Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 23. April, 09:40 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1615
letzte Woche, 1773 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1615
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 17.4., letzte Aktualisierung: 22.4. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
984
200
124
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
491
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 17.4., letzte Aktualisierung: 22.4. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Putin verteidigt Internet-Sperre in Russland

Kremlchef Wladimir Putin hat die zunehmenden Internetblockaden in Russland mit der Verhinderung von Terrorismus erklärt. Es gebe Probleme und Störungen des Internets in den großen Städten, sagte er laut Kreml bei einer Beratung mit der Regierung. Es gehe dann um operative Maßnahmen zur Verhinderung von Terroranschlägen. „Die Sicherheit von Menschen wird immer Priorität haben.“

Man müsse die Bevölkerung aber im Nachhinein informieren, sagte er. Lebenswichtige Dienste wie das staatliche Serviceportal „Gosuslugi“, Zahlungssysteme und eine Terminvereinbarung bei Ärzten müssten auch in Zeiten von Einschränkungen funktionieren.

Die Politologin Tatjana Stanowaja bewertete die Äußerung des Kremlchefs als typisch für ihn. „Man sieht das Problem nicht im Ereignis selbst, sondern darin, wie es den Menschen erklärt wird“, schrieb sie bei Telegram. Putin führe soziale Unzufriedenheit oft darauf zurück, dass Beamte es schlecht erklärt hätten.

Die immer massiveren Internetblockaden hatten zuletzt selbst in regierungstreuen Kreisen für Kritik gesorgt. Moskau baut die Zensur im Internet massiv aus. Zahlreiche Webseiten, Dienste und Messenger wie WhatsApp und Telegram sind blockiert und können nur über einen VPN-Dienst, der den Standort verschleiert, aufgerufen werden. Doch auch dagegen geht Russland zunehmend vor. Immer häufiger wird das mobile Internet regional ganz abgeschaltet, auch in der Hauptstadt.

Behörden hatten dies schon in der Vergangenheit mit Sicherheitsmaßnahmen begründet, etwa wenn ukrainische Drohnen im Anflug waren. Putin befahl vor mehr als vier Jahren den Angriffskrieg gegen die Ukraine. An den zuletzt immer häufiger erfolgreichen Gegenschlägen Kiews auf die russische Ölindustrie ändern die Internetsperren augenscheinlich nichts. (dpa)

Selenskyj will mit freigegebenen Geldern auch Abwehrraketen produzieren lassen

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben ihren informellen Gipfel in Zypern mit einer Debatte mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj begonnen. Selenskyj begrüßte dabei am Donnerstag den 90-Milliarden-Euro-Kredit für sein Land sowie ein neues Sanktionspaket gegen Russland, die zuvor von der EU endgültig beschlossen worden waren. Er forderte einen raschen EU-Beitritt seines Landes, konkrete Zusagen ließen aber auf sich warten.

Mit einem Teil des nun freigegebenen Geldes werde man die zerstörte Energieversorgung fit für den Winter machen, sagt Selenskyj vor Beginn des EU-Gipfels. Das Geld werde zudem gebraucht, um eine eigene Produktion von Abwehrraketen gegen ballistische Raketen aufzubauen. Die USA produzierten bei Weitem nicht genug. Er fordert zugleich, dass auch die Europäer zusammen ein von den USA unabhängiges, starkes Luftabwehrsystem entwickeln und aufbauen.

Neben der Debatte mit Selenskyj standen bei dem Gipfel die Lage im Iran und die Auswirkungen auf die Energiepreise in Europa auf der Tagesordnung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plante zudem ein bilaterales Treffen mit Selenskyj. Am zweiten Veranstaltungstag am Freitag stoßen Vertreter aus dem Nahen Osten und der Golfregion zu einer weiteren Debatte über den Iran-Krieg dazu. (Reuters/AFP)

Trump befiehlt Beschuss von Minenlegern in Straße von Hormus

US-Präsident Donald Trump weist die US-Marine nach eigenen Angaben an, jedes Boot zu beschießen und zu zerstören, das in der Straße von Hormus Minen verlegt. US-Minensuchboote seien zudem mit dreifacher Kapazität im Einsatz, um die Gewässer von Minen zu räumen, erklärt er. (Reuters)

IMK-Forscher: Iran-Krieg lässt Rezessionsgefahr in Deutschland steigen

Der Iran-Krieg erhöht laut einem Konjunkturbarometer das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten Monaten in eine Rezession gerät. Das signalisiert der Indikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, der Reuters am Donnerstag vorlag. Das Barometer bündelt die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen. Für das zweite Quartal von April bis Ende Juni 2026 weist der Indikator eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 33,5 Prozent aus. Anfang März betrug sie für die folgenden drei Monate noch 11,6 Prozent.

Maßgeblich für den Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit sind laut IMK vor allem Eintrübungen bei Finanzmarkt- und Stimmungsindikatoren. Dazu zählen unter anderem höhere Risikoprämien bei Kreditausfallversicherungen für Firmen, mehr Schwankungen am Aktienmarkt sowie Zinsentwicklungen, die darauf schließen lassen, dass Finanzmarktakteure sich auf eine Anhebung der Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) einstellen.

„Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran im März hat die Wahrscheinlichkeit für weitere Produktionsrückgänge aufgrund höherer Energiepreise und unterbrochener Lieferungen, insbesondere im Bereich der in Deutschland seit Beginn des Ukraine-Kriegs stark belasteten energieintensiven Industrien, zugenommen“, erläuterte IMK-Forscher Thomas Theobald.

Für die kommenden Monate sei zudem mit einer spürbaren Dämpfung des privaten Verbrauchs zu rechnen. Die Energiepreisschocks würden zunächst die „Öl-nahen Ausgaben“ der privaten Haushalte verteuern und sich auch nach und nach auf die Preise weiterer Güter und Dienstleistungen auswirken.

Die Bundesregierung halbierte jüngst ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,5 Prozent. Laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kämpft die Wirtschaft im Zuge des Nahost-Krieges zwar mit zunehmendem Gegenwind. Eine Rezession sei jedoch nicht zu erwarten. (Reuters)

Putin: Internet-Ausfälle dienen der Sicherheit

Der russische Präsident Wladimir Putin begründet die Ausfälle von Internetdiensten in seinem Land mit Sicherheitsbedenken. Die Sicherheit der Menschen habe Priorität, sagte Putin am Donnerstag. Die Funktionsfähigkeit wichtiger Internetdienste müsse allerdings gewährleistet bleiben. Die russischen Behörden schalten das mobile Internet in Moskau und anderen Regionen regelmäßig ab. Dies sei nötig, um ukrainische Drohnenangriffe zu erschweren. In der russischen Bevölkerung war zuletzt Unmut über die Internetsperren bekundet worden. (Reuters)

Niederländischer Geheimdienst sieht größte Bedrohung seit Zweitem Weltkrieg

Die Niederlande sehen sich nach der Einschätzung des Geheimdienstes der größten Bedrohung für ihre nationale Sicherheit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber. Die Hauptgefahr gehe von Russland und China aus, teilte der niederländische Nachrichtendienst AIVD am Donnerstag mit. „In den 80 Jahren unseres Bestehens haben wir noch kein Bedrohungsniveau wie das jetzige gesehen, bei dem die nationale Sicherheit von so vielen Seiten gleichzeitig und über einen so langen Zeitraum unter Druck geraten ist“, sagte AIVD-Direktorin Simone Smit bei der Vorstellung des Jahresberichts der Behörde in Zoetermeer. Man erlebe eine instabile und unberechenbare Weltordnung nach Jahrzehnten der Stabilität.

Russland sei gegenüber westlichen Ländern, einschließlich der Niederlande, vor allem mit Cyber-Angriffen noch aggressiver geworden. „Russland bereitet sich auf eine lange Konfrontation mit dem Westen vor“, hieß es in dem Bericht. „Infolgedessen ist ein militärischer Konflikt zwischen Russland und dem Westen nicht länger undenkbar.“ Die Regierung in Moskau bestreitet Pläne für einen Angriff auf Nato-Staaten. Sie wirft dem Westen vor, durch die finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine ihre eigene nationale Sicherheit zu gefährden.

China setze seine „illegalen“ Bemühungen fort, fortschrittliches technologisches Fachwissen zu erwerben, um die Weltordnung zugunsten eigener Interessen umzugestalten. Der AIVD bezeichnet China seit langem als die größte Bedrohung für die wirtschaftliche Sicherheit der Niederlande. Diese Bedrohung habe sich 2025 noch verstärkt, hieß es weiter. Die Regierung in Peking bestreitet, bei der Verfolgung ihrer wirtschaftlichen Interessen illegal zu handeln oder eine Bedrohung für westliche Länder darzustellen. (Reuters)

Behörden warnen vor giftigem Regen nach Drohnenangriff auf Raffinerie in Russland

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Raffinerie im Südwesten Russlands haben die örtlichen Behörden vor giftigem Regen gewarnt. Der Brand in der Raffinerie in der Stadt Tuapse wüte seit vier Tagen, meldeten die Behörden in der Region Krasnodar am Donnerstag. Vier Öltanks stehen demnach in Flammen.

Die Konzentration giftiger Partikel in der Luft liegt nach Behördenangaben „zwei bis drei Mal über den zulässigen Grenzwerten“. Der Regen hinterließ demnach „eine schwarze Schicht auf Oberflächen“. Die Bewohner der Küstenstadt wurden aufgerufen, ihre Fenster geschlossen zu halten und Aktivitäten im Freien einzuschränken.

Aufnahmen, die in Onlinenetzwerken veröffentlicht wurden, zeigten dichte schwarze Rauchwolken über Tuapse sowie Ölverschmutzungen im Meer und an den Stränden. Zudem waren streunende Katzen und Straßenhunde mit schwarzen Flecken auf ihrem Fell zu sehen. Die Echtheit der Aufnahmen konnte zunächst nicht bestätigt werden. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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