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Längste beheizte Pipeline der Welt
Ölbrunnen im Nationalpark
Zwischen Elefanten und Giraffen fördert Total künftig Öl in Uganda. Tausende werden verdrängt. Und das könnte erst der Anfang sein. Eine visuelle Recherche.
Die Platten
Unter der Erde herrscht keine Ruhe. Un­auf­hör­lich reißen Magma-Ströme an den tektonischen Platten, aus denen sich unsere dünne Erdoberfläche zu­sam­men­setzt. Der afrikanische Kon­ti­nent wird aus­ei­nandergezerrt. Vor circa 20 Millionen Jahren bildete sich dabei ein gewaltiger Riss.
Der Riss
Magma drang nach oben, an den Sei­ten des Risses türmten sich Gebirge auf: Mount Kenya und Kilimandscharo im östlichen Teil des Graben­systems, das Ruwenzori-Gebirge im westlichen. Da­zwi­schen sackte die Erde ab, Seen ent­standen, beispielsweise der Tan­gan­ji­ka­see, einer der tiefsten der Welt, der Edu­ard­see und der Albertsee.
Der Bodensatz
Im Boden des Albert­sees liegt ein Schatz. Pflanzen- und Tier­reste sackten Jahr­tau­sende lang auf den Grund. Die Rift­zo­ne, wie die For­schung den Graben nennt, hat es ver­ein­facht, dass die or­ga­ni­schen Reste zu Öl und Gas wurden. Alles, was es braucht, sind Druck, Zeit und Tem­pe­ra­tu­ren von 80 bis 120 Grad. An den Rändern des Gra­bens bahn­ten sich Gas und Öl anschließend den Weg zurück in Rich­tung Erd­ober­fläche, bis sie auf un­durch­lässiges Gestein stießen und nicht mehr weiterkonnten.
Der Fund
Bild: BBC Natural History via Gettyimages
2006 wurden Vermutungen bestätigt, die Bohrungen in den 1990ern nahegelegt hatten: 6,5 Milliarden Barrel Öl lie­gen hier unter der Erde. 1,2 bis 1,7 Milliarden gelten als förderbar.
Die Verteilungskämpfe
Danach begann der Kampf um die Bohr­rech­te. Die britisch-irische Firma Tul­low Oil hatte das Öl 2006 in einem der Erkundungsgebiete entdeckt, auch He­ri­tage Oil gehörten Anteile. Tullow zahl­te Heritage aus, ver­kauf­te zwei Drittel sei­ner An­tei­le an die französische Firma Total und die chi­ne­sische China National Off­shore Oil Corporation (CNOOC). 2020 kaufte Total die restlichen Tullow-Anteile. Die Gebiete gehören nun zu 56,67 Prozent Total, zu 15 Prozent Uganda National Oil und zu 28,33 CNOOC. Total betreibt das Fördergebiet Tilenga, CNOOC Kingfisher.
Das Meer
Bislang gibt es in Uganda keine relevante Ölförderung. Es gibt auch wenig Bedarf an dem Rohstoff. Uganda ist eines der ärm­sten Länder der Welt, nicht viele ha­ben Au­tos, die mei­sten nutzen Fahr­räder und Mo­tor­rad­taxis. Und weil das Land nicht am Meer liegt und solche Mengen Öl nicht mit Las­tern ab­tran­sport­iert werden kön­nen, bauen Total, CNOOC und die Re­gie­run­gen U­gan­das und Tansanias die EACOP-Pipeline. Doch das Öl hier ist zähflüssig. Alle paar hundert Ki­lo­meter sorgen Pumpstationen dafür, dass es nicht stehen bleibt. Des­halb entsteht die längste be­heiz­te Roh­öl­pipe­line der Welt: 1443 Ki­lo­me­ter bis zu einem Öl­terminal in Tanga, Tan­sa­nia, das dafür gebaut wird.
Goldgräber­stimmung

Es gibt Gründe, warum sich die Ölfirmen Uganda ausgesucht haben. Das Land mit seinen 41 Millionen Menschen ist eines der stabileren in der Region. Aus der be­nach­barten De­mo­kra­ti­schen Republik Kongo trieben Warlords und Ebola-Aus­brüche bis heute schä­tzungs­we­ise vier Millionen in die Flucht, Uganda nimmt wei­ter­hin einen Großteil davon auf. In Ruanda herrscht nach dem Völ­ker­mord zwar endlich Frieden, jedoch nur, weil ein fragwürdiger Po­li­zei­staat ihn erzwingt.

