Krieg in der Ukraine: Aktuelle Karten, Grafiken und Nachrichten zur russischen Invasion

aktualisiert am 29. Januar, 09:00 Uhr
Eine interaktive Karte, die den aktuellen Verlauf der Front im Ukraine-Krieg zeigt, Regionen, an denen es derzeit starke Angriffe gibt, sowie die von Russland besetzten Gebiete. Über der Karte befindet sich ein Newsblog, der die wichtigsten Geschehnisse des Tages zusammenfasst. Mithilfe eines Sliders lässt sich in der Zeit zurückgehen, sodass man die Entwicklung des Frontverlaufs seit Kriegsbeginn verfolgen kann.

Die Karte gibt einen möglichst aktuellen und sachlichen Überblick der Situation in der Ukraine. Sie zeigt, welche Gebiete russische Streitkräfte oder Separatisten großteils kontrollieren und welche Gebiete die Ukraine weiterhin verteidigen kann oder zurückerobert.

Die Entwicklung der Kämpfe

Genaue Informationen zur tatsächlichen Anzahl von Kämpfen, Beschuss und Schlachten am Boden zu bekommen ist extrem schwer. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation ACLED wertet deshalb tausende Berichte zu Konfliktereignissen von verschiedenen ukrainischen und internationalen Quellen aus. Dazu kooperiert die NGO auch mit lokalen Projekten in der Ukraine, die Informationen vor Ort beisteuern. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen:

So verändert sich die Zahl der Angriffe
1606
letzte Woche, 1554 in der Vorwoche
250
500
750
1000
1606
2022
2023
2024
2025
Kampfhandlungen beider Seiten pro Woche, Datenstand: 23.1., letzte Aktualisierung: 28.1. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Diese Erhebungen enthalten auch Informationen zur Art der Angriffe. Und es ist vermerkt, welche Kriegspartei wen angegriffen hat.

Der Krieg wird vor allem auf Distanz geführt
Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe von russischer und ukrainischer Seite
200
400
600
800
862
200
88
Bodenkämpfe (beider Armeen)
200
400
650
2022
2023
2024
2025
Angriffe nach Kriegspartei und Art, Datenstand: 23.1., letzte Aktualisierung: 28.1. Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe umfassen Ereignisse, in denen ein Ziel aus der Ferne angegriffen wurde. Bodenkämpfe umfassen direkte Zusammenstöße beider Armeen. Bereits vor dem russischen Einmarsch kam es in den Separatistengebieten zu Angriffen.

Live-Newsblog

Alle aktuellen Reaktionen, Entwicklungen und Verhandlungen zur Ukraine-Krise lesen Sie in unserem Nachrichtenblog:

Rettungskräfte stellen in Kiew Zelte auf, in denen sich Bewohner benachbarter Wohnhäuser aufwärmen und nachts schlafen können (Archivbild).
Klitschko: Noch über 450 Wohnblöcke ohne Heizung in Kiew

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind mehr als 450 Wohnblöcke weiter ohne Fernwärme. Im besonders betroffenen Stadtteil Trojeschtschyna seien am Morgen 100 Häuser wieder an die Wärmeversorgung angeschlossen worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko bei Telegram mit. Dennoch befänden sich weiter die meisten der ungeheizten Häuser in diesem nordöstlichen Stadtbezirk.

Russland hat zu Jahresbeginn seine Attacken aus der Luft auf Kiew noch einmal verstärkt. Großangriffe gab es am 9. und 13. Januar. Nach erneutem Beschuss der Heizkraftwerke am Samstag waren etwa 6000 Wohnblöcke und damit gut die Hälfte der Millionenstadt bei teils zweistelligen Minusgraden ohne Fernheizung. Der Stromversorger musste zu Notabschaltungen greifen. Erst am Donnerstagmorgen wurden wieder planmäßige Stromsperren eingeführt, wodurch viele Kiewer zumindest wieder fünf bis acht Stunden Elektrizität täglich haben.

