Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 26. Januar, 15:01 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1554
letzte Woche, 1515 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1554
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 16.1., letzte Aktualisierung: 21.1. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
810
200
61
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
678
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 16.1., letzte Aktualisierung: 21.1. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj fordert besseren Schutz Kiews durch Flugabwehr

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts der massiven Schäden an der Energieinfrastruktur durch die russischen Angriffe die Flugabwehr zu einem besseren Schutz der Anlagen aufgefordert. „Die Führung der Luftstreitkräfte muss beim Schutz deutlich schneller reagieren“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Er habe dies bei einem Treffen mit dem Verteidigungsminister und den Kommandeur der Luftstreitkräfte erklärt. Im ganzen Land gibt es massive Strom- und Heizungsausfälle. (dpa)

Nato-Chef Rutte fordert von EU Flexibilität bei Ukraine-Kredit

Nato-Generalsekretär Mark Rutte ruft die EU-Staaten zu Flexibilität bei der Verwendung des 90-Milliarden-Euro-Kredits für die Ukraine auf. Die Europäische Union sollte nicht um jeden Preis darauf bestehen, dass die Mittel nur für den Kauf von Rüstungsgütern aus der EU verwendet würden nach dem Motto „Buy EU“, sagt Rutte EU-Abgeordneten. Zwar baue Europa seine Verteidigungsindustrie derzeit aus. Sie könne aber im Moment nicht annähernd genug liefern, was die Ukraine „heute zur Verteidigung und morgen zur Abschreckung“ brauche. (Reuters)

Söders CSU sieht EU-Beitritt der Ukraine skeptisch

Die CSU steht einem EU-Beitritt der Ukraine überaus skeptisch gegenüber. „Wir sind da zurückhaltend, weil wir natürlich sehen, dass es den Charakter EU völlig verändert“, sagte Parteichef Markus Söder nach einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Sollte jemals angedacht werden, die Ukraine institutionell stärker an Europa zu binden, brauche es einen grundlegenden und völlig neuen Reformvertrag für Europa.

Aus Söders Sicht würden die aktuellen EU-Strukturen nicht ausreichen, um eine Erweiterung mit der Ukraine umzusetzen. Als Beispiel nannte er die Landwirtschaft, es würde aber auch sonst nicht passen - „deswegen große Zurückhaltung“. Dies bedeute nicht, dass die Tür für die Ukraine generell zugeschlagen werde, in dem Falle müsse aber Europa sich selbst völlig neu strukturieren.

Die Ukraine strebt seit Jahren den EU-Beitritt an. Seit Juni 2022 ist das Land offizieller Beitrittskandidat, innerhalb der EU-Staaten gibt es aber sehr unterschiedliche Meinungen dazu. So blockierte etwa Ungarn lange jegliche Beitrittsverhandlungen. Die ukrainische Regierung will diese dagegen möglichst schnell abschließen. (dpa)

Selenskyj: Vorbereitungen für nächstes trilaterales Treffen laufen

Bei dem Treffen von Vertretern der Ukraine, Russlands und der USA in Abu Dhabi am Freitag und Samstag sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor allem militärische Fragen besprochen worden. Es sei aber auch um politische Themen gegangen, teilt Selenskyj auf der Online-Plattform X mit. „Die Vorbereitungen für neue trilaterale Treffen in dieser Woche laufen jetzt“, schreibt der Präsident.

Bei den jüngsten Beratungen über einen möglichen Waffenstillstand in dem seit fast vier Jahren währenden Krieg wurde bereits eine Fortsetzung beschlossen, ein konkreter Termin wurde nicht festgelegt. (Reuters)

Wadephul fordert bessere Zusammenarbeit bei hybriden russischen Angriffen im Ostseeraum

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat angesichts wachsender Bedrohungen im Ostseeraum eine verbesserte länderübergreifende Widerstandsfähigkeit angemahnt. Der Ostseeraum werde vermehrt zum Ziel hybrider Angriffe aus Russland, etwa durch zerstörte Unterseekabel, Schiffe der Schattenflotte und Angriffe auf Offshore-Windparks, sagte Wadephul am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner lettischen Kollegin Baiba Braze in Riga. „Da braucht es besseren Austausch zwischen uns Ostseeländern.“

Vor allem müsse geklärt werden, wer für die Verteidigung in internationalen Gewässern zuständig sei: Das sei „eine große gemeinsame Aufgabe“, für die „wir uns jetzt schnell an die Arbeit machen müssen“, sagte der Bundesaußenminister. Auch müsse die „Überwachungsfähigkeit verstärkt“ und Abschreckungsmaßnahmen ausgeweitet werden.

