Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 13. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1871
letzte Woche, 1736 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1871
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 5.6., letzte Aktualisierung: 10.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1182
200
145
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
537
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 5.6., letzte Aktualisierung: 10.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Schwedische Armee fängt zwei russische Kampfjets über der Ostsee ab

Die schwedische Armee hat eigenen Angaben zufolge an zwei Orten jeweils zwei Kampfflugzeuge vom Typ JAS 39 Gripen aufsteigen lassen, um zwei russische Kampfjets abzufangen, die über der Ostsee in die Nähe des schwedischen Luftraums geflogen waren. Die beiden Vorfälle ereigneten sich am Freitag im südlichen und nördlichen Teil der Ostsee, wie die Armee am Samstag bekannt gab.

Auch Kampfflugzeuge der Nato seien gestartet, „um die Sicherheit im gemeinsamen Luftraum zu gewährleisten“, hieß es weiter.

Der schwedische Luftraum wurde nach den Angaben der Armee durch die russischen Jets nicht verletzt. „Die russischen Vorfälle sind ernst und stellen ein wiederkehrendes Verhaltensmuster dar, das sowohl unsere territoriale Integrität als auch unsere Sicherheit bedroht“, hieß es weiter.

Schweden war im März 2024 der Nato beigetreten. Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine 2022 haben die Spannungen im Ostseeraum zugenommen. (AFP)

Russland: Toter nach ukrainischem Angriff auf Seeterminal

Die Ukraine hat nach russischen Behördenangaben ein Seeterminal in Südrussland angegriffen. Durch herabfallende Drohnentrümmer seien im Kreis Temrjuk ein Mensch getötet und drei weitere verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, bei Telegram. Ein Feuer sei ausgebrochen. Einen genauen Ort nannte er nicht.

Das Feuerinformationssystem der Nasa zeigte zwei Brände auf der Halbinsel Taman an. Dort liegt am Rande der Siedlung Wolna ein großes Umschlagterminal für Öl und Ölprodukte, die dann über das Schwarze Meer verschifft werden. (dpa)

Russland meldet Abschuss von 185 ukrainischen Drohnen – ein Toter

Russland ist am Freitag Ziel eines massiven ukrainischen Drohnenangriffs geworden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete den Abschuss von 185 unbemannten Fluggeräten innerhalb von zwölf Stunden. Diese seien über rund einem Dutzend Regionen abgefangen worden, vor allem in Zentralrussland. In der Region Brjansk kam nach Angaben des dortigen Gouverneurs in einem grenznahen Dorf ein Mensch ums Leben. Eine weitere Person sei verletzt worden, teilte Jegor Kowaltschuk mit. Dem regionalen Einsatzstab zufolge wurden allein in der Region Brjansk 62 Drohnen zerstört.

Auch die Hauptstadt Moskau wurde offenbar angegriffen. Mehrere auf die Metropole zusteuernde Drohnen seien abgewehrt worden, erklärte Bürgermeister Sergej Sobjanin im Kurznachrichtendienst Telegram. Fachleute untersuchten die Trümmerteile an den Absturzstellen. Nach einer Auswertung russischer Nachrichtenagenturen wurden in Moskau 27 Drohnen zerstört. (Reuters)

UN: Höchststand ziviler Opfer in der Ukraine seit April 2022

Die Vereinten Nationen haben in der von Russland angegriffenen Ukraine im Mai einen Höchststand an verletzten und getöteten Zivilisten innerhalb eines Monats seit April 2022 registriert. Mindestens 274 Menschen seien im Mai getötet und weitere 1763 verletzt worden, heißt es in einem Bericht des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte. Das entspreche einem Anstieg um 93 Prozent im Vergleich zum Mai 2025, wo demnach 191 Tote und 865 Verletzte registriert worden waren.

Auf Angriffe mit Raketen und Drohnen gehen demnach 45 Prozent der Opfer zurück, meist in Städten fernab der Front wie Kyjiw und Dnipro. Nahe der Front seien Drohnen mit kurzer Reichweite die Hauptursache für zivile Opfer gewesen. Noch nie seit Kriegsbeginn seien damit so viele Menschen in einem Monat getötet (64) und verletzt (539) worden wie im Mai. (dpa)

EU startet am Montag Verhandlungen in Beitrittsgesprächen mit Ukraine und Moldau

Die Europäische Union startet am Montag die ersten Verhandlungen in den Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und Moldau. „Alle Mitgliedstaaten haben zugestimmt, den ersten Verhandlungsblock im Rahmen der Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau zu eröffnen“, teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa am Freitagabend mit.

