Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 29. Mai, 09:10 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1803
letzte Woche, 1497 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1803
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1183
200
170
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
439
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU)
Wadephul zu Drohnen-Vorfall: Lassen uns nicht einschüchtern
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU)
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Credit: imago/CTK Photo

Außenminister Johann Wadephul hat eine geschlossene Reaktion von Nato und EU auf den Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus in Rumänien angekündigt.

„Wir lassen uns weder einschüchtern noch lassen wir uns spalten“, sagte der CDU-Politiker am Rande eines Besuches bei den Vereinten Nationen in der US-Ostküstenmetropole New York. „Wir werden dieses Vorgehen Russlands geschlossen beantworten. Unsere gesamte Solidarität gilt unserem Bündnispartner und EU-Partner Rumänien.“

Der Absturz der Drohne zeige, dass Russlands rücksichtsloses Vorgehen die Sicherheit der Bürger in ganz Europa bedrohe. Als Nato-Alliierte werde man der Ukraine weiter entschlossen helfen, sich Russlands Aggression zu widersetzen.

Man werde zudem die europäische Verteidigungsfähigkeit innerhalb der Nato schnell und entschlossen ausbauen. „Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit. Dieses alte Motto der Nato bekommt eine neue Bedeutung.“

Die mit Sprengstoff beladene russische Drohne vom Typ Geran schlug in der Nacht zum Freitag auf dem Dach eines zehnstöckigen Wohnblocks in der ostrumänischen Stadt Galati ein, nahe den Grenzen zur Ukraine und der Republik Moldau. (dpa)

Russland weist Vorwürfe über Drohnenflüge in Europa zurück

Russland weist Vorwürfe über angebliche Flüge russischer Drohnen über Europa als unbegründet zurück.

Es seien keinerlei Beweise oder Fakten vorgelegt worden, erklärt die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wie die Nachrichtenagentur RIA meldet.

Sämtliche Anschuldigungen, insbesondere über Drohnen in Ländern der Europäischen Union, entbehrten jeder Grundlage. (Reuters)

Medwedew droht europäischen Staaten mit weiteren Drohnen-Vorfällen

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, warnt die europäischen Staaten vor weiteren Drohnen-Vorfällen. Es herrsche Krieg, und die Bürger der EU-Staaten würden nicht mehr ruhig schlafen können, erklärt der Ex-Präsident.

Es müsse zwar noch geklärt werden, wem die in Rumänien abgestürzte Drohne gehöre. Die europäischen Politiker sollten sich jedoch nicht empören, da sie sich direkt an einem Krieg gegen Russland beteiligten.

Solche Vorfälle würden sich weiter ereignen, insbesondere dort, wo Drohnen für die Ukraine hergestellt würden, so Medwedew.

Zudem kündigt das russische Außenministerium eine rasche Reaktion auf die Schließung des russischen Konsulats im rumänischen Constanța durch die Regierung in Bukarest an. (Reuters)

Ein russisches Oreschnik-Raketensystem während eines Trainings in Belarus.
Militäranalysten zweifeln an Kampffähigkeit von Russlands Oreschnik-Rakete
Ein russisches Oreschnik-Raketensystem während eines Trainings in Belarus.
Ein russisches Oreschnik-Raketensystem während eines Trainings in Belarus. Credit: -/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Die russische Mittelstreckenrakete Oreschnik befindet sich möglicherweise noch immer in der Erprobungsphase. Zu diesem Schluss kommt das ukrainische Fachportal Defense Express.

Die Analysten verweisen darauf, dass Russland die Rakete bereits mehrfach gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt hat. Das Muster der Einschläge spreche jedoch dafür, dass ein zentrales Element des Waffensystems bislang nicht ordnungsgemäß funktioniert.

Dabei handelt es sich um die Stufe, die mehrere unabhängig steuerbare Sprengköpfe nach dem Wiedereintritt in die Atmosphäre auf unterschiedliche Ziele verteilen soll.

