Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 22. Mai, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1494
letzte Woche, 1736 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1494
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 15.5., letzte Aktualisierung: 20.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
934
200
91
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
451
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 15.5., letzte Aktualisierung: 20.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Debatte über neue Brigaden legt Personalnot der Ukraine offen

In der Ukraine wird über die Bildung zweier neuer mechanisierter Brigaden für die Streitkräfte diskutiert. Hintergrund ist die Frage, wie die Ukraine zugleich die Front halten, erschöpfte Soldaten rotieren und Reserven für mögliche neue russische Offensiven aufbauen kann.

Ausgelöst wurde die Debatte durch Kritik von Taras Chmut, dem Leiter der Hilfsorganisation „Come Back Alive“. Er stellte infrage, ob neue Brigaden sinnvoll seien, solange bestehende Einheiten bereits unter Personalmangel, fehlender Technik und Versorgungsproblemen leiden.

Mechanisierte Brigaden tragen einen großen Teil der Kämpfe am Boden. Die Debatte zeigt damit, wie schwierig es für die Ukraine geworden ist, ihre Kampffähigkeit im vierten Jahr des großangelegten Krieges aufrechtzuerhalten. (Yulia Valova)

Budanow: Russland senkt seine Kriegsziele

Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR, Kyrylo Budanow, sieht Russland zunehmend gezwungen, seine Ziele im Krieg gegen die Ukraine zurückzunehmen.

Beim Kyiv Stratcom Forum sagte er, Moskau habe zu Beginn der großangelegten Invasion noch von einer „Demilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ der Ukraine gesprochen. Inzwischen konzentriere sich die russische Rhetorik stärker auf Forderungen nach einem blockfreien und atomwaffenfreien Status der Ukraine.

Budanow wertet das als Versuch des Kremls, eine Absenkung der ursprünglichen Kriegsziele dennoch als politischen Erfolg darzustellen. Seine Aussagen fallen vor dem Hintergrund neuer Berichte über eine mögliche weitere Mobilisierung in Russland und über eine Verstärkung russischer Kräfte im Norden nahe der ukrainischen Grenze. (Yulia Valova)


Russland zieht ukrainische Kinder in sein Militärsystem

Die systematische Militarisierung ukrainischer Kinder in den besetzten Gebieten rückt durch neue Fälle von der Krim erneut in den Fokus. Der Gründer der Organisation Save Ukraine, Mykola Kuleba, schilderte in einem Post den Fall des 23-jährigen Denys Tsyhankow. Er wurde noch vor der Annexion der Krim als ukrainischer Staatsbürger geboren und starb später als Soldat der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine.

Kuleba zufolge handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Nach der Besetzung der Krim habe Russland begonnen, das Bildungs- und Informationssystem gezielt umzubauen. Kinder seien in militärisch-patriotische Organisationen eingebunden, an russische Militärsymbolik gewöhnt und über Jahre mit einem Feindbild Ukraine konfrontiert worden.

So würden Jugendliche, die ursprünglich in einem ukrainischen Umfeld aufgewachsen seien, schrittweise in das russische Militärsystem integriert. Nach Angaben von Save Ukraine verstärkt jedes weitere Jahr unter Besatzung den Einfluss russischer Propaganda und entfernt Kinder weiter von ihrer ukrainischen Identität.

Die Organisation sieht die Rückführung ukrainischer Kinder aus den besetzten Gebieten deshalb nicht nur als humanitäre Aufgabe. Sie sei auch eine strategische Herausforderung für die Zukunft des Landes. (Yulia Valova)

Rettungskräfte in Sumy nach einem russischen Drohnenangriff Anfang Mai
Russland verstärkt Offensive im Norden der Ukraine
Rettungskräfte in Sumy nach einem russischen Drohnenangriff Anfang Mai
Rettungskräfte in Sumy nach einem russischen Drohnenangriff Anfang Mai Credit: Reuters

Russland erhöht nach Angaben der ukrainischen Luftsturmtruppen den Druck im Norden der Ukraine und versucht, näher an die Städte Sumy und Charkiw vorzurücken. Wie der Sprecher des achten Korps der Luftsturmtruppen, Wadym Karpjak, im ukrainischen Fernsehen sagte, gehöre die Einnahme von Sumy als regionalem Verwaltungszentrum zu den „Mindestzielen“ der russischen Militärführung.

