Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 08. März, 11:10 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1682
letzte Woche, 1603 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1682
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 27.2., letzte Aktualisierung: 4.3. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
947
200
92
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
630
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 27.2., letzte Aktualisierung: 4.3. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Kiew protestiert gegen Moskaus Teilnahme an Biennale in Venedig

Die Ukraine protestiert gegen die geplante Wiedereröffnung des russischen Pavillons bei der Kunstbiennale in Venedig. In einer in Kiew veröffentlichten Erklärung nannten Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna die Zulassung russischer Künstler zu internationalen Veranstaltungen inakzeptabel. Sie forderten die Organisatoren auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Immerhin hätten sie schon kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren Moskaus Aggression verurteilt.

„Wir verstehen nicht, warum die Organisatoren ihre Position jetzt ändern, wo Russland sich weigert, den Krieg zu beenden, Friedensbemühungen und Dialog ablehnt und weiterhin auf Terror und Gräueltaten setzt“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Der Kulturbereich müsse geschützt werden vor Kriegspropaganda.

Russland hatte zuvor erklärt, in diesem Jahr wieder an der Biennale di Venezia teilzunehmen und seinen Pavillon dort mit Arbeiten einheimischer Künstler zu bestücken. Dagegen teilten Sybiha und Bereschna nun mit, dass die designierte Leiterin des russischen Pavillons, Anastassia Karnejewa, zur Rüstungsindustrie ihres Landes Kontakte habe. Das unterstreiche, „dass Kultur in Russland untrennbar mit dem militaristischen Regime verbunden ist“. (dpa)

Selenskyj: Ukrainische Drohnenexperten „kommende Woche“ im Nahen Osten

Ukrainische Drohnenexperten werden nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj ab kommender Woche im Nahen Osten sein, um die Golfstaaten beim Abfangen iranischer Drohnen zu unterstützen. „Sie werden sich die Situation anschauen und helfen“, sagte Selenskyj am Sonntag bei einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit dem niederländischen Regierungschef Rob Jetten in Kiew. „Wir hätten sehr gerne, dass das eine Chance für beide Seiten ist.“

Selenskyj hatte den US-Verbündeten in der Golfregion am Dienstag angeboten, im Tausch gegen Luftabwehrraketen ukrainische Abfangdrohnen zu liefern. Die Ukraine hat einen Mangel an teuren PAC-3-Raketen aus den USA für das Patriot-Luftabwehrsystem – und befürchtet eine Verschlimmerung der Engpässe, sollte sich der Iran-Krieg in die Länge ziehen.

Zugleich versuchen sich die Golfstaaten vor Angriffen mit iranischen Schahed-Drohnen zu schützen. Die Ukraine verfügt über umfangreiche Erfahrung bei der Abwehr von Kampfdrohen dieser Bauart, da Russland sie fast täglich für seine Luftangriffe auf ukrainische Ziele nutzt. Kiew hat eine Reihe günstiger und effektiver Abfangdrohnen entwickelt.

Selenskyj argumentiert, die Abfangdrohnen würden den Golfstaaten einen besseren Schutz vor den iranischen Schahed-Drohnen bieten als Luftabwehrraketen. Bislang gibt es weder von US-Seite noch von den Golfstaaten eine offizielle Bestätigung, dass die Ukraine um Hilfe gebeten wurde. (AFP)

Russische Angriffe beschädigen ukrainische Gasanlagen

Russland greift nach Angaben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz seit zwei Tagen Gasförderanlagen in der zentralukrainischen Region Poltawa an. Eine Reihe kritischer Infrastruktureinrichtungen sei abgeschaltet worden, teilt das Unternehmen mit. „Schäden und Verluste wurden gemeldet“, heißt es weiter. Die wichtigsten ukrainischen Gasfelder befinden sich in der Region Poltawa sowie im Nordosten des Landes in der an Russland grenzenden Region Charkiw. (Reuters)