Nach Angaben von Defense Express landeten bei allen bisherigen Einsätzen die Gefechtsköpfe dicht beieinander, anstatt verschiedene Ziele anzusteuern. Gerade diese Fähigkeit gilt jedoch als entscheidender Vorteil der Oreschnik.

„Möglicherweise ist dieses Modul noch nicht einsatzbereit. Ohne diese Fähigkeit ist der militärische Wert der Oreschnik jedoch mehr als fraglich – selbst aus Sicht des russischen Generalstabs“, schreibt Defense Express. (Valeriia Semeniuk)

Selenskyj warnt vor neuem russischen Großangriff

Russland bereitet nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen neuen Großangriff auf die Ukraine vor. Selenskyj berief sich am Freitag in einem Beitrag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram auf Geheimdienst-Erkenntnisse.

Er forderte zudem weitere Sanktionen gegen Russland. Die Umsetzung von Vereinbarungen mit Partnern über die Lieferung von Luftabwehrsystemen dürfe nicht verzögert werden.

Russland hatte am Montag „systematische Angriffe“ auf Ziele in Kyjiw angekündigt. Zudem forderte die Regierung in Moskau Ausländer und Diplomaten auf, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen. (Reuters)

Deutsche wird Chefin von Sicherheitsmission in der Ukraine

Eine Deutsche wird neue Chefin der EU-Mission zur Unterstützung des zivilen Sicherheitssektors in der Ukraine. Die Juristin Cornelia Taylor trete den Posten zum 1. Juli an, teilte die Vertretung der EU-Mitgliedstaaten in Brüssel mit. Taylor sei unter anderem wegen ihrer mehr als 20-jährigen Erfahrung in der Leitung komplexer Kriseneinsätze ausgewählt worden.

Demnach arbeitete Taylor bereits in Führungspositionen bei UN- und EU-Missionen im Kosovo, in der Demokratischen Republik Kongo und in Afghanistan. Zuletzt war sie stellvertretende Leiterin der OSZE-Mission im Kosovo.

Die EU-Mission EUAM Ukraine war 2014 zur Unterstützung des Landes bei Reformen eingerichtet worden und beschäftigt mittlerweile mehr als 400 internationale und lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Derzeit hilft sie den ukrainischen Behörden auch bei der Strafverfolgung von Verbrechen im Zusammenhang mit Russlands Angriffskrieg, beim Grenzmanagement, der Bekämpfung hybrider Bedrohungen und bei der Wiedereingliederung von Kriegsveteranen.

EUAM Ukraine verfügt über Außenstellen in Kyjiw, Lwiw und Odessa sowie über eine mobile Einheit. Außenstellen in Charkiw und Mariupol sind derzeit wegen der Sicherheitslage beziehungsweise russischer Besatzung nicht einsatzfähig. (dpa)

Polen empört über Benennung von ukrainischer Einheit nach Weltkriegs-Truppe

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Polen für Empörung gesorgt, indem er eine Einheit der ukrainischen Armee nach der berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannte. Die UPA war im Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Ukraine für Massaker an Polen verantwortlich. Polens Regierungschef Donald Tusk erklärte am Freitag, Selenskyjs Entscheidung „verletzt unsere historische Sensibilität“. Staatschef Karol Nawrocki schlug vor, Selenskyj die höchste polnische Auszeichnung, den Orden Weißer Adler, abzuerkennen.

Die UPA galt in den 1940er Jahren als militärischer Arm der OUN, der Partei ukrainischer Nationalisten. Bei den von 1943 bis 1945 begangenen Massakern töteten UPA-Mitglieder bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien. Die Region gehörte bis 1939 zu Polen. Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurden sie damals der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen. Heute liegt sie im Nordwesten der Ukraine.

In ihrem Kampf für die ukrainische Unabhängigkeit von der Sowjetunion kollaborierten OUN und UPA im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit Hitler-Deutschland. Die Mitglieder von OUN und UPA werden in der heutigen Ukraine als Helden verehrt. 2024 hatte Uneinigkeit über das Massaker von Wolhynien zu diplomatischen Streitigkeiten zwischen Kyjiw und Warschau geführt. Die polnische Regierung ist ein vehementer Unterstützer der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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