Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 27. Mai, 09:15 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1803
letzte Woche, 1497 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1803
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1183
200
170
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
439
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 22.5., letzte Aktualisierung: 27.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj bittet USA per Brief um Hilfe bei Flugabwehr

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat US-Präsident Donald Trump angesichts russischer Angriffe um weitere Luftabwehrsysteme gebeten. In einem Brief an Trump und den US-Kongress, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, bezeichnete er ballistische Raketen als den letzten großen Vorteil Moskaus auf dem Schlachtfeld. Die Ukraine sei bereit, die benötigten Patriot-Systeme und Abfangraketen zu kaufen.

Die US-Raketen für das Patriot-System sind die einzige Möglichkeit der Ukraine, russische ballistische Raketen abzuschießen. Zwar kauft die Regierung in Kiew seit Trumps Amtsantritt Patriot-Raketen über die Nato-Initiative PURL, die von europäischen Verbündeten finanziert wird. Das derzeitige Liefertempo werde der Bedrohung aber nicht mehr gerecht, erklärte Selenskyj. Zudem droht der Krieg im Iran die ohnehin knappen Ressourcen weiter zu verknappen. Solange der russische Präsident Wladimir Putin bei konventionellen Waffen im Vorteil sei, werde er diplomatische Lösungen meiden, sagte Selenskyj.

Wie akut der Mangel an Flugabwehrraketen ist, zeigte sich bei einem massiven russischen Angriff am Sonntag. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland 30 ballistische Raketen ab, von denen nur elf abgefangen werden konnten. (Reuters)

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Der russische Präsident Wladimir Putin ist dem Kreml zufolge offen für Verhandlungen mit Europa.

Das meldet die Nachrichtenagentur RIA. Moskau betrachte die Diskussion in Europa über mögliche Kandidaten für Verhandlungen mit Russland als positive Entwicklung, sagt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. (Reuters)

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Credit: Maxim Shemetov/Pool Reuters/AP/dpa
Drohung gegen Diplomaten in Kiew: Paris bestellt russischen Botschafter ein

Nach der russischen Aufforderung an Ausländer und Diplomaten, die ukrainische Hauptstadt Kiew wegen bevorstehender Angriffe zu verlassen, hat auch Frankreich den russischen Botschafter einbestellt. Grund dafür seien die „massiven Angriffe am vergangenen Wochenende und die inakzeptablen Bedrohungen ukrainischer Zivilisten und ausländischer Diplomaten“, teilte das Außenministerium in Paris am Mittwoch mit.

„Russlands Handeln zeuge Tag für Tag von Zynismus und der Missachtung des Völkerrechts“, sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums. Frankreich verurteile „aufs Schärfste die Einschüchterungsversuche Moskaus“. Diese seien ein Beweis dafür, dass Russland sich in der Ukraine in einer militärischen Sackgasse befinde, hieß es weiter.

Am Dienstag hatten bereits andere europäische Staaten, darunter Deutschland, russische Diplomaten einbestellt. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten etwa 50 Länder bei den Vereinten Nationen die russische Drohung als „inakzeptabel“. (AFP)

Polen will wegen Russland enge Beziehung zu Großbritannien

Polen strebt eine möglichst enge diplomatische Beziehung zu Großbritannien mit einem Schwerpunkt auf der Verteidigung gegen Russland an. Das erklärt der polnische Ministerpräsident Donald Tusk vor seinem Abflug nach London, wo er ein neues Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen unterzeichnen will.

„Beide Seiten betonen, dass Russland eine strategische Bedrohung ist, auch eine langfristige, für Polen, für Großbritannien, für die Nato“, sagt Tusk. „Deshalb sollte sich unsere Zusammenarbeit darauf konzentrieren, Polen und andere Länder gegen die russische Bedrohung zu sichern.“ Tusk zufolge konzentriert sich ein wesentlicher Teil des Vertrags auf die Cybersicherheit, da Polen sich als Drehscheibe für Militärhilfe für die Ukraine als Hauptziel für hybride russische Angriffe sieht. Großbritannien hat bereits ähnliche Abkommen mit Frankreich und Deutschland geschlossen. (Reuters)

Norbert Röttgen (l.) und Bundesminister des Auswärtigen Johann Wadephul bei einer Bundestagssitzung.
Norbert Röttgen: „Politisch richtig, den Taurus zu liefern.“
Norbert Röttgen (l.) und Bundesminister des Auswärtigen Johann Wadephul bei einer Bundestagssitzung.
Norbert Röttgen (l.) und Bundesminister des Auswärtigen Johann Wadephul bei einer Bundestagssitzung. Credit: imago/DTS

Trotz der Entwicklung weitreichender Waffen durch die Ukraine selbst hat sich der CDU-Politiker Norbert Röttgen weiter dafür ausgesprochen, dem Land Taurus-Marschflugkörper aus Bundeswehr-Beständen zu liefern.