Ölterminal in Südrussland nach Drohnenangriff in Brand

Nach einem Drohnenangriff ist örtlichen Behörden zufolge in einem Ölterminal in der südrussischen Region Krasnodar ein Feuer ausgebrochen. Die Einsatzzentrale der Region schreibt auf Telegram, 91 Feuerwehrleute würden den Brand in Armavir bekämpfen. Es gebe keine Verletzten. Die Ukraine, deren Streitkräfte in der Vergangenheit wiederholt russische Ölanlagen angegriffen haben, äußert sich zunächst nicht. Frühere Angriffe hatte die die Ukraine unter anderem damit begründet, die Handlungsfähigkeit Russlands in dessen Angriffskrieg dadurch einzuschränken. (Reuters)

Russland meldet Schäden nach ukrainischen Angriffen

Die Ukraine hat bei Gegenangriffen im grenznahen russischen Gebiet Belgorod erneut Energieanlagen und im Gebiet Krasnodar ein Öldepot getroffen. In Belgorod berichtete Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow von schweren Schäden an der Energieinfrastruktur und Stromausfällen nach einem ukrainischen Raketenangriff. Es gebe auch Probleme bei der Wasser- und Wärmeversorgung. In Armawir im Gebiet Krasnodar brach in einem Öllager nach einem Drohnenangriff ein Feuer auf einer Fläche von 700 Quadratmetern aus. Es gebe keine Verletzten, hieß es.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Morgen mit, dass die Flugabwehr 72 ukrainische Drohnen unschädlich gemacht habe. Überprüfbar sind die Angaben von unabhängiger Seite nicht. (dpa)

Schweden: Festgesetztes Schiff in Ostsee unter falscher Flagge

Ein in der Ostsee von schwedischen Behörden festgesetztes Schiff ist der Polizei zufolge unter falscher Flagge gefahren. Es bestehe der Verdacht auf Verletzung des Seerechts und mangelnde Seetüchtigkeit, teilt die Polizei mit. Es lägen zudem Informationen vor, dass das Schiff auf der Ukraine-Sanktionsliste stehe, sagt der stellvertretende Leiter der nationalen Einsatzabteilung, Johan Andersson. Die bisherigen Ermittlungen erhärteten den Verdacht auf erhebliche Sicherheitsmängel bei dem Frachter, der am Freitag festgesetzt wurde. Die meisten der elf Besatzungsmitglieder seien russische Staatsbürger. (Reuters)

Ukraine bietet den Golfstaaten Drohnen-Know-how gegen Geld an

Laut „Politico“ verhandelt die Ukraine mit Golfstaaten über den Einsatz ihrer im Krieg erprobten Anti‑Drohnen-Technologie gegen iranische Angriffe. Ziel ist es, dringend benötigtes Geld für die ukrainische Verteidigungsindustrie zu erhalten. Parallel führen die USA demnach Gespräche mit der Ukraine über deren Drohnenabwehr, was Selenskyj laut „Politico“ vorübergehend etwas mehr Einfluss in Washington verschaffen könnte.

Die EU‑Hilfen in Höhe von 90 Milliarden Euro sind wegen des Vetos von Viktor Orbán blockiert, und die Ukraine benötigt dringend mehr amerikanische Raketen für ihre Patriot‑Flugabwehrsysteme. Zwei hochrangige ukrainische Beamte bestätigten „Politico“, dass es Gespräche mit Golfstaaten und den USA gibt, aber noch keine Vereinbarungen.

Ein Vertreter der ukrainischen Rüstungsindustrie sagte „Politico“, viele Länder – auch die USA – hätten Interesse an ukrainischen Lösungen zur Abwehr iranischer Shahed‑Drohnen. Selenskyj erklärte auf X, die USA hätten die Ukraine um Unterstützung beim Schutz vor Shaheds im Nahen Osten gebeten.


Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
Mehr anzeigen
Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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