Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 01. März, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1600
letzte Woche, 1675 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1600
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 20.2., letzte Aktualisierung: 25.2. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
818
200
72
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
692
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 20.2., letzte Aktualisierung: 25.2. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj: Moskau setzte im Winter fast 19.000 Drohnen ein

Russland hat in der Nacht erneut die Ukraine mit Angriffen überzogen. In der Region Dnipropetrowsk wurden laut Militärgouverneur Olexandr Hanscha bei Attacken mit Drohnen und Artillerie ein Mensch getötet und vier weitere verletzt. Moskaus Armee nahm demnach die drei Landkreise Nikopol, Synelnykowe und Dnipropetrowsk ins Visier.

Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge setzte Russland allein in der vergangenen Woche mehr als 1.720 Kampfdrohnen, fast 1.300 Gleitbomben und mehr als 100 Raketen gegen sein Land ein. Er warf Moskau vor, in diesem Winter nicht einmal versucht zu haben, Angriffe auf zivile kritische Infrastruktur zu rechtfertigen.

In den drei Wintermonaten habe Russland mit fast 19.000 Kampfdrohnen, mehr als 14.670 Gleitbomben und 738 Raketen angegriffen. Die meisten der Drohnen seien vom ursprünglich iranischen Bautyp Schahed, den die iranische Führung derzeit im Nahen Osten einsetze, schrieb er in sozialen Medien.

Das Böse müsse überall auf der Welt bekämpft werden, sagte Selenskyj. „Wenn die Vereinigten Staaten und andere Partner genug Entschlossenheit zeigen, müssen letztendlich auch die blutigsten Diktatoren für ihre Verbrechen zahlen.“ (dpa)

Merz: Gab Gesprächsangebot an Moskau, aber ohne Waffenruhe sinnlos

Bundeskanzler Friedrich Merz hat betont, dass auch er zu Gesprächen mit der russischen Führung bereit war, diese aber angesichts der immer weiter fortgesetzten russischen Angriffe auf die Ukraine derzeit sinnlos seien. „Was sollen wir denn noch mehr machen an Diplomatie als das, was wir seit mehreren Monaten machen?“, sagte der CDU-Vorsitzende am Freitagabend auf einer Wahlveranstaltung im hessischen Volkmarsen. „Ich selbst, viele andere – wir bieten doch jede Form eines Gespräches an, bis hin zu einem Gespräch auch mit der russischen Staatsführung“, fügte Merz hinzu. „Es gab nur eine Vorbedingung: Wenn wir sprechen, wenigstens dann müssen die Waffen schweigen.“

Russland habe dies aber nie zugesagt. Er erwähnte eine unabgestimmte, erfolglose Verhandlung von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán in Moskau, nach der es „die heftigsten Bombardements in Kiew gegen Kinderkrankenhäuser, gegen Altenheime, gegen die zivile Infrastruktur, gegen Energieinfrastruktur“ gegeben habe. „Wenn das die Antwort von Putin ist auf Diplomatie, dann ist eben gezeigt, dass Diplomatie im Augenblick keinen Erfolg haben kann. Wir müssen uns wehren, und wir müssen die Ukraine schützen gegen diese Aggression“, betonte der Kanzler. Zuletzt hatte es eine ebenfalls nicht abgestimmte Vermittlungsmission eines französischen Spitzendiplomaten in Moskau gegeben. (Reuters)

Fico: Ukraine hat wohl kein Interesse an Wiederaufnahme von Öltransfer

Die Ukraine will nach Einschätzung des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico den Transfer russischen Öls durch die Druschba-Pipeline in die Slowakei und nach Ungarn offenbar nicht wieder aufnehmen. Er habe den „klaren Eindruck“, dass die ukrainische Seite an der Wiederaufnahme des Öltransits nicht interessiert sei, erklärt Fico nach einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dieser habe deutlich gemacht, dass die Reparatur der Ölleitung Zeit in Anspruch nehmen werde, teilt Fico mit. Eine Inspektion der Pipeline habe Selenskyj abgelehnt.