Er halte es für „politisch richtig, den Taurus zu liefern“, sagte Röttgen dem Portal Politico nach Angaben vom Mittwoch. Er räumte aber ein, für Taurus-Lieferungen habe es „nie eine Mehrheit“ gegeben. „Daran hat sich nichts geändert. Meine Meinung hat sich aber auch nicht geändert.“

Die Ampel-Regierung unter SPD-Kanzler Olaf Scholz hatte eine Lieferung von Taurus an die Ukraine stets abgelehnt. Die neue schwarz-rote Bundesregierung will aus taktischen Gründen weniger detailliert über Waffenlieferungen an die Ukraine berichten als die Vorgängerregierung. Dies betrifft auch etwaige Taurus-Lieferungen.

Röttgen sagte dem „Berlin Playbook“-Podcast von Politico, inzwischen verfüge die Ukraine selbst über vergleichbare Waffen: „Sie kann inzwischen russische Ziele mit 1000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt treffen.“

Aufgrund ihrer hohen Reichweite könnten die Marschflugkörper auch russisches Staatsgebiet von der Ukraine aus erreichen. Insgesamt 600 der Lenkflugkörper hat die Bundeswehr ab 2004 erhalten.

Deutschland solle der Ukraine weiterhin auch mit Geld und Krediten helfen, sagte Röttgen. „Denn die Produktionskapazitäten für Rüstungsgüter sind inzwischen sehr, sehr groß in der Ukraine. Das, was ihr fehlt, ist Geld.“ Die Ukraine brauche „noch etwas mehr“ als jene 90 Milliarden Euro, die von der Europäischen Union als Kreditlinie zur Verfügung gestellt worden seien. (AFP)

Nordkorea testet KI-gesteuerte Raketen

Nordkorea hat nach Angaben staatlicher Medien taktische ballistische Raketen, Artillerieraketen sowie präzisionsgelenkte Marschflugkörper mit künstlicher Intelligenz getestet. Darüber berichtet Reuters.

Machthaber Kim Jong Un beobachtete die Tests persönlich.

Besonders hervorgehoben wurden Raketen mit KI-basierter Navigations- und Steuerungstechnologie, die Ziele mithilfe von Echtzeitdaten erkennen und verfolgen können. Nach nordkoreanischen Angaben sollen diese Systeme künftig nahe der Grenze zu Südkorea stationiert werden.

Reuters weist darauf hin, dass Nordkorea erstmals öffentlich von künstlicher Intelligenz in Raketensystemen spricht. Laut dem Militärexperten Yang Uk geht es dabei um KI-gestützte Zielerkennung und Steuerung in Echtzeit. (Valeriia Semeniuk)

Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja während einer  Sitzung des Sicherheitsrats am 26. Mai.
Russlands UN-Botschafter macht Abkommen mit der Ukraine von Kreml-Forderungen abhängig
Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja während einer  Sitzung des Sicherheitsrats am 26. Mai.
Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja während einer  Sitzung des Sicherheitsrats am 26. Mai. Credit: imago/ZUMA Press

Russland will keine Vereinbarung mit der Ukraine unterzeichnen, solange zentrale Forderungen des Kremls nicht erfüllt sind. Das sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja bei einem Briefing der Vereinten Nationen.

Nebensja wiederholte dabei Bedingungen, die Moskau seit Beginn der großangelegten Invasion vorbringt. Dazu zählt der Verzicht der Ukraine auf eine Nato-Mitgliedschaft. Zudem verlangte er Änderungen an der politischen Ausrichtung des Landes.

„Bevor wir irgendeine Vereinbarung erreichen, müssen die Ursachen beseitigt werden, die zu diesem Konflikt geführt haben“, sagte Nebensja. Als solche Ursachen nannte er unter anderem eine angebliche Bedrohung Russlands durch die Ukraine, den „neonazistischen Charakter“ der ukrainischen Führung und die „Verfolgung russischsprachiger Menschen“. (Valeriia Semeniuk)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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