Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 04. Mai, 12:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1639
letzte Woche, 1643 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1639
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 24.4., letzte Aktualisierung: 1.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1037
200
98
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
494
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 24.4., letzte Aktualisierung: 1.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russische Schattenflotte: Schweden nimmt Kapitän von gestopptem Schiff fest

In Schweden ist der Kapitän eines am Sonntag gestoppten und mutmaßlich zur russischen Schattenflotte zählenden Schiffes festgenommen worden. Der chinesische Kapitän der unter syrischer Flagge fahrenden „Jin Hui“ sei wegen der „mutmaßlichen Verwendung falscher Dokumente“ und Verletzung des schwedischen Seerechts festgenommen worden, teilte die schwedische Staatsanwaltschaft am Montag mit. Auch sei wegen des Falls Kontakt zu „anderen Behörden und Ländern“ aufgenommen worden.

Die „Jin Hui“ war laut dem schwedischen Verteidigungsministerium am Sonntag vor der südschwedischen Hafenstadt Trelleborg in schwedischen Gewässern gestoppt worden. Die Küstenwache erklärte, das 182 Meter lange Schiff sei unter syrischer Flagge unterwegs gewesen und habe „wahrscheinlich“ keinerlei Fracht an Bord gehabt.

„Sein Ziel ist unbekannt“, hieß es weiter. Laut Küstenwache wurden Vorermittlungen wegen Seeuntüchtigkeit des Schiffes eingeleitet, zusätzlich wurde der Vorwurf unzureichenden Versicherungsschutzes erhoben.

Als Schattenflotte werden die oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffe bezeichnet, mit denen Russland das internationale Ölembargo wegen des Ukraine-Kriegs umgeht. Die Schiffe stehen zudem teilweise in Verdacht, an sogenannten hybriden Angriffen gegen den Westen im Auftrag Russlands beteiligt zu sein, etwa an der Beschädigung von Unterwasserkabeln in der Ostsee.

Die schwedischen Behörden stoppen immer wieder Schiffe, die unter dem Verdacht stehen, zur russischen Schattenflotte zu gehören. Erst am 29. April wurde das Frachtschiff „Caffa“ deswegen aufgebracht. (AFP)

Ukraine: Russland verstärkt Drohnenangriffe auf Häfen massiv

Russland hat ukrainischen Angaben zufolge seine Angriffe auf die Hafeninfrastruktur des Nachbarlandes in diesem Jahr massiv verstärkt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 seien mehr als 800 Drohnen eingesetzt worden, teilte die Regierung in Kiew am Montag mit. Das seien mehr als zehnmal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Trotz der fast täglichen Angriffe auf die südliche Region Odessa am Schwarzen Meer seien seit Jahresbeginn mehr als 30 Millionen Tonnen Fracht in den ukrainischen Häfen umgeschlagen worden, erklärte Infrastrukturminister Oleksij Kuleba.

Geöffnete Seehäfen sind für die Kriegswirtschaft der Ukraine von entscheidender Bedeutung. Die Exporte, die hauptsächlich aus Getreide und geringeren Mengen Metall bestehen, sind eine wichtige Quelle für Deviseneinnahmen im Abwehrkampf gegen Russland.

Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 seien mehr als 900 Hafenanlagen beschädigt oder teilweise zerstört worden, teilte Kuleba über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zudem seien 177 zivile Schiffe von den Angriffen betroffen.

Daten der Zentralbank zufolge stiegen die ukrainischen Warenexporte im März im Vergleich zum Vorjahresmonat lediglich um 0,6 Prozent. (Reuters)

Ukraine verstärkt Verteidigung an der Grenze zu Transnistrien

Das operative Kommando „West“ teilte auf seinen offiziellen Social-Media-Seiten mit, dass die Ukraine ihre Verteidigungspositionen im südwestlichen Grenzgebiet angesichts potenzieller Risiken aus der nicht anerkannten Region Transnistrien verstärkt, wo russische Truppen stationiert sind.

Nach Angaben des Operatives Kommando „West“ werden in diesem Abschnitt neue Befestigungen errichtet und sogenannte Verbindungsstraßen ausgebaut, um die Beweglichkeit und Logistik der Truppen zu verbessern. Der Kommandeur der Truppengruppe „West“, Wolodymyr Schwedjuk, überprüfte bei einem Arbeitsbesuch die Einsatzbereitschaft der Einheiten sowie den Zustand der Verteidigungsanlagen.

