Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 17. Juli, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1947
letzte Woche, 2014 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1947
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 10.7., letzte Aktualisierung: 15.7. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1200
200
212
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
529
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 10.7., letzte Aktualisierung: 15.7. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj: Tote und Verletzte bei russischen Angriffen

In der Ukraine sind bei russischen Drohnen- und Raketenangriffen nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut mehrere Menschen getötet und verletzt worden. „In Odessa wurden zwei Menschen getötet, als Folge des nächtlichen russischen Raketenangriffs auf ein Wohngebäude“, teilte Selenskyj auf der Plattform X mit. Es gebe auch fünf Verletzte. Bei einem Luftangriff in der ebenfalls im Süden gelegenen Region Saporischschja seien zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt worden.

Insgesamt habe der Feind in der Nacht mehr als 130 Drohnen und acht Raketen eingesetzt, sagte Selenskyj. Betroffen gewesen seien mehrere Regionen. Gegen die Region Sumy im Nordosten habe Russland 15 Gleitbomben eingesetzt. Es gebe einen Verletzten. Wohnhäuser und andere zivile Infrastruktur seien beschädigt worden. (dpa)

Brände am Bahnhof und nahe militärischer Einrichtungen nach nächtlichem Angriff auf Kertsch

Nach einem nächtlichen Angriff sind im russisch besetzten Kertsch mehrere Brände auf dem Gelände des Bahnhofs sowie in der Nähe militärischer Einrichtungen und der Energieinfrastruktur ausgebrochen. Wie die Monitoring-Gruppe Krymskyj Witer unter Berufung auf Satellitenaufnahmen berichtet, brennen Lagerhallen, vermutlich das Tanklager „Kertsch“, Eisenbahnwaggons sowie möglicherweise auch das Umspannwerk Kertschenska.

Nach Angaben der Analysten wurden weitere Brandherde zwischen Baherowe und Oktjabrske in der Nähe von Verkehrsinfrastruktur sowie eines ehemaligen Militärflugplatzes registriert, der nach ihren Angaben heute von den russischen Streitkräften genutzt wird. Zudem wird über einen Brand an der Gasaufbereitungsanlage „Baherowe“ des Unternehmens Tschornomornaftogas berichtet.

Weitere Brände wurden auf der Arabat-Nehrung in der Nähe von Ferienanlagen gemeldet, in denen nach Angaben von Krymskyj Witer russische Soldaten stationiert sind. Auch im Raum Koktebel kam es nahe einem Umspannwerk und einer Pumpstation zu einem Brand. (Yulia Valova)

Putin-Kritiker festgenommen

Der russische Blogger Ilja Remeslo, der Präsident Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine kritisiert hatte, wurde wegen des Verdachts der Verbreitung falscher Informationen über die Streitkräfte festgenommen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS am Freitag.

Remeslo, der zuvor als kremlnah galt, veröffentlichte im März in den sozialen Medien ein Manifest mit dem Titel „Fünf Gründe, warum ich aufgehört habe, Wladimir Putin zu unterstützen“, das sich viral verbreitete. (Reuters)

Ein britischer Transporthubschrauber vom Typ Chinook fliegt über der Luftwaffenstützpunkt Ämari in Estland. (Archivbild)
Großbritannien erhöht Militärpräsenz in Estland
Ein britischer Transporthubschrauber vom Typ Chinook fliegt über der Luftwaffenstützpunkt Ämari in Estland. (Archivbild)
REUTERS/Ints Kalnins

Großbritannien wird seine militärische Präsenz in Estland erhöhen. Im kommenden Frühjahr sollen 300 weitere britische Soldaten samt Waffen und Ausrüstung in dem an Russland grenzenden EU- und Nato-Land stationiert werden. Damit werde deren Gesamtzahl vor Ort auf 1200 steigen. Dies sieht eine von den Verteidigungsministerien in Tallinn und London unterzeichnete Vereinbarung vor. Darin wurde auch eine engere Kooperation in anderen militärischen Bereichen und der Rüstungsindustrie festgelegt.

„Wir verstärken unsere Präsenz in Estland, um Nato-Territorium zu verteidigen und Russland abzuschrecken“, wurde der britische Verteidigungsminister Dan Jarvis in einer Mitteilung zitiert. Die Truppe werde „mit hochmobilen Fahrzeugen, fortschrittlichen Waffensystemen und Hightech-Drohnen“ ausgerüstet sein. Deren Verlegung soll nach Angaben seines estnischen Kollegen Hanno Pevkur noch in diesem Jahr beginnen. 

