Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 23. März, 13:25 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1767
letzte Woche, 1634 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1767
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 13.3., letzte Aktualisierung: 18.3. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1106
200
102
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
552
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 13.3., letzte Aktualisierung: 18.3. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Drohne stürzt nahe belarussischer Grenze in Litauen ab

Im Südosten des EU- und Nato-Mitglieds Litauen ist ein unbekanntes Flugobjekt in den litauischen Luftraum geflogen und nahe dem Lavysas-See abgestürzt. Der Vorfall im Bezirk Varena nahe der Grenze zu Belarus werde untersucht, teilte das Verteidigungsministerium in Vilnius mit. Bei dem Objekt, das in der Nacht zu Montag in den Luftraum eingedrungen war, soll es sich nach ersten Erkenntnissen um eine Drohne handeln.

Nach Angaben der Behörden sind Trümmerteile am Absturzort sichtbar. Polizei und Feuerwehr seien vor Ort, ein Hubschrauber der Luftwaffe werde zur Luftüberwachung eingesetzt. Für die Anwohner besteht keine Gefahr, hieß es in der Mitteilung. Regierungschefin Inga Ruginiene berief für Dienstag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein.

Video zeigt Absturz und ExplosionIn einem vom litauischen Rundfunk veröffentlichten Video einer Überwachungskamera, das den Vorfall zeigen soll, ist das surrende Geräusch eines fliegenden Objekts zu hören. Wenig später ertönt in der Aufnahme eine Explosion, Flammen erhellen den Horizont, und brennende Trümmer des am Nachthimmel nicht sichtbaren Objekts fallen herab. Auch Anwohner berichteten litauischen Medien zufolge ähnliches. (dpa)

Berlin fordert von Ungarn Aufklärung zu Russland-Vorwürfen

Die Bundesregierung fordert von der ungarischen Regierung eine Klärung der Vorwürfe, sie habe EU-interne Informationen an Russland weitergegeben. „Die Vorwürfe, die da aufgestellt werden, sind sehr, sehr schwerwiegend“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Die Beratungen im Kreis der EU und der EU-Außenminister seien vertraulich und beruhten auf jenen Prinzipien, auf denen die Union basiere. Dazu gehöre im Besonderen der Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit.

Diese Grundsätze seien nicht verhandelbar, sagte der Sprecher weiter. „Eine Verletzung dieser Grundsätze werden wir auch nicht hinnehmen.“ Er ergänzte: „Es ist jetzt an der ungarischen Regierung, sich dazu zu verhalten.“ Klar sei, dass kein Mitgliedstaat den Grundsätzen der EU zuwiderhandeln dürfe.

AA: Vorwürfe lassen sich nicht mit X-Post aus Welt schaffen Mit Blick auf einen X-Post des ungarischen Außenministers Peter Szijjarto fügte der Sprecher des deutschen Außenministeriums hinzu: „Ich will hier ganz klar sagen, dass die Vorwürfe, wie sie jetzt im Raum stehen, sich mit Sicherheit nicht mit einem X-Post aus der Welt schaffen lassen.“ Szijjarto hatte am Sonntag in einer Reaktion auf einen entsprechenden Post von Polens Regierungschef Donald Tusk von „Lügen und fake news“ geschrieben.

Die US-Zeitung „Washington Post“ hatte unter Berufung auf einen früheren ungarischen Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitsbeamte aus anderen europäischen Ländern berichtet, dass die ungarische Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban seit Jahren Moskau Informationen zu sensiblen Diskussionen in der EU übermittle. Szijjarto soll demnach sogar während Pausen von EU-Treffen regelmäßig mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert haben, um ihn über die Gespräche zu informieren. (dpa)

Insider: Russische Ölraffinerie nach Drohnenangriff lahmgelegt

Die russische Ölraffinerie Saratow steht Insidern zufolge seit einem Drohnenangriff am Samstag still. Die Rohöldestillationsanlage mit einer Kapazität von 20.000 Tonnen pro Tag sei außer Betrieb, sagen mit dem Vorgang vertraute Personen. Das ukrainische Militär gibt an, die Anlage des Rosneft-Konzerns getroffen zu haben.