Demnach wird eine gestaffelte Verteidigungsstruktur aufgebaut, die eine schnelle Reaktion auf mögliche Provokationen ermöglichen soll. Zudem arbeiten die Streitkräfte mit lokalen Gemeinden zusammen, um die Sicherheit landwirtschaftlicher Arbeiten in den Grenzgebieten zu gewährleisten. (Yulia Valova)

Kim Jong Un ruft Jugend zur Mobilisierung für den Ukraine-Krieg auf

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat bei einem Treffen mit Teilnehmern des XI. Kongresses der Sozialistischen Patriotischen Jugendliga in Pjöngjang zu stärkerer ideologischer Disziplin und Vorbereitung der Jugend auf staatliche Aufgaben aufgerufen. Darüber berichtet die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

In seiner Rede bezeichnete Kim die Jugend als „Avantgarde“ bei der Umsetzung der Parteipolitik und betonte ihre Rolle bei der Bewältigung „neuer groß angelegter Aufgaben“, vor denen das Land stehe.

In begleitenden Veröffentlichungen wird die Loyalität der Jugend mit der Beteiligung Nordkoreas am Krieg Russlands gegen die Ukraine verknüpft. Nach Einschätzungen südkoreanischer und westlicher Stellen hat Pjöngjang bereits tausende Soldaten zur Unterstützung russischer Truppen entsandt. (Yulia Valova)

Russische „Klin“-Drohne soll Ziele mit KI erfassen können

Die Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine hat auf ihrer offiziellen Website Daten zur russischen Kamikaze-Drohne „Klin“ veröffentlicht, die bereits im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt wird.

Nach Angaben der Behörde ist die Drohne mit einem System des maschinellen Sehens zur automatischen Zielerfassung ausgestattet, das auf dem US-Modul Nvidia Jetson TX2 basiert.

In der Konstruktion kommen zahlreiche ausländische Komponenten zum Einsatz, darunter Bauteile aus China, Australien, den USA, der Schweiz, Taiwan und Südkorea.

Die Drohne verfügt über eine Deltaflügel-Konstruktion (Länge etwa 1,6 Meter, Spannweite 1,9 Meter), wird von einem Elektromotor chinesischer Produktion angetrieben und kann eine Gefechtsladung von bis zu fünf Kilogramm tragen. Die maximale Geschwindigkeit beim Zielanflug wird mit bis zu 300 km/h angegeben. Zudem werden landgestützte und maritime Varianten des Systems genannt. (Yulia Valova)

Selenskyj: Ende des Krieges bleibt oberste Priorität der Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, dass die wichtigste Aufgabe Kyjiws darin bestehe, „alles zu tun, um ein würdiges Ende des Krieges näherzubringen“. Dies schrieb er auf seinem offiziellen Telegram-Kanal während seiner Teilnahme am Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft am 4. Mai in Eriwan.

Nach seinen Angaben informierte er die europäischen Partner über den Stand der diplomatischen Bemühungen, mögliche Perspektiven sowie geplante Kontakte. Selenskyj betonte zudem die Notwendigkeit, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und die diplomatischen Aktivitäten zu intensivieren. (Yulia Valova)

Kiesewetter: Im Kreml wird man sich die Hände reiben

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sieht in möglichem Verzicht der US-Regierung auf eine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland eine Schwächung Europas. Die wesentliche Botschaft, die von US-Präsident Donald Trump ausgegangen sei, sei, „dass die USA nicht mehr verlässlich zur Abschreckung in Europa stehen“, sagte Kiesewetter im Deutschlandfunk.

Medienberichten zufolge soll das US-Verteidigungsministerium im Zuge der geplanten Reduzierung der US-Truppen in Deutschland auch die geplante Stationierung einer Einheit zur Bedienung, Unterhaltung und Wartung der Mittelstreckenraketen zurückgenommen haben.

Kiesewetter fordert engere Zusammenarbeit mit Ukraine
„Da wird man sich jetzt im Kreml freuen und die Hände reiben, dass quasi Trump das russische Narrativ unterstützt und die Europäer eine Fähigkeitslücke haben. Das macht mir am meisten Sorgen“, sagte Kiesewetter. Es gebe aber einen Ausweg: „Wir könnten gemeinsam mit der Ukraine solche Raketen entwickeln“, schlug der CDU-Politiker vor.

Europa müsse sich stärker um die eigene konventionelle Verteidigung kümmern „und mehr Lasten von den Amerikanern abnehmen, also den Amerikanern auch signalisieren, dass eine Zusammenarbeit mit Europa ein Mehrwert ist“. Europa solle sich nicht „von Trump irritieren lassen, sondern an die traditionellen gemeinsamen Werte zwischen USA und Nato-Europa anknüpfen“, sagte Kiesewetter. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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