Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 22. Juli, 09:05 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1957
letzte Woche, 1947 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1957
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 17.7., letzte Aktualisierung: 22.7. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1209
200
161
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
578
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 17.7., letzte Aktualisierung: 22.7. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Lawrow kündigt Treffen mit Rubio am Donnerstag in Manila an

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wird sich noch diese Woche mit seinem US-Kollegen Marco Rubio treffen. Lawrow kündigte ein Treffen mit Rubio am Donnerstag in Manila an, bei dem die Kriege in der Ukraine und im Iran im Mittelpunkt stehen dürften. In der philippinischen Hauptstadt findet derzeit das Asean-Außenministertreffen statt, an dem beide teilnehmen.

„Das Treffen wird auf jeden Fall nützlich sein“, sagte Lawrow am Mittwoch zu Reportern. „Es ist gut, Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten.“

Das Treffen wird auf jeden Fall nützlich sein.Sergej Lawrow, Außenminister Russland
Entlassener ukrainischer Armeechef: Mehr als 700 Quadratkilometer zurückerobert

Der scheidende Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Olexander Syrskyj, sieht Kiew in der Offensive im Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. „Ich übergebe meinem Nachfolger eine Armee, die nicht nur die Verteidigung hält, sondern sich auch im Offensivmodus befindet – mit Initiative, mit Struktur und mit Menschen, die wissen, wie man den Feind besiegt“, teilte Syrskyj in einem Abschiedsschreiben in seinem Telegram-Kanal mit.

Präsident Wolodymyr Selenskyj überträgt dem 43 Jahre alten Generalmajor Mychajlo Drapatyj die Führung der ukrainischen Streitkräfte. Der Kommandowechsel ist das Ergebnis von tagelangen Demonstrationen gegen die Entlassung von Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister. Selenskyj reagierte auf die Proteste, bei denen überwiegend junge Ukrainer Syrskyjs Entlassung gefordert hatten. Fedorow hatte zuvor von einem Streit mit Syrskyj über die Ausrichtung der Streitkräfte gesprochen.

Syrskyj hatte sich bei Fedorow entschuldigt und schrieb nun, dass er hoffe, dass die Offensive unter neuer Führung fortgesetzt werde. „Alles dafür ist vorhanden“, schrieb er. „In diesem Jahr wurden unter meinem Kommando 743 Quadratkilometer unseres Landes befreit.“ Unter seiner Führung sei auch die Armee von Grund auf verändert worden, sagte er. Zwar verzeichneten ukrainische Militärbeobachter auch kleinere taktische Erfolge für die ukrainische Armee, doch sind den Beobachtern des Portals „DeepStateMap“ nach seit Jahresbeginn fast 800 Quadratkilometer verloren gegangen.

Der General machte deutlich, dass es ihm selbst nicht um Posten gehe. „Meine Aufgabe ist der Krieg“, erklärte er. „In welcher Position ich auch immer sein mag, ich werde der Ukraine bis zum Sieg dienen.“ So sei unter seiner Leitung auch erstmals Drohnenstreitkräfte gegründet worden, die dem Feind keine sicheren Rückzugsgebiete mehr ließen. Das Land habe eine eigene Flugabwehr aufgebaut, führte er in einer ausführlichen Bilanz auf.

„Lange Zeit hat man versucht, uns einzureden, dass die Ukrainer nicht in der Lage seien, Krieg zu führen“, sagte der aus Russland stammende Syrskyj. „Wir haben bewiesen, dass das nicht stimmt. Die Ukraine wird von einem heldenhaften Volk verteidigt.“

Russland überzieht das Land seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Seine Kriegsziele hat Moskau bisher nicht erreicht. (dpa)

Ich übergebe meinem Nachfolger eine Armee, die nicht nur die Verteidigung hält, sondern sich auch im Offensivmodus befindet.Olexander Syrskyj, scheidende Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte
Größter Online-Händler Russlands: Erneut Lagerhallen angegriffen

Der größte russische Online-Händler Wildberries ist nach eigenen Angaben erneut angegriffen worden. Ziel seien die Lagerhallen in den Städten Krasnodar und Newinnomyssk gewesen. Mehrere Menschen seien verletzt worden, teilte Unternehmenschefin Tatjana Kim mit.

