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Gehört meine Wohnung Berlins größten Eigentümern?

Mit unserer Suchfunktion können Sie nachschauen, ob Ihr Wohnungseigentümer zu den größten Berliner Immobilienfirmen gehört. Ein Großeigentümer fordert nun ein öffentliches Register.
Mit unserer Suchfunktion können Sie nachschauen, ob Ihr Wohnungseigentümer zu den größten Berliner Immobilienfirmen gehört. Ein Großeigentümer fordert nun ein Transparenzregister.
Ein Teil von Wem gehört Berlin Ein Teil von Wem gehört Berlin

Es gibt in Berlin Häuser, die könnten einem Märchen entsprungen sein. Nicht unbedingt wegen ihres Aussehens oder ihrer Bewohner. Märchenhaft sind eher die Namen ihrer Eigentümer. Da gibt es Eldalote, benannt wie eine Fabelfigur von J.R.R. Tolkien, dem Autor von „Herr der Ringe“. Oder Namen wie „Sagittarius“, „Ceragon“ oder „Geragon“. Liegt Berlin in Mittelerde? Oder in der römischen Antike?

Auch beliebt: Man gibt seinen Firmen Frauennamen. Jessica, Amber oder Dominica finden sich da beispielsweise. Oder es wird ganz fantastisch: Charcoal Sweetpea Property, auf Deutsch übersetzt „Holzkohle-Platterbse“ zum Beispiel, oder Crystal Snowdrop Property, „kristallenes Schneeglöckchen“.

Nun könnten sich die Mieterinnen und Mieter eigentlich freuen, in Häusern mit so kreativen Namen zu leben. Das ist allerdings nicht immer der Fall. Seit Der Tagesspiegel und das Recherchezentrum Correctiv die Langzeitrecherche Wem gehört Berlin? gestartet haben, melden sich immer wieder Mieter, die fragen, wer sich hinter diesen Namen verbirgt und wem das Haus wirklich gehört, in dem sie wohnen. Gerade in Zeiten einer kontroversen Debatte um die größten Eigentümer der Stadt wollen sie oft wissen: Geht es dabei vielleicht auch um meine Wohnung?

Gehört meine Wohnung den großen Eigentümern?

Wir habend deshalb alle auffindbaren Tochterfirmen der zwölf größten privaten Berliner Wohnungseigentümer für Sie zusammengetragen. Oft stehen sie in den Jahresberichten der Mutterkonzerne. Andere konnten erfragt werden. Im Fall der Pears Gruppe, über den Correctiv und Der Tagesspiegel kürzlich berichteten, war die Suche hingegen lange und mühsam und führte über Briefkastenfirmen in mehreren Ländern.

In der Suchmaske können Sie herauszufinden, ob Ihre Wohnung einem der größten Eigentümer gehört. Geben Sie dafür die Eigentümerfirma Ihrer Wohnung ein!

Datenschutzhinweis: Die Eingaben in der Suchmaske werden weder an den Tagesspiegel übermittelt noch gespeichert oder ausgewertet. Die Vollständigkeit des Verzeichnisses können wir nicht garantieren.

Wie kommt es zu diesen Namen?

Die Namen, heißt es auf Anfrage bei ADO Properties, stammten teilweise noch von Voreigentümern oder orientierten sich an Projekt- oder Portfolionamen. Eine Verschleierung von Besitzverhältnissen sei dadurch nicht beabsichtigt. Grand City Properties (GCP), der siebtgrößte private Eigentümer von Wohnungen in Berlin, nennt als weiteres Argument: Finanzierende Banken bevorzugten es, jede Immobilie in einer separaten Gesellschaft zu haben.

Die Tochtergesellschaften würden üblicherweise gegründet, bevor ein bestimmter Immobilienkauf stattfindet. Wenn nun immer der gleiche Unternehmensname mit fortlaufender Nummer genutzt würde, etwa GCP 1, GCP 2, GCP 3, bestehe das Risiko von Verwechslungen. Irgendwann habe man sich deshalb entschieden, die Namen immer zufällig aus einer Farbe und einer Pflanze zu bilden. So kommt es zu klangvollen Namen wie Rust Oak, also „rostige Eiche“ oder Snowwhite Reed, „schneeweißes Schilf“.

Warum die vielen Tochterfirmen?

Nach Angaben von Immobilienexperten ist die Auslagerung in Unterfirmen gängige Praxis. Jan Kehrberg, Partner in der Wirtschafts- und Immobilienkanzlei GSK Stockmann sagt, dass dies oft der Risikominimierung diene. Wenn eine einzelne Tochterfirma hohen finanziellen Schaden erleidet, schlägt das nicht auf den Mutterkonzern durch.

