Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 18. April, 10:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1770
letzte Woche, 1855 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1770
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 10.4., letzte Aktualisierung: 15.4. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
1070
200
174
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
514
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 10.4., letzte Aktualisierung: 15.4. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Krim und Russland Ziel ukrainischer Drohnenangriffe

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte Marinestadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim ist nach Behördenangaben in der Nacht ein Öldepot in Brand geraten. Das Feuer in einem Tank mit Kraftstoffresten sei durch abgeschossene Drohnen ausgelöst worden, schrieb der Verwaltungschef der Stadt, Michail Raswoschajew, auf der Plattform Telegram. Der Brand habe keine Auswirkungen auf die Treibstoffversorgung von Sewastopol.

Verletzte gebe es keine, hieß es weiter. Darüber hinaus habe die Flugabwehr über der Stadt zwei weitere Drohnen abgeschossen. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Im Gebiet Samara ist nach Medienangaben die Ölraffinerie in Nowokuibyschewsk von Drohnen getroffen worden. In sozialen Netzwerken kursierende Bilder und Videos zeigen Brände, die von der Anlage stammen sollen. Offiziell wurden die Berichte bislang nicht bestätigt. Zuletzt lag die Produktionsleistung der Raffinerie bei 8,8 Millionen Tonnen pro Jahr – und war damit eine der größeren Anlagen im Land.

Eine Bestätigung gibt es bereits für einen Angriff auf ein Öldepot im südrussischen Gebiet Krasnodar. Dort sei ein Treibstofflager in Tichorezk getroffen worden, bestätigte der Krisenstab der Region. Krasnodar ist wie die Krim eine der am häufigsten von Kiew attackierten Gebiete unter russischer Kontrolle.

Aber auch Regionen fernab der Front rücken immer mehr in den Blickpunkt der Angriffe: Im Gebiet Leningrad, das an St. Petersburg (früher Leningrad) grenzt, war der Hafen von Wyssozk Ziel ukrainischer Angriffe, wie Gouverneur Alexander Drosdenko auf Telegram mitteilte. Dort werde versucht, einen Brand zu löschen. 27 ukrainische Drohnenangriffe seien abgewehrt worden. (dpa)


USA verlängern Lockerungen für Sanktionen auf russisches Öl

Die USA haben ihre Lockerungen von Sanktionen auf russisches Öl für einen weiteren Monat verlängert. Die Ausnahmeregelung erlaubt den Kauf von Ölprodukten aus Russland, die seit Freitag auf Schiffe verladen wurden. Sie ist bis zum 16. Mai befristet und folgt auf eine entsprechende 30-tägige Regelung, die am 11. April auslief.

Der Schritt ist Teil von Washingtons Versuchen, die Energiepreise zu dämpfen. Diese sind im Zuge des von den USA und Israel begonnenen Kriegs gegen den Iran weltweit stark gestiegen. Das Vorgehen ist jedoch insbesondere in Europa umstritten, denn es könnte Bemühungen behindern, Russland die Finanzierung des Kriegs in der Ukraine zu erschweren. Die Chefin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat erklärt, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sei, die Sanktionen gegen Russland zu lockern.

Ein Sprecher des US-Finanzministeriums erklärte, man wolle sicherstellen, „dass Öl für diejenigen verfügbar ist, die es benötigen“. Vor wenigen Tagen hatte Finanzminister Scott Bessent noch erklärt, Washington werde die Ausnahmeregelung nicht verlängern.

Trump und seine Republikaner sehen sich jedoch wegen der gestiegenen Preise mit Unmut in der amerikanischen Bevölkerung konfrontiert. Im November finden in den USA Zwischenwahlen statt, bei denen Trumps Partei ihre Mehrheiten im Kongress verteidigen muss. Außerdem haben einem Insider zufolge auch diverse Partnerländer der USA am Rande von internationalen Treffen in Washington in den vergangenen Tagen Druck gemacht, die Ausnahmeregelung zu verlängern. (Reuters)

Selenskyj warnt Belarus vor Beteiligung am russischen Krieg

Belarus hat nach Angaben aus Kiew in grenznahen Gebieten zur Ukraine mit dem Ausbau von Straßen und dem Bau von Artilleriestellungen begonnen. „Wir gehen davon aus, dass Russland ein weiteres Mal versuchen wird, Belarus in seinen Krieg (gegen die Ukraine) hineinzuziehen“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram. Er habe Anweisung gegeben, Minsk vor den Folgen zu warnen. Die Ukraine sei bereit, ihr Hoheitsgebiet und ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.

