Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 08. September, 14:45 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1820
letzte Woche, 1923 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1820
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 8.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1157
200
197
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
453
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 28.8., letzte Aktualisierung: 8.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Pistorius sagt Ukraine vor Winter weitere Hilfe bei Luftabwehr zu

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat angesichts des nahenden Winters eine Stärkung der ukrainischen Luftabwehr gefordert und die Lieferung weiterer Raketen aus Bundeswehrbeständen angekündigt. „Die Ukraine befindet sich in einem Wettlauf mit der Zeit. Der Winter kommt“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag bei einem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe, der Unterstützerstaaten des Landes.

Man müsse damit rechnen, dass die russischen Luftangriffe mit sinkenden Temperaturen wieder zunehmen würden. Deutschland werde daher dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen für das Patriot-System sowie eine größere Stückzahl an AIM‑9‑Luft-Luft-Raketen liefern. Pistorius appellierte an die Verbündeten, ebenfalls ihre Bestände zu prüfen. „Wenn Sie im Zweifel sind, entscheiden Sie sich für die Ukraine.“

Der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara betonte, die Abwehr von Drohnen funktioniere mittlerweile sehr gut. Anders sei dies bei ballistischen Raketen. Es fehlten vor allem Patriot-Abwehrraketen vom Typ PAC-3-Raketen. Die PAC-2 sind weniger effektiv gegen russische ballistische Raketen. PAC-3 sind aber auch wegen des Nahostkriegs knapp. Zudem halten sie verschiedene europäische Staaten mit Rücksicht auf ihre eigenen Bestände zurück. Im vergangenen Winter hatte Russland mit Raketen und Drohnen vor allem die Wärme- und Energieversorgung attackiert. (Reuters)

Ukraine zeigt erstmals eigenes Flugabwehrsystem gegen ballistische Raketen

Die Ukraine hat erstmals öffentlich die Startanlage ihres Flugabwehrraketensystems „Koral“ gezeigt, das auch ballistische Raketen abfangen soll. Das berichtet das Portal Militarnyj.

Bei der Demonstration wurde der Start einer Rakete von einer selbstfahrenden Anlage auf dem Fahrgestell eines tschechischen Tatra-Lkw gezeigt. Einzelne Elemente des Systems und die dazugehörige ukrainische Flugabwehrrakete waren zuvor bereits vorgestellt worden.

„Koral“ soll die ukrainische Luftverteidigung verstärken und sowohl Luftziele als auch ballistische Raketen bekämpfen können. Nach Angaben der Entwickler kann die Rakete außerdem gegen bestimmte Boden- oder Seeziele eingesetzt werden.

Die Arbeit an dem System begann bereits vor der großangelegten russischen Invasion und wurde später weiterentwickelt. Zuständig für das Projekt ist das Staatliche Kyjiwer Konstruktionsbüro „Lutsch“.

Bahnmitarbeiterin bei Angriff auf Passagierzug in der Ukraine getötet

Bei einem russischen Angriff auf einen Passagierzug ist der ukrainischen Eisenbahn zufolge eine Mitarbeiterin getötet worden. Die Zugbegleiterin eines Regionalzugs zwischen Dnipro und Saporischschja sei zu dem Fahrzeug zurückgekehrt, nachdem die Evakuierung angeordnet worden war, teilte das Unternehmen mit.

Russland attackierte damit an diesem Tag zwei Züge. Wie Bahnchef Olexander Perzowskyj mitteilte, wurde ein Zug im nordukrainischen Grenzgebiet Sumy angegriffen. Ein Sicherheitshalt sei eingelegt und das Fahrzeug evakuiert worden. Es gebe aber Fahrgäste mit Splitterverletzungen.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Bei russischen Angriffen gibt es immer wieder Tote und Schäden im Zugverkehr und an Bahnhöfen. (dpa)

Ukrainische Zentralbank meldet Anstieg der Inflation

Die verstärkten russischen Luftangriffe auf die Ukraine treiben die Inflation in dem Land nach Prognose der Zentralbank hoch. Allein die gestiegenen Kosten für Unternehmen und die Störungen der Logistik werden die Inflationsrate in diesem Jahr um 0,4 bis 0,6 Prozentpunkte erhöhen, wie der stellvertretende Notenbankchef Wolodymyr Lepuschynskyj am Dienstag in einem Beitrag für die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine schrieb. Die Notenbank rechnet für Ende 2026 ohnehin mit einer Teuerungsrate von rund zehn Prozent.

