Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 16. Januar, 17:30 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1515
letzte Woche, 1472 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1515
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 9.1., letzte Aktualisierung: 14.1. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
774
200
30
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
702
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 9.1., letzte Aktualisierung: 14.1. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Ukrainischer Armeechef: Russland intensiviert Kämpfe statt über Frieden zu reden

Russland zeigt nach den Worten des ukrainischen Armeechefs kein Interesse an Friedensgesprächen. „Im Gegenteil, wir beobachten, dass die Kampfhandlungen zunehmen und die Produktion von Angriffswaffen, Raketen und Drohnen gesteigert wird“, sagt Olexandr Syrskyj dem Online-Medium lb.ua in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. Moskau plane, den Ausstoß auf bis zu 1000 Drohnen pro Tag zu erhöhen. Syrskyj bezeichnet die ukrainischen Angriffe weit hinter der Front als „unsere Stärke“. Dadurch seien 719 Ziele getroffen und Schäden in Höhe von 15 Milliarden Dollar verursacht worden, vor allem in der russischen Ölindustrie. Die ukrainischen Verluste seien 2025 zudem um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, während die russischen Verluste „deutlich gestiegen“ seien. (Reuters)

Ukraine: Gespräche mit USA werden in Davos fortgesetzt

Die Ukraine und die USA wollen ihre Gespräche über eine Beilegung des Krieges mit Russland weiterführen. „Wir haben vereinbart, die Arbeit in den Teams bei den nächsten Beratungen in Davos fortzusetzen“, schreibt der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow im Messengerdienst Telegram. Bei dem jüngsten einer Reihe von Treffen in Florida hätten beide Seiten über Sicherheitsgarantien und einen Plan für den Wiederaufbau nach dem Krieg beraten. (Reuters)

Kiews Oberbefehlshaber Syrskyj kündigt neue Offensive an

Der ukrainische Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj hat parallel zu den laufenden Verhandlungen mit den USA über ein mögliches Kriegsende in einem Interview eine neue Offensive gegen Russlands Truppen angekündigt. Es gebe Erfolge bei der Mobilmachung und der Ausrüstung der ukrainischen Soldaten, sagte Syrskyj in einem Interview des Medienportals „LB.ua“. Die Ergebnisse seien besser als noch vor sieben Monaten. Syrskyj geht demnach davon aus, dass Russland sich weiter die gesamte Ukraine einverleiben wolle.

„Daher werden wir entsprechend Offensivoperationen durchführen“, sagte er. Die strategische Verteidigungsinitiative sei notwendig, weil die Ukraine allein durch Verteidigung keinen Sieg erringen könne. Ziel sei es, den Feind Russland zu einem noch höheren Aufwand bei Personal, Munition und Bewaffnung zu bringen.

Schon jetzt seien die Verluste der Russen bei den Kämpfen höher als auf ukrainischer Seite. Der Ukraine sei es gelungen, ihre Verluste weiter zu reduzieren, sagte Syrskyj. Die Ukraine verteidigt sich inzwischen seit fast vier Jahren mit westlicher Militärhilfe gegen den russischen Angriffskrieg. (dpa)

Russland meldet Stromausfälle in besetzten Gebieten nach ukrainischen Angriffen

Nach Angriffen der ukrainischen Streitkräfte auf die von Russland besetzten Gebiete im Süden der Ukraine sind nach russischen Angaben mehr als 200.000 Haushalte ohne Strom. Wegen eines „feindlichen Angriffs“ auf die Energieinfrastruktur sei in weiten Teilen der Region Saporischschja der Strom ausgefallen, erklärte der von Russland eingesetzte Regionalgouverneur Jewgeni Balizki am Sonntag im Onlinedienst Telegram. Mehr als 380 Ortschaften seien ohne Strom.

Der ebenfalls von Moskau eingesetzte Regionalgouverneur von Cherson, Wladimir Saldo, hatte am Samstag einen ukrainischen Angriff auf ein Umspannwerk gemeldet, was zu Stromausfällen in 14 Städten und 450 Dörfern geführt habe. (AFP)

20-Jährige stirbt bei russischem Angriff in Charkiw – Attacken auch in Sumy und Odessa

Bei einem russischen Angriff auf die Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine ist nach Angaben der örtlichen Behörden eine 20-jährige Frau getötet worden. Eine Frau sei nach den vorliegenden Informationen durch einen Drohnenangriff auf ein privates Haus gestorben, erklärte der Bürgermeister von Charkiw, Igor Terechow, am frühen Sonntagmorgen im Onlinedienst Telegram. Regionalgouverneur Oleh Synehubow erklärte später, das Opfer sei erst 20 Jahre alt gewesen.

Bei dem Angriff sei ein weiterer Mensch verletzt worden, führte der Gouverneur aus Außerdem habe eine 41-Jährige in der Folge eine „akute Stressreaktion“ erlitten.

