Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 12. September, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1869
letzte Woche, 1821 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1869
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 4.9., letzte Aktualisierung: 12.9. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1255
200
111
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
488
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 4.9., letzte Aktualisierung: 12.9. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Kiews Marine berichtet von erstem Gefecht von Drohnenbooten

Im vermutlich ersten Zusammentreffen zweier Marine-Drohnen überhaupt hat das unbemannte russische Boot gegen sein ukrainisches Gegenstück nach Kiewer Darstellung den Kürzeren gezogen. Wie die ukrainische Marine auf Telegram mitteilte, habe die Aufklärung eine russische Marine-Drohne in einem nicht genannten Abschnitt des Schwarzen Meeres entdeckt. Eine daraufhin in Marsch gesetzte Marine-Drohne habe sich an das russische Boot heranmanövriert und dieses mit seinem überschweren Maschinengewehr beschossen und versenkt.

„Dies ist die erste Seeschlacht in der Geschichte zwischen unbemannten Booten“, schrieb die ukrainische Marine zu dem Zwischenfall. Dazu wurde ein Video veröffentlicht, das Beschuss und Zerstörung eines nicht identifizierbaren Kleinbootes zeigt.

Sowohl die Ukraine als auch Russland haben in den vergangenen Monaten unbemannte Marine-Drohnen entwickelt, die zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Bekannt sind bisher unbemannte Sprengboote für Angriffe gegen Schiffsziele sowie Marine-Drohnen mit Sonder-Bewaffnung wie Maschinengewehren oder Raketen. Nach ukrainischer Darstellung sind auch Boote im Einsatz, die unbemannte Fluggeräte mit kurzer Reichweite direkt an die russische Küste heranbringen können. (dpa)

Ukraine-Gespräche: Kushner hofft auf „nächste Schritte“ in den kommenden Wochen

Der US-Sondergesandte Jared Kushner hofft nach seinen Besuchen in Moskau und Kiew auf Bewegung in den festgefahrenen Bemühungen um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs in den kommenden Wochen. „Ich hoffe wirklich, dass wir in einigen Wochen bekannt geben können, wie die nächsten Schritte aussehen“, sagte Kushner in einer Videobotschaft während einer internationalen Strategiekonferenz in Kiew. 

Der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump fügte hinzu, Kreml-Chef Wladimir Putin sei entschlossen, „einen Weg nach vorn zu finden“ – die Aussage löste Gelächter im Konferenzsaal aus. Kushner war am Freitag per Video zugeschaltet, seine Äußerungen wurden nach Ablauf einer Sperrfrist am Samstag veröffentlicht. 

Kushner und der US-Gesandte Steve Witkoff waren vor einer Woche nach Russland und erstmals auch in die Ukraine gereist, um beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Konflikts vorzulegen. „Das sind furchtbar komplexe Probleme. Aber ich denke, wir arbeiten weiter daran. Ich halte den Dialog mit beiden Seiten für sehr konstruktiv und sehr positiv“, sagte Kushner. Witkoff hatte nach den Gesprächen in Moskau und Kiew die Möglichkeit neuer trilateraler Friedensgespräche in Aussicht gestellt.

Einen erneuten Besuch in der Ukraine schloss Kushner nicht aus. Er werden nach Kiew reisen, „wenn wir etwas zu besprechen haben, wenn es notwendig ist“, sagte er. (AFP)

Lawrow: Russland nicht zu Feuerpause bereit

Moskau ist nach den Worten von Außenminister Sergej Lawrow zu Verhandlungen mit Kiew bereit, nicht aber zu einer gleichzeitigen Feuerpause in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der russischen Regierung mangele es nicht an gutem Willen, sagte er nach Angaben der Staatsagentur Tass am Rande des Brics-Gipfels in Neu Delhi. „Wir sind nach wie vor zu Verhandlungen bereit, aber für die Dauer der Verhandlungen wird die Militäroperation nicht ausgesetzt.“ 

Er bekräftigte Moskaus Gesprächsangebot an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. „Wenn er sich treffen möchte – soll er doch kommen“, erneuerte er die Einladung an Selenskyj, zu Verhandlungen nach Moskau zu kommen. „Das ist bereits eine enorme Geste des guten Willens unsererseits.“ Selenskyj hat dieses Angebot, das ihm Kremlchef Wladimir Putin schon vor Monaten unterbreitet hatte, bereits kategorisch abgelehnt. 

Die USA bemühen sich aktuell darum, die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew wieder in Gang zu bekommen. Unter anderem wird über einen Dreiergipfel von Putin und Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump spekuliert. (dpa)

Der ukrainische Präsident: Wolodymyr Selenskyj.
Selenskyj zeigt sich zu Treffen mit Putin beim G20‑Gipfel in den USA bereit
Der ukrainische Präsident: Wolodymyr Selenskyj.
Foto: dpa/AP/Mindaugas Kulbis

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nach eigenen Angaben zu einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin bereit, sollten beide Politiker zu einem G20-Gipfel in die USA eingeladen werden. „Wir müssen uns treffen, miteinander sprechen und Entscheidungen treffen“, sagte Selenskyj in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Deutschen Welle (DW).

