Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 01. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1803
letzte Woche, 1497 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1803
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1183
200
170
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
439
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Ukrainische Feuerwehrleute löschen nach einem russischen Luftangriff ein Feuer.
Viele Verletzte nach russischen Angriffen in der Ukraine
Ukrainische Feuerwehrleute löschen nach einem russischen Luftangriff ein Feuer.
Ukrainische Feuerwehrleute löschen nach einem russischen Luftangriff ein Feuer. Credit:  UKRAINIAN EMERGENCY SERVICE / AFP

In der Ukraine sind bei russischen Angriffen erneut rund ein Dutzend Menschen verletzt worden. In der grenznahen Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine habe es auch Einschläge in zwei Wohnblocks gegeben, teilte Gouverneur Oleh Synjehubow mit.

Dabei seien in Charkiw zwei Personen verletzt worden, eine weitere Frau habe es in der Kleinstadt Bohoduchiw getroffen, schrieb er auf Telegram.

Drei Verletzte gab es in der Nacht auch im südukrainischen Cherson. Das russische Militär beschoss die Stadt mit Artillerie. Nach Angaben der Stadtverwaltung schlug ein Geschoss gegen 1:30 Uhr Ortszeit (0:30 Uhr MESZ) in einem Wohnhaus ein.

Vier weitere Personen wurden nach Behördenangaben in den Landkreisen der Region verletzt, allerdings blieb bei diesen Angaben offen, ob die Opfer in der Nacht oder im Verlaufe des Vortags getroffen wurden.

Vier weitere Verletzte gab es in der Region Dnipropetrowsk. Eine 54-Jährige schwebe in Lebensgefahr, teilte der Gouverneur Olexander Hanscha am Morgen mit. Zum Zeitpunkt der Angriffe machte er keine Angaben. (dpa)

Frankreich setzt im Atlantik mit Verbündeten erneut russischen Öltanker fest

Die französische Marine hat im Atlantik erneut einen aus Russland kommenden Öltanker festgesetzt. Der Tanker „Tagor“ sei am Sonntagmorgen in internationalen Gewässern mit Unterstützung Großbritanniens und weiterer Partner gestoppt worden, erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag im Onlinedienst X.

„Es ist inakzeptabel, dass Schiffe internationale Sanktionen umgehen, das Seerecht verletzen und den Krieg finanzieren, den Russland seit mehr als vier Jahren gegen die Ukraine führt“, erklärte Macron. Zu seiner Mitteilung veröffentlichte der Präsident kurze Aufnahmen des Einsatzes.

Es war die vierte Festsetzung dieser Art durch Frankreich im Kampf gegen die sogenannte russische Schattenflotte. Mit den oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffen dieser Flotte umgeht Russland nach Überzeugung westlicher Staaten unter anderem Sanktionen gegen seine Ölexporte. Nach französischen Angaben zählen 800 bis 1000 Schiffe zur Schattenflotte. (AFP)

EVP-Chef Weber: EU-Sonderstatus für Ukraine ist Riesengewinn

Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, hat sich hinter den Vorschlag von Bundeskanzler Friedrich Merz für einen EU-Sonderstatus der Ukraine gestellt. Dies sei ein kreativer und guter Vorstoß, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe einem Vorabbericht vom Montag zufolge. Die Ukraine werde mit ihrer erfahrenen Armee und Verteidigungstechnik ein echter Sicherheitsgewinn für Europa sein. „Wir können unsere Ostflanke dauerhaft gemeinsam sichern“, erklärte Weber.

Merz hatte zuvor eine vorübergehende Teilmitgliedschaft ins Spiel gebracht, um die Annäherung an die Europäische Union zu beschleunigen. Dem Kanzler schwebt vor, dass das Land ohne Stimmrecht an EU-Ratstreffen teilnimmt und einen Vertreter in die EU-Kommission entsendet. Zudem sollen bestehende Beistandsgarantien auf die Ukraine übertragen werden.

