Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 08. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1980
letzte Woche, 1915 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1980
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1237
200
195
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Drohne explodiert in Bulgarien – Ministerium nimmt Versehen an

Im Nato- und EU-Mitgliedsland Bulgarien ist am Samstag eine Drohne nahe einer Gas-Pipeline explodiert. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Sofia handelte es sich ersten Erkenntnissen zufolge höchstwahrscheinlich um eine sogenannte Maya-Köderdrohne, wie sie von den ukrainischen Streitkräften eingesetzt wird. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass die Drohne absichtlich auf bulgarisches Gebiet gesteuert wurde, teilte das Ministerium mit. Nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew gab es weder Verletzte noch Sachschaden.

Die Drohne sei am Morgen aus dem rumänischen in den bulgarischen Luftraum eingedrungen und in einem Sonnenblumenfeld nahe dem Dorf Kardam an der Grenze explodiert. Der Explosionsort liegt Radew zufolge in unmittelbarer Nähe kritischer Energie-Infrastruktur. Er sei nur 1000 Meter von der bulgarischen Kompressorstation der Transbalkan-Gaspipeline und 200 Meter von der dazugehörigen rumänischen Station entfernt.

Das unbemannte Fluggerät sei zuvor weder im bulgarischen noch im rumänischen Luftraum entdeckt worden. Dies bestätige, dass die Ortung von Drohnen eine Herausforderung bleibe, sagte Radew. Er verwies auf Verzögerungen bei der Lieferung von Präzisionsradaren für die Armee und kündigte an, die Sicherheit strategischer Standorte und die Überwachung der Grenze zu verstärken.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind wiederholt Drohnen oder Raketenteile in Nachbarländern wie Rumänien, Polen oder der Republik Moldau niedergegangen. Russland greift immer wieder ukrainische Häfen an der Donau an, die direkt an der Grenze zu Rumänien und damit in der Nähe Bulgariens liegen. (Reuters)

Russland will ukrainische Häfen getroffen haben

Das russische Militär will nach eigener Darstellung verschiedene Ziele in und vor ukrainischen Häfen angegriffen und beschädigt haben. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau nach Angaben der Staatsagentur Tass mitteilte, seien unter anderem die Häfen von Odessa und Mykolajiw mit Präzisionswaffen der Luftwaffe sowie mit Kampfdrohnen attackiert worden.

Dabei sei unter anderem bei Mykolajiw ein Frachter mit militärischer Ladung getroffen worden, während in Odessa eine Anlage zur elektronischen Aufklärung beschädigt worden sei. Ein weiterer Frachter mit militärischen Gütern sei vor der ukrainischen Küste angegriffen worden.

Die russischen Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden. Von ukrainischer Seite gab es zu den Berichten des Verteidigungsministeriums in Moskau keine Reaktion. Russland versucht seit einiger Zeit, die ukrainische Schifffahrt in der Region Odessa sowie zu den verschiedenen Binnenhäfen an der Donau und am Bug zu stören. (dpa)

Selenskyj: Ukraine hat praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr

Die Ukraine verfügt nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj vor dem kommenden Winter über praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr. Grund seien die nahezu täglichen russischen Angriffe, sagte Selenskyj am Samstag bei seinem ersten offiziellen Besuch in Serbien seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic habe er in Belgrad über die „Herausforderungen gesprochen, vor denen die Ukraine in diesem Winter stehen wird“.

Wärmekraftwerke erzeugen Strom durch die Verbrennung von Brennstoffen wie Kohle oder Gas. „Die russischen Raketen zielen ganz konkret darauf ab, das Leben der Ukrainer unerträglich zu machen“, sagte Selenskyj.

Selenskyj und Vucic führten am Samstag offizielle Gespräche im serbischen Präsidentenpalast. Bereits vor dem Besuch hatten beide Seiten die Zusammenarbeit im Energiebereich als eines der Gesprächsthemen genannt. (AFP)

 Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein serbischer Amtskollege Aleksandar Vucic nehmen im Serbien-Palast an einer Pressekonferenz teil.
Selenskyj und Vucic: Kooperation trotz Moskau-Nähe Belgrads
 Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein serbischer Amtskollege Aleksandar Vucic nehmen im Serbien-Palast an einer Pressekonferenz teil.
Darko Vojinovic/AP/dpa

Serbiens Regierung gilt als moskautreu, die Ukraine wird von Russland mit Krieg überzogen – trotzdem möchten beide Länder enger zusammenarbeiten. Darüber sprach der serbische Präsident Alexander Vucic mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, der erstmals Belgrad besuchte. Es ging auch um den künftigen Weg beider Länder in die EU.

Eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine war kein Thema, wie Vucic bei einer Pressekonferenz betonte. Er verneinte, dass Serbien zusammen mit der Ukraine Drohnen bauen wolle. Eine derartige Kooperation sei allerdings mit Israel geplant, sagte Vucic. Vertreter beider Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Kooperation in Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit. Ein Freihandelsabkommen solle bis Ende des Jahres ausgearbeitet werden, sagte Selenskyj. Er dankte auch für die humanitäre Hilfe Serbiens für den Medizin- und Energiebereich in der Ukraine.

Vucic erklärte, dass sein Land die territoriale Integrität der Ukraine unterstütze. Er dankte Kyjiw dafür, im Fall Serbien dasselbe zu tun: „Wir sind der Ukraine dankbar für die Unterstützung der territorialen Integrität Serbiens“, sagte er. Dabei erwähnte Vucic die frühere serbische Provinz Kosovo nicht, die 2008 nach einem blutigen Krieg ihre Unabhängigkeit erklärt hat – zielte aber offensichtlich darauf ab. Die meisten EU-Staaten erkennen diese Abspaltung Kosovos an, nicht aber Serbien – und auch nicht die Ukraine. Kyjiw will keinen Präzedenzfall schaffen, mit dem sich die Abspaltung des von Russland reklamierten Donbass und der Halbinsel Krim rechtfertigen ließe. (dpa)

Drohne explodiert in Bulgarien nahe Grenze zu Rumänien

In Bulgarien ist nahe der Grenze zu Rumänien eine Drohne explodiert. Es gibt jedoch keine Verletzten oder Schäden an der Infrastruktur, sagt Ministerpräsident Rumen Radew der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA zufolge. Die Drohne sei um 8.10 Uhr Ortszeit in den bulgarischen Luftraum eingedrungen und in einem Sonnenblumenfeld detoniert. Das Gebiet ist abgesperrt. (Reuters)

Russland meldet Einnahme von Ortschaft in Region Charkiw

Russland meldet die Einnahme der Ortschaft Iwaniwka in der ukrainischen Region Charkiw. Die Streitkräfte hätten die Siedlung unter ihre Kontrolle gebracht, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Angaben lassen sich von der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht unabhängig überprüfen. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt zunächst nicht vor. (Reuters)

Moskau spricht von Treffer auf Rüstungsfabrik Fire Point

Das russische Militär spricht nach dem nächtlichen Luftangriff auf Kyjiw von einem Schlag gegen den ukrainischen Rüstungshersteller Fire Point. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es sei eine Produktionsstätte getroffen worden, die Teile und Sprengköpfe für den ukrainischen Marschflugkörper FP-5 Flamingo herstelle. Außerdem sei ein Treibstofflager vernichtet worden, das die ukrainische Armee beliefere.

Belege für diese Darstellung lieferte die russische Seite nicht. Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb auf Telegram von Berichten über brennende Öltanks im Stadtteil Obolon. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
Trump in der Iran-Falle: Mit Europas Ideen nicht zu lösen
Viele Deutsche warten auf einen haltbaren Frieden am Golf und Energiepreise wie vor dem Krieg. Beide Ziele sind jedoch nur durch anhaltenden militärischen Druck zu erreichen.
Bilanz des Nato-Gipfels mit Trump: Love is in the air – das müssen die Europäer nutzen
Die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kommt beim Treffen in Ankara ausnahmsweise der Allianz und der Ukraine zugute. Offen bleibt aber, wie lange auf Trumps neue Zuneigung Verlass ist.
Droht die Nato zu zerbrechen?: Diskutieren Sie mit beim „High Noon“-Expertentalk um 12 Uhr
Die USA wollen sich aus Europa zurückziehen. Droht das transatlantische Verteidigungsbündnis unter Trump zu zerbrechen? Die Tagesspiegel-Experten ordnen ein.
mehr Artikel anzeigen