„Es geht nicht um Worte“, sagte Selenskyj in dem Interview, das am Freitag in Kanada geführt wurde. „Was ich ihm sagen werde oder was er mir sagen will, spielt keine Rolle“, sagte Selenskyj mit Blick auf Putin. Er fügte hinzu: „Was zählt, ist das Ergebnis.“

Die USA haben in diesem Jahr den Vorsitz der G20-Gruppe inne. Im Dezember findet in Miami im Bundesstaat Florida der Gipfel der G20-Staats- und -Regierungschefs statt. US-Präsident Donald Trump hatte im April gesagt, eine Teilnahme Russlands wäre „wahrscheinlich sehr hilfreich“. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Februar 2022 haben sich Putin und Selenskyj nicht persönlich getroffen.

Der Kreml hat eigenen Angaben zufolge noch keine Entscheidung zu einer möglichen Teilnahme Putins getroffen. „Wir wissen noch nicht, ob wir nach Miami reisen werden“, zitierte die russische Nachrichtenagentur Tass am Samstag Kremlsprecher Dmitri Peskow. Der diplomatische Berater des Kreml, Juri Uschakow, sagte der russischen Zeitung „Iswestija“, dass die Frage „nicht diskutiert“ worden sei. (AFP)

Kyjiw meldet vier Tote nach russischen Angriffen

Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach Behörden- und Unternehmensangaben vier Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die ukrainische Niederlassung des Stahlkonzerns ArcelorMittal erklärte im Onlinedienst Telegram, zwei Menschen seien getötet worden, als das Werk in Krywyj Rih im Zentrum des Landes in der Nacht zu Samstag getroffen worden sei. Produktionsanlagen seien beschädigt worden.

Zwei weitere Menschen wurden laut örtlichen Behörden bei einem nächtlichen Angriff auf Saporischschja im Südosten der Ukraine getötet. Dabei wurde ein Wohnhaus zerstört. „Es war das absolute Grauen“, sagte eine 56-jährige Bewohnerin. (AFP)

Putin warnt vor Stationierung europäischer Soldaten in der Ukraine

Der russische Machthaber Wladimir Putin hat die Europäer vor einer Entsendung von Soldaten in die Ukraine gewarnt. „Derzeit sagen sie, dass sie erwägen, wie sie Soldaten auf ukrainisches Territorium schicken können“, sagte Putin am Freitag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen bei einem Indien-Besuch mit Blick auf europäische Staats- und Regierungschefs. „Das bedeutet einen Krieg gegen Russland.“

Putin sagte in Neu-Delhi, wo er an einem Gipfel der Brics-Staaten teilnimmt, zudem, Russland würde europäische Länder nicht „bedrohen“ und beabsichtige auch nicht, dies zu tun. „Warum würden wir? Niemand versteht, dass wir keinen Grund haben, in einen Konflikt mit Europa zu treten.“ Russland habe gar keine Grundlage für einen Konflikt mit ihnen, da mit dem Ergebnis des Zweiten Weltkriegs alle Fragen geklärt worden seien, sagte Putin.

Europäische Politiker würden den Bevölkerungen ihrer Länder mit einer „erfundenen Bedrohung aus Russland“ Angst einflößen, sagte Putin. Der Machthaber im Kreml hatte aber auch vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 erklären lassen, dass Moskau keinen Krieg plane.

Während westliche Staaten die Ukraine unterstützen, hat Moskau einen Einsatz europäischer Soldaten in dem angegriffenen Land als rote Linie bezeichnet, die nicht überschritten werden dürfe. (AFP, Reuters)

Nahe dem Dorf Zarewa Liwada im nördlichen Zentralbulgarien ist ein großer Brand zu sehen.
Erneut Explosion und Brand in bulgarischem Waffenlager
Nahe dem Dorf Zarewa Liwada im nördlichen Zentralbulgarien ist ein großer Brand zu sehen.
Foto: Reuters

In Bulgarien ist erneut ein Brand in einem Waffenlager ausgebrochen. Nach einer Explosion in der Nacht zum Samstag nahe dem Dorf Zarewa Liwada im nördlichen Zentralbulgarien wurde Behördenvertretern und lokalen Medien zufolge niemand verletzt. Das Feuer wütete demnach auf dem Gelände eines Lagers des Rüstungsunternehmens EMCO. Es ist der zweite Brand in einer bulgarischen Munitionsfabrik innerhalb weniger Wochen. Im vergangenen Monat hatte sich eine Explosion in einer anderen EMCO-Anlage ereignet.

EMCO wird von dem bulgarischen Waffenhändler Emilian Gebrew geleitet. Nach Einschätzung der bulgarischen Staatsanwaltschaft waren seine Anlagen in der Vergangenheit Ziel von Anschlägen durch russische Agenten. Im Jahr 2024 erließ das EU- und Nato-Mitglied Bulgarien Haftbefehle gegen sechs russische Staatsbürger. Ihnen wird die Beteiligung an der Zerstörung von EMCO-Waffendepots zwischen 2011 und 2020 vorgeworfen. Dort war Munition für den Export in die Ukraine und nach Georgien gelagert.

Die Ermittler vermuten zudem Verbindungen zwischen den Explosionen in Bulgarien, einem Giftanschlag auf Gebrew im Jahr 2015 und den Explosionen in einem tschechischen Munitionsdepot im Jahr 2014. Die Führung in Moskau weist die Vorwürfe zurück. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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