Mit Blick auf mögliche Friedensverhandlungen mit Russland betonte Weber, Europa solle sich darauf vorbereiten, eigenständig Gespräche zu führen. Er sehe in Moskau derzeit jedoch weder den Willen noch den richtigen Zeitpunkt dafür. (Reuters)

Russische Behörden: Kind bei Drohnenangriff in Region Cherson getötet

Im von Russland besetzten Teil der Ukraine ist nach russischen Angaben ein Kind bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet worden. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur in der besetzten Region Cherson, Wladimir Saldo, teilte am Sonntag mit, dass eine ukrainische Drohne ein „Mehrfamilienhaus“ in der Schwarzmeerstadt Genitschesk nahe der Halbinsel Krim getroffen habe. Dabei sei ein 2020 geborener Junge ums Leben gekommen. Fünf weitere Menschen wurden demnach verletzt.

Derweil meldeten ukrainische Behörden eine Tote bei russischen Angriffen in der Region Dnipropetrowsk. Der örtliche Gouverneur Oleksandr Hanscha erklärte, dass eine 50-jährige Frau im Bezirk Nikopol bei einem Angriff getötet worden sei. Zudem seien vier weitere Menschen verletzt worden, zwei von ihnen schwer.

Russland greift die Ukraine seit 2022 nahezu täglich mit Drohnen und Raketen an. Moskau hält weite Teile des Südens und Ostens des Nachbarlandes besetzt. (AFP)

Rumäniens Staatschef: In Grenzgebiet eingeschlagene Drohne stammte aus Russland

Rumänien hat die russische Herkunft der nahe der rumänisch-ukrainischen Grenze in ein Wohnhaus eingeschlagenen Drohne bestätigt. Es handele sich um eine russische Drohne vom Typ Geran-2, die am Donnerstagabend in der Stadt Galati eingeschlagen sei, erklärte Rumäniens Präsident Nicusor Dan am Sonntag im Onlinedienst X. Dies sei die „eindeutige Schlussfolgerung“ von Bukarests „Expertenbericht“. Das umfassende technische Gutachten belege die „alleinige Verantwortung“ Moskaus.

Durch den Drohnen-Einschlag in der Nacht zum Freitag waren in der rumänischen Stadt Galati nahe der Grenze zur Ukraine ein 14-Jähriger und eine 53 Jahre alte Frau verletzt und ein Feuer ausgelöst worden. Es war der erste Drohneneinschlag in einem Wohnhaus außerhalb der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022. (AFP)

Selenskyj: Russland verliert Initiative auf dem Schlachtfeld

Russland verliere im Krieg gegen die Ukraine die Initiative auf dem Schlachtfeld und eröffne damit nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Weg zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts. Seit Ende Dezember des Vorjahres gerate die russische Armee immer mehr in die Rückhand bei hohen Verlusten an Soldaten, erklärte Selenskyj in einem Interview des Senders CBS News, das er in Teilen auch auf X und Telegram veröffentlichte. Russland könne nicht mehr Territorium besetzen als die Ukraine zurückerobere.

„Daher denke ich, dass wir einen diplomatischen Weg finden müssen – hinsetzen und verhandeln – bis Anbruch des nächsten Winters“, sagte Selenskyj. Allerdings sei dazu innerer Druck auf Kremlchef Wladimir Putin ebenso nötig wie mehr Sanktionsdruck durch die USA und Europa. Auch Europa müsse mit am Verhandlungstisch sitzen, möglicherweise in einem Dreierformat von Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Bisherige Verhandlungs- oder Vermittlungsversuche sind an den Maximalforderungen Moskaus gescheitert. Zu diesen gehört unter anderem, dass Kyjiw seine Armee aus den bislang nicht von Russland eroberten Gebieten im Donbass abzieht.

Selenskyj kritisierte die Lockerung von Sanktionen gegen Russland angesichts der Erdölkrise, hervorgerufen durch den Krieg der USA gegen den Iran. „Sanktionen aufheben bedeutet, russischen Soldaten zu helfen, indem man der russischen Industrie hilft“, sagte er. (dpa)

IAEA meldet äußere Schäden an AKW Saporischschja nach Drohnenangriff

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) stellt nach einem Drohnenangriff Schäden an der Außenseite eines Turbinengebäudes des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja fest. Das vor Ort befindliche IAEA-Team an dem von Russland besetzten Kraftwerk bestätigt jedoch normale Strahlungswerte auf dem Gelände, wie die Organisation mitteilt. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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