Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 29. Juli, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1913
letzte Woche, 1959 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1913
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 24.7., letzte Aktualisierung: 29.7. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1180
200
212
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
508
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 24.7., letzte Aktualisierung: 29.7. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Das Bild zeigt den neuen Verteidigungsminister der Ukraine, Jewhenij Chmara, und den Oberbefehlshaber der Truppen, Mychajlo Drapatyj (rechts).
Neuer Armeechef in Kyjiw will Attacken auf Russlands Hinterland verstärken

Der neue Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Mychajlo Drapatyj, hat erstmals mit dem Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte, General Alexus Grynkewich, telefoniert, der zugleich Kommandeur der US-Truppen in Europa ist. Drapatyj berichtete über das Gespräch in seinem offiziellen Viber-Kanal. Er ist seit etwas mehr als einer Woche Oberbefehlshaber.

Als zentrale Aufgaben nannte Drapatyj demnach die Verstärkung militärischer Operationen in verschiedenen Bereichen, die Abwehr kleiner russischer Einheiten, die in ukrainische Verteidigungslinien einzudringen versuchen, sowie den Ausbau von Angriffen mittlerer und großer Reichweite. Die Ukraine müsse eigene Technologien und asymmetrische Ansätze einsetzen, um Russlands militärisches und wirtschaftliches Potenzial zu verringern. (Yulia Valova) 

Das Bild zeigt den neuen Verteidigungsminister der Ukraine, Jewhenij Chmara, und den Oberbefehlshaber der Truppen, Mychajlo Drapatyj (rechts).
Foto: dpa/Verteidigungsministerium der Ukraine
Drei große russische Getreidehäfen am Schwarzen Meer schränken Lieferungen per Lkw ein

Drei große russische Getreideterminals am Schwarzen Meer haben die Annahme von Getreide eingeschränkt, das per Lastwagen angeliefert wird. Wie Reuters unter Berufung auf fünf Branchenvertreter berichtet, handelt es sich um die Terminals KSK und NZT in Noworossijsk sowie ZTKT in Taman. Zusammen können sie jährlich mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide umschlagen – etwa 40 Prozent der russischen Getreideexporte auf dem Seeweg.

Länger anhaltende Einschränkungen könnten Russlands Exporte an wichtige Abnehmer wie Ägypten und die Türkei erschweren und sich auf die internationalen Preise auswirken: Russland ist weiterhin der weltweit größte Weizenexporteur.

Die Einschränkungen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Sicherheitsrisiken nach ukrainischen Angriffen auf russische Schiffe und Häfen. Zuvor hatte Russland den Schiffsverkehr durch das Asowsche Meer eingeschränkt, über das etwa ein Viertel seiner Getreideexporte abgewickelt wird. Ein Teil der Lieferungen wurde daraufhin zu den Schwarzmeerhäfen umgeleitet, wodurch die Straßen- und Schienenlogistik zusätzlich belastet wurde. (Yulia Valova) 

Neuer ukrainischer Verteidigungsminister setzt auf asymmetrische Kriegsführung

Die Ukraine verfüge nicht über genügend Ressourcen, um jeden russischen Angriff mit einem vergleichbaren Gegenschlag zu beantworten. Deshalb müsse sie asymmetrisch handeln. Das sagt der neue Verteidigungsminister Jewhenij Chmara in Kyjiw. Wie die Agentur Reuters berichtet, erläuterte der frühere Chef des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU seine Strategie im ersten Interview nach seiner Ernennung. Gesprächspartnerin war die rechtsgerichtete US-Bloggerin Laura Loomer.

Chmara zufolge sollen ukrainische Angriffe mit großer Reichweite Russland deutlich höhere wirtschaftliche und militärische Schäden zufügen, als ihre Durchführung die Ukraine kostet. Dazu gehören insbesondere Attacken auf Ölraffinerien und andere Infrastruktur, die Russlands militärische Fähigkeiten unterstützt. Entscheidend seien zudem eine funktionierende Logistik und der sparsame Einsatz begrenzter Ressourcen. (Yulia Valova) 

Russische Truppen verstärken offenbar Offensive im ukrainisch kontrollierten Donbass

Die russischen Truppen verstärken ihre Offensive auf Kostjantyniwka, eine Stadt rund 20 Kilometer südlich von Kramatorsk. Sie sichert die südlichen Zugänge zum wichtigsten ukrainischen Verteidigungszentrum im Norden des Gebiets Donezk. Nach Angaben des ukrainischen Analyseprojekts DeepState versuchen kleine russische Infanteriegruppen, in die Stadt im von Kyjiws Armee kontrollierten Donbass einzudringen. Gleichzeitig werden Kostjantyniwka und die umliegenden Orte massiv beschossen.