In der nordöstlichen Region Sumy wurden nach Angaben von Rettungskräften bei Luftangriffen auf eine Wohngegend drei Frauen und ein siebenjähriges Kind verletzt. Eine vorläufige Prüfung ergab Schäden an 15 Wohngebäuden.

In der südukrainischen Region Odessa gab es nach Angaben der Behörden im Bezirk Ismail erneut einen russischen Angriff auf kritische Infrastruktur. Verletzt wurde dabei nach ersten Erkenntnissen niemand.

Die Angriffe erfolgten, nachdem Vertreter der ukrainischen Regierung am Samstag in den USA eingetroffen waren, um mit der Regierung von Präsident Donald Trump erneut über eine Beendigung des Ukraine-Kriegs zu verhandeln. Der Beginn des russischen Angriffskriegs jährt sich kommenden Monat zum vierten Mal. (AFP)


Drohnenangriffe: Stromausfall in russisch besetzter Region der Ukraine

In dem von russischen Truppen besetzten Teil der südostukrainischen Region Saporischschja ist es nach Angaben der Besatzer wegen ukrainischer Drohnenangriffe zu Stromausfällen gekommen. Das betreffe einen „bedeutenden Teil des Gebiets Saporischschja“, schrieb der von Moskau eingesetzte Gouverneur, Jewgeni Balizki, bei Telegram. Generatoren würden wichtige Objekte wie Krankenhäuser versorgen und die Wasserversorgung gewährleisten. Balizki rief die Bevölkerung zur Geduld für die Dauer der Reparaturarbeiten auf.

Gleichzeitig drohte Balizki mit Strafen bei der Veröffentlichung von Aufnahmen vom Einsatz der Flugabwehr und den Folgen von Einschlägen. In sozialen Netzwerken waren zuvor Videos von mutmaßlichen Drohneneinschlägen in einem Umspannwerk bei der Großstadt Melitopol verbreitet worden.

Den Besatzungsbehörden zufolge ist auch der russisch besetzte Teil des benachbarten Gebiets Cherson von den Stromausfällen betroffen. Mehrere Hundert Siedlungen seien ohne Elektrizität, teilte der vom Kreml eingesetzte Gouverneur Wladimir Saldo mit. (dpa)

Selenskyj ordnet schnellere Stromimporte an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat wegen der anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieversorgung den schnellstmöglichen Ausbau der Stromimporte und der Einfuhr zusätzlicher Energieausrüstung angeordnet. „Alle dafür nötigen Entscheidungen sind bereits getroffen, und die Steigerung der Importe muss ohne Verzögerung erfolgen“, teilte Selenskyj nach einem Treffen mit hochrangigen Regierungs- und Militärvertretern auf der Online-Plattform X mit. (Reuters)


Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

„Daran erinnern, dass die ukrainische Kultur existiert“: Ballett aus Kiew zu Gast im Admiralspalast
Seit Beginn des Krieges haben sich zahlreiche ukrainische Kulturschaffende den Streitkräften ihres Landes angeschlossen. Nicht alle sind zurückgekehrt. Mit klassischem Ballett beharrt ein Kiewer Ensemble darauf, dass es weitergeht.
Kliniken, Schulen, Verkehr: Was die Winterkrise für Kyjiw und seine Bewohner bedeutet
„Eine Stadt im Notbetrieb“: Seit Tagen lebt die ukrainische Metropole im Ausnahmezustand. Den Menschen helfen nicht nur entsprechende Vorkehrungen – sondern auch innovative Notlösungen.
Ukraine-Invasion, Tag 1420: Jetzt wissen auch Russen, wie sich Blackouts anfühlen
Witkoff und Kushner wollen noch im Januar Putin treffen, Lage im ukrainischen Stromnetz bleibt kritisch, EU will Finanzhilfen für die Ukraine aufteilen. Der Überblick.
Ukraine-Invasion, Tag 1419: Russland nutzt offenbar bemerkenswerte Lücke in US-Sanktionen
Verheerende russische Angriffe sorgen für Blackouts in der Ukraine, rund 1400 Afrikaner kämpfen wohl für Russlands Armee, Anklage wegen Sabotageplänen gegen Ukrainer erhoben. Der Überblick.
Kyijw bei –15 Grad ohne Strom: „Der Körper hält das irgendwann nicht mehr aus“
Frostige Temperaturen und erschöpfte Bewohner: Nach dem massiven russischen Raketenangriff bleibt Kyjiw weiter größtenteils ohne Strom – und kämpft ums Alltägliche. Was sagen die Bewohner?
Ukraine-Invasion, Tag 1415: Trumps möglicher Hebel gegen Putin – doch würde er ihn einsetzen?
Russland feuert gefürchtete „Oreschnik“-Rakete auf die Ukraine ab, Bewohner von Kiew zur Evakuierung aufgerufen, großflächiger Stromausfall auch in Russland. Der Überblick.
mehr Artikel anzeigen