Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 06. Februar, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1595
letzte Woche, 1606 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1595
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 30.1., letzte Aktualisierung: 4.2. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
873
200
59
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
654
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 30.1., letzte Aktualisierung: 4.2. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Selenskyj: AKWs produzieren nach Angriffen weniger Strom

Infolge heftiger russischer Raketenangriffe auf wichtige Umspannwerke und Hochspannungsleitungen produzieren ukrainische Atomkraftwerke weniger Strom. „Ein Reaktor schaltete sich automatisch ab. Das ist ein Niveau von Angriffen, das sich kein Terrorist der Welt erlaubt“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Im Interesse der Sicherheit der Region müsse Russland die Reaktion der „ganzen Welt“ darauf spüren, verlangte Selenskyj.

Am Samstagmorgen hatte das russische Militär Energieanlagen in der Ukraine mit Kampfdrohnen und Raketen angegriffen. Unter den Zielen waren Berichten zufolge auch das Umspannwerk „Westukraine“ im Gebiet Lwiw sowie westukrainische Wärmekraftwerke. Bereits bestehende Probleme bei der Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme in dem kriegsgeplagten Land wurden dadurch bei herrschendem Frostwetter noch verstärkt. Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion. (dpa)

Selenskyj berichtet von US-Ultimatum für Kriegsende

Nach Abschluss der Ukraine-Verhandlungen in Abu Dhabi haben die USA nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu einer neuen Gesprächsrunde in die USA eingeladen. Washington hätte „erstmals vorgeschlagen“, dass sich sowohl die ukrainische als auch die russische Delegation in den Vereinigten Staaten treffen, teilte Selenksyj in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung mit. Das Treffen solle voraussichtlich in der kommenden Woche in Miami abgehalten werden.

Zudem dringen die USA nach seinen Angaben auf ein Ende des Ukraine-Kriegs bis Anfang des Sommers. „Die Amerikaner schlagen den Parteien vor, den Krieg bis Anfang des Sommers zu beenden und werden wahrscheinlich diesem Zeitplan entsprechend Druck auf die Beteiligten ausüben“, sagte Selenskyj übereinstimmenden Berichten zufolge. In einigen Berichten wurde konkret Juni genannt.

Ein Schlüsselelement für ein Ende des Kriegs seien Sicherheitsgarantien, bekräftigte Selenskyj. Diese müssten vor allen anderen Dokumenten unterschrieben werden. Er machte zudem deutlich, dass nach der jüngsten Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine, Russland und den USA Themen wie Gebietsabtretungen schwierig blieben. Moskau fordert für ein Ende der Gewalt unter anderem den Abzug der ukrainischen Truppen aus den Gebieten Luhansk und Donezk. Kiew lehnt das bislang ab. (Reuters, dpa, Tsp)

(Update: 09:57 Uhr) Stromausfälle in weiten Teilen der Ukraine durch „massiven“ russischen Angriff

Ein großangelegter Angriff der russischen Streitkräfte auf die ukrainische Energieinfrastruktur hat nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers in weiten Teilen der Ukraine Stromausfälle verursacht. Infolge der Schäden durch den „massiven Angriff“ sei am Samstagmorgen in den meisten Regionen der Strom abgeschaltet worden, erklärte der Netzbetreiber Ukrenergo im Onlinedienst Telegram.

Ziel seien Anlagen zur Stromerzeugung und -verteilung, teilte der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Reparaturarbeiten sollen beginnen, sobald es die Sicherheitslage zulasse.

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj griff Russland mit mehr als 400 Drohnen und rund 40 Raketen an. „Jeden Tag könnte Russland echte Diplomatie wählen, aber es entscheidet sich für neue Angriffe“, erklärte er auf der Plattform X. Dem Land müsse die Fähigkeit genommen werden, die Kälte als Druckmittel gegen die Ukraine einzusetzen.

Am Samstagmorgen war auch der Luftraum im Südosten Polens wegen eines Militäreinsatzes zeitweise gesperrt. Um der militärischen Luftfahrt freie Bahn zu verschaffen, sei der zivile Verkehr ausgesetzt worden, teilte die polnische Flugsicherungsbehörde am Samstag auf der Plattform X mit. „Diese Maßnahmen sind präventiver Natur und dienen der Sicherung und dem Schutz des Luftraums, insbesondere in Gebieten, die an die bedrohten Regionen angrenzen“, erklärte das operative Kommando der polnischen Streitkräfte auf X. (AFP, Reuters)


US-Präsident Donald Trump hat eine mögliche Entwicklung im russischen Krieg gegen die Ukraine angedeutet

. Es gebe „sehr, sehr gute Gespräche“, sagte Trump vor Journalisten. „Etwas könnte passieren“, fügte er hinzu, ohne dies jedoch zu präzisieren. Der republikanische Präsident hatte versprochen, den Krieg zu beenden, was er bislang jedoch nicht umgesetzt hat. (Reuters)

USA drängen wohl auf Wahlen in der Ukraine im Mai

Die USA und die Ukraine erörtern Insidern zufolge einen Zeitplan für ein Friedensabkommen mit Russland, der im Frühjahr Wahlen vorsehen könnte. Ziel sei eine Einigung im März, gefolgt von einem Referendum und Wahlen im Mai, sagten mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das US-Verhandlungsteam um den Sondergesandten Steve Witkoff und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner dränge zur Eile. Hintergrund sei die Sorge, dass sich der US-Präsident angesichts der im November anstehenden Kongresswahlen bald stärker auf innenpolitische Themen konzentrieren werde.

