Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 08. Oktober, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Zahl der Toten nach schwerem Angriff auf Ukraine gestiegen

Nach dem besonders schweren Luftangriff auf die Ukraine hat sich die Zahl der Todesopfer nach ukrainischen Angaben von 28 auf 32 erhöht. Besonders hart getroffen worden war am Mittwoch die Stadt Pryluky in der nördlichen Region Tschernihiw, wo eine russische Rakete ein fünfstöckiges Wohnhaus zerstörte. Wie die Einsatzkräfte mitteilen, stieg die Zahl der Toten dort bis Donnerstagmorgen von 20 auf 22. Auch in Kiew wurden nach einem Treffer auf ein mehrstöckiges Wohnhaus zwei weitere Todesopfer geborgen, teilen die Einsatzkräfte weiter mit. (Reuters)

Mindestens 28 Tote bei schweren russischen Luftangriffen auf Ukraine

Bei einem der schwersten russischen Luftangriffe auf die Ukraine sind am Mittwoch nach ukrainischen Angaben mindestens 28 Menschen getötet und 100 weitere verletzt worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem der „niederträchtigsten Angriffe“. Die schwersten Verluste gab es in der Stadt Pryluky in der nördlichen Region Tschernihiw, wo eine russische Rakete ein fünfstöckiges Wohnhaus zerstörte. Regionalgouverneur Wjatscheslaw Tschaus zufolge starben dort 20 Menschen, darunter fünf Kinder.

Insgesamt feuerte Russland nach Angaben Selenskyjs in der Nacht 70 Raketen und Dutzende Schahed-Angriffsdrohnen auf die Ukraine ab. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, seine Streitkräfte hätten einen „massiven Schlag“ gegen militärisch-industrielle Einrichtungen ausgeführt. Zu den Zielen hätten Anlagen des ukrainischen Rüstungsunternehmens Fire Point gehört, das Marschflugkörper und Drohnen herstellt. Zudem seien die Hafen- und Werftinfrastruktur in der Schwarzmeer-Region Odessa sowie ein Schiff mit Militärgütern auf dem Weg dorthin ins Visier genommen worden.

Die ukrainische Luftwaffe erklärte, sie habe gut 80 Prozent der abgeschossenen Drohnen abwehren können. Die größte Herausforderung blieben jedoch die russischen ballistischen Raketen, sagte Selenskyj. Er bekräftigte seine Forderung nach mehr Patriot-Luftabwehrsystemen. Diese sind die einzigen Waffen im ukrainischen Arsenal, die solche Raketen abfangen können. Die weltweiten Bestände sind jedoch durch den Krieg im Iran und den Konflikt in der Ukraine erschöpft.

Selenskyj wies darauf hin, dass die Angriffe mit dem Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammenfielen. „Das ist die Art von Geburtstagsgeschenk, das Putin sich selbst gemacht hat: die Tötung von Kindern, die Tötung von Menschen“, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Selenskyj zufolge trafen ukrainische Truppen ihrerseits in den vergangenen 24 Stunden vier Ziele in Russland, darunter zwei Ölanlagen. Die Ukraine erhielt am Mittwoch zudem eine neue Finanzhilfe der Europäischen Union in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. (Reuters)

Russland: Haben Schiff mit Gütern für ukrainisches Militär angegriffen

Russische Streitkräfte haben dem Verteidigungsministerium zufolge ein Schiff angegriffen. Es habe sich mit einer Ladung für das ukrainische Militär auf dem Weg zum ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa befunden. Die Erklärung auf Telegram enthält keine weiteren Einzelheiten zu dem Angriff. Das Ministerium teilt außerdem mit, russische Drohnen hätten Infrastruktur in ukrainischen Häfen getroffen, ohne dies näher zu erläutern. (Reuters)

EU-Staaten billigen neue Russland-Sanktionen

Die EU-Botschafter billigen 1646 neue Einträge auf der Sanktionsliste gegen Russland. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem militärisch-industriellen Komplex des Landes, wie drei EU-Diplomaten sagen.

Mehr als die Hälfte der neu sanktionierten Unternehmen und Personen ist an der Produktion russischer ballistischer Raketen wie der Iskander-M beteiligt. Diese können nur von US-Patriot-Luftabwehrsystemen abgefangen werden. Der Ukraine fehlen diese Abfangraketen jedoch fast vollständig, da das US-Militär Ressourcen in die Golfregion verlagert. Russland nutzt diese Schwachstelle für verstärkte Raketenangriffe.

Die Maßnahmen richten sich einem der Insider zufolge auch gegen Einrichtungen für Raketentests sowie gegen Hersteller von Festtreibstoffen, Raketentriebwerken und Spezialtextilien. Zudem stehen Drohnenhersteller, Werften zur Wartung von U-Booten sowie 77 russische Politiker auf der Liste, die in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten für Parlamentssitze kandidiert haben. Wegen der engeren Beziehungen zwischen Russland und Nordkorea sanktioniert die EU auch sieben nordkoreanische Organisationen und Personen. (Reuters)

Wadephul will runden Tisch mit deutschen und ukrainischen Bürgermeistern einrichten

Zum Auftakt der Deutsch-Ukrainischen Kommunalen Partnerschaftskonferenz in Berlin hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) regelmäßige Treffen von Bürgermeistern aus Deutschland und der Ukraine angekündigt. „Wir wollen im kommenden Jahr einen runden Tisch mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus Deutschland und der Ukraine organisieren, um den Austausch praktisch zu gestalten“, sagte Wadephul am Mittwoch. Städte und Gemeinden in beiden Ländern sollten sich „gegenseitig unterstützen“. 

Deutsche Kommunen könnten viel von Gemeinden in der Ukraine lernen – unter anderem beim Schutz der Infrastruktur und beim Katastrophenschutz. „Das sind alles Fragen, die wir uns – freilich in anderem Ausmaß – auch hier in Deutschland stellen müssen. Weil die russische Aggression eben nicht an der Grenze zur Ukraine endet.“ (AFP)

BSW will mit AfD Ukraine-Antrag verabschieden

Nach der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt wollen AfD und BSW im Parlament zeitnah den ersten gemeinsamen Antrag verabschieden. Der Landtag solle feststellen, dass die Politik der gegen Russland gerichteten Sanktionen sowie die Waffenlieferungen und finanziellen Hilfen an die Ukraine gescheitert seien, heißt es in dem Antragsentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Dazu soll es eine Sondersitzung des Parlaments in Magdeburg geben. Wann sie stattfinden soll, ist noch nicht bekannt.

Die Landesregierung wird in dem Antrag aufgefordert, „sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, insbesondere durch eine entsprechende Initiative im Bundesrat, für eine Verhinderung der weiteren Eskalation in der Ukraine und für die Verwirklichung einer friedensschaffenden Politik einzusetzen“. Der Fokus sei auf Diplomatie zu legen. „Notwendig sind ein sofortiger Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit Russland.“ (dpa)

EU nimmt mit hunderten neuen Sanktionen russischen Militärkomplex ins Visier

Die Mitgliedstaaten der EU haben sich auf eine neue große Zahl neuer Sanktionen geeinigt, die das russische Militär und die Rüstungsindustrie des Landes ins Visier nehmen. Von den Strafmaßnahmen sind fast 1600 Verantwortliche und Organisationen betroffen, wie Diplomaten der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel sagten. Die Sanktionen sollen beim Treffen der EU-Außenminister am Montag offiziell beschlossen werden. 

Nach Angaben von Diplomaten wurden 77 Namen im Zusammenhang mit den jüngsten Duma-Wahlen in Russland der Sanktionsliste zugefügt, darunter drei Mitglieder der Wahlkommission. Mit dieser neusten Sanktionsrunde steigt die Zahl der Menschen und Einrichtungen, die mit Einreiseverboten und Kontensperren belegt sind, auf insgesamt rund 4500.

Die EU hat bisher 21 umfangreiche Sanktionspakete gegen Russland beschlossen. Neben den Paketen wird die Sanktionsliste regelmäßig um neue Verantwortliche und Organisationen erweitert. Ob es ein 22. Sanktionspaket geben wird, wird derzeit in Brüssel diskutiert. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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