Praktisches Beispiel: Eine Immobilienfirma kauft versehentlich ein Haus mit Schwammbefall. Wenn sie den Kauf über eine Tochterfirma abwickelt, kann diese Insolvenz anmelden, aber der Mutterkonzern muss nicht für die Verluste haften. Am Ende sei es vorwiegend eine Strukturfrage, „die eher aus dem Unternehmen heraus als aus Motiven gegenüber den Mieterinnen und Mietern getrieben ist“, schreibt Kehrberg.

Welche Probleme ergeben sich daraus für Mieter?

Man findet im Internet nichts über den Eigentümer.
Kreuzberger Mieter

Bei einigen Mietern erzeugen die ungewöhnlichen Namen und die daraus resultierende Intransparenz Verunsicherung. „Der Eigentümer ist unerreichbar“, erzählt eine ältere Dame, die in einem Haus wohnt, das „Fairview“ gehört. Und da er sich auch nie vorgestellt habe, sei das „einfach ein komisches Gefühl“.

Bei anderen Mietern ergeben sich daraus praktische Probleme: Wenn Sanierungen zu Schäden in den umliegenden Wohnungen führen, wie ein Mieter in Kreuzberg erzählt. Daraufhin wollte er sich gerne direkt beim Eigentümer melden: „Man findet im Internet nichts über den Eigentümer, daher bin ich besorgt, dass es sich um eine Briefkastenfirma handeln könnte, deren eigentliches Ziel es ist, die Mieter zu verdrängen“, schreibt er.

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Die vielen Unterfirmen führen laut Reiner Wild vom Berliner Mieterverein gerade dann zu Problemen, wenn einige davon im Ausland sitzen. So lange Mängel am Haus ordentlich beseitigt werden, sei das Interesse der Mieter zwar vergleichsweise gering, wer hinter der Eigentümerfirma steckt. Schwierig werde es aber, wenn die Hausverwaltung sich nicht kümmert. „Wir übernehmen das dann und schreiben schriftlich an die Eigentümerfirma“, sagt Wild, „leider aber manchmal nicht wissend, ob dieser Briefkasten überhaupt geleert wird.“ Das gäbe es aber genauso auch bei deutschen Firmen.

Welches sind die größten Eigentümer in Berlin?

Diese privaten Immobilienfirmen besitzen laut verschiedenen Erhebungen derzeit mehr als 3000 Wohnungen in Berlin. Ausgenommen sind dabei die städtischen Wohnungsgesellschaften.

Wie ließe sich die Transparenz erhöhen?

Der Berliner Mieterverein fordert ein bundesweites Immobilienregister. Einen entsprechenden Antrag, der dem Tagesspiegel vorliegt, wurde beim Deutschen Mietertag eingereicht, der Ende der Woche darüber abstimmen soll. Zu dem Kongress wird am Freitag auch Angela Merkel erwartet.

Die Grand City Properties SA unterstützt die öffentlichen Forderungen nach einem allgemeinen Transparenz­register für Immobilien im Interesse aller seriösen und nach­haltigen Immobilien­investoren.
Grand City Properties

Dem Antrag nach sollen die Grundbuchämter verpflichtet werden, „zusätzlich zum Grundbuch die juristischen und wirtschaftlichen Eigentums- bzw. Beteiligungsverhältnisse an Wohnraum, bezogen auf Liegenschaften an Wohnraum von Privatpersonen, Personen- sowie Kapitalgesellschaften sowie Stiftungen zu dokumentieren“. Außerdem sollen ausländische Immobilieneigentümer verpflichtet werden, eine zustellfähige Anschrift innerhalb des Bundesgebiets anzugeben.

Unterstützung erfährt die Forderung nach mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt vom Immobilienkonzern Grand City Properties. Das börsennotierte Immobilienunternehmen besitzt insgesamt 83 671 Wohnungen , 8141 davon in Berlin. „Wir erklären ausdrücklich, dass Grand City Properties SA die öffentlichen Forderungen nach einem öffentlich zugänglichen Transparenzregister für Immobilien im Interesse aller seriösen und nachhaltigen Immobilieninvestoren unterstützt und ein solches Register sogar ausdrücklich fordert“, teilte das Unternehmen nun mit.

Was ist der Ist-Zustand beim Transparenzregister?

Zum eigenen Bedauern müsse man aber feststellen, „dass es für uns als börsennotierte Luxemburger Gesellschaft schlicht nicht möglich ist, uns als wirtschaftlich Berechtigten unserer deutschen Tochtergesellschaften im deutschen Transparenzregister eintragen zu lassen“. Zudem könne sich die Firma auch weder im deutschen Handelsregister noch im deutschen Grundbuchamt als wirtschaftlicher Eigentümer registrieren lassen.

