Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 23. Februar, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1672
letzte Woche, 1651 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1672
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 13.2., letzte Aktualisierung: 18.2. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
939
200
91
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
631
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 13.2., letzte Aktualisierung: 18.2. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Nach Ende von „New Start“: USA führen in Genf Gespräche mit Russland und China

Nach dem Auslaufen des „New Start“-Abkommens zwischen Washington und Moskau zur Begrenzung von Atomwaffen halten die USA eigenen Angaben zufolge in Genf Treffen mit russischen und chinesischen Delegationen ab. „Heute habe ich mich mit der russischen Delegation getroffen. Morgen werden wir unter anderem mit der chinesischen Delegation zusammentreffen“, sagte ein hochrangiger Beamter des US- Außenministeriums, der anonym bleiben wollte, am Montag vor Journalisten in Genf.

Die USA hätten Anfang des Monats bereits „vorbereitende“ Treffen mit Russland und China in Washington abgehalten. Die Treffen in Genf seien „etwas substanzieller“ gewesen, sagte der Beamte. Washington hätte zudem in den vergangenen Wochen mehrfach mit den Atommächten Großbritannien und Frankreich gesprochen, fügte er hinzu. (AFP)

Slowakei: Öllieferungen sollen am 25. Februar wieder anlaufen

Die unterbrochenen Öllieferungen über die Druschba-Pipeline in die Slowakei sollen am Mittwoch wieder aufgenommen werden. Über diese Verzögerung habe die ukrainische Seite den Netzbetreiber Transpetrol informiert, teilt das slowakische Wirtschaftsministerium mit. Die Regierung in Bratislava hatte im Streit über die Lieferungen die Einstellung der Nothilfe für das ukrainische Stromnetz angeordnet. (Reuters)

Öllieferungen an die Slowakei über Druschba-Pipeline sollen am Mittwoch wiederaufgenommen werden

Die unterbrochenen Öllieferungen über die Druschba-Pipeline in die Slowakei sollen am Mittwoch wieder aufgenommen werden. Über diese Verzögerung habe die ukrainische Seite den Netzbetreiber Transpetrol informiert, teilt das slowakische Wirtschaftsministerium mit. Die Regierung in Bratislava hatte im Streit über die Lieferungen die Einstellung der Nothilfe für das ukrainische Stromnetz angeordnet. (Reuters)

Wadephul: Betteln Putin nicht hinterher

Außenminister Johann Wadephul hat sich grundsätzlich gesprächsbereit mit Moskau über einen tragfähigen Frieden in der Ukraine gezeigt, Zugeständnisse aber abgelehnt. „An allererster Stelle muss es natürlich die Ukraine sein, die spricht. Aber wir sind auch bereit zu sprechen“, sagte der CDU-Politiker beim Ukraine-Forum „Cafe Kyiv“ der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Wadephul fügte hinzu: „Aber wir werden nicht in Moskau ankommen und weitere Zugeständnisse machen. Das werden wir nicht machen.“

„Wenn das Schießen aufhört, wenn es eine ernsthafte Bereitschaft gibt zu reden, dann sind wir sicherlich auch mit dabei“, sagte Wadephul und ergänzte mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Aber wir betteln ihm nicht hinterher, um es offen zu sagen. Sondern wir erwarten, dass endlich irgendeines der vernünftigen Angebote angenommen wird.“ (dpa)

Selenskyj übt scharfe Kritik an Orban: "Stellt sich auf eine Stufe mit Putin und Lukaschenko"

Vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Interview mit der ARD eine Bilanz des Krieges gezogen – und sich dabei kämpferisch, aber kompromissbereit gezeigt.

„Der Krieg geht dann zu Ende, wenn US-Präsident Trump gemeinsam mit den Europäern Putin in die Schranken weist und ihn zu echten Verhandlungen zwingt, die ein Ergebnis bringen", sagte Selenskyj im ARD-Studio in Kiew kurz vor dem Jahrestag der Invasion. Der russische Staatschef müsse zu einem Waffenstillstand gebracht werden.

Deutliche Worte fand Selenskyj in Richtung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der zuletzt mit einer Blockade von EU-Hilfsgeldern für die Ukraine gedroht hatte. „Wenn er die 90 Milliarden Euro blockiert, dann stellt er sich für uns auf eine Stufe mit Putin und Lukaschenko", sagte Selenskyj. Gemeint ist das von der Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten getragene Unterstützungspaket für die kommenden zwei Jahre.

