Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 03. Oktober, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland greift erneut wichtige Brücke an

Russland hat nach ukrainischen Angaben erneut eine wichtige Brücke in Kiew beschädigt. Die Nordbrücke über den Fluss Dnipro sei bei den jüngsten russischen Luftangriffen getroffen worden und jetzt für den Verkehr gesperrt, sagte Bürgermeister Vitali Klitschko. Berichte über Opfer gab es nicht.

In den vergangenen Tagen war schon die Südbrücke mehrmals von russischen Drohnen getroffen worden. Viele Einwohner der ukrainischen Hauptstadt leben östlich des Flusses und pendeln zur Arbeit auf die Westseite. Russland hat immer wieder betont, seine Angriffe seien nicht gegen die Zivilbevölkerung gerichtet.

 

Russland hat seine Drohnen- und Raketenangriffe auf Kyjiw in den vergangenen Monaten verstärkt. Moskau setzt verstärkt neuartige Drohnen ein, die schneller fliegen und schwieriger abzufangen sind. Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erklärte am Mittwoch, Russland habe begonnen, eine Drohne mit Jetantrieb einzusetzen, um Strommasten und Stahlbrückenkonstruktionen zu beschädigen. (Reuters, AFP)

Südbrücke in Kyjiw erneut von Drohne getroffen

Die bereits beschädigte Südbrücke in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw ist erneut von einer russischen Kampfdrohne getroffen worden. Das teilte Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram mit. Er wies darauf hin, dass die Brücke nach mehreren Angriffen sowohl für den Autoverkehr als auch für U-Bahnen gesperrt bleibe. Die Südbrücke war bereits am Donnerstag von drei Drohnen getroffen worden.

Nach russischen Angriffen wurden am Morgen in der Dreimillionenstadt mehrere Brücken über den Fluss Dnipro gesperrt. Neben der Südbrücke blieben am Nachmittag zwei weitere Brücken teilweise für den Verkehr gesperrt. Insgesamt sieben Brücken für U-Bahn, Eisenbahn und Straßenverkehr verbinden den Ost- und den Westteil Kyjiws. (dpa)

Putin beobachtet Ural-Manöver mit China, Belarus und Pakistan

Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Agentur Interfax zufolge ein Militärmanöver in der Ural-Region beobachtet, bei dem auch Truppen aus China, Belarus und Pakistan im Einsatz gewesen seien. Bei der Übung seien zudem russische strategische Bomber im Einsatz gewesen. Der Kreml bezeichnete das Manöver der Agentur Tass zufolge als routinemäßig. (Reuters)

Ein Wahlplakat der Regierungspartei Vereinte Liste hängt an einer Hauswand in der lettischen Hauptstadt Riga.
Lettland wählt neues Parlament unter Druck russischer Bedrohung
Ein Wahlplakat der Regierungspartei Vereinte Liste hängt an einer Hauswand in der lettischen Hauptstadt Riga.
REUTERS/Ints Kalnins/File Photo

In Lettland wird am Samstag unter dem Eindruck wiederholter Drohnenvorfälle und der Bedrohung durch Russland ein neues Parlament gewählt. Trotz Zugewinnen für populistische und Protestparteien wird erwartet, dass bei der Wahl der proeuropäische und proukrainische Kurs des baltischen Staates mit 1,8 Millionen Einwohnern bestätigt wird. In Umfragen führt die Mitte-rechts-Partei Vereinte Liste von Ministerpräsident Andris Kulbergs.

Eine Koalition unter Leitung Kulbergs hatte Ende Mai die Regierungsgeschäfte übernommen, nachdem die Vorgängerregierung infolge eines Drohnenvorfalls auseinandergebrochen war. Auslöser waren zwei ukrainische Drohnen, die von Russland aus die Grenze überquert hatten und in Lettland abgestürzt waren. Nach ukrainischen Angaben waren sie auf dem Weg zu Zielen in Russland und wurden von der russischen Luftabwehr abgelenkt. (AFP)

Tote und Verletzte bei russischem Luftangriff auf Charkiw

Bei einem russischen Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Charkiw sind nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Weitere 28 Menschen seien durch Gleitbomben verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Oleh Synjehubow auf Telegram mit. Möglicherweise befänden sich noch weitere Opfer unter den Trümmern getroffener Wohnhäuser.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf dem russischen Militär vor, auf Anordnung von Kremlchef Wladimir Putin die Städte der Ukraine zu zerstören. „Aus Geheimdienstinformationen und von einigen Personen aus Putins Umfeld wissen wir, dass Putin Anfang September gesagt hat: „Jetzt gibt es keine Regeln mehr"“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Russland habe die Ukraine nicht besetzen können. „Deshalb führen sie nun massive Angriffe durch und töten in großem Umfang.“ (dpa)

Russlands Rekord-Militärausgaben deuten auf jahrelangen Krieg hin

Moskau stellt sich nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Bloomberg auf einen noch jahrelangen Krieg gegen die Ukraine ein. Darauf deuteten vor allem die stark steigenden Militärausgaben im russischen Haushaltsentwurf für 2027 hin.

Für das kommende Jahr sind demnach 17,1 Billionen Rubel (rund 182 Milliarden Euro) für militärische Zwecke vorgesehen. Das wäre der höchste Wert seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Auch Reuters bestätigt für 2027 Militärausgaben in dieser Größenordnung.

Auch danach ist kaum ein Rückgang geplant: 2028 sollen die Ausgaben bei 16,6 Billionen Rubel liegen, 2029 bei 16,3 Billionen. Damit würde Russland über mehrere Jahre einen außergewöhnlich hohen Anteil seiner Staatsausgaben für den Krieg und den Sicherheitsapparat reservieren.

Bloomberg wertet die Haushaltspläne als Zeichen dafür, wie tief der Krieg inzwischen in den Prioritäten der russischen Führung verankert ist – trotz wachsender Belastungen für Wirtschaft und Staatsfinanzen.

Wadephul fordert Druck auf Moskau für Ende der Getreideblockade

Außenminister Johann Wadephul fordert mehr Druck auf Russland für ein Ende der Blockade der ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer. Man müsse dafür sorgen, „dass Europa hier lauter wird bei diesem Thema, und zweitens, dass die Staaten des Globalen Südens hier auch noch klarer ihre Interessen formulieren“, sagte der CDU-Politiker nach Gesprächen im Vatikan.

„Ich glaube, dann gibt es eine ernsthafte Chance, noch zu einer Lösung zu kommen.“ Mit dem Begriff „Globaler Süden“ sind meist Länder in Lateinamerika, Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten und Asien gemeint.

„Die Zeit drängt, der Hunger naht bedauerlicherweise.“ Das Getreide drohe zu verderben, „und das dürfen wir nicht geschehen lassen“, sagte Wadephul. „Es wäre eine weitere völlig unnötige Katastrophe. Und deswegen werde ich nicht müde werden, dieses Thema weiter zu bearbeiten.“ Der Minister hat bereits mehrfach vor drohenden Hungersnöten etwa in Afrika oder auch in Lateinamerika gewarnt, falls die Getreideblockade nicht endet. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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