Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 01. Oktober, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Kiew: Russische Drohne trifft Atomforschungsanlage – Reaktor unbeschädigt

Eine russische Drohne hat nach ukrainischen Angaben das Gelände einer Atomforschungsanlage in Kiew getroffen und dabei einen Brand ausgelöst. Bei dem Angriff am Mittwoch habe es keine Verletzten gegeben, der Brand sei zudem gelöscht worden, teilte die ukrainische Atomaufsichtsbehörde am Donnerstag mit. Der kleine Reaktor, der seit 2022 außer Betrieb ist, sei nicht beschädigt, und es sei keine erhöhte Radioaktivität festgestellt worden. (AFP)

Russland weist ungarische Diplomaten aus

Fast einen Monat nach dem Rauswurf von zehn russischen Diplomaten aus Ungarn weist nun das Außenministerium in Moskau Vertreter des EU-Mitgliedsstaates aus. Die Gruppe ungarischer Diplomaten der Botschaft in Moskau und der Generalkonsulate in St. Petersburg und Kasan müsse Russland binnen der nächsten zwei Wochen verlassen, teilte das Ministerium mit. Eine konkrete Zahl der Betroffenen nannte die Behörde nicht. Üblich sind aber „spiegelbildliche“ Reaktionen – also die gleiche Anzahl an Diplomaten.

Einem Vertreter der ungarischen Botschaft sei ein deutlicher Protest gegen die grundlose und unfreundliche Ausweisung russischer Diplomaten übermittelt worden, teilte das Ministerium in Moskau mit. Das Außenministerium hatte bereits unmittelbar nach dem Schritt der ungarischen Regierung am 8. September eine harte Reaktion angekündigt, aber sich damit bis jetzt Zeit gelassen.

Ungarn hatte ohne nähere Angaben erklärt, dass die Russen wegen Aktivitäten ausgewiesen würden, „die für Diplomaten gemäß der Wiener Konvention inakzeptabel“ seien. Russische Diplomaten sehen sich immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, auch für die Geheimdienste ihres Landes tätig zu sein. (dpa)

Klitschko: Zwei russische Drohnen treffen wichtige Brücke in Kiew

Zwei russische Drohnen haben nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko eine wichtige Brücke in der ukrainischen Hauptstadt getroffen. Die Drohnen hätten den Stützbereich der Südbrücke getroffen, erklärte Klitschko am Donnerstag im Onlinedienst Telegram.

Der U-Bahn-Verkehr und der öffentliche Nahverkehr über die Brücke seien eingestellt worden, fuhr Klitschko fort. Ingenieure untersuchten den Zustand der Brücke. Die Südbrücke verbindet den Westen und den Osten Kiews. (AFP)

Estland blockiert Transport von russischem und belarussischem Getreide

Estland hat den Transit von russischem und belarussischem Getreide durch sein Staatsgebiet verboten. Dies teilt Außenminister Margus Tsahkna auf der Online-Plattform X mit. Insidern zufolge nutzen russische Unternehmen inzwischen verstärkt Terminals in Ostsee- und Arktishäfen für den Getreideexport, die eigentlich für Düngemittel, Kohle und andere Güter ausgelegt sind. Hintergrund sind ukrainische Drohnenangriffe, die den Seetransport über das Schwarze Meer beeinträchtigt haben. Tsahkna erklärt, Estland werde Russland nicht dabei unterstützen, seinen Handel trotz des Angriffskriegs gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten. Das baltische Land werde weder zur Finanzierung des russischen Krieges beitragen noch die Aggression der Führung in Moskau begünstigen. Belarus ist ein enger Verbündeter Russlands. (Reuters)

Russland greift wieder Kiew und Odessa an – zwei Verletzte

Bei russischen Luftangriffen ist nach Angaben ukrainischer Behörden in der Nacht in Kiew und Odessa jeweils ein Mensch verletzt worden. In Odessa wurde zudem Infrastruktur beschädigt, wie der Leiter der Militärverwaltung der Region, Serhij Lyssak, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilt. Einzelheiten nennt er nicht. Das russische Verteidigungsministerium erklärt auf Telegram, die Streitkräfte hätten bei ihren Angriffen ein Logistikzentrum in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, ein Rechenzentrum in Odessa sowie ein Frachtschiff im nahegelegenen Schwarzmeer-Hafen Tschornomorsk getroffen. Die Ziele seien militärisch genutzt worden. (Reuters)

Bericht: Wadephul dringt auf Lösung für mehr Getreideexporte übers Schwarze Meer

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) dringt einem Bericht zufolge auf eine Lösung, um wieder mehr Getreideexporte sowohl aus der Ukraine als auch aus Russland zu ermöglichen. „Die Welt braucht diese Exporte dringend. Werden sie weiter von Russland verhindert, dann drohen Hunger, Destabilisierung und die resultierenden Fluchtbewegungen, auch nach Europa“, sagte Wadephul dem Nachrichtenportal Web.de News (Donnerstag). Eine partielle Waffenruhe wäre ein erster Schritt„, sagte der CDU-Politiker. 

Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben beide Länder derzeit Probleme, ihr Getreide über das Schwarze Meer zu verschiffen. „Die russische Regierung muss sehen, dass darunter auch Staaten leiden, zu denen sie ein gutes Verhältnis pflegen will“, sagte Wadephul dazu. Die Beziehungen zum globalen Süden könne Russland eigentlich nicht aufs Spiel setzen wollen. „Ich glaube daher, das Problem der Getreideexporte kann gelöst werden.“

Wadephul äußerte sich auch zu seinem jüngsten Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. „Wir hatten einen sehr konkreten Anlass, nämlich den Anschlag am Flughafen Halle/Leipzig“, sagte Wadephul. Er habe noch einmal „ein klares Signal aussenden“ wollen, dass Deutschland so etwas nicht akzeptiere. „Gegen so eine Gefährdung der Sicherheit in unserem Land wehren wir uns.“ 

Als zusätzlichen Anlass nannte Wadephul die Getreideexporte, die zurzeit durch den russischen Krieg behindert würden. Weitere Gespräche mit Russland schloss der Außenminister nicht aus. „Auf der russischen Seite müsste aber ein konstruktiver Ansatz zu erkennen sein“, sagte er. In den Äußerungen Lawrows nach dem Zusammentreffen sei ein solcher nicht zu finden gewesen. „Ich habe kein Interesse daran, weiter zu diskutieren, wenn wir uns auf diesem Niveau bewegen“, sagte Wadephul. (AFP)

Estlands Geheimdienst: Russland nimmt Rüstungsfirmen ins Visier

Russland nimmt nach Angaben des estnischen Geheimdienstes bei seinen Angriffs- oder Sabotageversuchen vermehrt Rüstungsfirmen ins Visier. „Russlands Vorgehen in Europa ist eindeutig systematisch“, sagte Sicherheitspolizei-Chef Margo Palloson im estnischen Fernsehen. Anders als früher liege der Schwerpunkt nun nicht mehr auf symbolträchtigen Objekten, sondern auf Unternehmen der Rüstungsindustrie. Damit solle Militärhilfe für die Ukraine verhindert werden, sagte der Leiter des Inlandsgeheimdiensts des an Russland grenzenden baltischen EU- und Nato-Landes.

Estland hatte Russland zuvor aufgrund von Ermittlungsergebnissen für einen Brandanschlag auf den Rüstungshersteller Milrem Robotics verantwortlich gemacht. Das Unternehmen entwickelt unbemannte Militärsysteme, die seit 2022 auch in der Ukraine eingesetzt werden. Russland wies die Vorwürfe aus Tallinn zurück.

„Wir empfehlen allen Unternehmen der Verteidigungsindustrie, insbesondere jenen, die die Ukraine beliefern, dringend, ihre Cyberabwehrmaßnahmen zu verstärken“, sagte Palloson. Ihm zufolge gibt es in Estland gegenwärtig Firmen aus dem Rüstungssektor, die konkrete Angriffsziele sind. Der Baltenstaat ist ein enger Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Angriffe auf die Infrastruktur: Putin hält die Deutschen für das schwächste Glied in der Ukraine-Koalition
Russland testet, wie weit es Deutschland erpressen kann. Dies endet erst, wenn Putin diesen Weg für erfolglos hält. In letzter Konsequenz mit dem Sieg der Ukraine und nicht mit weniger Hilfe für sie.
Greift Putin die Nato an?: Deutschland verdrängt die Gefahr
CIA-Chef Ratcliffe warnt den Kreml nach der Drohnenattacke in Leipzig und den unverblümten Drohungen Russlands gegen Großbritannien. Und Deutschland ist immer noch nicht vorbereitet.
Wahlen in der Ukraine trotz Krieg?: Der Schaden durch Abwarten steigt
Präsident Selenskyj und dem Parlament fehlt die demokratische Legitimation. Doch wegen Putins Krieg ist eine freie Wahl unmöglich. Was tun? Es hilft ein Blick in die deutsche Geschichte.
Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
mehr Artikel anzeigen