Die EU muss nach Darstellung der österreichischen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger bereit sein, mit Russland zu sprechen. Um europäische Interessen zu vertreten, sollte die EU ein Verhandlungsteam oder einen Sondergesandten nominieren, sagt sie in dem Podcast Table.Today. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Regierung in Moskau zu ernsthaften Friedensgesprächen bereit sei. Zudem spricht sich Meinl-Reisinger für den Aufbau einer europäischen Armee aus. Die EU brauche eigene Kommandostrukturen und mehr Autonomie bei der Verteidigung, da die Verlässlichkeit der USA brüchig geworden sei. Dies sei jedoch nicht als Alternative zur Nato gedacht. (Reuters)
Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion
Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.
Die Entwicklung der Kämpfe
Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:
Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.
Live-Newsblog
Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:
Russland hat die Ukraine massiv mit Drohnen und Raketen angegriffen. Mindestens ein Mensch sei getötet worden, teilten die ukrainischen Behörden am Donnerstag mit. Dutzende Menschen seien verletzt, mehrere Gebäude beschädigt worden. Insgesamt habe Russland seit Mittwoch Mitternacht mehr als 1560 Drohnen gegen ukrainische Städte und Gemeinden eingesetzt, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Online-Plattform X. „Das sind ganz sicher nicht die Taten derer, die glauben, der Krieg gehe zu Ende“, schrieb er mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der sich unlängst so geäußert hatte.
Allein in der Nacht zum Donnerstag haben die russischen Streitkräfte nach ukrainischen Angaben mit 675 Drohnen und 56 Raketen angegriffen. 652 Drohnen und 41 Raketen seien abgefangen worden, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. An 24 Standorten in der Ukraine seien 38 Treffer registriert worden. An weiteren 18 Standorten seien Schäden durch herabfallende Geschosstrümmer entstanden.
Die ukrainische Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko sagte, der russische Angriff habe auf zivile Infrastruktur und Wohngebäude gezielt. Vom staatlichen Katastrophenschutz veröffentlichte Bilder zeigten Rettungskräfte, die in den Trümmern eines eingestürzten Wohnhauses nach Überlebenden suchten. Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, es seien bereits elf Menschen gerettet worden. (Reuters)
Die Slowakei hat am Mittwoch kurzzeitig ihre Grenze zur Ukraine geschlossen. Die Grenzpolizei teilte in Onlinediensten mit, die Grenzübergänge seien für etwa zwei Stunden geschlossen und dann wieder geöffnet worden. Die slowakische Zollbehörde hatte zuvor mitgeteilt, die Grenzübergänge seien aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Zuvor hatte es russische Angriffe auf die westukrainische Stadt Uschhorod gegeben, die an der Grenze zur Slowakei liegt.
Es waren die heftigsten Angriffe auf Uschhorod seit Kriegsbeginn, aus der Stadt wurden mehrere Drohnenangriffe und Explosionen gemeldet.
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hatte Russland die Ukraine am Mittwoch mit mindestens 800 Drohnen beschossen und dabei mindestens sechs Menschen getötet. Betroffen war auch das Grenzgebiet zu Ungarn, wo eine ungarische Minderheit lebt. Ungarns Außenministerin Anita Orban kritisierte die russischen Angriffe daher „auf das Schärfste“.
Ungarn bestellt nach dem russischen Drohnenangriff auf die Westukraine den Botschafter Moskaus ein. Außenministerin Anita Orban werde die Attacke bei dem Gespräch verurteilen und den Gesandten fragen, wann Russland den mehr als vier Jahre andauernden Krieg beenden wolle, sagt der neue Ministerpräsident Peter Magyar. (dpa/Reuters),

Die lettische Regierung hat am Mittwoch einen wichtigen Koalitionspartner verloren, nachdem Ministerpräsidentin Evika Silina als Reaktion auf den Absturz zweier ukrainischer Drohnen in Lettland ihren Verteidigungsminister zum Rücktritt gezwungen hatte. Die Partei von Verteidigungsminister Andris Spruds, die Progressiven, entzog Silina ihre Unterstützung, woraufhin die Opposition ein Misstrauensvotum ankündigte.
Die seit 2023 regierende Mitte-Rechts-Regierung hängt damit am seidenen Faden. Ohne die neun Abgeordneten der Progressiven hat die Regierung nur noch 41 von 100 Sitzen im Parlament, während die Opposition über 47 Sitze verfügt.
