Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 02. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1820
letzte Woche, 1923 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1820
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 2.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1157
200
197
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
453
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 2.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russische Kinderhospiz-Leiterin wegen „Falschinformationen“ festgenommen

In Russland ist die Leiterin eines Kinderhospizes wegen angeblicher Kritik an der russischen Armee festgenommen worden. Seine Mandantin Lida Moniawa werde verdächtigt, „Falschinformationen“ über die russischen Streitkräfte verbreitet zu haben, sagte ihr Anwalt Michail Birjukow am Mittwoch. Die Anklage wirft der 38-Jährigen demnach vor, aus „politischem Hass“ gehandelt zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft.

Moniawa ist Gründerin und Leiterin einer Wohltätigkeitsorganisation mit Sitz in Moskau, die sich für die Sterbebegleitung von Kindern und jungen Erwachsenen einsetzt. Ihre Festnahme geht ihrem Anwalt zufolge auf einen Beitrag im Onlinedienst Telegram von 2023 anlässlich des ersten Jahrestags des Ukraine-Krieges zurück. Darin verwies Moniawa demnach auf UN-Daten zu tausenden zivilen Opfern. (AFP)

Norwegen beschlagnahmt russisches Schiff in der Arktis

Norwegen hat auf Betreiben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz ein russisches Kreuzfahrtschiff in der Arktis beschlagnahmt. Wie Naftogaz am Mittwoch mitteilte, beschlagnahmten die norwegischen Behörden die „Professor Moltschanow“ in der Inselgruppe Spitzbergen auf der Basis eines Gerichtsbeschlusses, der Russland zu Entschädigungszahlungen an Naftogaz verpflichtet.

Mit der Beschlagnahme soll die Entscheidung eines Schiedsgerichts durchgesetzt werden, das Russland zur Zahlung von rund 4,2 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Millionen Euro) an Naftogaz für beschlagnahmte Vermögenswerte auf der annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim verpflichtete. Moskau ist dem Schiedsspruch bislang nicht nachgekommen. (AFP)

Ukraine erhält bei EU-Treffen Zusagen für Luftverteidigung

Die Ukraine hat bei einem EU-Außenministertreffen in Irland neue Zusagen zur Unterstützung ihrer Flugabwehr erhalten. „Wir haben uns gefreut, heute Ankündigungen von Mitgliedstaaten zu hören, Luftverteidigung bereitzustellen“, sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nach dem Ende der Beratungen in der Grafschaft Wicklow. Dies sei etwas, worum man seit Langem gebeten habe.

Wer die neuen Zusagen machte und was sie konkret umfassen, wollte Kallas nicht verraten. Die Mitgliedstaaten, die entsprechende Ankündigungen gemacht hätten, würden diese auch selbst öffentlich bekanntgeben, sagte sie. „Aber für die Ukraine war es wichtig zu hören, dass es bei der Luftverteidigung tatsächlich Bewegung gibt.“

Kallas hatte am Vortag bei einem Verteidigungsministertreffen gesagt, man wisse, dass einige EU-Länder über Abfangraketen verfügten, deren Nutzungsdauer bald ablaufe. Es wäre deshalb gut, diese der Ukraine zu überlassen, die sie zum Schutz ihrer Bevölkerung vor russischen Luftangriffen einsetzen könne. Laut Diplomaten bezog sie sich damit vermutlich vor allem auf Griechenland. (dpa)

Pistorius warnt vor militärischem Erfolg Russlands

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat erneut vor einem militärischen Erfolg Russlands in der Ukraine gewarnt. „Wenn Russland, wenn Wladimir Putin diesen Krieg gewinnt, dann ist das eine Blaupause für alle Autokraten dieser Welt, zu sagen: Was schert mich das Recht, das souveräne Recht von anderen Nationen?“, sagte der SPD-Politiker in Braunschweig. Sie würden laut Pistorius denken: „Es gibt ja niemanden, der sich mir entgegenstellt und die Angegriffenen unterstützt.“

Der russische Präsident ist für den deutschen Verteidigungsminister der Einzige, der den Krieg beenden könne, wenn er es wollte. „Stattdessen führt er einen hybriden Krieg gegen europäische Länder, vor allem gegen Deutschland“, sagte der Verteidigungsminister. Deutschland sei im Fokus, weil es die Ukraine unterstütze.

Bei dieser Unterstützung gehe es nicht nur um die Freiheit und die Souveränität der Ukraine. Pistorius sprach von einer Frage der Gefahrenabwehr. „Wladimir Putin wird nicht aufhören, wenn er die Ukraine eingenommen hätte. Das sagt er immer wieder“, warnte der Verteidigungsminister. (dpa)

Ukraine führt neues zweistufiges Luftalarmsystem ein

Die Ukraine überarbeitet ihr Luftalarmsystem und führt ein zweistufiges Warnsystem ein. Je nach Art der Bedrohung werde künftig eine Warnung der Stufe Gelb oder Rot ausgegeben, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten mit. „In der Regel wird die Stufe gelb einen Drohnenangriff anzeigen, während die Stufe rot auf eine Raketenbedrohung hinweisen wird“, erläuterte er.