Die Slowakei und Ungarn haben die Gründung eines gemeinsamen Ausschusses zur Untersuchung der Schäden an der Ölpipeline Druschba in der Ukraine vereinbart. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán forderte die Regierung in Kiew auf, dem Gremium Zugang zu gewähren. Er wirft der Ukraine vor, die Lieferungen aus politischen Gründen gestoppt zu haben. Die Regierung in Kiew führt den Stopp dagegen auf Beschädigungen durch einen russischen Drohnenangriff zurück. Seit Ende Januar ist der Öltransfer nach Ungarn und in die Slowakei unterbrochen. (Reuters)

Der ukrainische Stahlhersteller ArcelorMittal Kryvyi Rih stellt wegen der anhaltenden Energiekrise den Betrieb in einem weiteren Werk ein.

Betroffen sind die Gießerei und die mechanische Werkstatt, die in drei Monaten geschlossen werden sollen, wie die Tochtergesellschaft von ArcelorMittal mitteilt. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen die extrem hohen Stromkosten infolge des Krieges. Dies habe die Produktionskosten deutlich in die Höhe getrieben und die wirtschaftliche Fertigung von Stahlprodukten weiter erschwert. Russland hat zuletzt seine Angriffe auf den ukrainischen Energiesektor verstärkt, was die Regierung in Kiew zur Stromrationierung für die Industrie und zu höheren Importen aus der EU zwingt. (Reuters)

Ghana: Vermutlich 55 Staatsbürger im Fronteinsatz für Russland in Ukraine getötet

In der Ukraine sind vermutlich 55 Ghanaer im Fronteinsatz für Russland getötet worden. Dies teilte am Freitag der ghanaische Außenminister Sam Okudzeto Ablakwa nach einem Besuch in Kiew mit. Sein ukrainischer Amtskollege Andrij Sybiha habe ihn über die Todesopfer informiert. Insgesamt seien wohl 272 Ghanaer „in den Krieg gelockt worden“, zwei davon befänden sich nun in Kriegsgefangenschaft.

Die Informationen seien „bedrückend und beängstigend“, fügte Ablakwa an. Ghana könne seine Augen vor diesen „erschütternden Zahlen“ nicht verschließen. Seine Regierung sei „entschlossen, alle illegalen Rekrutierungsprogramme im Dark Web, die innerhalb unserer Zuständigkeit betrieben werden, aufzuspüren und zu zerschlagen“.

Die Ukraine hatte am Mittwoch erklärt, sie habe mehr als 1780 Bürger aus 36 afrikanischen Staaten in den Reihen der russischen Streitkräfte ausgemacht. Nach Südafrika waren erst in dieser Woche 15 Männer zurückgekehrt, die Berichten zufolge zum Kampfeinsatz gezwungen worden waren. Laut dem südafrikanischen Außenministerium wurden mindestens zwei Staatsbürger in der Ukraine getötet.

Auch AFP-Recherchen deuten auf den Einsatz von Menschen aus Afrika auf Seiten der russischen Armee hin: Ende 2025 trafen AFP-Reporter in der Ukraine Kriegsgefangene aus Kenia, Togo, Kamerun und Nigeria.

Jüngst sprach AFP mit vier Kenianern, die nach dem Kampfeinsatz für Russland in ihr Heimatland zurückgekehrt waren. Sie gaben an, mit dem Versprechen auf lukrative zivile Arbeitsplätze nach Russland gelockt worden zu sein. Dort seien sie aber gezwungen worden, Arbeitsverträge mit der Armee zu unterschrieben und nach minimaler Ausbildung an die Front geschickt worden. (AFP)

Kreml bestätigt Pläne für trilaterale Ukraine-Verhandlungen

Nach getrennten Gesprächen der ukrainischen und russischen Seite mit US-Gesandten in Genf in dieser Woche hat der Kreml Vorbereitungen für neue trilaterale Verhandlungen bestätigt. Eine neue Verhandlungsrunde sei geplant, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge. Zugleich beklagte er: „Bisher sind keine nennenswerten Veränderungen der Positionen des Kiewer Regimes festzustellen.“ (dpa)

Verdacht auf Veruntreuung beim Wiederaufbau des Kraftwerks Trypillja

Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) hat nach eigenen Angaben einen Korruptionsskandal beim Wiederaufbau des Trypillja-Wärmekraftwerks aufgedeckt. Im Frühjahr 2024 wurde die Anlage in der Stadt Ukrajinka durch massive russische Raketen- und Drohnenangriffe schwer beschädigt.

