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Alle Berliner Schulen im Vergleich 2025: An welchen Schulen gibt es die besten Abiturnoten?

Welche Schulen und Fächer glänzen 2025 mit den besten Abiturnoten? Was steckt dahinter? Daten zeigen, wie stark sich Berlins Schulen unterscheiden und wer sich verbessert hat. Alle Noten und Durchfallquoten – Schule für Schule.
Welche Schulen und Fächer glänzen 2025 mit den besten Abiturnoten? Was steckt dahinter? Daten zeigen, wie stark sich Berlins Schulen unterscheiden und wer sich verbessert hat. Alle Noten und Durchfallquoten – Schule für Schule.
Eine interaktive Karte, die für jede Schule Berlins die Durchschnitts-Abiturnote zeigt, zusätzlich kann betrachtet werden, wie viel Prozent der Schüler an welcher Schule durch die Abiturprüfung gefallen sind.

Es ist nur eine Zahl. Dennoch kann die Abiturnote den Werdegang eines jungen Menschen maßgeblich beeinflussen. Etwa, wenn ein Abiturient ein begehrtes Studienfach, wie Medizin oder Psychologie, anstrebt. In welcher Stadt wird man studieren? Auch bei dieser wegweisenden Frage kann eine höhere Ziffer vor oder hinter dem Komma entscheidend sein. Die meisten Studienfächer an beliebten Universitäten werden über einen Numerus Clausus vergeben.

Doch an welchen Berliner Schulen werden die besten Abschlussnoten vergeben? Und wo fallen besonders viele oder wenige Schüler durchs Abitur?

Antworten darauf hat das Tagesspiegel Innovation Lab aus Daten der Bildungsverwaltung zusammengetragen und visuell aufbereitet. Außerdem haben wir uns angeschaut, wie sich einzelne Schulen in Bezug auf Abiturnotendurchschnitt und Durchfallquote im Vergleich zu 2024 entwickelt haben. Mit Blick auf die Durchfallquote zeigt sich eine positive Entwicklung: Sie ist berlinweit von 5,4 Prozent (2024) auf 4,4 Prozent gesunken.

An Gymnasien und Privatschulen fallen deutlich weniger Schüler durchs Abitur als anderswo
Jeder Punkt zeigt eine Schule in Berlin, sortiert nach Schultyp und Durchfallquote bei der Abiturprüfung. An Gemeinschaftsschulen sind Erfolg und Misserfolg breiter gestreut als an Gymnasien und Privatschulen.
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie / Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ)

Vor allem bei weiter hinten platzierten Gemeinschaftsschulen und Integrierten Sekundarschulen (ISS), die 2024 mit 9,8 Prozent eine besonders hohe Durchfallquote aufwiesen. So hat sich beispielsweise bei der Ernst-Reuter-Schule in Mitte die Durchfallquote von 35 auf vier Prozent reduziert. Bei der Bröndby-Schule in Lankwitz sank sie von 21,5 (2024) auf 11,8 Prozent (2025). Bei der Otto-Hahn-Schule in Neukölln von 45 auf 19,6 Prozent.

Dennoch ist die Otto-Hahn-Schule damit die Schule mit der vierthöchsten Durchfallquote in ganz Berlin. An Privatschulen und Gymnasien fallen deutlich weniger Schüler durch: 0,3 beziehungsweise 3,5 Prozent.

Die insgesamt positive Entwicklung bei den Durchfallquoten erklärt Beate Maedebach, Vorsitzende vom Interessenverband Berliner Schulleitungen (IBS), wie folgt: „Der Corona-Tiefpunkt ist vorbei.“ In der Pandemie hatten Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen zu massiven Lernrückständen bei sozial benachteiligten Schülern geführt. Jetzt gehe es bezüglich der Lernerfolge wieder nach oben. Auch an ihrer eigenen Schule, der Kopernikus-Oberschule in Steglitz, beobachte sie diese positive Tendenz. Andere ISS-Leitungen berichten Ähnliches.