Es sei Aufgabe des Gesetzgebers, hier nachzujustieren. Bemühungen um Transparenz unterstütze man „deshalb uneingeschränkt, gerade auch um mögliche ,schwarze Schafe’ klar auszugrenzen.“

Zuletzt war vom Finanzministerium ein Gesetzesentwurf vorgelegt worden, wonach das deutsche Transparenzregister bald öffentlich werden soll. Das würde auch Eigentümerstrukturen von Immobilienkonzernen transparenter machen. Der Entwurf ist die Umsetzung einer EU-Richtlinie. Opposition und Akteure aus der Zivilgesellschaft haben den Gesetzesentwurf allerding teils scharf kritisiert. Vor allem, weil die Abrufe im Register kostenpflichtig sein sollen und zu viele Lücken offenblieben.

Wem gehört Berlin?
Mehr über die Recherche

Wem gehören die Häuser, in denen wir leben? Das wollten die Redaktionen von Tagesspiegel und dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv gemeinsam mit den Berliner Bürgerinnen und Bürgern herausfinden. Auf Diskussionsveranstaltungen luden wir Leser, Politiker, Vertreter der Immobilienbranche und Experten ein, die Wohnungskrise der Hauptstadt zu diskutieren.

Seit Januar werten Journalisten in beiden Redaktionen Tausende Einsendungen von Lesern sowie Hintergrundgespräche, Akten, anonyme Hinweise und Datenbanken aus. Dabei ging es nicht darum, Informationen zu einzelnen kleinen privaten Hauseigentümern zusammenzustellen. Es ging stattdessen darum, Probleme aufzudecken, größere Strukturen aufzuzeigen, Missstände sichtbar zu machen und eine bessere Faktengrundlage für die öffentliche Debatte zu legen.

Was bisher veröffentlicht wurde

Schon während der Recherche wurden Dutzende Geschichten und Experteninterviews veröffentlicht. Alle Artikel dazu finden Sie auf unserer Sonderseite Wem gehört Berlin?.

Teil I der Gesamtauswertung beschäftigte sich dann im Februar 2019 mit möblierten Wohnungen. Dabei kam ans Licht, wie mit einem neuen Modell die Mietpreisbremse umgehbar wird.

Teil II konnte durch eine investigative Recherche einen bisher wenig bekannten Großeigentümer aufdecken: Die Pears-Familie. Es wurde ein internationales Geflecht aus Briefkastenfirmen sichtbar, die tausende Berliner Wohnungen besitzen. Steuern werden anscheinend nur wenige bezahlt.

Woher kommen die Daten in der Suche?

In der Datenbank für die Suchmaske sind lediglich Daten zu den Immobilienfirmen gesammelt, die nach derzeitigem Kenntnisstand die zwölf größten privaten Wohnungseigentümer in Berlin sind. Die Listen der Unterfirmen stammen entweder aus Geschäftsberichten der Konzerne, aus anderen öffentlichen Quellen oder aus Antworten der Unternehmen. Im Fall der Pears-Gruppe wurde bis heute nicht bestätigt, dass die Unterfirmen sicher zu der Gruppe gehören. Dies ist entsprechend markiert.

Da nicht bei allen Unternehmen ersichtlich ist, welche der Tochterfirmen Wohnungen in Berlin besitzen, sind auch Unterfirmen enthalten, die wahrscheinlich keine Wohnungen in Berlin besitzen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man mit der Suche auch in anderen Städten schauen kann, ob der Eigentümer der Mietwohnung zu jenen Großeigentümern gehört.

Sollten Sie einen Fehler finden, senden Sie uns gerne eine Mail!

Wem gehört Berlin in eine gemeinsame Recherche von Tagesspiegel und Correctiv. Correctiv ist gemeinnützig und finanziert sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen. Mehr dazu unter correctiv.org

Team

Andreas Baum arbeitet im Tagesspiegel Innovation Lab. Er hat zu allen Firmen Hintergründe und Fakten recherchiert und zusammengefasst.
Andreas Baum
Recherche
Hendrik Lehmann leitet das Tagesspiegel Innovation Lab. Er hat diesen Text geschrieben und sich mit allen zusammen ein Konzept für die Suche überlegt.
Hendrik Lehmann
Text und Koordination
David Meidinger arbeitet beim Tagesspiegel als Redakteur für Softwareentwicklung. Er hat vieles an dieser Seite programmiert und die Aufmachergrafik gebaut.
David Meidinger
Webentwicklung
Michael Gegg arbeitet beim Tagesspiegel als Redakteur für Softwareentwicklung. Er hat die Eigentümersuche entwickelt.
Michael Gegg
Coding und Datenaufbereitung
Helena Wittlich ist Redakteurin im Tagesspiegel Innovation Lab. Für diese Recherche hat sie zahlreiche Geschäftsberichte und Register gewälzt.
Helena Wittlich
Recherche und Interviews
Veröffentlicht am 10. Juni 2019.