Nach seiner Frage bei einer Pressekonferenz zur Tötung russischer Soldaten ist in Moskau nach Angaben der Staatsagentur Tass ein Strafverfahren gegen einen deutschen Journalisten eingeleitet worden. Ermittelt werde gegen den Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) wegen des Schürens von Hass und Feindseligkeit, meldete Tass. Aktuell werde entschieden, ob der Reporter, der für die Zeitung aus Wien über Südosteuropa berichtet, international zur Fahndung ausgeschrieben werde. Die Pressestelle der „FAZ“ teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, dass ihr das Verfahren nicht bekannt sei.
Der Korrespondent hatte vor gut einer Woche in Belgrad den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten. Das löste breite Kritik aus. Die Zeitung hatte danach am Montag erklärt, die Frage des Reporters sei missverständlich formuliert gewesen. Dies bedauere man. Es sei nicht die redaktionelle Linie der „FAZ“, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten.
Bei einer Verurteilung in Russland drohen dem Journalisten bis zu sechs Jahre Straflager, wie Tass weiter berichtete. In Russland werden Urteile auch in Abwesenheit gesprochen – wie etwa im Fall des Karnevalswagenbauers Jacques Tilly, der Kremlchef Wladimir Putin und seinen Krieg kritisiert hatte. Er wurde wegen bissig-satirischer Mottowagen zu achteinhalb Jahren Straflager verurteilt, muss aber in Deutschland keine Auslieferung befürchten.
Das russische Außenministerium reagierte mit scharfer Kritik an dem Journalisten. Der Vizechef des nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, sagte der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, der Journalist werde sich verantworten müssen.
Die „FAZ“ hatte ihrerseits „Diffamierungen und Drohungen“ gegen ihren Korrespondenten kritisiert. „Das ist inakzeptabel“, hieß es. Zur Pressefreiheit gehöre das Recht, Fragen zu stellen, gerade auf einer Pressekonferenz: „Auf Bedrohungen unserer Mitarbeiter werden wir mit juristischen Mitteln reagieren.“ (dpa)