Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 09. August, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1980
letzte Woche, 1915 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1980
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1237
200
195
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
533
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 31.7., letzte Aktualisierung: 5.8. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Ein Auto fährt in der Ukraine an einem von Kugeln und Granatsplittern beschädigten Straßenschild auf der Straße zur russischen Stadt Belgorod vorbei (Archivfoto).
Verletzte bei Angriff auf russische Grenzstadt Belgorod

Durch einen ukrainischen Drohnenangriff auf die grenznahe russische Großstadt Belgorod sind nach Behördenangaben mindestens 13 Menschen verletzt worden. Vier Wohnblocks seien beschädigt worden, teilte der Gouverneur der Region, Alexander Schuwajew, auf Telegram mit. Bilder in sozialen Netzwerken ließen auf mehrere Brände in der Stadt schließen, die etwa 30 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt liegt.

Angaben zu den militärischen Zielen des Angriffs gab es nicht. Belgorod ist allerdings der logistische Knotenpunkt zur Versorgung der russischen Truppen, die die ukrainische Großstadt Charkiw beschießen und im Industriegebiet Donbass angreifen. (dpa)

Ein Auto fährt in der Ukraine an einem von Kugeln und Granatsplittern beschädigten Straßenschild auf der Straße zur russischen Stadt Belgorod vorbei (Archivfoto).
Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa
Tote und Verletzte bei russischen Angriffen

Bei einer Serie von russischen Angriffen auf ukrainische Regionen sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden. In der Region Dnipro kamen nach Angaben der Behörden mindestens zwei Menschen ums Leben, zwei weitere Personen wurden verletzt. Russische Militärs hatten die Oblast mit Artillerie und Fliegerbomben angegriffen, teilte der regionale Militärverwalter Olexander Ganscha auf Telegram mit. In der ostukrainischen Großstadt Charkiw wurde ein 68-Jähriger nach Angaben der Behörden durch eine Drohne getötet, eine 46-jährige Frau wurde bei der Explosion einer Angriffsdrohne schwer verletzt.

Am Abend wurden in der ostukrainischen Stadt Pawlohrad mehrere Menschen bei russischen Angriffen verletzt. Ganscha berichtete auf Telegram von neun Verletzten, unter ihnen vier Kinder, im Alter zwischen drei Monaten und sechs Jahren. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden. (dpa)

Türkei: Russland und die Ukraine sollen Angriffe im Schwarzen Meer stoppen

Nach mehreren Angriffen auf Handelsschiffe hat die Türkei von Russland und der Ukraine einen vorläufigen Stopp der Angriffe im Schwarzen Meer gefordert. Der türkische Außenminister Hakan Fidan forderte am Samstag in einem Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu „die Einrichtung eines Mechanismus, um die Vereinbarung eines Moratoriums zu ermöglichen“.

„Der Konflikt hat sich auf das gesamte Schwarze Meer ausgeweitet“, sagte Fidan zur Begründung. Das Ziel der Angriffe seien erst Häfen und Kriegsschiffe gewesen, mittlerweile würden „ohne Unterschied“ auch Handelsschiffe angegriffen. Am Montag waren im Schwarzen Meer zwei Schiffe türkischer Reeder mit Drohnen angegriffen worden, mehrere Besatzungsmitglieder wurden dabei verletzt. (AFP)

US-Medien: Putin könnte begrenzten Angriff auf Nato-Land starten

Der russische Präsident Wladimir Putin könnte US-Medienberichten zufolge innerhalb der nächsten Jahre versuchen, die Entschlossenheit der Nato mit einem begrenzten Angriff auf ein Bündnisland zu testen. Das berichteten das „Wall Street Journal“ und der Sender CNN übereinstimmend. Sie berufen sich dabei auf neue US-Geheimdienstberichte, deren Inhalte ihnen US-Beamte beziehungsweise mit den Berichten vertraute Quellen geschildert hätten. Mögliche Szenarien reichen demnach von einer Cyberattacke bis hin zu einem klein angelegten Eindringen in ein Nato-Land

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ waren die USA zuvor davon ausgegangen, dass Putin kein Nato-Land provozieren wolle, während er noch Krieg gegen die Ukraine führe. Diese Einschätzung habe sich jedoch dieses Jahr geändert. Ziel eines möglichen Angriffs Putins auf ein Nato-Land während des andauernden Ukraine-Kriegs wäre demnach eine Spaltung des Bündnisses. 