Uganda selbst litt seit 1970 unter Bür­ger­krie­gen und Mas­sakern, alleine in den 70er Jahren brachte Diktator Idi Amin 300.000 Op­po­si­ti­onelle um. Bis in die 2000er herrschte Bürgerkrieg im Nor­den. Präsident Yoweri Kaguta Mu­se­veni ist seit 1986 im Amt. Und will da mit aller Kraft bleiben.

Einen Tag vor seiner letzten Wiederwahl im Januar 2021 sperrte die Regierung alle wich­tigen Social-Media-Plattformen. Op­po­si­ti­ons­kandidat Bobi Wine wurde mehr­fach fest­ge­nom­men, in­ter­nationale Wahl­beobachter konstatierten gravierende Mängel. Im Vergleich zum Südsudan und Kongo ne­benan gilt das Land für viele Investoren trotz­dem als stabil. Seit einigen Jahren wächst die Wirtschaft – allerdings auf sehr niedrigem Niveau.

Uganda kommt laut UN-Entwicklungsindex auf Platz 159 von 189, das Brutto­in­lands­pro­dukt liegt gerade einmal bei 822 Dollar pro Kopf, knapp 70 Prozent arbeiten in der Land­wirt­schaft. Der Klima­wandel be­droht zu­neh­mend die Ern­ten. 2019 hatten nur 48 Prozent der Kin­der eine eigene Bettdecke zum Schlafen.

Die Häuser in Uganda sind meist selbstgebaut, 40 Prozent der Menschen leben von Subsistenzlandwirtschaft.

Der Präsident gibt den Menschen selbst die Schuld an ihrer Ar­mut. Sie seien faul und un­ehr­lich, sagte er in mehreren Reden.

Das Öl aber, verspricht er denselben Men­schen, wird dem Land zum Auf­schwung verhelfen. Über die neu ge­schaf­fene Uganda National Oil Company hält der Staat 15 Prozent an dem Projekt. Die Petrol Au­tho­ri­ty of Uganda (PAU) geht von jährlich 1,4 bis 2,9 Milliarden Euro Öl­ge­winnen aus, schreibt eine Sprecherin. Zum Vergleich: Der gesamte Staatshaushalt von Uganda 20/21 betrug 11,8 Milliarden Euro. Dazu kämen Steuereinnahmen und positive Auswirkungen für andere Branchen, schreibt die Sprecherin. 160.000 Jobs sollen ent­ste­hen. Und eine kleine Raf­fine­rie soll 60.000 Barrel pro Tag für den nationalen Bedarf verarbeiten. Das ist zwar eine verschwindend geringe Menge im Ver­gleich zu den 2,1 Millionen Barrel, die in Deutsch­land pro Tag verbraucht werden. Aber: Die 60.000 Barrel werden künftig den gesamten Bedarf an Kerosin, Diesel und Benzin in Uganda decken, schreibt die Sprecherin. Der Präsident hat es da einfach, die Pipeline als Chance anzupreisen.

Aber es gibt ein Problem: Das Gebiet ist nicht leer. Da leben Men­schen, zumeist von Landwirtschaft. Und einige sehr seltene Tiere.

Was bedeutet es, in so einem Gebiet von Grund auf eine Öl­för­derung aufzubauen? Anhand von Satellitenaufnahmen, 3D-Modellen des Ge­biets und genauen Daten der geplanten Infrastruktur lässt sich ein Eindruck davon vermitteln.