Nach zwei Tagen mit leicht über null Grad werden für das Wochenende wieder starke Fröste mit teilweise unter minus 20 Grad in der Nacht erwartet. Klitschko hatte die Einwohner bereits aufgefordert, wenn möglich, Kiew zumindest für kurze Zeit zu verlassen. (dpa)

Rettungskräfte stellen in Kiew Zelte auf, in denen sich Bewohner benachbarter Wohnhäuser aufwärmen und nachts schlafen können (Archivbild).
Rettungskräfte stellen in Kiew Zelte auf, in denen sich Bewohner benachbarter Wohnhäuser aufwärmen und nachts schlafen können (Archivbild). Credit: dpa/AP/Dan Bashakov
Trump spricht von Zusage Putins: Eine Woche keine Angriffe auf Kiew

Russlands Staatschef Wladimir Putin hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump zugesagt, die Angriffe auf Kiew und weitere ukrainische Städte für eine Woche auszusetzen. „Ich habe Präsident Putin persönlich gebeten, eine Woche lang nicht auf Kiew und die anderen Städte zu schießen“, sagte Trump am Donnerstag bei einer Kabinettssitzung in Washington und fügte an: „Und er hat dem zugestimmt, und ich muss Ihnen sagen, das war sehr nett.“

Als Grund nannte Trump die außergewöhnliche Kälte in der Region. Eine russische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor. Aus Trumps Ausführungen ging nicht hervor, wann genau der Zeitpunkt für den Start für eine angebliche Angriffspause infrage kommen könnte.

Mit Blick auf die Menschen in der Ukraine sagte Trump: „Sie haben noch nie so unter der Kälte gelitten.“ Russland hat in den vergangenen Wochen verstärkt das ukrainische Energienetz bombardiert. Durch die Attacken waren Tausende Haushalte bei eisigen Temperaturen immer wieder ohne Strom und ohne Heizung. (AFP/Reuters/dpa)

Blick auf die Baustelle für den künftigen Standort der Bundeswehr-Brigade (Archivbild)
Kampftruppenbataillone der Brigade Litauen unterstellt

Der für den verstärkten Schutz der Nato-Ostflanke aufgebauten Panzerbrigade 45 „Litauen“ sind die ersten Kampftruppenbataillone unterstellt worden. Der Schritt wurde mit einem feierlichen Appell im unterfränkischen Veitshöchheim vollzogen, wie die Bundeswehr mitteilte.

Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach und das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf bleiben zunächst noch in Deutschland und sollen ganz nach Litauen verlegt werden, wenn der baltische Staat die Infrastruktur dafür gebaut hat.

Bis 2027 soll die Panzerbrigade 45 von aktuell rund 500 Männern und Frauen auf rund 5000 Soldaten sowie zivile Mitarbeiter aufwachsen. Sie untersteht der 10. Panzerdivision mit Sitz des Stabes in Veitshöchheim. (dpa)

Blick auf die Baustelle für den künftigen Standort der Bundeswehr-Brigade (Archivbild)
Blick auf die Baustelle für den künftigen Standort der Bundeswehr-Brigade (Archivbild) Credit: dpa/Alexander Welscher
Die Europäische Union hat Russland wegen des Risikos von Geldwäsche auf ihre schwarze Liste gesetzt.

„Dies wird Transaktionen mit russischen Banken verlangsamen und verteuern“, sagt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Die Aufnahme auf die Liste verpflichtet Banken und andere Unternehmen in der EU, bei Finanzgeschäften mit dem betreffenden Land verstärkte Sorgfaltsprüfungen vorzunehmen. (Reuters)

Kiew in Kontakt mit Musk wegen russischer Nutzung von Starlink für Drohnen

Nach Berichten über Angriffe russischer Drohnen unter Nutzung von Starlink-Satelliten hat die Ukraine eigenen Angaben zufolge den US-Milliardär Elon Musk kontaktiert, dessen Raumfahrtunternehmen SpaceX das Satellitennetzwerk Starlink betreibt. „Innerhalb weniger Stunden, nachdem russische Drohnen mit Starlink-Verbindung über ukrainischen Städten aufgetaucht waren, hat das Team des Verteidigungsministeriums Kontakt zu SpaceX aufgenommen und Lösungsvorschläge gemacht“, erklärte Verteidigungsminister Mychailo Fedorow am Donnerstag in Onlinediensten.

„Ich bin SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell und Elon Musk dankbar für ihre schnelle Reaktion“, fügte der Minister hinzu.

Federow und das in Washington ansässige Institut für Kriegsstudien (ISW) hatten Anfang der Woche bekannt gegeben, dass die russische Armee Starlink-Satelliten nutzt, um ihre Drohnen tief in ukrainisches Gebiet zu steuern.

„Die russischen Streitkräfte nutzen zunehmend Starlink-Satellitennetzwerke, um die Reichweite ihrer BM-35-Angriffsdrohnen zu vergrößern und Mittelstreckenangriffe im Inneren der Ukraine durchzuführen“, erklärte das ISW.

