Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 23. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1933
letzte Woche, 1980 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1933
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 14.8., letzte Aktualisierung: 20.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1240
200
178
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
480
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 14.8., letzte Aktualisierung: 20.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj begeht Unabhängigkeitstag mit Kampfansage an Putin

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Rede an die Nation zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit für eine Kampfansage an Russlands Präsidenten Wladimir Putin genutzt. Russland müsse durch die Einheit der internationalen Gemeinschaft in die Knie gezwungen werden, sagte Selenskyj in einem 20-minütigen Video. Er kündigte darin weiteren Widerstand gegen Putins Krieg an. „Die Ukraine wird das schaffen. Die Ukraine hat bereits Aufgaben bewältigt, die anfangs unüberwindbar schienen“, sagte Selenskyj nach mehr als 1.640 Kriegstagen.

„Bei all seinen Plänen bezüglich der Ukraine hat sich Putin im Wesentlichen geirrt“, sagte Selenskyj. Der Präsident und die Russen hätten unterschätzt, wie entschlossen die Ukrainer um ihre Unabhängigkeit kämpfen. „Unsere Hartnäckigkeit ist für sie eine Nummer zu groß.“ Putin habe Russland groß machen wollen, heute gebe es lange Schlangen an den Tankstellen. Seine Soldaten würden von Kiews Armee auf dem Schlachtfeld „zu Dünger“ gemacht.

Zugleich räumte Selenskyj ein, dass die Lage „für uns alle wirklich sehr, sehr schwer“ sei. Er lehnte es dennoch erneut ab, das von Russland geforderte Gebiet Donezk aufzugeben. Niemand glaube, dass damit der Krieg beendet wäre, sagte Selenskyj. „Wir vertrauen ihnen nicht.“ Die Ukraine sei längst ein anderer Staat und verschenke nichts. Das Land sei „kein Opfer, sondern ein Kämpfer“.

Selenskyj hob auch die Errungenschaften im fünften Kriegsjahr hervor: „Tatsächlich ist unsere Rüstungsindustrie heute ein Gigant, der rund um die Uhr unsere Unabhängigkeit stärkt.“ Das Land sei stolz auf die täglichen Schläge gegen Ziele im russischen Hinterland, darunter Schiffe, Logistikzentren und Ölraffinerien. Zugleich schwor der Präsident sein Land auf eine Fortsetzung des Kriegs um die Unabhängigkeit ein: „Wir müssen unser Militär stärken und über alles verfügen, um unsere Verteidigung aufrechtzuerhalten.“

Einen besonderen Appell richtete Selenskyj an die Führung in Peking, die Putin unterstützt. „China darf nicht länger schweigen“, sagte Selenskyj. Das Land müsse seinen Führungsanspruch auch „zivilisatorisch“ untermauern, „indem es deutlich macht, dass kein Diktator den Planeten mit seinen veralteten Sprengköpfen bedrohen darf“. (dpa)

Unsere Hartnäckigkeit ist für sie eine Nummer zu groß.Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine
Behörden: Zwei Kinder in Russland durch ukrainischen Drohnenangriff getötet

Infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs sind in Südwestrussland nach Behördenangaben zwei Kinder getötet worden. Sieben weitere Kinder und zwei Erwachsene seien in Krasnodar verletzt worden, als Trümmerteile einer Drohne auf eine Kinderbetreuungseinrichtung gestürzt seien, erklärte Regionalgouverneur Wenjamin Kondratjew am Montagmorgen im Onlinedienst Telegram.

Zudem sei in einem Lager ein Brand ausgebrochen, als eine Drohne auf das Gebäude gestürzt sei, erklärte Kondratjew weiter. Der Onlinehändler Ozon teilte mit, in einem Logistikzentrum des Unternehmens lodere ein „großer“ Brand. Niemand sei verletzt worden.

Ozon berichtete zuvor bereits von Angriffen auf Standorte in der zentralrussischen Region Orenburg, am Stadtrand von Sankt Petersburg und in der Region Samara. Das ukrainische Verteidigungsministerium hatte am Samstag Angriffe gegen Ozon angekündigt. „Nachdem ukrainische Einheiten die 15 größten Logistikzentren von Wildberries getroffen haben, ist nun Ozon an der Reihe“, erklärte das Ministerium.