Der Gouverneur von Saratow, Roman Busargin, spricht von Treffern an der zivilen Infrastruktur, nennt jedoch keine Details. Rosneft äußert sich zunächst nicht dazu. An der internationalen Rohstoffbörse in St. Petersburg gibt es aktuell keine Angebote für Ölprodukte aus der Raffinerie. Saratow steht für 2,2 Prozent der gesamten russischen Ölverarbeitung. (Reuters)

Ukraine: Russland plant Drohnen-Kontrollstationen in Belarus

Russland plant dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge vier Bodenkontrollstationen für Langstrecken-Angriffsdrohnen in Belarus. Er beruft sich dabei auf den Militärgeheimdienst seines Landes. Selenskyj habe den Geheimdienstchef angewiesen, die Partner der Ukraine über diese Pläne zu informieren. Er warnt seit Monaten vor einer stärkeren Verwicklung von Belarus in den Ukrainekrieg. (Reuters)

SBU meldet Enttarnung ungarischen Geheimdienstoffiziers

Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) hat nach eigenen Angaben einen Mitarbeiter des ungarischen Militärgeheimdienstes überführt. Der Mann soll ein Agentennetz in der Region Transkarpatien koordiniert haben, wie der SBU mitteilte.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um einen Offizier des ungarischen Geheimdienstes, der Treffen mit Agenten organisierte, neue Informanten rekrutierte und die Sammlung von Geheimdienstinformationen leitete – insbesondere zur Verteidigungsfähigkeit der Region und zur Stationierung ukrainischer Streitkräfte.

Der SBU erklärte zudem, dass einer der Agenten versucht habe, Standorte der ukrainischen Luftverteidigung im Westen des Landes zu ermitteln und weitere Personen für eine Zusammenarbeit anzuwerben. Die Spionageabwehr will nun Beteiligten des mutmaßlichen Netzwerks identifizieren. (Yulia Valova)

Ukraine: Russland verzeichnet über 6000 Verluste bei „Fleischangriffen“ in vier Tagen

Die ukrainischen Verteidigungskräfte haben die russischen Offensivaktionen auf mehreren Frontabschnitten nach eigenen Angaben gestoppt und dem Gegner schwere Verluste zugefügt. In nur vier Tagen intensiver Kämpfe – vom 17. bis 20. März – habe die russische Armee mehr als 6000 Soldaten, sowohl Gefallene als auch Verwundete, verloren. Das erklärte der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj. Ihm zufolge führte der Gegner in diesem Zeitraum insgesamt 619 Sturmangriffe durch und versuchte, die ukrainischen Verteidigungslinien gleichzeitig auf mehreren strategischen Richtungen zu durchbrechen.

Die Hauptangriffe konzentrierten sich demnach auf die Richtungen Pokrowsk und Oleksandriwka, wo 163 beziehungsweise 96 Angriffe registriert wurden. Angespannt blieb die Lage den Angaben nach auch in den Abschnitten Kostjantyniwka, Otscheretyne, Lyman und Kupjansk.

Trotz des massiven Drucks und des Einsatzes erheblicher Reserven sei es den russischen Truppen nicht gelungen, ihre Ziele zu erreichen. Laut Syrskyj versucht der Gegner, neue Einheiten heranzuführen und bereitet sich auf weitere Angriffe vor, wobei er unter anderem auf eine Verschlechterung der Wetterbedingungen setze. (Yulia Valova)

Ukrainischer Militärgeheimdienst: Russland hat „Lancet“-Drohne modernisiert

Russland hat nach Angaben des Militärgeheimdienstes der Ukraine (HUR) die Drohne „Lancet“ modernisiert. Diese wurde demnach am 16. März bei einem Angriff auf das Zentrum von Kyjiw eingesetzt. Bei der Analyse der Überreste der abgeschossenen Drohne stellten Experten demnach fest, dass Russland deren Funktionalität erheblich erweitert hat.

Nach Angaben des HUR gehört die „Lancet“ (auch bekannt als „Produkt 51“) zu den am häufigsten eingesetzten Angriffsdrohnen Russlands und wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Technik und Stellungen in taktischer Tiefe entwickelt. Inzwischen versucht Russland, Systeme zur autonomen Zielerfassung zu integrieren, darunter Module mit künstlicher Intelligenz auf Basis von Nvidia Jetson.

Insgesamt wurden in der Konstruktion der „Lancet“ sowie ihrer Modifikation „Skalpel“ 62 elektronische Komponenten identifiziert, von denen die meisten aus dem Ausland stammen – insbesondere aus den USA, der Schweiz und China. Der Geheimdienst betont, dass die Veröffentlichung dieser Informationen dazu beitragen soll, Russlands Zugang zu modernen Technologien einzuschränken. (Yulia Valova)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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