Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 05. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1980
letzte Woche, 1915 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1980
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1237
200
195
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Ukraine: Nordkorea verlegt Raketeneinheit für Angriffe nach Russland

Eine nordkoreanische Raketeneinheit hat nach Angaben eines ukrainischen Geheimdienstvertreters mit der Verlegung nach Westrussland begonnen. Sie könnte für Angriffe auf die Ukraine mit 120 ballistischen Raketen und sechs Startrampen ausgerüstet werden, sagte Andrij Tschernjak vom Militärgeheimdienst der Ukraine am Mittwoch.

Russland plane, die Einheit mit rund 90 nordkoreanischen Soldaten in der westrussischen Region Woronesch zu stationieren. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die USA wüssten von der Verlegung.

Die Entsendung der Einheit wäre eine Ausweitung der militärischen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang. Russland hat bereits seit Ende 2023 Dutzende nordkoreanischer Raketen auf die Ukraine abgefeuert. Die Abwehr ballistischer Raketen sei eine der größten Schwachstellen der Ukraine, sagte Rob Lee, ein Experte der Denkfabrik Foreign Policy Research Institute. Die Ukraine leidet unter einem Mangel an modernen Flugabwehrsystemen. (Reuters)

Selenskyj: Habe bei Nato-Chef um weitere Luftabwehrraketen gebeten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilt mit, er habe mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte über die Möglichkeit gesprochen, weitere Luftabwehrraketen zu beschaffen. „Mark ist über die Bedrohungen gut informiert, und wir haben unsere Bemühungen in Bezug auf Länder koordiniert, die über die erforderlichen Raketen und die Fähigkeit zur Hilfe verfügen“, schreibt Selenskyj auf X. 

„Es ist entscheidend, jegliche Bürokratie zu beseitigen und die erforderlichen politischen Entscheidungen zu treffen.“ Rutte erklärte auf X, er bespreche mit den Verbündeten, wie man der Ukraine weiterhin die Luftabwehrmittel beschaffen können, die sie dringend benötige. 

Russische Desinformationskampagnen gegen französische Präsidentschaftskandidaten

Mehrere mögliche Präsidentschaftskandidaten in Frankreich sind offenbar Ziel gezielter Desinformationskampagnen Russlands geworden. 

Eine gegen den ehemaligen Premierminister Gabriel Attal gerichtete Aktion sei mit einigen tausend Aufrufen „kaum sichtbar“ gewesen. Sie habe aber darauf abgezielt, den Mitte-Rechts-Politiker acht Monate vor dem ersten Wahlgang zu destabilisieren.

Wie AFP am Dienstag aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde in der vergangenen Woche auch eine gegen den wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidaten der Linken, Raphaël Glucksmann, gerichtete Desinformationskampagne aufgedeckt. Die Kampagne ging demnach auf das Propagandanetzwerk Storm-1516 zurück, das mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung gebracht wird.

„Die russischen Sicherheitsdienste haben ihre Operationen zur Destabilisierung des Wahlkampfs für 2027 begonnen“, schrieb Glucksmann selbst in Onlinenetzwerken. Die ihn betreffende, erfundene Geschichte sei auf einer Website erschienen, die das seriöse Onlinemedium Blast imitierte.

Sie habe gefälschte Dokumente, mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) reproduzierte Stimmen und ein vollständig gefälschtes Video enthalten. „Das Ziel besteht darin, eine komplette Lüge viral gehen zu lassen, um Persönlichkeiten zu diffamieren, die vom russischen Regime als feindlich angesehen werden“, erklärte Glucksmann, der das Vorgehen Russlands in der Ukraine wiederholt scharf kritisiert hat.

Storm-1516 hatte im vergangenen Monat auch Ex-Premierminister Edouard Philippe ins Visier genommen. Dazu wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Onlinenetzwerken Falschinformationen über seinen Gesundheitszustand verbreitet.

RN-Kandidaten wie Marine Le Pen oder Jordan Bardella blieben von russischen Kampagnen verschont. Kein Wunder, stehen sie doch von allen größeren Kandidaten für die russland-freundlichste Politik. 

Ukraine ordnet Evakuierung von hunderten Familien aus Stadt Kramatorsk an

Angesichts russischer Angriffe hat die Ukraine eine Evakuierung von hunderten Familien aus der ostukrainischen Stadt Kramatorsk angeordnet. „Das ist eine schwierige, aber notwendige Entscheidung“, erklärte der Gouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, am Mittwoch. „Die Sicherheitslage verschlechtert sich, deswegen ist es inakzeptabel, Kinder unter der ständigen Bedrohung russischer Angriffe zu lassen.“

Den Angaben zufolge sollen 525 Kinder und ihre erwachsenen Begleiter in Sicherheit gebracht werden. Zuletzt waren russische Truppen in der Region vorgerückt, laut dem der ukrainischen Armee nahestehenden Online-Portal für militärische Analysen „DeepState“ befinden sie sich nur noch 20 Kilometer vom östlichen Rand von Kramatorsk entfernt. (AFP)

Toter bei Anschlag auf Chef russischer Drohnenfirma

In Russland ist auf den Generaldirektor des Drohnenunternehmens Uraldronzavod, Wladimir Tkatschuk, bei einer Autoexplosion laut Behörden ein Mordanschlag verübt worden. Tkatschuk sei schwer verletzt, aber in stabilem Zustand; sein Fahrer sei getötet worden, teilte der Telegram-Kanal des Unternehmers mit. Russische Staatsmedien meldeten nach Behördenangaben, dass die Ermittlungen zu dem am Dienstag begangenen Attentat liefen.