Am Samstag waren bei ukrainischen Drohnenangriffen nach russischen Angaben ebenfalls Wildberries-Lagerhallen getroffen worden. Dabei seien acht Mitarbeiter getötet und Brände ausgelöst worden, was zu Störungen im Betrieb geführt habe. Wildberries wird oft als Russlands Amazon bezeichnet. (Reuters)

Selenskyj entlässt nach Protesten auch Oberbefehlshaber Syrskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach tagelangem Druck von Demonstranten Armeechef Olexander Syrskyj entlassen. Neuer Oberbefehlshaber werde Mychajlo Drapatyj, teilte Selenskyj auf Telegram mit. 

Zuvor hatte es einen Machtkampf zwischen Syrskyj und Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow gegeben. Selenskyj hatte bei einer größeren Regierungsumbildung den erst seit einem halben Jahr amtierenden Fedorow aus dem Kabinett entfernt. Der 35 Jahre alte Minister gilt als Reformer, der das Beschaffungswesen für die Armee verändert hat und der stark auf Technisierung und Digitalisierung der ukrainischen Verteidigung setzt. Er lag mit dem deutlich erfahrenen und altmodischeren Syrskyj im Dauerstreit. 

Fedorow war in der Bevölkerung sehr beliebt. Seine Absetzung sorgte für große Proteste, wobei sich der Groll zunehmend gegen Syrskyj richtete. (dpa)

UN-Bericht: Sprunghafter Anstieg der Zahl ziviler Opfer in Ukraine

In der Ukraine ist die Zahl der Verletzten und Toten unter der Zivilbevölkerung den Vereinten Nationen (UN) zufolge deutlich gestiegen. Im ersten Halbjahr seien es über ein Drittel mehr gewesen als im Vorjahreszeitraum, teilte das UN-Menschenrechtsbüro am Dienstag mit. Als Grund dafür nannte es die drastische Zunahme von Drohnenangriffen.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres seien insgesamt 1396 Tote und 7978 Verletzte dokumentiert worden, teilte die UN-Einrichtung mit. Das entspreche einem Anstieg um 37 Prozent gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr und fast einer Verdopplung gegenüber 2024. Zwischen Januar und Juni 2026 seien 418 Menschen bei Drohnenangriffen mit kurzer Reichweite getötet und 2437 verletzt worden. Im Vergleich dazu wurden im Vorjahreszeitraum 218 Menschen getötet und 1511 verletzt. (Reuters)

Ukraine: Mindestens drei Tote bei russischem Angriff auf Saporischschja

Bei einem russischen Angriff mit einer gelenkten Fliegerbombe auf die südukrainische Stadt Saporischschja werden nach Angaben der regionalen Behörden mindestens drei Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt. Sieben Stockwerke eines neunstöckigen Wohnhauses stehen in Flammen, teilt die Militärverwaltung auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Russland setzt in Frontnähe häufig derartige Bomben ein. Die Regierung in Moskau bestreitet, gezielt Zivilisten anzugreifen. (Reuters)

Ein Mitarbeiter betankt Autos an einer Rosneft-Tankstelle in Moskau.
Insider: Russland sichert Moskaus Benzin-Versorgung mit Lieferungen aus Sibirien
Ein Mitarbeiter betankt Autos an einer Rosneft-Tankstelle in Moskau.
Pavel Bednyakov/AP/dpa

Russland stabilisiert die Treibstoffversorgung in der Region Moskau mit umgeleiteten Lieferungen aus Sibirien und verstärkten Importen aus Belarus. Damit reagieren die Behörden auf Engpässe bei Benzin und Diesel, die durch ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien im ganzen Land verursacht wurden, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters mitteilten.

Während sich die Lage in der politisch und wirtschaftlich wichtigsten Region des Landes damit entspannt hat, sind andere Teile Russlands weiterhin von Kraftstoffknappheit betroffen. Die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim leidet Händlern zufolge am stärksten darunter.

Seit Mai hat die Ukraine ihre Angriffe auf die russische Öl-Infrastruktur verstärkt, um eine wichtige Geldquelle der Führung in Moskau zur Finanzierung des seit fast viereinhalb Jahren wütenden Krieges auszutrocknen. Die landesweite Benzinproduktion fiel daraufhin Anfang Juli auf rund 65 Prozent des durchschnittlichen saisonalen Verbrauchs. Ein Angriff auf die Moskauer Ölraffinerie Mitte Juni führte zu langen Schlangen an den Tankstellen in der Hauptstadt. 

Um die Produktionsausfälle auszugleichen, wurden Benzinlieferungen aus dem Ural und Sibirien sowie Importe aus Belarus in die Moskauer Region umgeleitet, sagten Händler. Einer der Händler erklärte, die Raffinerie Atschinsk in der sibirischen Region Krasnojarsk beliefere nun Moskau. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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