Das diskutierte Konzept sieht vor, dass die ukrainische Bevölkerung in einem Referendum über das Abkommen abstimmt und gleichzeitig ein neues Parlament sowie einen Präsidenten wählt. Mehrere Insider bezeichneten den Zeitplan als unrealistisch. Zum einen seien Wahlen unter dem geltenden Kriegsrecht verboten und logistisch kaum in der kurzen Zeit zu organisieren. Zum anderen gebe es bei zentralen Streitpunkten noch keine Einigung. Russland fordere die Kontrolle über den gesamten Donbas, während Kiew dies ablehne. Auch die Zukunft des besetzten Atomkraftwerks Saporischschja sei ungeklärt: Moskau habe einen US-Vorschlag abgelehnt, wonach Washington die Anlage kontrollieren und die Stromversorgung beider Seiten sicherstellen würde.

Eine zweite Runde der von den USA vermittelten Verhandlungen war am Donnerstag in Abu Dhabi mit einem Gefangenenaustausch zu Ende gegangen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte ein baldiges nächstes Treffen in den USA in Aussicht. Einem Regierungsvertreter zufolge zeigt sich Selenskyj offen für rasche Wahlen, da er sich trotz gesunkener Umfragewerte Siegchancen ausrechne. Kiew beharre jedoch darauf, dass vor einer Abstimmung Sicherheitsgarantien der USA und ihrer Partner in Kraft sein müssten und ein Waffenstillstand während des Wahlkampfs gewährleistet sei. (Reuters)

Estland verhängt Einreiseverbote für russische Kriegsteilnehmer

Estland hat weitere Einreiseverbote gegen Russen verhängt, die in Russlands Krieg gegen die Ukraine an der Front gekämpft haben. Nach Angaben des Innenministeriums wurden 1.073 Kämpfer auf eine schwarze Liste von Personen gesetzt, die nicht mehr in das baltische EU- und Nato-Land einreisen dürfen. Darauf befinden sich bereits die Namen von 261 weiteren ehemaligen Kämpfern, die Mitte Januar mit einem Einreiseverbot belegt wurden.

„Russische Militärangehörige, die in der Ukraine gekämpft haben und dort weiterhin kämpfen, haben getötet, zerstört, vergewaltigt und geplündert. Die Schließung des gemeinsamen europäischen Sicherheitsraums und des Schengen-Raums für sie liegt im Interesse unserer aller Sicherheit“, sagte Innenminister Igor Taro unter Verweis auf die Risiken, die von vormaligen Kriegsteilnehmern ausgingen. „Es kann nicht sein, dass man heute Menschen tötet und morgen im zivilisierten Europa Urlaub macht.“ (dpa)

Papst ruft zu Respekt vor Tradition der „Olympischen Waffenruhe“ auf

Papst Leo XIV. hat vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele dazu aufgerufen, die Tradition der „Olympischen Waffenruhe“ zu respektieren. „Ich ermutige alle Nationen nachdrücklich, anlässlich der bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Winterspiele dieses Instrument der Hoffnung, das die Olympische Waffenruhe darstellt, wiederzuentdecken und zu respektieren“, erklärte der Papst am Freitag in einem vom Vatikan veröffentlichten Dokument. Dies sei „ein Zeichen und eine Verheißung für eine versöhnte Welt“.

In Anlehnung an eine jahrtausendealte griechische Tradition der Olympischen Waffenruhe wird der Olympische Frieden seit 1993 alle zwei Jahre vom Gastgeberland bei den Vereinten Nationen eingeführt. Die UN-Mitgliedstaaten hatten im November vergangenen Jahres eine Resolution verabschiedet, in der sie dazu aufriefen, internationale Konflikte während der Olympischen Spiele auszusetzen. Dieses Leitbild wird zwar alle zwei Jahre grundsätzlich befürwortet, es wird aber immer wieder ignoriert.

Der Ukraine-Krieg begann vor vier Jahren allerdings kurz nach den Olympischen Winterspielen in Peking. Experten vermuten, dass Russlands Machthaber Putin damit Rücksicht auf China und dessen Machthaber Xi Jinping nehmen wollte. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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