Das Auto sei in dem Ort Bolschoi Istok in der Nähe von Jekaterinburg in die Luft gegangen, berichteten Medien. Kremlnahe Telegram-Kanäle meldeten, dass der Sprengsatz unter dem Auto angebracht gewesen sein soll. Eine offizielle Mitteilung der Behörden gab es dazu nicht.

Das in Jekaterinburg 2023 gegründete Werk hat sich auf die Serienproduktion von Kamikaze-Drohnen spezialisiert. Die Flugobjekte mit dem Namen Upyr (auf Deutsch: Vampir) setzt Russland massenhaft in seinem Krieg gegen die Ukraine ein. Sie gelten als vergleichsweise günstig und dennoch schlagkräftig. (dpa)

Ukraine: Behörden ermitteln gegen Ex-Vizeregierungschefin

Die ukrainische Justiz ermittelt gegen die gerade von ihrem Posten zurückgetretene Ex-Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna. Vor dem obersten Antikorruptionsgericht werde über Auflagen für die frühere Vizeministerpräsidentin entschieden, berichteten örtliche Medien übereinstimmend. Zu den konkreten Vorwürfen wurde vorerst nichts bekannt.

Stefanischyna war bis zum vergangenen Montag ukrainische Botschafterin in den USA. Mit Berichten über ihren möglichen Rücktritt hatte Mitte Juli eine große Regierungsumbildung durch Präsident Wolodymyr Selenskyj begonnen. Medienberichten zufolge soll Stefanischynas Mutter im ersten Kriegsjahr 2022 eine Wohnung im Zentrum der Hauptstadt Kyjiw weit unter dem Marktpreis erworben haben. Stefanischyna war zu dieser Zeit Vizeregierungschefin und Justizministerin. Sie hat Korruptionsvorwürfe mehrfach zurückgewiesen. (dpa)

Staatsmedien: Chef von russischem Drohnen-Hersteller bei Autoexplosion verletzt

Der Chef eines russischen Drohnenherstellers ist Berichten staatlicher Medien zufolge bei einer Explosion seines Autos schwer verletzt worden. Wladimir Tkatschuk befinde sich „auf der Intensivstation und in ernstem Zustand, Ärzte kämpfen um sein Leben“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch aus Kreisen der Rettungshelfer. Es war der wohl zweite Anschlag auf einen Vertreter der russischen Rüstungsindustrie innerhalb weniger Tage.

Die russische Zeitung Kommersant berichtete, Tkatschuks Mercedes sei im Dorf Bolschoi Istok in der Nähe der Stadt Jekaterinburg am Uralgebirge explodiert. Wann genau sich der Vorfall ereignete, war zunächst unklar. Bilder in russischen Onlinenetzwerken sollten das ausgebrannte Auto zeigen. Tass zufolge wurden Ermittlungen wegen versuchten Mordes aufgenommen.

Tkatschuk ist der Chef des Drohnenherstellers Uraldronsawod mit Sitz in Jekaterinburg. Die Firma produziert insbesondere die ferngesteuerten „Upyr“-Drohnen, die Russland gegen die Ukraine einsetzt. Das Unternehmen steht auf der Sanktionsliste der EU und der USA.

Der Drohnen-Hersteller hat nach Einschätzung der EU die Aufmerksamkeit von Präsident Wladimir Putin „persönlich“ auf sich gezogen. Die Firma und ihr 35-jähriger Chef genießen demnach die „uneingeschränkte Unterstützung“ des russischen Verteidigungsministeriums. Staatsmedien zufolge hatte Tkatschuk seine Drohnen 2024 Putin persönlich vorgestellt.

Die Ukraine hat seit Beginn der russischen Angriffe im Februar 2022 eine Reihe von Vertretern des russischen Militärs und der Rüstungsindustrie ins Visier genommen. Auf die Informationen über diesen jüngsten Anschlag reagierte Kiew zunächst nicht.

In der vergangenen Woche war der Gründer und Chef eines anderen russischen Drohnenherstellers, Andrej Tscheresow, bei einem Schusswaffenangriff verletzt worden. Die Ermittler sprachen von „versuchtem Mord“. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
Trump in der Iran-Falle: Mit Europas Ideen nicht zu lösen
Viele Deutsche warten auf einen haltbaren Frieden am Golf und Energiepreise wie vor dem Krieg. Beide Ziele sind jedoch nur durch anhaltenden militärischen Druck zu erreichen.
Bilanz des Nato-Gipfels mit Trump: Love is in the air – das müssen die Europäer nutzen
Die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kommt beim Treffen in Ankara ausnahmsweise der Allianz und der Ukraine zugute. Offen bleibt aber, wie lange auf Trumps neue Zuneigung Verlass ist.
Droht die Nato zu zerbrechen?: Diskutieren Sie mit beim „High Noon“-Expertentalk um 12 Uhr
Die USA wollen sich aus Europa zurückziehen. Droht das transatlantische Verteidigungsbündnis unter Trump zu zerbrechen? Die Tagesspiegel-Experten ordnen ein.
Bisheriger Bosnien-Verwalter Schmidt: „Der Rückhalt der USA für das Amt ist in Zukunft nicht mehr sicher“
Der Hohe Repräsentant erklärt, welche Rolle Trumps USA, der serbische Separatist Dodik und eine Gaspipeline bei seinem Rückzug spielten – und was er seinem Nachfolger rät.
Kein EU-Schutz für wehrpflichtige Ukrainer: Die Entscheidung ist menschlich hart und doch notwendig
Nach mehr als vier Jahren Krieg stellt sich die EU einem Kernwiderspruch: Wer den militärischen Erfolg der Ukraine möchte, darf ihr nicht die kämpfenden Männer entziehen.
mehr Artikel anzeigen