Die Kreml-Truppen stehen kurz vor der Fertigstellung eines großen neuen Stützpunkts für den Start von düsengetriebenen Drohnen in der südwestlichen Region Rostow nahe der ukrainischen Grenze. Dies geht aus einer Auswertung von Satellitenbildern durch die Nachrichtenagentur Reuters und Verteidigungsexperten hervor. Wo am 31. August noch ein unbebautes Feld war, steht inzwischen eine Anlage, die etwa 126 Fußballfelder groß ist, wie Aufnahmen der Satellitenbild-Dienstleister Planet Labs und Airbus zeigen. Die Bauzeit betrug lediglich sechs Wochen.
Die noch relativ neuen düsengetriebenen Drohnen sind für die ukrainische Armee schwerer abzuwehren, als die herkömmlichen Kampfdrohnen. Während herkömmliche Propeller-Drohnen meist mit 150 bis 200 km/h fliegen, erreichen düsengetriebene Modelle nach Angaben des Fachportals "Aerospace Global News" Geschwindigkeiten von 400 bis über 600 Kilometern pro Stunde. Dies verkürzt das Zeitfenster für die Luftraumüberwachung drastisch, um die Bedrohung zu erkennen, den Kurs zu berechnen und Abwehrmaßnahmen einzuleiten.
Zudem operieren Propeller-Drohnen überwiegend im Tiefflug. Jet-Drohnen fliegen jedoch oft in Höhen von vier bis sieben Kilometern. Dafür sind sie zu hoch, um beispielsweise mit Maschinengewehren oder Flugabwehrkanonen abgeschossen zu werden.
Um ein Objekt in sechs Kilometern Höhe bei 500 Kilometern pro Stunde abzufangen, müssen Verteidiger auf teure Flugabwehrraketen wie die Systeme Iris-T oder Patriot zurückgreifen, schreibt das unabhängige ukrainische Nachrichtenportal „Hromadske“. Da diese Raketen Millionen kosten, die Jet-Drohnen in der Produktion aber verhältnismäßig günstig sind, führt dies bei massenhaftem Einsatz rasch zur Erschöpfung der Luftabwehr-Munition.

