Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 27. März, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1736
letzte Woche, 1769 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1736
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 20.3., letzte Aktualisierung: 25.3. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1050
200
79
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
594
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 20.3., letzte Aktualisierung: 25.3. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Putin schließt Wiederannäherung mit Europa nicht aus

Russland schließt nach Worten von Präsident Wladimir Putin eine Wiederannäherung an die europäischen Staaten nicht aus. Es sei klar, dass das Verhältnis zu Europa derzeit in einer Krise sei, sagte Putin nach Kremlangaben bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates in Moskau. „Wir haben eine Entwicklung dieser Beziehungen, eine Wiederherstellung dieser Beziehungen niemals abgelehnt“, sagte er.

Als Ursache des Zerwürfnisses nannte er zum wiederholten Mal den Sturz des moskaufreundlichen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch nach Massenprotesten 2014. Putin sprach von einem Staatsstreich, der von den USA und mehreren europäischen Staaten unterstützt worden sei. Damit beginne „die Kette tragischer Ereignisse, die sich bis heute in der Ukraine abspielen“.

Putin hatte 2014 auf das Machtvakuum in Kiew reagiert, indem er die ukrainische Halbinsel Krim Russland einverleibte und eine verdeckte Militäroperation in der Ostukraine begann. 2022 befahl er eine Invasion ins Nachbarland. Diese steckt nach vier Jahren militärisch fest. Moskau hält aber an seinen Kriegszielen fest und lehnt bislang eine Mitsprache Europas bei einer Friedensregelung ab.

Der Sicherheitsrat solle sich mit dem Stand der Beziehungen zu den europäischen Staaten, vor allem zur Europäischen Union befassen, sagte Putin. Die Bestandsaufnahme der Beziehungen lieferte bei der Sitzung Außenminister Sergej Lawrow, dessen Vortrag vom Kreml aber nicht zitiert wurde. (dpa)

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas will am 31. März nach Kiew reisen.

Sie werde dort gemeinsam mit EU-Außenministern den ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha treffen, kündigt sie an. Bei den Gesprächen solle es um die Unterstützung der EU für die Ukraine gehen. „Wir werden auch mit einer klaren Botschaft kommen, dass Russland für seine Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen werden muss“, fügt Kallas in einem Beitrag auf der Plattform X hinzu. Sybija zufolge wird es bei den Beratungen um die Unterstützung der EU für sein Land und Möglichkeiten gehen, Druck auf Russland auszuüben. (Reuters)


Slowakei hat Interesse an Gas aus rumänischem OMV-Projekt Neptun

Die Slowakei hat Interesse an Erdgaslieferungen aus dem rumänischen Tiefsee-Projekt Neptun Deep angemeldet. Vor dem Hintergrund des geplanten Endes russischer Gaslieferungen im kommenden Jahr suche das Land nach Alternativen, sagte der slowakische Ministerpräsident Robert Fico am Freitag bei einem Treffen mit seinem rumänischen Amtskollegen Ilie Bolojan in Bukarest.

Die Slowakei bleibt trotz der Bemühungen der EU, die Energieabhängigkeit von Russland nach dessen Invasion in der Ukraine 2022 zu beenden, weiterhin stark von russischem Öl und Gas abhängig. Im vergangenen Jahr bezog das Land rund ein Drittel seines Gases aus Russland. Die EU plant, die Einfuhr russischen Gases bis Ende 2027 einzustellen. Die Regierung in Bratislava versucht daher, ihre Gasbestände noch aufzustocken, bevor das EU-Verbot in Kraft tritt. (Reuters)

Wadephul bei G7: Iran-Krieg darf Ukraine nicht verdrängen

Außenminister Johann Wadephul hat am Rande eines G7-Außenministertreffens bei Paris davor gewarnt, wegen des Kriegs gegen Iran die Ukraine aus dem Blick zu verlieren.

Beide Kriege seien eng miteinander verflochten, sagte der CDU-Politiker: „Russland stützt den Iran offenkundig mit Informationen über mögliche Angriffsziele“, zudem hoffe der russische Präsident Wladimir Putin „auf zynische Weise“, dass die Eskalation im Nahen Osten die Aufmerksamkeit von seinen Verbrechen in der Ukraine ablenke. „Dieses Kalkül darf nicht aufgehen“, so der Außenminister.

Die gemeinsame Unterstützung der Ukraine dürfe nicht weiter bröckeln, mahnte Wadephul mit Blick auf die zuletzt stark reduzierte US-Hilfe. Ein russischer Sieg wäre aus seiner Sicht ein strategischer Fehler für die euroatlantische Sicherheit.