Die meisten Straßen im Land sind unbefestigt.
Für das Öl werden einige nun modernisiert.
Das Abbaugebiet
Es gibt zwei Hauptabbaugebiete: Tilenga, benannt nach einer ein­heim­ischen Antilope, und Kingfisher, be­nannt nach einem sel­ten­en Vogel. Ti­len­ga wird von Total­Energies betrieben. Hier sollen künf­tig 190.000 Barrel pro Tag ge­för­dert werden. Kingfisher wird von CNOOC ent­wickelt. Hier sollen 40.000 Barrel am Tag produziert werden.
Kingfisher
Vom angrenzenden Hügel ist das Aus­maß des Kingfisher-Projekts schon sichtbar. Die Hütten sind Arbeiter­camps, der lange Streifen eine improvisierte Lande­bahn. In ei­ni­ge der bereits pla­nier­ten Flächen wer­den Ölbrunnen ge­bohrt. Dann wird das Öl durch Infield-Pipelines in die Central Processing Facility (CPF) gepumpt, wo es von Verunreinigungen und Gasen ge­trennt wird und vom Was­ser, mit dem es aus der Erde gepresst wurde. Eine Zubringer-Pipeline bringt das Öl ins In­du­strie­ge­biet, wo es gesammelt wird.
Das Drehkreuz
Von dem Industriegebiet aus wird das Öl in Schritt­ge­schwin­dig­keit auf seinen 1443 Ki­lo­me­ter langen Weg geschickt, im­mer 50 bis 70 Grad heiß. Im Industriegebiet wird zudem eine nationale Raffinerie ge­baut. Von hier soll eine zweite 95-Kilometer-Pipeline raffinierten Treib­stoff in ein La­ger­ter­minal nahe der Haupt­stadt Kampala transportieren. Von dem Industriegebiet aus wird das Öl in Schritt­ge­schwin­dig­keit auf seinen 1443 Ki­lo­me­ter langen Weg geschickt, im­mer 50 bis 70 Grad heiß. Im Industriegebiet wird zudem eine nationale Raffinerie ge­baut. Von hier soll eine zweite 95-Kilometer-Pipeline raffinierten Treib­stoff in ein La­ger­ter­minal nahe der Haupt­stadt Kampala transportieren. Mittendrin entsteht ein internationaler Flughafen. Satelliten­bilder im Zeitverlauf zeigen, wie Wälder und Felder von Bauern für den Flughafen planiert wurden. Ganze Dörfer wurden umgesiedelt.
Der Flughafen
Mittendrin entsteht ein internationaler Flughafen, mo­dern­er als der Haupt­stadt-Flughafen Entebbe. Das soll er­leich­tern, Material und Fachkräfte her­zu­brin­gen. Die Re­gierung baut ihn mit dem Schwei­zer Bau­un­ter­nehmen SBI In­ter­national Hol­dings und der britischen Colas UK. Die Lan­de­bahn gibt es schon; sie ist dreieinhalb Kilometer lang und stabil ge­nug für die größten Cargo-Flugzeuge der Welt. Satelliten­bilder im Zeitverlauf zeigen, wie Wälder und Felder von Bauern für den Flughafen planiert wurden. Ganze Dörfer wurden umgesiedelt. Der Flughafen wird mo­dern­er sein als der Haupt­stadt-Flughafen Entebbe. Er soll er­leich­tern, Material und Fachkräfte her­zu­brin­gen. Die Re­gierung baut ihn mit dem Schwei­zer Bau­un­ter­nehmen SBI In­ter­national Hol­dings und der britischen Colas UK. Die Lan­de­bahn ist dreieinhalb Kilometer lang und stabil ge­nug für die größten Cargo-Flugzeuge der Welt.
Die strategische Lage
Ob sich so ein Flughafen lohnt, nur um Öl zu fördern, ist frag­lich. Der Flughafen liegt allerdings an einer stra­te­gi­schen Position, nahe der Grenzen zur De­mo­kra­ti­schen Republik Kon­go (DRC), zum Süd­su­dan und zu Ruanda. Uganda hat be­reits die militärische Lufthoheit in der Region. Längst mar­schie­ren u­gan­dische Truppen für „Friedensmissionen“ in die DRC. Sie werden vom Sohn des ugan­di­schen Prä­si­den­ten, Muhoozi Kainerugaba, kom­man­diert. Der will seinen Vater bei der näch­sten Wahl als Prä­si­dent ab­lösen und sprach sich jüngst für Putin aus. Die DRC ist eine der bo­den­schatz­reich­sten Ge­gen­den der Welt. 70 Pro­zent des welt­weiten Col­tans kommen dort­her. Das Erz ist un­er­läss­lich für Elektro­auto-Batterien. Zu­sätz­lich ist das Kri­sen­gebiet einer der wich­tigsten Goldexporteure.
Tilenga
Weiter nördlich fließt das Wasser vom Al­bert­see weiter in den Weißen Nil, von dort aus durch den Südsudan und den Su­dan – bis es im Mittelmeer landet. Hier, am Nordzipfel des Albertsees, befinden sich bald die 426 Bohrlöcher des Ti­len­ga-Pro­jekts von Total, allein 200 davon dienen dazu, Was­ser in den Boden zu pumpen. Denn Öl wird mithilfe gro­ßer Mengen an Wasser aus dem Boden gepresst. Aus den Brun­nen, zusammengepasst in Bohr­lochpads, wird das Öl durch Infield-Pipelines unterirdisch zur CPF gedrückt, von wo aus es durch eine Zubringer-Pipeline zum Anfang der EACOP gepumpt wird.
Der Garten
Dass in Teilen des Tilenga-Fördergebiets wenige Menschen leben, die umgesiedelt werden müssen, hat einen schlichten Grund: Hier wohnen hauptsächlich Tiere. Es ist der größte und älteste Nationalpark des Landes, der Murchison-Falls-Nationalpark.
Das bedrohte Paradies

