Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 14. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1978
letzte Woche, 1982 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1978
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 7.8., letzte Aktualisierung: 12.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1292
200
132
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 7.8., letzte Aktualisierung: 12.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland meldet Schäden am Ostseehafen Ust-Luga nach Drohnenangriff

Nach offiziellen Angaben Russlands ist das Gebiet um den russischen Ostseehafen Ust-Luga nach Drohnenangriffen beschädigt worden. Das teilt der regionale Gouverneur Alexander Drosdenko auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Ust-Luga ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Ölexport. (Reuters)

Kampfjets schießen Drohne über Lettland ab – Finnland richtet Sperrzone ein

Eine Drohne ist in den lettischen Luftraum eingedrungen und von Kampfjets eines Nato-Partnerstaats abgeschossen worden. Der Luftalarm sei damit aufgehoben, teilte das lettische Militär in der Nacht auf der Plattform X mit. Zuvor hatten die Streitkräfte die Menschen in dem Baltenstaat und Nato-Land aufgerufen, sich nicht im Freien aufzuhalten und sich in Sicherheit zu bringen.

Das Militär machte zunächst keine genauen Angaben zur Herkunft des unbemannten Fluggeräts über der Region Balvi. Die Armee sprach aber von einer ausländischen Drohne, die infolge von Russlands elektronischer Kampfführung in den lettischen Luftraum geraten sei. Damit lag nahe, dass es sich um eine abgewehrte ukrainische Drohne gehandelt haben könnte. Der EU- Staat Lettland mit seinen knapp 1,9 Millionen Einwohnern grenzt im Osten an Russland.

Im Ukraine-Krieg setzen sowohl der Angreifer Russland als auch die sich verteidigende Ukraine Drohnen ein. Es blieb zunächst unklar, welche Kampfjets am Abschuss der Drohne beteiligt waren. Größere Nato-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland.

Auch die Regierung in Helsinki richtete nachts im östlichen Golf von Finnland eine vorübergehende Sperrzone für den Luft- und Schiffsverkehr ein, wie die dortigen Streitkräfte ebenfalls auf X erklären. Das Nato-Land mit seinen rund 5,65 Millionen Einwohnern teilt ebenfalls eine Grenze mit Russland – auf einer Länge von 1340 Kilometern.  (dpa, Reuters, Tsp)

Schwerer russischer Bombenangriff auf Kramatorsk

Durch einen russischen Bombenangriff auf die frontnahe Stadt Kramatorsk in der Ostukraine sind nach Behördenangaben mindestens 15 Menschen verletzt worden. Es gebe bislang einen Toten, teilte der Militärverwalter des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram mit. 

Seinen Angaben zufolge wurde die Stadt achtmal aus der Luft angegriffen, mutmaßlich mit Gleitbomben. In einem großen Wohnblock sei ein Brand ausgebrochen. Filaschkin riet den Einwohnern von Kramatorsk, in weniger gefährdete Gebiete der Ukraine umzusiedeln. (dpa)

Estland öffnet Grenzübergänge zu Russland nur noch tagsüber

Estland beschränkt aus Sicherheitsgründen den Betrieb der Grenzübergänge zu Russland. Die Regierung des baltischen EU- und Nato-Landes entschied in der Hauptstadt Tallinn, den Betrieb an den Kontrollpunkten Narva, Luhamaa und Koidula in den Nachtstunden auf unbeschränkte Zeit auszusetzen. Tagsüber sollen die Grenzübergänge weiterhin zwölf Stunden lang von 7 bis 19 Uhr geöffnet bleiben. Dieselben Öffnungszeiten werden auch für die Bahngrenzübergänge gelten.

Die Regierung verlängerte damit eine seit dem Frühjahr geltende Regelung, die zunächst bis Ende August gelten sollte. Die Entscheidung sei „im weiteren Kontext“ der Beziehungen zwischen Russland und der EU getroffen worden, deren Ton durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine vorgegeben werde, hieß es in der Mitteilung des Innenministeriums. 

„Ziel der Einschränkung war es, die Grenzsicherheit und unsere Reaktionsfähigkeit bei Grenzvorfällen zu erhöhen sowie die Zollkontrollen zu verbessern. An diesen Erfordernissen hat sich nichts geändert“, sagte Innenminister Igor Taro. Durch die nächtliche Schließung der Übergänge könnte Personal effizienter eingesetzt werden. Den Angaben zufolge ist die Zahl der Grenzübertritte zuletzt zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2026 überquerten demnach rund 444.000 Menschen in Narva, Luhamaa und Koidula die Grenze – 13 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der abgefertigten Fahrzeuge sei um fast 20 Prozent gesunken. 

