Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 28. Januar, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1606
letzte Woche, 1554 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1606
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 23.1., letzte Aktualisierung: 28.1. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
862
200
88
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
650
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 23.1., letzte Aktualisierung: 28.1. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Zwei Tote bei russischen Angriffen in Region Kiew

Bei russischen Angriffen in der Region Kiew sind nach ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet worden. Ein Mann und eine Frau seien bei den Angriffen auf das Dorf Bilohorodka südöstlich der ukrainischen Hauptstadt getötet worden, erklärte der Leiter der Militärverwaltung der Region Kiew, Mykola Kalaschnyk, am Mittwochmorgen im Onlinedienst Telegram. Vier weitere Menschen seien medizinisch versorgt worden.

Am Dienstag hatten russische Angriffe auf die Ukraine nach Angaben aus Kiew mindestens zwölf Menschen getötet. Fünf Menschen verloren bei einem Drohnenangriff auf einen Zug in Charkiw ihr Leben. Die Attacken würden die derzeit laufende Diplomatie „untergraben“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinedienst Telegram. (AFP)

Umfrage: Viele Russen fühlen sich von Feinden umzingelt

Viele Menschen in Russland sehen sich einer Umfrage zufolge von ausländischen Feinden umzingelt, während sie ihr eigenes Land als Opfer betrachten. Dies sei eine Folge der unablässigen antiwestlichen Propaganda, sagte der russische Soziologe Lew Gudkow vom unabhängigen Lewada-Zentrum Moskau in Berlin bei der Vorstellung seiner Ergebnisse. Im Auftrag der deutschen Sacharow-Stiftung hat das in Russland als Auslandsagent eingestufte Institut die Weltsicht der Russen nach vier Jahren Ukraine-Krieg erforscht.

Unter den mehr als 1600 Befragten sahen 62 Prozent Polen und Litauen als feindselige Länder, gefolgt von Großbritannien (57 Prozent), Deutschland (50 Prozent), Schweden (40 Prozent). Die USA wurden überwiegend als Konkurrent eingestuft (53 Prozent). Auf die Frage nach fünf befreundeten Ländern wurden am häufigsten Belarus, China, Kasachstan, Indien und Nordkorea genannt – mit Ausnahme von Indien repressiv bis diktatorisch regierte Staaten.

„Die Menschen sind den Krieg leid“, sagte Gudkow. Die Hoffnungen seien auf US-Präsident Donald Trump übertragen worden, weil klar sei, dass Kremlchef Wladimir Putin den Krieg nicht beenden werde und daran auch nichts zu ändern sei. Die Sehnsucht nach Frieden bedeute aber keine Bereitschaft zu Kompromissen: „Die Russen sind überzeugt, dass die Ukraine aufgeben und kapitulieren wird.“

Den Krieg sehen die Russen als vom Westen aufgezwungen an. Russland sei nie ein Aggressor oder Initiator von Konflikten mit anderen Ländern gewesen – im Jahr 1998 bejahten 36 Prozent der Russen diese Aussage. Bis 2024, als die Invasion in die Ukraine schon zwei Jahre dauerte, wuchs dieser Anteil sogar auf 65 Prozent. (dpa)

Ukrainischer Außenminister: Selenskyj ist zu Treffen mit Putin bereit

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist laut seinem Außenminister bereit, mit Blick auf ein Ende des russischen Angriffskriegs direkt mit Kremlchef Wladimir Putin über heikle Fragen zu verhandeln. Im Ringen um eine Friedenslösung seien die sensibelsten Fragen noch nicht geklärt, sagte Chefdiplomat Andrij Sybiha in einem Interview mit dem ukrainischen Portal „Jewropejska Prawda“. Dabei gehe es um Gebietsfragen und das russisch besetzte Atomkraftwerk in Saporischschja. Um diese Fragen zu klären, sei Selenskyj bereit, sich mit Putin zu treffen, sagte Sybiha.

Russland verlangt für einen Waffenstillstand territoriale Zugeständnisse der Ukraine, insbesondere einen Abzug der ukrainischen Truppen aus den Gebieten Donezk und Luhansk. Das Atomkraftwerk Saporischschja ist das größte in Europa und seit März 2022 – also kurz nach Kriegsbeginn – von russischen Truppen besetzt.