Angepasst sei die Struktur der Truppe an die Gegebenheiten in Estland und die Anforderungen der modernen Kriegsführung. Dabei seien Lehren aus dem Ukraine-Krieg berücksichtigt worden, hieß es in den Mitteilungen aus Tallinn und London. Großbritannien führt in Estland seit 2017 einen multinationalen Nato-Gefechtsverband. Zudem hält die britische Armee eine Estland zugeteilte Brigade in ständiger Bereitschaft für den Krisenfall vor. (dpa)

Ukraine greift erneut russische Schiffe im Schwarzen Meer an

Die Ukraine setzt ihre Drohnenangriffe auf russische Ziele im Schwarzen Meer fort. Zwölf weitere Schiffe seien getroffen worden, teilt der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.

Ziele seien neun Frachter, zwei Tanker und ein Schlepper gewesen. Damit steige die Gesamtzahl der Schiffe, die im Juli im Asowschen und im Schwarzen Meer getroffen wurden, auf 159.

„Die Flottenjagd geht weiter“, hieß es in der Mitteilung Browdis. Ziel sei es, die Logistik für Öl, Treibstoff und Fracht unter Umgehung der Sanktionen zu lähmen. Die Schiffe sollten ausgeschaltet werden. „Es ist nicht das Ziel, die Gewässer mit Ölflecken zu verschmutzen, daher keine Löcher in den Rümpfen“, teilte Browdi mit.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffe auf die Schwarzmeerhäfen Odessa und Tschornomorsk. Dabei sei auf die von den ukrainischen Streitkräften für die Verladung und Lagerung von Rüstungsgütern genutzte Hafeninfrastruktur und auf eine Drohnenproduktionsstätte gezielt worden. In Tschornomorsk sei auch ein Feuerlöschboot getroffen worden. Diese Angaben sind ebenfalls von unabhängiger Seite nicht überprüfbar. (Reuters/dpa)

Der russische Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin (Archivbild)
Kriegsgegner Nadeschdin: Putin führt Russland in mögliche „Katastrophe“
Der russische Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin (Archivbild)
Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin führt sein Land nach den Worten des russischen Oppositionspolitikers und Kriegsgegners Boris Nadeschdin in eine mögliche „Katastrophe“. „Wir müssen den Menschen die Wahrheit sagen, wir müssen ihnen sagen, dass der Kurs, den Putin dem Land vorgibt, ein Weg in Richtung Chaos ist und vielleicht, Gott bewahre, sogar in Richtung Katastrophe“, sagte Nadeschdin der Nachrichtenagentur AFP.

AFP sprach mit Nadeschdin vor seinem Haus in der Stadt Dolgoprudny außerhalb von Moskau. Der 63-Jährige hatte geplant, im September als unabhängiger Kandidat bei der Parlamentswahl in Russland anzutreten. Er macht sich für ein Ende der russischen Offensive in der Ukraine stark, die seit mehr als vier Jahren andauert. In den 1990er-Jahren hatte Nadeschdin verschiedene Regierungsämter innegehabt. Eigenen Angaben zufolge brach er jedoch im Jahr 2020 mit dem Kreml.

Am Montag wurde Nadeschdin kurzzeitig festgenommen und sieht sich nun langwierigen Gerichtsverfahren gegenüber, die in einer Haftstrafe enden könnten. Am Freitag muss er wegen Extremismusvorwürfen vor Gericht erscheinen. Am Donnerstag verhängten die russischen Behörden gegen ihn ein Ausreiseverbot. Der lautstarke Kritiker von Kreml-Chef Putin gilt zudem als „ausländischer Agent“.

Nadeschdin zeigte sich im Gespräch mit AFP überrascht, wie lange er es geschafft hat, in Russland frei zu bleiben. „Ehrlich gesagt habe ich zwei Jahre lang darauf gewartet, dass sie mich zum ausländischen Agenten erklären oder mich dazu zwingen, zu gehen, aber es ist nie passiert“, sagte er. (AFP)

Selenskyj schlägt Geheimdienstmann als Verteidigungsminister vor

In der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den Geheimdienstler Jewhenij Chmara als neuen Verteidigungsminister vorgeschlagen. Die Kandidatur werde bald im Parlament eingereicht, teilte der Staatschef auf Telegram mit. Bis zur Absolvierung aller rechtlichen Verfahren werde Chmara das Ministerium geschäftsführend leiten. Gemäß Verfassung hat der Präsident das Vorschlagsrecht für den Posten des Verteidigungsministers. Zuvor war Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister entlassen worden.

Chmara leitete den Geheimdienst SBU seit Januar geschäftsführend. Er gilt als Experte für Drohneneinsätze im russischen Hinterland und hat den Rang eines Generalmajors inne. Dem ukrainischen Gesetz nach muss der Minister jedoch ein Zivilist sein.

Vorgänger Fedorow hatte das Ministerium erst im Januar übernommen. Die Entlassung des als Reformers geltenden Fedorow wurde von Protesten in Kiew und anderen Städten begleitet. Seit dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 wird der Verteidigungsminister bereits zum vierten Mal ausgewechselt. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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