Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 13. Oktober, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Schwerer Angriff auf Kyjiw – Selenskyj beklagt fehlende Vorwarnung von Verbündeten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach russischen Raketenangriffen auf die Hauptstadt Kyjiw eine fehlende Vorwarnung durch die westlichen Verbündeten des Landes beklagt. „Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“, teilte Selenskyj bei Telegram mit. „Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen helfen dabei, Menschenleben zu retten, und das ist eine der kritischsten Fragen“, sagte er.

„Aber direkte oder indirekte Unterstützung Russlands, die Behinderung der Hilfe für die Ukraine und die Erschwerung des Schutzes vor ballistischen Angriffen – all das trägt definitiv nicht zum Frieden bei“, sagte Selenskyj weiter. Der Präsident nannte keinen Partner namentlich, betonte aber, das Land brauche ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Partner, „die wirklich helfen“. Er forderte wirksamen Druck auf Russland.

Die Ukraine verlässt sich in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg traditionell vor allem auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer Nato-Mitgliedsstaaten. Die ukrainischen Luftstreitkräfte hatten nach dem Angriff mitgeteilt, dass aufgeklärt werden müsse, warum es diesmal keine Warnung vor der russischen Attacke gegeben habe.

Auch in der Vergangenheit war die ukrainische Hauptstadt schon von den schnellen ballistischen Raketen überrascht worden. Bürger hatten beklagt, dass kein Luftalarm ausgelöst worden sei. Selenskyj sprach nun von einem „hinterhältigen ballistischen Angriff auf Kyjiw – fünf Raketen, die zivile Infrastruktur trafen“. (dpa)

Rutte will Nato-Verteidigung „bei Bedarf“ anpassen

Nach den jüngsten Drohnenangriffen auf Handelsschiffe vor der bulgarischen Küste hat Nato-Chef Mark Rutte „bei Bedarf“ eine Anpassung der Verteidigung in Aussicht gestellt. „Wir werden die Sicherheitslage weiter beobachten und unsere Abschreckungs- und Verteidigungsstellung bei Bedarf anpassen“, erklärte Rutte am Dienstag im Onlinedienst X. Die Nato werde „eng mit unseren Verbündeten im Schwarzen Meer zusammenarbeiten“. (AFP)

Putin soll Rückkehr zu Verhandlungen an Übergabe des restlichen Donbas knüpfen

Russlands Präsident Wladimir Putin soll zu Verhandlungen über ein Ende des Krieges erst bereit sein, wenn die Ukraine auch die noch von ihr kontrollierten Teile des Donbas abtritt. Das berichtet Reuters unter Berufung auf eine dem Kreml nahestehende Quelle. Dabei gehe es demnach um rund elf Prozent der Region.

Diese Einschätzung hätten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner bei Gesprächen in Miami auch ukrainischen Vertretern vermittelt. Moskau könnte eine solche Vereinbarung nach Darstellung der Reuters-Quelle innenpolitisch als Erfolg präsentieren.

Zustimmung der Deutschen zu EU-Beitritt der Ukraine sinkt seit 2022 deutlich

Die Bürger in Deutschland gehen mit Blick auf die EU-Beitrittsambitionen der Ukraine auf Distanz. Die Zustimmung zu einem EU-Beitritt des von Russland angegriffenen Landes fiel hierzulande von ehemals 61 Prozent (März 2022) auf 41 Prozent im Juni 2026, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. „Während die Bürger in der Ukraine ihren nationalen Widerstand auch als Verteidigung der EU sehen und sich eine rasche Mitgliedschaft wünschen, bleibt in der Europäischen Union die Skepsis spürbar“, heißt es dazu weiter. In der aktuellen Umfrage sprechen sich 53 Prozent der in der EU Befragten dagegen aus, der Ukraine schon bald die volle Mitgliedschaft zu gewähren.

Auch bei den kurzfristigen wirtschaftlichen Belastungen für Anpassungen im Rahmen des Beitrittsprozesses ist die öffentliche Meinung geteilt. Während zwei Drittel der Ukrainer ihre Bereitschaft erklären, höhere Kosten zu schultern, lehnen fast zwei Drittel der EU-Bürger dies ab. „Die prekäre Finanzlage der Ukraine ist eine Herausforderung für die gesamte EU, denn die Stabilität in unserem großen europäischen Nachbarland ist in unserem gemeinsamen Interesse“, sagte die Osteuropa-Expertin Miriam Kosmehl von der Bertelsmann Stiftung.

