Analyse in Karten: Linker Sieg auf grünem Gebiet

Die Linke gewinnt die Berlin-Wahl deutlich – und hat besonders den Grünen Stimmen abgenommen. Im Osten wählt die Stadt tiefblau. Ein detaillierter Blick auf die Wahlkarte.
Die Linke gewinnt die Berlin-Wahl deutlich – und hat besonders den Grünen Stimmen abgenommen. Im Osten wählt die Stadt tiefblau. Ein detaillierter Blick auf die Wahlkarte.
Mitte
Charlottenburg-
Wilmersdorf
Spandau
Steglitz-
Zehlendorf
Neukölln
Treptow-
Köpenick
Marzahn-
Hellersdorf
Lichtenberg
Reinickendorf
Pankow
Friedrichshain-
Kreuzberg
Tempelhof-
Schöneberg
S-Bahn-Ring
Lila-blau gespaltene Hauptstadt
Berlins neue politische Landkarte ist nach dieser Wahl bunter geworden. Das liegt vor allem am deutlichen Sieg der Linken – und den Zugewinnen der AfD.
Ein klarer Sieger
731 Briefwahlbezirke – fast die Hälfte der 1572 – gehen an die Linke. In 73 von ihnen, also den kleinsten Auszählungseinheiten, in denen Urnen- und Briefstimmen zusammengefasst werden, schafft es die Partei sogar über 50 Prozent. Ihr stärkstes Ergebnis erzielt sie im Kreuzberger Wrangelkiez.
Ergebnis 2026 in Stimmbezirk 316
Linke
63,1%
Grüne
17,0%
SPD
6,5%
CDU
4,3%
BSW
2,5%
AfD
1,9%
Sonst.
4,7%
Der nicht so heimliche Verlierer
Der linke Erfolg geht vor allem auf Kosten der Grünen. War einst der innere S-Bahn-Ring fest in grüner Hand, so gewinnt die Partei 2026 dort nur noch in 34 Briefwahlbezirken. Immerhin: im Möckernkiez kommt sie noch auf über 40 Prozent.
Ergebnis 2026 in Stimmbezirk 106
Grüne
40,1%
Linke
34,7%
SPD
9,9%
CDU
7,4%
BSW
2,2%
AfD
1,5%
Sonst.
4,2%
Tiefer Fall
Am tiefsten fällt die Partei rund um das Ostkreuz, zwischen Markgrafendamm und Alt-Stralau: minus 22,4 Punkte, von 43 auf 20 Prozent.
Zweistellige Verluste im Stammland
Noch deutlicher sieht man das, wenn man auf die Wahlkreise blickt. Die Grünen verlieren vor allem innerhalb des Rings, in Kreuzberg, Friedrichshain und Nord-Neukölln durchweg zweistellig.
Lila punktet...
Die Linke kann nicht nur in allen Wahlkreisen ihr Ergebnis verbessern.
... fast überall
Sie gewinnt auch in allen Briefwahlbezirken Stimmen hinzu. Am meisten im Graefekiez, plus 38 Prozentpunkte.
Tiefblau im Osten
Der AfD gelingt das in 1561 von 1572 Kiezen. Am stärksten legt sie in Marzahn-Hellersdorf nahe der Mehrower Allee zu. In dem Stimmbezirk sind es mehr als 27 Prozentpunkte.
Rechts-freier Ring?
Auch wenn die AfD innerhalb des Rings mehr Stimmen einsammelt, bleibt sie dort meist unter 10 Prozent. Nur am Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain erreicht sie 20 Prozent.
Ergebnis 2026 in Stimmbezirk 405
Linke
34,5%
AfD
20,1%
CDU
11,1%
SPD
9,7%
Grüne
8,3%
BSW
8,0%
Sonst.
8,4%
Jede Stimme zählt
Die blauen Flächen in Spandau, Reinickendorf und Köpenick sehen groß aus, sind aber verhältnismäßig bevölkerungsarm. Die meisten Stimmen für die AfD kommen aus Marzahn-Hellersdorf, zum Beispiel ganz im Norden an der Grenze zu Brandenburg.
Der größte Verlierer
Dort wo die AfD Stimmen holt, verliert die CDU. Insgesamt 9,4 Prozentpunkte. Am deutlichsten ist die Niederlage in Reinickendorf und Hohenschönhausen.
Der schwärzeste Fleck Berlins
Es gibt aber auch Gegenden, in denen für die Christdemokraten die Welt noch sehr in Orndung sein dürfte: Im Grunewald holt die CDU 56,9 Prozent – die Linke: 5,6.
Ergebnis 2026 in Stimmbezirk 524
CDU
56,9%
AfD
10,1%
FDP
7,8%
Grüne
7,8%
SPD
7,6%
Linke
5,6%
Sonst.
4,1%
Wo ist die SPD?
Die ist von Berlins politischer Landkarte verschwunden. Nur noch zwei der Kieze sind noch rot. Schon 2023 waren es nur zehn.

Auch bei den Erststimmen konnte die SPD nur noch ein Direktmandat gewinnen. Auch dort gewannen vor allem Linke und AfD hinzu.

Was Berlins neue politische Landschaft zeigt: Die Ränder wachsen, die Mitte schrumpft. Dass die Grünen trotz großer Verluste in der Innenstadt berlinweit nur rund vier Prozentpunkte verloren haben, liegt daran, dass die Partei außerhalb des Rings ihr Niveau hielt und am Stadtrand sogar leicht zulegte.

Das BSW verpasste die Fünf-Prozent-Hürde und zieht damit nicht ins Abgeordnetenhaus ein. Am stärksten war die Partei der ehemaligen Linkenpolitikerin Sahra Wagenknecht im Osten der Stadt, in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick.

Die Karten zeigen, in welchen Briefwahlbezirken die Parteien mit den Zweitstimmen punkten und wo sie kaum gewählt werden.

Wo die Parteien stark sind

Zweitstimmen · Stand: --:-- Uhr
Linke
CDU
AfD
Grüne
SPD
BSW

In den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, ob es der Linken gelingt, eine Koalition zu bilden. Sie könnte mit SPD und Grünen regieren. Aber auch eine Regierung aus CDU, SPD und Grünen wäre rechnerisch möglich.