Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 10. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1980
letzte Woche, 1915 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1980
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1237
200
195
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Schwedischer Geheimdienst stoppt russische Spionageaktion

Der schwedische Nachrichtendienst Säpo hat nach eigenen Angaben eine russische Geheimdienstmission vereitelt. Die für Spionageabwehr zuständige Behörde erklärte am Montag, die russische Geheimdienstmission habe darauf abgezielt, „die schwedische Entscheidungsfindung zu beeinflussen und Schweden, die Nato und die EU zu diskreditieren“.

Die Operation wurde den Angaben nach von Moskaus Auslandsgeheimdienst SWR gesteuert. Die Informationsbeschaffung konzentrierte sich insbesondere „auf Informationen zu Schwedens politischen Positionen und dessen Aktivitäten im Kontext der Nato und der EU“, wie es hieß.

Auch die schwedische Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine sowie die militärischen Fähigkeiten des Landes seien von Interesse. Säpo habe Maßnahmen ergriffen, um „wichtige schwedische Interessen zu schützen und weiteren Einflussversuchen entgegenzuwirken“.

Säpo sammelte über einen längeren Zeitraum Informationen über die Operation, wie es weiter hieß. Russische Geheimdienstoffiziere hätten demnach auch einen Agenten einer ausländischen diplomatischen Vertretung in Schweden rekrutiert. Die beiden Geheimdienstoffiziere wurden schwedischen Medienberichten zufolge bereits des Landes verwiesen, auch der Agent verließ Schweden demnach.

Dass Russland auch in Schweden offensiv vorgehe, sei bekannt, sagte Justizminister Gunnar Strömmer der Nachrichtenagentur TT zufolge. Ein Zusammenhang mit den anstehenden Wahlen im Herbst gebe es nach aktuellen Informationen nicht, die Operation sei Teil eines größeren Musters. (dpa/AFP)

Schweden: Geheimdienst stoppt russische Spionageoperation

Der schwedische Inlandsgeheimdienst Sapo hat nach eigenen Angaben eine russische Spionageoperation gestoppt. Diese habe das Ziel gehabt, politische Entscheidungen zu beeinflussen und das Land sowie seine EU- und Nato-Verbündeten zu diskreditieren, teilt die Behörde mit.

Gesteuert worden sei die Aktion vom russischen Auslandsgeheimdienst SVR unter Beteiligung von drei Personen, die im Schutz der diplomatischen Immunität agiert hätten. Die Verdächtigen befänden sich nicht mehr in Schweden, sagt ein Sapo-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die russische Botschaft in Stockholm äußert sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. (Reuters)

Der Jabloko-Vorsitzende Nikolai Rybakov bei einer gerichtlichen Anhörung.
Finanzaufsicht wirft Jabloko-Opposition ausländische Finanzierung vor
Der Jabloko-Vorsitzende Nikolai Rybakov bei einer gerichtlichen Anhörung.
imago/ZUMA Press

Die russische Finanzaufsicht Rosfinmonitoring wirft der Antikriegspartei Jabloko vor, über Dritte finanzielle Mittel aus den USA und Deutschland erhalten zu haben. Dies meldet die staatliche Nachrichtenagentur Tass. Das Oberste Gericht Russlands befasst sich derzeit mit einer Klage auf Ausschluss Jablokos von der Parlamentswahl im September.

Sie ist die einzige Partei im Land, die sich gegen den Krieg in der Ukraine ausspricht. Zudem fordert die Generalstaatsanwaltschaft bei einer Anhörung, die Registrierung der Jabloko-Kandidatenliste für die Wahl aufzuheben, wie Interfax berichtet. (Reuters)

Ukraine: Spezialkräfte melden Drohnenangriff auf russische Chemieanlage

Ukrainische Spezialkräfte haben nach eigenen Angaben die petrochemische Anlage SapSibNeftechim im russischen Gebiet Tjumen mit Drohnen angegriffen. Der Angriff löste laut einer Telegram-Mitteilung einen Brand aus und verursachte Zerstörungen. 

Der dortige Gouverneur berichtete ebenfalls von einem Feuer in einer Industrieanlage nach einer Drohnenattacke. Tjumen liegt gut 2000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. (Reuters)

Russland beschleunigt Ausbau von eigenem Satelliten-Internet

Russland treibt den Aufbau eines eigenen Satelliten-Internetsystems nach ukrainischen Angaben schneller voran als geplant. Bis 2027 wolle Moskau knapp 300 Satelliten in der Umlaufbahn stationiert haben, sagt der stellvertretende Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR, Wadym Skybyzkyj, in einem Interview mit dem Medienportal RBC-Ukraine.

