Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 17. Mai, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1729
letzte Woche, 1753 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1729
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 8.5., letzte Aktualisierung: 15.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1101
200
122
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
489
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 8.5., letzte Aktualisierung: 15.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Drohnenalarm in Lettland: Flugobjekt durchquert Luftraum

Im Baltikum haben die Streitkräfte des EU- und Nato-Mitglieds Lettland Anwohner über eine mögliche Bedrohungslage durch eine Drohne im Osten des Landes informiert. Das Flugobjekt sei am Morgen in den Luftraum eingedrungen und habe diesen dann wieder verlassen, teilten die Streitkräfte mit. Kampfjets der Nato seien aktiviert worden, hieß es, ohne nähere Angaben. In der Vergangenheit kam es bereits zu Explosionen durch Drohnenvorfälle auf lettischem Gebiet.

Solange die russische Aggression in der Ukraine andauert, ist es möglich, dass es erneut zu Vorfällen kommt, bei denen ausländische Drohnen in den lettischen Luftraum eindringen oder sich diesem nähern“, teilte das Militär weiter mit. Der Luftraum werde ständig überwacht, gemeinsam mit den Nato-Verbündeten sei auch schnelle Reaktion auf Bedrohungslagen gewährleistet.

In diesem Monat war ein kaum genutztes Öllager mit leeren Tanks in Rezekne im Osten des Landes getroffen worden. Bei dem Vorfall waren zwei fehlgeleitete ukrainische Drohnen nahe der russischen Grenze abgestürzt. Niemand wurde verletzt. Der Zwischenfall löste eine politische Krise in dem Land aus, bei der erst Verteidigungsminister Andris Spruds und dann Regierungschefin Evika Silina zurücktrat. (dpa)

Russland fängt nach eigenen Angaben mehr als 500 ukrainische Drohnen ab

Russland hat in der Nacht auf Sonntag nach eigenen Angaben mehr als 500 ukrainische Drohnen abgefangen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftabwehr habe über mehr als einem Dutzend russischer Regionen insgesamt 556 Drohnen „abgefangen und zerstört“. Die russischen Behörden hatten zuvor erklärt, bei ukrainischen Drohnenangriffen auf die Region der Hauptstadt Moskau seien mindestens drei Menschen getötet worden. (AFP)

Menschen stehen vor einem Wohnhaus, das bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der Region Moskau beschädigt wurde.
Behörden: Mindestens drei Tote bei ukrainischem Angriff auf Großraum Moskau

Bei massiven ukrainischen Gegenangriffen mit mehr als 100 Drohnen sind nahe Moskau nach Angaben russischer Behörden mindestens drei Menschen getötet worden. Der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, sprach auch von fünf Verletzten, nachdem im Zuge der Angriffe zahlreiche Wohnhäuser beschädigt worden seien.

In Moskau berichtete Bürgermeister Sergej Sobjanin von zwölf Verletzten beim Angriff auf eine Ölraffinerie. Getroffen worden seien Bauarbeiter nahe der Anlage, das Werk selbst sei technisch weiter intakt.

Eigentlich rühmt sich die Hauptstadtregion damit, über die beste und dichteste Flugabwehr in Russland zu verfügen. Treffer gab es zwar schon in der Vergangenheit. Die Hauptstadtmedien berichten nun aber von einem der heftigsten ukrainischen Angriffe seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als vier Jahren – und dem größten seit Jahresbeginn.

Auf den Flughäfen der Hauptstadt saßen Reisende stundenlang fest, weil es wegen der Drohnengefahr zeitweilig keine Starts und Landungen gab. Dutzende Flüge fielen aus, verspäteten sich oder wurden auf andere Airports umgeleitet. (dpa)

Menschen stehen vor einem Wohnhaus, das bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der Region Moskau beschädigt wurde.
Menschen stehen vor einem Wohnhaus, das bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der Region Moskau beschädigt wurde. Credit: REUTERS/Stringer
Auf diesem Foto, das auf dem offiziellen Telegram-Kanal des Gouverneurs der Region Moskau veröffentlicht wurde, sind russische Rettungskräfte bei der Arbeit in einem schwer beschädigten Haus nach einem Luftangriff an einem nicht genannten Ort in der Region Moskau zu sehen.
Auf diesem Foto, das auf dem offiziellen Telegram-Kanal des Gouverneurs der Region Moskau veröffentlicht wurde, sind russische Rettungskräfte bei der Arbeit in einem schwer beschädigten Haus nach einem Luftangriff an einem nicht genannten Ort in der Region Moskau zu sehen. Credit: TELEGRAM / @vorobiev_live / AFP
Selenskyj: Moskau bekommt immer noch westliche Elektronik

Nach schweren russischen Raketenangriffen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Einhaltung der Techniksanktionen gegen Moskau gefordert. „Bei dem Angriff auf Kyjiw in dieser Woche haben die Russen Raketen eingesetzt, die in diesem Jahr hergestellt wurden“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kyjiw.

