Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 25. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1863
letzte Woche, 1877 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1863
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
153
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
444
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 11.9., letzte Aktualisierung: 16.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Kallas: EU-Länder einigen sich auf Verwendung von Milliarden aus Ukraine-Waffenfonds

Die Mitgliedstaaten der EU haben sich nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas über die Verwendung von 6,6 Milliarden Euro aus dem Ukraine-Waffenfonds Europäische Friedensfazilität (EFF) verständigt. Eine Milliarde Euro soll in die gemeinsame Beschaffung weiterer Ausrüstung für die Ukraine fließen, erklärte Kallas am Freitag in Onlinediensten. 900 Millionen Euro sind demnach für die EU-Ausbildungsmission (Eumam) ukrainischer Soldaten bestimmt, die übrigen 4,7 Milliarden Euro gehen an die Mitgliedstaaten zurück.

Die EFF wurde eingerichtet, um EU-Staaten teilweise für Waffen zu entschädigen, die diese an die Ukraine geliefert haben. Ungarn hatte unter der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán jahrelang die Auszahlung des Geldes blockiert. Nach dem Regierungswechsel in Budapest im Frühjahr hob sein Nachfolger Péter Magyar diese Blockade auf. Seitdem verhandelten die 27 EU-Länder darüber, was mit dem Geld geschehen soll. 

Kallas hatte im Juni empfohlen, einen Teil des Geldes für die Finanzierung neuer Waffen für die Ukraine zu verwenden und legte einen entsprechenden Vorschlag vor. Am Freitag erklärte sie, einige Länder hätten bereits zugesagt, ihren Teil des Geldes an die Ukraine weiterzuleiten. Die Einigung bedeute „gute Nachrichten für die Ukraine und schlechte Nachrichten für Russland“, schrieb Kallas. (AFP)

Mehrere Tote bei russischem Drohnenangriff auf Bürogebäude in Kiew

Durch den Einschlag einer russischen Drohne in ein Bürogebäude in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet worden. Weitere sieben seien verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko bei Telegram mit. Drei der Leichen wurden demnach auf einem Parkplatz vor dem Bürohaus gefunden. Ein Brand sei gelöscht worden. (dpa)

Selenskyj warnt: Finanzierung von Drohnen gefährdet

Das ukrainische Haushaltsloch von umgerechnet über 23 Milliarden Euro gefährdet laut Präsident Wolodymyr Selenskyj die Finanzierung von kriegswichtigen Drohnenkäufen. „Wenn wir sie nicht im Oktober und November bestellen und bezahlen, dann werden wir ernsthafte Probleme im Januar und Februar haben“, sagte der Staatschef zu Journalisten in Kiew. 

Etwas mehr als ein Drittel der Finanzierungslücke betreffe Drohnenkäufe für die ersten drei Monate 2027. Selenskyj rief dabei die Europäische Kommission auf, die nächsten Zahlungen aus einem im April bereitgestellten Kredit über 90 Milliarden Euro schneller zu überweisen. (dpa)

Britische Firmen nutzen Ukraine-Schlachtfelddaten für KI-Drohnen

Britische Unternehmen dürfen zukünftig Daten von ukrainischen Schlachtfeldern für die Entwicklung neuer KI-Modelle für Drohnenschwärme nutzen. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen Premierminister Andy Burnham und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ermöglicht den Zugriff auf eine Datenbank mit Bildern und Videos von unbemannten Flugsystemen, teilt die britische Regierung mit. Die Datenbank enthält demnach mehr als sechs Millionen erfasste Objekte wie Panzer, Artillerie und Luftabwehrsysteme. Drohnenschwärme agieren mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) autonom, wobei laut Regierungsangaben stets Menschen in die Einsätze eingebunden sind. Bis zu zwölf britische Firmen können sich um den Zugang bewerben. (Reuters)

Russland plant neue Steuererhöhungen zur Finanzierung der Militärausgaben

Russland will in den Jahren 2027 bis 2029 mehrere Steuern erhöhen, um steigende Militärausgaben zu finanzieren. Das geht aus Unterlagen des russischen Finanzministeriums hervor, über die die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Verteidigung und Sicherheit werden im neuen Haushaltsentwurf als „strategische Priorität“ bezeichnet.

Für 2027 rechnet die Regierung mit Einnahmen von 43,3 Billionen Rubel (rund 448 Milliarden Euro) und Ausgaben von 48,8 Billionen Rubel (rund 504 Milliarden Euro). Das Haushaltsdefizit soll damit 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen – deutlich mehr als die bislang für diesen Zeitraum erwarteten 1,2 Prozent. Die Euro-Werte sind zum Kurs vom 24. September umgerechnet.

Zusätzliche Einnahmen sollen unter anderem durch höhere Abgaben auf sogenannte Übergewinne von Metall- und Chemieunternehmen sowie auf den grenzüberschreitenden Onlinehandel erzielt werden. Zugleich sollen Steuern auf passive Einkommen von Privatpersonen steigen, darunter Erträge aus Wertpapieren, Immobilienverkäufen und Bankeinlagen.

