Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 17. Juni, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1936
letzte Woche, 1874 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1936
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 12.6., letzte Aktualisierung: 17.6. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1233
200
149
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
535
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 12.6., letzte Aktualisierung: 17.6. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Trump erwägt Wiedereinführung von Sanktionen gegen Russland

US-Präsident Donald Trump schließt eine Wiedereinführung von Sanktionen gegen Russland nicht aus. Er habe sicherstellen wollen, dass der Ölpreis so niedrig wie möglich bleibe, sagte Trump. „Ich werde sie vielleicht wieder einführen“, erklärte er mit Blick auf die Strafmaßnahmen. Das US-Finanzministerium veröffentlichte keine Verlängerung für die Ausnahmegenehmigung von Sanktionen auf russisches Öl, das über den Seeweg transportiert wird. Die Regelung ist um Mitternacht (Ortszeit) abgelaufen. (Reuters)

Von der Leyen: EU plant begrenzte Verlängerung des Schutzstatus für Ukrainer

Die Europäische Union plant nach Angaben von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine weitere Verlängerung des temporären Schutzes für Ukrainerinnen und Ukrainer – allerdings mit Ausnahmen. Die Kommission werde vorschlagen, „den Ukrainern so lange wie nötig Schutz zu gewähren“, erklärte von der Leyen am Mittwoch in einem Schreiben an die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass „die legitime Fähigkeit der Ukraine zur Selbstverteidigung nicht untergraben wird.“

Mit der Einschränkung nahm von der Leyen mutmaßlich Bezug darauf, ukrainische Männer im wehrfähigen Alter von der Regelung auszunehmen. Ob die neue Regelung nur für Neuankömmlinge gelten soll, oder auch für Ukrainer, die bereits in der EU leben, war zunächst unklar.

Die EU hatte den temporären Schutzstatus für Ukrainer zuletzt bis März 2027 verlängert. Dieser ermöglicht es den Betroffenen, sich legal in den 27 EU-Ländern aufzuhalten, zu arbeiten, zur Schule zu gehen und medizinische Versorgung und Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen – ohne ein ordentliches Asylverfahren zu durchlaufen. Mehr als 4,3 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer haben den EU-Schutzstatus in Anspruch genommen. (AFP)

Minister: Ukrainische Drohnen verwandeln Krim in Insel

Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat eine Isolation der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim mittels Drohnenangriffen angekündigt. „Es sieht so aus, als ob sich die Krim in Kürze in eine Insel verwandelt“, sagte der Minister in einem Interview. Für die Ukraine öffne sich mit den Angriffen auf die russischen Nachschublinien ein „Fenster der Möglichkeiten“. „Für die Russen beginnt eine Hölle, die sie nur schwerlich meistern werden“, kündigte Fedorow an. Das betreffe nicht nur die Krim, sondern auch die Ostukraine.

Die Beeinträchtigungen der russischen Logistik haben demnach bereits direkte Auswirkungen auf die Zahl der russischen Angriffe entlang der Frontlinie. Während der Urlaubssaison werde die Krim – ein bei russischen Touristen beliebtes Reiseziel – in diesem Jahr nur von ukrainischen Drohen erkundet, sagte er dabei sarkastisch.

Innerhalb von vier Monaten habe sein Ministerium dabei mehr Drohnen eingekauft als im gesamten Vorjahr. Bei Drohnen mit Glasfaserverbindung und mittlerer Reichweite habe man bereits das Dreifache der Vorjahresmenge erreicht. „Das sind Hunderttausende Drohnen mittlerer Reichweite“, sagte Fedorow, der seit Januar im Amt ist. (dpa)

Die EU hat diplomatische „Kontakte“ mit dem Kreml aufgenommen

, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen EU-Beamten.

Merz: Trump hat Lizenzproduktion von US-Waffen für Ukraine zugestimmt

Die G7-Staaten wollen Engpässe bei der Versorgung der Ukraine mit Waffen über die Vergabe von Produktionslizenzen beseitigen. Es gehe dabei „um umfassende Lizenzerteilungen, auch von amerikanischen Unternehmen“ an europäische und ukrainische Hersteller, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Mittwoch beim G7-Gipfel in Evian. Er sei US-Präsident Donald Trump „sehr dankbar“, der hier „wirklich ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft“ gezeigt habe.

Die Möglichkeit der Produktion von Waffen in Lizenz war schon in der während der Nacht veröffentlichten Gipfel-Erklärung zur Ukraine angesprochen worden. „Wir sind zudem bereit, eine Ausweitung der Lizenzen an die Ukraine in Betracht zu ziehen, um eine Steigerung der militärischen Produktion in der Ukraine zu ermöglichen“, hieß es dort. (AFP)

Bundesregierung: Russland kann Krieg nicht gewinnen

Die schwindenden militärischen Aussichten Russlands im Ukraine-Krieg machen nach Einschätzung der Bundesregierung Friedensverhandlungen wahrscheinlicher. „Russland kann diesen Krieg militärisch nicht gewinnen. Das wird immer deutlicher“, sagt ein Regierungssprecher in Berlin. Die Bundesregierung wolle gemeinsam mit den G7-Partnern diese Dynamik nutzen, um einen neuen Anlauf für ernsthafte Friedensgespräche zu nehmen. Russland zeige bisher jedoch keine Verhandlungsbereitschaft. (Reuters)

Lockerung von US-Öl-Sanktionen gegen Russland ausgelaufen

Die Gültigkeit einer Ausnahmeregelung zu gelockerten US-Sanktionen gegen russisches Öl ist abgelaufen. In der Nacht zu Mittwoch (US-Ortszeit) endete die im entsprechenden Dokument des US-Finanzministeriums festgelegte Periode, innerhalb der Sanktionen auf Eis gelegt waren.

US-Präsident Donald Trump hatte auf dem G7-Gipfel am Genfersee in Aussicht gestellt, dass die USA zu Öl-Sanktionen gegen Russland, die auf Eis gelegt worden waren, zurückkehren. Er begründete es damit, dass Öl wieder fließe. Auch sollen Exportbeschränkungen für iranisches Rohöl fallen. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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