Der Beginn der ersten Runde der Beitrittsgespräche sei „eine Anerkennung der Entschlossenheit, des Mutes und der harten Arbeit, die beide Länder bei der Umsetzung von Reformen gezeigt haben, selbst angesichts enormer Herausforderungen“, erklärten von der Leyen und Costa. Die EU-Erweiterung sei eine „strategische Entscheidung“, eine größere EU liege „in einer von wachsender Unsicherheit geprägten Welt“ in „unserem gemeinsamen Interesse“. (AFP)

Regierung der Ukraine schafft Schutzstatus für russische Sprache ab

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Freitag ein Gesetz unterzeichnet, das der russischen Sprache ihren bisherigen Schutzstatus in dem Land wieder aberkennt. „Die Sprache eines Aggressorstaates kann nicht von Schutzinstrumenten profitieren, die indigenen Völkern oder nationalen Minderheiten helfen sollen“, erklärte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk im Onlinedienst Facebook.

Nach der Charta der Regional- und Minderheitensprachen, die die Ukraine unterzeichnet hat und die vom Europarat überwacht wird, genoss das Russische in der Ukraine bislang besondere Rechte. Vor Beginn des Krieges gab fast ein Drittel der Ukrainer Russisch als Muttersprache an. Umfragen zufolge ist mit dem Krieg der Anteil russischsprechender Ukrainer zurückgegangen.

Die Neuregelung macht Russischsprechen in der Ukraine nicht illegal. Die Behörden sind jetzt aber nicht mehr verpflichtet, Informationen oder Dienstleistungen auch auf Russisch anzubieten. Außerdem kann der Russisch-Unterricht an Schulen eingeschränkt werden. (AFP)

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa geben sich nach einer Pressekonferenz die Hände.
EU startet am Montag Verhandlungen in Beitrittsgesprächen mit Ukraine und Moldau
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa geben sich nach einer Pressekonferenz die Hände.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa geben sich nach einer Pressekonferenz die Hände. Credit: Ansgar Haase/dpa 

Die Europäische Union startet am Montag die ersten Verhandlungen in den Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und Moldau. „Alle Mitgliedstaaten haben zugestimmt, den ersten Verhandlungsblock im Rahmen der Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau zu eröffnen“, teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa am Freitagabend mit.

Die erste Gruppe von Verhandlungsthemen, von der EU als „Cluster“ bezeichnet, wird sich auf die Werte und Grundprinzipien beziehen, die beide Länder einhalten müssen, um eines Tages der EU beitreten zu können. Um der EU beizutreten, müssen die Bewerberländer insgesamt sechs „Cluster“ mit Dutzenden von Kapiteln verhandeln. Nach einem Abschluss der Verhandlungen muss ihr Beitritt einstimmig von allen 27 Mitgliedstaaten gebilligt und von jedem einzelnen Staat ratifiziert werden.

Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau waren eigentlich bereits im Juni 2024 formal begonnen worden. Die Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts mit der Ukraine wurde dann allerdings von Ungarn mit einem Veto blockiert. Erst nach der Abwahl des langjährigen ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán im April kam wieder Bewegung in den Prozess. (AFP, dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Wahl in Armenien: EU-Fans, schaut auf die Landkarte
In Armenien verschiebt sich die Macht zugunsten der EU. Aber Etiketten wie „proeuropäisch“ und „prorussisch“ für politische Kräfte helfen wenig in einer Region, die so abhängig von Moskau ist wie der Kaukasus.
Feuerpause in Iran, Libanon, Gaza, Ukraine?: Trotz „Waffenruhe“ schweigen die Waffen nicht
Grenzen der Diplomatie: In den aktuellen Kriegen wird die deutsche Erwartung, dass Absprachen am Verhandlungstisch bindend sind, regelmäßig widerlegt.
Ukraine-Invasion, Tag 1556: Plötzlich scheinen die Bedingungen zugunsten Kyjiws zu kippen
Russland bereitet laut Selenskyj neuen Großangriff vor, russische Drohne schlägt in Rumänien ein, Außenbeauftragte Kallas sieht EU nicht als neutralen Vermittler. Der Überblick.
Warnung der Wirtschaftsweisen an Schwarz-Rot: Mut machen kann der Blick zurück
Mit Sozialabgaben über 50 Prozent ist Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig. Kann die Regierung den Trend wenden? Warum nicht, früher ging das doch auch – unter den SPD-Kanzlern Schmidt und Schröder.
Ukraine-Invasion, Tag 1549: Wie der Starlink-Ausfall der Ukraine half – und was Russland jetzt plant
Selenskyj wird an Nato-Gipfel in Ankara teilnehmen, Tote und Verletzte bei ukrainischem Angriff in Luhansk, Russland zieht ukrainische Kinder in sein Militärsystem. Der Nachrichtenüberblick.
Lässt Putin wieder von Belarus aus angreifen?: Ukraine will Truppen an der nördlichen Grenze verstärken
Seit Wochen warnt der ukrainische Präsident Belarus davor, sich in Russlands Angriffskrieg hineinziehen zu lassen. Kyjiw bereite Reaktionen vor. Was bisher bekannt ist.
mehr Artikel anzeigen