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Die Bezirkswahl Mitte

Am 26. September 2021 werden neue Bezirksverordnete gewählt. Alle Zahlen und Spitzenkandidierenden zur BVV-Wahl in Mitte.
Neben einem neuen Abgeordnetenhaus wählen die Berliner:innen am 26. September 2021 neue Bezirksverordnete für ihren Bezirk. Alle Zahlen und Fakten zur BVV-Wahl in Mitte.
Die bisherigen Wahlergebnisse im Bezirk

Die Spitzenkandidierenden im Bezirk

Spitzenkandidat der Grünen

Stephan von Dassel ist seit 2016 Bezirksbürgermeister von Mitte. Die Chancen stehen gut, dass er es bleiben kann. Die Grünen liegen in Umfragen vorne. Für die nächste Legislaturperiode hat er die „Vision Zero“ – niemand soll mehr im Straßenverkehr umkommen – und mehr autofreie Straßen auf die To-Do-Liste gesetzt. Vor allem beim Radwegausbau gibt es im Bezirk noch viel zu tun.

Der Bezirksbürgermeister ist auch für seine strenge Politik bekannt. Nach Randalen hat er ein nächtliches Aufenthaltsverbot für den James-Simon-Park ausgesprochen. Da es bei den Grünen üblich ist, dass Frauen oder Trans-Personen alle ungeraden Listenplätze besetzen, steht von Dassel nur auf Platz zwei. Auf dem ersten Listenplatz steht Laura Neugebauer, zweitjüngste Verordnete in der Bezirks­verordneten­versammlung in Mitte und Sprecherin ihrer Fraktion.

Lebenslauf
seit 2016
Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte
2009 bis 2016
Stadtrat für Soziale und Bürgerdienste in Mitte
2000 bis 2009
Wissenschaftlicher Referent der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus
1999 bis 2009
Mitglied der Bezirks­verordneten­versammlung Mitte von Berlin
1996 bis 2000
Geschäftsführer der BVV-Fraktion Mitte und des Kreisverbandes
1989 bis 1994
Studium der Politischen Wissenschaft an der Freien Universität Berlin
geboren 1967 in Münster als Sohn einer Krankenschwester und eines griechischen Vaters.
Spitzenkandidat der SPD

Ephraim Gothe (SPD) will Bürgermeister von Berlin-Mitte werden und bringt dafür viel Erfahrung mit. Als Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit verantwortete er den Umbau des Gesundheitsamtes in ein Corona-Krisenzentrum mit. Sein Fachgebiet ist die Stadtplanung. Von 2012 bis 2014 war er Staatssekretär unter dem damaligen Bausenator Michael Müller.

Seit 2016 ist er stellvertretender Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte. Zuletzt trat er als Verfechter einer radikalen Verkehrswende auf. Er wünscht sich eine Innenstadt nach dem Vorbild der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die Autos aus der französischen Metropole verdrängen will.

Lebenslauf
2016 bis 2021
Stellvetretender Bezirksbürgermeister und Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit in Mitte
2012 bis 2014
Staatssekretär für Bauen und Wohnen bei SenStadt
2006 bis 2011
Stadtrat für Stadtentwicklung, Tiefbau und Landschaftsplanung, Umwelt und Naturschutz in Mitte
1999
Persönlicher Referent des Senatsbaudirektors von Berlin, Hans Stimmann
1984
Abitur in Lübeck und Studium Bauingenieurwesen an der TU München
Geboren 1964 in Lörrach in Baden-Württemberg
Spitzenkandidat der CDU

Carsten Spallek ist seit 1995 Kommunalpolitiker in Mitte. Zuerst als Verordneter in der BVV, seit 2009 war er Bezirksstadtrat in unterschiedlichen Bereichen, aktuell für Schule, Sport und Facility Management. Nun will er Bezirksbürgermeister von Mitte werden und fordert Stephan von Dassel heraus.

Er kritisiert die „ideologischen Experimente“ der Grünen, wie er es nennt, und will sich für besseren Service bei den Bürgerämtern und die Wertschätzung ehrenamtlichen Engagements einsetzen. Als sein wichtigstes politisches Ziel nennt er den Ausbau von Kita- und Schulplätzen.

Lebenslauf
seit 2016
Stadtrat für Schule, Sport und Facility Management
2011 bis 2016
Stadtrat für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und
2009 bis 2011
Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Immobilen und Ordnungsamt
1995 bis 2009
Angestellter im Konzernverbund der Bankgesellschaft Berlin, danach in einem IT-Unternehmen und ab 2002 Berater in einem Rechenzentrum für Kreditinstitute
1995 Abschluss als Bankkaufmann mit Zusatzausbildung Versicherungslehre, später Diplom-Kaufmann (FH)
1992
Abitur in Berlin-Wedding
geboren 1971 in Berlin
Spitzenkandidat der Linken

Christoph Keller kandidiert für den Posten des Bezirksbürgermeisters in Berlin-Mitte. Mit 34 Jahren ist er der jüngste Kandidat im Rennen um dieses Amt. Der Weddinger arbeitet als politischer Referent im Bezirksamt Lichtenberg.