Murchison Falls wurde nach dem Vor­sitz­enden der britischen Royal Geo­gra­phi­cal Society benannt, so wie viele Orte in Ost­afrika nach ein­sti­gen Eroberern und Kolonialherren be­nannt sind. 1952 er­nann­ten die Herrscher das Gebiet zum ersten Nationalpark Ugan­das. Heute ist er über 3800 Qua­drat­ki­lo­meter groß.

Dass er eine der wichtigsten Touristenattraktionen des Landes ist, liegt an nicht nur an seinen mächtigen Wasserfällen, son­dern auch an der Artenvielfalt. Neben mehr als 2700 af­ri­ka­nischen Elefanten leben hier Löwen, Leoparden, Affen, Giraffen, Nilpferde und An­ti­lo­pen­arten – 76 verschiedene Säu­ge­tier­arten insgesamt. Die wech­sel­haf­te Landschaft aus Nil, Savannen, Bäumen und Feucht­ge­bieten bietet außerdem 451 Vogelarten ein Zuhause. Etliche davon gelten als bedroht.

Mittendrin, zwischen Büffelherden, Vogelschwärmen und tur­nenden Affen, werden nun Straßen verbreitert. Riesige Bau­maschinen pflü­gen die Landschaft.

Im Murchison-Falls-Nationalpark wechseln sich Feuchtgebiete, Savannen und Wälder ab. Sie bieten unter anderem Giraffen, Leoparden und vielen Antilopenarten Lebensraum.
Die Brücke
Infrastruktur für Ölförderung ist schwer und groß. Schon be­vor das Öl aus dem Park gepumpt wird, hat es ihn für im­mer verändert. Um Material und Arbeiter effizienter tran­spor­tie­ren zu können, wurde eine Brücke im Na­tio­nal­park ge­baut. Früher konnten Fahrzeuge hier nur mit einer kleinen Fähre übersetzen.
Die Logistik
Um schneller durch den Park zu kommen, hat man die größte Straße dort geteert. Die Verantwortlichen sagen, die Straßen verbessern die Infrastruktur des Landes. Umweltverbände sa­gen, in den Na­tio­nal­parks könnten sie Tiere davon ab­hal­ten, sie zu überqueren. Insgesamt 13 so­genannte Critical Oil Roads baut die Regierung, um das Projekt zu erleichtern, viele auf Kredit. Drei finanziert zum Bei­spiel China.
Kein Einzelfall
Murchison Falls ist nicht das einzige Na­tur­schutz­gebiet, das vom Öl betroffen ist. Gleich daneben liegt der Budongo-Wald, in dem eine der größten Schim­pan­sen-Gruppen welt­weit lebt. Auch durch die Ausläufer dieses Walds wird ei­ne Straße gezogen.
Die Schutzgebiete
Entlang der gesamten Pipeline reihen sich Natur- und Land­schafts­schutz­ge­bie­te. Einige davon sind Ramsar-Schutz­gebiete. Das sind Feucht­ge­bie­te von internationaler Be­deu­tung, Lebensraum etwa für Wasser- und Wattvögel. Und am Ende der Pipeline, dort, wo das Öl verschifft wird, ist ein Korallenriff nicht weit.