„Die Art und die Folgen der jüngsten Ereignisse in Venezuela sollten die Führung von Belarus davon abhalten, Fehler zu begehen“, fügte er hinzu. Anfang Januar wurde der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro mit seiner Frau von US-amerikanischen Truppen über Nacht in die USA festgenommen und vor Gericht gestellt.

Belege für die Bautätigkeiten in Belarus legte Selenskyj nicht vor. Im Februar 2022 war die russische Armee auch von belarussischem Territorium in die Ukraine einmarschiert. (dpa)

Russland will Schutz von Ölexport-Häfen verstärken

Nach zahlreichen ukrainischen Drohnenangriffen will Russland die Luftverteidigung rund um wichtige Ölexport-Häfen am Finnischen Meerbusen verstärken. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, teilte am Freitag in einem Video mit, er habe beschlossen, „zusätzliche mobile Einheiten“ zur Abwehr von Drohnen einzusetzen. Dabei sollten auch Reservisten zum Einsatz kommen, fügte er hinzu. Freiwillige würden einen Dreijahresvertrag erhalten.

Die ukrainische Armee hat wiederholt die Häfen Ust-Luga und Primorsk angegriffen, die beide in der Region Leningrad am Finnischen Meerbusen liegen und über die viel russisches Öl umgeschlagen wird. Kiew sieht in den Attacken eine Vergeltung für russische Bombardierungen und will Moskaus Einnahmen aus Ölexporten schmälern.

Der Organisation Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) zufolge halbierten sich die Öl-Exporte in Ust-Luga und Primorsk nach einem ukrainischen Drohnenangriff im März im Vergleich zum Vorjahresniveau. Andererseits konnte Russland seine Ölexport-Einnahmen im März nach Angaben der Internationalen Energieagentur auf 19 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 16 Milliarden Euro) fast verdoppeln. (dpa)

Ukrainischer Militärgeheimdienst: Russland plant Offensive und will Donbass bis September einnehmen

Russland bereitet nach Einschätzung des ukrainischen Militärgeheimdienstes eine neue Bodenoffensive im Südosten der Ukraine vor. Ziel sei es, die gesamte Donbass-Region bis September unter Kontrolle zu bringen. Das sagte der stellvertretende Chef des Militärgeheimdienstes HUR, Wadym Skibizkyj, in einem Interview mit der „Financial Times“.

Demnach verstärkt Moskau bereits seine Angriffe aus der Luft. Russland produziere derzeit rund 60 Iskander-Raketen pro Monat und habe die Zahl der Abschusssysteme ausgeweitet.

Besonders die Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine seien laut Skibizkyj Teil einer umfassenderen Strategie, mit der Moskau versuche, die Voraussetzungen für eine neue Offensive im Frühjahr und Sommer zu schaffen.

Insgesamt seien derzeit rund 680.000 russische Soldaten im Einsatz. Vor diesem Hintergrund wolle die Führung in Moskau den militärischen Druck weiter erhöhen, um ihre Ziele im Donbass zu erreichen. (Tsp)

Zweiter Zwischenfall in einer Woche: Das Atomkraftwerk Saporischschja war erneut von der externen Stromversorgung abgeschnitten.
AKW Saporischschja verliert erneut externe Stromversorgung
Zweiter Zwischenfall in einer Woche: Das Atomkraftwerk Saporischschja war erneut von der externen Stromversorgung abgeschnitten.
Zweiter Zwischenfall in einer Woche: Das Atomkraftwerk Saporischschja war erneut von der externen Stromversorgung abgeschnitten. Credit: Reuters

Das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja hat innerhalb weniger Tage erneut die externe Stromversorgung verloren. Das teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit.

