Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 20. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1936
letzte Woche, 1874 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1936
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 12.6., letzte Aktualisierung: 20.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1233
200
149
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
535
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 12.6., letzte Aktualisierung: 20.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj warnt vor erneuten massiven russischen Angriffen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Landsleute vor neuen massiven Angriffen der russischen Streitkräfte gewarnt. Angesichts der bereits registrierten Angriffe auf die Städte Dnipro und Saporischschja bereite sich Russland auf neue Attacken in der Nacht vor, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. „Bitte passt gut auf euch auf.“

„Die Russen stellen den Krieg nicht ein, obwohl alle diesbezüglichen Vorschläge konkrete Formate und realistische Möglichkeiten darstellen“, sagte er. „Alles liegt ihnen schon lange auf dem Tisch.“ Kremlchef Wladimir Putin müsse sich nur für Diplomatie und einen normalen Frieden entscheiden. Der Vorschlag Kiews für ein Treffen an Putin für ein direktes und ehrliches Gespräch im Format Ukraine–Russland mit Unterstützung der Partner der Ukraine bleibe weiterhin gültig. (dpa)

Tote bei russischen Luftangriffen auf Ukraines Städte

Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Stadt Saporischschja sind nach offiziellen Angaben mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Weitere sechs Bewohner seien verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Iwan Fedorow auf Telegram mit. Das Stadtzentrum sei von neun Fliegerbomben getroffen worden. Unter einem zerstörten Gebäude würden noch mögliche Opfer vermutet.

Zuvor war die ukrainische Region Dnipro von mehreren russischen Kampfdrohnen sowie weitreichender Artillerie angegriffen worden. Dabei seien an verschiedenen Orten der Oblast mindestens neun Menschen verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Olexander Ganscha auf Telegram mit. Er veröffentlichte dazu Fotos von Bränden und vom Einsatz von Feuerwehrleuten. Diese Darstellungen konnten nicht unabhängig geprüft werden. (dpa)

Selenskyj schickt polnischen Orden zurück – und verweist auf Mussolini und Schröder

Im Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj einen Schlussstrich gezogen und einen umstrittenen Orden nach Warschau zurückgeschickt. Er verstehe, dass der Orden des Weißen Adlers eine besondere Ehrung darstelle, schrieb Selenskyj dazu auf X. „Es ist ein Symbol des höchsten Vertrauens der Republik Polen.“ Ein derartiges Symbol brauche Verdienst, aber auch Respekt für die Werte, die die Basis der Gesellschaft formen.

„Wenn daher die Ansicht besteht, dass dieses besondere Symbol bei (Zarin) Katharina II., bei (Italiens Diktator) Benito Mussolini und (Ex-Bundeskanzler) Gerhard Schröder verbleiben darf, dann haben wir dem in der Ukraine nichts entgegenzusetzen“, schrieb Selenskyj weiter.

Er zeigte sich zugleich versöhnlich. Die Ukraine werde weiterhin offen sein „für alle sinnvollen Formate der Zusammenarbeit“, um widersprüchliche Auslegungen der schwierigen und schmerzhaften Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit zu vermeiden.

Tatsächlich bekam Benito Mussolini 1937 den Weißen Adler verliehen. Damals versuchte Polen, gute Beziehungen zur faschistischen Diktatur in Italien aufzubauen, um Unterstützung gegen NS-Deutschland und die Sowjetunion zu bekommen. Aus ähnlichem Grund bekam auch Japans Kaiser Hirohito die Auszeichnung. Sie wurde beiden Männern nie entzogen. (dpa/jmi)

Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський on Twitter / X
Yesterday, the President of Poland noted that the Order of the White Eagle is not an ordinary award. It is a symbol of the highest trust of the Republic of Poland. It signifies a special bond with the Polish state and the special gratitude of the Polish People. Such a symbol… pic.twitter.com/FXNVFUW6Sh— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) June 20, 2026
X
https://x.com/ZelenskyyUa/status/2068337121459384668
Gouverneur: Angriff auf Raffinerie im westsibirischen Tjumen abgewehrt

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Gouverneurs einen Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie in der westsibirischen Oblast Tjumen abgewehrt. Rettungskräfte seien am Ort des Absturzes der Trümmer im Einsatz, schreibt Gouverneur Alexander Moor auf Telegram. Die Raffinerie sei nach ersten Informationen nicht beschädigt worden. Die Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden. Tjumen liegt mehr als 2500 Kilometer östlich der ukrainischen Grenze und ist eine der wichtigsten Öl- und Gasförderregionen Russlands. Die dortige Raffinerie gilt als eine der modernsten des Landes und hat Branchenschätzungen zufolge eine Kapazität von rund acht Millionen Tonnen pro Jahr. (Reuters)

Leiter des ukrainischen Präsidentenamtes, spricht während einer Podiumsdiskussion auf dem 56. jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.
Kiewer Präsidialamtschef verzichtet auf polnische Ehrung
Leiter des ukrainischen Präsidentenamtes, spricht während einer Podiumsdiskussion auf dem 56. jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.
Leiter des ukrainischen Präsidentenamtes, spricht während einer Podiumsdiskussion auf dem 56. jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Credit: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Im Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine will auch der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow eine staatliche Auszeichnung Polens zurückgeben. Er verzichte auf das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, mit dem er im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden sei, schrieb er bei Telegram.