Für Deutschland fand Selenskyj lobende Worte. „Ich bin Deutschland dankbar, dass es in Europa die Führungsrolle bei der Unterstützung der Ukraine übernommen hat", sagte er. Deutschland stehe inzwischen an erster Stelle bei der finanziellen Hilfe, noch vor Norwegen.

Für die Zeit nach einem möglichen Waffenstillstand wünscht sich der ukrainische Präsident allerdings ein stärkeres deutsches Engagement. Frankreich und Großbritannien hätten sich bereit erklärt, Soldaten zur Friedenssicherung in die Ukraine zu entsenden. „Natürlich würden wir uns wünschen, dass Deutschland sich diesen Ländern anschließt. Aber das ist ausschließlich die unabhängige Entscheidung Deutschlands", so Selenskyj.

Militärisch wertete Selenskyj die vergangenen vier Jahre vor allem als Niederlage für Russland. „Russland kämpft, um uns als unabhängigen Staat zu zerstören – das haben wir nicht zugelassen." Er sehe nicht, dass die Ukraine den Krieg gerade verliere – das sei „ein russisches Narrativ".

Der Präsident verwies auf jüngste militärische Erfolge, darunter die Rückeroberung von rund 300 Quadratkilometern im südlichen Bezirk Saporischschja. Zudem werde die Abschaltung des Internetsystems Starlink für die russische Armee der Ukraine zugutekommen. Das Unternehmen SpaceX von Elon Musk hatte den Zugang für russische Streitkräfte vor einigen Wochen gesperrt. Seitdem können nur noch ukrainische Einheiten das System nutzen, das Militärexperten zufolge eine besonders zuverlässige und abhörsichere Kommunikation ermöglicht.

Für einen Waffenstillstand signalisierte Selenskyj Kompromissbereitschaft – auch bei den russischen Territorialforderungen. Moskau fordert unter anderem den Rückzug der Ukraine aus den noch unter ukrainischer Kontrolle stehenden Teilen des Donezbeckens. Solche Fragen könnten nur auf höchster Ebene verbindlich geklärt werden, erklärte Selenskyj und richtete sich direkt an den Kreml: „Ich habe eine einfache Botschaft an Putin: Ich bin bereit zu einem Treffen. Wir müssen den Krieg beenden." (jmi)

Koalition der Willigen: Ukraine-Unterstützer beraten sich am Jahrestag in Videokonferenz

Am vierten Jahrestag des Beginns des Ukraine-Krieges wollen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Regierungschef Keir Starmer am Dienstag mit den Mitgliedern der sogenannten Koalition der Willigen über die weitere Unterstützung für die Ukraine beraten. Die Videokonferenz soll den 35 in der Koalition vertretenen Ländern die Gelegenheit bieten, „ihr Engagement an der Seite der Ukraine zu bekräftigen“, wie das Präsidialamt in Paris mitteilte.

Zur Koalition der Willigen zählen überwiegend europäische Länder, darunter auch Deutschland, aber auch Australien, Neuseeland und Japan. Russland hatte die Ukraine am 24. Februar 2022 mit dem Ziel überfallen, die Führung in Kiew zu entmachten und weite Teile des Landes zu erobern. Nach vier Jahren Krieg hält die russische Armee rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt. (AFP)

Gedenken und Demonstrationen zum Jahrestag des Kriegsbeginns

Am vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine wird am Dienstag in Berlin mit mehreren Veranstaltungen der Opfer gedacht und Solidarität mit dem kriegsgeplagten Land ausgedrückt. Die Kirchen laden am Vormittag zu einem ökumenischen Friedensgebet für die Ukraine in die Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt ein. Erwartet werden dazu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs.

Der ukrainisch-deutsche Verein Vitsche ruft für den Abend zu einer Solidaritätsdemonstration für die Ukraine unter dem Motto „Für Europas Zukunft“ auf. Der Aufzug soll ab 18 Uhr vom Lustgarten über die Straße Unter den Linden zum Brandenburger Tor führen, „um zu zeigen, dass Berlin nicht wegschaut“, wie der Verein ankündigte. Dazu wird Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erwartet.

Unter dem Motto „Nein zum russischen Imperialismus!“ findet vor der Solidaritätsdemonstration um 17 Uhr ein Protestmarsch vom Russischen Haus in der Friedrichstraße zum Lustgarten statt. Das von der russischen Behörde Rossotrudnitschestwo betriebene Gebäude für Wissenschaft und Kultur mitten in Berlin gilt als Propagandazentrale Russlands. Seine Schließung wird immer wieder gefordert. (epd)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
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Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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