Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 10. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1869
letzte Woche, 1821 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1869
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 4.9., letzte Aktualisierung: 9.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
111
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
488
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 4.9., letzte Aktualisierung: 9.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Namen gefallener Soldaten offenbar für russische Wahlmanipulation genutzt

Die Namen gefallener russischer Soldaten sollen in den besetzten Teilen der Region Saporischschja zur Manipulation der Wahlen zur russischen Staatsduma genutzt werden. Das berichtet die Partisanenbewegung Atesch unter Berufung auf eigene Quellen im 291. motorisierten Schützenregiment der russischen Armee. Demnach erhielt die Führung des Regiments den Auftrag, eine festgelegte Zahl von Stimmen für die Kremlpartei „Einiges Russland“ sicherzustellen. Wegen der hohen Verluste fehle es jedoch an Soldaten, um die vorgegebene Quote zu erfüllen.

Nach Angaben von Atesch verzögert der Regimentsstab deshalb die offizielle Erfassung gefallener und vermisster Soldaten. Offiziere würden anschließend Stimmzettel in deren Namen ausfüllen. Die Wahlzettel würden nach Melitopol, Berdjansk und Tokmak in den russisch besetzten Gebieten gebracht. „Während Angehörige monatelang vergeblich versuchen, Gewissheit über das Schicksal ihrer Verwandten zu bekommen und die ihnen zustehenden Zahlungen zu erhalten, nutzen Kommandeure die Namen der Gefallenen, um die Zahlen in ihren politischen Berichten künstlich in die Höhe zu treiben“, erklärte die Bewegung auf Telegram.

Die vorgezogene Stimmabgabe in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten begann am 29. August. Die eigentlichen Wahlen zur Staatsduma sind für den 18. bis 20. September angesetzt. Moskau lässt auch in den besetzten Gebieten der Ukraine über die Zusammensetzung des russischen Parlaments abstimmen. Die von Russland beanspruchte Annexion dieser Gebiete wird international nicht anerkannt.

Russische Raketenträger im Schwarzen Meer wohl stark dezimiert

Nach einer Reihe ukrainischer Angriffe auf die russische Schwarzmeerflotte verfügt Russland dort nach Einschätzung des Militärportals Defense Express nur noch über drei bis vier einsatzfähige Träger für Kalibr-Marschflugkörper. Ihre mögliche Gesamtsalve liegt demnach bei etwa 16 bis 24 Raketen – rund viermal weniger als zu Beginn der russischen Vollinvasion im Jahr 2022. Damals konnten russische Schiffe und U-Boote im Schwarzen und Asowschen Meer zusammen 76 bis 80 Kalibr-Raketen tragen.

Zuletzt griff die Ukraine am 9. September russische Raketenträger in Noworossijsk an. Der Hafen ist zu einem zentralen Stützpunkt der Schwarzmeerflotte geworden, nachdem Russland wegen wiederholter ukrainischer Angriffe einen erheblichen Teil seiner Schiffe von der besetzten Krim abgezogen hatte. Der ukrainische Präsident und der Generalstab meldeten Treffer auf Kalibr-Träger. Einen Tag später berichteten OSINT-Analysten von Schäden an drei Kriegsschiffen – einem kleinen Raketenschiff der Klasse Bujan-M sowie den Fregatten „Admiral Essen“ und „Admiral Makarow“.

Nach Berechnungen von Defense Express dürften Russland in der Region noch ein bis zwei einsatzfähige Schiffe der Bujan-M-Klasse sowie zwei U-Boote der Warschawjanka-Klasse zur Verfügung stehen. Ein weiteres U-Boot, die „Alrosa“, befindet sich demnach in einem schlechten technischen Zustand, weshalb seine Einsatzfähigkeit als fraglich gilt. Trotz der Schwächung der Schwarzmeerflotte kann Russland die Ukraine jedoch weiterhin auch mit Kalibr-Raketen angreifen: Die Marschflugkörper haben eine Reichweite von rund 1500 Kilometern und können auch vom Kaspischen Meer aus eingesetzt werden. Zusätzliche Raketenträger könnte Russland theoretisch über den Wolga-Don-Kanal ins Schwarze Meer verlegen.