Silina hatte Spruds zum Rücktritt aufgefordert, weil er nicht in der Lage sei, den lettischen Luftraum vor dem Eindringen ausländischer Drohnen zu schützen. Silina schlug die Ernennung eines Militärs zum neuen Verteidigungsminister vor. Dies habe Spruds Partei aber abgelehnt, erklärte sie. Die Regierungschefin kündigte am Mittwochabend im Onlinedienst X Gespräche mit dem Vorstand und Abgeordneten ihrer Partei sowie den verbleibenden Koalitionspartnern an.
Lettlands Präsident Edgars Rinkevics sagte, er habe „die politische Lage“ zur Kenntnis genommen, und kündigte an, er werde am Freitag die Vorsitzenden aller im Parlament vertretenen Parteien treffen.
Im Zuge des Ukraine-Krieges sind bereits mehrere Drohnen aus Russland und der Ukraine in den Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen abgestürzt. Die drei ehemaligen Sowjetrepubliken und heutigen EU- und Nato-Staaten gehören zu den stärksten Unterstützern der Ukraine.
Kürzlich waren ukrainische Drohnen in Estland und in Litauen abgestürzt, als die Ukraine einen russischen Hafen in der Nähe von St. Petersburg ins Visier genommen hatte. Zwei ukrainische Drohnen überquerten am 7. Mai die russisch-lettische Grenze und stürzten in Lettland ab, mutmaßlich nachdem deren Steuerung durch die russische Luftabwehr gestört worden war.
Eine der Drohnen traf ein Öllager in Rezekne im Osten des Landes, wo ein Brand ausbrach, der von der Feuerwehr schnell gelöscht werden konnte. Eine weitere ukrainische Drohne war am 25. März in Lettland abgestürzt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte am Mittwoch nach einem Treffen mit dem lettischen Präsidenten Rinkevics in Bukarest in Onlinediensten mit, Kiew werde Experten nach Lettland schicken, um die Luftabwehr des Landes zu unterstützen. Zudem kündigte er die Unterzeichnung eines „Abkommens im Format Drone Deal“ an, „um ein mehrschichtiges Luftabwehrsystem gegen unterschiedliche Bedrohungsarten zu errichten“, erklärte Selenskyj. Es sei „wichtig, zusammenzuarbeiten, um die Verteidigung Europas zu stärken“.
Rinkevics bestätigte „den Einsatz ukrainischer Experten und Ausrüstung bei der Modernisierung der lettischen Luftabwehrkapazitäten“. Ein Abkommen über eine langfristige Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich werde vorbereitet. (AFP)

Bei einem russischen Drohnenangriff auf die Ukraine sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Die bei Tageslicht geflogenen Angriffe zielten auf kritische Infrastruktur im Westen des Landes und veranlassten das Nachbarland Polen, vorsorglich Kampfjets aufsteigen zu lassen, wie die polnische Armee am Mittwoch mitteilte. Der Luftraum des Nato-Mitglieds sei jedoch nicht verletzt worden.
Die ungarische Außenministerin Anita Orban verurteilte die Angriffe und kündigte an, diese würden Thema bei der ersten Kabinettssitzung der neuen Regierung im Laufe des Tages sein. Die Slowakei teilte mit, aus Sicherheitsgründen ihre Grenze zum Westen der Ukraine zu schließen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zu Beginn der Welle von mehr als 100 russischen Drohnen im Luftraum und später von mehr als 800. Russland setze seine Angriffe rücksichtslos fort und nehme dabei gezielt die Eisenbahninfrastruktur sowie zivile Einrichtungen ins Visier, erklärte Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Es sei wichtig, jeden Angriff entschlossen abzuwehren und nicht über den russischen Krieg zu schweigen.
Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR teilte mit, der Angriff solle die ukrainische Luftverteidigung überlasten. Die Behörde warnte vor nachfolgenden Raketenangriffen und einem möglicherweise länger andauernden Beschuss. Ziel seien Energieanlagen, Rüstungsbetriebe und Regierungsgebäude in Großstädten.
Es war der erste derart schwere Angriff seit dem Ende einer von den USA vermittelten, kurzzeitigen Feuerpause. Einem Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums zufolge zeigt das Vorgehen, wie Moskau seine Taktik anpasst. Dieses Mal sei eine große Zahl von Drohnen in einer Entfernung von fünf bis zehn Kilometern entlang der Grenze zu Belarus geflogen, um die Luftverteidigung zu umgehen und in die westlichen Regionen vorzudringen. (Reuters)
Bei einem russischen Drohnenangriff im Westen der Ukraine am helllichten Tag sind ukrainischen Angaben zufolge mindestens drei Menschen getötet worden – landesweit gab es bei Angriffen am Mittwoch den Behörden zufolge zudem mehrere Verletzte. Bei dem Angriff in der westlichen Region Riwne seien drei Menschen getötet und mehrere weitere Menschen verletzt worden, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleksandr Kowal, auf Telegram mit.