Hintergrund ist die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj in einem Streit um Geschichte den „Orden des Weißen Adlers“ abzuerkennen. Budanow sprach in seinem Post von einer unfreundlichen Geste Nawrockis gegenüber dem ukrainischen Volk und einem Geschenk an den Aggressor Russland. Auch der ukrainische Außenminister Sybiha hatte die Rückgabe einer Auszeichnung angekündigt.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat Nawrocki und Selenskyj zur Mäßigung aufgerufen. „Der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine freut (Kremlchef Wladimir) Putin und schockiert unsere Verbündeten“, schrieb er bei X. Der Streit eskaliert knapp eine Woche vor einer Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine im polnischen Danzig.

Selenskyj löste Streit mit Beinamen für Armee-Einheit aus

Selenskyj hatte die höchste Auszeichnung Polens 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen, um die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts der russischen Aggression gegen Kiew zu unterstreichen.

Selenskyj hatte den Streit Ende Mai ausgelöst, als er einer Armee-Einheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten die Bewaffneten aber Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine verübt. (dpa)

Charkiw: Rettungskräfte räumen die Trümmer eines Wohnhauses nach einem russischen Raketenangriff in Charkiw.
Ukrainische Behörden: Ein Toter und neun Verletzte bei russischem Angriff auf Charkiw
Charkiw: Rettungskräfte räumen die Trümmer eines Wohnhauses nach einem russischen Raketenangriff in Charkiw.
Charkiw: Rettungskräfte räumen die Trümmer eines Wohnhauses nach einem russischen Raketenangriff in Charkiw. Credit: Andrii Marienko/AP/dpa

Bei einem russischen Luftangriff auf die Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine ist Behördenangaben zufolge ein Mensch getötet worden. Unter den Trümmern eines zerstörten Wohngebäudes sei eine Leiche entdeckt worden, teilte Bürgermeister Ihor Terechow am Samstag mit. Neun Menschen wurden nach Angaben von Regionalgouverneur Oleh Synehubow zudem verletzt.

In der Region Cherson im Süden der Ukraine wurde den örtlichen Behörden zufolge eine 72-jährige Frau bei einem Drohnenangriff verletzt. Bei einem weiteren Drohnenangriff in der Stadt Cherson wurden demnach drei Menschen verletzt.

Moskau und Kiew hatten in den vergangenen Monaten die gegenseitigen Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des seit mehr als vier Jahren andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in der Nacht zum Samstag habe die Luftabwehr 187 ukrainische Drohnen abgeschossen. Sie seien unter anderem in der Region Moskau abgefangen worden.

Die Ukraine hatte am Donnerstag ihren größten Angriff auf die russische Hauptstadt seit Jahren ausgeführt und dabei auch eine wichtige Ölraffinerie getroffen. (AFP)

Radoslaw Sikorski spricht am 17. Juni auf einer Veranstaltung in Berlin. 
Polen fordert Platz am Verhandlungstisch zur Ukraine
Radoslaw Sikorski spricht am 17. Juni auf einer Veranstaltung in Berlin. 
Radoslaw Sikorski spricht am 17. Juni auf einer Veranstaltung in Berlin.  Credit: RALF HIRSCHBERGER / AFP

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski kritisiert die Führungsrolle von Deutschland, Frankreich und Großbritannien bei den Gesprächen zum Ukraine-Krieg. „Zwischen dem Schwarzen Meer, der Ostsee und der Adria leben 120 Millionen Menschen in der EU, zusammen mit Skandinavien sind es 150 Millionen Menschen, die von Russlands Aggression viel direkter bedroht sind als Deutschland“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

„Wir sind Nachbarn sowohl von Russland als auch der Ukraine, Sie sind das in Deutschland nicht“, sagte er der Zeitung. Polen befinde sich an vorderster Front, führte er aus und verwies auf die durch das Land laufenden Rüstungslieferungen an die Ukraine. Polen trage das Risiko dafür und fordere daher einen Platz am Verhandlungstisch.

Er schlug demnach vor, „den Weg über die in den EU-Verträgen festgelegten Institutionen zu gehen, wie den EU‑Ratspräsidenten“. Oder man müsse an einer „Koalition der Willigen“ arbeiten, die den Kontinent bei Verhandlungen vertritt, sagte er der „F.A.S.“.

Die Europäische Union präsentiert sich gespalten in dieser Frage. Ratspräsident António Costa wurde beim EU-Gipfel nach der umstrittenen Kontaktaufnahme seines Teams mit Moskau von Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron hart ausgebremst. Die beiden wollen zusammen mit dem nicht mehr zur EU gehörenden Großbritannien die Federführung bei den Friedensbemühungen behalten.

Merz lud zu Treffen im E5-Format ein

Merz hat die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen für kommende Woche zu einem sogenannten E5-Treffen nach Berlin eingeladen. Dabei soll es um die Nachbereitung des G7-Gipfels und des EU-Gipfels in dieser Woche gehen.

Vor rund eineinhalb Wochen hatte bereits der polnische Ministerpräsident Donald Tusk den Ausschluss seines Landes aus den Ukraine-Gesprächen im sogenannten E3-Format mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien gerügt. Merz, der britische Premier Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatten sich zuvor in London getroffen. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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