Ziel der Offensive könnte es demnach sein, schrittweise auf Kramatorsk und Slowjansk vorzurücken. Die beiden Städte sind die größten urbanen Zentren im ukrainisch kontrollierten Teil des Donbass und spielen eine zentrale Rolle bei der Versorgung der ukrainischen Streitkräfte. Auch weiter nördlich, im Frontabschnitt zwischen Lyman und Bachmut, bereitet Russland offenbar Angriffe vor, um die ukrainische Verteidigung auseinanderzuziehen und den Ballungsraum aus mehreren Richtungen zu bedrohen. (Yulia Valova)

Russland erlässt Haftbefehl gegen Telegram-Gründer

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat laut Interfax einen internationalen Haftbefehl gegen den Gründer des Onlinedienstes Telegram, Pawel Durow, erlassen. Ihm werde die Ermöglichung terroristischer Aktivitäten vorgeworfen, meldet die russische Nachrichtenagentur. Telegram-Kanäle werden in dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine von beiden Seiten zur Verbreitung von Meldungen genutzt. (Reuters, Tsp)

Russischer Online-Händler Wildberries offenbar wieder angegriffen

Der russische Online-Händler Wildberries hat nach eigenen Angaben sein Logistikzentrum in der zentralrussischen Stadt Rjasan evakuiert. Einen Grund für das Vorgehen nannte das Unternehmen, das als Pendant von Amazon in Russland gilt, nicht. Die Regierung der Oblast Rjasan hatte zuvor mitgeteilt, mehrere Industrieanlagen seien nach einem Drohnenangriff in Brand geraten. Wildberries hat zuletzt wiederholt ukrainische Drohnenangriffe auf Lagerhallen an verschiedenen Standorten gemeldet. (Reuters)

Ukraine will nach Angriff auf Frachtschiff Eskalation mit dem Iran vermeiden

Nach einem ukrainischen Angriff auf einen iranischen Frachter im Kaspischen Meer will Kyjiw nach den Worten von Außenminister Andrij Sybiha eine „unnötige Eskalation“ mit Teheran vermeiden. Dies habe er am Dienstag in einem „ehrlichen“ Telefongespräch mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi klargemacht, erklärt Sybiha im Onlinedienst X. „Diplomatie bedeutet direkte Gespräche, auch wenn es schwierig ist“, fügte er hinzu.

Die ukrainische Armee hatte in der vergangenen Woche Schiffe im Kaspischen Meer angegriffen, die nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj „für den Transport militärischer Fracht mit Beteiligung des Iran genutzt wurden“. Nach iranischen Angaben „explodierte“ ein Schiff, ein Besatzungsmitglied wurde Teheran zufolge getötet. Der Iran drohte mit „nicht vorhersehbaren“ Folgen für die Ukraine.

Sybiha rief seinen iranischen Kollegen am Dienstag nach eigenen Angaben dazu auf, „auf jegliche eskalierende Schritte zu verzichten und die Unterstützung für Russlands Krieg gegen die Ukraine zu beenden“. Russland setzt bei seinen Angriffen auf das Land unter anderem iranische Schahed-Drohnen ein.

„Alle Handlungen der Ukraine zielen ausschließlich darauf ab, unser Land gegen die russische Aggression zu verteidigen, und sind niemals darauf ausgerichtet, zivile Schiffe oder Menschen anzugreifen“, erklärte Sybiha. Das Telefonat am Dienstag war nach Angaben seines Ministeriums der erste direkte Kontakt mit dem iranischen Außenminister seit Sybihas Amtsantritt 2024.

Araghtschi teilte seinerseits auf X mit, Sybiha habe ihm versichert, der Angriff sei „unbeabsichtigt“ gewesen. Die Ukraine strebe keine Eskalation an. Dasselbe gelte für den Iran, fügte er hinzu. Er habe seinem ukrainischen Kollegen aber deutlich gemacht, dass „jeder Angriff auf iranische Bürger oder Interessen inakzeptabel“ sei. Für entstandene Schäden müsse es einen „Ausgleich“ geben.

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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