Zahlreiche Schiffe der Schattenflotte und deren Hintermänner würden zwar bereits von EU-Seite gelistet, doch „wir wollen auch gegen Schiffe vorgehen, deren Flaggenstatus unklar ist“, sagte Wadephul. Mit Öltankern der Schattenflotte umgehe Russland nicht nur EU-Sanktionen, sondern bedrohe auch direkt die Ostseeanrainer wie Deutschland und Lettland: Häufig handele es sich um veraltete Tanker, die im Falle einer Havarie eine massive ökologische Bedrohung darstellten. „Wir müssen jetzt alle Möglichkeiten des Seerechts nutzen, um derartige Schiffe zu stoppen“, betonte Wadephul. Dazu müsse auch das Seerecht weiterentwickelt werden.

Mit Blick auf die wachsende Zahl hybrider Angriffe forderte Wadephul jedoch nicht nur die Politik, sondern auch die deutsche Gesellschaft auf, ihre Widerstandsfähigkeit auszubauen. In einem Jahr habe die Bundesrepublik „zwei Milliarden Attacken auf IT-Systeme“ erlebt. Darum müssten alle vorsichtiger werden. „Natürlich wird Russland weiter versuchen, uns zu destabilisieren“, sagte Wadephul. „Wir brauchen Aufmerksamkeit und ein aktives Mitmachen der gesamten Bevölkerung“, um dieser Bedrohung zu begegnen. (AFP)

Ukraine greift Ölraffinerie in südrussischer Region Krasnodar an

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht die Ölraffinerie Slawjansk Eko in der südrussischen Region Krasnodar angegriffen. Kampfdrohnen hätten das Gelände der Anlage getroffen, teilt die Armee über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Im Zielgebiet seien Explosionen zu hören gewesen. Ersten Informationen zufolge seien Teile einer Ölverarbeitungsanlage getroffen worden. (Reuters)

Kreml sieht Ukraine-Gespräche noch ganz am Anfang

Der Kreml sieht die Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA über ein Ende des Krieges noch ganz am Anfang. „Es wäre falsch, mit großer Ergebnisträchtigkeit zu rechnen“, kommentierte Kremlsprecher Dmitri Peskow ein erstes Treffen, das am vergangenen Wochenende in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfand.

Es gehe um schwierige Themen, sagte Peskow in Moskau der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. „Aber allein die Tatsache, dass diese Kontakte konstruktiv begonnen haben, muss man positiv sehen.“

Peskow: Keine freundschaftliche Atmosphäre möglichBei den ersten direkten Verhandlungen der Kriegsparteien seit Monaten wurde nur vereinbart, das Gespräch nach einer Woche fortzusetzen. Ein Termin steht bislang nicht fest. Peskow widersprach Berichten von US-Vertretern, dass zwischen den beteiligten Ukrainern und Russen eine fast freundschaftliche Atmosphäre geherrscht habe. „Das ist im jetzigen Stadium wohl kaum möglich“, sagte er.

Hat Trump in Alaska etwas zugesagt?Der Kremlsprecher verwies erneut auf eine angebliche „Formel von Anchorage“, in der Russlands Interessen festgelegt seien. Dies bezieht sich auf das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin im August 2025 in Alaska. Zu einer Einigung wurde nichts mitgeteilt. Aber Moskau fordert einen Abzug der ukrainischen Armee aus Gebieten im Osten, die diese bislang noch verteidigt. Kiew lehnt dies ab.

Der deutsche Sicherheitsexperte Nico Lange schrieb im Netzwerk X, es scheine, als habe Trump in Anchorage Zusagen gemacht, die er nun nicht einlösen könne. Deshalb drängten die USA die Ukraine zu diesem Verzicht. (dpa)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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