Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 12. Mai, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1749
letzte Woche, 1642 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1749
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 1.5., letzte Aktualisierung: 12.5. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1139
200
117
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
481
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 1.5., letzte Aktualisierung: 12.5. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Russland testet lange angekündigte Sarmat-Interkontinentalrakete

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag einen erfolgreichen Test der seit Jahren angekündigten Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat bekanntgegeben. Es handle sich um das „mächtigste Raketensystem der Welt“, sagte Putin nach dem Test. Eine Sarmat-Rakete könne mehr als viermal so schwere Sprengköpfe tragen wie jegliches westliche System und habe eine Reichweite von 35.000 Kilometern. „Bis Jahresende“ werde die Sarmat einsatzbereit sein, fügte der Kreml-Chef an.

Sarmat-Raketen können mit mehreren Atomsprengköpfen bewaffnet werden. Putin gab den erfolgreichen Test des Systems wenige Monate nach dem Auslaufen des New-Start-Abkommens bekannt, dem letzten Vertragswerk zwischen Russland und den USA zur Begrenzung ihrer Atomwaffen-Arsenale.

Die Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat ist im Westen auch unter dem Namen „Satan II“ bekannt. Es handelt sich um das erste nach dem Kalten Krieg entwickelte russische Raketensystem, das als „superschwer“ klassifiziert wird. Russland hatte die Einsatzbereitschaft der Sarmat vor Jahren bereits für 2022 angekündigt. In diesem Jahr begann das Land seine großflächige Offensive in der Ukraine. (AFP)

Selenskyj: Ukraine greift Gasanlagen tief in Russland an

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj Gasanlagen in der russischen Region Orenburg angegriffen. Die getroffenen Ziele liegen mehr als 1500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, sagt Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Zudem arbeite Kiew mit europäischen Verbündeten an Technologien zur Abwehr ballistischer Raketen. An entsprechenden Gesprächen hätten sich 13 Länder sowie Vertreter der Nato beteiligt. „Insgesamt ist die aktuelle Position der Ukraine (...) auf dem höchsten Stand seit Jahren“, erklärt der Präsident. Dieses Niveau müsse gehalten werden. (Reuters)

Russischer Zerstörer vor Fehmarn unterwegs

Ein russischer Zerstörer liegt derzeit vor der Insel Fehmarn. Dies bestätigte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. Man gehe davon aus, dass Russland mit seinen Kriegsschiffen die eigenen Schiffe der „Schattenflotte“ überwachen wolle, so der Sprecher. Über diese versucht Moskau seit Jahren, einen von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen. Zudem steht die Schattenflotte in Verdacht, für Sabotageaktionen gegen Unterwasserinfrastruktur genutzt zu werden.

Ein Nato-Sprecher sagte, die Bündnispartner beobachteten die Bewegungen russischer Kriegsschiffe. Demnach sind Schiffe des ständigen Nato-Marineverbandes 1 (SNMG1) in der Ostsee unterwegs, um die Routen der Russen zu verfolgen. Flaggschiff des Nato-Verbandes ist die deutsche Fregatte „Sachsen“. Nach Angaben der „Kieler Nachrichten“ stieß aus Frankreich auch die Fregatte „Auvergne“ dazu, die bei Fehmarn den russischen Zerstörer „Severomorsk“ aus der Nähe beschatte.

Berlin zeigte sich von der Präsenz russischer Kriegsschiffe in den Gewässern nicht überrascht. „Im Bereich Fehmarn in der Ostsee, Skagerrak und am Finnischen Meerbusen sind kontinuierlich russische Kriegsschiffe zu beobachten“, erklärte der Ministeriumssprecher. Dies werde zum Teil auch als Gegenreaktion zu Nato-Operationen wie „Baltic Sentry“ gesehen. (dpa)

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. 
Hegseth: Ukraine-Hilfen sollen wie geplant fließen - unklar wann
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. 
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth.  Credit: IMAGO/Newscom World

Hilfen im Wert von 400 Millionen US-Dollar (fast 340 Mio Euro) sollen nach den Worten von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wie geplant der Ukraine zur Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg zufließen. Einen konkreten Zeitplan legte er allerdings nicht vor. Das Pentagon wolle mit dem für Europa zuständigen Regionalkommando (Eucom) zusammenarbeiten, um die Mittel „entsprechend und ordnungsgemäß auszugeben“, sagte der Republikaner lediglich vor einem Senatsausschuss.

Senator Chris Coons zufolge hat das Pentagon bislang keinen einzigen Groschen aus diesem Paket für Waffen für die Ukraine ausgegeben. Auf die Nachfrage des Demokraten nach einem konkreten Ausgabenplan wich Hegseth aus. „Es ist Mai, und dies ist seit Januar geltendes Recht. Sie oder Ihre Abgeordneten wurden von Mitgliedern dieses Ausschusses wiederholt und parteiübergreifend dazu aufgefordert“, kritisierte Coons.