Eine Gymnasialschulleiterin, die nicht namentlich genannt werden möchte, sieht das anders. Der Corona-Effekt wirke dennoch nach; Grundlagen aus der Grundschule fehlten weiterhin bei einigen Schülern. Hinzu komme das veränderte Lernverhalten durch digitale Medien und KI.

So erklärt die Gymnasialschulleiterin, wieso an vier Gymnasien die Durchfallquote entgegen dem Trend enorm zugenommen haben könnte: beim Herrmann-Ehlers-Gymnasium in Steglitz-Zehlendorf und Lilly-Braun-Gymnasium in Spandau stieg sie von null auf 14 Prozent, beim Askanischen Gymnasium von fünf auf 18 Prozent. Beim Gymnasium Tiergarten von 1 auf 15 Prozent. Wobei auch individuelle Gründe immer eine Rolle spielten. Zu beachten ist auch, dass sich eine hohe Durchfallquote positiv auf den Abiturschnitt einer Schule auswirkt, weil die schlechteren Noten der durchgefallenen Schüler den Schnitt sonst, etwa mit einer 4,0, heruntergezogen hätten.

Positiver Trend: Dieses Jahr haben mehr Schüler das Abitur bestanden als 2024
Die Grafik zeigt die prozentuale Veränderung der Abitur-Bestandsquote an Berliner Schulen von 2023/24 zu 2024/25. Insgesamt sank die Durchfallquote von 5,4 auf 4,4 Prozent.
Dargestellt sind nur Schulen, die in beiden Schuljahren mindestens 30 Abiturienten hatten.
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie / Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ), eigene Berechnung

Hervorzuheben ist, dass an 46 von insgesamt 185 Schulen kein einziger Schüler durchs Abitur gefallen ist. Nicht in der Statistik enthalten sind aus Datenschutzgründen kleinere Schulen von freien Trägern, an denen weniger als 16 Jugendliche das Abitur gemacht haben.

Die Durchschnittsabiturnote für ganz Berlin liegt wie im Vorjahr bei 2,3. Doch an welchen Schulen wurden 2025 die besten Abiturnoten vergeben?

Das Ranking: Welche Schule hat den besten Abiturschnitt?
Drei der fünf Berliner Schulen mit den besten Abinoten sind in freier Trägerschaft. Am anderen Ende der Skala liegen hingegen hauptsächlich Integrierte Sekundarschulen. Wenn Sie den Umschalt-Button verwenden, können Sie den Abischnitt und die Durchfallquote für jede Schule erkunden.
In einigen Fällen entscheidet die zweite Kommastelle über die Platzierung im Ranking. In der Grafik wird sie aus Übersichtsgründen nicht gezeigt.
Daten: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie / Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ)

Für die Abiturnote sind auch die Zensuren der vergangenen vier Halbjahre, der sogenannten Qualifikationsphase, wichtig: Sie fließen zu zwei Dritteln in die Abiturnote ein. Die Prüfungsbewertungen machen ein Drittel aus.

Auch hier liegen Privatschulen und Gymnasien ganz klar vorne. Die ersten zwei Plätze belegen die Berlin Cosmopolitan School mit einem Abiturdurchschnitt von 1,5 sowie das Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster mit einem Schnitt von 1,6. Auf dem dritten Platz folgt die Evangelische Schule Frohnau (1,7), knapp dahinter das Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Pankow. Platz fünf belegt ebenfalls mit einem 1,7-Schnitt das Französische Gymnasium in Mitte.

Das Elternhaus bestimmt über den schulischen Erfolg mit

Die Schulen auf den hinteren Plätzen sind allesamt ISS. Dazu zählt die erwähnte Bröndby-Schule in Steglitz-Zehlendorf (2,9), die Heinrich-Böll-Oberschule (3,0) in Spandau und die Otto-Hahn-Schule (3,1) in Neukölln.

