung der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, bestätigte gegenüber NV, dass alle drei Raketen neutralisiert wurden. Er erklärte, dass auch die „Zirkon“ beim Anflug auf ihr Ziel einer ballistischen Flugbahn folgt. Für ihren Abschuss seien deshalb Systeme erforderlich, die ballistische Ziele bekämpfen können – darunter Patriot.

Der vollständige Abschuss ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Ukraine in den vergangenen Monaten wiederholt Schwierigkeiten bei der Abwehr russischer Ballistik hatte.

Kyjiw erwartet bis zu 300.000 zusätzliche russische Soldaten an der Front

Russland könnte bis Ende 2026 rund 300.000 weitere Menschen mobilisieren und in den Krieg gegen die Ukraine schicken. Mit einem deutlichen Anstieg der russischen Truppenstärke an der Front rechnet Robert Browdi, Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, bereits im Oktober. Diese Einschätzung erneuerte der unter dem Rufnamen „Madjar“ bekannte Offizier in einem Interview von "The Telegraph". Es handelt sich um seine Prognose, nicht um einen von Russland angekündigten Mobilisierungsplan.

Browdi zufolge ergänzt Russland seine Streitkräfte bereits durch eine verdeckte Mobilisierung. Er geht davon aus, dass der Kreml die Einberufungen ausweiten und Männer mit nur geringer Ausbildung rasch an die Front schicken könnte. Bisher habe Russland für den Krieg vor allem bezahlte Vertragssoldaten angeworben.

Eine solche Verstärkung wäre für die ukrainischen Streitkräfte eine erhebliche Herausforderung, sagte Browdi. Sie hätten sich jedoch auf dieses Szenario vorbereitet. Sollten die neuen Soldaten ohne ausreichende Ausbildung in den Kampf geschickt werden, erwartet der Kommandeur zudem steigende russische Verluste.

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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