Dem SBU zufolge sollen in den Jahren 2023–2025 zwei Bauunternehmen staatliche Aufträge im Umfang von umgerechnet mehr als 12,5 Mio. Euro erhalten haben. Im Zuge der Arbeiten seien Leistungen, Baumaterialien und technische Ausrüstung systematisch überteuert abgerechnet worden. Die mutmaßlich veruntreute Summe beläuft sich auf rund 1,25 Mio. Euro. Nach Darstellung der Ermittler wurden Materialien über verbundene Firmen eingekauft – zu Preisen, die etwa 30 Prozent über dem Marktwert lagen. Die Differenz sei anschließend auf Konten nahestehender Unternehmen transferiert und teilweise bar abgehoben worden.

Bei Durchsuchungen stellten die Behörden demnach Computer, Mobiltelefone, Unterlagen sowie Bargeld im Gegenwert von rund 475.000 Euro sicher. Gegen drei Beschuldigte – zwei Geschäftsführer privater Firmen und einen mutmaßlichen Komplizen – wurde offiziell der Verdacht der Veruntreuung in besonders großem Umfang sowie der Geldwäsche erhoben. Im Falle einer Verurteilung drohen bis zu zwölf Jahre Haft mit Vermögenseinzug. (Yulia Valova)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

Neueste Artikel zum Krieg

Streitpunkt Energiewende: Eine Stadt in der Ukraine ist weiter als Berlin
Während in Deutschland die Lobbyisten fossiler Energie jubeln, will ein ukrainischer Bürgermeister dem kriegsversehrten Mykolajiw beim Wiederaufbau eine „blaue Revolution“ bescheren.
Der Plan mit dem „Flamingo“: Die Ukraine landet einen wichtigen Treffer – war das erst der Anfang?
Der Marschflugkörper „Flamingo“ ist ein Hoffnungsträger für die Ukraine im russischen Angriffskrieg. Jetzt gab es nach langer Zeit das erste Erfolgserlebnis. Der Produzent erklärt, was dahintersteckt.
Unterwegs im verunsicherten Auto-Ländle: „,Schaffa, schaffa, Häusle baua‘ geht ohne Job nicht“
Vom Erfolg verwöhnt, teils sagenhaft reich geworden in Amerika und China, befindet sich die Wiege des Automobils in der Krise. Was macht das kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit seinen Menschen?
Ukraine-Invasion, Tag 1461: Welchen Preis zahlen die Menschen für vier Jahre Krieg?
EU scheitert mit Russland-Sanktionen und Ukraine-Darlehen an Ungarn. Dieser ukrainische Teenager floh aus Putins Fängen. Und warum für die Ukraine auch Durchhalten ein Erfolg ist. Der Überblick am Abend.
Butscha, Mariupol, Charkiw und Cherson: Was der Ukrainekrieg mit diesen Städten macht – und mit ihren Bewohnern
Butscha, Mariupol, Charkiw und Cherson sind zu Symbolen des Krieges geworden. Vier Geschichten von jenen, die geblieben, geflohen oder zurückgekehrt sind.
Peking-Reise von Kanzler Merz: „China kann den Ukraine-Krieg indirekt beenden“
Der CDU-Außenpolitiker Johannes Volkmann wirft deutschen Konzernen riskante Investitionen in China vor. Er verweist für den Fall einer Erpressung durch Peking auf wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen der EU.
mehr Artikel anzeigen