In Mitte will er sich für mehr Kita- und Schulplätze einsetzen. Außerdem wünscht er sich lebenswerte, bezahlbare Kieze, die er durch starken Milieuschutz erhalten will. Er findet außerdem, dass der Verkehr für Radfahrende und Zufußgehende sicherer werden muss.

Lebenslauf
seit 2017
Persönlicher Referent der Bezirksstadträtin Katrin Framke (Familie, Jugend, Gesundheit und Bürgerdienste) im Bezirksamt Lichtenberg
seit 2014
Sprecher der Stadtteilvertretung Müllerstraße
2014 bis 2015
Befristete Tätigkeit bei der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin
2008 bis 2013
Studium European Studies, Master-Abschluss von der FU Berlin
geboren 1986 in Potsdam
Spitzenkandidat der FDP

Bastian Roet hat mit Blick auf die Umfragen nicht allzu große Chancen, Bezirksbürgermeister zu werden. Er weiß trotzdem, was er anders machen würde.

Beim Thema Verkehr wirft er den Grünen vor, „Partikularinteressen“ durchsetzen zu wollen. Zugunsten von autofreien Straßen dürften wichtige Autowege nicht blockiert und so Stau verursacht werden. Auch der Wohnungsbau bei gleichzeitiger Erhaltung der Grünflächen ist ihm ein wichtiges politisches Anliegen.

Lebenslauf
seit 2016
Mitglied der BVV Mitte
bis 2018
Ehrenamt beim Roten Kreuz, aktiv in der Jugendarbeit und als Ausbilder
seit 2013
Leiter Hauptstadtrepräsentanz der Vereinigung Cockpit in Berlin
seit 2010
Mitglied der FDP
Beschäftigt bei unterschiedlichen Verkehrsverbänden wie dem Automobilclub von Deutschland, dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer und aktuell der Vereinigung Cockpit.
2000 bis 2006
Studium zum Diplom-Soziologen in Bamberg und Mailand
Geboren 1979 in Frankfurt am Main
Spitzenkandidatin der AfD

Sabine Schüler ist seit 2016 Verordnete in der BVV Mitte und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion. Als Bezirkspolitikerin will sie sich nach eigenen Angaben für Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit statt Gleichstellung einsetzen.

Die „konkreten Bedürfnisse“ der Bürger seien ihr wichtiges als „Partikularinteressen“, besonders in den Bereichen Bildung, Verkehr, Wohnen und Bürgerdienste.

Lebenslauf
seit 2018
Bezirksvorsitzende der AfD Berlin-Mitte
seit 2016
Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD in der BVV Mitte
2015
Eintritt in die AfD
2013 bis 2015
Selbständig tätig als Integrations- und Alphabetisierungskursleiterin in Berlin
1988 bis 2010
Tätig in unterschiedlichen Unternehmen als Software-Entwicklerin, IT-Projektleiterin und Teamleiterin
1979 bis 1986
Studium der Germanistik und Linguistik an der FU Berlin
geboren 1959 in Berlin-Wedding
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Fragen und Antworten zur Wahl der Bezirksverordnetenversammlung

Die BVV und ihre Aufgaben

Was ist eine Bezirks­verordneten­versammlung?

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist eine Art „Parlament des Bezirks“, ihrre Mitglieder sind die direkt gewählten Volksvertreter auf Bezirksebene. Als echtes parlamentarisches Gremium gilt sie aber nicht. In der Berliner Verfassung wird sie als „Organ der bezirklichen Selbstverwaltung“ bezeichnet.

Die politische Führung des Bezirkes übernimmt nicht die BVV, sondern das Bezirksamt – bestehend aus Bezirksbürgermeister:innen, Stadträt:innen sowie deren Dezernaten. Zu den Aufgaben der BVV gehört unter anderem dessen Kontrolle.

Wie wird man Bezirksbürgermeister:in?

Der Bezirksbürgermeister oder die Bezirksbürgermeisterin wird von der Bezirks­verordneten­versammlung gewählt. Eine Amtszeit endet in der Regel mit dem Ende der Wahlperiode des Berliner Abgeordetenhauses. Er oder sie kann aber auch vorher durch eine Zweidrittelmehrheit von der BVV abberufen werden. Es wird außerdem stets ein Stellvertreter durch die BVV gewählt.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht eine BVV?

Jede Bezirksverordnetenversammlung der zwölf Berliner Bezirke hat in der Regel 55 Mitglieder.

Wie viel verdient man als Mitglied der Bezirks­verordneten­versammlung?

Ein Sitz ist ein Ehrenamt. Es gibt jedoch eine Aufwandsentschädigung. Sie beträgt laut Gesetz 15 Prozent der Diäten der Abgeordnetenhausmitglieder und ist steuerfrei. Aktuell sind das 937 Euro pro Monat. Hinzu kommen einzelne Zuschläge wie Sitzungsgelder. Für jede Plenarsitzung bekommen die BVV-Abgeordneten 31 Euro, für jede Ausschusssitzung 20 Euro. Obendrauf kommen Fahrtkostenzuschüsse von 41 Euro pro Monat.