Die Wahrscheinlichkeit für das Extremszenario – ein Eindringen in ein Gebiet der Nato-Ostflanke – sei gering, steige aber mit fortschreitender Zeit, schrieb sie über die Befunde der Geheimdienstberichte. Der geschätzte Zeitrahmen für jegliche mögliche Angriffe reicht demnach von diesem Herbst bis 2029. Nach Informationen von CNN ist es am wahrscheinlichsten, dass ein wie auch immer gearteter Angriff baltische Staaten oder Polen ins Visier nehmen würde. (dpa)

Drohne explodiert in Bulgarien – Ministerium nimmt Versehen an

Im Nato- und EU-Mitgliedsland Bulgarien ist am Samstag eine Drohne nahe einer Gas-Pipeline explodiert. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Sofia handelte es sich ersten Erkenntnissen zufolge höchstwahrscheinlich um eine sogenannte Maya-Köderdrohne, wie sie von den ukrainischen Streitkräften eingesetzt wird. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass die Drohne absichtlich auf bulgarisches Gebiet gesteuert wurde, teilte das Ministerium mit. Nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew gab es weder Verletzte noch Sachschaden.

Die Drohne sei am Morgen aus dem rumänischen in den bulgarischen Luftraum eingedrungen und in einem Sonnenblumenfeld nahe dem Dorf Kardam an der Grenze explodiert. Der Explosionsort liegt Radew zufolge in unmittelbarer Nähe kritischer Energie-Infrastruktur. Er sei nur 1000 Meter von der bulgarischen Kompressorstation der Transbalkan-Gaspipeline und 200 Meter von der dazugehörigen rumänischen Station entfernt.

Das unbemannte Fluggerät sei zuvor weder im bulgarischen noch im rumänischen Luftraum entdeckt worden. Dies bestätige, dass die Ortung von Drohnen eine Herausforderung bleibe, sagte Radew. Er verwies auf Verzögerungen bei der Lieferung von Präzisionsradaren für die Armee und kündigte an, die Sicherheit strategischer Standorte und die Überwachung der Grenze zu verstärken.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind wiederholt Drohnen oder Raketenteile in Nachbarländern wie Rumänien, Polen oder der Republik Moldau niedergegangen. Russland greift immer wieder ukrainische Häfen an der Donau an, die direkt an der Grenze zu Rumänien und damit in der Nähe Bulgariens liegen. (Reuters)

Russland will ukrainische Häfen getroffen haben

Das russische Militär will nach eigener Darstellung verschiedene Ziele in und vor ukrainischen Häfen angegriffen und beschädigt haben. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau nach Angaben der Staatsagentur Tass mitteilte, seien unter anderem die Häfen von Odessa und Mykolajiw mit Präzisionswaffen der Luftwaffe sowie mit Kampfdrohnen attackiert worden.

Dabei sei unter anderem bei Mykolajiw ein Frachter mit militärischer Ladung getroffen worden, während in Odessa eine Anlage zur elektronischen Aufklärung beschädigt worden sei. Ein weiterer Frachter mit militärischen Gütern sei vor der ukrainischen Küste angegriffen worden.

Die russischen Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden. Von ukrainischer Seite gab es zu den Berichten des Verteidigungsministeriums in Moskau keine Reaktion. Russland versucht seit einiger Zeit, die ukrainische Schifffahrt in der Region Odessa sowie zu den verschiedenen Binnenhäfen an der Donau und am Bug zu stören. (dpa)

Selenskyj: Ukraine hat praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr

Die Ukraine verfügt nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj vor dem kommenden Winter über praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr. Grund seien die nahezu täglichen russischen Angriffe, sagte Selenskyj am Samstag bei seinem ersten offiziellen Besuch in Serbien seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic habe er in Belgrad über die „Herausforderungen gesprochen, vor denen die Ukraine in diesem Winter stehen wird“.

Wärmekraftwerke erzeugen Strom durch die Verbrennung von Brennstoffen wie Kohle oder Gas. „Die russischen Raketen zielen ganz konkret darauf ab, das Leben der Ukrainer unerträglich zu machen“, sagte Selenskyj.

Selenskyj und Vucic führten am Samstag offizielle Gespräche im serbischen Präsidentenpalast. Bereits vor dem Besuch hatten beide Seiten die Zusammenarbeit im Energiebereich als eines der Gesprächsthemen genannt. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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