Zugleich räumte Wadephul ein, dass es Engpässe bei der Produktion von Luftverteidigungssystemen gibt. Diese würden sowohl in der Ukraine als auch in der Golfregion gebraucht.

Deswegen müssten die Sanktionen aufrechterhalten bleiben. Zudem müssten die G7-Staaten „konsequent gegen die russische Schattenflotte vorgehen“. (Reuters, AFP)

Putin bittet Oligarchen um Spenden für Staatshaushalt

Der russische Präsident Wladimir Putin drängt Medienberichten zufolge Oligarchen zu Beiträgen für den angeschlagenen Staatshaushalt.

Damit sollen die Staatsfinanzen angesichts der hohen Kosten für den Krieg in der Ukraine stabilisiert werden, wie die Zeitung „Financial Times“ und das Online-Portal „The Bell“ unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen berichteten. Putin wolle demnach weiterkämpfen, bis Russland die übrigen Gebiete in der ostukrainischen Donbas-Region eingenommen habe.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies diese Darstellung am Freitag zurück. Einer der Geschäftsleute habe bei dem Treffen am Donnerstag selbst vorgeschlagen, Geld an den Staat zu spenden. Putin habe diese Initiative begrüßt, aber nicht selbst um Zahlungen gebeten.

Russlands Wirtschaft ist mit westlichen Sanktionen belegt. Der Staatshaushalt leidet unter sinkenden Einnahmen aus Öl- und Gasexporten sowie einer schwächelnden Konjunktur, die die Steuereinnahmen aus anderen Wirtschaftsbereichen schmälert.

Insidern zufolge bereitet die russische Regierung bereits eine mögliche Kürzung aller nicht sicherheitsrelevanten Ausgaben um zehn Prozent vor. Die endgültige Entscheidung hänge jedoch von der Dauerhaftigkeit des durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisanstiegs ab. Das Land profitiert derzeit nur begrenzt davon.

Mindestens 40 Prozent der russischen Kapazitäten für den Ölexport sind in dieser Woche nach massiven ukrainischen Drohnenangriffen zum Erliegen gekommen. (Reuters)

Ukraine verkündet Rüstungskooperation mit Saudi-Arabien

Die Verteidigungsministerien der Ukraine und von Saudi-Arabien haben sich nach ukrainischen Angaben auf eine Rüstungskooperation geeinigt und ein erstes Abkommen unterzeichnet. „Es legt die Grundlage für weitere Verträge, technologische Zusammenarbeit und Investitionen und stärkt die internationale Rolle der Ukraine als Lieferant von Sicherheit“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf sozialen Netzwerken.

Selenskyj hatte demnach ein Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Der ukrainische Staatschef verwies dabei auf das vorhandene ukrainische Wissen bei der Abwehr von Drohnen und ballistischen Raketen im Krieg mit Russland.

Kiew sei bereit, dieses mit Riad zu teilen. „Und Saudi-Arabien hat das, woran die Ukraine interessiert ist“, schrieb er ohne konkretere Angaben. (dpa)

Credit: Ukrainian Presidential Press Office via AP/dpa
Lettland wirft Russland Desinformationskampagne vor

Lettlands Verteidigungsministerium beschuldigt Russland, eine großangelegte, koordinierte Desinformationskampagne gegen die baltischen Staaten durchzuführen. Demnach behauptet Moskau, Estland, Lettland und Litauen würden zulassen, dass ihr Territorium für ukrainische Angriffe gegen Russland genutzt wird.

Die Kampagne umfasse den Einsatz von Social-Media-Bots, die sich an russischsprachige Zielgruppen richteten und junge Menschen instrumentalisierten, teilte das Ministerium des baltischen EU- und Nato-Landes in Riga mit.

Das Ziel der Kampagne bestehe darin, die Nato zu diskreditieren, die Gesellschaft zu spalten, das Vertrauen in staatliche Institutionen zu untergraben und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Damit versuche Moskau von seiner Unfähigkeit abzulenken, sich gegen erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe auf russische Ziele an der Ostseeküste zu verteidigen.

In Estland, Lettland und Litauen war in dieser Woche jeweils eine fehlgeleitete ukrainische Drohne in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt, mit der Kiew Ziele im Nordwesten Russland angegriffen hatte. Verletzte oder größere Schäden gab es dabei nicht. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
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Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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