Wie oft tagt die Bezirks­verordneten­versammlung?

Jede BVV muss mindestens alle zwei Monate tagen.

Was sind die Aufgaben einer BVV?

Die Bezirksverordnetenversammlung bestimmt die „Grundlinien der Verwaltungspolitik des Bezirks“, heißt es im Gesetz. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört die Wahl des oder der Bezirksbürgermeister:in sowie die Wahl der Stadträt:innen als Teile des Bezirksamts. Neben der Wahl der Mitglieder des Bezirksamt besetzt die BVV außerdem weitere ehrenamtliche Positionen per Wahl, beispielsweise Bürgerdeputierte, Schöffen, ehrenamtliche Richter:innen, Patientenfürsprecher:innen.

Laut Gesetz hat die BVV außerdem die Aufgabe, „Verwaltungshandeln des Bezirksamts anzuregen (Initiativrecht) und zu kontrollieren (Kontrollrecht). Außerdem kann sie über alle Angelegenheiten vom Bezirksamt jederzeit Auskunft verlangen (Auskunftsrecht).“ Die BVV kann Entscheidungen des Bezirksamts aufheben. Dafür muss die Mehrheit der Mitglieder für eine Aufhebung stimmen, etwa wenn das Bezirksamt sich nicht an Vorgaben hält, die von der BVV zuvor gemacht wurden. Der Beschluss kann dann durch eigene Beschlüsse ersetzt werden.

Was darf die Bezirksverordnetenversammlung entscheiden?

Neben der Wahl des Bezirksamtes kann die BVV vor allen zu folgenden Bereichen Entscheidungen treffen:

- dem Haushaltsplan des Bezirkes. Im Anschluss muss dieser allerdings noch im Rahmen des Berliner Haushaltsgesetz genehmigt werden. - der Verwendung von Sondermitteln. Diese können im Bezirk ansässige Vereine und Verbände für bestimmte Projekte beantragen, etwa Sportvereine für ihre Ausstattung. - Rechtsverordnungen im baurechtlichen Bereich, zum Beispiel Bebauungspläne oder Landschaftspläne. - der Investitionsplanung im Bezirk - Kauf und Verkauf von Beteiligungen des Bezirks an privatrechtlichen Unternehmen - Gründung, Übernahme oder Auflösung bezirklicher Einrichtungen oder deren Übertragung an private Träger in ihren Aufgabenbereich - Beschlüsse zur bezirklichen Jugendhilfeplanung

Seit wann gibt es Bezirksverodnetenversammlungen in dieser Form?

Die Bezirksversammlungen sind so alt wie die Stadt Groß-Berlin, die wir heute kennen. Als 1920 per Gesetz die neue Stadtgemeinde Berlin geschaffen wurde, wurden sieben Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke zu einer neuen Verwaltungseinheit zusammengefasst.

Da einige dieser Kommunen den Verlust ihrer Selbstbestimmung befürchteten, versuchte man, diesem entgegen zu wirken. So erhielt Berlin eine zweigliedrige Verwaltung – mit einem Magistrat, dem heutigen Senat, und 20 Bezirken. Seit 2001 gibt es noch zwölf Bezirke in Berlin.

Sind die Wahlergebnisse für BVVen oft anders als für das Abgeordnetenhaus?

Die Ergebnisse der vergangenen BVV-Wahlen unterschieden sich nicht nur für jeden Bezirk vom Ausgang der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Auch die Bezirke untereinander haben teilweise sehr unterschiedliche Stimmverhältnisse erreicht.

So funktioniert die Bezirkswahl

Wie oft wird die BVV gewählt?

Die BVV wird immer gemeinsam mit dem Berliner Abgeordnetenhaus gewählt, ist also an die Wahlperiode von fünf Jahren gekoppelt. Endet die Wahlperiode des Abgeordenetenhauses früher, etwa durch vorzeitige Auflösung, so endet die Wahlperiode der BVVen automatisch ebenfalls vorzeitig.

Gibt es eine Fünf-Prozent-Hürde?

Nein. Die Fünf-Prozent-Hürde wurde bei BVV-Wahlen durch ein Urteil des Berliner Landesverfassungsgerichts für verfassungswidrig erklärt. Das Abgeordetenhaus führte daraufhin eine Drei-Prozent-Hürde ein, die bis heute gilt.

Wer darf wählen?

Anders als bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus dürfen bei den BVV-Wahlen nicht nur deutsche Staatsangehörige wählen, sondern auch Menschen aus EU-Mitgliedsstaaten mit gemeldetem Wohnsitz in Berlin. Seit Oktober 2005 beträgt das Mindestalter 16 und nicht wie sonst 18 Jahre.

Wie viele Stimmen hat man bei der BVV?

Die Bezirksverordentenversammlung wird in allgemeiner, gleicher, geheimer und direkter Wahl gewählt. Wählende haben eine Stimme. Es handelt sich um eine Verhältniswahl. Das heißt, dass die Mandate nach dem Verhältnis der abgegebenen Stimmen auf die Parteien verteilt werden. Eine Direktwahl gibt es nicht.

Veröffentlicht am 19. August 2021.