Das ist das neue Abgeordnetenhaus: Wer im neuen Landesparlament sitzt und wen es (nicht) abbildet

An diesem Donnerstag kommen die 153 neuen Abgeordneten erstmals zusammen. Wer sind sie, wer vertritt Ihren Wohnort, und wie gut bilden sie die Stadt ab? Das neue Abgeordnetenhaus in einer durchsuchbaren Grafik.
An diesem Donnerstag kommen die 153 neuen Abgeordneten erstmals zusammen. Wer sind sie, wer vertritt Ihren Wohnort, und wie gut bilden sie die Stadt ab? Das neue Abgeordnetenhaus in einer durchsuchbaren Grafik.
Geschlecht
Alter
Im Parlament
153 Sitze
Linke
45
Grüne
25
SPD
21
CDU
33
AfD
29

Knapp sechs Wochen nach der Berlin-Wahl kann es endlich losgehen: An diesem Donnerstag kommt das neue Berliner Abgeordnetenhaus zum ersten Mal zusammen. In unserer interaktiven Grafik (Bildnachweise hier) können Sie sehen, wer die 153 Abgeordneten sind.

Wer ist neu im Parlament? Welche Fraktion hat die meisten Frauen? Das lässt sich mit den Filtern über der Grafik herausfinden. In der Suchleiste darunter können Sie Ihre Postleitzahl, Ihren Wahlkreis oder Ihren Bezirk eingeben. Dann sehen Sie, wer Ihren Berliner Wohnort vertritt.

Die Abgeordneten sollen die politischen Interessen der Berlinerinnen und Berliner vertreten. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass sie sie auch demografisch repräsentieren. Unsere Datenanalyse zeigt: Das neue Abgeordnetenhaus ist männlicher und westdeutscher als die Berliner Bevölkerung. Außerdem sitzen darin deutlich weniger Menschen, die im Ausland geboren sind.

Eine Lücke zeigt sich auch beim Alter. Die jüngste Abgeordnete ist die 22-jährige Asya Senyüz, die für Die Linke über die Liste ins Parlament eingezogen ist. Offiziell ist sie fraktionslos, da sie wegen schwerer Krankheit nicht an der konstituierenden Sitzung der Linksfraktion teilgenommen hat, bei der alle anwesenden Abgeordneten die Erklärung zum Kampf gegen den Antisemitismus unterschrieben haben.

Der älteste Abgeordnete ist Kurt Wansner (CDU). Der 78-Jährige wird am Donnerstag bereits zum dritten Mal als Alterspräsident die erste Sitzung eröffnen – einen Tag vor seinem 79. Geburtstag.

Unter 25- und über 59-Jährige sind im Parlament unterrepräsentiert
Altersverteilung unter den neuen Abgeordneten und in der Berliner Bevölkerung ab 18 Jahren, in Prozent
Von zwei Abgeordneten (Jens Hoffmann, CDU, und Andreas Umgelter, Linke) kennen wir nur das Geburtsjahr. Wir haben sie der älteren der beiden möglichen Altersgruppen zugeordnet.
Abgeordnetenhaus Berlin, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Eines haben Senyüz und Wansner gemeinsam. Sie gehören Altersgruppen an, die im Verhältnis zur Berliner Bevölkerung unterrepräsentiert sind: die sehr Jungen (bis 24 Jahre) und die Ältesten (ab 60).

Dafür ist rund die Hälfte der Abgeordneten zwischen 25 und 44 Jahre alt. In der Berliner Bevölkerung macht diese Altersgruppe nur 38 Prozent aus. Das neue Abgeordnetenhaus ist also ein vergleichsweise junges Parlament.

Im Schnitt am jüngsten ist die Linken-Fraktion mit 40 Jahren, gefolgt von den Grünen mit 43. Am ältesten ist die AfD-Fraktion mit durchschnittlich 52 Jahren.