Die Ukraine greift seit Wochen Logistikzentren von Wildberries mit Drohnen an. Wildberries ist der größte und Ozon der zweitgrößte Online-Marktplatz Russlands. Beide Unternehmen werden wegen ihrer dominierenden Stellung im schnell wachsenden russischen Onlinehandel häufig mit dem US-Konzern Amazon verglichen. (AFP)

Neue russische Angriffe mit Verletzten am Unabhängigkeitstag

Am ukrainischen Unabhängigkeitstag ist infolge neuer russischer Angriffe mindestens ein Zivilist in der Stadt Pawlohrad getötet worden. In der Industriestadt seien zwei Menschen verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des südostukrainischen Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, bei Telegram mit. Autos seien abgebrannt und Fensterscheiben in Mehrfamilienhäusern geborsten. Zur eingesetzten Waffe machte er keine Angaben.

Parallel dazu wurden nach Behördenangaben bei einem Drohnenangriff auf das Zentrum der nordostukrainischen Großstadt Tschernihiw mindestens 20 Menschen verletzt. Zwei Frauen seien mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte der Militärgouverneur Wjatscheslaw Tschaus mit. Ein Mehrfamilienhaus sei beschädigt worden.

Die Ukraine wehrt sich seit viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Am 24. August jährt sich zum 35. Mal der Tag der Unabhängigkeitserklärung des osteuropäischen Landes von der Sowjetunion. (dpa)

Macron will Kampf gegen Russlands Schattenflotte verstärken

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will entschiedener gegen die russische Schattenflotte vorgehen und dem Land den Import von Rohstoffen erschweren. „Ich schlage vor, dass wir in wenigen Wochen ein Ministertreffen einberufen, das sich mit dem Kampf gegen die Schattenflotte befasst, um sicherzustellen, dass wir überall dort, wo wir handeln können, auch handeln“, sagte der französische Staatschef bei einer Schalte der „Koalition der Willigen“. Frankreich hatte bereits mehrfach Öltanker festgesetzt, die es bezichtigt, Teil der russischen Schattenflotte zu sein und so Geld für die Kriegswirtschaft zu verdienen.

Macron forderte bei dem Treffen der Ukraine-Unterstützer zudem, Exporte von Gas, Öl und Diesel nach Russland durch Sanktionen zu verhindern. Früher habe Russland diese Rohstoffe nicht importiert, nun aber schon. Zwar werde man wohl auf Länder wie Belarus keinen Druck ausüben können, doch ein Teil der Rohstoffe gelange etwa über Schweizer Firmen nach Russland.

Mit Blick auf das geplante Manöver der „Koalition der Willigen“ in Polen gab Macron bekannt, dass die Übung im Oktober und November stattfinden solle. Man werde zeigen, dass die Koalition bereit für den Einsatz und handlungsfähig sei, sobald die Kriegshandlungen vorüber sind. Die „Koalition der Willigen“ plant eine multinationale Truppe. Sie soll nach einem Ende des russischen Angriffskrieges helfen, die Sicherheit der Ukraine zu gewährleisten. (dpa)

Selenskyj: Ukraine erhält Kriegsgefangene zurück

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj zehn als vermisst geglaubte Soldaten aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückerhalten. Die Angehörigen der Streitkräfte und der Nationalgarde seien bei einer über Belarus organisierten Sonderphase des Gefangenenaustausches in die Heimat zurückgekehrt, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Er veröffentlichte Fotos der in ukrainische Flaggen gehüllten Männer. Die Ukraine feiert gerade den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit.

„Sie haben das Land an der Front im Raum Donezk verteidigt. Sie alle galten als vermisst. Und es ist sehr wichtig, dass es uns gelungen ist, sie zurückzuholen“, sagte Selenskyj. Details nannte er nicht. Weil er von einem Austausch sprach, dürfte auch die russische Seite Gefangene zurückerhalten haben. Nach Medienberichten erhielt Moskau ebenfalls zehn Soldaten zurück. Eine offizielle russische Bestätigung stand noch aus.

Die Ukraine und Russland hatten in ihrem seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg immer wieder Gefangene ausgetauscht – meist eine gleich hohe Zahl auf beiden Seiten. Tausende Soldaten kamen auf diesem Weg schon in Freiheit. Bei solchen humanitären Aktionen übergeben die Kriegsparteien auch immer wieder die Überreste von Gefallenen. (dpa)

Ukraine meldet Angriff auf russische Rüstungsfabrik in Region Rostow

Das ukrainische Militär hat in der Nacht eine russische Rüstungsfabrik in der Region Rostow angegriffen und dabei einen Brand ausgelöst. In dem Kamensky-Werk werden Raketentreibstoff, Munition und Raketensysteme hergestellt, wie der ukrainische Generalstab auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilt. (Reuters)

Russland: Zwei Tote bei ukrainischen Drohnenangriffen in Region Belgorod

Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf die russische Region Belgorod werden zwei Menschen getötet. Zwei weitere Personen werden verletzt, wie die Regionalregierung auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilt. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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