In der Hauptstadt Kiew gab es mehrfach Luftalarm, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP mitteilten. Menschen suchten in U-Bahn-Stationen Zuflucht. Ein Luftalarm dauerte eineinhalb Stunden, die Luftabwehr war im Einsatz.
Um die Mittagszeit herrschte einer live aktualisierten Karte zufolge in mehr als der Hälfte der ukrainischen Regionen Luftalarm.
„Seit heute früh gilt in der Region Tscherkassy Luftalarm“, teilte der Regionalgouverneur Ihor Taburets auf Telegram mit. Drei Menschen wurden seinen Angaben zufolge verletzt.
Drei weitere Menschen wurden laut Behörden in der westlichen Region Chmelnyzkyj verletzt, zwei weitere Verletzte gab es in der südlichen Region Odessa. In der Region Cherson nahe der Front im Südosten wurden mehr als zehn Menschen verletzt. Neun von ihnen seien verletzt worden, als ein Bus einer Kommunalbehörde getroffen wurde, teilten die Behörden mit.
Der Militärgeheimdienst in Kiew hatte zuvor gewarnt, russische Streitkräfte hätten einen „anhaltenden Luftangriff auf wichtige Einrichtungen in der Ukraine“ gestartet.
Moskau greift seit mehr als vier Jahren ukrainische Städte mit Drohnen und Raketen an. Während die Angriffe bisher vorwiegend nachts erfolgten, haben Attacken am helllichten Tage jüngst zugenommen. (Reuters)

Die russischen Streitkräfte dürfen künftig mit Erlaubnis von Kremlchef Wladimir Putin auch im Ausland inhaftierte Staatsbürger des Landes befreien. Das russische Parlament verabschiedete eine bereits im März angekündigte Gesetzesänderung, wie Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin sagte. „Die westliche ‚Justiz‘ hat sich zu einer Repressionsmaschine entwickelt, die gegen diejenigen vorgeht, die mit den von EU-Beamten aufgezwungenen Entscheidungen nicht einverstanden sind“, begründete er die Initiative. „Unter diesen Umständen ist es wichtig, alles zu tun, damit unsere Bürger im Ausland geschützt sind.“
Voraussetzung für einen solchen Militäreinsatz zur Befreiung eines Bürgers wäre ein Befehl Putins. Er muss die Gesetzesänderungen noch absegnen. Das gilt als Formalie. Putin verschafft sich so selbst auch einen besseren Schutz.
Der Präsident ist wegen des Vorwurfs der Kriegsverbrechen in der Ukraine vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Fahndung ausgeschrieben. Sollten Putin oder andere Bürger des Landes aus Sicht des Moskauer Machtapparats zu Unrecht verurteilt und inhaftiert werden, ist künftig ein Armeeeinsatz zu ihrer Befreiung möglich.
Unabhängige russische Juristen sehen die Änderungen in dem Gesetz als Abschreckung. Sie erwarten keine tatsächliche Anwendung. Russland presst Bürger bisher auch immer wieder im Zuge von Gefangenenaustauschen frei.
Schon bisher erlaubt Moskaus Militärdoktrin den Einsatz der Streitkräfte zum dort so bezeichneten Schutz eigener Bürger im Ausland – wie bei dem von Putin 2022 befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine, wo im Osten des Landes viele Bewohner russische Pässe erhalten hatten. Nun soll der „Schutz“ auch für jene gelten, die aufgrund von Entscheidungen ausländischer Gerichte oder internationaler Justizbehörden ohne Beteiligung Russlands festgenommen, verhaftet oder anderweitig verfolgt werden.
In der Konfrontation mit dem Westen hatte Putin zudem ein Gesetz unterzeichnet, nach dem Urteile ausländischer Gerichte nicht umgesetzt werden, wenn diese den Interessen Russlands widersprechen. So hält sich Russland zum Beispiel nach seinem Zerwürfnis mit dem Europarat nicht mehr an die Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Auch den Strafgerichtshof in Den Haag erkennt Russland nicht als juristische Instanz an. (dpa)
Unterstützungszahlungen
Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.
Folgen des Krieges
Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht: