Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 06. Mai, 11:20 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1749
letzte Woche, 1642 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1749
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 1.5., letzte Aktualisierung: 6.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1139
200
117
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
481
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 1.5., letzte Aktualisierung: 6.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Iran will US-Vorschlag prüfen

Der Iran prüft nach eigenen Angaben einen US-Vorschlag zur Beendigung des mehr als zweimonatigen Krieges. Die Führung in Teheran werde dem Vermittler Pakistan ihre Position dazu übermitteln, meldet die iranische Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf das Außenministerium. (Reuters)

Selenskyj: Entscheiden nach russischen Angriffen über weiteres Vorgehen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigt nach anhaltenden russischen Angriffen während einer von ihm selbst initiierten Feuerpause eine Entscheidung über das weitere Vorgehen an. Bis 10.00 Uhr Ortszeit (09.00 MESZ) hätten russische Truppen den um Mitternacht in Kraft getretenen Waffenstillstand 1820 Mal gebrochen, erklärt Selenskyj.

Dazu zählten Artilleriebeschuss, versuchte Sturmangriffe, Luftschläge und der Einsatz von Drohnen. „Auf der Grundlage der abendlichen Berichte unseres Militärs und unserer Geheimdienste werden wir über unser weiteres Vorgehen entscheiden“, schreibt er auf der Kurznachrichtenplattform X.

Selenskyj hatte eine zeitlich unbegrenzte Waffenruhe vorgeschlagen und Russland aufgefordert, sich ihr anzuschließen. Er hatte aber auch betont, die Ukraine werde ab Beginn der Waffenruhe „symmetrisch“ handeln. (Reuters)


Ein gepanzertes Fahrzeug patrouilliert am 5. Mai 2026 durch die Moskauer Innenstadt, wenige Tage vor der Militärparade zum Tag des Sieges, die am 9. Mai auf dem Roten Platz stattfinden soll.
ISW-Bericht: Putin weigert sich anzuerkennen, dass der Krieg russisches Territorium erreicht hat
Ein gepanzertes Fahrzeug patrouilliert am 5. Mai 2026 durch die Moskauer Innenstadt, wenige Tage vor der Militärparade zum Tag des Sieges, die am 9. Mai auf dem Roten Platz stattfinden soll.
Ein gepanzertes Fahrzeug patrouilliert am 5. Mai 2026 durch die Moskauer Innenstadt, wenige Tage vor der Militärparade zum Tag des Sieges, die am 9. Mai auf dem Roten Platz stattfinden soll. Credit: AFP

Der russische Präsident Wladimir Putin hält trotz zunehmender ukrainischer Angriffe auf russischem Territorium weiterhin an der Militärparade zum 9. Mai in Moskau fest. Analysten des Institute for the Study of War sehen darin ein Zeichen dafür, dass der Kreml die neue Realität des Krieges nicht akzeptieren wolle.

In seinem aktuellen Bericht verweist das ISW darauf, dass ukrainische Langstreckenangriffe zunehmend tief im russischen Hinterland Wirkung zeigen. Am 5. Mai schränkte die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija gleichzeitig den Betrieb von Flughäfen in 15 Städten ein, darunter auch aller vier Moskauer Flughäfen.

Die Analysten weisen außerdem auf wachsende Kritik russischer ultranationalistischer Militärblogger am Kreml hin. Mehrere sogenannte Z-Blogger werfen der russischen Führung vor, dem Prestige der Parade größere Bedeutung beizumessen als dem Schutz militärischer und energiebezogener Infrastruktur vor ukrainischen Angriffen.

Das ISW kommt zu dem Schluss, dass Russland derzeit nicht in der Lage sei, sein tiefes Hinterland wirksam gegen ukrainische Schläge zu schützen. (Yulia Valova)

Moskau offen für „Kontakte und Treffen“ zu Verhandlungen über die Ukraine

Russland bleibt nach Angaben des Außenministeriums zu Verhandlungen über die Ukraine bereit. Das erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wie unter anderem RIA Novosti berichtet.

Sacharowa zufolge sei Moskau offen für „Kontakte und Treffen“, sofern diese zu einem „realen Ergebnis“ führten. Gleichzeitig erklärte sie, dass die amerikanische Seite, die für den Verhandlungskanal zur Ukraine zuständig sei, derzeit auf die Entwicklungen im Nahen Osten konzentriert sei.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums machte dabei keine Angaben dazu, ob aktuell konkrete Gespräche zwischen Russland und den USA über einen möglichen Verhandlungsprozess stattfinden. (Yulia Valova)

Russland bereitet Militärkadetten auf den Schutz von Öldepots vor

In Russland werden Kadetten militärischer Hochschulen zunehmend auf den Schutz von Öldepots und Treibstoffinfrastruktur vor Angriffen ukrainischer Drohnen vorbereitet. Darüber berichtete die ukrainische Partisanenbewegung Atesch in ihrem Telegram-Kanal.

Nach Angaben von Atesch sollen Kadetten des Pensa Artillerieinstitut in mobile Schutzgruppen für Treibstoff- und Energieanlagen auf russischem Territorium integriert werden. Atesch zufolge steht diese Entscheidung im Zusammenhang mit der Unfähigkeit der russischen Luftverteidigung, der zunehmenden Zahl ukrainischer Drohnenangriffe auf die Öl- und Gasinfrastruktur wirksam entgegenzutreten. (Yulia Valova )

Ukraine wirft Russland Bruch von Feuerpause vor - Opfer bei Angriffen

Die Ukraine hat Russland den Bruch einer von der Regierung in Kiew einseitig ausgerufenen Waffenruhe vorgeworfen. Den ukrainischen Behörden zufolge gab es bei Angriffen im Norden und Osten des Landes ein Todesopfer und drei Verletzte.

„Dies zeigt, dass Russland den Frieden ablehnt und seine falschen Aufrufe zu einer Feuerpause am 9. Mai nichts mit Diplomatie zu tun haben“, erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am Mittwoch auf der Online-Plattform X. Nach seinen Angaben griff Russland die Ukraine in der Nacht mit 108 Drohnen und drei Raketen an. Am Morgen seien zudem Angriffe auf Charkiw und Saporischschja erfolgt.

Um Mitternacht war die von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ausgerufene Waffenruhe in Kraft getreten. Russlands Staatschef Wladimir Putin hatte zuvor selbst eine Feuerpause für den 8. und 9. Mai angekündigt. Russland feiert am 9. Mai den Sieg über Nazi-Deutschland traditionell mit einer Militärparade. (Reuters)

Eine russisch-iranische Drohne vom Typ Shahed 136 ist Teil einer Freiluftausstellung zerstörter russischer Waffensysteme in Kiew.
China als Zulieferer für Shahed-Drohnen
Eine russisch-iranische Drohne vom Typ Shahed 136 ist Teil einer Freiluftausstellung zerstörter russischer Waffensysteme in Kiew.
Eine russisch-iranische Drohne vom Typ Shahed 136 ist Teil einer Freiluftausstellung zerstörter russischer Waffensysteme in Kiew. Credit: AFP

Russlands Angriffsdrohnen hängen trotz westlicher Sanktionen weiter von internationalen Lieferketten ab. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ spielen dabei chinesische Unternehmen inzwischen eine deutlich größere Rolle als bisher bekannt.

Demnach liefern Firmen aus China Motoren, Mikrochips und weitere Bauteile, die für die Produktion iranischer Shahed-Kampfdrohnen genutzt werden. Russland setzt diese Drohnen regelmäßig bei Angriffen auf ukrainische Städte ein. Das „Wall Street Journal“ beruft sich auf chinesische Zolldaten und US-Regierungsvertreter.

Eine zentrale Rolle spielt demnach das Unternehmen Xiamen Victory Technology. Es soll unter anderem Limbach-L550-Motoren verkaufen, die als wichtige Komponente der Shahed-136 gelten. Zur Umgehung der Sanktionen nutzten die Netzwerke demnach Briefkastenfirmen in Hongkong, über die Zahlungen und Lieferketten abgewickelt würden.

US-Regierungsvertreter räumen laut dem Bericht ein, dass solche Strukturen derzeit kaum vollständig zu stoppen seien. Washington versuche daher vor allem, Lieferungen für Moskau und Teheran teurer und komplizierter zu machen. (Yulia Valova)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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