Allein für den Wiederaufbau werde der Finanzbedarf inzwischen auf über 500 Milliarden Euro geschätzt. Um diesen Bedarf zu decken, sei „ein umfassender Mix“ aus sich gegenseitig ergänzenden und verstärkenden Instrumenten erforderlich: „Dafür ist entscheidend, die Unterstützung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten“, mahnte die Expertin. (Reuters)

Trump bekräftigt: Putin will Deal mehr als Selenskyj

US-Präsident Donald Trump will ungeachtet der Kritik an seinem jüngsten Vorgehen im Ukraine-Krieg den Aggressor Russland nicht stärker in die Pflicht nehmen und sieht vor allem die Ukraine unter Zugzwang. Auf die Frage einer Reporterin, was er dazu sage, dass Russland die von ihm selbst verkündete Energie-Waffenruhe verletzt habe, sagte Trump: „Nun, ich müsste mir das erst einmal ansehen, denn es gab Verstöße auf beiden Seiten.“

Auf Nachfrage, wie er Russlands Präsidenten Wladimir Putin dazu bewegen wolle, sich an die Waffenruhe zu halten, sagte Trump, er glaube, dass Putin eine Einigung erzielen wolle – und man den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu bringen müsse, das ebenfalls zu wollen. Auch eine weitere Reporterfrage, wo er bei Putin die Bereitschaft für eine Einigung sehe, wenn dieser die Ukraine angreife, bügelte Trump ohne ein Wort der Kritik am Kreml ab: „Ich glaube, sie werden eine Einigung erzielen. Ich glaube tatsächlich, dass Putin mehr als Selenskyj daran interessiert ist, einen Deal zu machen.“

Trump beharrte darauf, dass die Ukraine und Russland einer Waffenruhe bei Angriffen auf Energieinfrastruktur zugestimmt hätten. Auf die Frage von Journalisten, warum er davon ausgehe, obwohl beide Seiten eine solche Vereinbarung nicht bestätigt hätten, antwortete Trump: „Nun, sie haben zugestimmt.“

Auf die Nachfrage, wie diese Zustimmung zustande gekommen sei, sagte Trump: „Weil ich gesagt habe: ‚Ihr stimmt zu.‘ Deshalb haben sie zugestimmt – weil ich gesagt habe, dass sie zustimmen.“

Selenskyj hatte die USA zuvor aufgefordert, Russland zur Einhaltung der von Trump verkündeten und auf den Energiesektor begrenzten Waffenruhe anzuhalten. „Wir warten darauf, welche konkreten Schritte die Amerikaner bereit sind zu unternehmen“, sagte Selenskyj in einer per Videoschalte auf dem Warschauer Sicherheitsforum übertragenen Rede.

Man sei am Sonntag sehr überrascht worden von Trumps Ankündigung in sozialen Medien, dass im Ukraine-Krieg alle Angriffe auf Energieanlagen sofort gestoppt würden, sagte Selenskyj weiter. „Und direkt nach der Veröffentlichung des Beitrags führte Russland einen gezielten Angriff auf ein Kraftwerk in Charkiw durch, wodurch unser Energiesystem weiteren Schaden davontrug.“  (dpa)

Nato-Staat Bulgarien meldet Angriff auf Schiffe vor seiner Schwarzmeer-Küste

Vor der Schwarzmeerküste des EU- und Nato-Mitgliedstaates Bulgarien sind nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew zwei Schiffe von Drohnen getroffen worden. Eines der Schiffe sei gesunken, teilt Radew in einer Fernsehansprache mit. Dies sei bereits der zweite derartige Vorfall innerhalb einer Woche.

Die unter maltesischer Flagge fahrende „Chelsea 3“ in ukrainischem Besitz sei gegen 00.30 Uhr (MESZ) etwa 33 Kilometer vor der Küste von drei Drohnen getroffen worden. Die Besatzung aus sieben Ukrainern und acht Aserbaidschanern sei gerettet worden. Fünf Seeleute seien medizinisch versorgt worden, es sei aber niemand schwer verletzt worden. Ein Besatzungsmitglied des gesunkenen Schiffes sei ebenfalls gerettet worden.

„Das ist absolut inakzeptabel – ein weiterer Angriff in unmittelbarer Nähe der bulgarischen Hoheitsgewässer“, sagt Radew. Er wolle mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte über den Vorfall sprechen. Bulgarien grenzt weder an die Ukraine noch an Russland, nimmt aber als Nato-Mitglied eine strategische Position am Schwarzen Meer ein. Es gebe keine eindeutigen Beweise, wer für den Angriff verantwortlich sei. Der Vorfall nütze allerdings Russland. Deshalb werde er den russischen Botschafter einbestellen. (Reuters)

Ukrainische Feuerwehrleute löschen einen Brand nach einem russischen Drohnenangriff auf ein mehrstöckiges Wohngebäude in Charkiw.
Mindestens acht Tote bei russischen Angriffen

Bei russischen Angriffen auf ein Wohnhochhaus nahe Kyjiw und andere Regionen in der Ukraine sind Behördenangaben zufolge mindestens acht Menschen getötet worden. 

In einem Vorort der Hauptstadt starben zwei Menschen bei dem Beschuss eines 25-stöckigen Gebäudes, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram mitteilt. Mindestens neun weitere Personen seien dort verletzt worden. Bei Angriffen in den Regionen Charkiw, Donezk und Dnipro kamen den Behörden zufolge mindestens sechs weitere Menschen ums Leben. In der Großstadt Charkiw seien zudem fünf Menschen verletzt worden, als der Eingang eines Wohnhauses einstürzte. (Reuters)

Ukrainische Feuerwehrleute löschen einen Brand nach einem russischen Drohnenangriff auf ein mehrstöckiges Wohngebäude in Charkiw.
Foto: SERGEY BOBOK / AFP

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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