Das Finanzministerium begründet den zusätzlichen Finanzbedarf ausdrücklich auch mit der Armee. Die geplanten Mittel sollen unter anderem für Waffen und militärische Ausrüstung, die Modernisierung von Rüstungsbetrieben sowie Zahlungen an Soldaten verwendet werden. 

Jeder zehnte Kriegsgefangene aus russischen Reihen ist Ausländer

Jeder zehnte in der Ukraine festgehaltene Kriegsgefangene aus den Reihen der russischen Streitkräfte besitzt die Staatsangehörigkeit eines Drittstaates. Das teilte das ukrainische staatliche Projekt „Ich will leben“ mit, das russischen Soldaten die freiwillige Übergabe in ukrainische Gefangenschaft ermöglichen soll. Demnach befinden sich mit Stand September 2026 Staatsangehörige aus insgesamt 55 Ländern in ukrainischer Gefangenschaft.

Nach Angaben des Projekts haben seit 2022 fast 29.000 Ausländer Verträge mit den russischen Streitkräften unterzeichnet. Viele von ihnen stammten aus besonders armen Bevölkerungsschichten. In den ersten neun Monaten dieses Jahres gerieten demnach bereits mehr ausländische Kämpfer in ukrainische Gefangenschaft als im gesamten Jahr 2025. Unter ihnen befinden sich Staatsangehörige Argentiniens, Panamas, Paraguays, Perus, Honduras’, Vietnams und der Mongolei. 

Ukrainische Armee setzt Bodenroboter erstmals aus der Luft hinter russischen Linien ab

Die ukrainische Armee hat nach Angaben des 3. Armeekorps erstmals Bodenroboter aus schweren „Griffon“-Bomberdrohnen abgesetzt. Während der Operation „Vivaldi“ seien Kamikaze-Roboter mehr als zehn Kilometer tief hinter die russischen Linien gebracht und dort gegen russische Stellungen eingesetzt worden.

Nach Angaben eines Kommandeurs der Einheit NC13 wird die Technik bereits seit vier bis fünf Monaten erprobt. Die Bodenroboter werden an einer schweren Drohne befestigt, zum Einsatzgebiet geflogen und dort abgeworfen. Das 3. Armeekorps bezeichnet die Methode als weltweit erstmaligen systematischen Einsatz dieser Art auf dem Schlachtfeld.

Bei einem der ersten Versuche wurden zwei Roboter rund 15 Kilometer hinter der Front abgesetzt, anschließend jedoch von russischen Truppen entdeckt und zerstört. Noch am selben Tag brachte die Einheit zwei weitere Systeme in dasselbe Gebiet. Diese erreichten nach ukrainischen Angaben einen russischen Sammelpunkt und zerstörten ihn. 

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Angriffe auf die Infrastruktur: Putin hält die Deutschen für das schwächste Glied in der Ukraine-Koalition
Russland testet, wie weit es Deutschland erpressen kann. Dies endet erst, wenn Putin diesen Weg für erfolglos hält. In letzter Konsequenz mit dem Sieg der Ukraine und nicht mit weniger Hilfe für sie.
Greift Putin die Nato an?: Deutschland verdrängt die Gefahr
CIA-Chef Ratcliffe warnt den Kreml nach der Drohnenattacke in Leipzig und den unverblümten Drohungen Russlands gegen Großbritannien. Und Deutschland ist immer noch nicht vorbereitet.
Wahlen in der Ukraine trotz Krieg?: Der Schaden durch Abwarten steigt
Präsident Selenskyj und dem Parlament fehlt die demokratische Legitimation. Doch wegen Putins Krieg ist eine freie Wahl unmöglich. Was tun? Es hilft ein Blick in die deutsche Geschichte.
Anschlag auf Airport Leipzig: Die Illusion vom Frieden
Lange haben viele Deutsche die Bedrohung durch Putin nicht wahrhaben wollen. Der Ukraine-Krieg hat das Bewusstsein verändert, aber nicht genug. Die Regierung muss Tempo machen beim Schutz vor Angriffen.
90 Tage bis zur Zwischenwahl in den USA: Trump ist unten durch, aber die Demokraten sind nicht obenauf
Rätselraten der Meinungsforscher: Nach Stimmungslage, Wirtschaftsdaten und Erfahrungswerten droht den Republikanern bei den Midterms eine erdrutschartige Niederlage. Und doch bleiben Zweifel.
Schnelle Rückkehr zu Wehrpflicht und Zivildienst: Die Deutschen dürfen die Weltlage nicht länger schönreden
Die Dienstpflicht für junge Männer ist nur ausgesetzt. Für die Wehrpflicht fehlt es an Infrastruktur, die Wiedereinführung des Zivildienstes wäre einfacher. Doch es gibt eine mentale Blockade.
mehr Artikel anzeigen