Auch Charkiw bleibe seit Beginn der großangelegten Invasion eines der strategischen Ziele Russlands, sagte Karpjak. Die ukrainischen Streitkräfte könnten die Angriffe dort jedoch weiterhin abwehren.

Zugleich zeigen sich die ukrainischen Luftsturmtruppen überzeugt, dass Russland seine Pläne zur Einnahme von Sumy nicht umsetzen könne. Moskau versuche zwar, die Kampfzone weiter von der eigenen Grenze wegzuschieben und zusätzliche ukrainische Gebiete zu besetzen. Die ukrainische Armee habe die Lage jedoch weiterhin unter Kontrolle. (Yulia Valova)

Nach einem Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in Luhansk.
Update: Vier Tote bei ukrainischem Drohnenangriff in Luhansk
Nach einem Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in Luhansk.
Nach einem Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in Luhansk. Credit: Reuters

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der fast vollständig von Russland kontrollierten ostukrainischen Region Luhansk sind nach Angaben der Besatzungsbehörden mindestens vier Menschen getötet und 35 weitere verletzt worden.

Der Angriff habe ein Gebäude der Pädagogischen Hochschule Luhansk in der Stadt Starobilsk getroffen, erklärte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Leonid Passetschnik am Freitag in Onlinediensten.

Passetschnik zufolge befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs 86 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in den Räumlichkeiten. Von den Behörden veröffentlichte Fotos zeigten ein in Flammen stehendes Gebäude, verkohlte Wände und Trümmer. Rettungskräfte suchen weiter nach Verschütteten.

Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa spricht von einem gezielten Angriff auf schlafende Kinder. Eine ukrainische Stellungnahme lag zunächst nicht vor. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Russland überzieht die Ukraine seit Beginn seiner Offensive vor mehr als vier Jahren mit Luftangriffen. Zuletzt hat Moskau die Angriffe ausgeweitet. Die Ukraine reagierte mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis. (AFP, Reuters)

Wadephul plädiert für engere Rüstungskooperation mit der Ukraine

Bundesaußenminister Johann Wadephul will die Verteidigungszusammenarbeit mit der Ukraine deutlich ausbauen. Vor einem Nato-Treffen im schwedischen Helsingborg schlug er am Freitag vor, die Rüstungsindustrien Europas und der Ukraine enger zu verzahnen, um die Produktion zu beschleunigen. Der künftige Bedarf der Ukraine solle kontinuierlich durch europäische Nato-Partner und Kanada finanziert werden.

Wadephul begrüßte die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, 5000 zusätzliche Soldaten in Polen zu stationieren. Zugleich forderte er die USA auf, an ihren ursprünglichen Plänen zur Stationierung von Langstreckenraketen in Deutschland festzuhalten. Deutschland werde in diesem Jahr mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben und sei auf dem Weg, die Fünf-Prozent-Marke zu erreichen. (Reuters)

Finnland: Rubio wird Rückhalt für Nato bekräftigen

US-Außenminister Marco Rubio wird auf dem Nato-Treffen an diesem Freitag nach Angaben der finnischen Außenministerin Elina Valtonen bekräftigen, dass sein Land zu der Militärallianz steht. „Die USA ziehen sich nicht aus der Nato zurück“, sagt Valtonen vor Journalisten im Vorfeld des Treffens im schwedischen Helsingborg.

Ganz im Gegenteil werde man heute hören, wie sich Außenminister Rubio zur Nato bekenne. Unter US-Präsident Donald Trump kommen seit längerem regelmäßig Befürchtungen auf, dass die USA sich von der Nato abwenden könnten. Europa strebt deswegen an, von den Amerikanern unabhängiger zu werden. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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