„Ohne Komponenten von Unternehmen aus Europa, Japan und den Vereinigten Staaten hätten die Russen diese Raketen einfach nicht herstellen können.“

Gleiches gelte für andere Waffen der russischen Armee bei ihren Angriffen auf ukrainische Städte. „Russlands Verbindungen zur Welt, die dem Krieg dienen, sind eine direkte Bedrohung für das Leben“, sagte der ukrainische Präsident.

Wegen der militärischen Nutzung ist der Export von Elektronikbauteilen nach Russland verboten, solche Teile werden aber oft über Drittstaaten geschickt. (dpa)

Eine Lenin-Statue steht vor dem Parlamentsgebäude in Tiraspol im Separatistengebiet Transnistrien. 
Russische Pässe für Separatistengebiet Transnistrien

Russlands Präsident Wladimir Putin erleichtert die Ausgabe russischer Pässe im Separatistengebiet Transnistrien und verstärkt damit den Druck auf die Republik Moldau. Einem Erlass des Kremlchefs zufolge sollen Einwohner von Transnistrien ab 18 Jahren russische Staatsbürger werden können, auch wenn sie nicht – wie sonst gefordert – fünf Jahre in Russland gewohnt haben.

Transnistrien ist ein vorwiegend von ethnischen Russen bewohnter Landstreifen zwischen dem Fluss Dnjestr und der Ukraine. Er hat sich in einem Krieg Anfang der 1990er Jahre von der rumänischsprachigen Republik Moldau abgespalten. International ist die Separatistenrepublik nicht anerkannt.

Die Separatistenführung in Tiraspol nannte den Erlass einen Schritt zum Schutz der Einwohner Transnistriens, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete.

Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte, Moskau hoffe wohl auf neue Soldaten für seinen Krieg. Zugleich wolle Russland Transnistrien als seine Einflusszone markieren.

Befürchtet wird, dass Moskau den vorgeblichen Schutz russischer Bürger als Druckmittel nutzen könnte. Auch im besetzten Teil der Ostukraine hatte Russland nach 2014 russische Pässe verteilt. 2022 vor der Großinvasion in die Ukraine erkannte es die separatistischen Gebilde Donezk und Luhansk als eigenständige Staaten an. (dpa)

Eine Lenin-Statue steht vor dem Parlamentsgebäude in Tiraspol im Separatistengebiet Transnistrien. 
Eine Lenin-Statue steht vor dem Parlamentsgebäude in Tiraspol im Separatistengebiet Transnistrien.  Credit: Hannah Wagner/dpa
Ein Toter bei ukrainischem Drohnenangriff in russischer Grenzregion

In der russischen Grenzregion Belgorod ist bei einem ukrainischen Drohnenangriff nach Angaben der Behörden am Samstag ein Mensch getötet worden. Bei dem Angriff sei ein Fahrzeug in der Stadt Krasnaja Jaruga getroffen und ein „Zivilist“ getötet worden, teilten die Regionalbehörden mit.

Nach einer dreitägigen Waffenruhe rund um den Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland hatten Russland und die Ukraine wieder mit gegenseitigen Angriffen begonnen. Die Waffenruhe war in der Nacht zum Dienstag ausgelaufen.

Nach russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew mit 24 Toten am Donnerstag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, Angriffe auf Russlands Ölindustrie seien „vollkommen gerechtfertigt“. (AFP)

Russland: Haben zwei Dörfer in Ostukraine eingenommen

Die russischen Truppen haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau zwei Dörfer in der ukrainischen Region Charkiw unter ihre Kontrolle gebracht. Es handele sich um die Ortschaften Borowa und Kutkiwka, meldet die staatliche Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf das Ministerium. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Angaben zum Kampfgeschehen nicht. Die Region Charkiw liegt im Nordosten der Ukraine. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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