Die Vertriebenen
Die restlichen Flächen für das Projekt gehören zu großen Tei­len der Be­völ­kerung, so wie das meiste Land in Uganda. Die betreiben entweder Landwirtschaft zur Selbst­ver­sor­gung, so wie 40 Prozent der Menschen im Land. Oder sie bauen bei­spiels­wei­se Kaffee, Baumwolle oder Zu­cker­rohr an. Für das Öl werden Menschen enteignet, ent­we­der um­ge­sie­delt oder entschädigt. Einer von ihnen ist Jelousy Mugisha. Er sagt: Die Entschädigung verlief nicht fair, ihm wur­de viel zu wenig für sein Haus gegeben. Bis heute kämpft er vor Gericht. Berichte von ihm und anderen Menschen, die enteignet wurden, können Sie in dieser Re­por­tage lesen.
Die Enteigneten
Die meisten Enteigneten müssen nicht ihr Haus abgeben, son­dern Teile ihres Landes. Sie werden aber nur für den Strei­fen entschädigt, auf dem die Pipeline verläuft. Wie viele Betroffene es gibt, ist umstritten. In den Dokumenten wird meist nur von Project Affected Persons (PAP) ge­spro­chen. Laut internationalen Regeln, so Total auf An­fra­ge, kann ein PAP ein ganzer Haus­halt sein. Aus Dokumenten der Regierungen und Firmen gehen 25.665 PAPs in den ver­schie­de­nen Regionen hervor. Auch die Welt­bank teilt auf An­frage mit, PAPs seien in diesem Fall wohl lediglich die Köpfe der Haus­halte und Ge­schäfte. Mehrere NGOs haben die Zahlen auf be­trof­fene Einzelpersonen um­ge­rechnet. Sie kommen nicht auf 25.665, sondern auf 80.000 bis 116.000 Menschen.
Das Risiko

Entlang von tektonischen Rissen entlädt sich regelmäßig die Spannung an den vielen Bruchstellen aus den Plattenverschiebungen: Seit 2002 gab es Dut­zen­de Erdbeben mit mindestens 4,5 auf der Rich­ter­ska­la. Die größtenteils unterirdische Öl-Pipeline wird des­wegen an ei­ni­gen Stellen verstärkt. Sensoren sollen so­fort er­ken­nen, falls Lecks entstehen. Die Petroleum Authority of Uganda nennt mögliche Lecks als größtes Risiko, das die Öl­ak­ti­vi­täten für das Land bedeuten. Daher seien alle tech­ni­schen Maß­nah­men in Betracht gezogen worden, um das Ri­si­ko zu minimieren. Für den Fall, dass es doch zu Lecks kommt, sei wichtig, als Land Notfallpläne, Gesetze und Maß­nah­men zu entwickeln.

Zum Risiko von Erdbeben kommen immer häufiger Stark­re­gen, der Überschwemmungen und Erdrutsche aus­löst: Ex­trem­wetter­ereignisse, die durch die Klimakrise verursacht werden. Und die wird hauptsächlich durch die Ver­bren­nung fossiler Brennstoffe angetrieben.