Den überarbeiteten Luftalarm-Regeln zufolge werden die Ausgangssperren in Kyjiw verkürzt. Zudem wird während einer Bedrohung der Stufe Gelb eine U-Bahn-Linie, die den Fluss Dnipro überquert, vollständig in Betrieb bleiben. Die Maßnahmen seien eine Reaktion auf „Russlands sich wandelnde Taktiken“ und „den Einsatz von Drohnen, um das zivile Leben in unseren Städten zu zermürben und die normale wirtschaftliche Tätigkeit in unserem ganzen Land zu stören“, erklärte Selenskyj weiter. (AFP)

Kyjiw warnt vor unsicherem russischen Luftraum

Die ukrainische Regierung hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) darüber informiert, dass „der russische Luftraum nicht sicher ist“. Das gab der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am Mittwoch im Onlinedienst X bekannt und verwies auf die „Zunahme militärischer Aktivitäten“ über Russland. Sybiha forderte dazu auf, den russischen Luftraum zu meiden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits am Dienstag eine ähnliche Warnung an Fluggesellschaften, Versicherungsunternehmen und Passagiere ausgesprochen, die den russischen Luftraum nutzen. „In Russlands Luftraum werden sich Drohnen in einem Ausmaß befinden, das berücksichtigt werden muss“, erklärte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft in Onlinediensten. „Die sicheren Tage im russischen Luftraum sind vorbei“, fügte er hinzu.

„Die Ukraine will nicht, dass unschuldige Menschen ihr Leben verlieren“, sagte Selenskyj weiter. Daher würden die Verbündeten seines Landes gewarnt. Die Ukraine bedroht die zivile Luftfahrt „nicht als solche – kein einziges ziviles Flugzeug“. Ein „von Drohnen wimmelnder Luftraum“ sei allerdings „kein Ort für die zivile Luftfahrt“, fügte der ukrainische Staatschef hinzu.

Russlands Präsident Wladimir Putin brandmarkte Selenskyjs Äußerungen daraufhin als „Staatsterrorismus“. „Wenn dies laut ausgesprochen wurde, dann ist das schlichtweg eine Erklärung des Staatsterrorismus“, sagte Putin am Dienstag auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz im kirgisischen Bischkek. „Sollten sich solche Tragödien ereignen, werden wir wissen, wie wir darauf reagieren müssen.“ (AFP)

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht bei einem Pressestatement am Mittwoch.
Nach Leipzig-Drohnenvorfall – Spannungen mit Russland nehmen zu
Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht bei einem Pressestatement am Mittwoch.
IMAGO/ZUMA Press Wire

Nach den neuen Erkenntnissen zum Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle nehmen die Spannungen zwischen der Europäischen Union und Russland an Schärfe zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am Mittwoch weitere Sanktionen an.

„Europa und die Nato werden ihren Druck auf Russland nicht nur aufrechterhalten, wir werden ihn erhöhen“, sagte von der Leyen nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Brüssel. Die Bundesregierung hatte am Dienstag offiziell Russland für den Vorfall in Leipzig vor vier Wochen verantwortlich gemacht.

Von der Leyen sagte, dies zeige die wachsende Rücksichtslosigkeit Moskaus. „Wir müssen handeln, und das bedeutet, dass wir bereit sein müssen, schneller und besser auf Russlands Aggressivität zu reagieren.“ Rutte wies darauf hin, dass vermehrt Drohnen und Raketen in den Nato-Luftraum an der Ostflanke eingedrungen seien und feindselige Aktionen wie der Vorfall in Leipzig zugenommen hätten.

„Wenn Russland glaubt, dass wir uns durch Drohungen spalten oder dass wir uns von der Unterstützung der Ukraine abhalten lassen, irrt es sich“, sagte Rutte. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Angriffe auf die Infrastruktur: Putin hält die Deutschen für das schwächste Glied in der Ukraine-Koalition
Russland testet, wie weit es Deutschland erpressen kann. Dies endet erst, wenn Putin diesen Weg für erfolglos hält. In letzter Konsequenz mit dem Sieg der Ukraine und nicht mit weniger Hilfe für sie.
Greift Putin die Nato an?: Deutschland verdrängt die Gefahr
CIA-Chef Ratcliffe warnt den Kreml nach der Drohnenattacke in Leipzig und den unverblümten Drohungen Russlands gegen Großbritannien. Und Deutschland ist immer noch nicht vorbereitet.
Wahlen in der Ukraine trotz Krieg?: Der Schaden durch Abwarten steigt
Präsident Selenskyj und dem Parlament fehlt die demokratische Legitimation. Doch wegen Putins Krieg ist eine freie Wahl unmöglich. Was tun? Es hilft ein Blick in die deutsche Geschichte.
Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
mehr Artikel anzeigen