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Inflationsmonitor

Wie stark steigen die Preise gerade?

2%
4%
6% Gesamt-Inflationsrate
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
01.08.2022
russische Invasion
Inflationsrate 7,9%
im August 2022
Lebensmittel
+17%
Preissteigerungen zum Vorjahreszeitraum
Preissteigerungen seit 1 Jahr
Butter
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+49%
Fleisch
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+19%
Brot
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+17%
Fisch
............................................................................................................
+14%
Gemüse
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+10%
Bier
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+7%
Obst
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+4%
Energie
+36%
Preissteigerungen zum Vorjahreszeitraum
Preissteigerungen seit 1 Jahr
Gas (Neukunden)
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+518%
Heizöl
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+95%
Gas (gesamt)
............................................................................................................
+59%
Dieselkraftstoff
............................................................................................................
+36%
Fernwärme
............................................................................................................
+36%
Strom
............................................................................................................
+17%
Superbenzin
............................................................................................................
+9%
Dienstleistungen
+2%
Preissteigerungen zum Vorjahreszeitraum
Preissteigerungen seit 1 Jahr
Wohnungsreparaturen
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+14%
Restaurants und Cafés
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+9%
Übernachtungen
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+8%
Essen auf Rädern
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+7%
Friseur
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+6%
Kulturangebote
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+3%
Versicherungen
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+2%
Daten: Verivox (Gas Neukunden), Statistisches Bundesamt (Restliche)

Wenn die Preise steigen, verliert Geld an Wert. Einkauf wird teurer. Die Inflation ist da. Oft – in Deutschland sogar meistens – beginnt ein großer Inflationsschub damit, dass Energie teurer wird. Darauf folgen Preisersteigerungen bei Lebensmitteln. 2022 verzeichnet Deutschland Inflationsraten, die so hoch sind wie seit fast 50 Jahren nicht mehr.

Die Grafik zeigt die Preisentwicklung im Vergleich zum Basisjahr 2015 (2015=100).
Daten: Statistisches Bundesamt

Auf Essen oder Energie verzichten kann niemand. Ein Durchschnitts-Haushalt gibt laut Statistischem Bundesamt 10,4 Prozent seines Geldes für Energie aus, für Nahrungsmittel sind es mit 8,5 Prozent etwas weniger.

Trotzdem fällt ein Preisanstieg vielen zuerst im Supermarkt auf. Lebensmittel sind – neben Benzinpreisen – gewissermaßen Frühwarnsysteme für Inflation.

So viel weniger Butter, Brot und Bier bekommt man für dasselbe Geld
Für dasselbe Geld bekommt man heute weniger von einem Produkt als noch im Jahr 2015. Seit Beginn diesen Jahres sind die Preise noch einmal deutlich angestiegen.
Daten: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Kurzlebige Konsumgüter wie Butter werden schneller teurer. Langlebigere Produkte, zum Beispiel Autos oder Waschmaschinen, werden langsamer teurer. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Erstens kostet es weniger, ein neues Preisetikett vors Brot zu stellen als einen Autokatalog neu zu drucken. Zweitens kaufen Kunden teurere Produkte möglicherweise gar nicht mehr, wenn sie noch teurer werden. Dieses Risiko besteht bei Gütern des täglichen Bedarfs weniger.

Trotzdem werden auch weitere Unternehmen mittelfristig Preise erhöhen. Schließlich benötigen sie Energie, um Waren zu produzieren, Güter zu transportieren oder Büros zu heizen. Manche nutzen Gas und Öl auch als Rohstoffe, zum Beispiel für Dünger. Und teurer Dünger führt wiederum zu teureren Lebensmitteln.

Wie misst man Inflation?

Wie stark der Effekt einer solchen Kettenreaktion ist, lässt sich messen. Das ist die Inflationsrate. Um sie zu berechnen, erstellt das Statistische Bundesamt jeden Monat den „Verbraucherpreisindex“. Der gibt an, um wie viel ein fiktiver „Warenkorb“ teurer geworden ist. Er enthält typische Lebensmittel, aber auch Dienstleistungen – zum Beispiel einen Friseurbesuch. Das ergibt den Verbraucherpreisindex.

Die Steigerung zwischen dem Index eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat ergibt die Inflationsrate. In anderen Ländern ist sie noch wesentlich höher als in Deutschland.