Erst der Anfang?

Was bei den europäischen Klimadebatten um Elektroautos und grüne Energie verdrängt wird: Der weltweite Ölverbrauch steigt. Die wach­sen­de Mittelschicht in China kauft Autos, ge­nau­so in Indien und ein­zelnen afrikanischen Ländern.

In Deutschland mögen immer mehr auf Öffentliche oder E­lek­tro­autos umsteigen, die alten Verbrenner aber werden verkauft, vor allem nach Afrika. Hier fahren sie jahrelang weiter, mit dem alten hohen Benzinverbrauch. Auch die Absatzzahlen neuer deutscher Autos sind in den letzten Jahrzehnten gestiegen statt gefallen. Sie wer­den eben nicht mehr in Deutschland gefahren.

Da überrascht es nicht, dass die Vorhersagen der meisten Öl­kon­zer­ne stark übereinstimmen: In den nächsten zehn Jahren wird der Ölverbrauch steigen oder auf gleichem Niveau bleiben. Und auf­grund der Invasion der Ukraine stellt Russ­land, bisher einer der größten Öl­lieferanten Europas, Lieferketten um. Das erhöht den Druck, neue Fördergebiete zu erschließen.

Das Ölvorkommen am Albertsee ist eigentlich klein, wenn man es mit den Ölfeldern in Saudi-Arabien, Norwegen oder den USA ver­gleicht. Hinzu kommt: Man kann nie genau sagen, ob wirklich so viel von den Vorkommen gefördert werden kann wie vorhergesagt. Warum das Mega-Projekt EACOP dennoch so folgen­trächtig für Ugan­da, den afrikanischen Kontinent und sogar für die ganze Welt sein könnte, zeigt sich erst, sobald man den Blick auf die Landkarte ausweitet...

Längst verändert der Klimawandel den Albertsee. Vor zwei Jahren regnete es hier stark, an dieser Stelle trat der See über die Ufer – und blieb.
Die nächsten Gebiete?
Schließlich ist eine Pipeline wie EACOP, die Milliarden kos­tet, ein wenig wie ein Autobahnanschluss. Steht die Lei­tung einmal, wird es billiger, in der Nähe wei­te­res Öl zu fördern. Und egal, wer fördert: Alle müssen ei­ne Ge­bühr an den Besitzer zahlen, in diesem Fall an Total und zu ge­ring­erem Maße an CNOOC, Uganda und Tansania. Dass es rund um den Albertsee weitere Ölvorkommen gibt, steht fest, etwa im Virunga-Nationalpark in Ruanda, der für Gorillas bekannt ist. Oder in der De­mo­kra­ti­schen Republik Kongo. Seinen Wunsch, Nach­bar­län­der an die Pipe­line an­zu­schlie­ßen, hat Ugandas Präsident Museveni bereits geäußert.
Die Ausweitung
Ein Ende ist nicht in Sicht. Diese Karte zeigt alle derzeit aus­ge­zeich­ne­ten Erkundungs­gebiete für Öl und Gas</b> in A­fri­ka. Nur wenige sind bereits in Betrieb. Die restlichen sind säuberlich auf­geteilt, mit schnurgeraden Linien, man­che ge­hö­ren kleinen Firmen, andere wurden schon von den gro­ßen gekauft. So gehen Suche, Aufkäufe, Ver­tei­lungs­käm­pfe und För­der­deals weiter. Einige be­treffen die letzten grü­nen Oasen des Pla­ne­ten. Und sie verändern die Leben von Menschen, die sich nur schwer wehren kön­nen, wenn ihnen ihr Land ge­nom­men wird. Viel Geld be­kommen sie dafür auch nicht.

