Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 27. April, 09:40 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1615
letzte Woche, 1773 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1615
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 17.4., letzte Aktualisierung: 22.4. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
984
200
124
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
491
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 17.4., letzte Aktualisierung: 22.4. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Neue Daten zu russischen Verlusten: Mehr als 213.000 Gefallene namentlich bestätigt

Mehr als 213.000 gefallene russische Soldaten im Ukraine-Krieg haben unabhängige Medien inzwischen namentlich bestätigt. Das geht aus einer gemeinsamen Auswertung des russischen Portals Mediazona und des russischsprachigen Dienstes der BBC hervor. Seit Anfang April kamen demnach mehr als 5.000 weitere identifizierte Todesfälle hinzu.

Die Zahl basiert ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen – darunter Nachrufe, Beiträge von Angehörigen, regionale Medienberichte und offizielle Mitteilungen lokaler Behörden. Die tatsächliche Zahl der Gefallenen dürfte deshalb deutlich höher liegen, da viele Fälle nicht öffentlich dokumentiert werden.

Unter den bestätigten Toten sind laut den Recherchen mehr als 79.000 Freiwillige, rund 24.000 rekrutierte Häftlinge und etwa 18.500 mobilisierte Soldaten. Zudem wurden mehr als 7.000 Offiziere identifiziert, die im Krieg getötet wurden

Die ukrainische Militärführung geht laut „Kyiv Independent“ von deutlich höheren Zahlen aus. Sie beziffert die russischen Gesamtverluste seit Kriegsbeginn auf mehr als 1,3 Millionen Soldaten. Diese Zahl umfasst neben Gefallenen auch Verwundete, Vermisste und Gefangene. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zuletzt von bis zu 35.000 Verlusten pro Monat auf russischer Seite. (Tsp)

13 Verletzte bei russischem Angriff auf Odessa

Bei einem russischen Drohnenangriff auf die südukrainische Stadt Odessa sind in der Nacht nach Angaben der Behörden zehn Menschen verletzt worden, darunter zwei Kinder.

Die größten Schäden habe es im zentralen Bezirk Prymorskyj gegeben, wo Wohnhäuser, ein Hotel und weitere Einrichtungen getroffen worden seien, teilt der Leiter der örtlichen Militärverwaltung, Serhij Lysak, mit.

Er spricht von einer „extrem schwierigen Nacht“. Auch in zwei weiteren Bezirken seien mehrstöckige Wohnhäuser und Fahrzeuge angegriffen worden. Odessa ist als wichtiger Schwarzmeerhafen ein Drehkreuz für ukrainische Exporte und seit Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder Ziel russischer Angriffe. (Reuters)

Kim Jong Un, Machthaber in Nordkorea, bei einer Rede während der Einweihungszeremonie des Museums für militärische Auslandsoperationen und Kampferfolge in Pjöngjang.
Nordkorea sichert Russland weitere Unterstützung zu
Kim Jong Un, Machthaber in Nordkorea, bei einer Rede während der Einweihungszeremonie des Museums für militärische Auslandsoperationen und Kampferfolge in Pjöngjang.
Kim Jong Un, Machthaber in Nordkorea, bei einer Rede während der Einweihungszeremonie des Museums für militärische Auslandsoperationen und Kampferfolge in Pjöngjang. Credit: KCNA/KNS/dpa

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Russland nach Angaben staatlicher Medien die weitere Unterstützung seines Landes zugesichert.

Bei einem Treffen mit einer russischen Delegation um Verteidigungsminister Andrej Beloussow soll Kim den Ausbau der militärischen Beziehungen besprochen haben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Anlass des Besuchs war die Einweihung eines Denkmals für nordkoreanische Soldaten, die in der russischen Grenzregion Kursk getötet wurden.

Schätzungen zufolge hat Nordkorea rund 14.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine entsandt, von denen mehr als 6000 gefallen sein sollen. Beloussow zufolge vereinbarten beide Seiten, die militärische Zusammenarbeit auf eine langfristige Basis zu stellen und noch in diesem Jahr einen Kooperationsplan für die Jahre 2027 bis 2031 zu unterzeichnen. (Reuters)

Ukraine attackiert große Düngemittelfabrik in Russland

Russland meldet nach einem ukrainischen Drohnenangriff Schäden an einer großen Düngemittelfabrik in der Region Wologda. In der Stadt Tscherepowez sei eine Hochdruckleitung für Schwefelsäure getroffen worden, erklärte Regionalgouverneur Georgi Filimonow am Sonntag. Das Leck sei unter Kontrolle, es seien keine gefährlichen Chemikalien ausgetreten. Die Anlage gehöre der Firma Apatit. Deren Muttergesellschaft PhosAgro zufolge ist Apatit Europas größter Produzent von Phosphatdünger sowie von Phosphor- und Schwefelsäure. PhosAgro ist einer der weltweit größten Hersteller von Phosphatdünger. Filimonow sagte weiter, bei dem schweren Angriff seien fünf Menschen verletzt worden. Tscherepowez liegt rund 500 Kilometer nördlich von Moskau. (Reuters)

Selenskyj fordert Ende von Russlands „nuklearem Terrorismus“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat zum 40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl eine Beendigung des russischen „nuklearen Terrorismus“ gefordert. Mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine und Drohnenangriffen bringe Russland die Welt erneut an den Rand einer Katastrophe, teilte Selenskyj in einem Telegram-Kanal mit.