US-Präsident Donald Trump hatte für die Haushaltsjahre 2026 und 2027 jeweils Ukraine-Hilfen in Höhe von 400 Millionen Dollar unterschrieben. (dpa)

Kallas sieht nach Putins Äußerungen „Gelegenheit“ zur Beendigung des Ukraine-Krieges

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sieht in Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem möglichen Kriegsende ein Anzeichen für eine Schwächung Moskaus. Putins Äußerung zeige, „dass er sich nicht in einer starken Position befindet“, sagte Kallas am Dienstag nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel. „Ich glaube, dass es eine Gelegenheit gibt, diesen Krieg zu beenden“, fügte sie hinzu.

Putin hatte bei einer Pressekonferenz am Rande der Feierlichkeiten zum Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg am Samstag gesagt, der Krieg mit der Ukraine neige sich „dem Ende“ zu. Gleichzeitig schlug er Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) als Vermittler vor. Dieser Vorschlag war bei den europäischen Unterstützern der Ukraine auf starke Vorbehalte gestoßen.

Kallas sagte, Putin könne den Ukraine-Krieg „sofort“ beenden, „wenn er einfach aufhören würde, zivile Infrastruktur zu bombardieren, und seine Truppen abziehen würde“. (AFP)

Protest bei EU-Feier in Moskau - Botschafter verurteilt Krieg

Begleitet von Protest antiwestlicher Aktivisten hat der EU-Botschafter in Russland, Roland Galharague, bei einer Feier eines freiheitlichen Europas den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilt. Die Europäische Union stehe an der Seite der Ukraine, sagte der Franzose bei einer verspäteten Feier des Europatags, der am 9. Mai begangen wird. Brüssel werde weiter Druck auf Moskau ausüben für eine bedingungslose Waffenruhe als ersten Schritt hin zu einem dauerhaften Frieden.

In der Nacht war eine dreitägige US-vermittelte Waffenruhe in dem seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg ausgelaufen.

Zu der Veranstaltung kamen viele Diplomaten, aber auch Vertreter der russischen Zivilgesellschaft. In seiner Rede sagte Galharague auf Russisch: „Dass wir gegen den Krieg sind, heißt nicht, dass wir gegen das russische Volk sind.“

Proteste gegen Politik der EUEin paar antiwestliche und linke Aktivisten schrien vor dem Hotel Metropol „Schande!“ und „Russisches Blut ist an Ihren Händen“. Das Moskauer Staatsfernsehen filmte das, wie schon in den vergangenen Jahren. Auf einem Banner hieß es: „EU-Politiker - die Erben der SS“. Die Kritik ist deshalb scharf, weil viele Russen sich an den Sanktionen und der Unterstützung der EU für die Ukraine stören. (dpa)

Pistorius: Russland hat eine Phase der Schwäche

Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht Anzeichen für eine Kehrtwende im schwierigen Abwehrkampf der Ukraine gegen russische Angreifer. Zugleich machte er nach einem Besuch ukrainischer Gefechtsstände im Osten des Landes deutlich, dass er aus den Erfahrungen der Ukraine beim Kampfeinsatz unbemannter Waffensysteme weitere Schlüsse für die Bundeswehr ziehen will.

„Ich glaube, dass die Ukrainer tatsächlich ein Momentum haben. Russland hat eine Phase der Schwäche, sowohl wirtschaftlich als auch innenpolitisch, als auch auf dem Gefechtsfeld“, sagte Pistorius, der am Dienstag in den Gebieten von Saporischschja und Dnipro unterwegs war. Und: „Die Ukrainer machen riesige Fortschritte. Die Schläge gegen russische Militärinfrastruktur im Hinterland werden empfindlicher und hinterlassen Wirkung.“

Pistorius: pessimistische Prognosen werden nicht mehr geteiltPistorius wurde in Kommandostellen der Ukrainer erklärt, wie Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung russischer Waffensysteme und Soldaten genutzt werden. Er konnte dabei auch laufende Einsätze selbst verfolgen. Die Ukraine hat vor allem seit dem vergangenen Jahr Fähigkeiten entwickelt, von denen auch die Bundeswehr als Teil einer strategischen Partnerschaft profitieren soll.

„Heute reden viele von einer entscheidenden Phase des Krieges, möglicherweise zugunsten der Ukraine“, sagte Pistorius. Eine für die Ukraine sehr pessimistische Prognose über den weiteren Kriegsverlauf werde heute nicht mehr geteilt. Das erkläre vielleicht auch, warum der russische Präsident Wladimir Putin über ein baldiges Ende des Krieges spreche, obwohl er selbst ihn sofort beenden könne. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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