Inflationsraten weltweit

Die global hohe Inflation, die das Potenzial hat, sich zu einer weltweiten Krise zu entwickeln hat ihre Ursache nicht nur im Ukraine-Krieg. Ein zweiter Grund ist die Corona-Pandemie, die seit 2020 Lieferketten unterbrochen hat. Außerdem hat die Pandemie verändert, was die Leute kaufen – in Zeiten von Social Distancing gaben sie laut einer Umfrage von Pricewaterhousecoopers beispielsweise weniger für Kleidung aus, bestellten aber häufiger Essen nach Hause.

Anfang 2022 war die Nachfrage in vielen Bereichen wieder höher – laut ifo-Institut einerseits, weil sich das Konsumverhalten normalisiert, andererseits, weil viele Deutsche während Corona mehr Geld als üblich gespart hatten. „Dadurch fällt es Unternehmen leichter, höhere Verkaufspreise durchzusetzen“, schreibt das ifo-Institut.

Verstärkt die Inflation soziale Ungleichheit?

Zwar steigen die Kosten für wohlhabenden Haushalten oft stärker als die für einkommensschwache – weil sie beispielsweise mehr Autofahren und deshalb mehr Geld für teureres Benzin ausgeben, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Timo Wollmershäuser vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Trotzdem trifft die Inflation arme Haushalte härter: „Wohlhabende haben große Puffer. Sie konsumieren nur einen Teil ihres Einkommens, den Rest sparen sie.“

Laut Statistischem Bundesamt geben Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von über 5000 Euro 60 Prozent ihres Einkommens für Konsum aus. Infolge der Inflation würden solche Haushalte wahrscheinlich weniger sparen, ihren Lebensstandard senke das nicht. Ärmere mussten jedoch schon vor Beginn der Inflation fast alles ausgegeben, was sie verdienen. „Sie müssen ihren Lebensstandard senken. Das ist der eigentliche soziale Brennstoff“, sagt Wollmershäuser.

Bei der Frage, wen die Inflation ärmer macht, geht es also nicht darum, wer mehr ausgeben muss. Entscheidend ist, wie viel Prozent des Einkommens für notwendige Ausgaben eingesetzt werden müssen. Essen und Heizen muss schließlich jeder. Das erklärt auch, warum die Inflation in verschiedenen Teilen der Welt Unterschiedliches bedeutet. Die Deutschen geben im Schnitt nur wenig von ihrem Einkommen für Essen aus. In ärmeren Staaten muss teils ein Großteil des Gehalts für Essen bezahlt werden.

Wie gefährlich ist die aktuelle Inflation?

Nicht jede Inflation muss in eine Krise führen. „Der Gaspreis wird nicht endlos steigen, sondern ein neues Niveau finden“, sagt Wollmershäuser. Haben sich Preise und Löhne, die wegen der gestiegenen Kosten für die Mitarbeiter etwas steigen, neu eingependelt, müssen die Menschen zwar mehr ausgeben, sie verdienen aber auch mehr.

Aber es kann Komplikationen geben. Nach der ersten Kettenreaktion – erst höhere Preise, dann Lohnerhöhungen –, könnten Unternehmen die Preise erneut erhöhen, weil ihre Lohnkosten gestiegen sind. Dann könnten Gewerkschaften nach einer Zeit erneut höhere Löhne fordern, woraufhin Firmen wieder einen Grund sehen könnten, Preise zu erhöhen. So kann eine Art Inflations-Teufelskreis beginnen, die sogenannte Lohn-Preis-Spirale.

Wie kann das verhindert werden? Sowohl Lohn- als auch Preise dürften nicht zu stark steigen. Aber in welchem Bereich welche Steigerungen gerechtfertigt oder gar gerecht sind, ist offensichtlich eine komplizierte politische Debatte.

Dank geht für diesen Artikel an Bernd Kempa, Direktor des Instituts für Internationale Ökonomie der Universität Münster, der uns wichtige Zusammenhänge erläutert hat.

Das Team

Eric Beltermann
Scraping & Webentwicklung
Nina Breher
Text und Recherche
Tamara Flemisch
Webentwicklung
Hendrik Lehmann
Konzept & Redigatur
Lennart Tröbs
Artdirektion
Helena Wittlich
Produktion
Veröffentlicht am 3. August 2022.
Zuletzt aktualisiert am 13. September 2022.