Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 28. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1817
letzte Woche, 1938 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1817
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 19.6., letzte Aktualisierung: 24.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1101
200
195
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
510
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 19.6., letzte Aktualisierung: 24.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Der russische Präsident Wladimir Putin hält eine Rede auf dem Parteitag von „Einiges Russland“ in Moskau.
Putin beklagt bei Parteikongress Druck des Westens

Trotz aktueller Rückschläge an den Fronten und erheblicher wirtschaftlicher Probleme gibt sich Russlands Präsident Wladimir Putin kämpferisch. „Dem Westen gelingt es nicht, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, deshalb versucht er, die politische Lage zu destabilisieren, doch auch das gelingt ihm nicht“, sagte der Kremlchef beim Kongress der Regierungspartei „Edinaja Rossija“ (Geeintes Russland) in Moskau. Die Parteiführung war zusammengekommen, um die Linien für die Parlamentswahlen im September festzulegen.

Russland sehe sich aktuell einem „beispiellosen Druck“ seitens westlicher Eliten ausgesetzt, erklärte Putin. Er warf dem Westen vor, die Angriffe Kiews gegen Russland zu ignorieren. „Und gleichzeitig verhängt er gerade gegen uns immer neue – ich betone: unrechtmäßige – Sanktionen“, sagte er und wies seinem Land, das seit über vier Jahren einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, damit eine Opferrolle zu.

„Ja, wir sehen Probleme“, sagte Putin weiter. „Wir sind uns dessen bewusst, reagieren darauf, werden aber auf jeden Fall sowohl die Sicherheit des Landes als auch die unserer Bürger sowie die Unverletzlichkeit unserer Grenzen auf lange Sicht gewährleisten.“

Trotz anderslautender Berichte von den Fronten behauptete Putin, die ukrainischen Truppen zögen sich „in alle Richtungen zurück“. Kyjiw greife zudem zu „terroristischen Methoden“ und werde gleichzeitig vom Westen „als Rammbock im Kampf gegen Russland“ unterstützt. (dpa)

Der russische Präsident Wladimir Putin hält eine Rede auf dem Parteitag von „Einiges Russland“ in Moskau.
Der russische Präsident Wladimir Putin hält eine Rede auf dem Parteitag von „Einiges Russland“ in Moskau. Credit: dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP/Gavriil Grigorov
Ein maskierter, bewaffneter Uniformierter steht 2014 auf dem Gelände eines ukrainischen Militärstützpunktes in einem Vorort von Simferopol (Archivbild).
Polen befürchtet russische Übergriffe an Nato-Ostflanke

Die polnische Führung sieht ein wachsendes Risiko russischer Provokationen an der Nato-Ostflanke. „Wir sehen die Ereignisse in der Ukraine und dass der Krieg für Russland derzeit nicht gut läuft. Das ist ein Grund zur Besorgnis, dass Moskau die Situation weiter eskalieren könnte“, sagte der Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Oberst Pawel Szota, der Zeitung „Rzeczpospolita“.

Seiner Einschätzung nach könnte ein begrenzter Angriff auf die baltischen Staaten so aussehen, dass dort „grüne Männchen“ auftauchen. Mit diesem Begriff wurden die russischen Soldaten ohne Hoheitsabzeichen bezeichnet, die 2014 die ukrainische Halbinsel Krim unter Kontrolle brachten.

„Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der Nato zu testen“, sagte Szota. „Die Kosten solcher Provokationen sind gering, aber das Bündnis reagiert vor allem politisch, was zu weiterer Eskalation einlädt.“ (dpa)

Ein maskierter, bewaffneter Uniformierter steht 2014 auf dem Gelände eines ukrainischen Militärstützpunktes in einem Vorort von Simferopol (Archivbild).
Ein maskierter, bewaffneter Uniformierter steht 2014 auf dem Gelände eines ukrainischen Militärstützpunktes in einem Vorort von Simferopol (Archivbild). Credit: dpa/PAP/Jakub Kaminski
Kyjiw bestätigt Attacken auf zwei Raffinerien in Russland

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat sein Militär in der Nacht gleich zwei russische Raffinerien mit Drohnen angegriffen. Er bestätigte dabei den zuvor schon von russischen Behörden eingeräumten Einschlag in einer Anlage im südrussischen Slawjansk-na-Kubani. „Außerdem haben wir eine Raffinerie in der Region Jaroslawl getroffen, die etwa 700 Kilometer von unserer Grenze entfernt liegt“, schrieb er bei Telegram. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. (dpa)

Gouverneur: Ein Mensch bei ukrainischem Drohnenangriff im Süden Russlands getötet

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff im Süden Russlands ist nach Angaben des örtlichen Gouverneurs ein Mensch getötet worden. Ein weiterer Mensch sei zudem verletzt worden, erklärte der Gouverneur der Region Krasnodar am Sonntag.