Doch der Vergleich ist nicht ganz fair. Der Notenvergleich zeigt auch: Schulen, die in Einzugsgebieten liegen, in denen Armutsquoten insgesamt höher sind und es mehr soziale Probleme gibt, schneiden insgesamt schlechter ab. Oft ist in unmittelbarer Nähe mindestens eine Brennpunkt-Siedlung zu finden. Dass der schulische Erfolg in Deutschland maßgeblich durch das Elternhaus mitbestimmt wird, ist seit Jahrzehnten ein viel diskutiertes Thema von Bildungsexperten.

An welchen Schulformen sind die Noten besonders gut – oder besonders schlecht?
Die Grafik zeigt die Durchschnitts-Abiturnoten an allen Berliner Schulen, sortiert nach Schulform. Zwar sind die durchschnittlichen Noten an Privatschulen besonders gut. Aber es gibt auch Sekundar- und Gemeinchaftsschulen mit sehr guten Noten.
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie / Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ)

Warum schneiden ISS insgesamt schlechter beim Abiturnotendurchschnitt ab als Gymnasien oder viele Privatschulen? „Das ist, wie wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht“, findet Maedebach, Direktorin der ISS Kopernikus-Oberschule in Steglitz. „Bei uns schaffen Schüler und Schülerinnen ihr Abitur, die aus der Grundschule eine Förderprognose mit 3,1 mitgebracht haben. Über diese Errungenschaften müssten wir viel mehr sprechen“, sagt Maedebach.

Der Erfolg einer Schule bemesse sich ihrer Meinung nach darin, wie gut Lehrkräfte und Leitung es schafften, einzelne Schüler individuell nach ihren Fähigkeiten zu entwickeln. „Welches Lernstandsniveau, welche Kompetenzen hat das Kind nach der sechsten Klasse und mit welchem Leistungsstand verlässt es die Oberschule? Das ist das entscheidende Kriterium“, sagt Maedebach.

Viele ISS, die beim Abiturnotenschnitt hintere Plätze belegen, leisten Jahr für Jahr sehr gute Arbeit, die bei so einem Ranking nicht sichtbar werde, sagt Maedebach. „Die meisten ISS können richtig viele Erfolgsbiografien vorweisen – bei uns gibt es immer wieder Schüler und Schülerinnen, die als erstes Familienmitglied überhaupt ihr Abitur machen.“

„Die Startbedingungen der einzelnen Schüler sind sehr unterschiedlich“

Ähnlich sieht es Bildungsforscher Marko Neumann vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF). Die Abiturnote könne ein guter Indikator dafür sein, wie gut ein Schüler später durch ein Studium komme, sagt er. Kann ein Schüler sich fokussieren, zielorientiert und selbstreguliert lernen und mit Prüfungs- und Drucksituationen umgehen? Darüber könne eine Abiturnote bis zu einem gewissen Grad durchaus Aufschluss geben.

Auch ist der Vorteil der Abiturnote, dass dort mehrere Fächer und unterschiedliche Prüfungsformate über einen Zeitraum von zwei Jahren einfließen.

Doch über welche fachlichen Kompetenzen oder überfachliche Fähigkeiten verfügt ein Abiturient? „Das lässt sich in Deutschland aufgrund fehlender Datengrundlagen aktuell nur sehr eingeschränkt beurteilen“, sagt Neumann. Denn anders als in der Grundschule oder der Sekundarstufe I nehmen die Schüler und Schülerinnen der Oberstufe nicht an Schulleistungsuntersuchungen wie IGLU, TIMSS oder PISA teil.