Der Innenminister erklärte in der Mitteilung zugleich, warum Estland – anders als etwa Finnland – seine Grenze zu Russland nicht vollständig schließe. Dafür müsse ein klarer Sicherheitsbedarf vorliegen, der durch eine Gefährdungsanalyse bestätigt werde. „Gegenwärtig existiert keine solche Gefährdungsanalyse“, sagte der Minister. (dpa) 

Insider: Ukraine schlägt Russland Feuerpause für zivile Ziele im Schwarzen Meer vor

Die Ukraine schlägt Russland Insidern zufolge einen gegenseitigen Stopp von Angriffen auf zivile Ziele im Schwarzen Meer vor. Das Angebot sei über einen Drittstaat übermittelt worden, eine Antwort liege noch nicht vor, sagt eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Beide Seiten warnten zuletzt vor den Folgen von Angriffen auf Getreidetransporte und die Hafeninfrastruktur für die weltweiten Lebensmittelpreise. (Reuters)

Russe soll Mordanschlag auf US-Bürger in Polen geplant haben

Polens Geheimdienst hat nach Regierungsangaben einen Russen gefasst, der einen Mordanschlag auf einen Mann mit ukrainischer und US-Staatsbürgerschaft geplant haben soll. Das potenzielle Mordopfer sei unbequem für das System von Russlands Präsident Wladimir Putin gewesen, sagte Regierungschef Donald Tusk in Warschau. „Dank einer blitzschnellen Aktion konnten wir dieser Exekution zuvorkommen.“ Dabei habe man auch mit den US-Geheimdiensten zusammengearbeitet.

Die Festnahme sei bereits am 7. August erfolgt, schrieb Geheimdienst-Koordinator Tomasz Simoniak auf X. Der russische Staatsbürger habe den Anschlag auf Anweisung eines fremden Geheimdienstes vorbereitet. Die Tat sei in Warschau geplant gewesen. „Dies ist der erste Fall, bei dem jemand aus Russland einen Anschlag auf einen US-Bürger auf dem Gebiet eines Nato-Landes geplant hat“, sagte Regierungschef Tusk.

Das EU- und Nato-Land Polen ist einer der wichtigsten politischen und militärischen Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine. Es hat auch knapp eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen. Die Regierung in Warschau wirft den Geheimdiensten Russlands und seines Verbündeten Belarus vor, viele Agenten ins Land zu schicken. (dpa)

UN: Zivile Todesopfer in der Ukraine im Juli auf höchstem Stand seit Mai 2022

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach Angaben von Beobachtern der Vereinten Nationen im Juli so viele Zivilisten ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr in einem Monat. Es seien mindestens 437 Menschen in der Ukraine getötet und 2.610 weitere Zivilisten verletzt worden, gab die UN-Menschenrechtsbeobachtermission bekannt. Das sei im Vergleich zum Juni ein Anstieg um 30 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli sogar eine Erhöhung um 70 Prozent. „Die Zahl der Getöteten ist die höchste, die seit Mai 2022 erfasst wurde“, teilte die Mission mit.

Die tatsächliche Zahl der Opfer sei wahrscheinlich höher, hieß es. Die Überprüfung von Todesmeldungen dauere an. In diesem Jahr habe sich die Zahl der Opfer von Monat zu Monat erhöht. Dabei habe es die ukrainische Hauptstadt Kyjiw im Juli besonders hart getroffen. Demnach wurden dort 54 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt.

Grund sei die Eskalation der Gewalt durch die massiven russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern, hieß es. Aber auch Drohnenschläge und Gleitbomben seien weiter eine große Gefahr für die Menschen. Die Ukraine beklagt seit Monaten, sich vor den intensivierten russischen Angriffen mit ballistischen Raketen nicht ausreichend schützen zu können, weil es an Raketen für das effektive Abwehrsystem vom Typ Patriot fehle.

Auch auf russischer Seite habe die Zahl der getöteten Zivilisten im Juli zugenommen, teilten die UN-Beobachter mit. Russische Behörden hätten demnach 79 Tote und mehr als 600 Verletzte gemeldet. Nach Angaben der Mission sind die Zahlen schwer überprüfbar, weil der Zugang zu Informationen in Russland eingeschränkt sei.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 haben die Vereinten Nationen nach eigenen Angaben mindestens 16.874 getötete Zivilisten erfasst, darunter 820 Kinder. Die Zahl der Verletzten liege insgesamt bei 51.273, darunter mehr als 3.000 Kinder, hieß es. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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