Demnach kam es am Abend des 16. April zu dem Vorfall. Die Stromversorgung konnte nach rund 40 Minuten wiederhergestellt werden.

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte, es handle sich bereits um den zweiten solchen Zwischenfall innerhalb einer Woche und den 14. seit Beginn der russischen Invasion.

Er betonte, der erneute Verlust der externen Stromversorgung unterstreiche die instabile Lage der nuklearen Sicherheit am Standort. (Valeriia Semeniuk)

Rauch steigt aus der Ölraffinerie in Tuapse im Südwesten Russlands auf.
Hafenanlagen im südrussischen Tuapse brennen noch immer
Rauch steigt aus der Ölraffinerie in Tuapse im Südwesten Russlands auf.
Rauch steigt aus der Ölraffinerie in Tuapse im Südwesten Russlands auf. Credit: AFP

Im russischen Schwarzmeerhafen Tuapse dauern die Löscharbeiten nach dem ukrainischen Drohnenangriff vom Donnerstag an.

177 Einsatzkräfte seien mit der Brandbekämpfung beschäftigt, teilen die örtlichen Behörden mit. Bei dem Angriff wurden nach russischen Angaben zwei Menschen getötet, darunter ein 14-jähriges Mädchen. Sieben Menschen seien verletzt worden.

Das ukrainische Militär hat den Angriff auf die Hafenanlagen in Tuapse bestätigt. Tuapse ist einer der wichtigsten Häfen im Süden Russlands und dient als Drehscheibe für den Export von Erdölprodukten, Kohle und Düngemitteln. Zudem befindet sich dort eine große Ölraffinerie gleichen Namens, die Rosneft, Russlands größtem Ölproduzenten, gehört. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Die ungarische Schicksalswahl: Es geht um mehr als einen Regierungswechsel
Die Ungarn stimmen an diesem Sonntag über die Systemfrage ab: Mit Magyar zurück zur Demokratie oder mit Orbán weiter in die Autokratie? Eine folgenreiche Wahl – auch für Europa.
Eine beleidigte Iran-Rede an die Nation: Vielleicht weiß nicht einmal Trump heute, was er tun wird
Nach 34 Tagen Militäreinsatz gegen den Iran gibt der US-Präsident keine Antworten darauf, wie der Krieg enden soll und ob er die Straße von Hormus mit Gewalt öffnet. Stattdessen droht er den Verbündeten.
Krieg, Leiden, Zerstörung: Warum Papst Leo XIV. so oft schweigt
Als er gewählt wurde, im Mai vor einem Jahr, setzten viele Menschen große Hoffnungen in den neuen Papst. Er sei ein „Anti-Trump“, ein Friedensengel, hieß es. Nun werfen ihm viele Schweigen vor.
Die Welt brennt, Wadephul rennt: Der rastlose deutsche Außenminister lässt sich Frust nicht anmerken
Mit dem Iran-Krieg verschlechtern sich auch die Beziehungen zu Donald Trumps USA wieder. Johann Wadephul jettet als diplomatischer Reparatur-Notdienst um die Welt.
Nicht nur aus Mangel an Soldaten: Warum es immer mehr „Rekorde“ in ukrainischen Schützengräben gibt
Von 60 Tagen bis zu mehr als 200: Ukrainische Infanteristen müssen ihre Positionen immer länger halten. Ihr Durchhaltevermögen ist groß. Doch über die Umstände wird zunehmend diskutiert.
Gibt es die G7 trotz Trump und Rubio noch? : An seinem Gründungsort ringt der westliche Staatenclub ums Überleben
Südwestlich von Paris fand Ende 1975 das erste informelle Treffen der größten Industrienationen statt. Gut 50 Jahre später ist der „Westen“ politisch in Auflösung begriffen.
mehr Artikel anzeigen