Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft den USA vor, seinem Land nicht helfen zu wollen. „Wo liegt also hier die Wahrheit, wo ist die Ehrlichkeit? Wo ist die Pattsituation? (...) Das nennt man Unwillen!“, sagte Selenskyj am Donnerstag in einer emotionalen Rede und bezog sich dabei auf Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio.
Dieser hatte zuvor gesagt, der Krieg sei in einer Pattsituation und die USA würden weiter auf eine Lösung des Konflikts hinarbeiten. Selenskyj forderte zudem eine Öffnung des US-Satellitennetzwerks Starlink für die Ukraine: „Gebt es uns, helft uns, unseren Luftraum zu verteidigen und dort die Oberhand zu gewinnen. Und dann wird sich Putin an den Verhandlungstisch setzen.“ Ein uneingeschränkter Starlink-Zugang könnte Kyjiw die Bekämpfung russischer Raketen-Abschussanlagen erleichtern.
Selenskyj äußerte sich auf einer Pressekonferenz in der Stadt Pryluky etwa 130 Kilometer östlich der Hauptstadt Kyjiw. Dort waren zuletzt 22 Menschen bei einem russischen Angriff auf ein Wohnhaus getötet worden. Selenskyj zufolge wurden in den beiden vergangenen Tagen damit durch russische Angriffe insgesamt 78 Menschen auf ukrainischer Seite getötet und 225 verletzt.
Selenskyj kritisierte am Donnerstag zudem, die USA seien an wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland interessiert und zugleich wollten sie in dem seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg vermitteln. „Man kann nicht einerseits mit den Russen über zukünftige Wirtschaftsprojekte verhandeln und andererseits behaupten, wir befänden uns in einer Art (...) diplomatischer Pattsituation“, fügte er hinzu. US-Präsident Donald Trump müsse den Sanktionsdruck auf Russland verstärken. Nach Selenskyjs Angaben reisen ukrainische Unterhändler am Freitag zu Gesprächen in die USA. (Reuters)