Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 12. Januar, 17:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1467
letzte Woche, 1525 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1467
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 2.1., letzte Aktualisierung: 7.1. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
759
200
47
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
654
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 2.1., letzte Aktualisierung: 7.1. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Wadephul: Deutschland und USA stehen bei Nato-Beistandspflicht zusammen

Bundesaußenminister Johann Wadephul betont nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio die Einigkeit mit den USA. Die Partnerschaft sei stark, sagt Wadephul in Washington und verweist auf ein gemeinsames Bekenntnis zu einem gerechten Frieden in der Ukraine. Man sei sich zudem einig über die Verbindlichkeit der Beistandspflicht nach Nato-Artikel 5. Dies sei ein klares Signal an Russland. Auch Grönland sei Thema des Gesprächs gewesen, sagt Wadephul weiter. Es sei Sache der Nato, die Interessen dort zu verteidigen. (Reuters)

USA verurteilen russischen Angriff mit Oreschnik-Rakete als „unerklärliche Eskalation“

Die USA haben den Angriff Russlands auf die Ukraine mit der modernen Mittelstreckenrakete Oreschnik verurteilt. „Dies ist eine weitere gefährliche und unerklärliche Eskalation, während die Vereinigten Staaten mit Kiew, anderen Partnern und Moskau zusammenarbeiten, um den Krieg durch eine Verhandlungslösung zu beenden“, sagte die stellvertretende US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Tammy Bruce, am Montag bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zum Ukraine-Krieg. (AFP)

Selenskyj: Russland bereitet erneut massiven Angriff vor

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bürger seines Landes vor einem weiteren heftigen Angriff Russlands gewarnt. Es gebe Geheimdienstinformationen, wonach Moskau erneut einen massiven Angriff vorbereite, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Konkret sprach er von Drohnen zur Ausschaltung der Flugabwehr und Raketen. Dieser Angriff könne in den nächsten Tagen geschehen, sagte er und forderte die Menschen auf, den Luftalarm zu beachten. Russland wolle die Kälte ausnutzen. In vielen Regionen der Ukraine fallen die Temperaturen nachts derzeit in den zweistelligen Minusbereich.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Selenskyj vor einem neuen massiven Angriff Moskaus in der Nacht gewarnt. Tatsächlich attackierte Russlands Militär die Ukraine in der Nacht zu Freitag heftig und setzte dabei unter anderem nach eigenen Angaben die neue Mittelstreckenrakete Oreschnik bei einem Angriff auf die westukrainische Region Lwiw ein. In der Hauptstadt Kiew kam es in der Folge des massiven Angriffs zu so heftigen Ausfällen von Strom-, Wasser- und Heizungsversorgung, dass Bürgermeister Vitali Klitschko zum vorübergehenden Verlassen der Stadt riet. Russland überzieht die Ukraine seit fast vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. (dpa)

Russische Drohnen greifen offenbar zwei Schiffe im Schwarzen Meer an

Russische Drohnen haben einem Insider zufolge zwei unter ausländischer Flagge fahrende Schiffe im Schwarzen Meer angegriffen. Die Schiffe seien in der Nähe der südukrainischen Hafenstadt Tschornomorsk gewesen, teilt eine mit dem Vorfall vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters mit. Eines der Schiffe sei auf dem Weg nach Italien gewesen. (Reuters)

Moskaus Hyperschallrakete Oreschnik traf angeblich ukrainisches Flugzeugreparaturwerk

Bei ihrem Einsatz der Hyperschallrakete Oreschnik in der westlichen Ukraine am vergangenen Freitag haben die russischen Streitkräfte nach Angaben aus Moskau eine Flugzeug-Instandsetzungsfabrik in Lwiw getroffen. „In der Nacht zum 9. Januar wurde das staatliche Flugzeugreparaturwerk in Lwiw durch das mobile bodengestützte Raketensystem Oreschnik außer Betrieb gesetzt“, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Montag.

Es war das erste Mal, dass Moskau konkrete Angaben zum Ziel des Oreschnik-Angriffs vom Freitag machte. Der Einsatz der Hyperschall-Mittelstrecken-Rakete nahe der Grenze zur EU hatte empörte Reaktionen westlicher Regierungen ausgelöst.