Dennoch sagt Neumann: „Man darf die Abiturnote nicht als Maß für Schulqualität ansehen“. Denn Leistungsunterschiede in Form einer Abiturnote seien nicht zwingend das Ergebnis eines besonders guten Unterrichts oder Schulumfelds, sondern spiegelten in großen Teilen wider, was Schülern von zu Hause oder aus ihrem sozialen Umfeld mitgebracht haben. „Die Startbedingungen der einzelnen Schüler sind sehr unterschiedlich.“

Wenn eine Schule also einen Schnitt von 2,9 hat, könne das trotzdem heißen, dass Lehrkräfte dort einen besonders tollen Job gemacht haben, wenn dort ein Großteil der Schüler aus schwierigen Familienverhältnissen oder einer prekären Wohnsituation komme, meint der Experte. Für politische Entscheider kann der Abiturvergleich, der in Berlin sehr stark das soziale Gefälle verdeutlicht, wie die Daten zeigen, ein Anlass sein, mehr für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit zu sorgen.

Das Innovation Lab des Tagesspiegels hat außerdem die Noten der Leistungsfächer analysiert. Der Leistungskurs-Vergleich zeigt, dass im Schnitt ausgerechnet in den als schwierig geltenden Fächern Mathe und Physik bessere Noten vergeben wurden.

Leistungskurs-Vergleich: In Mathe und Physik gibt es im Schnitt bessere Noten als in Englisch oder Deutsch
Die Grafik zeigt die Durchschnitts-Notenschnitte pro Abitur-Leistungsfach und Schule. Dargestellt sind nur Fächer, die an mindestens zehn Berliner Schulen als Leistungskurs angeboten wurden.
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie / Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ)

Hierzu kann Neumann nur mutmaßen. „Das ist kein Ergebnis, mit dem ich unbedingt gerechnet hätte, ich könnte mir aber vorstellen, dass Mathe und Physik als Leistungskurs eher von Schülern gewählt wird, die dort besondere Fähigkeiten und ein großes Interesse mitbringen. Und Schüler, die im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich weniger leistungsstark sind, vielleicht eher Fächer wie Deutsch und Englisch wählen, weil sie das Gefühl haben, dass dies leichter wäre.“ Das sei aber eine Spekulation aus der Ferne, sagt der Bildungsforscher.

„Ein schulübergreifender Notenvergleich ist auch immer in gewisser Weise eingeschränkt, weil ein Schüler in einer sehr leistungsstarken Klasse in der Regel schlechter bewertet werden wird als in einer leistungsschwächeren Klasse.“ Für den tatsächlichen Kompetenzerwerb wirken sich leistungsstarke Mitschüler und Mitschülerinnen eher positiv aus. Dennoch hängt der Zugang zu deutschen Universitäten maßgeblich von der Abiturnote und nicht von Kompetenztests ab.

Bleibt die Frage: Wie lassen sich Lernerfolge langfristig verbessern? Da sei man sich in der Forschung mittlerweile einig, dass mehr in die vorschulische Bildung investiert werden müsse, sagt Neumann. „Rein wirtschaftlich gesprochen, wird jeder Euro, den man in die vorschulische Qualität steckt, mehr Rendite bringen, als wenn man an späteren Stellen der Schulkarriere herumschraubt.“

Das bedeute jedoch nicht, dass Oberschulen vernachlässigt werden sollten. Ihnen komme eine wichtige Bedeutung für die Berufsvorbereitung zu. „Aber grundlegende Fähigkeiten, die in jungen Jahren erworben werden, wie der Spracherwerb, Neugierde, die Fähigkeit zur Selbstmotivation oder den Umgang mit Frustration, haben ganz klare Auswirkungen auf langfristige Bildungserfolge“, sagt Neumann. Und da gebe es trotz vieler guter Abiturnoten noch ein ganz klares Potenzial für die jüngere Berliner Generation.

Hinweis: Wir haben den Text am 8.12. um eine Erläuterung ergänzt, um klarzustellen, dass nicht bestandene Prüfungen nicht in Gesamt-Notendurchschnitte der Schulen und somit auch nicht in die Grafiken einfließen.