Ein Monat neuer Autobahn-Abschnitt: So verändert die A100 den Verkehr in Berlins Kiezen
seit Eröffnung des A100-Teilstücks
Dauerstau, zeitweise eingestellte Busse und bald ein Radweg weniger: Der erste Monat nach Eröffnung des neuen Abschnitts der A100 war von Chaos geprägt – vor allem nahe der Anschlussstelle Treptower Park rund um die Elsenbrücke.
Straßengenaue Daten des Karten-Anbieters Tomtom, die der Tagesspiegel ausgewertet hat, zeigen, wo genau der Verkehr seit Eröffnung langsamer fließt – und erstmals auch, wo es im Vergleich zu davor schneller vorangeht. Denn Deutschlands teuerster Autobahn-Abschnitt trifft die umliegenden Kieze nicht alle gleich.
Das neue Nord-Süd-Gefälle beim Verkehr
Die interaktive Karte bestätigt, was Anwohner berichten: Nicht nur an der Elsenbrücke ist die Lage angespannter als zuvor, sondern auch in anderen Straßen der Gegend – etwa in der Bouchéstraße oder auf der Schlesischen Straße in Richtung Kreuzberg. Anders im Süden: Vor allem von Neukölln in Richtung Plänterwald fließt der Verkehr seit Eröffnung schneller. Offenbar nutzen viele den neuen A100-Abschnitt als alternative Route nach Treptow und Friedrichshain.
Rote Straßen durchfahren Autos im Vergleich zu vor einem Jahr langsamer, blaue Straßen schneller. Sie können die Teil-Segmente einzeln auswählen, um die Durchschnitts-Geschwindigkeiten zu sehen. Zwar lässt sich nicht in jedem Fall definitiv sagen, ob der Verkehr sich allein wegen des neuen Autobahn-Abschnitts verändert. Auch Baustellen, Verkehrsberuhigungen und andere Gegebenheiten können den Verkehr beeinflussen.
Im Gesamtbild aber ergibt sich ein deutlicher Trend: In vielen Straßen im Süden herrschte weniger Verkehr als vor einem Jahr, im Norden vielerorts mehr. Standardmäßig zeigt die Karte die prozentuale Veränderung der Durchschnittsgeschwindigkeit im Monat nach der Eröffnung (seit dem 28. August) im Vergleich zu einem ähnlichen Zeitraum vor einem Jahr. Alternativ kann die Veränderung im Vergleich zum Vormonat betrachtet werden.
Die neue Strecke der A100 sollte „vor allem Wohngebiete“ von Autoverkehr entlasten, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner am Tag der Eröffnung. Allerdings liegen ausgerechnet entlang einiger stark entlasteter Abschnitte keine oder kaum Wohngebiete. Rund um den Dammweg zum Beispiel gibt es viele Gewerbegebiete und Kleingärten.
seit Eröffnung des A100-Teilstücks
im Vergleich zum Vormonat
Während im westlichen Teil von Plänterwald entlang der Kiefholzstraße und B96a der Verkehr zu fast jeder Uhrzeit zwischen 7 und 21 Uhr schneller fließt, staut es sich im benachbarten Alt-Treptow, und zwar auch in Wohngebieten. In der Bouchéstraße etwa hat sich der Verkehr seit 2024 von durchschnittlich 19,2 auf 16,6 Stundenkilometer verringert. Anwohner beschweren sich über Lärmbelastung und Abgase. Mehrere derzeitige Baustellen im Karl-Kunger-Kiez helfen dabei nicht.
Längst bekannt war, dass die Elsenstraße direkt hinter der neuen A100-Abfahrt verstopft ist. Hier endet der neue Abschnitt, eine Baustelle auf der Elsenbrücke verschärft die Lage zusätzlich.
Die Daten zeigen aber auch, wie kleinräumig die Einflüsse sind: Gleich südlich der nun verstopften Stelle ist auf der Elsenstraße nun weniger Verkehr als zuvor. Das könnte daran liegen, dass weniger Verkehr von Süden hier entlangfährt – die neue Autobahn macht es möglich.
Noch ist es zu früh, um definitiv zu sagen, wie der neue Autobahn-Abschnitt den Verkehr in Berlin langfristig prägen wird – aber die Auswertung der ersten Monats-Daten zeigt: Die Verkehrsströme verschieben sich. Erleichterung für Treptow ist bislang keine in Sicht. Erst am Wochenende wurde bekannt, dass der Neubau der Elsenbrücke länger dauern wird als geplant.