Die Nachrichtenagentur AFP war am Montag nicht in der Lage, die Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zum Ziel des Oreschnik-Einsatzes zu überprüfen. Ein Sprecher der ukrainischen Luftwaffe lehnte auf AFP-Anfrage einen Kommentar zu den Moskauer Angaben ab.

Die Ukraine hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Oreschnik-Rakete ein „ziviles“ Ziel in der Region Lwiw getroffen habe, ohne Details zu nennen. Auch veröffentlichte die Ukraine Bilder von Raketentrümmern. Bewohner eines Vorortes von Lwiw nahe des Flugzeugwerks berichteten AFP am Freitag von nächtlichen Explosionen und Gasausfällen.

Russischen Angaben zufolge wurde das Werk in Lwiw zur Reparatur und Wartung der sowjetischen MiG-29-Flugzeuge sowie der in den USA hergestellten F-16-Kampfjets genutzt.

Es war das zweite Mal, dass Russland die Oreschnik-Rakete in ihrer seit fast vier Jahren andauernden Offensive gegen die Ukraine einsetzte. Im August hatte der russische Präsident Wladimir Putin die Serienproduktion der Oreschnik-Raketen angekündigt, die mit einem atomaren Sprengkopf bestückt werden können. (AFP)

Mehr zu dem Vorfall können Sie hier nachlesen:

Estland verhängt Einreiseverbot gegen 261 Russen

Estland hat Einreiseverbote gegen 261 Russen verhängt, die am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beteiligt und im Kriegseinsatz an der Front waren.

„Es besteht kein Zweifel, dass es sich hier um Personen mit einer feindseligen Haltung gegenüber Europa handelt. Sie verfügen über Kampferfahrung, militärische Ausbildung und oft auch über eine kriminelle Vergangenheit. Darüber hinaus sind sie psychisch traumatisiert“, begründete Innenminister Igor Taro den Schritt. Demnach handelt es sich um die ersten Einreiseverbote, denen weitere folgen sollen.

Die Einreiseverbote seien unausweichlich, da diejenigen, die im Namen von Russlands Präsidenten Wladimir Putin Gräueltaten in der Ukraine begangen hätten, keinen Platz in der freien Welt hätten. „Die von ihnen ausgehende Bedrohung ist nicht theoretischer Natur – sie umfasst sowohl die mögliche Ausführung von Aufträgen für russische Geheimdienste als auch die Beteiligung an organisierter Kriminalität“, wurde Taro in einer Mitteilung zitiert.

Außenminister Margus Tsakhna betonte, dass vormalige Kriegsteilnehmer nichts in Estland und im Schengenraum zu suchen hätten und die jetzigen Einreiseverbote nur der Anfang seien. „Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Tür für russische Ex-Kämpfer geschlossen bleibt, und rufen andere Länder auf, es uns gleichzutun“, schrieb er auf der Plattform X.

Nach Angaben des Innenministeriums haben schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen russische Staatsbürger an Russlands bewaffneter Aggression in der Ukraine teilgenommen. Davon seien etwa 640.000 noch immer an der Front. (dpa)


Messerangriff in Schule: Ukrainischer Jugendlicher verletzt Lehrer und Mitschüler

Ein ukrainischer Jugendlicher hat am Montag in einer Schule in Kiew einen Lehrer und einen Mitschüler mit einem Messer verletzt. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, wurde der 14-Jährige festgenommen. Der Teenager hatte sich den Angaben zufolge auf der Schultoilette eine Maske und einen Helm aufgesetzt und war dann in ein Klassenzimmer gestürmt, wo er einen 39-jährigen Lehrer und einen 14-jährigen Mitschüler mit einem Messer attackierte. Anschließend verletzte er auch sich selbst.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die beiden Opfer und der Angreifer zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Der Lehrer hat demnach lebensgefährliche Verletzungen erlitten.

Die Ermittler gehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hinweisen nach, wonach der Junge unter russischem Einfluss stand. Auf seinem Handy wurde demnach „Korrespondenz“ mit „unbekannten Personen“ gefunden, „wahrscheinlich Vertreter der russischen Geheimdienste“.

Auf Fotos, die von der Polizei veröffentlicht wurden, ist ein Jugendlicher mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Hitler kaputt“ zu sehen. Diese Parole hatten sowjetische Soldaten 1945 nach dem Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gerufen. (AFP)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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