Tote und Verletzte bei Angriffen auf Tankstellen in Kiew

Bei russischen Drohnenangriffen auf Tankstellen sind in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens zwei Menschen getötet worden. Sechs von acht Verletzten seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko bei Telegram mit. Tags zuvor hatte es den ersten direkten Angriff auf eine Tankstelle in der Millionenstadt gegeben.

Zudem sei in der vergangenen Nacht eine Drohne in ein neunstöckiges Wohnhaus eingeschlagen, teilte Klitschko mit. Dabei seien acht Menschen verletzt worden. (dpa)

Russland spricht von 777 abgeschossenen ukrainischen Drohnen

Russland hat in der Nacht zum Freitag nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau 777 ukrainische Drohnen abgeschossen. Sie seien über etwa 15 Regionen und der Halbinsel Krim abgefangen worden, erklärte das russische Ministerium weiter. (AFP)

Russland: Zwei Tote bei Drohnenangriffen in Region Tula

Bei Drohnenangriffen auf die zentralrussische Region Tula sind nach Angaben der örtlichen Behörden zwei Menschen getötet worden. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, teilt der Gouverneur der Region, Dmitri Miljajew, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die russische Luftabwehr habe in der Nacht 26 Drohnen über dem Gebiet abgeschossen. (Reuters)

Putin vor Gipfeltreffen der Brics-Staaten in Indien eingetroffen

Der russische Präsident Wladimir Putin ist vor dem Gipfeltreffen des Schwellenländer-Bündnisses Brics in Indien eingetroffen. Putin kam am Freitag auf einem Luftwaffenstützpunkt in Neu-Delhi an, wie Bilder der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zeigten. Er wurde dort vom indischen Außenstaatssekretär Kirti Vardhan Singh empfangen.

Die Staats- und Regierungschefs der Brics-Staaten versammeln sich am Wochenende in der indischen Hauptstadt. Erwartet werden neben Putin unter anderem der chinesische Präsident Xi Jinping und der iranische Präsident Masud Peseschkian. Gastgeber ist Indiens Premierminister Narendra Modi. Zentrale Themen dürften der Ukraine-Krieg und der Iran-Krieg sowie deren weltweiten Auswirkungen werden.

Zu den Brics-Staaten zählen neben China, Indien, Russland und dem Iran unter anderem Brasilien, Südafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate. Das Bündnis war 2009 mit dem Ziel gegründet worden, aufstrebenden Schwellenländern international mehr Gewicht zu geben. (AFP)

Brand in Wohnhaus in Kyjiw nach russischem Luftangriff

Russische Luftangriffe haben in Kyjiw einen Brand in einem neunstöckigen Wohnhaus ausgelöst. Dies teilten die städtischen Behörden über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Angriffe auf die Infrastruktur: Putin hält die Deutschen für das schwächste Glied in der Ukraine-Koalition
Russland testet, wie weit es Deutschland erpressen kann. Dies endet erst, wenn Putin diesen Weg für erfolglos hält. In letzter Konsequenz mit dem Sieg der Ukraine und nicht mit weniger Hilfe für sie.
Greift Putin die Nato an?: Deutschland verdrängt die Gefahr
CIA-Chef Ratcliffe warnt den Kreml nach der Drohnenattacke in Leipzig und den unverblümten Drohungen Russlands gegen Großbritannien. Und Deutschland ist immer noch nicht vorbereitet.
Wahlen in der Ukraine trotz Krieg?: Der Schaden durch Abwarten steigt
Präsident Selenskyj und dem Parlament fehlt die demokratische Legitimation. Doch wegen Putins Krieg ist eine freie Wahl unmöglich. Was tun? Es hilft ein Blick in die deutsche Geschichte.
Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
mehr Artikel anzeigen