Schon in der Vergangenheit hatte Selenskyj mehrfach ein Treffen mit dem russischen Staatschef gefordert, während Moskau stets bremste. Am vergangenen Wochenende verhandelten in den Vereinigten Arabischen Emiraten Unterhändler der Ukraine und Russlands unter Vermittlung der USA erstmals seit Monaten wieder direkt miteinander. Die Gespräche sollen am kommenden Sonntag in Abu Dhabi fortgesetzt werden. (dpa)

Selenskyj verurteilt Angriff auf Zug als Terrorismus

Bei einem Drohnenangriff auf einen Zug im Gebiet Charkiw sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vier Menschen getötet worden. Er wirft Russland deswegen „Terrorismus“ vor. „In jedem Land würde ein Drohnenangriff auf einen zivilen Zug genauso bewertet werden – als reiner Terrorismus“, schreibt er auf Telegram. (Reuters)

Ukraine: Verletzte nach russischem Angriff auf Passagierzug

Ein Passagierzug mit rund 300 Menschen an Bord ist nach ukrainischen Angaben in der Region Charkiw von russischen Drohnen attackiert worden. Dabei seien zwei Menschen verletzt worden, teilte der ukrainische Minister für Regionalentwicklung, Olexij Kuleba, auf der Plattform Telegram mit. Er fügte hinzu: „Es gab kein militärisches Ziel.“

Drei Drohnen der ursprünglich iranischen Bauart Schahed seien vor der Lokomotive und in einem Passagierwaggon eingeschlagen, schrieb er weiter. Die 291 Passagiere seien aus dem Zug evakuiert worden. Der Zug war demnach auf der Strecke Barwinkowe-Lwiw-Tschop in Richtung Westen unterwegs.

Schon in der Vergangenheit hatte es nach russischen Angriffen immer wieder auch Tote und Schäden im Zugverkehr und an Bahnhöfen der Ukraine gegeben. Nun schilderten ukrainische Behörden einen direkten Angriff auf einen Passagierzug. (dpa)

Dieser Videostandbildausschnitt stammt aus einem vom ukrainischen Sicherheitsdienst veröffentlichten Material und zeigt angeblich die Explosion der Kertsch-Brücke, die die Krim mit Russland verbindet.
Wegen Explosion auf Krim-Brücke verurteilt: Acht Inhaftierte fordern Freilassung

Acht Männer, die in Russland wegen des Anschlags auf die Krim-Brücke 2022 zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, fordern in einem gemeinsamen Schreiben ihre Freilassung.

Laut dem von der Menschenrechtsorganisation Memorial veröffentlichten Brief beteuern sie ihre Unschuld und erklären, „AFP“ zufolge, sie seien gewöhnliche Bürger gewesen, die nichts von den Anschlagsplänen gewusst hätten. Die Strafe bedeute für sie einen „langsamen Tod“ im Gefängnis.

Die Männer waren im November verurteilt worden, weil sie angeblich als Teil einer „organisierten kriminellen Vereinigung“ die Autobombe auf der Kertsch-Brücke mit vorbereitet hätten.

Die Explosion am 8. Oktober 2022 löste ein großes Feuer aus, beschädigte die strategisch wichtige Brücke schwer und führte zum Tod von fünf Menschen. Kiew hatte sich zu dem Angriff bekannt und erklärte, er habe die russische Logistik treffen sollen.

Mehrere der Verurteilten arbeiteten am Transport des Baumaterials, in dem der Sprengstoff versteckt war. Sie schreiben, sie hätten nichts davon gewusst und seien fälschlicherweise zu Terroristen erklärt worden. Auch im Prozess hatten alle ihre Unschuld beteuert. (AFP)

Dieser Videostandbildausschnitt stammt aus einem vom ukrainischen Sicherheitsdienst veröffentlichten Material und zeigt angeblich die Explosion der Kertsch-Brücke, die die Krim mit Russland verbindet.
Dieser Videostandbildausschnitt stammt aus einem vom ukrainischen Sicherheitsdienst veröffentlichten Material und zeigt angeblich die Explosion der Kertsch-Brücke, die die Krim mit Russland verbindet. Credit: AFP/HANDOUT
Passagierzug in Charkiw wurde offenbar bei Drohnenangriff beschädigt

Bei einem russischen Drohnenangriff in der ostukrainischen Region Charkiw ist nach Angaben der Regierung in Kiew ein Personenzug mit 291 Fahrgästen an Bord beschädigt worden. Zwei Menschen seien verletzt worden, teilt Vizeminister Olexij Kuleba mit. Er bezeichnet den Angriff mit drei Drohnen als einen „direkten Akt russischen Terrors“. (Reuters)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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