Im vergangenen Jahr wurde die Sicherheitshülle aus Stahl über dem Unglücksreaktor 4 des am 26. April 1986 havarierten Kraftwerks beschädigt. Das Bauwerk solle den Strahlenaustritt und die Kontamination verhindern, seine Erhaltung liege im Interesse aller, sagte Selenskyj. Die Kosten für die Reparatur der Stahlkonstruktion werden mit einer halben Milliarde Euro veranschlagt.

„Die Welt darf nicht zulassen, dass dieser nukleare Terrorismus weitergeht, und der beste Weg ist, Russland zu zwingen, seine wahnsinnigen Angriffe einzustellen“, sagte Selenskyj. Er fordert seit Langem auch ein Ende der russischen Besetzung des Atomkraftwerks Saporischschja, das Moskaus Atomkonzern Rosatom nach Beginn des Krieges unter seine Kontrolle brachte.

Selenskyj erinnerte mit einem Video an die größte Nuklearkatastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomkraft vor 40 Jahren in der damals zur Sowjetunion gehörenden Ukraine. „Ehre sei allen Opfern der Katastrophe von Tschernobyl“, sagte er.

Die sowjetische Zentralregierung in Moskau stand damals in der Kritik, das wahre Ausmaß der Katastrophe lange verheimlicht und Hunderttausende Menschen in Gefahr gebracht zu haben. In Moskau beteuerte Rosatom-Chef Alexej Lichatschow zum Jahrestag, dass die Kernkraftwerke russischer Bauart heute sicher seien. „Der Unfall zwang uns zu einer grundlegenden Überarbeitung unserer Sicherheitskonzepte“, sagte er. „Heute ist bei den russischen Kernreaktoren ein "Tschernobyl-Szenario" ausgeschlossen.“ (dpa)

Ukraine meldet am Wochenende elf Tote nach russischen Drohnenangriffen

Bei russischen Drohnenangriffen in der Ukraine sind nach Militärangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Bei einem Angriff in der Gemeinde Bilopillja in der Region Sumy im Nordosten seien zwei Männer im Alter von 48 und 72 Jahren getötet worden, erklärte am Sonntag Oleh Grigorow von der regionalen Militärverwaltung. In der Stadt Dnipro in der Ostukraine wurde ein weiterer Mensch getötet, wie der örtliche Militärverwaltungschef Oleksandr Hanscha mitteilte.

Wie Hanscha weiter im Onlinedienst Telegram mitteilte, wurden zudem vier weitere Menschen bei den russischen Angriffen verletzt. Die Angriffe wurden demnach mit Drohnen und Artillerie verübt. Es seien Wohnhäuser und Autos beschädigt worden.

Am Samstag waren in Dnipro nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens acht Menschen getötet worden. Die dortigen russischen Angriffe dauerten demnach 20 Stunden. (AFP)

Gedenken zum 40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl

In der Ukraine, Belarus und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken wird heute der Katastrophe im damals sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl vor 40 Jahren gedacht. Gemeinsame Gedenkveranstaltungen sind seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022, der auch aus Belarus erfolgte, nicht mehr möglich. Doch auch im stark betroffenen Belarus wird das Gedenken von politischer Repression überschattet. Viele Umweltaktivisten mussten aus dem autoritär regierten Land fliehen und können ihre Aktivität nur aus dem Exil fortsetzen.

Am 26. April 1986 geriet in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine ein Test im AKW Tschernobyl außer Kontrolle. Im Reaktor vier trat der Super-Gau ein, der größte anzunehmende Unfall. Radioaktive Wolken breiteten sich bis nach Nord- und Westeuropa aus. Doch trafen sie neben der Nordukraine vor allem das benachbarte Belarus und auch den Westen Russlands.

Monatelang sonderte die offene Atomruine Strahlung in die Umgebung ab. Experten gehen von Zehntausenden Todesfällen aus. Über 100.000 Menschen wurden aus den radioaktiv belasteten Gebieten der 30-Kilometer-Sperrzone um das inzwischen stillgelegte Kraftwerk zwangsumgesiedelt.

Der russische Einmarsch vom 24. Februar 2022 erstreckte sich auf das Sperrgebiet. Der über mehrere Jahre bis 2016 mit internationaler Milliardenhilfe über einem Betonsarkophag für die Atomruine errichtete Stahlbogen wurde im Februar 2025 durch eine russische Drohne beschädigt. Die Abschirmfunktion ist laut Experten nun nicht mehr gewährleistet. Die Reparaturkosten werden nach Angaben der Kraftwerksleitung auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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