„Die Eskalation der russischen Aggression hat bereits makroökonomische Folgen“, erklärte Lepuschynskyj. Die Angriffe auf Unternehmen, Lagerhäuser, Logistikzentren und die Energie-Infrastruktur hätten zusammen mit der faktischen Blockade der Schwarzmeerhäfen einen spürbaren wirtschaftlichen Preis. Die Inflation hatte sich bereits im Juli auf 7,7 Prozent beschleunigt, von 7,2 Prozent im Juni. Vorläufigen Schätzungen zufolge setzte sich dieser Trend im August fort. „Und wenn die Angriffe andauern oder sich verstärken, werden auch die ökonomischen Kosten steigen“, warnte der Notenbanker.

Die ukrainische Wirtschaft befindet sich im fünften Kriegsjahr in einem fragilen Zustand. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2026 nur ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 bis 1,6 Prozent. Zugleich wächst der Druck auf den Staatshaushalt. (Reuters)

Brüssel erlaubt Ukraine Verwendung des EU-Kredits für Patriot-Munition

Die EU hat zugestimmt, dass die Ukraine einen Teil des 90-Milliarden-Darlehens aus Brüssel für den Kauf von in den USA hergestellten Luftabwehrraketen vom Typ Patriot verwenden darf. „Ich begrüße die Einigung der Mitgliedstaaten über die Ausnahmeregelung für die Ukraine, entscheidende Produkte für Patriot-Luftverteidigungssysteme zu erwerben“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag.

Der Schritt erlaube Kyjiw, die nächste Kredittranche in Höhe von 3,2 Milliarden Euro zu nutzen, „um seinen Luftraum besser vor den wahllosen Angriffen Russlands zu schützen“.

Die Ukraine benötigt von den wichtigen Abfangraketen zur Abwehr russischer Luftangriffe dringend Nachschub. Die europäischen Unterstützer der Ukraine bemühen sich aktuell, diese Lücken in Kyjiws Verteidigungsfähigkeit zu schließen.

Das EU-Darlehen für die Ukraine sieht vor, dass das Geld in erster Linie für in Europa gebaute Waffen ausgegeben werden soll. Kyjiw zufolge ist das Patriot-System jedoch die effektivste Möglichkeit, ballistische Raketen aus Russland vom Himmel zu holen. 

Die Verteidigungsminister der Ukraine-Unterstützer wollten am Dienstagnachmittag in einem virtuellen Treffen über die weitere Unterstützung der ukrainischen Luftabwehr beraten. Großbritannien kündigte vorab an, 100 Millionen Pfund (rund 135 Millionen Euro) für die ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten im kommenden Winter zur Verfügung zu stellen. (AFP)

Kremlsprecher Dmitri Peskow
Der Sieg ist nah, behauptet Kremlsprecher Peskow
Kremlsprecher Dmitri Peskow
Ulf Mauder/dpa

Inmitten erneuter US-Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs gibt sich Moskau siegessicher: „Wir sind überzeugt, dass der Sieg sehr nah ist“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Moskau sei überzeugt von seinem militärischen Potenzial und seinen Soldaten. Die Kampfhandlungen liefen sehr erfolgreich, behauptete er. Der Kreml begrüße aber die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump und erwarte die Wiederaufnahme von Gesprächen im Format Moskau, Washington, Kyjiw.

An der Front gibt es kaum Bewegung, gleichzeitig haben beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensiviert. Die Zeichen stehen auf Eskalation. Erst am Wochenende hatten US-Unterhändler nach monatelanger Pause einen neuen Anlauf in den Bemühungen um ein Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine unternommen.

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, reisten erst zum wiederholten Mal nach Moskau und anschließend erstmals nach Kyjiw. Sie sprachen mit Kremlchef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über mögliche Wege für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. (dpa)

Russland will Prämien von straffälligen Soldaten zurückfordern

Zeitsoldaten sollen nach dem Willen des russischen Verteidigungsministeriums bei Straffälligkeit einen Teil ihrer Antrittsprämien zurückzahlen. Hintergrund ist die Zunahme von Fällen häuslicher Gewalt unter denjenigen, die an Russlands Krieg gegen die Ukraine teilnehmen. Wie aus dem am Montag veröffentlichten Gesetzentwurf hervorgeht, will das Verteidigungsministerium im Falle einer Straftat einen Teil der Einmalzahlungen zurückfordern, „um die Motivation des Militärpersonals zur Einhaltung der Gesetze zu erhöhen“.

Russland lockt Freiwillige für den Krieg gegen die Ukraine mit Einmalzahlungen von umgerechnet mindestens 4640 Dollar, die je nach Region auch deutlich höher ausfallen können.

Russland veröffentlicht keine offiziellen Statistiken über häusliche Gewalt durch Militärangehörige. Medien berichten jedoch unter Berufung auf Daten von Militärgerichten von Hunderten solcher Fälle – darunter auch Morde –, die sich seit Beginn der Invasion im Jahr 2022 ereignet haben.

Soldaten können wegen der Geschehnisse im Krieg unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Die Traumatisierung kann Gewaltausbrüche zur Folge haben, so sie unzureichend oder gar nicht behandelt wird. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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