Seinen Angaben zufolge brach auch ein Feuer in einer Ölraffinerie aus. Außerdem seien eine Strom- und eine Gasleitung beschädigt worden.

Die Ölraffinerie Slawjansk-na-Kubani gehört zu den größten im Süden Russlands und ist Teil des Konzerns Slawjansk EKO. Sie liegt in der Nähe der von Russland besetzten Halbinsel Krim.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, insgesamt seien 213 ukrainische Drohnen in mehr als einem Dutzend Regionen abgefangen worden, darunter Moskau. (AFP)

Russische Polizei sucht offenbar kritischen Ex-Soldaten

Statt eines Gesprächs mit Kremlchef Wladimir Putin über die wahre Lage an den Fronten in der Ukraine muss der ehemalige Frontsoldat Alexander Lunin jetzt wohl mit der Polizei sprechen. Wie die Oppositions-Website „Medusa“ unter Berufung auf Lunins Ehefrau Tatjana berichtete, sei die Polizei zu einer nächtlichen Durchsuchung der Unterkunft in ihrem Dorf Lisinowka in der Region Woronesch erschienen. Lunin selbst hätten sie nicht angetroffen, dafür seien alle elektronischen Geräte im Haus beschlagnahmt worden. Wo sich Lunin aktuell aufhalte, sei ihr nicht bekannt, er sei tags zuvor in Richtung Moskau abgereist.

Ein Video des Ex-Frontsoldaten Lunin hat unter anderem in Russland Wellen geschlagen. Der Mann hatte im eigentlich in Russland verbotenen Netzwerk Instagram erklärt, er müsse Putin bei einer Live-Audienz die „ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert“, sagen. An der Front würden Soldaten von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und verheizt, klagte er.

„Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml“, drohte er. Zugleich behauptete er, von ranghohen Militärs und Beamten zu der Forderung veranlasst worden zu sein. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Video etwa zehn Millionen Mal aufgerufen und erhielt Hunderttausende Likes.

Die Kriegsführung Russlands geriet zuletzt auch bei der eigenen Truppe immer stärker in die Kritik – und zwingt Moskau, darauf zu reagieren. Der Kreml habe von dem Video mit der Kritik und der Forderung nach einer Audienz bei Präsident Putin gehört, bestätigte dessen Sprecher Dmitri Peskow am Freitag auf Nachfrage von Journalisten zu dem Thema. „Man muss sich das erst einmal anschauen“, sagte Peskow. Kritik an der Kriegsführung wird von der russischen Führung üblicherweise mit drastischen Sanktionen belegt. (dpa)

Ukrainischer Kampfjet abgestürzt

In der zentralukrainischen Region Poltawa ist offiziellen Angaben nach ein Kampfjet des Typs MiG-29 abgestürzt. Der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können und werde medizinisch versorgt, teilte die ukrainische Luftwaffe mit.

Der Vorfall ereignete sich demnach in der Nacht während eines Kampfeinsatzes. Die genaue Ursache des Absturzes ist unklar. Zu der Zeit hat Russland die Ukraine erneut mit mehr als 100 Drohnen attackiert. Die Ukraine setzt Kampfflugzeuge zum Abschuss der unbemannten Flugobjekte ein.

Bei neuen gegenseitigen Luftangriffen Russlands und der Ukraine sind nach Angaben beider Seiten mindestens fünf Menschen getötet und Dutzende Menschen verletzt worden. Die ukrainischen Behörden meldeten am Samstag zwei Tote durch russische Angriffe. Bei ukrainischen Angriffen auf Ziele in Russland und den russisch kontrollierten Teil der ukrainischen Region Donezk gab es nach Behördenangaben drei Tote. (AFP/dpa)

Update (19.45 Uhr): Ukraine meldet wiederholten Angriff auf Ölpumpstation für Moskau

Der ukrainische Geheimdienst hat eigenen Angaben nach eine für die Treibstoffversorgung von Moskau wichtige Ölpumpstation mit Drohnen angegriffen. Getroffen worden sei ein technisches Gebäude der Station in Wtorowo nahe der Gebietshauptstadt Wladimir östlich von Moskau, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU mit. Es sei die zweite erfolgreiche Attacke innerhalb eines Monats auf die Anlage, heißt es. Russische Behörden haben den Angriff bislang nicht bestätigt.

Die Station Wtorowo gehört zum staatlichen Ölpipelinekonzern Transneft in Russland. Sie pumpt unter anderem Diesel in die Moskauer Ringpipeline, die für die Versorgung der großen Öldepots rund um die russische Hauptstadt verantwortlich ist.

Die russische Flugabwehr habe im Tagesverlauf mindestens 19 ukrainische Drohnen im Anflug auf Moskau abgeschossen. Das teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin nach Angaben der Staatsagentur Tass später mit. „Experten untersuchen gerade die Trümmer“, wurde er zitiert. Das Ziel der Drohnen wurde nicht genannt. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
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Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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