Das System namens „Rasswet“ solle dem US-System Starlink von SpaceX Konkurrenz machen, das der Ukraine im Krieg Vorteile bei der Drohnensteuerung und Kommunikation verschafft. Derzeit habe Russland erst 16 Satelliten im Orbit, weshalb das System über der Ukraine nur lückenhaft arbeite.

Bis 2027 seien 292 Satelliten geplant, bis 2035 solle das Satelliten-Netzwerk auf 924 anwachsen. Sobald das System vollständig einsatzbereit sei, werde es eine ähnliche Abdeckung wie Starlink bieten. (Reuters)

Drohnenvorfall: Moldau ruft Botschafter aus Russland zurück

Vor dem Hintergrund einer explodierten Drohne im Süden des Landes hat die Republik Moldau ihren Botschafter zu Beratungen aus Russland zurückgerufen. Der Vorfall nahe der Ortschaft Crocmaz werde aufs „Schärfste verurteilt“, teilte das Außenministerium in Chisinau in sozialen Netzwerken mit. Der Zwischenfall stelle eine Verletzung der Souveränität von Moldau dar und gefährde die Sicherheit der moldauischen Bürger.

Am Sonntag war eine mutmaßlich russische Drohne nahe Crocmaz an der moldauisch-ukrainischen Grenze abgestürzt und explodiert. Schäden oder Opfer gab es keine. Moldaus Präsidentin Maia Sandu verurteilte die Verletzung des moldauischen Luftraums bei X und rief zu einem Ende des russisch-ukrainischen Krieges auf. 

Russland führt seit Februar 2022 Krieg gegen den Nachbarn Ukraine. Immer wieder fliegen russische Drohnen und auch Raketen in grenznahe moldauische Gebiete und stürzen auch in dem zwischen der Ukraine und dem EU-Staat Rumänien gelegenen Land ab. (dpa)

Das Verlags- und Redaktionsgebäude der FAZ in Frankfurt am Main.
„FAZ“ reagiert auf Kritik nach Frage an Selenskyj
Das Verlags- und Redaktionsgebäude der FAZ in Frankfurt am Main.
Boris Roessler/dpa

Nach der Frage eines ihrer Korrespondenten an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Töten russischer Soldaten hat sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) zu dem Vorgang geäußert. Die Frage eines ihrer Reporter sei missverständlich formuliert gewesen, teilte die Pressestelle der Zeitung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Dies bedauere man. Es sei nicht die redaktionelle Linie der „FAZ“, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten.

Der „FAZ“-Korrespondent hatte Selenskyj am Samstag bei der Pressekonferenz in Belgrad gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten. Nach Angaben der „FAZ“ bezog sich die Frage auf aktuelle Debatten unter Verteidigungsexperten darüber, wie die russische Armee in personelle Schwierigkeiten gebracht werden könnte, um Russland zu Friedensverhandlungen zu bewegen.

Das russische Außenministerium reagierte am Sonntagabend mit scharfer Kritik an dem Journalisten. Es bezeichnete ihn unter anderem als „braunen Propagandisten“ und warf ihm vor, Russen zu entmenschlichen und Hass gegen Russland zu legitimieren. Zudem bezeichnete das Ministerium die Äußerung des Journalisten als „revanchistisch“ und kritisierte, dass die Frage im Westen nicht verurteilt worden sei.

Die „FAZ“ verwies ihrerseits auf „Diffamierungen und Drohungen“ gegen ihren Korrespondenten im Zusammenhang mit der Pressekonferenz. „Das ist inakzeptabel“, hieß es. Zur Pressefreiheit gehöre das Recht, Fragen zu stellen, gerade auf einer Pressekonferenz. „Auf Bedrohungen unserer Mitarbeiter werden wir mit juristischen Mitteln reagieren.“ (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
Trump in der Iran-Falle: Mit Europas Ideen nicht zu lösen
Viele Deutsche warten auf einen haltbaren Frieden am Golf und Energiepreise wie vor dem Krieg. Beide Ziele sind jedoch nur durch anhaltenden militärischen Druck zu erreichen.
Bilanz des Nato-Gipfels mit Trump: Love is in the air – das müssen die Europäer nutzen
Die Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten kommt beim Treffen in Ankara ausnahmsweise der Allianz und der Ukraine zugute. Offen bleibt aber, wie lange auf Trumps neue Zuneigung Verlass ist.
Droht die Nato zu zerbrechen?: Diskutieren Sie mit beim „High Noon“-Expertentalk um 12 Uhr
Die USA wollen sich aus Europa zurückziehen. Droht das transatlantische Verteidigungsbündnis unter Trump zu zerbrechen? Die Tagesspiegel-Experten ordnen ein.
mehr Artikel anzeigen