Auch bei der Herkunft spiegelt das Parlament die Berliner Bevölkerung nur teilweise wider. Der Anteil der gebürtigen Berlinerinnen und Berliner ist in beiden Gruppen nahezu identisch. Im Ausland geboren sind aber deutlich weniger Abgeordnete.

Im Ausland Geborene unterrepräsentiert, im Westen Geborene überrepräsentiert
Geburtsort der Abgeordneten und der Berliner Bevölkerung, Anteil in Prozent
Westen/Osten: alte bzw. neue Bundesländer, Berlin nicht berücksichtigt
Abgeordnetenhaus Berlin, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnung

Eine mögliche Erklärung: Viele, die nicht in Deutschland geboren sind, haben keinen deutschen Pass. Sie dürfen weder wählen noch ins Parlament gewählt werden. Am 20. September betraf das rund knapp jeden Fünften der Einwohnerinnen und Einwohner Berlins über 16.

Im Wahlkampf hat besonders die Linke um Wählerinnen und Wähler mit Migrationshintergrund geworben. In ihrer Fraktion spiegelt sich das zumindest beim Geburtsort der Abgeordneten kaum wider: Nur drei der 45 Linken-Abgeordneten wurden im Ausland geboren – Maria Bigos in Polen, Rouzbeh Taheri im Iran und Betül Havva Yılmaz-Bergk in der Türkei.

Bei der SPD sind ebenfalls drei Abgeordnete im Ausland geboren, bei CDU und Grünen jeweils vier. Die AfD ist die einzige Fraktion ohne im Ausland geborene Abgeordnete.

Deutlich überrepräsentiert sind hingegen Menschen, die in westdeutschen Bundesländern geboren und nach Berlin gezogen sind, und zwar mit rund 30 Prozent. Das trifft nur auf rund 15 Prozent der Berlinerinnen und Berliner zu.

Das zeigt sich auch an der Spitze. Elif Eralp (Linke), Stefan Evers (CDU), Steffen Krach (SPD) und Werner Graf (Grüne) sind im Westen geboren. Nur Kristin Brinker (AfD), geboren in Bernburg an der Saale, stammt aus Ostdeutschland.

Noch immer unterrepräsentiert ist eine Gruppe, die die Hälfte der Bevölkerung stellt: Frauen. Sie machen nur 37,9 Prozent der Abgeordneten aus. Daran hat sich seit 25 Jahren wenig geändert.

Seit 2001 lag der Frauenanteil nie über 40 Prozent
Anteil der Frauen unter den Berliner Abgeordneten nach Wahljahr, in Prozent
Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Nach Fraktionen aufgeschlüsselt ergibt sich ein erwartbares Bild: Bei SPD, Linken und Grünen sitzen mehr Frauen als Männer, bei CDU und AfD deutlich mehr Männer.

Frauenanteil bei CDU und AfD besonders niedrig
Anteil der Frauen unter den Berliner Abgeordneten nach Fraktionen, in Prozent
Der Landeswahlleiter für Berlin/Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Im bundesweiten Vergleich steht Berlin allerdings ziemlich gut da: Nur in den anderen beiden Stadtstaaten, Bremen und Hamburg, sitzen anteilig mehr Frauen im Parlament. Im Bundestag ist der Frauenanteil aktuell knapp sechs Prozentpunkte niedriger als im Abgeordnetenhaus.

Nur Hamburg und Bremen haben anteilig mehr Frauen im Parlament als Berlin
Frauenanteil unter den Abgeordneten der Landesparlamente, in Prozent
Stand Berlin: 28. Oktober 2026, Rest: 1. September 2026
Statistisches Bundesamt

Abseits von Alter, Herkunft und Geschlecht fällt noch etwas auf: Fast die Hälfte der Abgeordneten ist neu im Abgeordnetenhaus. Besonders viele neue Gesichter gibt es bei der Linken und der AfD. Logisch: Deren Fraktionen sind schließlich am stärksten gewachsen.