Eine mit Starlink verbundene BM-35-Drohne habe vermutlich eine Reichweite von 500 Kilometern, was den größten Teil der Ukraine, ganz Moldau und einige Regionen Polens, Rumäniens und Litauens in Reichweite dieser Drohnen bringe, wenn sie aus Russland oder der russisch besetzten Ukraine gestartet werden, hieß es weiter. (AFP)

Russische Truppen rücken offenbar in zwei Regionen vor

Russische Streitkräfte sollen Fortschritte in Donezk und Charkiw erzielt haben, berichtet das militärische, ukrainische Analyseportal DeepState. Demnach gelang es russischen Einheiten, Gebiete entlang des Flusses Wowtscha östlich der Stadt Wowtschansk in der Region Charkiw unter ihre Kontrolle zu bringen.

Zudem meldet DeepState weitere Vorstöße russischer Truppen in der Region Donezk, insbesondere in der Nähe der Ortschaften Droniwka und Paseno. Beide Orte liegen auf dem Weg zur Slawjansk-Kramatorsk-Agglomeration, betont das Analyseportal.

Am Vortag hatte das Nachrichtenportal „Ukrajinska Prawda“ unter Berufung auf Militärkreise berichtet, dass es russischen Truppen gelungen sei, die Stadt Myrnohrad in der Region Donezk nahezu vollständig unter Kontrolle zu bringen. Demnach seien dort bereits eine Kommandantur, Artillerieeinheiten sowie Stäbe stationiert worden. (Valeriia Semeniuk)

Peskow: Gespräche zwischen Putin und Selenskyj derzeit nur in Moskau möglich

Der Sprecher des russischen Präsidenten erklärte, dass Gespräche zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj derzeit ausschließlich in Moskau möglich seien. Diskussionen über einen anderen Verhandlungsort seien derzeit nicht angebracht, sagte Dmitri Peskow auf eine Anfrage der staatlichen Nachrichtenagentur TASS zu möglichen Gesprächen auf höchster Ebene in Abu Dhabi. „Wir sprechen derzeit von Moskau. Wie Diplomaten sagen, sind hypothetische Überlegungen hier nicht angebracht“, betonte der Kremlsprecher.

Zuvor hatte der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, erklärt, Selenskyj sei nach Moskau eingeladen worden. Ihm würden dort Sicherheitsgarantien sowie die notwendigen Arbeitsbedingungen zugesichert. (Valeriia Semeniuk)

Unterstützungszahlungen

Ob die Ukraine langfristig eine Chance gegen die übermächtigen russischen Streitkräfte hat, hängt davon ab, wie viel Ausrüstung und finanzielle Unterstützung sie bekommt. Die folgende Grafik gibt einen Überblick, welche Staaten bisher wie viel Unterstützung leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Internationale Unterstützung für die Ukraine
Bisherige Gesamtsumme zugesagter Hilfen: 387,58 Mrd. €
absolut
pro Kopf
in % des BIP
Direkte bilaterale Hilfen
Hilfen über die EU
Australien
1,01
Österreich
3,7
Belgien
6,01
Bulgarien
0,7
Kanada
12,39
Kroatien
0,75
Zypern
0,18
Tschechien
2,92
Dänemark
12,19
Estland
1,4
Finnland
4,9
Frankreich
26,5
Deutschland
47,95
Griechenland
1,48
Ungarn
1,09
Island
0,075
Irland
2,07
Italien
15,77
Japan
16,84
Lettland
0,79
Litauen
1,42
Luxemburg
0,68
Malta
0,095
Niederlande
15,6
Neuseeland
0,061
Norwegen
14,99
Polen
9,07
Portugal
2,11
Südkorea
3,05
Rumänien
2,1
Slowakei
1,4
Slowenien
0,45
Spanien
12,29
Schweden
13,39
Schweiz
5,76
Türkei
0,071
UK
27,25
USA
118,99 Mrd. €
China
0,0023
Taiwan
0,084
Indien
0,0027
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Die zugesagten Hilfen pro Land umfassen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung. Die Daten umfassen den Zeitraum vom 24.1.2022 bis zum 28.02.2025.

Folgen des Krieges

Seit der Invasion flüchten Menschen aus der Ukraine in die Nachbarländer. In manchen Ländern suchen bisher besonders viele Menschen Zuflucht:

Wohin Menschen aus der Ukraine fliehen
Geflüchtete gelten als registriert, wenn sie unter dem temporären Schutz eines Drittstaates stehen. Eine Person wird in der Regel nur einmal erfasst. Grenzübertritte sind Übergänge von der Ukraine in einen Nachbarstaat. Eine Person kann hier mehrfach erfasst werden. Alle Daten werden ab dem 24. Februar 2022 erhoben. Ein Punkt repräsentiert 8000 Personen.
Daten: UNHCR

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