Dieser Artikel ist Teil einer einjährigen Recherche zu den Folgen des Klimawandels in besonders betroffenen Regionen in Afrika. Dabei liegt der Hauptfokus auf Klimaaktivistinnen, die vor Ort versuchen, Probleme aufzuzeigen und Lösungen zu finden. Alle bisherigen Artikel aus der Serie finden Sie auf der Projektseite A Female Fight for the Future. Das Rechercheprojekt wird vom European Journalism Centre im Rahmen des European Development Journalism Grants Programms finanziert. Unterstützt wird dieses Programm von der Bill&Melinda Gates Stiftung.

Besonderer Dank geht für diesen Artikel außerdem an Stefan Back von der RWTH Aachen, der sein geologisches Wissen mit uns geteilt und uns Zusammenhänge erläutert hat. Außerdem danken wir Bart Wickel vom Stockholm Environment Institute sowie der Wiener Firma EOX, deren aufbereitete Sentinel-Satellitenaufnahmen wir nutzen durften.

Datenquellen
Woher kommen die Daten?

Satellitenbilder: Sentinel-2 cloudless - https://s2maps.eu by EOX IT Services GmbH (Contains modified Copernicus Sentinel data 2020)

Satellitenbilder des Flughafens: Image Landsat / Copernicus und Sentinel-2 via Google Earth Pro und Google Earth Engine

Tektonische Platten: Peter Bird „Geochemistry Geophysics Geosystems, 4(3), 1027“ via Hugo Ahlenius/Nordpil

Pipeline und Infrastruktur: Petroleum Authority of Uganda

Tektonische Bruchlinien: British Geological Survey via data.gov.uk

Öl-Explorations- und -Produktionsgebiete: oilmap.xyz via Map for Environment

Öl- und Gasfelder weltweit: Energy Data Exchange’s Global Oil and Gas Features Database via ArcGIS

Project Affected People: Resettlement Action Plan EACOP Uganda, Resettlement Action Plan EACOP Tansania, Resettlement Action Plan Tilenga, Resettlement Action Plan Kingfisher, Resettlement Action Plan Kabaale

Ökologische Schutzgebiete: UNEP World Conservation Monitoring Centre’s World Databank on Protected Areas

Erdbeben: Earthquake Calalog/USGS

Klimaaktivistinnen in Afrika
Über das Projekt

Das Projekt

Dieser Artikel ist Teil einer einjährigen Recherche zu den Folgen des Klimawandels in besonders betroffenen Regionen in Afrika. Dabei liegt der Hauptfokus auf Klimaaktivistinnen, die vor Ort versuchen, Probleme aufzuzeigen und Lösungen zu finden.

Die globale Klimabewegung wird von jungen Frauen geprägt. Hierzulande stehen Aktivistinnen wie die Schwedin Greta Thunberg im Vordergrund - oder Luisa Neubauer, das deutsche Gesicht von “Fridays for Future”. Ihre Mistreiterinnen aus Afrika werden oft übersehen, dabei sind ihre Länder schon heute viel stärker von der Klimakrise betroffen.

Im Rahmen des Projekts A Female Fight for the Future begleitet der Tagesspiegel ein Jahr lang Klimaaktivistinnen in afrikanischen Ländern und visualisiert klimarelevante Entwicklungen. Wir schauen uns Projekte vor Ort an, mit denen der Klimawandel bekämpft werden soll, zeigen, wie sich neue politische Netzwerke bilden und zeigen, wo Menschen schon heute besonders unter der ökologischen Krise leiden.

Alle bisherigen Artikel aus der Serie finden Sie auf der Projektseite.

Die Finanzierung

Das Rechercheprojekt wird vom European Journalism Centre im Rahmen des European Development Journalism Grants Programms finanziert. Unterstützt wird dieses Programm von der Bill&Melinda Gates Stiftung.

Das Team

Eric Beltermann
Webentwicklung
Benedikt Brandhofer
Artdirektion
Nina Breher
Recherche und Koordination
Cordula Eubel
Recherche
Tamara Flemisch
Webentwicklung
Hendrik Lehmann
Text, Recherche, Bilder, Konzept
David Meidinger
Webentwicklung
Veröffentlicht am 31. Mai 2022.
Zuletzt aktualisiert am 2. Juni 2022.